Spiele

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Inhaltsverzeichnis

Gesellschaftsspiele

"UNO"-Spiel - ohne Entführung eines Weltbankpräsidenten, 1972

Das Gesellschaftsspiel propagiert eine weltwirtschaftliche Arbeitsteilung. Der damalige Entwicklungsminister Eppler förderte das Spiel, kaufte 10000 Exemplare und ließ es an Schulen verteilen. Allerdings wurden zunächst einige Zufallskarten eliminiert: z.B. verschwand die Karte, nach der der Weltbankpräsident "unbemerkt entführt" werden konnte. Auch wurden vorher vorgesehene Pluspunkte gestrichen, die dazu für den Fall gedacht waren, das ein Entwicklungsland "Russen und deutsche geschickt gegeneinander ausgespielt hat." (Spiegel 18 1972)

Schachspiel mit Hitler, England 1975

Das Schachspiel mit Hitler als König und Eva Braun als Dame wurde von einem Londoner Taxifahrer kreiert. Proteste sind nicht bekannt. (Spiegel 50 1975)

"Hitler"-Schach

Gesellschaftsspiel: „Provopoli“ - "Aufforderung zu terroristischem Verhalten“, 1980

Auf Antrag des Bayrischen Sozialministeriums indizierte die Bundesprüfstelle das Unterhaltungsspiel „Provopoli“, eine Art antikapitalistische Antwort auf „Monopoly“. Damit darf „Provopoli“ vom Horatio-Verlag nicht mehr an Jugendliche verkauft werden. In jeder der Spielvarianten befehden sich mit Tricks Kapitalisten (in Blau) und Systemgegner (in Rot): so wird u.a. der Dekan der Uni auf einer Toilette eingesperrt und soll von der blauen Polizei befreit werden, oder die Rotpartei organisiert ein “love-in“ im Stadtpark oder plant einen Hochschullehrer-Vortag zu stören. Die CSU sah in „Porvopoli“ deshalb „eine Aufforderung zu terroristischem Verhalten“.Der Frankfurter Spielclub hingegen hatte es als "ein Übungsspiel praktischer Staatsbürgerkunde" angesehen. (Spiegel 18 1972 und 28 1980)

Provopoli

„The War of Terror, The Boardgame“, England 2006

Das satirische Gesellschaftsspiel „The War of Terror, The Boardgame“ wurde von der britischen Polizei beschlagnahmt. Seit dem Erscheinen 2006 hatte sich das provokante Brettspiel 10 000 Mal online oder in kleinen Läden verkauft, während große Warenhäuser sich geweigert hatten, es in ihr Sortiment aufzunehmen. Ziel des für 2 – 6 Personen konzipierten „War of Terror“ ist laut Beschreibung „die Befreiung der Welt“: es geht um Öl, Macht, Waffen. Manche Spieler agieren als Imperium, manche als Terrorstaat. Wer die Terroristenrolle einnimmt, muss eine Skimütze mit dem Wort „Evil“ tragen. (Spiegel 34 2008

War of Terror, 2008

Kartenspiele

Kartenspiel mit Valéry Giscard d´Estaing, Frankreich 1976

Der damalige französische Staatspräsident ließ ein Kartenspiel verbieten, das ihn u.a. als Kardinal Richelieu und als Vercingetorix karikierte. Ein Gericht Gericht bestätigte das Verbot. (Spiegel 43 1976)

Valéry Giscard d´Estaing als Kardinal Richelieu und als Vercingetorix

"Das Führer-Quartett", 2008

Das in Berlin herausgegebene Kartenspiel mit 32 Diktatoren (u.a. Hitler und Stalin) war nach Ansicht der Spielefirma rein "ironisch" zu verstehen. Die Proteste ließen nicht lange auf sich warten. (mail online 17.7.2008)

"Das Führer-Quartett"
Karten aus dem "Führer-Quartett"

Reality

Street-Wars-Cologne, Köln 2006

Das Spiel, bei dem die Teilnehmer auf Gegner mit Wasserpistolen auf Jagd machen, sollte in Köln stattfinden. Bis zu 200 Leute sollten Jagd aufeinander machen. Ziel des Spiels ist es, alle Mitspieler in einem Zeitraum von drei Wochen zu eliminieren und dann als Überlebender 500 Euro zu kassieren. Nach dem Amoklauf in Emsdetten und dem öffentlichen Druck wurde das Spiel abgesagt. Das Kölner Ordnungsamt hatte bereits ein Verbot in Erwägung gezogen. Ob das Spiel allerdings „Gewalt verherrlichend“ ist, scheint eine Interpretationsfrage. Das Profil der 50 Interessierten sprach damals dagegen: 70% waren Zivildienstleistende, Altenpfleger oder Beschäftigte aus dem Krankenhausbereich. In New York und London war die Menschenjagd schon „gespielt“ worden. Auch dort hatte es heftige Kritik gegeben. (WN 1.12.2006)

Spielzeug

Kriegsspielzeug mit Nazisymbolen, 1979

In vielen Städten kam es 1979 zu einer Beschlagnahmeaktion: Beschlagnahmt wurde Kriegsspielzeug mit Runen, Hakenkreuzen oder andern Nazi-Symbolen. Doch die Aktion hatte juristisch nur bedingt Bestand: Während in Marburg und Karlsruhe ganze Kampfgeschwader in den Asservatenkammern verschwanden, befand ein Staatsanwalt in Frankfurt, dass nicht erkennbar sei, ob es sich "um eine gezielte Verbreitung von NS-Kennzeichen um ihrer selbst willen handele." (Spiegel 4 1979) Die Bundesrichter allerdings verboten das Spielzeug, da der massenhafte Verkauf „von Beobachtern des Geschehens in der Bundesrepublik Deutschland dahin verstanden werden“ könnte, „das innenpolitische Leben sei durch eine Duldung der durch das Hakenkreuz angezeigten Bestrebungen gekennzeichnet“. (Spiegel 20/1980)

Kriegsspielzeug mit NS-Symbolen