Plakate
Aus Zensur Archiv
Kunst und Kulturgeschichte
Michael Prechtl: Plakate zum Oktoberfest, München1985
Zum 175. Jahrestag des Oktoberfestes hagelte es aufgrund eines Posters Proteste von der CSU. Zur Ausstellung im Münchner Stadtmuseum hatte der Nürnberger Graphiker Prechtl ein Panorama zeitgeschichtlicher Personen entworfen, die seit der Gründung der jährlichen Gaudi mit der Stadt München verbunden waren: u.a. Lenin, Eva Braun und den auf Auge, Haarsträhne und erhobenen Arm reduzierten Hitler. Darüber tanzt Oskar Maria Graf in Lederhosen mit einer nackten Dirne, die von einer weißblauen Schlange umringte wird als eine Art Parodie auf Franz von Stucks Allegorie der „Sünde“. Bereits früher einmal hatte Prechtl Ärger wegen eines Plakates zu einer Ausstellung bekommen: 1983 hatte er zur großen Isar-Ausstellung Ludwig I. eine unbekleidete Lola Montez in inniger Umarmung gezeigt. (Spiegel 31 85)
Theater/Film
Gottfried Helnweis: "Andi", Musical 1987
1987 wurde vor Gericht über Gottfried Helnweins Plakat zum Musical "Andi" vor Gericht gestritten, weil die Mutter des tatsächlichen Andreas, dessen Lebensgeschichte die Vorlage für das Musical war, das Andenken ihres Sohnes durch ein Werbeplakat "beschmutzt" sah. (Spiegel 12 1987). In diesem Fall wurde ein Überkleben in Erwägung gezogen.
Gottfried Helnwein: „Lulu“, Hamburg 1988 und "Macbeth" Heidelberg 1988
„Die Vereinigung Deutschsprachiger Bürgerinitiativen zum Schutz der Menschenwürde in Deutschland, Frankreich, Holland, Italien, Luxemburg, Österreich und Schweiz“ erstattete 1988 Strafanzeige gegen ein Helnwein-Plakat für Peter Zadeks „Lulu“- Inszenierung im Deutschen Schauspielhaus. Es zeigt einen kleinwüchsigen Mann, der einer Frau in den entblößten Schritt blickt. Die "Leitstelle Gleichstellung der Frau" beim Hamburger Senat" wertete das Plakat als "eindeutig frauendiskriminierend". Auch Helnweins Plakat für eine "Macbeth"-Aufführung in Heidelberg, die den toten Uwe Barschel in der Badewanne zeigt, sorgte für helle Empörung. (Spiegel 7 1988)
Ungerer: "Die Empfängnis des Kaiserreichs", 1989
Die Veranstalter des 12. französischen Theaterfestivals "Perspectives" in Saarbrücken bestellten 1989 bei Tomi Ungerer ein repräsentatives Plakat zu bestellen. Doch was der Graphiker lieferte, löste Protest aus: eine Allegorie mit Napoleon und Marianne, betitelt "Die Empfängnis des Kaiserreichs". Dem damaligen SPD-Oberbürgermeister Hans-Jürgen Koebnick erschien "die Frau als erniedrigtes Objekt zur Darstellung politischer Sachverhalte nicht geeignet", deshalb hat er die geplante großflächige Plakatierung des Ungerer-Werks untersagt. Festivalchef Marc Adam erhebt Protest gegen diese "Zensur", Künstler Ungerer macht sich seinen Reim darauf: "Zeigen ist verboten, wissen viele Toten." (Spiegel 10 1989)
"Il géle en enfer" - "Es friert in der Hölle" von Jean-Pierre Mocky, Paris 1990
Die Abbildung eines kindlichen Engels mit eregiertem Glied hatte die Pariser Verkehrsgesellschaft RATP so erregt, das die Plakate für Mockys Film zunächst nicht im öffentlichen Raum aufgehängt wurden. Per Gerichtsbeschluss wurde es dann doch erlaubt. (Spiegel 17 1990)
Holger Matthies: Schlossfestspiele, Ettlingen 1998
"Ordinär" und "äußerst geschmacklos", schimpften einige Bürger in der Lokalpresse, sei das neue Plakat für die Schloßfestspiele. Darauf kneift eine Frauenhand prüfend in eine Brustwarze - ein Ausschnitt aus dem weltberühmten Doppelbildnis zweier Edeldamen der Schule von Fontainebleau. "Wir brüsten uns nicht mit alten Erfolgen", ist auf dem Festspielposter zu lesen, der Text verweist unter anderem auf die Uraufführung von "Sofies Welt". Der CDU-Stadtrat Robert Seemann beschwerte sich über "die an der Brustwarze schraubenden Finger", die der Hamburger Grafiker Holger Matthies zum Hauptmotiv des Plakates gemacht hatte. "Ich kann mit dem Plakat leben", erklärte dagegen der Oberbürgermeister Josef Offele. Trotzdem diskutierte der Verwaltungsausschuß des Stadtrats über Aufhängen oder Einstampfen.(Spiegel 9 1998)
Show: „Mythology. Die Legende von Castor und Pollux“, Münster 2004
Das Werbeplakat zeigt einen Ringkampf zwischen den Zwillingen Castor und Pollux, die von zwei polnischen Akrobatik-Künstlern dargestellt wurden. Aufgrund der darauf abgebildeten nackten Männer weigerten sich einige Ladenbesitzer, das Plakat aufzuhängen. Auch die Stadtwerke wollten die Plakate nicht in den Stadtbussen präsentieren, weil das Bild „zu viel nackte Haut zeigt“ wie ein Stadtwerke-Sprecher anmerkte. Schließlich würden die Busse auch im Schulverkehr eingesetzt.(MZ 20 3.2004)
"Die Nibelungen",Köln 2007
In Köln verbot der Kulturdezernent Georg Quander 2007 ein Werbeplakat des städtischen Schauspiels für "Die Nibelungen", weil er einen Verstoß gegen § 131 des StGb (Gewaltverherrlichung) befürchtete. Auf dem Plakat ist eine an Händen gefesselte Frau zu sehen, deren Kopf zudem noch mit einer Mülltüte verdeckt ist. In verschiedenen zensierten Fassungen wurde das Plakat dann doch gezeigt: Entweder wurde der Kopf mit dem Müllsack ganz entfernt, mit einem schwarzen Balken versehen oder hinter dem Aufdruck "Was steckt dahinter?" verborgen. (Die Welt 27.9.2007 und Welt online 26.9.2007)
Shakespeare "Ein Sommernachtstraum", München 2006
Das Plakat des Münchner Volkstheaters zum Shakespeare Klassiker, auf dem sich eine jugendliche Strapsenträgerin an einen Esel lehnt, sorgte für einen Eklat. Die CSU-Stadträtin Elisabeth Schmucker fad es durch seine "negative Anrüchigkeit" abstoßend und beantragte, dass in Zukunft der Aufsichtsrat des Volkstheaters bei der Auswahl der Plakate mitentscheidet.(Spiegel 40 2006)
Politik
Wahlkampfplakette der Jusos, Schleswig-Holstein 1974
1974 veröffentlichten die Jungsozialisten aus Schleswig-Holstein eine Wahlkampfplakette, die bei der CDU für Empörung sorgte. Darstellt war ein knüppelschwingender Ordnungshüter, der auf dem Rücken mit dem Erkennungszeichen CDU versehen war. Innenministerium und Polizeigewerkschaft wandten ein: Mit dieser Darstellung verleugnen die Jusos, „dass der Schlagstock im Dienst unserer Polizeibeamten nur in seltenen Fällen vonnöten ist, nämlich nur dann, wenn … kein andere Mittel Rechtsbrecher von ihrem Tun abhalten könnte.“ Die Jusos gelobten insofern Besserung, als sie bei der Neuauflage auf den Originalschriftzug CDU verzichten wollten, dafür aber die Auflösung der Abkürzung ausgeschrieben präsentieren wollten: „Christlich-demagogischer Unternehmensverband.“ (Spiegel 27 1974)
Heinz Diesel: "Der gute Hirte", 1975
Die satirische Darstellung des Ministerpräsidenten Röder löste eine Protestwelle aus. Die Bischöfe zu Trier und Speyer sahen "die Person des guten Hirten verunglimpft." Sie verfassten ein Rundschreiben, das in allen saarländischen Kirchen verlesen wurde. Von Seiten der CDU folgte ein scharfe Verurteilung und der Nachdruck des "Machwerks" auf einem Flugblatt mit dem Untertitel "Das ist der schmutzige Wahlkampf der SPD". Und auch die SPD distanzierte sich von der Darstellung. Öffentlich wurde die Frage diskutiert, ob gegen den Graphiker ein Strafverfahren eingeleitet werden solle. (Spiegel 26 1975)
Protestplakat gegen den Paragraphen 218, 1976
Auf dem Plakat sind acht Richter des Bundesverfassungsgerichts zu sehen, wie sie eine Nackte abtasten: das brachte hat Radio Bremen in Aufruhr. Deren Schulfunkredaktion hatte das Poster zur Illustration der Sendereihe „Hürden eines Gesetzes“ in einem Unterrichtsbegleitheft abgedruckt. Die Bremer Staatsanwaltschaft erblickte darin eine Beleidigung der höchsten deutschen Richter und schickte zwei Beamte der politischen Polizei zum Sender, um 300 Restexemplare zu beschlagnahmen. Als dann die Redakteure des Hörfunkmagazins „Im Blickpunkt“ eine Kurzdokumentation dieses „schwerwiegenden Eingriffs in die Presse –und Publikationsfreiheit“ senden wollten, verboten die Funkherren den Beitrag. (Spiegel 6 1976)
Klaus Staeck: "Auf Eigentum kommt es hier nicht an", 1976/1981
Die Vorwürfe gegen Klaus Staeck waren z.T. häufig weit unter der Gürtellinie: er galt als „Hetzblatt-Graphiker“ (Rheinischer Merkur) und seine Arbeiten als „politische Pornographie“ (Richard Stücklen). Im März 1976 wurden dann Abgeordnete der CDU/CSU, u.a. der damalige Bundespräsident Philipp Jenninger, handgreiflich und fetzten Plakate von Staeck , die in der Bonner „Parlamentarischen Gesellschaft“ ausgestellt waren, quasi von den Wänden. Ein Plakat, das in Bonn besondere Wut erregte, gibt ein Pressephoto aus dem zum KZ umfunktionierten Stadion von Santiago wieder, ergänzt durch das Worte des einstigen CDU-Generalsekretärs, Bruno Heck: das Leben dort sei „bei sonnigem Wetter recht angenehm“. Staecks Kommentar dazu: „Seit Chile wissen wir genauer, was die CDU von Demokratie hält“ . Fünf Tage nach dem Zwischenfall in Bonn flog ein Ziegelstein in Staecks Heidelberger Atelier. Fünf Jahre später kam es wiederum zu einem Konflikt mit der CDU. Der damalige CDU-Generalsekretär Heiner Geißler stellte anläßlich einer Ausstellung „Politische Graphik gegen die Menschenwürde", die 1981 im Bonner Konrad-Adenauer-Haus zu sehen war, im Stil Übereinstimmungen zu Nazi-Plakaten fest, etwa verglich er eine Zeichnung aus dem Hetzblatt „Der Stürmer“ von 1936 und mit einem Plakat von Staeck zu F.J. Strauß. Staeck kündigte Strafantrag wegen dieser „Schmähkritik“ an. (Spiegel 22 1976 und 37 1981) Als dann 1984 die Szene-Kneipe "Schumannklause" in Bonn geschlossen werden musste, erhielt Jenninger zum Abschluss eine besondere Einladung zur letzten Feier: Man bat Jenninger schriftlich um "erprobte Mitarbeit" - "es sind hier noch einige Staeck-Plakate abzureißen." Jenninger erschien nicht. (Spiegel 45 1984)
Klaus Staeck: "Alle reden vom Frieden - wir nicht", 1981
Für sein Friedensposter erhielt Staeck 1981 die Kampfansage der Düsseldorfer Rüstungsfirma Rheinmetall. Für sein Plakat hatte er ein Foto verwendet, auf dem fünf Rheinmetall-Manager (1978) bei der Übergabe der ersten Feldhaubitze FH 70 an das Verteidigungsministerium zu sehen sind. Nachdem das Steack-Werk im Spiegel Nr. 44 1981 abgedruckt worden war, wollte der Vorstandsvorsitzende der Rheinmetall-Holdinggesellschaft Hans Hockel durch das Landgericht Heidelberg die weitere Verbreitung des Friedens-Motivs verbieten lassen. Die Richter schützten indes Staecks „politische Meinung, die, auch wann sie falsch wäre, noch nicht eine Schmähung“ Hockels sei. Auch eine Beschwerde Hockels wies das Landgericht ab: „Jede Satire läuft Gefahr, von jenen verkannt zu werden, die keinen Sinn dafür haben“, hieß es dazu. (Spiegel 48 1981)
Ernst Volland: Beschlagnahmeaktion seiner Werke, Herleshausen 1978
Hunderte von Postkarten, Katalogen und Aufklebern des Karikaturisten und Plakatemachers Ernst Volland wurden im Januar 1978 am Grenzübergang Herleshausen auf seiner Fahrt nach West-Berlin beschlagnahmt. Erst zwei Monate später erhielt er eine Mitteilung von der Oberstaatsanwaltschaft aus Berlin, dass die Werke „nichts Strafbares“ beinhalten. (Spiegel 23 1978)
F.-J. Strauß als Stier, 1980
Verboten wurde 1980 ein Plakat der sog. „Volksfront gegen Reaktion, Faschismus und Krieg“, das den damaligen Kanzlerkandidaten der Union Franz-Josef Strauß als blutrünstigen Stier darstellt. (Spiegel 38 1980)
“Stoppt Strauß“, 1980
Der Buchhändler Wendelin Niedlich hatte in dem Schaukasten seines Ladens „Neue Literatur, Kunst und Politik“ eine Sammlung von Plakaten und Flugblättern ausgestellt. Dabei war auch ein Flugblatt der Stuttgarter „Stoppt Strauß“-Initiative mit der Warnung „Wer Strauß wählt, wählt Reaktion, Faschismus und Krieg.“ Es folgte eine Anklage wegen Beleidigung des CSU-Politikers, die allerdings mit einem Freispruch endete. Im selben Jahr folgte eine weitere Beschwerde der CSU. Der sozialdemokratische „Vorwärts“ vertrieb über seinen Buchladen ein von Hans Traxler entworfenes Strauß-Bild mit dem Titel: „Graf Dracula von Neuschwanstein“. Über das Ziehen einer Lasche zeigte diese Mit-mach-Karikatur die Zunge und Vampirzähne nebst der Drohung: „Wählt nur die Grünen, liebe Leute. Ich hole dann schon die Beute!“ (Spiegel 22 1980)
Walter Mondale als Pin-up, USA 1984
Der amerikanische Politiker und Gegenspieler von Ronald Reagan erregte als Pin-up-Figur öffentliches Aufsehen in New Yorker U-Bahnen. Bürgermeister Ed Koch ließ die Werbeposter für das Männermagazin „Penthouse“ daraufhin aus den Bahnhöfen entfernen. (Spiegel 22 1984)
Greenpeace und Klaus Staeck versus Wolfgang Hilger (Chemie Hoechst), 1990
Wolfgang Hilger, Vorstandsvorsitzender der Chemiefirma Hoechst, errang vor dem Oberlandesgericht Frankfurt einen Teilerfolg gegen die Umweltorganisation Greenpeace. Auf einem von Klaus Staeck entworfenen Plakat hatten die Umweltaktivisten Hilger und den Kali-Chemie-Vorstandsvorsitzenden Cyril Van Lierde mit dem der APO entlehnten Spruch „Alle reden vom Klima. Wir ruinieren es.“ Die bildliche Darstellung Hilgers hielten die Richter für unzulässig, nicht hingegen den Umweltschützer-Spruch. (Spiegel 26 1990)
Achim Greser: Poster-Edition, 1990
Eine vom Frankfurter Zeichner Achim Greser eigens für die Grünen entworfene Edition mit zwölf Postern fand nicht die ungeteilte Zustimmung aller Parteimitglieder und führte zu einer Art zensorischer Selbstjustiz durch den „Grünen“ Bauern Graefe. Nachdem seine internen Proteste wirkungslos verhallt waren, fuhr Graefe mit einem eigens gemieteten Lastentaxi kurz vor Büroschluss zur Bonner Parteizentrale der Grünen, lud gegen ordnungsgemäße Ausstellung einer Quittung (Wert: „über 10.000 Mark“) den gesamten Lagerbestand der beanstandeten 2600 Poster auf und entschwand mitsamt der eilig verfrachteten Beute. Daraufhin schaltete sich der Bundesvorstand der Grünen ein und präsentierte dem Landwirt eine saftige Rechnung für den nunmehr fälligen Nachdruck. Angesichts der finanziellen Drohung rückte Graefe die von ihm als „verunglimpfend“ empfundenen Plakate gegen das Zugeständnis heraus, den Schriftzug „Die Grünen“ abzudecken und wahlweise Aufkleber „Dank Hoechst“, „Dank BASF“ oder „Dank Bayer“ darüber zukleben.(Spiegel 18 1990)
Plakat der Grünen zur Kommunalwahl NRW 2009
Während die Vizechefin der Linken, Halina Wawzyniak, auf Plakaten in Wort und Bild "mit dem Arsch in der Hose" 2009 in den Bundestag strebte, versuchten sich die Grünen beim Kommunalwahlkampf in NRW (Kaarst) mit weißen Händen auf schwarzem Po. Das Motiv wurde als "rassistisch" bezeichnet.
"Am Busen der Kanzlerin", Bundestagswahl 2009
Ex-Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld (CDU) warb im Wahlkampf mit dem „Merkel-Dekollte´“ und dem Spruch: „Wir haben mehr zu bieten“. Das Plakat wurde als „sexistisch“ eingestuft. (ZDF-online heute 11.8.2009)
"Ja zum Minarett-Verbot", Schweiz 2009
Ebenso umstritten wie der gesamte, letztlich erfolgreiche Volksentscheid zum Minarett-Verbot in der Schweiz war auch das dazugehörende Werbeplakat. (Spiegel 43 2009)
Religion
§ 218-Protest, 1975
Das Werk "Paragraph 218" von Alice Lex-Nerlinger wurde 1931 von der Polizei beschlagnahmt. 1975 wurde es als Plakat (Preis: fünf Mark) in Berlin reproduziert und in der Neuen Gesellschaft für bildende Kunst ohne Beanstandung verkauft. (Spiegel 47 1975)
jazz à viennne: Gotteslästerung, Frankreich 2002
Das Plakat für das Jazz-Festival in Vienne hatte der französische Zeichner Bruno Théry entworfen. Auf dem Plakat ist ein kleines weißes Teufelchen zu sehen, dass an der Brust einer dunkelhäutigen Frau saugt. Rechte Tugendwächter kamen darüber zu dem Urteil, dass das Plakat "blasphemisch" sei, die Mutterschaft in den Schmutz ziehe und "christliche Überzeugungen" verletze. Daraufhin beschloss das Parlament, dem Festival die Subventionen zu entziehen, sollte das "abscheuliche und diabolische" Plakat nicht zurückgezogen werden. Das lehnte die Festivalleitung ab und verzichtete damit auf 65000 Euro. (Spiegel 49 2002)
Tomi Ungerer: Werbeplakat für den Blumenkorso des elsässischen Sélestat, Frankreich1990
Eine Frau, die sich nur leichtbekleidet auf einen Gorilla stützt, brachte den französischen Familienverband in Rage. Der Vorwurf: "ein demütigendes und erniedrigendes Bild der Frau", das an die "niedrigsten Instinkte" appelliert. Das Werbeplakat wurde dennoch verteilt und ausgehängt. (Spiegel 30 1990)
Werbung
"Be a Voyeur", 1969
Werbeplakate für den Roman "Der Voyuer", auf denen das Akt-Modell Sarah Smith weitgehend unbekleidet zu sehen war, brachten 1969 den Verkehr am Times Square in New York zum erliegen. Ursprünglich sollte das Plakat dort vier Monate hängen, die Polizei musste es aber bereits nach 10 Minuten entfernen. (Spiegel 8 1969)
“Alle müssen raus“, 2009
Im Zuge einer Werbekampagne bekamen zahlreiche bundesdeutsche Unternehmen Post von einer Zeitarbeiterfirma: „Kalkulieren Sie mit spitzem Bleistift, dank unserer Wirtschaftskrisen-Rabatt-Aktion“ - „Exklusiv für Sie – Sichern Sie sich jetzt 15% Rabatt auf alle Hilfs- und Fachkräfte.“ Darüber stand die Überschrift „Alle müssen raus!“. Passend dazu abgebildet waren unterschiedliche Menschen aus verschiedenen Berufen. Die Gewerkschaften verurteilten die Offerte als „unmoralisches Angebot", da Menschen wie Waren angepriesen werden. (Sdt. 16/17.5. 2009)
Paris Hilton: "Vacant", 2009
Eine neuseeländische Werbeagentur hatte nicht vergebene Werbeflächen mit einem Foto von einem Partyfoto mit Paris Hilton und der Aufschrift "vacant" (leer) versehen. Hilton verstand keinen Spaß und kündigte gerichtliche Schritte an. (MZ 9.9.2009)



