Satire
Aus Zensur Archiv
Karikatur zum Tarifstreit in der Metallindustrie, 1966
Das "Schwäbische Tageblatt" hatte 1966 eine Karikatur zur Mitbestimmung abgedruckt, auf der die Arbeitnehmer als Esel dargestellt waren. Nach wütenden Protesten von Arbeitern und Gewerkschaftsfunktionären entschuldigte sich die Zeitung: "das erträgliche Maß einer pointierten Aussage (sei) überschritten". (Spiegel 9 1966)
Rainer Hachfeld: Strauß mit Hakenkreuz, 1970
Hachfeld hatte den CSU-Politiker so gezeichnet, dass seine Gliedmaßen wie ein Hakenkreuz wirkten. Der Anwalt des Politikers sah darin die Straftatbestände der „Verbreitung verfassungswidriger und daher verbotener Kennzeichen“ und des „politischen Rufmords“, der „in seiner Ungeheuerlichkeit seinesgleichen sucht“, erfüllt. Es folgte eine einstweilige Verfügung und eine Hausdurchsuchung. Hachfeld zeichnete weiter: Strauß von einer Ratte gebissen und als Tarantel. Auch da wurden einstweilige Verfügungen erlassen. (Spiegel 44 1970)
Tomi Ungerer: "Conny kontra Juso!", 1972
Ungerer sollte Werbung für die SPD machen und zeichnete einen Cartoon, der auf den ideologischen Konflikt zwischen Presseamtmann Conrad Ahlers und den Jusos aufmerksam machen sollte. Die SPD war entsetzt. Die Zeichnung wurde nicht veröffentlicht. (Spiegel 33 1972)
Satire-Magazin "Express": Striptease-Tänzerin im Bundestag, 1974
Um bessere Einschaltquoten zu erzielen, schlug das Satiremagazin "Express" vor, auf der Rednertribüne des Bundestags eine Striptease-Tänzerin für ihre Entkleidungs-Show zu platzieren. Dazu sollte ein Film gedreht werden, zu dessen Vorbereitung auch der Nachbau der Tribüne des Bundestags gehörte. Um das Ganze möglichst genau nachzubauen, wurde ein Vermessungstrupp in den Bundestag geschickt, der aber nicht zum Zuge kam. Die Parlamentsverwaltung warf das Filmteam hinaus. Der Regisseur dazu: "Man verlangte vorher Einblick in das Drehbuch, denn die Ehre der Präsidentin (Annemarie Renger) dürfe nicht beschmutzt werden." (Spiegel 3 1974)
Heinz Diesel: "Der gute Hirte", 1975
Die satirische Darstellung des Ministerpräsidenten Röder löste eine Protestwelle aus. Die Bischöfe zu Trier und Speyer sahen "die Person des guten Hirten verunglimpft." Sie verfassten ein Rundschreiben, das in allen saarländischen Kirchen verlesen wurde. Von Seiten der CDU folgte ein scharfe Verurteilung und der Nachdruck des "Machwerks" auf einem Flugblatt mit dem Untertitel "Das ist der schmutzige Wahlkampf der SPD". Und auch die SPD distanzierte sich von der Darstellung. Öffentlich wurde die Frage diskutiert, ob gegen den Graphiker ein Strafverfahren eingeleitet werden solle. (Spiegel 26 1975)
Maria und Josef diskutieren über Schwangerschaftsabbruch, Jugendmagazin "ran", 1979
Die Karikatur in dem DGB-Jugendmagazin "ran" (Dezember 1979), bei der Maria und Josef in Bethlehem über einen Schwangerschaftsabbruch diskutieren, löste in der Gewerkschaftsspitze soviel Empörung aus, dass diese zu arbeitnehmerfeindlichen Maßnahmen griff: der Chefredakteur und zwei weitere Redakteure wurden fristlos entlassen. Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Maria Weber (CDU) empfand Zeichnung und Text als "schwere Verletzung der religiösen Gefühle." (Spiegel 52 1878)
"Jägermeister"-Satire in "Pardon": „Ich trinke Jägermeister, weil mein Dealer zur Zeit im Knast sitzt“, 1981
In der Januar Ausgabe von "Pardon" 1981 war eine Anzeige von "Jägermeister" nachempfunden: ein neunjähriges Mädchen mit einer Jägermeisterflasche war mit dem Spruch „Ich trinke Jägermeister, weil mein Dealer zur Zeit im Knast sitzt“ abgebildet. Der Chef von "Jägermeister", Mast, bestand auf einer Gegendarstellung. Die folgte prompt im nächsten Februarheft 1981: ein an der Brust saugendes Baby wurde mit dem Spruch "Ich trinke Jägermeister, weil meine Mami voll davon ist" gezeigt. Der Chefredakteur von "Pardon", Henning Venske, legte in einer Kolumne noch einmal nach und bezeichnete Mast als "dealer". (Spiegel 4 1981)
Titanic-Satire: „Ich war eine Dose“, 1987
Titanic zeigte auf einer Doppelseite mit dem Vermerk „keine Anzeige“ einen an Kreuz geschlagenen Jesus und dazu den von der Blechindustrie entlehnten Werbespruch für Weißblechrecycling. Es hagelte Kritik und brachte eine Unterlassungsklage. (Spiegel 8 1987)
Satire-Bundesadler: abgesetzt, 1990
Die Zeichentrickfigur, die seit 1983 die "Aktuelle Stunde" (WDR 3) mit ironisch-spöttisch Kommentaren begleitete, wurde Ende Januar 1990 abgesetzt. Bereits 1989 war es zu einem Eklat gekommen, als der Adler DDR-Flüchtlingen neben Freiheitsdrang auch die "Sehnsucht nach Feinkost" unterstellte, woraufhin unterschiedliche Gruppen intervenierten. (Spiegel 7 1990)
Haderer: Papst und Empfängnisverhütung, 1994
Für helle Empörung sorgte 1994 eine Karikatur des "Stern" (36 1994) zum Thema Kirche und Empfängnisverhütung, die den Papst als geschlechtsloses Wesen zeigt. U.a. in Leserbriefen wurde die Zeichnung als "gemein und niederträchtig" verworfen. (Stern 38 1994)
Titanic 7 2006: „Knallt die Bestie ab“
Das Titelblatt des Satire-Magazins „Titanic“ mit einem lachenden Kurt Beck als Bären und der Aufforderung „Knallt die Bestie ab“ führte dazu, dass SPD-Chef Beck rechtliche Schritte gegen die Verbreitung des Covers einleitete. Das Landgericht Hamburg folgte Becks Auffassung und untersagte, das Bild weiterhin mit der Titelzeile zu verbreiten. Die Antwort von „Titanic“: „Wir wollten keineswegs, dass Beck abgeknallt wird.“ (Netzzeitung 14.7.2008)
Titanic: Satire-Werbung mit Madeleine McCann, 2007
Die Eltern des verschwundenen Mädchens waren empört über einen Beitrag im Satiremagazin "Titanic". Dort waren in einer fiktiven Supermarktanzeige 2007 Bilder des Mädchens auf verschiedenen Produkten wie Schokolade oder Zwieback abgedruckt. Zu einem Haushaltsreiniger hieß es: Er verwische alle Spuren. Der DNA-Test habe keine Chance. Aus einer Maggi-Flasche wurde "Maddie-Würze". Dazu hieß es: „Hier kommt Maddie! Sie ist das bekannteste Gesicht der Welt – wenn nicht des ganzen Universums! Auf ausgewählten Produkten unseres Sortiments befindet sich ihr Portrait. Wer sie findet, darf sie einfach mitnehmen- und bezahlt nur die Hälfte.“ (Welt 2.11.07)
Speisekarte: "Fürther Spezialrezept" für die CSU, 2008
Zur CSU Klausurtagung in Wildbad Kreuth wurde auf der Speisekarte des benachbarten Wirtshauses "Altes Bad" in Anspielung an die CSU-Rebellin Gabriele Pauli das "Fürther Spezialrezept" mit "zarten Lattexhandschuhen ausgerollt" angekündigt. Die CSU war nicht erfreut und verlangte eine Änderung. (MZ 9.1.2008)
Jürgen Klinsmann: „Always Look on the Bright Side of Life", 2009
Der damalige Trainer des FC Bayern verklagte die Berliner "taz" auf Schadensersatz, weil die ihn in der Osterausgabe in einer Fotomontage am Kreuz hängend abgebildet hatten. Das Bild war textlich mit der zitierten Anspielung auf den Monty Python Film "Das Leben des Brian" versehen. Klinsmann fand die Satire gar nicht lustig, fühlte sich als „Objekt und gleichzeitig Opfer blasphemischer Angriffe“, klagte und verlor den Prozess. (Sdt. 15.4.2009)
Nockherberg: Michael Lerchenberg und der KZ-Vergleich, 2010
Die Bußpredigt von "Bruder Barnabas" alias Michael Lerchenberg beim traditionellen Treffen im Nockebergsaal wurde scharf verurteilt. Lerchenberg hatte u.a. die FDP und die von Guido Westerwelle angezettelte Diskussion um Hartz IV mit den den Worten angegriffen: "Alle Hartz-IV-Empfänger sammelt er (Westerwelle) in den leeren, verblühten Landschaften zwischen Usedom und dem Riesengebirge, drumrum ein großer Stacheldraht - hamma scho moi g´habt. Dann gibt´s a Wassersuppn und einen Kanten Brot. Statt Heizkostenzuschuss gibt´s von Sarrazins Winterhilfswerk zwei Pullover, und überm Eingang, bewacht von jungliberalen Ichlingen im Gelbhemd, steht in eisernen Lettern: ´Leistung muss sich wieder lohnen´." Charlotte Knoblauch vom Zentralrat der Juden verurteilte die anspielungsreiche Provokation: "Scherze, die das Leid der Opfer in den Konzentrationslagern verharmlosen oder gar der Lächerlichkeit preisgeben, sind eine Schande für die ansonsten gelungene Veranstaltung." Guido Westerwelle kündigte an, zukünftig auf Einladungen nach Nockherberg verzichten zu wollen. Lerchenberg beugte sich dem Druck der Öffentlichkeit und trat als Redner für die Veranstaltung zurück. Der Text war vorab - trotz Bedenken - von den Veranstaltern genehmigt worden, allerdings hatte Lerchenberg ihn während des Vortrages nochmals verschärft: aus "Zaun" hat er "Stacheldraht" gemacht und das "hamma scho moi g´habt" hinzugefügt. (Sdt. 5.3.2010)
"Titanic" Titel zu dem Mißbrauchskandal in katholischen Kirche, April 2010
Auf dem Titel der Satirezeitschrift wurde von hinten ein Priester gezeigt, der vor dem gekreuzigten Jesus steht und sich mit seinem Gesicht dem Genitalbereich des Gekreuzigten nähert. Daraufhin gingen mindestens 18 Strafanzeigen wegen "Volksverhetzung" und "Beschimpfung von Bekenntnissen" ein. Ein Strafverfahren wurde von der Frankfurter Staatsanwaltschaft mit dem Verweis auf die "Satire" und deren Mittel der "Verzerrung" und Übertreibung" abgelehnt. (Sdt. 24./25.4.2010)
Benedikt-Kondome und das ideale Besuchsprogramm für den Papst, UK 2010
Englische Regierungsbeamte hatten sich im Vorfeld des Besuchs von Papst Benedikt XVI. in Großbritanien Gedanken zu einem "idealen" Besuchsprogramm gemacht. Das Dokument, in dem u.a. die Eröffnung einer Abtreibungsklinik und die Schließung einer Homoehe durch das kirchliche Oberhaupt, sowie die Einführung von Benedikt-Kondomen vorgesehen war, wurde öffentlich. Das britische Außenministerium entschuldigte sich dafür.(Sdt. 26.4.2010)
"Neues aus der Anstalt" -Komiker Urban Priol zum Tod von Lech Kaczynski, ZDF 2010
In der Satiresendung hatte Priol zum Unfalltod des polnischen Staatspräsidenten gesagt: "Ist da eine Heuchelei im Gange: Wie beliebt er war, der in ganz Europa als Nervensäge belächelte Lech Kaczynski. Mit dem wollte doch keine Sau was zu tun haben." Daraufhin hagelte es Proteste aus Polen. (Spiegel 17 2010)
