Literatur
Aus Zensur Archiv
Deutschland
Belletristik/Gedichte
Von der Kulturschande zur Hochkultur, 18. Jh./20.Jh.
Im 18. Jahrhundert wurden wegen ihrer zweifelhaften Moral Roman und Theater mit haargenau derselben Rede von Sittenverfall bedacht, wie heute in jeweils neue Medien und Kulturformen. Romanlektüre und Theaterbesuche, so die Befürchtung damals, könnten insbesondere bei den Damen, Hysterien und andere Geisteskrankheiten hervorrufen, weshalb nach strenger Zensur gerufen wurde. Gerade die damals verworfenen Formen bilden heute den festen Kern der sog. Hochkultur.
Karl May: "Am Jenseits", "Das versteinerte Gebet", "Im Reiche des silbernen Löwen", 1920/2000
Nach der Anzeige eines anonymen Denunzianten aus dem Rheinland überlegte der Vatikan um 1910 ernsthaft, die genannten Werke Karl Mays auf den Index zu setzen. In dem Spätwerk, so der Vorwurf, habe May damals den Gedanken einer vereinenden Weltreligion entwickelt. Damit, so der Vatikan, bestand insbesondere die Gefahr, dass die Jugend "verdorben" werden könne". (WN 22.5.2000)
Re-Education, nach 1945
Das Umerziehen einer ganzen Nation wurde nach dem Krieg auch mit Hilfe der Literatur betrieben. Die Amerikaner hatten errechnet,das im Deutschen Reich vor dem Krieg pro Kopf doppelt so viele Bücher gedruckt worden waren wie in den USA. Deutschlands Bibliotheken hielt man für buchstäblich vom faschistischen Bazillus verseucht. So wurde nach 1954 gesäubert, was den Besatzern irgendwie ideologisch suspekt erschien. Folge z.B.: Im fränkischen Weißenburg, wo die Nazis die Bestände schon von 10000 auf 3000 Titeln verringert hatten, dezimierte der Archivar Walter Decker sein Arsenal bis auf ein paar Hundert Bücher. Zum Opfer fiel, was nur annähernd als unerwünscht gelten konnte: Vom Nibelungenlied und Walther von der Vogelweide bis zu Fritz Steubers Kinderschmöker "Der fliegende Pfeil". Im Theater stoppten die Amerikaner O´Neills „Die Marco-Millionen“ oder Arthur Millers „Alle meine Söhne“ wegen der in beiden Stücken enthaltenen Kapitalismuskritik. Ferner verboten die Literaturlenker John Don Passos „Number One“ und Frances P. Reyes „The River Road“. Beide Romane behandelten einen autoritären Südstaaten-Politiker, und die Militärstrategen befürchteten, derlei Darstellungen „könnten wohl als authentische Berichte gedeutet werden“. Auf dem Index standen Autoren wie Erskine Caldwell und der Nobelpreisträger William Faulkner, weil sie „ein völlig negatives Bild von unserer Gesellschaft“ präsentierten. „Früchte des Zorns“ waren den Kontrolleuren zu sozialkritisch, Hemingways „Männer ohne Frauen“ zu offen: Eine 1946 erschienene Ausgabe der Kurzgeschichten–Sammlung enthielt im Vorwort einen Bericht über die Plünderung eines deutschen Weinkellers 1944 durch den Autor. Sorgfältig achteten die US-Militärs auch auf die „Beachtung ihres Medien gesetztes „Law no. 191“, das in Literatur und Theater despektierliche Äußerungen über die alliierten Siegermächte verbot. Unter das Verdikt, das die damals noch verbündete Sowjets vor Verleumdungen bewahren sollte, geriet George Orwells Satire „Farm der Tiere“ sowie Arthur Koestlers Buch „Sonnenfinsternis", das die Polit-Säuberung Stalins beschrieb. (Spiegel 41 1976)
Der Index der Bundesprüstelle: Probleme und Folgen
"Josefine Mutzenbacher. Die Geschichte einer Wienerischen Dirne. Von ihr selbst erzählt" erschien bereits 1906 und stand noch 1982 auf dem Index. Gleiches gilt für "Das erotische Rowohlt-Lesebuch", Harold Robbins Lustromanze „Goodbye Jeanette“, Richard Werthers erogene Prognose „Liebesnächte – Geständnisse einer Berlinerin", "Fanny Hill" und etwa 900 weitere Bücher, die mehrheitlich Anfang der achtziger Jahre entweder indiziert oder endgültig verboten, beschlagnahmt oder eingestampft worden sind. 25 Jahre ist die übliche Frist bis eine Indizierung erlischt. Der zitierte Nutten-Klassiker, geschrieben mutmaßlich von dem Österreicher Felix Salten, kam 1968 auf den Index der Bundesprüfstelle , weil „die sexuellen Vorgänge um die Titelheldin in grob aufdringlicher Weise in den Vordergrund“ gestellt wurden. Erst 1991 wurde das Buch auf Antrag des Rowohlt-Verlages wieder freigegeben. Darüber zu entscheiden hatten u.a. Lehrer, Hausfrauen und Kirchenmänner. Ein aufgebrachter Beisitzer hatte einmal auf „die steigenden Scheidungsraten“ verwiesen, die darauf zurückzuführen seien, dass „Männer in ihrer Jugend erotische Literatur gelesen“ hätten, und „an ihre späteren Ehefrauen unerfüllbare sexuelle Ansprüche“ stellten: „Enttäuscht reichen sie dann die Scheidung ein“. (Spiegel 3 1991)
"Wenn der Staatsanwalt kommt", Frankfurt 1983
Die Beschlagnahme von Comics wie "Justine" und "Emanuelle" oder "Barbarella", von Büchern wie "Joy of Sex", "More Jow of Sex" oder "Delta der Venus" von A. Nin oder "Die sexuellen Phantasien der Männer" von N. Friday oder "Die Memoiren der Fanny Hill", "Isabella – in den Zeiten der Lust" und "Das fröhliche Erotikum" führten zu einer Verunsicherung unter den Buchhändler. Daraufhin erschien zur Buchmesse ein juristischer Leitfaden mit dem Titel "Wenn der Staatsanwalt kommt". Darin wird eine Dienstaufsichtsbeschwerde empfohlen und hartnäckiges Bestehen auf das Protokollieren. Denn „die Vorgehensweise von Polizei und Staatsanwaltschaft, wie wir sie jetzt beobachten, ... ist auf längere Sicht de facto als Zensur zu werten“. (Spiegel 48 1983)
Baudelaire: Die Blumen des Bösen, 1857
Das Buch erschien im Juni 1857. Schon am 20. August wurden Baudelaire und seine Verleger wegen „Beleidigung der guten Sitten und der öffentlichen Moral“ zur Streichung von sechs Gedichten und zur Zahlung einer Geldstrafe verurteilt.
Gustave Flaubert: "Madam Bovary", 1857
Der Roman erregte vor allem deshalb Anstoss, weil die verheiratete Frau stundenlang mit ihrem Liebhaber in einer verhangenen Kutsche durch Paris fährt. (Spiegel 45 1973)
Arthur Schnitzler/Max Ophüls: "Der Reigen", 1897, 1950
Das Stück mit den zehn "Vorher-Nachher-(Bett)-Szenen (zwischen den Episoden findet sich im Text jeweils ein vielsagender Gedankenstrich, im Theater fiel - so in Berlin 1921 - jeweils der Vorhang) erschien nur als Privatdruck. Schnitzler nahm nach den Skandalen und Anfeindungen schließlich das Stück nicht in sein Gesamtwerk auf und untersagte testamentarisch, dass Aufführungen auf der Bühne. An den Film aber hatte er nicht gedacht und so verfilmte Max Ophüls den "Reigen" bereits 1950. (Spiegel 45 1973)
James Hanley: „Boy“, 1931/1990
Das Werk war erstmals 1931 in 145 Exemplaren erschienen und galt als „obszön“, wie die Richter 1934 in einem Urteil befanden.Es wurde verboten. In dem Wekr wird eine Geschichte, die Hanley in Ansätzen möglicherweise selbst wiederfahren ist, als er zwischen seinem 13. und 23. Lebensjahr zur See gefahren war: Homosexuelle Attacken der Besatzung. (Spiegel 33 1990)
Erich Maria Remarque: „Zeit zu leben und Zeit zu sterben“, 1954
Der zeitlich im Nationalsozialismus angesiedelte Roman erschien erst, nachdem der Verlag „ganze Partien des Romans als unzumutbar“ zurückgewiesen und der Autor bereitwillig entsprechende Korrekturen vorgenommen hatte. Der „gute Kommunist“ mutierte so zum „guten Sozialdemokraten“, deutliche Hinweise auf Verbrechen der Wehrmacht in Russland wurden stellenweise entschärft oder ganz getilgt und Vergleiche von deutschen Soldaten mit „Mördern“ zurückgenommen, weil solche Aussage den bundesdeutschen Lesern in den fünfziger Jahren kaum zumutbar erschienen. Fast gleichzeitig erschienen in anderen europäischen Ländern aber Übersetzungen, die sich an das Original anlehnten. Erst 1989 (und dann später noch einmal 1998) erschien in der Bundesrepublik eine Fassung, in der die vom Verlag verlangten Eingriffe zurückgenommen wurden.(Spiegel 27 1998)
Jean Genet: Werk, fünfziger und sechziger Jahre
Nahezu alle Bücher von Genet wurden zensiert, Verleger mit Prozessen überhäuft, Fallschirmjäger protestierten gegen seine Theaterstücke und Theater, die seine Stücke spielten wurden mit Bombendrohungen überzogen. Der Autor wurde aus fünf europäischen Ländern ausgewiesen.
Underground-Lyrik: Fuck you, 1967/68
Bei Abi Melzer erschien 1967/68 die zweisprachige Anthologie über amerikanische Untergrund-Lyrik „Fuck you!“. Das "Frankfurter Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel“ veröffentlichte zunächst eine Anzeige mit dem Titel "Fuck you". Jörg Schröder von Melzer erhielt daraufhin einen Brief vom Börsenblatt: „Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände ist von uns nicht bemerkt worden, dass … das Inserat eine anstößige Titelformulierung und eine noch anstößigere Abbildung enthält…“ Weiter bat man „bei der textlichen und der formalen Gestaltung Ihrer Anzeigen mehr Zurückhaltung (zu) üben … denn wir haben nicht die Absicht, uns wegen des Stils Ihrer Werbung ein zweites Mal massiven Vorwürfen und Protesten aus Leserkreisen auszusetzen“. Melzer wolle aber dennoch die selbe Anzeige. Die Anzeigen-Abteilung reagierte:Gestrichen wurden die schlimmen vier Buchstaben im Buchtitel, die „noch anstößigere Abbildung“ des Buchumschlages und die kleingedruckte Erläuterung: New Yorks Polizei habe das Untergrund-Magazin „Fuck you!“ beschlagnahmt, „um sich daran … aufzugeilen“.(Spiegel 19 1968)
John Updike: Ehepaare, 1968
Buchversandhändler wie Bücher-Nonn warben u.a. 1968 in der Zeitschrift konkret für das "abscheuliche wie faszinierende Buch". Es konnte gegen Angabe von Beruf und Alter bestellt werden. (Archiv konkret)
Hubert Selby: "Last Exit Brooklyn“, 1970
In Deutschland durfte das Buch anstandslos veröffentlicht werden. In England wurde es verboten. (Spiegel 8 1970)
F.C. Delius: "Unsere Siemenswelt" (Rotbuch), 1972
Per Gerichtsbeschluss zwang Siemens den Autor seine satirische Festschrift durch Streichungen und Schwärzungen zu "entschärfen. (Spiegel 19 1979)
Burkhard Driest: Die Verrohung des Franz Blum, 1976
In einer Wiesbadener Schule (Klasse 12) sollte das Buch, in dem der Autor über die eigenen Gefängnis-Erlebnisse mit teilweise drastischen Schilderungen spezieller Sex-Praktiken von Strafgefangenen berichtet, durch genommen werden. Manfred Kanther dazu: „Hier wird der Konflikt zwischen Schülern und Eltern mit Pornographie vorsätzlich programmiert.“ Doch die Gerichte entschieden anders: Das Buch sei weder pornographisch noch jugendgefährdend. (Spiegel 18 1976)
F.C. Delius: Ein Bankier auf der Flucht, 1975/1980
Im Gedichtband „Ein Bankier auf der Flucht“ (Rotbuch Verlag) erschien ein Gedicht von F.C. Delius über Kaufhaus-Krösus Helmut Horten („Moritat auf Helmut Hortens Angst und Ende“), mit dem sich 1976 das hanseatische Oberlandesgericht auseinandersetzen musste. Es verurteilte Delius und den Verlag dazu, zwei Zeilen zu streichen, weil Horten dadurch verletzt würde: Es „schwitzen die von ihm bezahlten Politiker über Gesetzen, / die ihm genehm sind und seine Gegner zerfetzen“. (Spiegel 17 1980)
Arthur Schnitzler: "Der Reigen", 1982
Am 1. Januar 1982 wurde nach rund 60 Jahren wieder der Reigen von Arthur Schnitzler in Basel aufgeführt, nachdem der Schnitzler-Sohn Heinrich das Stück wieder freigegeben hatte. Das Stück handelt von Vorher– Nachher-Szenen der wechselnden Kopulation, die selbst im Text nur durch Gedankenstriche und im Theater durch einen fallenden Vorhang angedeutet werden. Der Rest ist der Phantasie von Leser und Betrachter überlassen. Der Skandal um das Meisterwerk hatte am 16.2.1921 begonnen, als über 600 Stöcke schwingende und mit unterschiedlichsten Wurfgeschossen ausgerüstete Gegner die Wiener Kammerspiele, wo das Stück gespielt wurde, demolierten. Nur sechs Tage später wurde auch eine Aufführung in Berlin nach dem Wiener Beispiel von einer wohl organisierten Gruppe von Demonstranten gesprengt. Der Direktion und dem Regiesseur des Kleinen Schauspielhauses wurden wegen der Erregung „öffentlichen Ärgernisses“ in Berlin der Prozess gemacht, der zwar mit einem Freispruch endete, aber selbst beim Autor des Stückes nachhaltige Wirkung hinterließ. Schnitzler verbot zukünftige Theateraufführungen und nahm den „Reigen“ nicht in seine Gesamtausgabe auf. Auch sein Sohn hielt sich nach Arthur Schnitzlers Tod an dessen Willen bis kurz vor Ende des Urheber-Schutzes. (Spiegel 38 1981)
Guillaume Apollinaire: "Elftausend Ruten", 1997
Das Buch, von Picasso als Meisterwerk gelobt, wurde 1987 von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt. Sie hielt es für "gewaltpornographisch". (Spiegel 8 1987)
Bret Easton Ellis: American Psycho, 1990/1991
Bereits im Oktober 1990 veröffentlichte die Zeitschrift „Time“ vorab einige Auszüge aus Ellis´ neuem Roman. Der Verlag Simon und Schuster distanzierte sich von seinem Autor und dessen Manuskript, das man nun nicht mehr veröffentlichen wollte. Als es dann doch noch auf den Markt kam, forderte ein Kritiker „Zerstört dieses Buch“ (New York Times Book Review). Amerikanische Feministinnen riefen zum Boykott von Buch und Verleger auf. Auch in Deutschland setzte eine heftige Kontroverse über die detailreiche Schilderung von Sexualmorden ein. (Spiegel 45 1991)
Doris Lerche: „Die letzten 48 Stunden“, SF-Anthologie, Frankfurt 1983
Die gezeichneten mitleidlosen Horrorvisionen zu der Science-Fiction Anthologie des HeyneVerlages wurden mit der Begründung abgelehnt: „… schien es mir geraten, u.a. auf Ihre Illustrationen zu verzichten, von denen besonders die eine… doch recht augenfällig den Vorwurf des Defaitismus bestätigt hätte, denn dies hätte uns möglicherweise einen Antrag auf Indizierung einbringen können. Und bei der Indizierungswut seit dem Regierungswechsel, unter der wird zunehmend leiden, wäre es vorstellbar, dass wir das Buch hätten einstampfen müssen." (Spiegel 27 1983)
Thomas Bernhard: Holzfällen, 1994
Nach einem Ehrbeleidigungs-Prozeß beschloß Thomas Bernhard, dass seine Bücher nicht mehr in Österreich verkauft werden sollen. Bernhard hatte die Kulturnation dort beleidigt, wo sie sich heilig fühlte: die Hauptstadt sei eine „Talentzertrümmerungsanstalt“, das Burgtheater eine „Schreianstalt" und die Wiener Künstler „Stadtgesindel". Über unseren Verleger ließ er der österreichischen Vertriebs-Firma von Suhrkamp mitteilen, dass Suhrkamp auf Wunsch des Autors „keine Bücher von Thomas Bernhard“ an Österreich mehr liefern werde.Die Affäre begann, als Bernhard sein Buch „Holzfällen“ herausbrachte. Der Ich-Erzähler (unverkennbar mit Zügen des Autors) wird überfallartig zu einem „künstlerischen Abendessen“ beim Ehepaar Auersberger eingeladen. Im Ohrensessel wartet er mißmutig auf das Eintreffen des Ehrengastes bis nach Mitternacht. Bis dahin werden sämtliche Anwesenden mit deutlichen Widerwillen porträtiert, wie: der Gastgeber, ein epigonaler Komponist ist „seit dreißig Jahren nur noch betrunken“. Prompt sah sich der Komponist Gerhard Lampersberg in der dickbäuchigen Bernhard-Figur Auersbergers verkörpert und erwirkte per einstweiliger Verfügung die Beschlagnahme der wenigen "Holzfällen"-Bücher, die noch nicht verkauft waren. Dann erfolgte der Prozeß wegen Ehr-Beleidigung, der Bernhard fernblieb und stattdessen ein Plädoyer in der FAZ hielt. Das Buch selbst war noch in Bibliotheken verfügbar, denn es wurde bei dem Begehren nach einer Beschlagnahmung schlicht vergessen. (Spiegel 47 1984)
Günter Grass: Ein weites Feld, 1995
Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki bescheinigte Grass 1995 in einer "Spiegel"-Titelgeschichte "das Scheitern eines großen Schriftstellers". Auf dem Cover war Reich-Ranicki abgebildet, wie er das Buch "Ein weites Feld" von Grass in Stücke zerriss. Daraufhin hagelte es Protestbriefe: der Kritiker wurde aufgrund seines Zerstörungsaktes u.a. in die Nähe der Bücherverbrennungen während der Nazizeit gerückt. (Spiegel 34 1995)
Dan Brown: „Sakrileg", 2005
Der Roman wurde als Versuch der Diskreditierung der Kirche verurteilt, etwa über die Verlautbarungen von Kardinal Tacisio Bertone, dem Erzbischof von Genua, und über Radio Vatikan. Gerügt wurden auch katholische Buchläden, die den Roman aus reiner Gewinnsucht verkauften. Niemand solle ihn lesen. (WN 15.3.2005 und FAZ 17.3.05)
„Das große Massakerspiel oder Triumph des Todes“, 2006
Der Verlag Kurt Desch verbot dem Schauspiel Frankfurt nach dem Skandal um den Kritiker Gerhard Stadelmeier, das Stück „Das große Massakerspiel oder Triumph des Todes“ weiterhin unter dem Titel zu zeigen. Das Theater beschloss deshalb, die Inszenierung künftig als "Being Lewinsky" aufzuführen. (Sdt 25.12.2006)
Thor Kunkel: Endstufe, Hamburg 2008
Der Rowohlt-Verlag wollte den Roman, der sich u.a. mit der verdrängten Sexualität im 3. Reich auseinandersetzt, nicht veröffentlichen. Der Autor merkte dazu an: „Am letzten Tag des Lektorats erhielt ich einen Brief von Feest, in dem stand, man müsse sich wegen inhaltlicher und ästhetischer Differenzen trennen." Ferner vermerkte Kunkel zu den berührten Tabus: „Sie betreffen nur das Dritte Reich. Wir können über alles offen reden in Deutschland, doch wenn es um dieses Thema geht, werden bestimmte Pawlowsche Verbalreflexe abverlangt ... (wie) Darstellung der Nazibrutalität. Doch diese Sorte Ablasshandel schreibe ich nicht. Es können Verbrechen nicht vergeben oder relativiert werden dadurch, dass man sie aus Rücksicht auf politische Korrektheit immer wieder darstellt und nacherzählt.“ (Stern 8 2008).
Gabiele Brinkmann (Pseudonym W.W. Domsky): Wem Ehre gebührt, Bochum 2009
Der Droste Verlag beschloss, den Krimi, der einen sog. Ehrenmord zum Thema hat, nicht zu veröffentlichen. Als Begründung ließ der Verlag verlautbaren, dass in dem Buch "den Islam verunglimpfende und beleidigende Passagen" enthalten seien. Der Verleger Felix Droste hatte vorher das Buch durch eine Expertin auf "Stellen prüfen lassen, die die Sicherheit meiner Mitarbeiter oder meiner Familie beeinträchtigen könnte". Die Autorin weigerte sich Sätze wie: "steckt euch euren Koran doch..." oder "Erst die grüne Hölle" durch "schiebt euch eure Ehre doch" bzw. "Erst der grüne Kitsch" zu ersetzen, gab der Verlag den Krimi kurz vor Drucklegung zurück. "Spätestens nach den Mohammed-Karikaturen weiß man, dass man Sätze oder Zeichnungen, die den Islam diffamieren, nicht veröffentlichen kann, ohne ein Sicherheitsrisiko einzugehen", sagte Droste. (MZ 6.10.2009 und Spiegel 41 2009)
Petra Reski: Mafia, 2009
Die deutsche, in Italien lebende Autorin hatte "Mafia" 2008 im Droemer Verlag veröffentlicht. Drei in Deutschland lebende Personen hatten sie daraufhin verklagt, weil sie denen eine Nähe zur Mafia unterstellt habe. Auch in Italien, wo das Werk 2009 veröffentlicht wurde, wurde mit Prozessen geklagt, so u.a. vom engen Berlusconi-Vertrauten, dem sizilianischen Senator Marcello Dell`Utri, der 2009 aber selbst als Beklagter vor Gericht stand. Lesungen der Autorin fanden in Italien unter Polizeischutz statt, (Spiegel 20 2009))
Kündigung wegen Büro-Roman "Wer die Hölle fürchtet, kennt das Büro nicht", 2011
Vor dem Landesarbeitsgericht in Hamm wurde 2011 ein Prozess um die schriftstellerische Tätigkeit eines Angestellten geführt. Der Mann hatte einen Roman über den Büroalltag geschrieben. Weil einige, negativ beschriebene Personen aus dem Roman mit seinen echten Kollegen zu identifizieren seien, wurde ihm wegen Störung des Betriebsfriedens gekündigt. In erster und zweiter Instanz wehrte der Angestellte sich erfolgreich dagegen, das Arbeitsgericht bekräftigte seine künstlerische Freiheit. (u.a. Südt. 16./17.7.2011)
Maik Brüggemeyer: "Das Da-Da-Da-Sein", 2011
Weil die Ex-Frau des Autors sich falsch dargestellt fühlte und mit einer Klage drohte, durfte der Roman per einstweiliger Verfügung nicht mehr ausgeliefert werden. (Spiegel 32/2011)
Boykottaufruf: "Dinge, die ich von ihm weiß" von Roland E. Koch, 2011
In dem Roman wird dem ehemaligen Münsteraner Bischof von Galen u.a. ein Liebesverhältnis zu seiner Haushälterin unterstellt. Die Bischöfliche Pressestelle in Münster gab daraufhin am 6. September 2011 in Absprache mit dem Institut für die Geschichte des Bistums Münster (Wissenschaftliche Leitung Dr. Thomas Flammer) die folgende Presseerklärung ab: "Clemens August von Galen gehört zu den wenigen Menschen, die sich im nationalsozialistischen Deutschland öffentlich gegen das damalige Regime stellten und das Unrecht verurteilten. Seine seit Jahrzehnten historisch differenziert belegte Persönlichkeit und sein Lebenswandel machten ihn zu einer der bekanntesten Gestalten der Zeitgeschichte und führten dazu, dass er 2005 selig gesprochen wurde. Der „Löwe von Münster“ ist im kulturellen Gedächtnis Westfalens tief verwurzelt. Vor diesem Hintergrund nimmt das Bistum Münster mit Bedauern vom abwegigen und teilweise absurden Inhalt des Romans von Roland E. Koch „Dinge, die ich von ihm weiß“ Kenntnis und distanziert sich von der dortigen fiktionalen Darstellung von Galens. Bischof Felix Genn hat deshalb das Erscheinen des Galen-Romans in Ansprachen vor Kolpingvertretern in Vechta und bei der Wallfahrt der Glatzer Katholiken in Telgte kritisiert. Es sei für ihn „erschütternd“ zu sehen, dass 70 Jahre nach Erscheinen der berühmten Predigten des Bischofs nun ein Buch erschienen sei, in dem Galen „sehr negativ dargestellt“ werde und ihm „unsittliche Dinge nachgesagt“ würden. „Wenn Sie können, kaufen Sie solche Bücher nicht“, bekräftigte Genn." (u.a. WN 7.9.2011)
Günter Grass: "Was gesagt werden muss" (Gedicht), 2012
Mit dem Gedicht hat Grass die israelische Politik im Streit um das Atomprogramm Irans kritisiert und damit eine Welle der Empörung ausgelöste. Sein Gedicht wurde in zahlreichen Printmedien abgedruckt. Eine erste Fassung des Gedichts wurde von der Wochenzeitschrift "Zeit" nicht gedruckt, wohl der "Der Welt" zugespielt. (Sdt. 7./8..4.2012)
Sachbücher
Um Leben und Tod - Wie weit darf man gehen, um das Leben eines Kindes zu retten?
Im August 2010 wurde das Buchprojekt, verfasst von einem der am Verhör Gäfgens (der hatte ein Kind entführt und umgebracht) beteiligten Polizeibeamten, gestoppt. Der Frankfurter Polizeipräsident Achim Thiel begründete dies mit einem möglichen Verrat von Dienstgeheimnissen. (wikipedia)
Stefan Koldehoff/Tobias Timm: "Falsche Bilder - echtes Geld", 2012
Das Buch handelt von dem Kunstfälschungsskandal um Wolfgang und Helene Beltracchi. Eine Überschrift darin lautet: "Wie das Museum in Ahlen zum Umchlagplatz für Fälschungen wird." Der beschuldigte Museumsdirektor Burkhard Leismann wies diese Vorwürfe entschieden zurück. Mit dem Verlag wurde vereinbart, dass in der nächsten Auflage des Buches die Überschrift in "Wie das Museum in Ahlen zum Umchlagplatz für Fälschungen werden sollte." (WN 2.6.2012)
Wilfried Huismann: "Schwarzbuch WWF", 2012
Wilfried Huismann kritisiert in seinem Buch den WWF. Vorgeworfen wird der Organisation u.a., dass sie zu eng mit Industriellen, Bankiers und Großwildjägern kooperiert. Der WWF reagierte mit einstweiligen Verfügungen, was der Organisation wiederum den Vorwurf der Zensur einbrachte: Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten Union (dju in ver.di) z.B. stellten sich hinter ihr Mitglied Huismann und bezeichnet das Verhalten des WWF als "nicht akzeptablen Versuch rechtlich zweifelhafter Einschüchterungsversuche". "Auf die Einschüchterung durch den WWF, der damit seine Glaubwürdigkeit als Umweltschutzorganisation zu verlieren droht, reagieren die Vertriebsfirmen mit voraus eilendem Gehorsam und versuchen, mit ihrer wirtschaftlichen Macht ein kritisches Buch vom Markt zu drängen", kritisierte dju-Bundesgeschäftsführerin Cornelia Haß das Verhalten der Online-Händler und Grossisten. Die Umweltorganisation WWF Deutschland hatte tatsächlich über eine Anwaltskanzlei bei großen Buchhändlern wie Amazon und Libri gegen das "Schwarzbuch WWF" (Gütersloher Verlagshaus) von Wilfried Huismann interveniert und Unterlassungsansprüche geltend macht. Die nahmen daraufhin den Titel aus dem Programm. (Sdt. 14.6.2012 und boersenblatt.net)
Krimis
Mickey Spillane: "Ich, der Richter", 1947/53
Die Originalausgabe erschien 1947 unter dem Titel "I, the Jury", die deutsche Ausgabe erstmals 1953 beim Amsel-Verlag unter dem Titel 'Ich, der Richter'. Sie wurde 1954 von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften indiziert. (Netz)
Mickey Spillane: "Küss mich, Tod", 1952/53
Die Originalausgabe erschien 1952 unter dem Titel "Kiss Me, Deadl"y, die deutsche Ausgabe erstmals 1953 unter dem Titel 'Küss mich, Tod'. Sie wurde 1954 in der Ausgabe vom Amsel-Verlag (damaliger Titel: »Die verlorenen Schlüssel«) von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften indiziert. (Netz)
Jürgen Kehrer: Wilsberg und der tote Professor, Münster 2003
Der Privatdozent Dr. Klaus Siewert, Masemate-Experte der Universität-Münster, meinte, sich in dem Krimi (es geht u.a. um sexuelle Nötigung einer Studentin durch einen Sprachprofessor für Geheimsprachen an einem kleinen Institut) wieder zuerkennen und ging gerichtlich gegen das Buch vor. Den Prozess verlor er. Ähnlich wie schon 1992 der Münsteraner Event-Veranstalter und Lindenberg-Bassist, Steffi Stephan, der sich in einem anderen Krimi von Kehrer als Kinderschänder dargestellt sah. (WN 8.1.2003))
Donna Leon: „Sanft entschlafen“, 2008
Die deutsche Fassung des Krimis wurde zensiert. Während ursprünglich Commissario Brunetti im Dunstkreis von Opus Dei und Lega Nord ermittelt, wird bei Diogenes bei der „Opera Pia“ und der rechten Partei „Lega della Moralitá“ recherchiert. Alle Änderungen seien mit der Autorin abgestimmt, erklärte Diogenes die Zensur. (Stern 24 1998)
Barbara Gowdy: "Hilflos" ("Helpless"), 2008
Die Geschichte über Stalking und Kindesmißbrauch empfanden viele Leser aber auch Hörer von Radio 4 (UK) als schrecklich, einige berichteten sogar davon "physisch krank" geworden zu sein. Deshalb wurde eine Zensur diskutiert. (mail online 7.6.2008)
Christoph Maria Herbst: "Ein Traum von einem Schiff", 2011
Der „Traumschiff“-Bestseller des Schauspielers Christoph Maria Herbst wurde 2011 per Einstweiliger Verfügung gestoppt. Eine neue Auflage mit geschwärzten Stellen erschien stattdessen. Zum Hintergrund: Der als Hauptdarsteller der Fernsehserie „Stromberg“ bekannt gewordene Christoph Maria Herbst war 2010 fünf Woche lang auf der „MS Deutschland“ unterwegs. Drehtage hatte er indes nur fünf, weil er in einer Nebenrolle besetzt war. Angeblich hat er dann aus lauter Langeweile begonnen, ein Buch über die Reise zu schreiben. U.a. bezeichnet der Autor den Luxusliner als „Mumienschlepper“ und beschreibt den Fernsehproduzenten Wolfgang Rademann als „fleischgewordene Knoblauchzwiebel.“ Dem Fernseh-Kapitän des Schiffs, dem Schauspieler Siegfried Rauch, diene die Rolle auf der Brücke als Palliativstation. Einen anderen älteren Kollegen charakterisiert Herbst als „Rentenverweigerer“, der sich seinen Text nicht merken könne und damit die Dreharbeiten aufgehalten habe. (FAZ 8.2.2011)
Kinder- und Jugendbücher
Helmi Ballot: „Unsere Insel",1952
Das Mädchenbuch sorgte 1952/53 für Unruhe unter den Jugendschützern. Auf dem Titelblatt hatte die Illustratorin Lotte Oldenburg-Wittig die sich abzeichnenden kurvigen Formen eines heranwachsenden Mädchens so sichtbar dargestellt, dass eine öffentliche Debatte um eine Begradigung der Körperform entbrannte. Nach dem Skandal legten sich in den fünfziger Jahren etliche Jugendbuchverlage bei der Illustrierung ihrer Mädchenbücher wie z.B. "Hanni und Nanni" eine geschlechtsspezifische Neutralität zu.
Hans W. Ulrich: "Die Rasselbande contra Bösenberg" und der "unschamhafte" Wiederbelebungsversuch, 1955
In dem Buch rettete ein Junge ein Mädchen, das zu ertrinken drohte. Die beschriebenen und richtig durchgeführten Wiederbelebungsmaßnahmen gerieten in das Visier von Jugendschützern. Das Buch wurde vor allem aus konfessionellen Büchereien wegen der "unschamhaften Szenen" entfernt. Im Zuge der Affäre um "Die Rasselbande" wurde auch die sog. "Geheimbundserie" von Gerhard W. Wolf aus vielen Büchereien zurückgezogen. Ihr wurde zuviel "Eigenständigkeit" in den erzählten Abenteuern der Jugendlichen gegenüber den Normen, Verboten und Mahnungen der Erzieher unterstellt. (Trödler Archiv)
Carlo Goldoni: "Pinocchios Abenteuer“ (1883), Japan 1977
Japanische Eltern waren verunsichert und hatten den Eindruck, sie würden unmoralische Geschichten vorlesen. Die vermeintliche "Horrorgeschichte" stammte aus dem vorherigen Jahrhundert und ihr Held hieß Pinocchio. Insbesondere wurde der Geschichte der Vorwurf gemacht, behinderten feindlich zu sein. Denn bekanntlich traf Pinocchio zwei Gauner, einen Fuchs und eine Katze, die sich als Lahmer und Blinder ausgaben. Daraufhin gründete sich eine „Stoppt-die–Diskriminierung"-Bewegung in Japan durch den Vater Yasuo Shikata aus Nagoja. Es folgten Einstampf- und Rückrufaktionen. Schließlich wurde das Kinderbuch umgeschrieben: fortan trifft Pinnochio nur noch auf Katze, die nicht gut sehen kann, und einen Fuchs, der Schwierigkeiten mit den Beinen hat. Doch Streit ging weiter – auch die Illustrationen, die „wir doch nur aus der italienischen Ausgabe von 1971 übernommen haben", so der Verleger, wurden nun kritisiert: Sie zeigten die Tiere mit Krücken und schwarzer Blinden-Brille, was laut Shikata, auch Körperbehinderte diskriminiere. (Spiegel 15 1977)
Kinderlexikon: "Von Anton bis Zylinder", 1977
Das Lexikon aus der DDR wurde aus einer öffentlichen Bibliothek in Lübeck entfernt. Die CDU begründete ihre Initiative damit, dass das "Machwerk" Geschichtsklitterung enthalte und „kein Adenauer, kein Erhard“ sei darin zu finden. Zudem wollte man anschließend wissen, ob noch mehr Bücher mit „kommunistischem Gedankengut" in Bibliothek zu finden seien. (Spiegel 7 1977)(Privatarchiv)
Wilhelm Busch: Max und Moritz, 1988
Hans A. Engelhard, damaliger Bundesminister der Justiz, machte sich in Versform für zwei Übeltäter stark. Der Jurist Jörg-Michael Günther hatte in seinem Buch "Der Fall Max & Moritz - Juristisches Gutachten über die Umtriebe zweier jugendlicher Straftäter zur Warnung für Eltern und Pädagogen" (Eichborn-Verlag, Frankfurt) den bösen Buben eine ganze Latte strafrechtlich relevanter Verfehlungen nachgewiesen. Auf die Anfrage des Verlegers Vito von Eichborn, ob Wilhelm Buschs "Machwerk endlich verboten (oder doch zumindest als jugendgefährdend eingestuft) werden sollte", reimte der Bonner Minister holprig, aber streng nach dem Grundsatz "Im Zweifel für den Angeklagten": "Wie dem auch sei,/möcht'ich als großes Kind/ den Wilhelm Busch nicht missen,/ auch nicht verstecken unterm Kissen/ und bin - für diesen Fall - auf beiden Augen blind." Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann erkannte zwar in einem Gegengutachten die Problematik des Busch-Werks ("'Der Dritte Streich, ... sägen heimlich mit der Säge, ... voller Tücke, in die Brücke eine Lücke' ist von koalitionspolitischer Brisanz; Stege 'übers Wasser', auch über Tümpel - mit und ohne Kröteriche -, sind in Bonn z.Zt. nicht besonders beliebt"), riet aber zur Gelassenheit: "Lieber ignorieren als indizieren." (Spiegel 20 1988)
Otfried Preußler: "Die kleine Hexe", 1992
Der bayrische Kinderbuchautor löste mit seinem 35 Jahre alten Bestseller einen kleinen Religionskrieg aus. Der Schriftsteller hatte die Heldin seines Buches „Die kleine Hexe" nur nettes angedichtet, was die katholischen Bürger der Marktgemeinde Lehrberg nun empörte, da die Hexe zu einer „Identifikationsfigur“ würde. Man verlangte deshalb das Buch aus der Kindergarten Bibliothek zu entfernen. Denn vom „christlichen Weltbild her“, könne eine Hexe „nie etwas Gutes sein“. Die Lokalzeitung schrieb passend „Hexen müssen brennen“ und der Pfarrer wetterte von der Kanzel gegen das Buch. (Spiegel 18 1992)
Michael Schmidt-Salomon/Helge Nyncke: "Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel", 2007
Im Dezember 2007 beantragte das Bundesfamilienministerium, das religionskritische Buch auf die Liste der jugendgefährdenden Schriften zu setzen, da es „geeignet sei, Kinder und Jugendliche sozial-ethisch zu desorientieren“. Auch werde dort der jüdische Glaube verächtlich gemacht, womit antisemitische Tendenzen vorlägen. Am 6. März 2008 lehnte die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien den Antrag ab. Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller bezeichnete Schmidt-Salomon wegen des Buches in einer Predigt am 25. Mai 2008 als „geistigen Amokläufer, der Gläubige als Schweine einstuft und Kindsmord befürwortet“. Nachdem das Bistum aufgefordert worden war, eine Unterlassungserklärung zu unterzeichnen, wurde die im Netz verfügbare Predigt gegen eine entschärfte Fassung ausgetauscht. Darüber hinaus beruft sich das Bistum aber auf die Meinungsfreiheit des Predigenden. Daraufhin reichte Schmidt-Salomon Klage gegen den Bischof ein, um sich gegen die aus seiner Sicht beleidigenden und wahrheitswidrigen Unterstellungen zu wehren. Zunächst abgewiesen, stellte das Bayerische Verwaltungsgerichtshof im Berufungsverfahren fest, dass die Behauptungen des Bischofs geeignet waren, dessen Ansehen in der Öffentlichkeit zu schaden. Der Bischof hätte eine „Pflicht zur Sorgfalt, Sachlichkeit und Wahrhaftigkeit“, die er nicht erfüllt habe. Schmidt-Salomon dazu: „Das Gericht hat deutlich gemacht, dass die Kirche kein rechtsfreier Raum ist. Auch Bischöfe sind zu Sorgfalt und Wahrhaftigkeit verpflichtet, wenn sie über Andersdenkende herziehen.“ Vielleicht würden Müller und andere Bischöfe es auch irgendwann einsehen, „dass es ratsam ist, ein Buch erst einmal zu lesen, bevor sie es in ihrer Sonntagspredigt verdammen.“ (wikipedia)
Kinderbuch: „Three little Pigs“ wird zu „Three little Puppies“, England, 2007.
An der Grundschule der „Church of England“ in Huddersfield wurde aus Rücksicht auf die Gefühle muslimischer Kinder der Titel des populären englischen Märchens „Three little Pigs“ in „Three little Puppies“ umgeändert. Begründung einer Lehrerin: „Wir müssen sensibel sein, wenn wir multi-kulturell sein wollen. Es gab das Empfinden, es sei verantwortungsbewusster, nicht drei kleine Schweine zu benutzen. Wir fürchteten, dass einige moslemische Kinder einen Text über Schweine nicht mitsingen würden.“ Ein Rat der Muslime führte weitere Beispiele: Weihnachtsfeiern seien zu Winterfesten geworden. „Baa Baa Black Sheep“ zu „Baa Baa Rainbow Sheep“. Untersagt wurde ferner ein Vortrag in Leeds vom Hamburger Lehrer und Politikwissenschaftler Matthias Künzel mit dem Titel: “Hitlers Erbe: Islamischer Antisemitismus im Mittlern Osten“. Die Leitung der Universität begründete die Absage der zwei geplanten Seminare mit Verweis auf die mangelnde Sicherheit der Teilnehmer. Künzel fühlte sich zensiert. (Netzzeitung 22.3.2007)
Harry Potter und die Verletzung religiöser Gefühle, 2007
Ein Gymnasium in Chemnitz nahm 2007 Rowlings Romanreihe Harry Potter aus dem Unterricht, um eine Verletzung religiöser Gefühle zu vermeiden. Der Grund: die Beschwerden von zwei Eltern, die nach der Durchnahme des ersten Bandes in der 5b, hier ging es um den Aufbau von Märchen und Geschichten, darauf hingewiesen, dass die Darstellung von Geistern im Widerspruch zur religiösen Erziehung ihrer Kinder stehe. Stattdessen wurde lieber Rennschwein Rudi Rüssel behandelt. (Netzzeitung 21.3.2007). Bereits 2003 hatte eine christliche Schule in Australien alle Bücher über Potter aus der Bibliothek verbannt, weil sie nach Ansicht der Leitung für Hexerei werben: "Die Potter-Bücher stellen Hexenwerk als etwas Normales dar. Das sollte nicht in die jungen Köpfe. Als Christen sehen wir Hexerei und Okkultismus als etwas Böses an", sagte Rektor Bert Langerak vom Maranatha College in Melbourne. (MZ 3.7.2003)
Illustrationen von Susanne Berner für das "Winter-Wimmelbuch", USA 2007
Das Buch durfte in den USA nicht erscheinen. Grund: Eine 7,5 Millimeter hohe gemalte Kunststatue eines nackten Mannes war darin abgebildet. Weil sich die Illustratorin Rotraut Susanne Berner weigerte, den Mini-Penis sowie ein winziges Gemälde eines Frauenaktes wegzuretuschieren, platzte das Geschäft mit Boyds Mills Press. Der Verleger befürchtet das Buch wegen der nackten Figuren zu Protesten führen könne. (WN 13.7.2007)Später fand eine Revision statt: Das „Winter-Wimmelbuch“ für Kinder von Rotraut Susanne Berner konnte in den USA doch unretuschiert erscheinen. (online 17.1.2008)
Ellis Kaut: "Pumuckel" - er darf heiraten, 2008
Kobold Erfinderin Ellis Kaut unterlag vor dem Münchner Landgericht. Das entschied, dass die Zeichnerin Barbara von Johnson in einem Malwettbewerb Pumuckel mit einem Mädchen zusammenbringen, entgegen dem Willen von Ellis Kaut, darf. (WN 11.1.2008)
Otfried Preußler: "Die kleine Hexe" ohne "Neger", 2013
Der Thienemann Verlag gab im Januar 2012 bekannt, diskriminierende Begriffe wie "Negerlein" oder "Neger" aus den Kinderbuchklassikern von Otfried Preußler zu streichen. Er folgte damit dem Beispiel der Neuausgaben Astrid Lindgrens. Dort wurde Pippis Vater vom "Negerkönig" zum Südseeherrscher. "Wir werden alle unsere Klassiker durchforsten", kündigte Verleger Klaus Willberg vom Stuttgarter Thienemann Verlag an. Die umstrittenen Wörter würden dabei nicht ersetzt, sondern ganz gestrichen. Denn: Es sei notwendig, Bücher an den sprachlichen und politischen Wandel anzupassen, begründet Willberg den Schritt. "Nur so bleiben sie zeitlos." (spiegel.de 4.1.2013)
Kochbücher
Elisabeth und Fritz Barth: Kochbuch, Villa Massimo 1997
In der römischen Stipendiatenstätte entstand vom Autorenpaar ein römisches Kochbuch als Extrakt ihres Studienaufenthalts. Das Werk wurde mit Festessen vorgestellt. Zwischen den Rezepten allerdings waren mit leichter Hand Frivolitäten und politisch nicht Korrektes verstreut: etwa, beim Thema Fritieren wird die Kirche San Giovanni erwähnt. An dieser Stelle war nach der Überlieferung der Versuch unternommen worden, den Apostel Johannes in siedendem Öl zu töten. Die Bonner Beamte lasen daraus Balsphemie und der Direktor Jürgen Schilling wurde nach Bonn bestellt. Schilling wurde angewiesen, die Verbreitung der Publikation „umgehend einzustellen“ und die “noch verfügbaren Exemplare“ einzustampfen.(Spiegel 35 1997)
Persönlichkeitsrechte
Gisela Heuser (Philippe Mervyn): "Mein Vater Adolf Hitler", 1966
Das Frankfurter Mannequin Gisela Heuser ließ den Verkauf einer unter ihrem Namen erschienenen Geschichte ihres Lebens (Titel: "Mein Vater Adolf Hitler") verbieten. Darin wird behauptet, Heuser (Tochter von Speerwurf-Olympiasiegerin von 1936 Tilly Fleischer und Dr. Fritz Heuser) sei aus einer Liaison zwischen Hitler und der Sportlerin Fleischer hervorgegangen. Das unter ihrem Namen geschriebene Buch stammt von Ex-Freund Philippe Mervyn, der behauptete, dafür eine Vollmacht des Mannequins zu besitzen. (Spiegel 30 1966)
Jörg Schröder: "Siegfried", 1972
Zahlreiche einstweilige Verfügungen wurden gegen dem Schlüsselroman über Kulturbetrieb durchgesetzt. Das Buch erschien in immer neuen Auflagen mit zahlreichen schwarzen Balken. (Spiegel 47 1972)
Bernd Engelmann: Grosses Bundesverdienstkreuz, 1975
Der sog. Tatsachenroman wurde vor Gericht gezerrt, weil Teile des Textes gröblich wahr seien: zwölf Passagen sollten gestrichen werden. Kläger war ein gewisser Konsul Ries, u.a. Vorstandsvorsitzender der Pegulan-Werke, der sich verunglimpft sah. (online)
Thomas Gsella/Heribert Lenz/Jürgen Roth: So werde ich Heribert Fassbender, 1995
Die Satire zum „Grund- und Aufbauwortschatz Fußballreportage“ des Klartext-Verlages mit dem Bild von Fassbender auf dem Titel, kam beim Abgebildeten nicht gut an. Er schaltete einen Anwalt ein und klagte, weil er sich als „Aufreißer für Werbezwecke“ missbraucht sah. (Spiegel 45 1995)
Jürgen Roth: Die Russen-Mafia, 1996
Das Buch hat auf manchen Seiten nicht mehr zu bieten als schwarze Balken und Satzruinen. Bisher haben vier in dem Buch erwähnte Firmen und Geschäftsleute versucht mit einstweiligen Verfügungen eine Schwärzung ihrer Nahmen zu ereichen. Ohne Verhandlung ließ das Landgericht Hamburg bereits einen Tag nach Erscheinen eine einstweilige Verfügung gegen das Buch. In der zweiten Auflage mussten die Namen verschwinden.(Spiegel 30 1996)
Biermann Gedicht: Legende vom Selbstmord der Inge Müller im Jahre `66`, 1996
Ein kritisches Gedicht von Wolf Biermann über das Dichertpaar Inge und Heiner Müller drohte die private Zensur. Es ging in dem Gedicht um den Selbstmord Müllers zweiter Ehefrau Inge mit einer Überdosis Tabletten. Die junge Witwe von Müller, die Fotografin Brigitte Mayer, wollte die Biermann-Ballade „nicht in diesem Buch dulden“, das der Aufbau-Verlag zu Ehren von Inge Müller herausgeben wollte. Sie setzte den Aufbau Verlag unter Druck. iermann spielte die wenig glückliche Ehe und die erdrückende Dominaz von Müller. Auszüge: „Unter Trümmern in Berlin, nicht unterm Regenbogen/ Lag die Dichterfrau verschüttet, ward herausgezogen/ Blieb halb tot im Frieden, hat sich ganz dann hingegeben / Einem Müller, Heiner – auch genannt: der Steineklopper /Tiefer, unter ihm verschüttet lag sie nach dem Kriege...“ (Spiegel 24 1996)
Maxim Biller: "Esra", 2003
Der autobiographisch gefärbte Roman „Esra“ durfte zunächst auch nicht in einer entschärften Fassung erschienen, befand 2003 das Landgericht München, da sie die Persönlichkeitsrechte von Billers Ex-Freundin und deren Mutter verletze. Der Kiepenheuer Verlag legte Rechtsmittel ein. (WN 16.10.2003)2006 erschien dann ein Aufruf von 100 Prominenten, die sich für Billers Buch und die Freiheit der Kunst einsetzten. Vorher hatten die besagten Frauen vor Gericht ein Verbot des Buches erstritten. (Sdt. 24.7.2006) Sie scheiterten aber beim Bundesgerichtshof mit der Forderung nach Entschädigung. (MZ 25.11.2009]
Roman Grafe: „Deutsche Gerechtigkeit“ (Untertitel: Prozesse gegen DDR-Grenzschützer und ihre Befehlsgeber), 2006
Die Verbreitung wurde vom Landgericht Berlin untersagt. Ein ehemaliger Politoffizier der DDR-Grenzgruppen hatte vorab einen dementsprechenden Antrag gestellt. Daraufhin wendeten sich mehrere Prominente Schriftsteller wie Biermann, Kempowski oder Giordano in einem Aufruf gegen das Verbot. (Spiegel 49 2006)
Judith Regan: If I did it, 2006
Die fiktive Mordbeichte "Wenn ich es getan" hätte über den Ex-Footballstar O.J. Simpson, der des Mordes an seiner Frau und ihres Freundes angeklagt, aber freigesprochen worden war kam nach Proteststürmen in den Reißwolf.(online 2006)
Günter Stampf: Interview mit einem Kannibalen, 2007
Das Landgericht Berlin stoppte den Verkauf des Buches zunächst nach 5 Wochen, da Persönlichkeitsrechte verletzt würden. In dem Buch wird die Geschichte von Armin Meiwes aus Rotenburg nacherzählt, der 2001 einen Bekannten getötet, zerlegt und teilweise verspeist hatte. Später wurde das Buch (in veränderter Form?) wieder verkauft. (Spiegel 45 2007)
Alban Nicolai Herbst: Meere, 2007
Die Zeitung „Volltext“ druckte den verbotenen Roman „Meere“ in veränderter Fassung. 2003 war der Roman vom Berliner Landgericht verboten worden. Eine ehemalige Freundin des Autors glaubte sich in den Roman wiedergefunden zu haben und sah in der Art der Darstellung ihre Persönlichkeitsrechte verletzt. Die jetzige Form war offenkundig mit Klägerin abgestimmt. (Welt 30.3.2007)
Florian Havermann: "Havermann", 2007/2008
Der Suhrkamp-Verlag zog den Roman „Havermann“ zurück, da eine in dem Buch beschriebene Person juristisch gegen das Werk von Florian Havermann vorgegangen war und eine Verletzung der Persönlichkeitsrechte reklamierte. (Sdt. 22./23.12.2007. Dann kam das umstrittene Buch nach langen Diskussionen überarbeitet zunächst wieder ins Internet. Der Verlag Suhrkamp hatte nach Protesten und sieben Abmahnungen das 1100-seitige Werk mit geschwärtzen Passagen ins Netz gestellt, um die weitere Entwicklung abzuwarten. In der Biografie hatte sich der Autor mit seinem Vater, dem DDR-Dissidenten Robert Havemann auseinandergesetzt. Juristisch dagegen vorgegangen war u.a. auch die Schauspielerin Eva-Maria Hagen, die ehemalige Lebensgefährtin von Wolf Biermann. Die Online-Ausgabe galt als Testlauf, um vor der nächsten Druckauflage auf weitere Abmahnungen von Leuten, „die sich bisher nicht gerührt" hatten, zu reagieren. (WN 5.2.2008)
Christian Schertz, Thomas Schuler: „Rufmord und Medienopfer“, 2008
In der zweiten Auflage des im Berliner Linksverlag erschienen Buches wurde das Kapitel von Thomas B. Goguel „Filmpromotion mit Kollateralschäden: Der Fall Gröllmann/Mühe" entfernt. (online 2008)
Heinrich Wille: Barschel-Buch, 2008
Das Buch des Lübecker Chefermittlers im Todesfall Uwe Barschel wurde verboten, weil dienstliches Wissen privat veröffentlicht werden sollte. (WN 16.7.2008)
Olaf Kraemer: Ende einer Nacht (Romy Schneider), 2008/2009
In dem Roman beschreibt der Autor fiktiv, aber doch an Fakten angelehnt, die letzte Nacht im Leben der Schauspielerin Romy Schneider (1938 bis 1982). Kurz nach dem Erscheinen des Werkes im September 2008 verklagte Horst Fehlhaber, der dritte Ehemann von Romy Schneiders Mutter Magda, den Verlag u.a. deshalb, weil in dem Roman die Figur Romy der Mutter vorwirft, Adolf Hitler verehrt zu haben ("Die Alte glaubt immer noch an den Führer, und tief drinnen tut es ihr höchstens leid, dass es nicht geklappt hat mit dem schönen Reich."). Der Roman durfte zwar weiter verkauft werden, aber die beanstandeten Passagen mussten zunächst geschwärzt werden. Der Verlag legte Widerspruch ein. Das Oberlandesgericht Frankfurt urteilte 2009 abschließend zu Gunsten der Kunstfreiheit: das Buch konnte wieder unzensiert erscheinen.(Spiegel 5 2009)
Dieter Wedel: "Vom schönen Schein und wirklichen Leben", 2010
Gegen das Buch erwirkte Hannelore Elsner eine einstweilige Verfügung gegen Teile des Buches, in dem es um eine 30-Jahre zurückliegendes Liebesverhältnis zwischen Elsner und Wedel geht. (Spiegel 2 2010)
Jörg Immendorff: Biographie, 2010
Jörg Immendorff war schon zu Lebzeiten umstritten. Sein Prostituierten- und Drogen-Skandal von 2003 wurde öffentlich ausgetragen. Für Anfang Oktober 2010 wurde eine Biographie angekündigt, wobei der Verlag bereits im Vorfeld mitteilte, dass Oda Jaune, die junge Witwe des Künstlers, wohl dagegen vorgehen werde. Deshalb habe man vorsorglich Stellen entschärft – „ein Kapitel sei daraufhin gestrichen worden", berichtete das Börsenblatt. Gleichzeitig versprach der Aufbau-Verlag, der Autor werde mündlich, in Interviews, Skandalöses aufdecken, zu „Schwarzmarkt“ und anderen heiklen Themen Stellung nehmen. (FAZ 16.9.2010)
Matthieu Suc und Gilles Verdez: „La Face cachée de Franck Ribéry“ (wörtlich übersetzt: Das versteckte Antlitz von Franck Ribéry), 2011
Wie das Magazin „Le Point“ auf seiner Internetseite berichtet, will der Nationalspieler den Verkauf der nicht-autorisierten Biografie unbedingt stoppen, beruft sich auf einen Verstoß gegen seine Bildrechte. Dabei geht es um das Foto des Buchcovers, das Ribéry im Anzug zeigt. Eine gerichtliche Anhörung in Paris soll Klarheit in den Fall bringen. In den Vorabdrucken, die „France-Soir“ (die Autoren Suc und Verdez sind Redakteure der Tageszeitung) veröffentlicht hat, soll es vor allem um pikante Einzelheiten im Sex-Skandal um die Prostituierte Zahia Dehar gehen. Wegen „Kontaktanbahnung zu einer minderjährigen Prostituierten“ war Ribéry 2010 ins Visier der Justiz geraten. Im Rahmen der Ermittlungen gegen ihn gab der Fußball-Star drei Sex-Treffen im Jahr 2009 zu. Dass die Marokkanerin damals noch keine 18 Jahre war, habe er jedoch nicht gewusst. Zahia Dehar bestätigte diese Angaben. Doch in den Verhören der Staatsanwaltschaft, aus denen die Autoren in ihrem Buch angeblich zitieren, soll Ribéry den Kontakt zu einer weiteren Prostituierten mit dem Szene-Namen „Shazya“ einräumen. Nach eigener Aussage traf diese das Fußball-Idol am 7. April 2009 (Ribérys 26. Geburtstag) gemeinsam mit Zahia Dehar in München. (u.a.Sdt. 1./2./3.10.2011)
Thomas Anders Biografie, 2011
Der frühere Modern-Talking-Sänger warf seiner Ex-Frau Nora zwölf Jahre nach der Scheidung n seiner Autobiografie unter anderem Verschwendungssucht und "fast schon krankhafte" Eifersucht vor. Das Landgericht Koblenz gab einem Antrag der Ex-Ehefrau auf einstweilige Verfügung gegen Anders' Buch statt. Somit darf der Sänger eine Reihe von Behauptungen über Nora nicht mehr verbreiten. Tut er es dennoch, muss er pro Verstoß ein Ordnungsgeld von bis zu 100.000 Euro zahlen. (Stern de 4.11.2011)
Jörg Kachelmann: Recht und Gerechtigkeit, 2012
Das Landgericht Mannheim untersagte dem Heyne-Verlag im Oktober 2012, Kachelmanns Buch weiter zu vertreiben, solange Claudia D. darin mit vollem Namen genannt wird - jene Frau, deren Anzeige wegen Vergewaltigung den Prozess gegen den Fernsehmoderator auslöste, an dessen Ende ein Freispruch des Landgerichts Mannheim stand. Verlagsleiter Ulrich Genzler sagte, von der Erstauflage von 50 000 Exemplaren seien schon 40 000 an den Buchhandel ausgeliefert. Diese sind nicht von dem Verbot betroffen und dürfen verkauft werden. Die neue Auflage werde ohne den Namen gedruckt. Sämtliche Exemplare von "Recht und Gerechtigkeit", die bei Kachelmanns Pressekonferenz auf der Frankfurter Buchmesse auslagen, waren sorgfältig geschwärzt. Mit einem Filzstift hatte jemand den Namen von Kachelmanns Ex-Geliebter durchgestrichen. Auf manchen Seiten vier, fünf Mal. (Stern.de 12.10.2012)
Jens Bergmann: Die Promi-Plage, 2013
Der Journalist Bergmann hatte das Buch für die Verlagsgruppe Random House geschrieben. In ihr sind auch die von ihm beschriebenen Autoren Margot Käßmann, Markus Lanz oder Norbert Blüm als Hausautoren tätig. Nachdem das Werk schon Lektorat und Rechtsabteilung passiert hatte, griff der Verlagschef Klaus Altepost ein, um die "uns menschlich liebgewordenen Autoren" zu schützen. Deshalb sollte die aussage Käßmann habe "das Betroffenheitsprinzip zur hohen Kunst gebracht" gestrichen werden. Aus Lanz sollte ein "kluger" Nachfolger von Gottschalk und Kerner werden und Johann Lafer hatte kein "unnatürliches Dauerlächeln" mehr, sondern wurde zur "Frohnatur" die "sehr gefragt" war. Als Bergmann sich solchen Änderungen verweigerte, flog das Buch aus dem Programm. Es erschien dann im Metrolit-Verlag. (Spiegel 10 2013)
Ratgeber
William Powell: "The Anarchist Cookbook", USA 1977
In dem Leitfaden für Anarchisten ist gebündeltes Wissen u.a. für den Terror versammelt: z.B. wie man Bomben im Keller bastelt oder LSD oder TNT in der Küche anfertigt oder Brücken aller Größenordnung in die Luft sprengt. Das Buch wurde in Deutschland verboten. (Spiegel 9 1977]]
Dr. A.Narcho, Dr. Marie Huana und Privatdozent Dr Kiff-Turner: „Wege zu Wissen und Wohlstand oder: Lieber krankfeiern als gesund schuften“, 1981
Gegen die Tipps zum Krankfeiern schlug 1981 die Polizei los. Betreuer der Strafaktion war die Allgemeine Ortskrankenkasse, die in dem Buch das “Verbreiten von Schriften“ sah, in denen „zu einer rechtswidrigen Tat“ und Betrug und Urkundenfälschung aufgerufen wurde. Zum Hintergrund: Seit dem Sommer 1980 kursierten bereits die Untergrundbroschüren ind vielen linken Buchläden als Leitfaden mit Tricks und Tipps gegen Arzt und Kasse als Art „Hilfe zum Aussteigen aus dem krankmachenden Trott des Spätkapitalismus. In Bremen und anderen Orten wurde 1980 rund 270 Exemplare des gut gehenden Breviers aus dem Verlag „Roter Funke“ beschlagnahmt. Gegen den Verleger Robert Valentin wurde sogar Anklage erhoben wegen „öffentlicher Aufforderung zu Straftaten und Betrugsanstiftung“. (Spiegel 26 1981)
Satire
"Das neue Lexikon der Niederlagen" und das Duftwasser 4711, um 1984
Die Kölner Firma "4711" erwirkte eine einstweilige Verfügung gegen das Buch “Neues Lexikon der Niederlagen“ (Goldman), weil darin u.a. eine tragbare Dosendusche mit der Unterzeile „Firma 4711, laß den Unsinn!“ zu finden war. Der Verlag Goldmann beugte sich der einstweiligen Verfügung, nicht so der Lizenzgeber Eichborn, bei dem die „Niederlagen" ebenfalls verbreitet wurden. Dort wurde zwar vorläufig der Name „4711“ getilgt, aber eine Fußnote eingefügt: „Dies war Satire. 4711 hat es ernst genommen. Dann kam es zum Prozess. (Spiegel vermutlich 1984)
Schulbücher
„Sexualinformation für Jugendliche“: Bernt H. Claesson, 1971
1971 wurde in der rheinischen Stadt Viersen ein Aushilfslehrer von der Berufsschule entlassen. Er hatte im Unterricht die Aufklärungsschrift zur Ansicht herumgehen lassen und eine Sammelbestellung organisiert. Dies brachte ihm den Vorwurf ein, die 14- bis 16jährigen Mädchen „zu radikal aufgeklärt“ zu haben. Sowohl die Mehrzahl der Eltern als auch viele Lehrer sprachen sich gegen eine weitere Zusammenarbeit aus. Zu drastisch schienen ihnen Abbildungen und Sprache (z.B. „ficken“ statt „Geschlechtsverkehr“). Externe Gutachter hingegen bescheinigtem dem Buch eine angemessene und altersgerechte Ausführung. (Spiegel 4 1971) Auch die Nachfolgeschrift „Sexualinformation für Kinder“, geriet 1978 in die Kritik (Verlag Neue Kritik, Frankfurt)/ (Spiegel 12/13 1978)Siegfried George/Wolfgang Hilligen: sehen beurteilen handeln (5./6. Schuljahr, 1972
In der ersten Auflage des Schulbuches stand ein Bild mit einer Tafel und der Aufschrift "alle Lehrer sind doof", (2. Aufl. "doof" wurde gestrichen), im alten Text stand, daß "fast alle" Neger der USA "in Armut leben" (2. Aufl. "sehr viele"), daß es in der Bundesrepublik Gurppen gebe, die "möchten, daß die Verhältnisse auch bei uns im Sinne der Lehre von Karl Marx verändert werden" "so, wie es in der DDR geschehen ist" (2. Aufl. der Hinweis auf die DDR wurde gestrichen, dafür bzgl. der Gruppen hinzugefügt "Im Bundestag sind diese Gruppen nicht vertreten"). Die erste Auflage war zunächst genehmigt worden ("ein Versehen"), dann regte sich Widerstand, so dass die 2. Auflage unter besonderer Beobachtung stand und auch die Textkorrekturen damit erklärt sind. Dennoch wollte die CDU in Hessen und Hamburg das Buch verbieten lassen. (Spiegel 36 1972)
Lesebuch: "Drucksachen 5", 1974/1975
Beim Verwaltungsgericht klagten 1974 Oldenburger Eltern gegen die Verwendung eines Schul-Lesebuches, das aus ihrer Sicht „zum Klassenkampf auffordert“. "Drucksachen 5" heißt es das unter Verschluß geratene Werk für den Deutsch-Unterricht vom Düsseldorfer Pro Schule Verlag. Darin werden u.a.Lehrer als „Arschgeigern, Arschgucker, Arschpauker oder Tintenscheißer" alternativ genannt. (Spiegel 51 1974)Dann setzte ca. ein Jahr später nach kulturkampfähnlichen Auseinandersetzungen um die Deutsch-Lektüre die große Lesebuch Revision ein. In selbst auferlegter Zensur und aufgrund amtlicher Beanstandungen nahmen Verlage anstößiges Vokabular zurück und verkleinerten politische Angriffsflächen. Die umstrittene Lesebuchreihe „Drucksachen“ tauschte 75 Einzeltexte aus. Fortan fehlte in dem "Drucksachen"-Lesebuch für die 5. Klasse eine Sammlung die zitierte Sammlung von Schimpfwörtern für Lehrer. Auch das Lesebuch für die 6. Klasse kam fortan ohne einen sozialkritische Text „Monika in der Schule“ von Ulrike Meinhof heraus. Dafür ersetzte sie nun eine lustige Geschichte von Heinrich Spoerl „Der Willi und ich“ zu lesen. Geändert wurden später insgesamt 13 von 17 Bänden der Lesebuchreihe mit 75 Einzelbeiträge. Und auch die dazugehörenden Handbücher wurden überarbeitet. Weitere Beispiel für die Revision Mitte der siebziger Jahre: Auf Geheiß der Kultusministerien in Bayern und NRW musste der Münchner Oldenburg-Verlag in seinem Band „Textbuch 6“ einen Auszug aus dem Theaterstück „Manno Mann“ der Autoren Volker Ludwig und Rainer Lücker kürzen. Änderungen bekamen auch die Herausgeber von Westermanns "texte deutsch“ in NRW auferlegt. Von sich aus tilgte der Hannoversche Schroedel Verlag aus seinem Deutschbuch „Sprache und Sprechen IV“ eine Passage mit dem Kinderbuch Text „Einmal am Tag laut Scheiße sagen, dann geht es euch gut“. Der Frankfurter Diesterweg-Verlag verkürzte seinen Band „Kritisches Lesen 2" um das Kapitel "Sprache und Sexualität". Der Stuttgarter Klett-Verlag zog sein eben auf dem Markt gebrachtes Sprachbuch „Kaleidoskop" kurzerhand zurück. (Spiegel 28 1975)
Direktorin verbietet Schweine-Abenteuer, London 2003
Die Direktorin einer englischen Grundschule erließ 2003 ein Verbot, nachdem im Unterricht keine Geschichten von den drei kleinen Schweinchen oder Bücher wie "Schweinchen namens Babe" gelesen werden dürfen. Sie befürchtete, dass dadurch die Gefühle muslimischer Kinder an der Schule verletzt werden könnten. (MZ 6.3.2003)
Schulbuch: „Unterwegs zur Welt“ (Volk und Wissen Verlag Berlin), 1998
Das Schulbuch geriet in die Kritik. So wollte das Thüringer Ministerium es nur nehmen, wenn der Teufel, gezeichnet vom Kölner Zeichner Nikolaus Heidelbach, daraus verschwinde. Denn: Die Zeichnung störe das religiöse Empfinden christlicher Schüler. Ferner wurde vom Ministerium die Darstellung eines backenden Engels beanstandet.(Spiegel 12 1998)
Biermösl Blosn: „BayWa-Lied“, 2001
Im Jahr 2001 verursachte ein Lied der Gruppe einen Skandal. Das „BayWa-Lied“, eine satirische Verballhornung der Bayernhymne und der Firma BayWa (Text: „Gott mit Dir, du Land der BayWa …“), wurde von einem Schulbuchverlag in ein Liederbuch für Hauptschüler der achten Klassen gesetzt. Die bereits gedruckten Bücher wurden auf Anweisung des Kultusministeriums sogleich wieder eingestampft.(wikipedia)
Preise
Bachmann-Preis 1991: Urs Allemann: Babyficker, Kärnten 1991
Der Landtag des Bundeslandes Kärnten war über die Jury des Klagenfurter Literatur Wettbewerbs erzürnt, weil sie den Schweizer Autor Urs Allemann mit seinem „Babyficker“ preisgekrönt hatte. Sozialdemokraten und Konservative verurteilten den Autor scharf und verlangten, dass künftig „bei offiziellen Preisvergabben“ eine „Rufschädigung unseres Landes" vermieden werde. Spiegel 37 1991
Der Heinrich-Heine-Preis: Peter Handke, Düsseldorf 2006
In Düsseldorf sollte der Preis an Peter Handke nach dem Willen der Jury verliehen werden, doch die Ratsfraktion in Düsseldorf plante ein Veto. Der "Spiegel" titelte daraufhin: „Skandal mit Ansage (Nr.23 2006). Einen ähnlichen Skandal hatte es schon einmal gegeben: Die Zuerkennung und anschließende Aberkennung des Bremer Literaturpreises an Günter Grass. Der Blechtrommel-Autor war beim zweiten Hingucken zu „pornographisch“. Das war 1960.
Vertrieb
amazon Reinigungsaktion 2009
Mehr als 57000 Titel waren während der Ostertage 2009 aus den Rankinglisten des Internet-Händlers amazon verschwunden. Vor allem Literatur, die als „adult“ glat. Dazu gehörten viele Werke homosexueller Autoren, die freilich oftmals gar keine pornographische Werke verfasst hatten. Romane von E. M. Forster und Gore Vidal oder der Roman „Line of Beauty“, für den Allan Hollinghurst den Booker Preis bekommen hatte, gehörten dazu. Weitere Merkwürdigkeiten traten auf, so wurde Stephen Frys Autobiographie als Taschenbuch verbannt, aber nicht als Hardcover: Das eine war als „gay“ rubriziert worden, das andere als „memoir“. Amazon sagte, dies sei eine Panne. "American Psycho" blieb unangetastet. (Sdt. 15.4.2009)
Themenfelder
Antisemitismus
Konrad Löw: "Deutsche Identität in Verfassung und Geschichte", 2004/2010
Die Bundeszentrale für politische Bildung zog den April-Band 2004 ihres "Deutschland-Archivs" zurück und distanzierte sich "aufs Schärfste" von dem Text des emeritierten Bayreuther Professors. Löw hatte u.a. für die Nazi-Zeit eine "deutsch-jüdischen Symbiose unter dem Hakenkreuz" festgestellt und weist eine Kollektivschuld der Deutschen zurück. Antisemitismus, so Löw, sei während der Nazi-Zeit nur wenig verbreitet gewesen. Vor dem Bundesverfassungsgericht allerdings bekam Löw mit seiner Klage bzgl. Meinungsfreiheit und Persönlichkeitsrecht recht: Das Gericht rügte die Bundeszentrale ob ihrer Einstampfaktion. Unabhängig davon stellt sich die Frage, warum die Bundeszentrale erst ein Werk drucken und verbreiten lässt und erst dann auf die kruden Thesen mit einer Rückhol- und Einstampfaktion reagiert. (Sdt. 29.9.2010)
Martin Walser: "Ohne einander", 2007
Im ZDF wurde ein Fernsehspiel nach dem Roman von Walser „Ohne einander“ vorsorglich geändert. Man wollte nicht vom Film ablenken und einen Zusammenhang zur Paulskirchenrede von 1998 herstellen. Deshalb wurde eine Textpassage so verändert, dass kein Antisemitismus-Vorwurf aufkommen konnte. Denn gleich zu Beginn des Romans findet eine ironisch beschriebene Konferenz bei dem Magazin DAS statt, in dem die weibliche Hauptfigur Ellen arbeitet. In dieser Redaktion nimmt der Chefredakteur einen Artikel seines Chefkritiker über Bugsy Siegel auseinander, weil Siegel, der schließlich Jude gewesen sei, im Text so schlecht wegkomme, wurde in der Verfilmung aus Bugsy Siegel Harry G. (Welt 19.3.2007)
Kontroverse um Veröffentlichung von Hitlers "Mein Kampf", 2012
Die langjährige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, war gegen eine Veröffentlichung des Hitler-Buches "Mein Kampf": "Es handelt sich um eine der übelsten Hetzschriften, die in diesem Land je verfasst worden ist", unter Bezug auf den Plan des britischen Verlegers Peter McGee, kommentierte Auszüge aus "Mein Kampf" von Adolf Hitler zu veröffentlichen. In der Folge wurde heftig um den Umgang mit dem verbotenen Machwerk debattiert. (Sdt. 17.1.2012)
"Ich bin Deutschland" wird "Allein unter Deutschen": Tuvia Tenenborn, 2012
Für sein Buchprojekt reiste der jüdische Theatermacher Tuvia Tenenborn ausgestattet mit einem Vorschuß von Rowohlt monatelang durch Deutschland. Heraus kam ein Buch, das Deutschland als einen Ort voller Nazis und Antisemiten beschreibt. Nach dem Zerwürfnis mit dem Auftraggeber Rowohlt soll die Reportage im Herbst bei Suhrkamp erscheinen. Vorher hatte Rowohlt das Buch noch als Spitzentitel angekündigt: "Ausgestattet mit einer wunderbaren Beobachtungsgabe und viel schwarzem Humor", heißt es im Verlagsprospekt, "erzählt Tenenbom von seinen Erlebnissen auf deutschen Straßen und enthüllt dabei intelligent und komisch zugleich die Seele des Landes und seiner Bewohner." Im Vorwort der amerikanischen Ausgabe rechnet Tenenbom mit dem Rowohlt Verlag und dessen Chef ab. Der Verlag habe darauf bestanden, behauptet Tenenbom, die krassesten Beispiele für deutschen Antisemitismus aus dem Buch zu entfernen und ihn behandelt "wie Herrenmenschen einen kleinen Juden". Man habe ihn als "jüdischen Hysteriker" beschimpft, ständig angelogen und in einer Art und Weise Zensur geübt, "die einem iranischen Verleger unter den Ayatollahs gut zu Gesicht gestanden hätte". Rowohlt-Verleger Alexander Fest zu den Vorwürfen: "Wir haben zu keinem Zeitpunkt versucht, irgendeine Zensur auszuüben." Es habe rechtliche und formale Probleme mit dem Manuskript gegeben, und das Lektorat habe dem Autor deshalb Verbesserungs- und Kürzungsvorschläge gemacht. Die Korrespondenz zwischen Autor und Verlag, zeigt nach Meinung der SZ, dass die Vorschläge des Rowohlt-Lektorats durchaus den Gepflogenheiten der Buchbranche entsprachen. Für die von Tenenbom unterstellten Beschimpfungen gibt es dort keine Anhaltspunkte. Vielmehr geht es um Länge, Struktur und Sprache. Und um rechtliche Probleme. (Sdt. 30.7.2012)
Behinderte
Helga Kuhse und Peter Singer: "Should the baby live?", 1992
Behinderte bezeichneten das Rowohlt-Buch als "Aufruf zum Mord“. Die provokanten Thesen des australischen Moralphilosophen Peter Singer mit der Kernthese, dass schwerstbehinderte Neugeborene „bis zu einem Monat nach der Geburt nicht als Menschen zu betrachten (seien), die ein Recht auf Leben haben“ stieß auf erbitterten Widerstand. Aus Empörung über die deutsche Ausgabe des umstrittenen Werkes, in dem Singer seine Euthanasie-Thesen vertiefte, planten Behinderte 1992 ein Protestaktion am Rowohlt-Stand auf der Frankfurter Buchmesse. Nach massiven Protesten zog Rowohlt die Veröffentlichung zurück.(Spiegel 40 1992)
Beschimpfungen
Rainald Goetz auf dem Grazer Literatursymposium, 1984
Bei der Grazer Literaturzeitschrift "Manuskripte" Nr. 86 1984, wurden die Seiten 13/14 vom Herausgeber Alfred Kolleritsch herausgeschnitten. In der Ausgabe waren Reden gedruckt, die im Oktober während eines Grazer Literatursymposium zum Thema „Lüge“ vorgetragen wurden waren. Darunter war auch ein Text von Rainald Goetz mit dem Titel „Hölle“, einem aus 375 Wörtern zusammengeschusterten Werk, in dem 184mal das Wort Wahrheit ausgestoßen wird. Alfred Kollertisch hatte „Hölle“ gedruckt, nicht drucken aber wollte er, was Goetz über die anderen anwesenden Autoren zu sagen hatte: Über eine Erzählerin meinte er, sie habe ein „Teig-Gesicht … (das) Brechreiz“ verursache, einen Soziologen raunste er an „Hat der Fettsack überhaupt gedient?“. Einen anderen Literaten titulierte er als „diese Ringelhemd tragende Elendsexistenz“ über eine Lyrikerin als „Verhungerte Germanistenfotze … ebenfalls behindert“. Einen 77jährigen Philosophieprofessor wurde als „vergammelter Philosophielehrhocker“ enttarnt. All das war versehentlich in 4000 Exemplaren erhalten geblieben, so dass der entsetzte Herausgeber zum Federmesser griff. (Spiegel 52 1984)
Drogen
"Zauberpilze bei uns", 1998
Die Broschüre über den Umgang mit Drogenpilzen wurde von der Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Drogen(politik) verfasst und den Grünen vertrieben und enthielt neben Hinweisen von Wirkungen und Risiken auch Einnahmetipps. Experten und Mitglieder anderer Parteien warfen den Grünen eine Verharmlosung vor (so stand in der Broschüre: "So manchem überzeugten Atheisten soll auf einer Reise mit den Zauberpilzen schon der Liebe Gott" begegnet sein) und forderten eine Zurücknahme. (Spiegel 34 1998)
Erotik und Pornographie
Vladimir Nabokov: "Lolita", 1959
Bei Rowohlt erschien die erste deutsche Fassung des Romans und löste sofort heftige Debatten um das Thema aus: die sexuell geprägte Beziehung eines erwachsenen Mannes zu einem zwölfjährigen Mädchen. In Amerika, wo das Werk überwiegend entstanden ist, hatte sich bis 1958 kein Verlag für die Herausgabe gefunden.(verm. Spiegel 31 1970)
Günter Grass: "Die Blechtrommel", 1959
Auch Weltliteratur ist vor dem Staatsanwalt nicht sicher: Das fulminatne Werk handelte sich zahlreiche Strafanzeigen aufgrund seiner Freizügigkeit ein. (Welt 13.10.2007)
Pauline Reage´: "Die Geschichte der O", 1967
Bereits 1967 wurde die "Geschichte der O" vom Melzer Verlag herausgegeben von der Bundesprüfstelle im November 1967 indiziert, da hatte der Melzer verlang bereits 70 000 verkauft.
Oswald Wiener: „Josefine Mutzenbacher, Die Lebensgeschichte einer wienerischen Dirne“, 1969
Der Rogner & Bernhard Verlag veröffentlichte die erste deutsche Ausgabe der Mutzenbacher. Der Rowohlt Verlag folgte mit einer durch Beiwort und Glossar ergänzten Ausgabe des ursprünglich bereits 1906 als Privatdruck herausgegeben, erotisch angehauchten Werkes. Gleichwohl wurde es von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften auf den Index gesetzt, eine Entscheidung, gegen die der Verlag bis zum Bundesverfassungsgericht klagte. Nach mehreren unterschiedlichen Urteilen stellte das Oberlandesgericht Münster fest, dass es sich bei dem Roman eindeutig um „Kinderpornographie“ handele.(verm. Spiegel 31 1970)
Hendryk M. Broder: „Wer hat Angst vor Pornographie?“, 1969
Der Autor war vom evangelischen Jugenddienst (Verlag in Wuppertal) angeheuert worden, ein Report über Zensur, Jugendschutz und Pornographie zu verfassen. Doch die Produktion stocke bald: erst sollten ein paar der wenigen harten Pornoshots herausgenommen. Broder protestierte und sie durften bleiben. Dann wieder weigerte sich die Vertragsfirma des Verlags, die anstößigen Bilder zu drucken und forderte zuvor eine Einverständniserklärung des Vereinsvorstandes, der für den Jugenddienst Verlag juristisch verantwortlich war. Als dann doch alles auf den Weg gebracht war, legte der Vereinsvorsteher Oberkirchenrat Dr. Johannes Schlingensiepen sein Veto ein: "Das kann ich so nicht verantworten.“ Broder wurde abgefunden und neuer Verlag gesucht: das Buch erschien bei Abi Melzer. (Spiegel 31 1970)
Franz von Bayros. "Das galante Werk, 1969
1969 wurden die beiden bibliophilen Bildbände des Wiener Jugendstilmalers von einem Mainzer Amtsgericht für "unzüchtig" befunden. (konkret 9 1969)
Frank Newman. "Barbara, 1969
1969 wurde in Darmstadt gegen den Verleger von "Olympia Press" und "März", Jörg Schröder, aufgrund der Veröffentlichung des Buches ein Strafprozess wegen der "Verbreitung unzüchtiger Schriften" geführt. Schröder wurde zunächst freigesprochen. (konkret 1 1969)
Erotik aus dem Fackelverlag, siebziger Jahre
Zahlreiche Bände durften nur an Erwachsene verkauft werden, darunter: I. Torrnes: Von Ludern und anderen/Meine Bettkarriere, G. Segre´: Die unreinen Engel, Michel Bernard: Marthe oder Das Lustschloß, Henry Miller: "Sexus" („seit Jahren verboten – jetzt zum erstenmal in deutscher Sprache“), Reinhard Seufert: "Porno", Robert L. Harkel: "Lust" 222 x Liebe ("ohne Trikots")
Johnny Byrne: "Groupie", 1970
Das Buch geriet schon vor seinem Erscheinen in die Diskussion. Verleger Franz Burda: "Wer so etwas veröffentlicht, ist für mich eine Drecksau". (Archiv)
Jens Bjorneboe: Nackt im Hemd, 1971
Das Buch war bereits in Norwegen verboten worden, aber in Dänemark verfilmt. Der Roman schildert detailreich, wie die 18jährige Lillian durch einen allzeit bereitwilligen Gynäkologen von ihren Orgasmusschwierigkeiten befreit wird. Bei der Bundesprüfstelle wurde ein Antrag auf Indizierung gestellt. (Spiegel 4 1971)
Christine Schuberth liest Josefine Mutzenbacher, Wien 1971
Ein Doppelalbum mit originalen "Mutzenbacher"-Texten gelesen von der Schauspielerin Christine Schuberth, die auch noch nackt auf dem Cover posierte, wurde mit dem Vorwurf der Pornographie bedacht und angezeigt. (Spiegel 1971)
Staf Bischoff: Vom Partnertausch zum Gruppensex (Report), Flensburg1981
Durfte nur an Erwachsene geliefert werden.
Beschlagnahme: Nin, "Delta der Venus", Friday, "Die sexuellen Phantasien der Männer", Comfort, "Joy of Sex", Bundesrepublik 1983
In einer großen Beschlagnahmeaktion wurden die Klassiker und Verkaufsschlager 1983 aus den Buchhandlungen entfernt.
Frank Newman: "Bikini", 1984
In der niedersächsischen Kleinstadt Burgdorf geriet der Bibliothekar Hans-Peter Mieslinger in die Kritik, u.a. weil Mieslinger das Buch von Frank Newman Titel "Barbara", einen erotischen Roman aus der Büchergilde Gutenberg geordert hatte. Ungekürzt hatte das Buch vor anderthalb Jahrzehnten ein Schöffengericht in Darmstadt beschäftigt, das aber „den Einwand, das Buch sei ein Kunstwerk nicht entkräften“ konnte. Die Verlesung besonderer Stellen hatte damals abgebrochen werden müssen, wegen Ermüdung des Gerichts. Anders die CDU-Politiker in Burgdorf: Es handelt sich um Pornographie“. Danach wurden alte Rechnungen durch geblättert, um weitere anrüchige aufzuspüren. Man fand u.a. „Bikini“ „Vom Sklaven der Liebe“ und „Evas Töchter werden mündig“, bei denen den Rathausbediensteten die Phantasien durch ging: Bei "Bikini" handelt es sich um ein Buch über die Atombombenversuche auf dem Bikini-Atoll, das andre enthält "Geschichten aus 1000 und 1 Nacht." (Spiegel 10 1984)
Ernst Kahl: „Bestiarium Perversum“, 1985
Der eher linke Hamburger Bundbuch-Verlag wollte das Buch, eine Kuriositätensammlung „ungewöhnlicher Freundschaften“ zwischen Tier und Mensch – Mensch und Tier, nicht drucken, da es zu "sexistisch" und "pornographisch". Daraufhin erschien es bei Galgenberg. (Spiegel 30 1985)
„Lola – Erotische Variationen“, 1986
Das Episodenwerk über zwei Männer mit einer Frau im Zug wurde indiziert, da die „Propagierung ungehemmter sexueller Betätigung“ in Tateinheit mit „ausführlichen Beschreibungen der Geschlechtsmerkmale“ nicht hinzunehmen sei.(Spiegel 7 1986)
„Massimissa oder Die Lust der Freiheit“, 1986
Auf den Index der Bundesprüfstelle landete 1986 dieser historische Roman, ein Familienstück aus Lateinamerika, in dem Vater und Tochter, Mutter und Sohn zwanglos miteinander ins Bett gehen. Die Brüfstelle argumentierte beim Verbot, das dies hoch gefährlich sei, da solche „Verhaltensmuster den Erziehungsbemühungen vom Elternhaus und Schule entgegenwirken“. Fazit: solche Bücher „gefährden die Sexualordnung der Bundesrepublik“.(Spiegel 7 1986)
Emanuelle Arsan:Emanuelle - zweiter Teil, 1986
Bei der Indizierung wurde darauf verwiesen, dass die Titelheldin bisweilen „Fellatio- und Analverkehrkontakte mit buddhistischen Mönchen“ pflegt, wobei „es einzig und allein darum geht, sexuellen Genuß zu erreichen“ und damit „die Prinzipien eines gesunden Ehe- und Familienlebens verhöhnt“ werden. (Spiegel 7 1986)
Nancy Friday: „Die sexuellen Phantasien der Frauen", 1986
Vorgeworfen wurde der Autorin bei der Indizierung, dass „das menschliche Leben auf Sexualgenuß zentriert begriffen“ werde. Kritisiert wurde ferner, dass sich so viele Eheleute scheiden ließen, vor allem Männer, die früher erotische Literatur gelesen hätten, weil damit sexuelle Ansprüche geweckt würden, die die Frauen nicht erfüllen könnten. (Spiegel 7 1986)
Henry Miller: „Opus Pistorum“, 1986
Das Werk „schildert in einer ununterbrochenen Abfolge hunderter von nur lose miteinander verknüpften Szenen in reißerischster Weise die wüstesten und abartigsten, sich häufig im Fäkalbereich bewegenden Sexualpraktiken, wobei das Geschlechtliche ohne Sinnzusammenhang mit anderen Erscheinungen des Lebens bleibt,“ urteilte das Landgericht Darmstadt bei der Begründung für die bundesweite Beschlagnahme des Buches.(Spiegel 15 1986)
Walter: "Viktorianische Ausschweifungen", 1986
1986 erschienen in der „Anderen Bibliothek“ des Greno Verlages Walters „Viktorianische Ausschweifungen". Ursprünglich war das Werk „My Secret Life“ privat 1890 in Amsterdam in nur wenigen Exemplaren gedruckt worden. Eine offizielle Ausgabe erschien aufgrund der Zensurbestimmungen erst 1966 bei der New Yorker Groove Press. Die Greno-Ausgabe enthält eine Auswahl des „gewiß längsten und schmutzigsten aller pornographischen Bücher“, so The Times. (Spiegel 48 1986)
Guillaume Apollinaire: „Die elftausend Ruten", 1987
Die Staatsanwaltschaft ließ das Buch beschlagnahmen, weil es pornographisch sei. Dem bei Matthes und Seitz herausgegebenen Buch wurden Verstöße gegen Paragraph 184 Absatz 3 StGB unterstellt. In Wirklichkeit handelt es sich eher um eine erotische Groteske mit wüsten Ausartungen. Bereits ein Jahr vorher hattte es eine bundesweite Beschlagnahmeaktion wegen Henry Millers "Opus Pistorum" gegeben. Das 1984 bei Rowohlt publizierte Erotikon wurde durch den Einsatz von 700 Polizeibeamten in 285 Buchhandlungen über Nacht berühmt. Selbst Bertelsmann, wo eine Lizenzausgabe im Buchclub erschienen war, wurde von der Beschlagnahmeaktion betroffen. (Spiegel 8 1987)
Henry Miller: "Opus Pistorum", 1984/1989
Das Werk von Miller war bereits zu seinem Erscheinen 1984 ein Skandal. 1989 wurde vor dem Stuttgarter Landgericht die Frage verhandelt, ob es Pornographie oder Kunst sei. Angeklagt war der Geschäftsführer des Bücherbundes, Manfred Dennler, der das Buch angeboten hatte. Entgegen allen Gepflogenheiten wurden die 340 Seiten nicht im Gerichtssaal verlesen, weil man insbesondere Rücksicht auf die Schöffinnen nehmen wollte, die nach Kostprobe in der Anklageschrift von Schamesröte überwältigt wurden. Zudem kam Kritik von den Richtern, die einen „Roten Faden“ vermissten. Das Buch war in Deutschland bereits 1988 durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien aufgrund der expliziten sexuellen Darstellungen indiziert worden. 1993 wurde es wieder aus der Liste der jugendgefährdenden Schriften gestrichen. Schließlich befasste sich 1990 Bundesgerichtshof damit. Er kam zu dem Urteil, dass pornographische Darstellungen nicht ausschließen seien, dass es sich aber bei dem Buch um Kunst im Sinne des Grundgesetzes handele. (Spiegel 15 1989 und wikipedia)
Roger Willemsen: "Sex in der Weltliteratur", 1990
1990 stoppte der Reclam-Verlag eine Anthologie über "Sex aus der Weltliteratur". Sie war zunächst an Roger Willemsen in Auftrag gegeben worden: der sollte schön-gesittete Pikanterien der Weltliteratur sammeln wie etwas die "Römischen Elegien" von Goethe oder "Geschichten aus 1001 Nacht". Gedacht war auch an klassische Erotomanen wie Lawrence oder Nabokov. Der Band war fest eingeplant für die Reihe „Reclams Lesebuch“. Doch als Willemsen die Sammlung schickte u.a. mit A. Nin "über die stoßfeste Mathilde) oder Ergüsse von Miller „Fick mich, Henry, fick mich“ oder Mirabeau ("Und nun lies, verschlinge es, masturbierend“, da wurde es den Verantwortlichen bei Reclam zuviel. „Inzest, Ekel, Sadismus“, schrieb Reclam an Willemsen, vertrage sich nicht „mit den allgemeinen Lese-Erwartungen“. (Spiegel 3 1990)
H.C. Artmann: "Frankenstein in Sussex", 1994
Eine vom schwedischen Cartoonisten Hans Arnold sehr phallusreiche illustrierte Ausgabe von H.C. Artmanns „Frankenstein in Sussex“ wurde vom Verleger Lentz zurückgezogen und erst nachdem alle Penisse amputiert worden waren, wieder auf den Markt gebracht. (Spiegel 37 1994)
Claudia Gehrke: "Mein heimliches Auge", 1996
Bzgl. des Jahresperiodikums erotischer Grenzgänger mußte sich am 5.91996 die Tübinger Verlegerin in Bonn einfinden, um während einer Sitzung der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften Argumente gegen ein Indizierungsverfahren vorzutragen. Gleichzeitig ermittelte die Frankfurter Staatsanwaltschaft gegen die Vertriebsgesellschaft von pro familia, wo Gehrkes Jahrbücher vertrieben werden. Der Vorwurf lautete: Pornographie. In Pornoläden allerdings scheiterte der Versuche die Gehrke Werke zu verkaufen: zu intelligent. (Spiegel 35 1996)
John Sturges: Fotos, USA 1998
Tugendwächter in Tennessee brachten ein Verfahren gegen die US-Buchhandelskette Barnes & Noble in Gang, weil diese "obszönes Material" in Reichweite von Kindern ausgestellt habe. Auch in Alabama mußte das Unternehmen sich mit den Ermittlungsbehörden auseinandersetzen. Sie warfen Barnes & Noble Verbreitung von Kinderpornographie in 32 Fällen vor. Die beanstandeten Bücher stammen von den Fotografen Jock Sturges, David Hamilton und Sally Mann, die seit Jahren nackte Kinder am Strand, auf einem Bärenfell oder duschend fotografieren. Die Verfahren wurden allerdings nicht von Staatsanwälten oder Sheriffs in Gang gebracht, sondern von christlichen Bürgergruppen. Das ist der bisher größte Erfolg des erzkonservativen Radiomoderators und Anti-Abtreibungsaktivisten Randall Terry, der eine Kampagne gegen die drei berühmten Künstler führte - Sturges-Fotos sind beispielsweise im New Yorker Metropolitan Museum ausgestellt. (Spiegel 12 1998)
"Freuden der Liebe": Sex-Fotos von Heather Mills, UK 2006
Einen Sturm der Entrüstung löste die Veröffentlichung von alten Sex-Fotos der Noch-Gattin von Paul McCartney, Heather Mills, in England aus. "The Sun" veröffentlichte Bilder aus dem Buch „Die Freuden der Liebe“, einem Aufklärungsbuch, aus den achtziger Jahren und garnierte das Ganze mit Sprüchen des Ex-Model-Partners Peter Wilson: „Sie war so schamlos. Sie zeigte mir gleich alles.“ Die Veröffentlichung wurde als eine Art Heather-Mobbing und Bloßstellung im Scheidungskrieg gewertet. (Stern 26 2006).
Sexualaufklärung
Beate Uhse versus Otto Mühl „Mama + Papa“, Frankfurt 1969
Ausgerechnet Beate Uhse beantrage die Indizierung eines Konkurrenz-Produktes. Im Frankfurter Kohlkunstverlag war das Bilderbuch „Mama + Papa“ vom Wiener Aktionisten Otto Mühl erschienen. Uhse fand die dargestellten „Materialaktionen“ (Untertitel) in denen „das Seelenerlebnis auf die körperlichen Verrichtungen reduziert wird“ als „ekelerregend“, schickte das Buch an die Frankfurter Staatsanwaltschaft und bat „um Mitteilung, ob Sie einen Anlaß sehen, gegen den Verlag Maßnahmen zu ergreifen.“ Folge: Die zweite Auflage von „Mama + Papa“ wurde beschlagnahmt. (Spiegel 51 1969)
„Sexualinformation für Jugendliche“: Bernt H. Claesson, 1971
1971 wurde in der rheinischen Stadt Viersen ein Aushilfslehrer von der Berufsschule entlassen. Er hatte im Unterricht die Aufklärungsschrift zur Ansicht herumgehen lassen und eine Sammelbestellung organisiert. Dies brachte ihm den Vorwurf ein, die 14- bis 16jährigen Mädchen „zu radikal aufgeklärt“ zu haben. Sowohl die Mehrzahl der Eltern als auch viele Lehrer sprachen sich gegen eine weitere Zusammenarbeit aus. Zu drastisch schienen ihnen Abbildungen und Sprache (z.B. „ficken“ statt „Geschlechtsverkehr“). Externe Gutachter hingegen bescheinigtem dem Buch eine angemessene und altersgerechte Ausführung. (Spiegel 4 1971)
Käte Strobel: Aufklärungskampagne zur Empfängnisverhütung, 1972
In ganzseitigen Anzeigen u.a. in Frauenzeitschriften stellte die Familienplanerin verschiedene Arten der Empfängnisverhütung vor. Die Texte waren eindeutig - den Verlegern der Blätter "Frau im Spiegel" und Gong" zu eindeutig. Sie nahmen an Kernsätzen wie "Ein Präservativ ist ein sehr fortschrittliches Verhütungsmittel. Neue Materialien und Herstellungsverfahren haben den Präservativ so verändert, dass er nicht mehr stört" soviel Anstoß, dass sie den Abdruck verweigerten. (Spiegel 20 1972)
Schülerglosse über Aufklärung, Niederbayern 1976
Der Dompropst zu Passau, zugleich Chefredakteur des „Passauer Bistumsblatts“, klärte zunächst seine Leser über die Unmoral von „Petting“ und „Trostonanie“ auf, um dann die Abschaffung des Sexualkundeunterrichts für Schüler zu fordern. Derlei Unterrichtsstoff, so zürnte der Dompropst in der bischöflichen Hauspostille, erzeuge nur „Ehrfurchtslosigkeit und Zynismus“ und zerstöre „die letzten Hemmungen und Schranken auf diesem Gebiet“. Schon, so der Propst weiter, hätten doch „Fälle bewiesen“, dass „Kinder das im Sexualkundeunterricht Gehörte auch zu praktizieren suchen“.
Das Echo auf diese Moralpredigt stand unter der Überschrift „Zurück zum Keuschheitsgürtel“ in einer Schülerzeitung aus dem Passauer Seelsorgebereich. Darin glossierte der Autor „Weberknecht“ des gemischten Gymnasiums in Pfarrkirchen den „Artikel unseres treuen Freundes Dr. Janik“. Als „große Hilfe“ lobte der Pennäler, „dass Dr. Janik jeden der biologischen Fachausdrücke erklärt hat, damit die Pfarrhaushälterinnen später wissen, worüber sie herziehen“. Daraufhin wiederum stellte der geistliche Herr Strafantrag gegen den betroffenen „Weberknecht“-Autor und gegen eine Lehrerin, die schließlich wegen „Beihilfe zur Beleidigung“ verurteilt wurde. (Spiegel 46 1976)
Proteste gegen den Sexualkundeatlas an Schulen,1969/1976
Der sog. „Sexualkundeatlas“ war von Bundesgesundheitsministerin Käte Strobel Bundesgesundheitsministerin im Juni 1969 als Schulbuch herausgegeben worden (Leske Verlag/Opladen). Von Beginn an regte sich heftiger Widerstand gegen das Buch. Der Präsident der Katholischen Elternschaft Deutschland , der Aachener Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Franz Pöggeler, etwa witterte Sittenverfall: Im Atlas würden sexuelle Vorgänge so „selbstverständlich“ geschildert, „wie das Atmen und das Naseputzen“ (Pöggeler). Weiter: „Wenn die Techniken so ´einfach´ dargestellt werden, hat das fast Aufforderungscharakter: Man kann ´es ja mal probieren´“. Der rheinlandpfälzische CDU-Kultusminister Bernhard Vogel äußerte ebenfalls „Abscheu“ vor dem Buch. Zunächst gab keiner der Kultusminister gab das Werk frei für den Unterricht frei. (Spiegel 40 1969)
Noch in den siebziger Jahren wurde gegen den an Schulen eingeführten Sexualkundeunterricht wurde im allgemeinen und gegen den Atlas im besonderen gekämpft: im Norden juristisch per Klage - im Süden mit Gebetsstürmen. So versammelten sich rund 200 Katholiken 1976 am bayrischen Kultusministerium, um die komplette Litanei eines altbayrischen Rosenkranzes (50 Vaterunser, 50 Ave Marie und 50 Ehre sei dem Vater) zu beten. Zum Schluss der Protestaktion gegen den Sexualkundeunterricht wurde das Kirchlied „Großer Gott, wir loben dich“ gesungen, um der Ansicht Nachdruck zu verleihen, „welche Schädigung und Gefährdung für die Kinder von der Sexualerziehung in der Schule ausgeht.“ (Rita Stumpf, Wortführerin der Protestaktion). Rita Stumpf und ihre katholischen Mitstreiter kämpften dafür, dass „alles wieder echter und sauberer wird“ und die Kinder aus dem „Teufelskreis der Onanie“ wieder zu „Zucht und Ordnung zurückfinden.“. Dabei richtete sich der Protest gegen den Aufklärungsunterricht per se, gleichwohl Bayern bei den Lernmitteln ohnehin eher konservativ agierte. Der vom Bundesfamilienministerium herausgegebene „Sexualkunde-Atlas“ z.B. wurde dort nicht als Unterrichtsmittel zugelassen. (Ministerialrat Himmelstoß: „Wir legen keinen Wert auf pornographische Dinge, das würde bei den Kindern nur zu einer Art sexuellem Harakiri führen.“). Aber auch in anderen Bundesländern regte sich Widerstand gegen die Aufklärung. So klagte in Hamburg ein Rechtsanwalt, weil er es für unzulässig hielt, dass die Sexualität „als eine der Quellen von Lust und Lebensfreude heute auch in der Erziehung junger Menschen ausdrückliche Anerkennung finden“ sollte (so die Richtlinien). Der Fall landete beim Bundesverfassungsgericht.(Spiegel 17 1976)
Will McBride: Aufklärungsbroschüre „Zeig mal“, 1974/1996
Das Jugendamt Frankfurt wollte 1996 die über zwanzig Jahre alte Aufklärungsbroschüre „Zeig mal“ mit der Begründung indizieren, es handle sich hier um „harte Pornographie“. Egon Lorenz, damals Leiter des Jugendamtes Frankfurt, dazu: „Haben Sie die Photos gesehen? Einige dieser Aufnahmen sind hart pornographisch.“ (Zeit 11.10.1996) Aufklärungsbücher, die umstritten sind
Polizeibroschüre gegen Missbrauch von Kindern, „Hab keine Angst“, 1976
Mit 850 000 Mark Steuergeldern wurde 1976 eine Broschüre der Innenminister von Bund und Ländern finanziert, die vor den Gefahren von sexuellem Missbrauch warnen sollte. Insbesondere wegen der drastischen Darstellungen, setzte heftige Kritik ein. Süddeutsche Schulen weigerten sich, eine Empfehlung für das Heftchen auszusprechen, im Saarland riet sogar die Kripo ab. (Spiegel 28 1976)
Günter Amendt: "Sexfront", 1980
Gegen den Autor des Aufklärungsbuches wurde sogar ein Strafverfahren eingeleitet, das erst 1980 eingestellt wurde. Amendt äußerte sich zu dem Vorfall in einem offenen Brief an den befreundeten Staatsanwalt. (Konkret 2 1980) Die Buchillustrationen wurden 1998 vom Amtsgericht Mannheim und 1999 vom Amtsgericht Mühldorf/Inn als kinderpornographisch eingestuft. (Sdt.14.3.2011)Aufklärungsbroschüre „Let`s talk about sex“, Mainz 1994
Dass von der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz heraus gebrachte Aufklärungsheft war innerhalb weniger Tage vergriffen. Dennoch hagelte es Kritik: Der Bischof von Mainz sprach von einer „Demontage jeder Erziehung“, aufgebrachte Bürger hießen das Heft „dekadent von oben!“ und die CDU sah darin einen „Anschlag auf die Würde des Menschen. (Zeit 4.2.1994)
Selbstmord
Claude Guillon/Yves le Bonniec: „Gebrauchsanleitung zum Selbstmord“, 1985
Das Buch setzt sich philosophisch-diskursiv mit dem Thema Selbstmord auseinander, enthält aber auch eine Besprechung und Liste über wirksame Methoden zum Suizid. Das Buch wurde zunächst von der Bundesprüfstelle indiziert. Diese Entscheidung wurde später durch Gerichtsbeschluss aufgehoben. (Spiegel 51 1985. Das 1982 im Robinson Verlag Frankfurt erschienene Buch hatte bereits in Frankreich für Kritik gesorgt. Ärzte und der Gesundheitsminister hatten gefordert, gegen das Buch vorzugehen. In der Bundesrepublik verweigerte zunächst eine Freiburger Druckerei die Herstellung, weil das Machwerk „gegen die guten Sitten“ verstoße. (Spiegel 46 1982)
Andy Riley: "Bunny Suicides", Shanghai 2008
Das Nonsens-Buch für Leute mit etwas makabrem Humor zeigt in Bildern eher absurde Versuche, wie ein Hase versucht sich umzubringen. Nachdem zahlreiche Kinder die Vorlagen für Selbstversuche benutzt hatten und ein zwölfjähriger dabei starb, wurde es zurückgezogen. (mail online 12.9.2008]]
Gesellschaftskritik
Carlos Marighela: "Zerschlagt die Wohlstandsinseln der Dritten Welt", 1971/72
In dem "Handbuch des Stadtguerillero" des Brasilianers Marighela werden vom Bankraub bis zum Bombenbau genaue Anweisungen für den bewaffneten Kampf geliefert. Die Verantwortlichen bei der Fahndung nach der RAF waren sich sicher, dass auch die RAF dieses Buch als Vorlage und Lehrmittel benutzt hat. Das rororo-TB wurde verboten. (Spiegel 28 1972)
Voltaire Flugschrift "Großstadtguerilla", 1971/72
Die Broschüre unterweist im Umgang mit Molotowcocktails. Gegen das Buch wurde gerichtlich vorgegangen. (Spiegel 28 1972)
Trikont-Verlag: "Tragt den Klassenkampf in die Armee", 1971/72
In dem Buch wird ausführlich Theorie und Praxis der "militärischen Zerstörung" des Militärs vor allem von innen beschrieben. Gegen das Buch wurde gerichtlich vorgegangen. (Spiegel 28 1972)
"Kollektiv RAF" (Horst Mahler?), 1971/74
Der Verleger Klaus Wagenbach wurde 1974 vom Berliner Landgericht zu neun Monaten Freiheitsstrafe mit Bewährung verurteilt: er hatte im März 1971 zwei Taschenbücher herausgegeben, nämlich den „Roten Kalender 1972 für Lehrlinge und Schüler“ und das Buch zur Geschichte der Stadtguerilla „Kollektiv RAF – über den bewaffneten Kampf in Westeuropa“ (Auflage 7000). Gleich nach der Drucklegung wurden die Bücher beschlagnahmt. In den Büchern seien strategische Hinweise wie „Veränderung von Kriegerdenkmälern“ „Kommandotruppen bilden“ enthalten, die auch als Aufforderung zur Sachbeschädigung und Bildung einer kriminellen Vereinigung gewertet werden könnten. Die "RAF"-Schrift wurde vermutlich von dem damals der RAF nahestehenden Anwalt Horst Mahler verfaßt. Auch das Rotbuch 29 wurde beschlagnahmt. (Spiegel 23/ 1974 und 48 1971)
Schwarzbuch Franz-Josef Strauß, 1972
Das Buch erschien im Kiepenheuer-Verlag. Strauß erwirkte eine einstweilige Verfügung und der Verlag musste „sieben Stellen“ in der 120 Seiten starken Dokumentation streichen. (Spiegel 45 1972)
“Revolutionärer Zorn” (Ausgabe Mai 1976): Beschlagnahmeaktion
In einer bundesweiten Beschlagnahmeaktion wurden 1976 diverse "linke" Bücher und Schriften beschlagnahmt. Die Zwölf–Seiten-Schrift "Revolutionärer Zorn" (Als Herausgeber des „Revolutionären Zorns“ gilt eine „Revolutionäre Zelle“, die erstmals am 4.3.1975 mit einem Sprengstoffanschlag auf das Bundesverfassungsgericht von sich Reden machte.), die laut Bundesanwaltschaft “befürwortet, daß man vorsätzlich töten soll, daß man Sprengstoffanschläge machen soll”. Ferner beschlagnahmt wurden der Aufkleber „Gebt der Polizei keine Hinweise“, das Bommi Baumann Buch „Wie alles anfing", die Anarcho-Schrift „Holger, der Kampf geht weiter“ und der Aufkleber „Unterstützt die Rote Zelle“.(Spiegel 36 1976)
Bernd Engelmann: "Deutsche Radikale 1777 – 1977", München 1977
Das "Radikalenbuch" wurde nach dem Mord an Generalbundesanwalt Buback von vielen Buchhändlern boykottiert. Engelmann wehtre sich im Buchreport in einer Kolumne in eigener Sache: „Gewiß sind die Angehörigen jener kriminellen Vereinigung keine schlimmeren Kriminellen als diejenigen, die ständig, alltäglich … die Gesetze brechen“ und fügte hinzu „Siehe Ölpest, Atommüll, Industriegift, spekulierende Bankiers“. (Spiegel 27 1977)
Peter-Paul Zahl: "Isolation", 1977
Am 12.März 1976 wurde in Düsseldorf der Schriftsteller Peter-Paul Zahl „wegen versuchten Mordes in zwei Fällen" u.a. zu einer Gefängnisstrafe von 15 Jahren verurteilt. Im August schrieb Zahl einen „offenen Brief“ an den Richter Schifferdecker, der sein Manuskript „Isolation“ von der Beförderung ausgeschlossen hatte, weil es geeignet sei, „die Sicherheit und Ordnung in der Anstalt zu gefährden.“ (Spiegel 24 1977)
William Powell: "The Anarchist Cookbook", USA 1977
In dem Leitfaden für Anarchisten ist gebündeltes Wissen u.a. für den Terror versammelt: z.B. wie man Bomben im Keller bastelt oder LSD oder TNT in der Küche anfertigt oder Brücken aller Größenordnung in die Luft sprengt. Das Buch wurde in Deutschland verboten. (Spiegel 9 1977]]
Dr. A.Narcho, Dr. Marie Huana und Privatdozent Dr Kiff-Turner: „Wege zu Wissen und Wohlstand oder: Lieber krankfeiern als gesund schuften“, 1981
Gegen die Tipps zum Krankfeiern schlug 1981 die Polizei los. Betreuer der Strafaktion war die Allgemeine Ortskrankenkasse, die in dem Buch das “Verbreiten von Schriften“ sah, in denen „zu einer rechtswidrigen Tat“ und Betrug und Urkundenfälschung aufgerufen wurde. Zum Hintergrund: Seit dem Sommer 1980 kursierten bereits die Untergrundbroschüren ind vielen linken Buchläden als Leitfaden mit Tricks und Tipps gegen Arzt und Kasse als Art „Hilfe zum Aussteigen aus dem krankmachenden Trott des Spätkapitalismus. In Bremen und anderen Orten wurde 1980 rund 270 Exemplare des gut gehenden Breviers aus dem Verlag „Roter Funke“ beschlagnahmt. Gegen den Verleger Robert Valentin wurde sogar Anklage erhoben wegen „öffentlicher Aufforderung zu Straftaten und Betrugsanstiftung“. (Spiegel 26 1981)
Peter de Lorent: „Die Hexenjagd“, 1981
In Hamburg veröffentlichte ein kommunistischer Lehrer, MItglied der DKP, seine Erfahrungen mit der Schulbehörde. Der oberste Dienstherr klagte daraufhin wegen Beleidigung. Vor allem der SPD-Schulsenator empfand eine Passage als Beleidigung und üble Nachrede, in denen die Schikanen der Schulbürokratie werden beschrieben. Der Senator stellte Strafantrag in Hamburg und drohte mit der Entlassung, der vorgesetzte Schulleiter fühlte sich nach der Lektüre ebenfalls beleidigt.(Spiegel 47 1981)
Peter-Paul Zahl: "Die Glücklichen", 1981
Das Kulturprogramm der VHS Bremen wurde von der Gewerkschaft der Polizei mitbestimmt. Zum „Siebten Literaturgespräch" 1981 hatte die Leitung nämlich Autoren zum Thema "Fahndung, Sprache und Literatur" eingeladen, auch Autoren, die mit der „Ausforschung abweichenden Sprechens“ schon Bekanntschaft gemacht haben: der Hochschullehrer Peter Brückner, der Lyriker. F.C. Delius, der Historiker und Arzt Heinz Roth und auch der in Berlin-Tegel wegen versuchter Polizistentötung einsitzende Peter - Paul Zahl. Die GdP machte gemeisnam mit der Bremer CDU Front mit dem Ergebnis: Der Bremer Senator für Wissenschaft und Kunst verbot zunächst nur die Teilnahme von Zahl und kassierte dann die ganze Veranstaltung. (Spiegel 1981)
Judith Wilske und Andre´ Erlen: „Mein erstes Shoppingbuch“, 2000
Das Werk wurde indiziert, weil es zum „hemmungslosen Konsum auffordert“, so Elke Monssen-Engberding von der Bundesprüfstelle. Dabei wollten die Autoren Judith Wilske und Andre´ Erlen nur über die Konsumwelt aufklären. Dafür gaben sie u.a. „Zehn Goldene Regeln“ heraus, wie etwa gebastelte Geschenke grundsätzlich abzulehnen und Dinge zu kaufen, die sich die Freunde nicht leisten können. (Stern 50 2000)
Luciano Canfora: „La Democracia“, 2005
Der Beck-Verlag lehnte eine Veröffentlichung ab, weil u.a. der Historiker Hans-Ulrich Wehler den Münchnern ausdrücklich abgeraten hatte, das Buch des italienischen Philologen zu veröffentlichen. „Es handelt sich um ein pures kommunistische Pamphlet, wie ich es seit vielen Jahren nicht mehr gelesen habe“, urteilte Wehler. (WN 17.11.2005)
Wilhelm Schlötterer: "Macht und Missbrauch - Franz Josef Strauß und seine Nachfolger", 2009/2010
Gerichtlich gingen die die Kinder des früheren bayrischen Ministerpräsidenten gegen das Buch und die Lesungen des Autors vor. Der Vorwurf: Verleumdung, Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener und Verletzung des Steuergeheimnisses. Der Autor, ein ehemaliger Finanzbeamter, hatte u.a. in seinem Buch den Vorwurf erhoben, dass Strauß illegal ein Millionenvermögen angehäuft und dieses nicht versteuert habe. (Sdt. 28.5.2010)
Faschismus
Alfred Rosenberg: "Der Mythos des 20. Jahrhunderts", 1934
Das Buch wurde im Februar 1934 auf den Index vom Vatikan gesetzt. Rosenberg, den Hitler als "schärfsten Denker in Weltanschauungsfragen" bezeichnet hatte und der in dem Buch versucht hatte, der "rassischen Geschichtsbetrachtung" eine philosophische Grundlage zu geben, wurden von den Alliierten nach Kriegsende zum Tode verurteilt. (SZ-Literatur-Magazin)
Börsenblatt: Hitler-Kopf wegretuschiert, 1970
Da in den „Bestimmungen über die Verwaltung des Börsenblattes für den deutschen Buchhandel, Frankfurter Ausgabe“ festgelegt ist, dass im Börsenblatt „in keinem Falle … nationalsozialistische Embleme, Hakenkreuze, SS-Runen.. und Abbildungen führender nationalsozialistischer Persönlichkeiten in den Ankündigungen gebracht werden“ dürfen, wurde ein Inserat des Bergisch-Gladbacher Gustav Lübbe Verlages nur mit wegretuschiertem Hitler-Gesicht gedruckt. (Spiegel 9 1970)
Memoiren des DDR-Physikers Manfred von Ardenne, Kindler 1971
In einer Anzeige für das Buch im "Börsenblatt" wurde der 1907 geborene Physiker in einer Porträtreihe bekannter Politiker, darunter auch Hitler, des 20. Jahrhunderts abgebildet. Da das Abbilden von NS-Größen nach Statuten des "Börsenblatts" aber verboten war, wurde der historische Hitler durch den Film-Hitler Charlie Chaplin ("Der große Diktator", 1940) ersetzt.
John Sack: Auge um Auge, 1993
Der Band sollte 1993 im Piper Verlag erscheinen, dann aber wurde die Auslieferung gestoppt. Der Grund: Sack beschreibt die Racheaktionen von Überlebenden des Holocaust an Deutschen in den polnisch verwalteten Gebieten wie Oberschlesien im Jahre 1945. Ihm wurde zum Vorwurf gemacht, das Buch enthalte zuviel Greuel und relativiere den Holocaust. Sack ist selbst jüdischer Herkunft. Das Buch wurde von Piper zurückgezogen. (Zeit 17.2.1995)
Südwest-CDU muss «Panzerlied» einstampfen, 2009
Ein Liederbuch «für fröhliche Stunden» wollten die Stuttgarter Christdemokraten2009 unters Volk bringen. Darin war allerdings auch ein bekannter Wehrmachts-Liedtext abgedruckt ist. Nach heftiger Kritik wurde das Liederbuch der baden-württembergischen CDU mit einem Wehrmachtstext aus dem Verkehr gezogen. «Ein solches Lied hat in keinem Liederbuch etwas verloren, schon gar nicht in einem der CDU», erklärte der damalige CDU-Landesvorsitzende und Ministerpräsident Günther Oettinger. Er habe die Landesgeschäftsstelle der Partei am Donnerstag angewiesen, das Liederbuch einzustampfen. In dem von Generalsekretär Thomas Strobl und Oettinger herausgegebenen Büchlein «Lied.Gut.» steht auf Seite 86 das im Volksmund «Panzerlied» genannte Stück «Ob's stürmt und schneit» mit dem Text: «Voraus die Kameraden, im Kampf sind wir allein. So stoßen wir tief in die feindlichen Reih'n.» Strobl hatte sich anfangs noch geweigert, das Liederbuch zurückzuziehen: «Wir lehnen Bücherverbrennungen ab», sagte er. Nach Angaben des Kieler Prieberg-Archivs, einer der größten Sammlungen über Musik aus der NS-Zeit, hat ein Oberstleutnant namens Kurt Wiehle den Text am 28. Juni 1933 gedichtet. «Das Lied stand zumindest 1991 noch im Liederbuch der Bundeswehr», sagte der Musikforscher Oliver Knopf vom Archiv. Der Text sei in vielen Liederbüchern der NS-Zeit veröffentlicht worden. In einer nicht im CDU-Büchlein gedruckten Strophe heißt es weiter: «Was gilt denn unser Leben für unsres Reiches Wehr? Für Deutschland zu sterben ist unsre höchste Ehr’.» (zdf.de 3.4.2009)
Religion, Kirche und Moral
Index Romanus, 1967
Der Index Romanus regelte von 1542 bis 1967, welche Bücher von gläubigen Katholiken nicht gelesen oder besessen werden durfte. So versuchte die Kirche über 400 Jahre hinweg den Buchmarkt zu kontrollieren. Wer als Katholik ein verbotenes Buch las, zog die Strafe der Exkommunikation auf sich. Auf dem Index landeten Werke der Weltliteratur von Satre und Balzac, von Heine oder Ranke, ebenso wie Kant oder Descartes. Ein verbot von "Onkel Toms Hütte" oder Karl May etwa wurde nur diskutiert. Darwin wurde nicht auf den Index gesetzt. Auch Hitlers "Mein Kampf" tauchte da nicht auf.
Hubertus Mynarek: „Herren und Knechte der Kirche“, 1973
Für 50 000 Mark ließ der Gütersloher Bertelsmannverlag ein Enthüllungsbuch mit dem Titel „Herren und Knechte der Kirche“ vom Ex-Priester verfassen. Thema des Buches: die priesterliche Doppelmoral. Ein Exposé war vom Verlag ebenso genehmigt worden wie z.B. das Kapitel: "Der Priester als Playboy“. Angekündigt als der „seit Jahren schärfste Angriff auf die katholische Kirche“ sollte es im Herbst 1973 herauskommen. Der Text war bereits gesetzt, der Umschlag gedruckt und erste Anzeigen und Besprechungen erschienen, da machte der Verlag einen Rückzieher, weil man ein Prozesslawine befürchtete. 1978 erschienen dann im Düsseldorfer Econ Verlag in dem Buch „Eros und Klerus“ (1978) doch noch diverse Enthüllungen zu dem Thema. Es folgte 2000 „Casanovas in Schwarz“. Zehn Schlüsselgeschichten zu Priesteraffären mit verheirateten Frauen.“ (Verlag Blaue Eule, Essen)(u.a. Spiegel 38 1973)
"Das Fliederbett" (Heyneverlag) und "Neue schwedische Liebesgeschichten" (Bertelsmann Buchgemeinschaft), 1977
Bei den beiden Büchern handelt es sich um Lizenzausgaben vom Galaverlag Hamburg. Die darin abgedruckte Geschichte von Eva Berggrén, wird in der Heyneausgabe unter "Die Wege des Herrn" und in der Bertelsmannausgabe als "Herr Henningsen" veröffentlicht. Aber nicht nur der Titel wurde verändert, auch der Inhalt: Geht es im Heynebuch um die Geschichte eines Pastorenehepaares, die beide ein außereheliches Abenteuer haben wurden in der Bertelsmannausgabe alle Spuren gelöscht, die daraufhinweisen, dass es sich bei dem Ehepaar um ein Pastorenehepaar handelt. So wird z.B. aus dem Pastor Henningsen einfach nur Henningsen und die Vorbereitungen für die Sonntagspredigt kommen in der Bertelsmannausgabe nicht mehr vor. (Antiquariat UBU Wolfgang Jöst)
Ralf König: „Dschinn Dschinn“, 2005
Sein im Rowohlt Verlag erschienenes Buch setzt sich ironisch-kritisch mit dem Islam auseinander. In der Öffentlichkeit wurde die Frage diskutiert, ob damit die religiösen Gefühle der Muslime verletzt würden.(Spiegel 48 2005)
Harry Potter und die Verletzung religiöser Gefühle, 2007
Ein Gymnasium in Chemnitz nahm 2007 Rowlings Romanreihe Harry Potter aus dem Unterricht, um eine Verletzung religiöser Gefühle zu vermeiden. Der Grund: die Beschwerden von zwei Eltern, die nach der Durchnahme des ersten Bandes in der 5b, hier ging es um den Aufbau von Märchen und Geschichten, darauf hingewiesen, dass die Darstellung von Geistern im Widerspruch zur religiösen Erziehung ihrer Kinde stehe. Stattdessen wurde lieber Rennschwein Rudi Rüssel behandelt. (Netzzeitung 21.3.2007)
Michael Schmidt/Helge Nyncke: Ferkel Buch: „Wo bitte geht’s zu Gott“, 2009
Ein Antrag lag bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften vor, das Buch zu verbieten. Das Bundesfamilienministerium hatte die Prüfstelle eingeschaltet, da das Buch nach Ansicht des Ministeriums antisemitische Tendenzen aufweise und es die drei großen Weltreligionen Christentum, Islam und Judentum verächtlich mache, weil sich u.a. die Vertreter der drei Weltreligionen , ein Bischof, ein Rabbi und ein Mufti, prügeln. Der Antrag wurde abgelehnt. Der Zentralrat der Juden teilte Ansicht der Prüfstelle. Autor Michael Schmidt zeigte sich ebenso erleichtert wie Illustrator Helge Nyncke.
Jugendkatechismus: Youcat - das gelbe Buch, 2011
Die italienische Ausgabe wurde 2011 ein Korrekturbogen beigelegt: In der ersten Auflage schien die Kirche die Empfängnisverhütung zu befürworten. Der Vatikan korrigierte: Missverständnis - Übersetzungsfehler. (Spiegel 21 2011)
Rassismus
Ernest Tidyman: Shaft, USA 2005
Politische Korrektheit und Anstand oder Moral sind für Detektiv John Shaft Fremdworte. Darum wurden die Shaft-Romane in den 70er Jahren zensiert. (Von 1971 bis 1975 entstanden 7 Romane). Erst 2005 erschienen sie in unzensierter Fassung. (Stern de 28.1.2005)
Mark Twain: „Die Abenteuer von Huckleberry Finn“ und der Rassismus, 2007
Das im Buch häufig verwendete Wort "Nigger" führte dazu, dass Twains Werk ebenso wie Joseph Conrads „Die Nigger von der Narcissus“ aus US-Bibliotheken und Schaufenstern von Buchhandlungen verschwand. (Welt 12.11.2007)
Daniel Defoe: "Robinson" und Joseph Conrad: „Der Nigger von der Narzissus“, England 2007
Beiden Büchern wurde 2007 Rassismus vorgeworfen, weil in ihnen die Eingeborenen wie „Wilde“ oder „Menschenfresser" dargestellt seien und nicht frei von den gesellschaftlichen und kulturellen Prägungen ihrer Zeit. In allen britischen Filialen der großen Buchkette Borders wurde aus dem gleichen Grund auch der Comic "Tim im Kongo in die Erwachsenen-Abteilung verbannt. (Spiegel 30 2007)
Rudolf Steiner: Gesamtausgabe und der Rassismus, 2007
Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften untersuchte 2007 auf Drängen des Bundesfamilienministeriums, ob zwei Bände der Gesamtausgabe der Werke Rudolf Steiners auf den Index zu setzen sind. Es ging dabei um die zwei Vortragsreihen: die eine von 1908 und die andere 1910, in denen Steiner die Menschenrassen bezüglich ihrer Hautfarbe und ihres Standes in der Menschheitsentwicklung untersucht. In einem der inkriminierten Texte heißt es über den „Neger“: „weil er das Sonnige an der Oberfläche seiner Haut hat, geht sein Stoffwechsel so vor sich, wie wenn er in seinem Innern von der Sonne gekocht würde. Daher kommt sein Triebleben. Im Neger wird fortwährend richtig gekocht.“ Die Charakterisierung läuft darauf hinaus, dass die Schwarzen als ein fehlerhaftes, längst überholtes Modell angesehen werden, während die Weißen als das eigentliche Ziel der Entwicklungsgeschichte der menschlichen "Rassen" erscheinen. Steinen sprach im Juni 1910 in Kristiania, dem heutigen Oslo, über „die Mission einzelner Volksseelen im Zusammenhang mit der germanisch-nordischen Mythologie“. Unter diesem Titeln sind die Reden heute noch erhalten. Entsprechend der Reinkarnationslehre der zu folge „wir das heutige Leben als die Folge früherer Erdenleben, früherer Verkörperungen erkennen.“ Außerdem entwickelte er ein Modell der sieben historischen „Wurzelrassen“ und der fünf gegenwärtigen „Menschenrassen: „Der Jupiterrasse“ und damit den weißen europäischen Menschen komme hierbei der Höchstrang zu. Das Werk „Geisteswissenschaftliche Menschenkunde" (1908/09) klingt bereits vom Titel her bedenklich. In ihm legte Steiner sein besonderes Augenmerk auf die „schwarze Rasse“. Die Hautfarbe wertet er als Ergebnis eines geringen „Ich-Gefühls“. Dunkelhäutige Menschen seien diejenigen, „die ihre Ich-Wesenheit zu schwach entwickelt hatten, die der Sonneneinwirkung zu sehr ausgesetzt waren als seien sie Pflanzen: "Sie setzten unter ihrer Haut zu viel Kohlenstoff artige Bestandteile ab und wurden schwarz. Daher sind die Neger schwarz.“ Und daher heißt es andernorts, „kommt sein Triebleben“. Den Europäer lenkt der Geist, den Afrikaner den Trieb, meinte Steiner.(Sdt. 10.7.2007 und FAZ 8.7.2007)
Thilo Sarrazin: "Deutschland schafft sich ab", 2010
Schon bevor das Buch herausgegeben ward, hagelte es Kritik. Sarrazin wurde u.a. mit dem Vorwurf des Rassismus bedacht. Geplante Lesungen wurden abgesagt. Eine Hildesheimer Buchhandlung begründete die Absage mit "Sicherheitsbedenken". Und das Berliner Haus der Kultur machte sogar in einem Rundschreiben deutlich, dass man Sarrazin nicht als Gast haben möchte. (MZ 1.9.2010)
Andere Länder
Ägypten
"Tausendundeine Nacht", 1985
1985 wurde die Urfassung des Klassikers in Ägypten beschlagnahmt, da das Werk ein "Instrument zur Zerstörung der Volksseele" (Sprecher des Kairorer Sittengerichts) sei. Das Buch wurde als "pornographisch" eingestuft ("Verbrennt dieses Buch vor allen Leuten auf einem großen Platz", so der Staatsanwalt) (Spiegel 21 1985)
2010 folgte dann ein juristischer Vorstoss: Rechtsanwälte wollten das Buch verbieten und bereifen sich dabei auf die ägyptische Gesetzgebung: Bei Büchern, die gegen den öffentlichen Geschmack verstoßen, sieht das Recht eine Haftstrafe von bis zu zwei Jahren vor. (Sdt. 7.5.2010)
England
James Joyes: Ulysses, 1922/36
Jahrelang konnten die Zensoren des Londoner Innenministeriums die Veröffentlichung von "Ulysses" in Großbritannien verhindern. Der damalige Oberstaatsanwalt hatte sein Entscheidung 1922 getroffen, nachdem der 42 der 732 Seiten gelesen hatte. Sein Fazit: „Das Buch ist schamlos und obszön“. Auch der Rektor von Cambridge wurde unter Druck gesetzt, weil einer seiner Dozenten, der britische Literaturkritiker F.R. Leavis, eine Vorlesung über das Werk vor einer gemischt geschlechtlichen Gruppe von Studenten lesen wollte. Erst als der Verlag Bodley Head 1936 eine Ausgabe im Wert von umgerechnet 375 Mark herausbrachte lenkte das Innenministerium ein: denn bei dem Preis werde es „vermutlich nicht in die Hände von Jugendlichen“ geraten. (Spiegel 22 1998)
D.H. Lawrence: "Lady Chatterley", 1928/1960
Als D. H. Lawrence 1928 das Buch als Privatdruck veröffentlichte, war eine Frau, die ihr sexuelles Verlangen höher stellt als Treue zu ihrem impotenten kriegsversehrten Mann, so schockierend, dass die Briten bis 1960 brauchten, um das Verbot aufzuheben. (Das Buch erschien dann 1932 bei Gallimard in Frankreich und wurde 1955 mit Danielle Darrieux erstmals verfilmt. 1980 folgte eine weitere Verfilmung mit "Emanuelle" Silvia Kristel.
Robert von Ranke-Graves: "Strich drunter" (Jugenderinnerungen), 1971
In dem Buch berichtet der Autor u.a. über seine Erfahrung mit der Homosexualität in der Schule. Als ganze Passagen in einer Schule in England im Unterricht vor einer gemischten Klasse vorgelesen wurden, protestierte ein Elternpaar. Ranke-Graves räumte ein, dass das Buch für den Schulunterricht nicht geeignet sei: "Ich hätte mich auch geweigert, vor einer gemischten Klasse peinliche Stellen daraus vorzulesen." Er intervenierte sogar bei der Schulleitung. Die Schüler in Thornaby-on-Tees erhielten daraufhin ein neues Lesebuch. (Spiegel 49 1971)
Graham Green: Biographie über den englischen Dichter Lord Rochester, 1973
Greens Manuskript war 1932 vom Londoner Verleger Heinemann strikt abgelehnt worden. Über vierzig Jahre später konnte das Werk doch erscheinen. (Spiegel 43 1973)
Sir Walter Scott: „St. Ronan´s Well“, 1993
Sein Porträt zierte Geldscheine der Bank von Schottland. Sir Walter Scott (1771 bis 1832) galt lange als ein Romancier mit blütenreiner Weste, hatte er doch mit sittlich unanfechtbaren Historienromanen wie dem Ritterepos „Ivanhoe“ im 19. Jahrhundert Erfolg. Dann zeigte eine neue Edition, dass der keusche Walter in Wahrheit zur Enthaltsamkeit gezwungen worden war. So hatte er etwa im Manuskript seines o.g. Romans ein sexuell durchaus aktives Liebespaar beschrieben. Doch das stieß auf energischen Widertand seines Verlegers: Die verliebte Romanheldin Clara mußte in der Druckfassung als Jungfrau sterben. In einem anderen Werk befahl Sir Walter seiner Romanfigur „sich auf den Arsch zu setzen“. Ein stubenreinen Zensor sorgte dafür, dass im veröffentlichten Text sie nur noch „Platz nehmen“ durfte. (Spiegel 34 1993)
Frankreich
Barbara Kamprad und Waltraud Schiffels: Im falschen Körper – Alles über Transsexuelle, 1991
Aufgrund eines Strafgesetzes aus dem Jahr 1886 verhinderten französische Zöllner die Einfuhr einer Büchersendung des Stuttgarter Kreuzverlages. Das Werk über Transsexuelle wurde beschlagnahmt, weil es zur „Verbreitung staatsgefährdenden und obszönen Schrifttums“ beitrage. (Spiegel 38 1991)
Ovid: Ars amandi, 2009
Die traditionalistische Piusbruderschaft Frankreichs protestierte gegen Ovids „Ars amandi“ als Pflichtlektüre für die Latein-Abschlußklassen, weil das Werk einzig darauf ausgerichtet sei, Ratschläge zu Verführungstechniken zu geben. Das Erziehungsministerium wurde aufgerufen, gegen die „Anstachelung zu Unmoral und Unzucht“ anzugehen. (Sdt 27.8.2009)
Strauss-Kahn will Buch mit intimen Details verbieten lassen, Frankreich 2013
Per Eilverfahren ging Dominique Strauss-Kahn gegen das Enthüllungsbuch „Belle et Bête“ von seiner Ex-Affäre Marcela Iacub vor. Seine Anwälte verlangten eine Beschlagnahmung des Buches. (Sdt.26.2.2013)
Iran
Salman Rushdie: Die satanischen Verse, 1989
In Europa kam es zu Bücherverbrennungen, bei religiösen Protesten in Asien gab es Tote, Bombendrohungen wurden gegen Britische Airways ausgesprochen, all dies als Folge einer Fatwa gegen Autor Salman Rushdie: der oberste islamische Sittenwächter Ajatollah Chomeini hatte einen Kopfpreis in Millionenhöhe aussetzen lassen, weil Rushie mit dem Propheten Moment allzu freizügig umgegangen war. (Spiegel 8 1989)Internationale Buchmesse in Teheran: Bücher ohne Cover, 2005/2006
Auf einer der größten Publikumsmessen der Welt mussten alle Bücher, die aus Deutschland zum Thema Frauen, ethnische Minderheiten im Iran, zum Persischen Golf, zu internationalen Grenzen oder auch zum Islam als Wissenschaft vorgestellt werden sollten, vorab eine Zensurbehörde durchlaufen. Insgesamt wurden 130 Titel vorgelegt, 3 davon wurden zensiert, u.a. das Buch von Katajun Amirpur über die iranische Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi. Die Vorab-Zensur fand aber auch in Deutschland statt: Wenn ein Cover mit nackter Haut auftauchte, wurde es vorher abgemacht. (online 16.5.2006)
"Eine Enzyklopädie des Arabischen Golfs" (Buch), 2010
Auf der Internationalen Teheraner Buchmesse wurde 2010 der ägyptische Stand von den iranischen Behörden geschlossen. Grund: Es hatte einen Streit um die korrekte Benennung des "Persischen Golfs" bei dem o.g. Buchtitel gegeben. (Sdt. 8./9.5.2010)
Nesami Gandschawi: ”Chosrou und Schirin”, 2011
Auf Veranlassung von Irans Kulturministerium sollten 2011 Teile des Buchs ”Chosrou und Schirin” nach 831 Jahren verboten werden. Das Ministerium hatte den zuständigen Verlag gebeten, Passagen zu streichen, sagte Fariba Nabati vom Verlag Peydayesh, der das Liebesepos seit Jahren herausbringt.Das Liebesdrama um Chosrou und Schirin wurde 1177 von Nesami Gandschawi geschrieben und 1180 veröffentlicht. Seitdem zählt es zu den berühmtesten Epen der persischen Literatur. (Sdt. 16.8.2011)
Italien
Lara Cardella: „Ich wollte Hosen“, 1989
Das Erstlingswerk schildert unverblümt sexuelle Gewalt und Inzest in einer dörflichen, patriarchisch geprägten Gemeinschaft. In ihrem Heimatort in Sizilien wurde sie deshalb unter eine Art Hausarrest gestellt. . (Spiegel 41 1989)
Japan
Carlo Goldoni: "Pinocchios Abenteuer“ (1883), Japan 1977
Japanische Eltern waren verunsichert und hatten den Eindruck, sie würden unmoralische Geschichten vorlesen. Die vermeintliche "Horrorgeschichte" stammte aus dem vorherigen Jahrhundert und ihr Held hieß Pinocchio. Insbesondere wurde der Geschichte der Vorwurf gemacht, behinderten feindlich zu sein. Denn bekanntlich traf Pinocchio zwei Gauner, einen Fuchs und eine Katze, die sich als Lahmer und Blinder ausgaben. Daraufhin gründete sich eine „Stoppt-die–Diskriminierung"-Bewegung in Japan durch den Vater Yasuo Shikata aus Nagoja. Es folgten Einstampf- und Rückrufaktionen. Schließlich wurde das Kinderbuch umgeschrieben: fortan trifft Pinnochio nur noch auf Katze, die nicht gut sehen kann, und einen Fuchs, der Schwierigkeiten mit den Beinen hat. Doch Streit ging weiter – auch die Illustrationen, die „wir doch nur aus der italienischen Ausgabe von 1971 übernommen haben", so der Verleger, wurden nun kritisiert: Sie zeigten die Tiere mit Krücken und schwarzer Blinden-Brille, was laut Shikata, auch Körperbehinderte diskriminiere. (Spiegel 15 1977) [[Image:|220px|thumb|none|Kritisierte Kinderbuchillustration]]
Rie Miyazawa nackt auf Buchdeckel, 1991
Der gefeierte japanischer TV-Star brach 1991 ein nationales Tabu gebrochen: Die Schöne ließ sich gegen alle bisherigen Sitten im prüden Japan, angetan nur mit einer Halskette, für eine Buchhülle fotografieren. Obendrein hatten die beiden größten japanischen Zeitungen mit einer Gesamtauflage von 18 Millionen Exemplaren Ganzseitenanzeigen mit der nackten Buchwerbung abgedruckt. In der Folge gab es für das Buch in einer Woche 300000 Vorbestellungen. (Spiegel 46 1991)
Österreich
Kroetz-Stück "Stallerhof" im Unterricht, 1973
Zum Schulskandal in Österreich kam es, weil ein Kroetz-Stück im Unterricht behandelt werden sollte: eine Lehrerin wurde fristlos entlassen. „Dreck und Schund und voller Zoten“ beurteilte die Tiroler Unterrichtsbehörde das Stück „Stallerhof“, ein gruseliges Genrebild des Kleinbauerntums. Auch das Fortführungsstück „Geisterbahn“ wurde scharf kritisiert. (Spiegel 27 1973)
Portugal
Die drei Marias: Maria Isabel Barreno, Maria Teresa Horta, Maria Velho da Costa: Neue Portugiesische Briefe, Lissabon 1972
Wegen Pornographie wurden die drei Autorinnen 1972 in Lissabon angeklagt, nachdem vorher bereits die Polizei das Buch beschlagnahmt und die drei Co-Autorinnen verhaftet hatte. Zum Urteil kam es jedoch nicht: Im Frühjahr 1974 beantragte der Staatsanwalt überraschend Freispruch, kurz darauf stürzt das Caetano-Regime, die Revolution hob das Zensur Gesetz auf. Als Vorlage für ihr Werk dienten den „3 Marias“ die „Portugiesischen Briefe“ (Übersetzung Rilke) aus dem 17. Jahrhundert, die die Nonne Mariana Alcoforado an einen französischen Adligen, der sie im Kloster verführt und dann verlassen hat, schrieb. In den neuen Briefen werden Themen im autoritär-katholisch beherrschten Portugal wie Jungfräulichkeit, Masturbation, Männlichkeitswahn oder Doppelmoral bearbeitet, aber auch das Recht der Frau auf sexuelle Initiative und die Freuden der weiblichen Selbstbefriedigung. (Spiegel 46 1976)
Schweiz
Für Borchert-Zitat - eine Woche Gefängnis, Schweiz 1973
Wegen eines Zitats aus einem Gedicht von Wolfgang Borchert verurteilte das Kantonsgericht St. Gallen den ehemaligen Redakteur der inzwischen eingestellten Zeitschrift „Roter Gallus", Christian Schmidt, zu einer Wochen Gefängnis mit zweijähriger Bewährung: Schmidt hatte 1970 unter einer Panzer-Graphik die Borchert Zeilen: „Du. Mann auf dem Dorf und Mann in der Stadt. Wenn sie morgen kommen und dir den Gestellungsbefehl bringen, dann gibt’s nur eins: Sag nein!“ veröffentlicht. Dies wurde als Aufruf zur Wehrdienstverweigerung gewertet.(Spiegel 46 1973)
Christian Lutz: "In Jesus´ Name", 2013
2003 hat der Schweizer Fotograf Christian Lutz eine fotografische Untersuchung zum Thema Macht begonnen. Diese Arbeit wurde in drei Aspekte unterteilt. Bereits der erste Band der Trilogie profilierte den Fotografen auf nationaler und internationaler Ebene und bescherte ihm zahlreiche Auszeichnungen. Als jedoch der Band "In Jesus’ Name" veröffentlicht werden sollten, wurde er per gerichtlichem Beschluss verboten. Einundzwanzig Einzelklagen mit dem Motiv der Verletzung der Bildrechte wurden von verschiedenen im Fotobuch abgebildeten Personen gegen Christian Lutz und seinen Verleger eingereicht. Die Zensur wurde zunächst durch den richterlichen Beschluss bestätigt. (FAZ 25.2.2013)
Spanien
Vargas Llosa und die spanische Zensur, 2010
Sechs Werke Vargas Llosas, erschienen zwischen den späten fünfziger und späten siebziger Jahren, wurden den Zensur-Experten zur Begutachtung vorgelegt. Der Erzählband „Die Anführer“ (im Original 1959), kam noch glimpflich davon. Der junge Autor brauchte nur die angeblich „schlecht klingenden“ Wörter „maricón“ (Schwuler) und „puta“ (Hure) auszutauschen. Ernster wurde es, als der Verlag Seix Barral bei der Behörde vier Jahre später die Druckfahnen des Romans „Die Stadt und die Hunde“ einreichte. Die Zensurbehörde empfahl ein Verbot wegen obszöner Beschreibungen, der Darstellung jugendlicher Verkommenheit und zahlreicher „Kraftausdrücke aus Kaserne und Bordell“. Der Verleger Carlos Barral erbat eine zweite Prüfung. Wieder ist das Urteil vernichtend: „Unmoralische Literatur. Die häufigsten Wörter sind Scheiße, Eier, vögeln“, notierte der Zensor zu seinen Leseeindrücken. Es folgen detaillierte Streichvorschläge. Allgemein beklagte der Zensor häufige Anspielungen auf das Schwulsein. Schließlich einigt man sich darauf, den Roman zu "entschärfen". Der Autor akzeptiert, ändert acht Absätze ab und schreibt später in einem Brief an den Oberzensor, er habe damit eine Höflichkeitspflicht erfüllt, sei aber weiterhin gegen Zensur. „Das literarische Schaffen“, so der Siebenundzwanzigjährige, „muss eine vollständig freie Handlung sein, ohne andere Begrenzungen als jene, die dem Autor seine eigenen Überzeugungen vorgeben.“ Von der zweiten Auflage an lässt der Verlag stillschweigend die Urfassung drucken. Schon früh galt Mario Vargas Llosa in Spanien als wichtiger Autor, und die Startauflagen kletterten auf hunderttausend Exemplare. Der Gang zur Zensurbehörde wurde dadurch nur wenig leichter. So hatte die Zensurbehörde gegen das „Gespräch in der Kathedrale“ (1969) einzuwenden, der Roman sei „marxistisch, antiklerikal, antimilitaristisch und obszön“, erkannte allerdings die hohe literarische Qualität und empfahl daher „behördliches Schweigen“. Im Fall von „Der Hauptmann und sein Frauenbataillon“ (1973) gerieten zwei Zensoren aneinander. Die Einrichtung eines Prostituierten-Service für die peruanischen Streitkräfte, mit der ein Hauptmann betraut wird, ist angesichts der offiziellen Moraldoktrin des Franco-Staats kein glückliches Thema. Der zweite Zensor wälzt das Problem auf die Justiz ab, die sich aber ihrerseits nicht entschließen kann, das Werk zu verbieten. Nur das freizügige Cover des Romans, den die Zensur als „pornographisch“ einstuft, muss ausgetauscht werden. Unterm Strich bleibt von dieser Akteneinsicht im Archiv der Behörde der Eindruck von Autoritarismus, von Verdruckstheit und Eiertanz, überstrahlt von einigen hellsichtigen Urteilen. Vargas Llosa selbst nimmt die Erinnerung an seine Anfänge als Romanautor in Spanien leicht. In Peru habe man seinen Roman „Die Stadt und die Hunde“ verbrannt, aber nicht verboten, und in Russland seien vierzig Seiten des Buches aus moralischen Gründen herausgenommen worden. Die Zensur in Spanien, so der Nobelpreisträger, sei letztlich unsinnig und anachronistisch gewesen - „eine Kontrolle, an die nicht einmal die Zensoren selbst glaubten“. (F.A.Z. 28.11.2010)
USA
Allen Ginsberg: "Howl",1956
Im Frühsommer 1956 erschien „Howl“ von Allen Ginsberg auf neun, für einen Freund geschriebenen Schreibmaschinen in San Francisco. Skizziert wird darin der Alptraum der amerikanischen Großstadt als Geheul und Bewußtseins-Strom, eine Art Kommentar des Wahnsinns des Carl Solmon, den der Autor in der Nervenheilanstalt Rockwell kennengelernt hatte und dem "Howl" gewidmet ist. "Howl" war der entscheidene Schritt von der eher abstraktem ästhetischen Anvantgarde hin zu einer rhythmischen Sprengkraft des "rock ´n´ roll. Im März 1957 ließ Captain William Hanrahan, Chef der Abteilung für Jugendschutz der Polizei San Franciscos, die zweite Auflage des Gedichtbandes beschlagnahmen. Die American „Civil Liberties Union“ finanzierte damals den Prozess gegen Ginsberg, den Dichter, sowie den Verleger und die Buchhandlung „Citylights“. Der Richter kam zu dem Schluß, dass die Jugend nicht gefährded sei, sondern der Band poetischer Ausdruck der Realität sei. (Sdt. .4.7.2006)
Wilhelm Reich: Werk, 1956
Der Psychoanalytiker floh vor der Gestapo, die ihm „jüdische Pornographie“ unterstellte, über Norwegen in die USA, aber noch 1956 diffamierte ein amerikanisches Gericht seine Theorien über die seelischen Ursachen der Krebserkrankung als „Scharlatanerie“, lies die Apparaturen seiner ärztlichen Praxis zerschlagen und seine Bücher tonnenweise verbrennen.
"Moral Majority": Säuberungsaktionen in den USA, 1981
In den USA formierten sich in den späten siebziger und frühen achtziger Jahren in der „Moral Majority“ immer mehr Bürger, die mit Bücherverbrennungen und Boykott-Kampagnen gegen die „Unsittlichkeit“ ihres Landes vorgingen. Viele wichtige Werke verschwanden im Zuge dieser Säuberungsaktionen aus dem öffentlichen Leben. (Spiegel 27 1981)
"How to kill": Tipps zum Mord- und Totschlag, USA 1984
Der US-Verlag Paladin Press bot fast nur englische Titel an, die Tipps zum Töten geben: z.B. "Das perfekte Verbrechen oder töte oder werde getötet", "Mord – Theorie und Praxis" und "How to kill". In einigen der Bücher weisen Verlagsautoren darauf hin, dass „Autor und Verlag keine Verantwortung für den Gebrauch oder Missbrauch irgendwelcher Informationen übernehmen“ so in „Mehr schmutziger Tricks vom Meister der Rache“. Eine Staatsanwältin Kaiserslautern leitete Ermittlungen ein und die Paladin-Publikationen wurden der Bundesprüfstelle zur Stellungnahme vorgelegt. (Spiegel 34 1984)
Shakespeare zu "unmoralisch", USA 1985
In den USA wurden von den Verlagen 1985 u.a. die Schulbuchausgaben von "Romeo und Julia" und "Hamlet" um "unanständige und peinliche Wendungen", "sexuelle Anspielungen, Flüche" und "schlüpfrige oder ausgesprochen sexuelle Ausdrücke" gekürzt. Im selben Jahr wurden Steinbecks "Von Menschen und Mäusen", Salinger "Fänger im Roggen" sowie das "Tagebuch der Anne Frank" aus den Schulbüchereien verbannt. In Texas wurde eine Schulwörterbuch verboten, weil in ihm das Wort "bed" in seiner verbalen Umschreibung mit "ins Bett gehen" aufgeführt worden war. (Spiegel 41 1985)
Dalma Heyn; „The Erotic Silence of the Married Woman“, 1993
Die amerikanische Journalistin wurde Opfer ihres prüden Heimatlandes. Seit sie ihr Buch über die sexuelle Unzufriedenheit von Ehefrauen veröffentlichte, wurde sie beschimpft, bedroht und verfolgt. Männer klagten, das Buch fordere Frauen auf, sie zu verlassen. Zwei große Ladenketten haben das Buch aus ihrem Sortiment verbannt. (Spiegel 31 1993)
Sherry Jones: "The Jewel of Medina", USA 2008
Der Verlag Random House (USA) zog das Romanprojekt über Mohammeds Frau zurück, nachdem „Sicherheitsexperten und Islamwissenschaftler“ von einer Publikation abgeraten hatten. (FAZ 24.8.2008))
Anthony Shaffer: "Operation Dark Heart", 2010
Um die Verbreitung eines unliebsamen Buches über den Krieg in Afghanistan zu stoppen, will das US-Verteidigungsministerium nun die komplette Auflage kaufen. Zunächst hatte der Autor sein Manuskript den Verantwortlichen bei der US-Armee vorgelegt und deren Änderungswünsche berücksichtigt. Im Januar gaben sie ihr Imprimatur: Gegen eine Veröffentlichung bestünden "keine Einwände aus rechtlichen, operativen oder die nationale Sicherheit betreffenden Gründen". Als dann Beamte des Pentagons das Buch im Juli erstmals erhielten, fanden sie 200 Passagen mit als geheim eingestuften Informationen, darunter die Namen von CIA-Offizieren in Afghanistan und Hinweise auf das Telefonüberwachungssystem, mit dem der US-Nachrichtendienst National Security Agency Gespräche der Amerikaner abhören kann. Die Veröffentlichung des Buchs stelle "eine ernste Gefahr für die nationale Sicherheit dar", schrieb Ronald Burgess, Direktor des militärischen Nachrichtendiensts Defense Intelligence Agency. Etliche andere Leser aus dem Pentagon waren derselben Ansicht. Nur war das Buch zu diesem Zeitpunkt bereits gedruckt, und einige Exemplare auch schon ausgeliefert. Noch am Donnerstag konnte man es bei Amazon bestellen. Doch das Pentagon ließ sich nicht beirren. Es bat den Verlag, ihm die erste Auflage von 10.000 Exemplaren zu verkaufen. Anschließend könne der Verlag gerne eine neue Version mit Schwärzungen auf den Markt bringen. (Sdt. 11./12.9.2010)
"Maggie Goes on a Diet" - Diät-Buch für Kinder, 2011/12
Das Kinderbuch "Maggie Goes on a Diet" sorgte für Furore in den USA. Sein Einfluss auf Heranwachsende sei katastrophal, warnen Kritiker. Das Buch handelt von der 14 Jahre alten Maggie, die abnehmen möchte. Der Autor Paul M. Kramer empfahl es einer Altersgruppe von sechs bis zwölf Jahren. Der Versandhandel Amazon.com hingegen empfahl "Maggie Goes on a Diet" bereits für Kinder ab vier Jahren und löste damit noch vor der eigentlichen Veröffentlichung eine Welle von internationalem Protest ausl. Bereits im Vorfeld wurde "Maggie Goes on a Diet" nicht nur in zahlreichen Foren, Blogs und auf Twitter als "Diätbuch für Vierjährige" scharf kritisiert. Besorgte Eltern und Gesundheitsexperten traten in Fernsehsendungen auf, riefen auf Facebook sogar zum Boykott auf, um junge Leser vor Essstörungen und anderen Folgen zu bewahren, die das Buch nach Ansicht von Kritikern mit sich bringt. Im Buch scheint das die zentrale Aussage zu sein: Die pummelige Maggie erreicht alles, was sie sich wünscht, nachdem sie ihren "großen Hintern" losgeworden ist: Sie avanciert zum Fußballstar, findet endlich Freunde, ist nicht mehr "ängstlich und deprimiert", schreibt endlich gute Noten und auch bei den Jungs, die sie täglich hänselten, wird sie immer beliebter. Immerhin auf die Kritik am Cover reagierte der Autor: Ende Februar 2012 erscheint bereits eine veränderte Auflage, in der Maggie nicht mehr auf Diät gehen, sondern sich gesünder ernähren wird: "Maggie Eats Healthier" lautet der Titel. Der Inhalt bleibt gleich. (Sdt. 19.1.2012)









