Sport
Aus Zensur Archiv
DDR-Hymne und die "Tonstörung", 1966
Als bei der Leichtathletik-Europameisterschaft die Nationalhymne der DDR gespielt wurde, blendete die ARD einfach den Ton weg und zeigte dafür eine Tonstörung an. (Prisma Archiv)
Fußballer Ewald Lienen mit Anti-Atom-Pullover, WDR 1985
„Herr Lienen, was wollen Sie denn am Sonntag anziehen?“, war die Frage, die dem Fußballer Lienen telefonisch gestellt wurde, nachdem er vom WDR als "Torschütze des Monats" zur Sportschau eingeladen worden war. Der zuständige Redakteur erklärte zum Hintergrund der Frage, dass dem WDR sein Lieblingspullover mit dem Abrüstungssymbol und der Aufschrift „Sportler gegen Atomraketen – Sportler für den Frieden“, den er bei den letzten Sendungen getragen habe, missfalle. Lienen verzichtete schließlich auf den Pullover und durfte dafür einen Button mit dem Friedenszeichen tragen und in der Sendung auf seine Aktivitäten für die Friedensbewegung eingehen. (Spiegel 47 1985)
Tennisspieler John McEnroe: zu schmächtig, USA 1980
Der damalige Weltranglistenerste warb mittels einer Fotomontage für den Schlägerhersteller Dunlop, weil er zu schmächtig erschien: der Kopf stammt vom ihm und der Oberkörper von einem unbekannten Athleten. Trotz dieses Tricks wurde zum Boykott aufgerufen, allerdings nicht wegen der Montage, sondern weil der Sportler laut der Zeitung "Litchfield County Times" ein "taktloser Heulpeter" sei, der mit seinem "unerträglichen Benehmen für junge Menschen ein klägliches Beispiel" sei. (Spiegel 30 1983)
Paul ("Gazza") Gascoigne: "Gazza" schütze seine "anderen wertvollen Aktiva", 1991
Das berühmte Foto, auf dem Vinnie Jones seinem Hintermann Gascoigne ans Gemächte geht, sollte als Zeitungsanzeige für das britische Patentamt erscheinen (Werbezeile: "Gazza" schütze seine "anderen wertvollen Aktiva", indem er seinen Spitznamen als Warenzeichen habe eintragen lassen). Das Handelsministerium untersagte die Anzeige mit der Begründung: "Schlechter Geschmack". (Spiegel 9 1991)
Jürgen Klinsmann "Stuka"-T-Shirt, 1995
Ein T-Shirt mit dem Schriftzug "Achtung Jürgen" und einem Sturzkampfbomber der Wehrmacht (darunter waren in Bauchhöhe Bomben mit den Jahreszahlen der bisherigen Cup-Siege der Totenham Hotspurs, bei denen Klinsmann spielte) führte zu einer kritischen Diskussion. (u.a. Netz und Spiegel 19 1995)
Paul Gascoigne: Flötenspieler - Stefan Effenberg: Stinkefinger, 1994/95
Der britische Fußballstar Gascoigne zwang beim Lokalderby von Celtic Glasgow gegen Glasgow Rangers die Polizei zum Einschreiten: er hatte - nicht wie Effenberg bei der WM 1994 in den USA den Stinkefinger, was nebenbei bemerkt den amerikanischen Sprachschatz um das Wort "the stinkefinger" bereicherte - nach seinem Tor mit den Händen einen Flötenspieler imitiert, um die Celtic Fans in Rage zu bringen. Zum Hintergrund: jedes Jahr feiern die Protestanten den Sieg von 1690 über die aufständischen Katholiken mit Umzügen und Flötenspiel. (Spiegel 33 1995 und Stern-Archiv)
Tageszeitung "Apple Daily": Hitler-Bild und deutsche Fußball-Nationalmannschaft, Hongkong 1998
In der Zeitung war ein Hitler-Gemälde in Verbindung mit der deutschen Nationalmannschaft dargestellt, der man den Gewinn der Weltmeisterschaft in Frankreich prophezeite. Denn, so die Zeitung, das deutsche Team verkörpere die Qualitäten einer "Rasse, die sich nie geschlagen gibt und grimmig kämpft." Der Artikel erschien ausgerechnet am Vorabend von Jom Haschoah, dem Tag der Erinnerung an die sechs Millionen Juden, die von den Deutschen ermordet wurden. Nach Protesten entschuldigte sich die Zeitung und erklärte das Bild als "Teil einer künstlerischen Gestaltung." (Spiegel 18 1998)
Bundesliga: Hoffenheim gegen Dortmund - Mäzen Dietmar Hopp als Zielscheibe, 2008
Auf dem Plakat stand "Hasta la vista Hopp" (ungefähr: "bis zum nächsten Wiedersehen Hopp"). Hopp stellte Strafanzeige. (MZ 23.9.2008)
Eistanz: Oksana Domnina und Maxim Schabalin: Ritueller Tanz der Aborigines, 2010
Erstmals führten die beiden den Tanz bei den russischen Meisterschaften auf. Danach hob im Netz eine Welle der Entrüstung ab. In den USA reagierte man besonders befremdet: Weiße, die sich dunkle Farbe ins Gesicht malen, um Dunkelhäutige zu spielen, gelten dort als politisch unkorrekt. Und Bev Manton, der Vorsitzende der wichtigsten Aborigine-Vertretung des Bundesstaates New South Wales beklagte: "Wir fühlen uns durch diese Aufführung angegriffen. Aborigines sind aus gutem Grund sensibel, wenn andere ihre Kultur und ihre Riten aufgreifen." (Sdt. 22.1.2010]
Snowboarderin im Bikini: Hannah Teter, 2010
Die Olympiasiegerin von Turin ließ sich für das Magazin "Sports Illustrated" leicht bekleidet ablichten und löste damit ein Welle der Empörung aus. (spiegel de 16.2.2010)
Lindsey Vonn in Abfahrtshocke: "sexualisierte Pose", 2010
Der alpine Skistar Lindsey Vonn geriet in die Diskussion, weil sie für das Titelblatt von "Sports Illustrated" (bekleidet) die typische Abfahrtshaltung eingenommen hatte. Die US-Soziologin Nicole LaVoi sah darin ein "sexualisierte Pose". ((spiegel de 16.2.2010)
Fluchverbot für italienische Fußballer, 2010
Im März 2010 wurden in der italienischen Liga "Serie A" die ersten Sperren wegen gotteslästerlichen Fluchens ausgesprochen. Als erster Sünder überführt wurde Domenico Di Carlo, der Trainer des Erstligisten Chievo Verona, der u.a. das Wort "Dio" (Herrgott) gerufen hatte. Die Worte des Lasters wurden - so der Beweis - von den Lippen abgelesen. (Sdt. 4.3.2010)
"Ultimate Fighting, 2010
Im März 2010 entschied der Fernsehausschuss der Bayrischen Landeszentrale für Neue Medien, dass die drei Formate "The Ultimate Figther", "UFC Unleased" und "UFC Fight Night", die bis dato samstags von 23 Uhr an gesendet wurden, nicht mehr gezeigt werden dürfen. Zur Begründung: "Die darin stattfindenden Tabubrüche, wie das Einschlagen auf einen am Boden liegenden Gegner, widersprechen dem Leitbild eines öffentlich-rechtlich getragenen Rundfunks." (Sdt. 20./21.3.2010)
Fußball-WM 2010: Katrin Müller-Hohenstein und der "Reichsparteitag", TV 2010
In der Halbzeit des Spiels Deutschland gegen Australien hatte die Journalistin formuliert, es sei nach dem Tor des lange glücklosen Stürmers Klose für ihn wohl wie ein "innerer Reichsparteitag" gewesen. Im Internet kam es daraufhin zu heftigen Proteststürmen. ZDF und Journalistin entschuldigten sich. (MZ 15.6.2010)
Wo die Fußball-Weltmeisterschaft zur Lebensgefahr wird, Somalia 2010
In Somalia sind nicht nur Kinos und DVDs verboten, auch die Übertragung der Fußballspiele zur WM in Südafrika wurde verboten, dass Anschauen der Spiele via Satellit mit dem Tode bedroht. Die Begründung der Kleriker: "Dieser Sport soll die jungen Generationen blind machen und sie davon abhalten, Allah durch gute Taten zu eher." (Wochenpost 20.6.2010)
Fußball-WM: Spieler Anelka zum Trainer Domenech: "Fick dich in ..., du Hurensohn", Südafrika 2010
Der französische Spieler Anleka war vom Trainer in der Pause des Spiels Mexiko gegen Frankreich wegen seiner mangelhaften Laufbereitschaft zur Rede gestellt worden, woraufhin der Spieler mit "Fick dich in den Arsch, du Hurensohn" antwortete. Anelka wurde sofort suspendiert. Der Satz wurde z.T. nur angedeutet wiedergegeben. In der Süddeutschen Zeitung etwa wurden bestimmte Worte durch Punkte ersetzt (siehe oben). (Sdt. 21.6.2010)
Fußball-WM: Nordkorea - Portugal: 0 - 7: Fernsehsprecher schweigt, Südafrika 2010
Vor dem Spiel hatte der Generalsekretär des nationalen Fußballverbands von Nordkorea gesagt, dass der "liebe Führer" ihm eine "tiefgehende Anleitung" hat zuteil werden lassen, wie der Fußball des Landes zu entwickeln sei, und der Trainer behauptete, er empfange sogar während des Spiels fortlaufend taktische Anweisungen durch den Diktator Kim Jong-il durch ein unsichtbares Handy, das dieser persönlich entwickelt habe. Kim selbst hatte verlautbaren lassen: "Wenn unsere Spieler die Mannschaften anderer Länder schlagen, werden wir die wirkliche Stärke unseres Landes demonstrieren können." Das Spiel wurde als erste Live-Übertragung eines Fußballspiels dann in Nordkorea ausgestrahlt. Nach dem vierten Tor der Franzosen verweigerte der Kommentator in der sechzigsten Minute seinen Dienst und blieb über eine halbe Stunde stumm. Nach dem Schlusspfiff wurde die Übertragung abrupt beendet und Fabrikarbeiter gezeigt, die Kim loben. (Sdt. und FAZ 23.6.2010)
Frauen in Orange-Kleidern mit Werbebotschaften: verhaftet, Fußballweltmeisterschaft Südafrika 2010
Die beiden jungen Damen trugen die Werbebotschaft ihres Auftraggebers, einer holländischen Brauerei, ins Soccer City Stadium, indem sie Orange-Kleider trugen, die mit einer winzigen Werbebotschaft versehen waren. Sie wurden, da die Fifa ein Werbeverbot erlassen hatte in einer Art vorauseilender Gehorsam von den örtlichen Behörden verhafte. Die niederländische Botschaft protestierte. (FAZ 4.10.2010)
