Satire

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Inhaltsverzeichnis

"Kölner Stadt-Anzeiger": Fotomontage mit dem Schah, 1964

Im Dezember 1964 veröffentlichte der "Kölner Stadt-Anzeiger" eine satirische Fotomontage von Reza Pahlavi, damals Schah von Persien. Sie zeigte den Schah mit dem saudischen Ex-König Saud und einem Bündel Geldscheine. Bildunterschrift: "Also gut, gib mir die 30.000, und du kannst Farah Diba haben!" Der persische Hof ließ sich die Satire über den Schah und seine Frau Farah Diba nicht gefallen - und bat um Strafverfolgung nach Paragraph 103 Strafgesetzbuch (StGB). Bundespräsident Heinrich Lübke ließ ermitteln. Das Amtsgericht Köln verurteilte den Ressortleiter der Zeitung und den Grafiker zu mehreren Tausend Mark Geldstrafe. (web.de 18.4.2016)


Karikatur zum Tarifstreit in der Metallindustrie, 1966

Das "Schwäbische Tageblatt" hatte 1966 eine Karikatur zur Mitbestimmung abgedruckt, auf der die Arbeitnehmer als Esel dargestellt waren. Nach wütenden Protesten von Arbeitern und Gewerkschaftsfunktionären entschuldigte sich die Zeitung: "das erträgliche Maß einer pointierten Aussage (sei) überschritten". (Spiegel 9 1966)

Arbeitnehmer als Esel

Rainer Hachfeld: Strauß mit Hakenkreuz, 1970

Hachfeld hatte den CSU-Politiker so gezeichnet, dass seine Gliedmaßen wie ein Hakenkreuz wirkten. Der Anwalt des Politikers sah darin die Straftatbestände der „Verbreitung verfassungswidriger und daher verbotener Kennzeichen“ und des „politischen Rufmords“, der „in seiner Ungeheuerlichkeit seinesgleichen sucht“, erfüllt. Es folgte eine einstweilige Verfügung und eine Hausdurchsuchung. Hachfeld zeichnete weiter: Strauß von einer Ratte gebissen und als Tarantel. Auch da wurden einstweilige Verfügungen erlassen. (Spiegel 44 1970)

Verbotene Strauß-Karikatur
Verbotene Strauß-Karikatur

Kurt Halbritter: Ein guter Deutscher, 1969/70

(Pardon 10 1970) Die in der Zeitschrift Pardon abgedruckte Karikatur führte zu einem Indizierungsantrag in der Schweiz und in Österreich.


Pardon Nr. 8. 1971: Zip-Mädchen

Das Motiv Zip-Mädchen wurde als Werbung für Pardon von der Süddeutschen Zeitung abgelehnt.

Tomi Ungerer: "Conny kontra Juso!", 1972

Ungerer sollte Werbung für die SPD machen und zeichnete einen Cartoon, der auf den ideologischen Konflikt zwischen Presseamtmann Conrad Ahlers und den Jusos aufmerksam machen sollte. Die SPD war entsetzt. Die Zeichnung wurde nicht veröffentlicht. (Spiegel 33 1972)

Ungerer Satire

Satire-Magazin "Express": Striptease-Tänzerin im Bundestag, 1974

Um bessere Einschaltquoten zu erzielen, schlug das Satiremagazin "Express" vor, auf der Rednertribüne des Bundestags eine Striptease-Tänzerin für ihre Entkleidungs-Show zu platzieren. Dazu sollte ein Film gedreht werden, zu dessen Vorbereitung auch der Nachbau der Tribüne des Bundestags gehörte. Um das Ganze möglichst genau nachzubauen, wurde ein Vermessungstrupp in den Bundestag geschickt, der aber nicht zum Zuge kam. Die Parlamentsverwaltung warf das Filmteam hinaus. Der Regisseur dazu: "Man verlangte vorher Einblick in das Drehbuch, denn die Ehre der Präsidentin (Annemarie Renger) dürfe nicht beschmutzt werden." (Spiegel 3 1974)

Stripperin Natascha probt für den Bundestag

Heinz Diesel: "Der gute Hirte", 1975

Die satirische Darstellung des Ministerpräsidenten Röder löste eine Protestwelle aus. Die Bischöfe zu Trier und Speyer sahen "die Person des guten Hirten verunglimpft." Sie verfassten ein Rundschreiben, das in allen saarländischen Kirchen verlesen wurde. Von Seiten der CDU folgte ein scharfe Verurteilung und der Nachdruck des "Machwerks" auf einem Flugblatt mit dem Untertitel "Das ist der schmutzige Wahlkampf der SPD". Und auch die SPD distanzierte sich von der Darstellung. Öffentlich wurde die Frage diskutiert, ob gegen den Graphiker ein Strafverfahren eingeleitet werden solle. (Spiegel 26 1975)

Heinz Diesel: "Der gute Hirte", 1975

Maria und Josef diskutieren über Schwangerschaftsabbruch, Jugendmagazin "ran", 1979

Die Karikatur in dem DGB-Jugendmagazin "ran" (Dezember 1979), bei der Maria und Josef in Bethlehem über einen Schwangerschaftsabbruch diskutieren, löste in der Gewerkschaftsspitze soviel Empörung aus, dass diese zu arbeitnehmerfeindlichen Maßnahmen griff: der Chefredakteur und zwei weitere Redakteure wurden fristlos entlassen. Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Maria Weber (CDU) empfand Zeichnung und Text als "schwere Verletzung der religiösen Gefühle." (Spiegel 52 1878)

Umstrittene Karikatur aus "ran"

Gerhard Polt: "Old Schwurhand"-Satire, 1979

1979 wurde ein Manuskript Polts für die Sendung Einwürfe aus der Kulisse, durch Redakteure des ZDF, um einige kritische Stellen über Friedrich Zimmermann (Old Schwurhand) gekürzt. Polt revanchierte sich ein Jahr später bei der Verleihung des Deutschen Kleinkunstpreises, der vom ZDF übertragen wurde. Ihm war jedoch erneut verboten worden, Zimmermann zu erwähnen. So füllte er die ihm als Preisträger für eine Rede eingeräumten 25 Minuten damit, dass er schwieg oder darauf hinwies, wie viele Minuten seiner Redezeit bereits vergangen waren. Ebenfalls 1980 trat er als Gast in der ersten Folge des Scheibenwischer auf, nahm erneut Bezug auf die Auseinandersetzung mit dem ZDF, sprach über Satire im Fernsehen und zitierte den Programmdirektor mit der Aussage „die Satire soll die Wirklichkeit nicht überzogen widerspiegeln“. (wikipedia und Spiegel 17 1980)

"Jägermeister"-Satire in "Pardon": „Ich trinke Jägermeister, weil mein Dealer zur Zeit im Knast sitzt“, 1981

In der Januar Ausgabe von "Pardon" 1981 war eine Anzeige von "Jägermeister" nachempfunden: ein neunjähriges Mädchen mit einer Jägermeisterflasche war mit dem Spruch „Ich trinke Jägermeister, weil mein Dealer zur Zeit im Knast sitzt“ abgebildet. Der Chef von "Jägermeister", Mast, bestand auf einer Gegendarstellung. Die folgte prompt im nächsten Februarheft 1981: ein an der Brust saugendes Baby wurde mit dem Spruch "Ich trinke Jägermeister, weil meine Mami voll davon ist" gezeigt. Der Chefredakteur von "Pardon", Henning Venske, legte in einer Kolumne noch einmal nach und bezeichnete Mast als "dealer". (Spiegel 4 1981)

"Jägermeister"-Satire Nr.1 und Nr. 2 1981


"Helmut Kohl"-Karikatur in "Titanic" Nr. 1 1985

Aufgrund des Titelblattes wurde die Titanic-Ausgabe beschlagnahmt.(Spiegel 3 1985)

Titanic-Satire: „Ich war eine Dose“, 1987

Titanic zeigte auf einer Doppelseite mit dem Vermerk „keine Anzeige“ einen an Kreuz geschlagenen Jesus und dazu den von der Blechindustrie entlehnten Werbespruch für Weißblechrecycling. Es hagelte Kritik und brachte eine Unterlassungsklage. (Spiegel 8 1987)

Titanic-Satire: „Ich war eine Dose“, 1987

Satire-Bundesadler: abgesetzt, 1990

Die Zeichentrickfigur, die seit 1983 die "Aktuelle Stunde" (WDR 3) mit ironisch-spöttisch Kommentaren begleitete, wurde Ende Januar 1990 abgesetzt. Bereits 1989 war es zu einem Eklat gekommen, als der Adler DDR-Flüchtlingen neben Freiheitsdrang auch die "Sehnsucht nach Feinkost" unterstellte, woraufhin unterschiedliche Gruppen intervenierten. (Spiegel 7 1990)

Haderer: Papst und Empfängnisverhütung, 1994

Für helle Empörung sorgte 1994 eine Karikatur des "Stern" (36 1994) zum Thema Kirche und Empfängnisverhütung, die den Papst als geschlechtsloses Wesen zeigt. U.a. in Leserbriefen wurde die Zeichnung als "gemein und niederträchtig" verworfen. (Stern 38 1994)

Haderer: Papst und Empfängnisverhütung, 1994


Satire: Tötet den Holzmichl, 2004

Im Streit um die Nutzung des Markennamens "Holzmichl" einigte sich das Musikantentrio De Randfichten mit dem Chemnitzer Stadtmagazin "371": Das Magazin darf keine Produkte mehr mit dem Slogan "Tötet den Holzmichel" verkaufen. Der satirische Umgang mit dem Namen im Heft bleibt weiter erlaubt. De Randfichten hatten mit dem Song "Lebt denn der alte Holzmichl noch" die Charts gestürmt.

Titanic 7 2006: „Knallt die Bestie ab“

Das Titelblatt des Satire-Magazins „Titanic“ mit einem lachenden Kurt Beck als Bären und der Aufforderung „Knallt die Bestie ab“ führte dazu, dass SPD-Chef Beck rechtliche Schritte gegen die Verbreitung des Covers einleitete. Das Landgericht Hamburg folgte Becks Auffassung und untersagte, das Bild weiterhin mit der Titelzeile zu verbreiten. Die Antwort von „Titanic“: „Wir wollten keineswegs, dass Beck abgeknallt wird.“ (Netzzeitung 14.7.2008)

Titanic 7 2006: „Knallt die Bestie ab“

Titanic: Satire-Werbung mit Madeleine McCann, 2007

Die Eltern des verschwundenen Mädchens waren empört über einen Beitrag im Satiremagazin "Titanic". Dort waren in einer fiktiven Supermarktanzeige 2007 Bilder des Mädchens auf verschiedenen Produkten wie Schokolade oder Zwieback abgedruckt. Zu einem Haushaltsreiniger hieß es: Er verwische alle Spuren. Der DNA-Test habe keine Chance. Aus einer Maggi-Flasche wurde "Maddie-Würze". Dazu hieß es: „Hier kommt Maddie! Sie ist das bekannteste Gesicht der Welt – wenn nicht des ganzen Universums! Auf ausgewählten Produkten unseres Sortiments befindet sich ihr Portrait. Wer sie findet, darf sie einfach mitnehmen- und bezahlt nur die Hälfte.“ (Welt 2.11.07)

Werbung mit Maddie

Speisekarte: "Fürther Spezialrezept" für die CSU, 2008

Zur CSU Klausurtagung in Wildbad Kreuth wurde auf der Speisekarte des benachbarten Wirtshauses "Altes Bad" in Anspielung an die CSU-Rebellin Gabriele Pauli das "Fürther Spezialrezept" mit "zarten Lattexhandschuhen ausgerollt" angekündigt. Die CSU war nicht erfreut und verlangte eine Änderung. (MZ 9.1.2008)

"Fürther Spezialrezept"

Jürgen Klinsmann: „Always Look on the Bright Side of Life", 2009

Der damalige Trainer des FC Bayern verklagte die Berliner "taz" auf Schadensersatz, weil die ihn in der Osterausgabe in einer Fotomontage am Kreuz hängend abgebildet hatten. Das Bild war textlich mit der zitierten Anspielung auf den Monty Python Film "Das Leben des Brian" versehen. Klinsmann fand die Satire gar nicht lustig, fühlte sich als „Objekt und gleichzeitig Opfer blasphemischer Angriffe“, klagte und verlor den Prozess. (Sdt. 15.4.2009)

Nockherberg: Michael Lerchenberg und der KZ-Vergleich, 2010

Die Bußpredigt von "Bruder Barnabas" alias Michael Lerchenberg beim traditionellen Treffen im Nockebergsaal wurde scharf verurteilt. Lerchenberg hatte u.a. die FDP und die von Guido Westerwelle angezettelte Diskussion um Hartz IV mit den den Worten angegriffen: "Alle Hartz-IV-Empfänger sammelt er (Westerwelle) in den leeren, verblühten Landschaften zwischen Usedom und dem Riesengebirge, drumrum ein großer Stacheldraht - hamma scho moi g´habt. Dann gibt´s a Wassersuppn und einen Kanten Brot. Statt Heizkostenzuschuss gibt´s von Sarrazins Winterhilfswerk zwei Pullover, und überm Eingang, bewacht von jungliberalen Ichlingen im Gelbhemd, steht in eisernen Lettern: ´Leistung muss sich wieder lohnen´." Charlotte Knoblauch vom Zentralrat der Juden verurteilte die anspielungsreiche Provokation: "Scherze, die das Leid der Opfer in den Konzentrationslagern verharmlosen oder gar der Lächerlichkeit preisgeben, sind eine Schande für die ansonsten gelungene Veranstaltung." Guido Westerwelle kündigte an, zukünftig auf Einladungen nach Nockherberg verzichten zu wollen. Lerchenberg beugte sich dem Druck der Öffentlichkeit und trat als Redner für die Veranstaltung zurück. Der Text war vorab - trotz Bedenken - von den Veranstaltern genehmigt worden, allerdings hatte Lerchenberg ihn während des Vortrages nochmals verschärft: aus "Zaun" hat er "Stacheldraht" gemacht und das "hamma scho moi g´habt" hinzugefügt. (Sdt. 5.3.2010)

Lerchenberg als "Bruder Barnabas" 2010

"Titanic" Titel zu dem Mißbrauchskandal in katholischen Kirche, April 2010

Auf dem Titel der Satirezeitschrift wurde von hinten ein Priester gezeigt, der vor dem gekreuzigten Jesus steht und sich mit seinem Gesicht dem Genitalbereich des Gekreuzigten nähert. Daraufhin gingen mindestens 18 Strafanzeigen wegen "Volksverhetzung" und "Beschimpfung von Bekenntnissen" ein. Ein Strafverfahren wurde von der Frankfurter Staatsanwaltschaft mit dem Verweis auf die "Satire" und deren Mittel der "Verzerrung" und Übertreibung" abgelehnt. (Sdt. 24./25.4.2010)

"Titanic"-Titel April 2010

Benedikt-Kondome und das ideale Besuchsprogramm für den Papst, UK 2010

Englische Regierungsbeamte hatten sich im Vorfeld des Besuchs von Papst Benedikt XVI. in Großbritanien Gedanken zu einem "idealen" Besuchsprogramm gemacht. Das Dokument, in dem u.a. die Eröffnung einer Abtreibungsklinik und die Schließung einer Homoehe durch das kirchliche Oberhaupt, sowie die Einführung von Benedikt-Kondomen vorgesehen war, wurde öffentlich. Das britische Außenministerium entschuldigte sich dafür.(Sdt. 26.4.2010)

"Neues aus der Anstalt" -Komiker Urban Priol zum Tod von Lech Kaczynski, ZDF 2010

In der Satiresendung hatte Priol zum Unfalltod des polnischen Staatspräsidenten gesagt: "Ist da eine Heuchelei im Gange: Wie beliebt er war, der in ganz Europa als Nervensäge belächelte Lech Kaczynski. Mit dem wollte doch keine Sau was zu tun haben." Daraufhin hagelte es Proteste aus Polen. (Spiegel 17 2010)

Oliver Pocher als Kachelmann, 2010

Zum Prozessaufakt des wegen Vergewaltigung angeklagten Wetterexperten Jörg Kachelmann erschien der Satiriker Oliver Pocher als in Kachelmann-Verkleidung. Hernach setzte ein heftige Diskussion ein, in der auch Stimmen laut wurden, die die Grenze der Satire überschritten sahen. (Sdt. 7.9.2010)

Pocher als Kachelmann

Satire über britisches Königshaus verboten, Australien 2011

Der australische Sender ABC wollte seinen Live-Kommentar satirisch gestalten. Die Gruppe "The Chaser", die für ihre satirischen Beiträge über Politiker und Promis bekannt ist, wollte die Hochzeit kommentieren. Doch das britische Königshaus war davon nicht begeistert. Das Büro von Prinz Charles hatte über Ostern neue Richtlinien über die Berichterstattung der Hochzeit von Kate und William erlassen. Das sogenannte Clarence House, Charles' Büro, habe dabei unter anderem darauf hingewiesen, dass die Live-Bilder, die von britischen Sendern zur Verfügung gestellt wurden, nicht für eine Satire oder Comedy genutzt werden dürfen. ABC bekommt seine Bilder vom britischen Sender BBC, der laut einem Bericht der Zeitung "The Australian" dem australischen Sender damit gedroht hatte, ihn bei Verstößen von der Versorgung auszuschließen. (u.a. Sdt.28.4.2011)


Sind „Heatballs“ Heizkörper oder Glühbirnen?, 2011

Diese Frage musste ein Gericht entscheiden. Doch hatte die deutsche Justiz für die Satire offenbar keinen Sinn: Das Verwaltungsgericht Aachen hat das Verbot von Glühlampen, die als Miniheizung deklariert verkauft wurden, bestätigt. (dpa 26.7.2011)


Nach islamkritischem Scharia-Sonderheft: Anschlag auf Satireblatt "Charlie Hebdo", Paris 2011

Unbekannte verübten im 2011 einen Brandanschlag auf die Redaktion des französischen Satire-Wochenblattes „Charlie Hebdo“ verübt. Es brachte am gleichen Tag ein Sonderheft zum Wahlerfolg der Islamisten in Tunesien heraus und hatte sich dazu in „Scharia Hebdo“ („Charia Hebdo“) umbenannt. Als Chefredakteur war „Mohammed“ benannt worden. Ob ein Zusammenhang zwischen dem Sonderheft und dem Anschlag bestand, ist nicht ganz sicher. Der unter seinem Künstlernamen Charb auftretende Chefredakteur des Wochenblattes sprach im TV-Sender BFM-TV einerseits von vorangegangenen Droh-Mails, die die Redaktion erhalten habe. Andererseits betonte er aber, dass niemand das Scharia-Sonderheft vor dem Brandanschlag gelesen haben konnte, da es erst Stunden später an die Kioske kam. Lediglich die Titelseite war online zuvor im Internet sichtbar.

Mahmud Schokraje: Ahmed Lotfi Aschtiani als Fußballer, Iran 2012

Der iranische Karikaturist hatte den Politiker Aschtiani als Gußballer gezeichnet, um auf dessen sportlichen Ehrgeiz anzuspielen. Der fühlte sich beleidigt und zog vor Gericht. Das verurteilte den Zeichner zu 25 Peitschenhieben.


Papst Benedikt XVI versus Satiremagazin-Titanic, 2012

Im Juli 2012 ging Papst Benedikt XVI. juristisch gegen das Satiremagazin Titanic vor, da er sich durch das aktuelle Titelbild in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt fühlte. Das Cover der Zeitschrift zeigt den Papst mit einem großen, gelben Fleck auf der Soutane. Auf dem Titel heißt es dazu in Anspielung an die «Vatileaks»-Affäre um den Verrat von Interna aus dem Vatikan: «Halleluja im Vatikan - Die undichte Stelle ist gefunden!». Auch die Rückseite des Heftes sieht man den Papst von hinten mit einem großen braunen Fleck und dem Kommentar «Noch eine undichte Stelle gefunden!». Seine Anwälte forderten die Titanic zu einer Unterlassungserklärung auf. Der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, sagte, Titelbild und Rückseite der aktuellen Titanic-Ausgabe seien rechtswidrig: «Titanic überschreitet jedes Maß an Zumutbarem.» Auch der folgende Titel wurde dem Papst gewidmet, ohne dass bis Ende Juli 2012 eine Reaktion erfolgte.(news de Juli 2012)

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Juliausgabe back
Augustausgabe


Carolin Kebekus: Dunk den Herrn, 2013

Obwohl die neue Folge von "Kebekus" längst abgenommen war, zensierten die Programmverantwortlichen in letzter Minute einen Beitrag daraus: Das Video zu "Dunk Den Herrn" durfte nicht gezeigt werden. Carolin Kebekus aka Lana Del Reue aka Sister Mary Minaj aka DJ Mess-Dee-Naa zusammen mit MC Rene formulierte darin: "Bei Gott geht der Punk ab, weil nur er den Funk hat, Jesus ist der Shit und wer das nicht glaubt, der kackt ab." Der WDR allerdings hatte da - auch wegen der gezeigten Bilder - Befürchtungen: Es könnten Überzeugungen von Zuschauern verletzt werden", rechtfertigte der WDR die Entscheidung. "Dies war und ist nicht die Intention der Redaktionsgruppe 'Junges Fernsehen' – und ließe sich auch nicht mit dem WDR-Gesetz vereinbaren, das in § 5 ausdrücklich festlegt, die religiösen Überzeugungen der Bevölkerung zu achten." (laut de. 6.6.13)

Unzensierte Fassung

Satire der Meldorfer SPD löst bei den Bauern Protest aus, 2013

Ein satirisches Gedicht über Bauern und Landwirtschaft in der SPD-Mitgliederzeitung "Der Lotse" löste 2013 bundesweiten Protest aus. Darin hieß es u.a. "Im Märzen der Bauer den Traktor anlässt und spritzet sein Ackerland emsig und fest. Kein Räuplein, kein Kräutlein dies Gift überlebt, dem Vöglein im Wald gar das Mäglein sich hebt." Das Gedicht sei zwar eine Satire, die Veröffentlichung wurde danach von der SPD dennoch als Fehler eingestuft. (FAZ 17.2.2013)


Schauspieler Wepper gegen Comedian Schröder, 2013

Auf seine derbsten Witze über das Sexualleben des Schauspielers Fritz Wepper muss Atze Schröder ab November 2013 künftig verzichten. Im Rechtsstreit der beiden Männer verurteilte das Münchner Oberlandesgericht den Comedian zur Unterlassung. "Nach allem, was amtlich oder landläufig bekannt ist, misst Fritz Wepper mehr als 1,50 Meter Körpergröße und trägt auch keine 40 Kilogramm Speck auf den Hüften. Man darf es zudem für unwahrscheinlich halten, dass der 72-jährige Schauspieler sein künstliches Gebiss zum Küssen aus dem Mund nehmen würde, sollte er ein solches haben." Durch solche und ähnliche Anwürfe fühlte wepper sich von dem Comedian beleidigt und in seiner Würde verletzt, der Beklagte berief sich auf die Kunstfreiheit. Bei dem Streit geht es aber nicht nur um Weppers Körpergröße und ein künstliches Gebiss, sondern vor allem um die Beziehung, die Wepper einst mit der mehr als 30 Jahre jüngeren Kamerafrau Susanne Kellermann unterhielt - Anfang vergangenen Jahres wurde ihre gemeinsame Tochter geboren. Der Comedian war im November 2012 mit seinem Bühnenprogramm "Schmerzfrei" in Stuttgart zu Gast. Der Auftritt lief live im Fernsehen, einen Tag später folgte eine Wiederholung. Als Schröder in seiner Show zum Kapitel "Alte Säcke" gelangte, beschäftigte er sich mit der angeblich lethargischen jungen Generation, mit betagten Menschen im Allgemeinen, aber unter anderem auch mit Wepper oder dem früheren "Tagesthemen"-Moderator Ulrich Wickert. "Wer macht die Kinder in Deutschland?", fragt Schröder in seinem Programm und liefert die Antwort gleich mit: "Die Alten." Die Vorsitzende Richterin Eva Spangler lässt dazu im Gerichtssaal eine DVD mit der entsprechenden Passage der ungekürzten Liveshow vorspielen. Wepper, sagt Schröder dann, müsse man sich so vorstellen: "1,50 Meter geballte Erotik, 40 Kilo zu viel auf der künstlichen Hüfte, die Dritten beim Knutschen schon mal in der Tasche." Ein "Iiieeehhh" als Ausdruck des Ekels In seiner Show geht es weiter mit Wepper, um das Kind von Wepper und der Kamerafrau, es wird immer intimer: "Wie ist denn da wohl die Zeugung abgelaufen? Da tauchen ja Bilder auf." Es folgt der Ausdruck von Ekel in Form eines lang gezogenen "Iiieeehhh". Die beiden Anwälte der Streithähne hatten bei der Verhandlung eine sehr unterschiedliche Sicht der Dinge: Atze Schröder sei in Wahrheit "nicht im Bereich der Satire tätig", sagt Synek. Vielmehr wolle er "die Leute durch den Dreck ziehen". Was Schröder über seinen Mandanten sage, sei eine "Quasi-Abrechnung", es werde auf die Intimsphäre Weppers "eingeschlagen". Bergmann spricht dagegen von einem "eindeutig satirischen Kontext". Niemand nehme für "bare Münze", was Schröder in seinem Programm über Wepper sage, die satirischen Übertreibungen seien als solche zu erkennen. Der Schauspieler habe zudem Homestorys über seine damalige Liebe und das neugeborene Kind zugelassen. "Hätte er sein Privatleben geschützt, wäre er auch nicht Bestandteil des satirischen Programms." Die Kunst sei ein "unvergleichlich hohes Gut", sagt die Vorsitzende Richterin Spangler. Als Richterin stehe es ihr nicht zu, über "gute Kunst oder schlechte Kunst" zu urteilen. Vielmehr gehe es um die Abwägung zwischen der Kunstfreiheit und allgemeinen Persönlichkeitsrechten. Das Gericht kam zu dem Ergebnis, dass die sogenannte Zeugungsszene "nicht mehr von der Kunst- beziehungsweise Satirefreiheit gedeckt ist" und verurteilte Schröder zur Unterlassung. Kein Problem sah das Gericht bei der sogenannten Duschszene, sie unterfalle noch der Kunst- bzw. Satirefreiheit. Schröder hatte in seinem Programm über Wepper gesagt: "Der ist doch vor zehn Jahren schon morgens aus der Dusche gekommen und hat zu seinem Mini-Wepper gesagt: 'Junge, wer hätte gedacht, dass du vor mir stirbst?'" (Spiegel online 5.11.2013)

Kebekus wirft WDR Zensur vor, 2013

Kabarettistin Carolin Kebekus hat dem WDR 2013 vorgeworfen, ihre Comedy-Show „verstümmelt” zu haben. Man habe ein bereits abgenommenes Rap-Video in ihrer neuen Show „Kebekus” nicht gesendet. Kebekus hatte bereits Ende Mai 2013 in ihrem Youtube-Kanal ein Video veröffentlicht, in dem sie sich kritisch mit der katholischen Kirche auseinandersetzt. In „Dunk den Herrn!“ schlüpft die 33-Jährige in verschiedene Rollen, mal rappt sie als Nonne „Er ist eine Bank, nur für ihn zieh ich blank“ und schleckt dabei ein großes Kruzifix ab. Dann ist sie als kleiner Messdiener zu sehen: „Ich danke dir Herr, denn ich bin dabei, bei der Aftershow-Party in der Sakristei“. Und singt in Anlehnung an ein bekanntes Kirchenlied: „Danke für meine Angst vor Schwulen, danke für das Kondomverbot, danke, dass mir für jede Sünde gleich die Hölle droht.“ Das Video wurde vom WDR nicht gezeigt und die Kabarettistin erhielt Drohbriefe. (WN 18.10.2014)

Dieudonne´: Auftritts-Verbot, Frankreich 2014

Nach dem Eklat um den französischen Fußballspieler Nicolas Anelka wollte Frankreichs Innenminister Manuel Valls Auftritte des Komikers Dieudonné M’bala M’bala verbieten. Seine Vorstellungen seien rassistisch und antisemitisch, begründete Valls das Vorhaben. Die Auftritte des Komikers gefährdeten die öffentliche Ordnung und hätten keine kreative Dimension. Dieudonne Mbala Mbala hat sich in den letzten Jahren zunehmend mit dem politisch rechten Lager Frankreichs angefreundet. Er wurde bereits mehrmals für seine Hassreden verurteilt. Außerdem beleidigt er regelmäßig Überlebende des Holocaust und bedroht die Zuschauer, die seinen Auftritten beiwohnen. (Kölner Stadtanzeiger 6.1.2014)

Dieudonné mit seinem umstrittenen Quenelle-Gruß


"Titanic"-Cover zum Schumacher-Unfall:"Exklusiv – Erstes Foto nach dem Unfall, 2014

Michael Schumacher hatte sich bei einem Skiunfall am 29. Dezember in Meribel ein schweres Schädel-Hirntrauma zugezogen. Im Februar 2014 lag er seit dem Sturz immer noch im Universitätskrankenhaus von Grenoble im künstlichen Koma."So schlimm erwischte es Schumi", lautete dazu die Schlagzeile auf dem Titel der Ausgabe Feb. 2014 des Satiremagazins "Titanic". Dazu zeigen die Macher des Hefts ein Foto von Niki Lauda, in dessen Gesicht die Spuren seines schweren Unfalls 1976 auf dem Nürburgring noch deutlich zu sehen sind. Der dreimalige Formel-1-Weltmeister trug damals schwere Brandverletzungen davon. Der österreichischen Gratis-Tageszeitung "heute" sagte Lauda: "Das Cover ist eine bodenlose Frechheit, absolut indiskutabel und völlig pietätlos. Wer bitte druckt so einen Schwachsinn?" Auch englische Boulevard-Zeitungen wie der "Daily Mirror" und die "Daily Mail" mockieren sich über das Cover des Magazins. "Kritik macht uns betroffen" "Die Kritik von Herrn Lauda macht uns betroffen", antwortete "Titanic"-Chefredakteur Tim Wolff in einer Stellungnahme. "Immerhin gelang es uns, als erstes Boulevardmedium noch vor 'Bild', 'Bunte' und der 'Tagesschau" ein Foto des verunfallten Nationalhelden Michael Schumacher zu veröffentlichen."..."Wir haben unter Einhaltung der üblichen journalistischen Moralstandards einen Investigativ-Reporter als Krankenschwester verkleidet und in die Grenobler Klinik geschickt. Sollte es dabei zu einer tragischen Verwechslung mit einem anderen prominenten Crashpiloten gekommen sein, bedauern wir das ein bisschen."

"Titanic"-Cover mit Niki Lauda


Wegen Witzen über Islam: Muslim zeigt Dieter Nuhr an, 2014

Nach Auffassung eines Muslims aus Osnabrück ist Satiriker Dieter Nuhr bei seinen Äußerungen über den Islam eindeutig zu weit gegangen. Seine Witze seien nichts weiter als "blöde, dumme Hetze". Deshalb zeigte er Nuhr an. (Fokus online 25.10.2014)


Charlie Hebdo, 2015

Das französische Satireblatt "Charlie Hebdo" sorgte immer wieder für Skandale. Es veröffentlichte bereits 2006 umstrittene Mohammed-Karikaturen. 2011 verübten Unbekannte einen Brandanschlag auf die Redaktionsräume in Paris. Zuvor hatte "Charlie Hebdo" zum Wahlerfolg der Islamisten in Tunesien eine Sonderausgabe mit einem "Chefredakteur Mohammed" herausgebracht. Im September 2012 sorgte "Charlie Hebdo" mit derben Mohammed-Karikaturen erneut für Aufsehen. Nach der Veröffentlichung mussten französische Einrichtungen in einigen Ländern aus Sicherheitsgründen zeitweise geschlossen werden. Die Internet-Seite von "Charlie Hebdo" war tagelang von Hackern gestört. Die 1970 gegründete Satirezeitung ging aus dem verbotenen Vorgängerblatt "Hara-Kiri" hervor. Das zwischen Ende 1981 und 1992 wegen Geldmangels vorübergehend eingestellte Blatt musste sich auch schon vor Gericht verantworten. So gab es unter anderem Klagen nach einer bitterbösen Papst-Sonderausgabe. Am 7.1.2015 war die Redaktion Ziel eines Terrorangriffs, bei dem insgesamt 17 Menschen getötet wurden, darunter mehrere Redakteure. (zdf online 7.1.2015) In der darauffolgenden Ausgabe von "Charlie Hebdo" wurde auf dem Titel wiederum eine neue Mohammed-Karikatur veröffentlicht. Das Titelbild zeigt den Propheten Mohammed, der ein Schild mit den Worten "Je Suis Charlie" ("Ich bin Charlie") hochhält.Über der Mohammed-Karikatur ist die Titelzeile mit den Worten "Tout est pardonné" ("Alles ist vergeben") zu lesen. Auch im Innern hielten die überlebenden Macher des Satireblatts am gewollt provokativen Ton des Satireblatts fest. Die ersten beiden Seiten der neuen Ausgabe zeigen Karikaturen, die ihre ermordeten Kollegen hinterlassen haben: Eine der Zeichnungen zeigt muslimische, christliche und jüdische Führer, die die Welt unter sich aufteilen.Schon vor der Veröffentlichung übte eine der bedeutendsten muslimischen Einrichtungen in Ägypten Kritik und warnte vor einer neuen Hasswelle. Auf extremistischen Webseiten wurde mit neuen Anschlägen gedroht. Die muslimische Einrichtung Dar al-Ifta in Kairo bezeichnete die geplante Karikatur indes als "ungerechtfertigte Provokation" für Millionen Muslime, die ihren Propheten respektieren und liebten. Kurz darauf registrierte die auf die Beobachtung von Terroraktivitäten spezialisierte US-Gruppe SITE auf einschlägigen Webseiten Aufrufe zu neuen Anschlägen auf "Charlie Hebdo" sowie anonyme Drohungen von Extremisten- )zdf online 14.1.2015.

Selbstzensur Ralf König, 2015

Der Zeichner Ralf König übte 2015 Selbstzensur. Er entfernte von seiner Homepage einen Cartoon, auf dem Vertreter des Westens den Kotau üben vor einem bärtigen Muslim, einem Imam vielleicht. König erklärte, er sei nicht stolz auf diesen Schritt, es gehe ihm nicht gut, er habe Angst vor „vereinzelten kranken Irren“. (Cicero online 21.1.2015)

Unzensierte Ralf-König-Satire

Selbstzensur im Kölner Karneval, 2015

Auf dem Kölner Rosenmontagszug sollte2015 ursprünglich ein "Charlie-Hebdo" Karnevalswagen mitfahren, der die Anschläge von Paris auf die Meinungsfreiheit verurteilt. Die Karikatur zeigt einen schwarz gekleideten Terroristen mit Sprengstoffgürtel. Er zielt mit seinem Maschinengewehr auf einen Clown, der hingegen einen Gürtel gefüllt mit Stiften trägt. Überraschend steckt der Clown seinen Bleistift in das Gewehr, das dadurch zerbricht. Begründet wurde die satirische Auseinandersetzung mit den brutalen Terroranschlägen auf die Redaktion von "Charlie Hebdo" in Paris zunächst von Festkomitee-Präsident Markus Ritterbach als er den Entwurf des Rosenmontagswagens präsentierte: "Das Attentat traf Menschen, die ihre freie Meinung äußerten. Meinungsfreiheit ist für uns ein unverzichtbarer Wert." Wagen des Rosenmontagszugs nähmen kritische Themen auf, argumentierte er. "Das Attentat in Paris trifft uns somit genau ins Herz. Der Kölner Karneval ist Charlie." Ritterbach beschwor die "Meinungs- und Narrenfreiheit". Doch dann kam die Kehrtwende: Das Festkomitee hat den Bau des fast fertiggestellten Wagens gestoppt. Eine Erklärung liefert das Festkomitee auf seiner Website: "Einen Persiflage-Wagen, der die Freiheit und leichte Art des Karnevals einschränkt, möchten wir nicht. Aus diesem Grund haben wir entschieden, den Bau des geplanten 'Charlie Hebdo'-Wagens zu stoppen und den Wagen nicht im Rosenmontagszug mitfahren zu lassen." In der Stellungnahme heißt es: "Die Meinungsfreiheit aller ist ein hohes Gut der Demokratie. Der Kölner Rosenmontagszug lebt mit seinen aktuellen Persiflagen diese Meinungsfreiheit jedes Jahr." Aber offenbar nicht in der Karnevalssession 2014/2015. Denn es waren wohl nicht alle Bürger von der Idee des "Charlie-Hebdo"-Wagens begeistert. Das Kölner Festkomitee nehme die Sorgen und Ängste von Bürgern sehr ernst. Der Karneval solle nicht zu Sorgen führen, vielmehr wolle man gemeinsam unbeschwert feiern und einen fröhlichen Karneval erleben.

Unzensierte Ralf-König-Satire


Griechenland-Krise: Schäuble Nazi-Karikatur in Syriza-Zeitung, 2015

Eine Karikatur in der Zeitung der griechischen Regierungspartei Syriza zeigte 2015 Wolfgang Schäuble als Nazi, der von der Vernichtung der Griechen träumt. Wolfgang Schäuble trägt eine Wehrmachtsuniform. Seine Gesichtszüge sind verzerrt, aus seinem Mund kommen Worte voller Hass: "Wir bestehen darauf, Seife aus Eurem Fett zu machen", sagt der Bundesfinanzminister. Und: "Wir diskutieren nur über Düngemittel aus Eurer Asche." Die Zeichnung trägt die Überschrift "Die Verhandlung hat begonnen".Die Zeichnung nimmt Bezug auf die Konzentrationslager des NS-Regimes, in denen die Nazis aus Leichen Seife gewonnen hatten. Schäubles Sprecher Martin Jäger dazu: "Diese Karikatur ist widerwärtig. Und der Autor dieser Karikatur sollte sich schämen." Bereits davor hatten Syriza-Politiker mehrfach die Politik der EU gegenüber Griechenland mit dem Vorgehen der Nazis verglichen. So hatte Ministerpräsident Alexis Tsipras vor einem "sozialen Holocaust" in seinem Land gewarnt, falls die Sparauflagen für Athen nicht gelockert würden. (dpa 14.2.2015)

Bohlen und Ernst August: Satire-Werbung, 2015

Weil eine Werbung von Lucky Strike auf witzige Weise auf ihre Skandale anspielte, haben sich Dieter Bohlen und Ernst August Prinz beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte beschwert, der allerdings wies die Klage zurück. (WN 20.2.2015)

Anzeige gegen Herausgeber von Satireheft "Kot & Köter", Hamburg 2015

Gegen den Herausgeber der Satirezeitschrift "Kot & Köter", Wulf Beleites, wurde im März 2015 Strafanzeige erstattet. In der Anzeige ging es um die öffentliche Aufforderung zu Straftaten, sagte eine Sprecherin der Hamburger Staatsanwaltschaft am Montag. In der besagten Zeitschrift war ein Artikel über Georg Kreislers Lied "Tauben vergiften im Park" erschienen, dem im Artikel auch die Zeile zugeschrieben wurde "Geh´ma Hunde vergiften im Park". (FAZ 24.3.2015)

"Charlie Hebdo" zeigt Gott als Terrorist, 2016

Die Sonderausgabe des Satiremagazins "Charlie Hebdo" erschien 2016 mit heftiger Religionskritik kurz vor dem Jahrestag (7.1.2015)des Mordanschlags auf seine Redaktion. Schon vor Erscheinen der Sonderausgabe des für seine harte Religionskritik bekannten Blattes gab es Protest von Kirchenvertretern und konservativen Politikern. Der "Osservatore Romano" kritisierte z.B. das Titelbild. Es verletze die Gefühle der Gläubigen aller Religionen, so die vatikanische Tageszeitung. Das aktuelle Titelbild von "Charlie Hebdo" spiegele das "traurige Paradox" der heutigen Welt wider, so die päpstliche Zeitung. Diese reagiere einerseits immer empfindlicher darauf, wenn etwas lächerlich gemacht werde und fordere politische Korrektheit ein. Andererseits sei sie nicht bereit, den Glauben der Menschen - unabhängig welcher Religion - anzuerkennen und zu respektieren, so der Artikel mit dem Titel "Der manipulierte Glaube". (heute online 6.1.2015)


Grapscher-Cartoon: Empörung über "Charlie Hebdo"-Satire zu totem Jungen, 2016

Das Magazin hat sich unter dem Thema "Migranten" den ertrunkenen Flüchtlingsjungen Aylan orgenommen. "Was wäre aus dem kleinen Aylan geworden, wenn er überlebt hätte?", steht sinngemäß über der Zeichnung. Die Antwort: "Ein Hinterngrapscher in Deutschland." Neben der Überschrift ist eine eingekreiste Zeichnung des toten Jungen am Strand zu sehen. Darunter, wie er sich in drei Schritten zum Erwachsenen entwickelt und schließlich mit ausgestreckten Händen hinter einer schreienden Frau herläuft. U.a. via Twitter empören sich viele Leute über den Cartoon. (Spiegel online 14.1.2016)

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