Kunst

Aus Zensur Archiv

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Inhaltsverzeichnis

Zensur und Kunst

Ausstellungen

Kulturgeschichte

Ausstellung: "Tatort Stadion. Rassismus und Diskriminierung im Fußball, Berlin 2020

In der Ausstellung wurden u.a. auch problematische Aussagen vom damaligen DFB-Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder veröffentlicht. U.a.: "Was wird aus der Bundesliga, wenn die Blonden über die Alpen ziehen und stattdessen die Polen, diese Furtoks und Lesniaks, spielen?" oder "Hätten wir 1918 die deutschen Kolonien nicht verloren, hätten wir heute in der Nationalmannschaft wahrscheinlich auch nur Spieler aus deutsch-Südwest." Die Verantwortlichen weigerten sich die Schautafeln mit den entsprechenden Zitaten zu entfernen. Der DFB-Sportförderverein hatte deswegen eine in Aussicht gestellte Unterstützung von 5000 Euro zurückgezogen. (MZ 11.1.2002)

"Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“ Abt. Hadj Amin el-Husseini, Haus der Kulturen, Berlin 2009

Der Palästinenser Führer Hadj Amin el-Husseini gratulierte dem deutschen Generalkonsul in Jerusalem zur Machtergreifung Hitlers und der Nationalsozialisten, warb später muslimische Freiwillige für die Waffen-SS an und propagierte die „Endlösung“. Nach dem Krieg wurde er zum obersten Repräsentanten Palästinas. U.a. diese sachlich richtigen Informationen sollten auf einer Schautafel für die Ausstellung „Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“ (Neuköllner Werkstatt der Kulturen) ab 1.8.2009 gezeigt werden. Dies wurde von der Leitung untersagt. Die Ausstellung wurde dann komplett in den Uferhallen in Wedding gezeigt. (Tagesspiegel 25.8.2009)

"Körperwelten" Gunter von Hagen, Köln 2009

Die vielfach diskutierte Ausstellung sollte in Köln ab dem 19.9.2009 nur unter Auflagen gezeigt werden. U.a. verfügte das Ordnungsamt der Stadt, dass keine Exponate präsentiert werden dürfen, die plastinierte Tote beim Sexualakt zeigen, da es "das sittliche Empfinden der Bevölkerungsmehrheit verletze". Eine weitere Auflage bestand darin, Jugendliche unter 16 Jahren nur in Begleitung von Erwachsenen in die Schau zu lassen. Von Hagen kündigte juristische Schritte an. (WN 19.9.2009)

Plastinat aus der Ausstellung "Körperwelten", 2009

Totenmasken der RAF, Esslingen 2010

Eine Ausstellung in Esslingen, die sich mit den Umbrüchen des Jahres 1969 auseinandersetzte geriet u.a. deshalb in die Kritik, weil in ihr die Totenmasken von Jan-Carl Raspe, Gudrun Ensslin und Andreas Baader gezeigt wurden. Politiker reagierten entsetzt und forderten dazu auf, die Masken zu entfernen. Eine Mitarbeiterin des Kulturamtes sah sogar den Ausstellungsort "entweiht". (MZ 31.3.2010)

Totenmasken der RAF


Karl-May-Museum Radebeul nimmt alle echten Skalpe aus der Ausstellung, 2014

„Wir haben uns aus ethischen und politischen Gründen dazu entschieden“, sagte Kustos Hans Grunert vom Museum als Begründung für den Schritt. Das Museum reagierte damit auf einen Brief der Ojibwa-Indianer. Nachfahren des nordamerikanischen Stammes hatten die Rückgabe eines Haarschopfes gefordert und sich über die „taktlose Ausstellung“ beschwert. Der Haarschopf, um den es den Ojibwa ging, sei allerdings nie ausgestellt gewesen, erklärte Grunert. Eine Rückgabe des Skalps werde es nicht geben. „Er ist rechtmäßig erworben worden und das Eigentum des Museums“, sagte der Kustos. Man habe dem Stamm einen „netten Brief“ geschrieben und mitgeteilt, dass alle Skalpe aus der Ausstellung genommen wurden. Zudem sei man offen für einen Dialog. (dpa)

Kunstausstellungen

Kunst in Kasernen, 1971

Die Ausstellung verunsicherte Bonns Bundeswehr-Spitze. Im Kasino des Verteidigungsministeriums wurde 1971 die Wander-Ausstellung "Kunst in Kasernen" eröffnet. Der rheinische Galerie-Besitzer (und Offizierssohn) Bodo Schröder wollte eine mit künstlichen Gliedern aufgefüllte Munitionskiste zeigen, musste seine Arbeit, die er als "Angriff gegen Krieg, Zerstörung und Folter" verstanden wissen wollte, wieder einpacken, weil darauf "eine Reihe von Offizieren und Beamten ausgesprochen allergisch" reagierte. Die Militärs, so Schröder, monierten: "In solchen Kisten haben wir einst unsere Freunde zum Verbandsplatz getragen, damit man die Leichen halbwegs zusammen hatte", und empfahlen, "wenigstens Vietnam draufzuschreiben". Eine liegende Figur, die statt des Kopfes ein leergeschossenes MPi-Magazin trägt, mit reichhaltiger Ordensschnalle auf der Brust konnte der Galerist nur einen Tag zeigen. Nachdem die stellvertretenden Inspekteure der Luftwaffe und des Heeres, Generalmajor Mehlen und Generalleutnant Schulz, das Kriegs-Objekt zum Anlaß nahmen, die Premiere zu verlassen, beschied tags darauf der Hardthöhen-Personalrat, das Kunst-Stück verstoße gegen die guten Sitten und müsse demontiert werden. Während der Chef der Verwaltungsabteilung, Ministerialdirigent Wirmer, vor dem Kasino-Eingang agitierte, um Offiziere vom Besuch der Schau abzuhalten, zeigte sich Verteidigungs-Staatssekretär Günther Wetzel toleranter: "Da muß man eben großzügig sein."


Avantgardekunstausstellung mit Bulldozern niedergewalzt, Moskau 1974

Berühmt und berüchtigt wurde der damalige Parteichef der Moskauer Neusiedlung Tscherjomuschki,Tschaplin, als er 1974 eine nicht genehmigte Avantgardisten-Ausstellung auf freiem Feld mit Bulldozern niederwalzen und die Künstler mit zerstörten Ausstellungsstücken abziehen ließ. (Spiegel24 1986)

Mark Prent: Die Künstler ziehen mit den zerstörten Kunstwerken ab


Grosz in Athen zensiert, 1974

Als Sitte und Wehrkraft zersetzend war die aggressive Kunst des Dadaisten George Grosz schon in den zwanziger und dreißiger Jahren mißliebig; im Obristen-Griechenland war sie 1974 noch immer unzumutbar: Eine vom Berliner George-Grosz-Archiv vorbereitete und seit 1971 in zahlreichen Goethe-Instituten (darunter Rom, Dublin. Teheran) gezeigte Ausstellung der Zeichnungsfolgen "Ecce homo" und "Hintergrund" wurde in Athen nur zensiert gezeigt. Dimitrios Papastamos, der Direktor der Nationalen Pinakothek, in der das Athener Goethe-Institut mit Grosz gastieren sollte, hatte zur Eröffnung 32 von 78 Blättern als pornographisch und antimilitaristisch entfernt. Nachdem Grosz-Archiv-Leiter Walther Huder die Feier aus Protest verlassen hatte, traf Papastamos eine etwas liberalere Auswahl. 15 Werke glaubte er aber definitiv nicht vor seiner Regierung verantworten zu können. (Spiegel 5 1974)

Mark Prent: "Horrorkabinette", Toronto/Berlin 1975

Bevor die Horrorkabinette 1975 in Berlin gezeigt wurden, waren sie bereits in Toronto zu sehen. Da kam zweimal die Polizei, weil die einsehbaren Enviroments mit verstümmelten und verreckten Menschen aus Polyesterharz als zu "anstößig" erschienen- (Spiegel 53 1975)

Mark Prent: "Horrorkabinette"

Peter Wörfel: „Provozierende Geschmacklosigkeiten“, Coburg 1982

Der Kommandeur des Bundesgrenzschutz-Kommandos Süd; Günter Dickten, protestierte in seiner Heimatstadt Coburg ganz im Argumentationsmuster gegen sie sog. „Entartete Kunst“ gegen eine Ausstellung mit Zeichnungen des Krefelder Prof. Peter Wörfel. In einem Brief an den Direktor der Kunstsammlungen der „Veste Coburg“, Joachim Kruse, äußerte er seinen Unmut über die auf der Einladung dargebotene Kunst. Sie sei „von provozierender Geschmacklosigkeit“. Möglicherweise habe der „respektvolle Irrglaube versagt, zwischen Realismus und Primitivem nicht unterscheiden zu können“. (Spiegel 25 1982)

Beanstandete Arbeit von Peter Wörfel

Erste Ausstellung von Aktgemälden, China 1989

Viele der weiblichen Modelle hatten sich ohne Wissen von Eltern oder Gatten und nur unter der Bedingung, dass die Bilder nie in der Öffentlichkeit gezeigt würden, für die Sitzungen zur Verfügung gestellt. Doch die "Zentrale Akademie der Künste" zeigte die Arbeiten und sorgte so für einen Eklat: Frauen wurden von Verwandten und Freunden geächtet, zwei Ehemänner reichten die Scheidung ein und 5 der 139 Gemälde mussten vorzeitig aus der Schau entfernt werden. Schwarzmarkthändler verkauften derweil Postkarten mit den Motiven. (Spiegel 2 1989)

Schockierte Besucher in der Ausstellung

Museum der Frauen, 1991

Der belgische Surrealist Jan Bucquoy eröffnete 1993 in Brüssel das erste "Museum der Frauen". Ausgestellt wurden u.a. eine "Nackte Frau" (Bild), eine "Kindfrau", eine "dumme Frau" und eine "Prostituierte". Der Künstler hoffte auf Proteste von Feministinnen. (Spiegel 40 1991)

Ulrich Tarlatt: Ausstellung im Magdeburger Landtag, 1991

Aus Tarlatts Ausstellung in den Fluren des Magdeburger Landtags waren nach und nach sämtliche Skulpturen, schließlich auch noch die Gemälde und Grafiken verschwunden. Erst als der Landtagsabgeordnete Lutz Kühn (SPD) in öffentlicher Debatte den Bildersturm beklagte, kehrte die Ausstellung zurück an ihren Platz - allerdings unvollständig. Die Stücke mit eregierten Gliedern, "Geiler deutscher Adler" und "Lüstling" blieben verschwunden. Tarlatt drohte mit Skandal. Da entschloss sich Landtagspräsident Klaus Keitel (CDU) zu der Anweisung, auch diese Plastiken, deren Phalli so viel Anstoß erregt hatten, wieder aufzustellen. Bedingung des Präsidenten: Tarlatt mußte den Fraktionen zwecks Interpretationshilfe zur Verfügung stehen. (Spiegel 45 1991)

Siglinde Kallnbach: Das Lied der Deutschen, 1991

Die Kölner Künstlerin hatte einem Wellensittich das Gefieder mit "Dem Gold der Deutschen", bestehend aus Eierpampe und Wurstfetzen, verklebt. Sie wurde daraufhin wegen Tierquälerei angezeigt. Der Prozeß endete mit einem Freispruch. (Kunstforum Bd. 114)

Peter Brookes: Ausstellung britischer Cartoons, EG-Zentrale Brüssel 1992

Peter Brookes, britischer Karikaturist, nahm an einer Ausstellung britischer Cartoons teil, die in der Brüsseler EG-Zentrale stattfinden sollte. Das britische Außenministerium gedachte mit den Karikaturen, die Übernahme des Ministerratsvorsitzes zu feiern. Dann stoppte das Ministerium das Unternehmen, weil es Empfindlichkeiten der übrigen Eurokraten befürchtete. (Spiegel 23 1992)

Unwillkommene Cartoons
Unwillkommene Cartoons

Splitting Image: Satire und Kunst - Das letzte Abendmahl, London 1992

Die Satire Truppe Slitting Image hatte für eine Ausstellung Satire in der Kunst ein Tableau aufgebaut, auf dem Thatcher als Christus beim Leonardo nachempfundenen Abendmahl zu sehen ist. Daraufhin protestierte die Kirche und unterstellte den Initiatoren "schlechten Geschmack" und "blasphemische" Tendenzen. (Spiegel 34 1992)

Bettina Rheims: Chambre close und Das Bild des Körpers, FfM. 1993

Das Foto von Rheims und ein männlicher Rückenakt von Mapplethorpe sollten für die Ausstellung "Das Bild des Körpers" an Litfaßsäulen werben. Nach Protesten entschloß sich die Deutsche Städtereklame die Plakate zu überkleben. (Zeit 20.8.1993)

Timm Ulrichs: Kunst & Leben &, Iserlohn 1993

Ulrichs hatte für die Ausstellung skandinavische Pornohefte durchgeblättert und festgestellt, dass im Vordergrund heftig gesexelt wurde, im Hintergrund aber sehr oft Meisterwerke zu erkennen waren. Daraus konzipierte Ulrichs eine Ausstellung. Nicht nur die ließ in Iserlohn die Wellen hoch schlagen - eine Einladungskarte, aus der ein Motiv aus der Serie zu sehen war, wurde gegen eine ohne Motiv ausgetauscht. Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt hatte mit einem Brief an den Dezernenten interveniert: "Dargestellt wird eine kniende nackte Frau, die von hinten von einer männlichen Hand gegriffen wird. Die Körperposition drückt m.E. ihre Verfügbarkeit aus, der Gesichtsausdruck erscheint lustvoll und herausfordernd. Die Frau wird auf diese Weise als Sexualobjekt dargestellt und ihre Sexualität scheint der des Mannes unterworfen zu sein.Damit lässt sich das Klischee nähren, `das Frauen es gut finden, genommen zu werden`... . Vor diesem Hintergrund lässt sich auch sexuelle Gewalt gegenüber Frauen unterschwellig legitimieren, zumal in solchen Fällen die Schuld häufig bei der Frau gesucht wird. Das Portrait Marylin Monroes im Hintergrund trägt zusätzlich zur Reduzierung der Frau als Sexualobjekt bei."

links zensierte Karte, rechts Originalkarte

Donigan Cumming: Nettie Harris-Plakat für die Ausstellung "The body - le corps", Kunsthalle Bielefeld 1994

Das Plakat durfte 1994 nicht wie üblich an Bussen und Bahnen zwecks Werbung angebracht werden. Begründung der Stadtwerke: "Viele ältere Leute unter unseren Fahrgästen könnten sich beleidigt und unangenehm berührt fühlen." (Lippische Landeszeitung 29.7.1994)

Mel Ramos: Claudia Schiffer Nacktbilder, 1996

Per Gerichtsbeschluß erwirkte das Model, dass die Galery Levy 4 Gemälde von Mel Ramos schon vor der Ausstellungseröffnung abgehängt werden mussten. der Grund: auf ihnen ist Schiffer nackt zu sehen. (WN 14.5.1996)

Pierre et Gilles: Ausstellung in München, 1997

Für eine am 27. Mai 1997 geplante Ausstellung im Münchner Stadtmuseum waren Einladungskarten mit einer der Arbeiten des französischen Künstlerduos "Pierre et Gilles" gedruckte worden: Das Bild zeigt einen nackten Gärtner, der, das Gemächte in der Hand, eine Blumenwiese mit seinem Strahl wässert. Doch die Karten durften auf Anordnung des OB. Ude nicht verschickt werden - Dem waren bei Ansicht der Einladungen erhebliche Bedenken gekommen: Man könne die Leute mit diesem Bild "nicht am Frühstückstisch konfrontieren". Ein rasch eingeholtes Rechtsgutachten bestätigte: Die "drastische Darstellung der Männlichkeit in einem Zustand, der der Schwerkraft bereits zu trotzen beginnt", sei "rechtlich nicht unproblematisch". Die Genitalien des kitschig-sinnlichen Blumenfreundes zu schwärzen oder mit einem Balken zu belegen lehnte Ude ab. Das wäre als Kunstzensur zu missdeuten. (Spiegel 22 1997)

Marc Quinn: "Geköpfte Barbie", London 1999

Nach Protesten wurde die Arbeit ("Enthauptete" Barbie-Puppe, deren Kopf aufgespießt in einem Kühlschrank gezeigt werden sollte) aus einer von Elton John organisierten Ausstellung zu Gunsten der Aidshilfe zurückgezogen. (WN 19.10.1999)

Ausstellung: „Unschuldsvermutung- Zeitgenössische Kunst und Kindheit“, Bordeaux 2000/2006

2006 wurde gegen den früheren Leiter des Museums für Kunst der Gegenwart, Henry-Claude Cousseau, der Prozess gemacht, weil dieser vor sechs Jahren die Ausstellung „Unschuldsvermutung – zeitgenössische Kunst und Kindheit“ gezeigt hatte. Vorgeworfen wurde dem Kunsthistoriker die „Verbreitung von gewaltsamen und pornographischen Bildern …, die die Würde des Kindes beeinträchtigt“ hätte. Insbesondere eine Video-Installation der österreichischen Künstlerin Elke Krystufek, die sie bei der Selbstbefriedigung mit einer Gurke zeigt, erregte die öffentlichen Gemüter. Sekundiert von dem Kinderschutzbund „La Mouette“ stellte ein besorgter Vater Strafanzeige. (Spiegel 49 2006)

Ein KZ von LEGO, 2002

Eine New Yorker Ausstellung sorgte 2002 für tiefe Empörung bei Überlebenden des Holocaust, weil sich einige der gezeigten Arbeiten recht eigenwillig mit dem Nationalsozialismus auseinandergesetzten. So der polnische Künstler Zbigniew Libera, der ein Konzentrationslager als Lego-Bausatz zeigte mit Lagerbaracken, Überwachungstürmen und einem Krematorium. Das Ganze ist ein Fake. Denn Libera hat lediglich die Architekturen und Szenen arrangiert und fotografiert. Die Fotos klebte er auf Kartons, die wie Lego-Verpackungen aussehen mit der Aufschrift: "Diese Arbeit von Zbigniew Libera wurde von Lego gesponsort." Für große Empörung sorgte auch Alan Schechners "Selbstporträt in Buchenwald: Die Computer-Collage zeigt Hungergestalten mit riesigen Augen in knochigen Gesichtern. Vorne am Bildrand spannt sich das Häftlingshemd über einem durchtrainierten Körper. Der Künstler schaut in die Kamera und hält dem Betrachter eine Cola-Dose entgegen, als wolle er ihm zuprosten. Ebenfalls in die Kritik geriet Tom Sachs, der Gaskanister aus Pappe mit den Logos von Chanel und Tiffany versah. "Giftgas-Geschenk" heißt die Arbeit. Um Opfer des Nationalsozialmus nicht zu kränken, stellte das Museum schließlich Warnschilder auf. In einem separaten Raum wurden die am meisten kritisierten Arbeiten zusammengefasst und mit dem Hinweis versehen, dass "Holocaust-Überlebende sich über diese Werke empört" hätten. Auf diese Weise erhalte jeder Besucher die Möglichkeit der Entscheidung, zu sehen was er wolle und was nicht. (online 20.4.2002)

Arno Breker in Schwerin, 2006

Die Idee, in Schwerin eine große Breker-Ausstellung zu zeigen, spaltete 2006 die Kunstwelt. Klaus Staeck, für den ebenfalls in Schwerin eine Ausstellung geplant war, sagte diese aus Protest ab. Die einen sahen und sehen in Breker den Hitler-Günstling und bestreiten den künstlerischen Wert seiner Arbeiten, andere halten ihn für einen bedeutenden Bildhauer des 20 Jahrhunderts. Der Titel der umfassenden Ausstellung zum Werk Breker lautete „Zur Diskussion gestellt: Der Bildhauer Arno Breker“. Der langjährige Chef des Ausstellungshauses, Rudolf Conrades, verteidigte das Projekt im Katalog: „Einer souveränen, selbstbewussten Demokratie ist die Tabuisierung einer schwierigen, aber doch nicht abzuleugnenden Kunstperiode der eigenen Geschichte weder würdig noch förderlich.“ Die Direktorin des Staatlichen Museum Schwerin, Kornelia von Berswordt, hingegen sah in den Arbeiten „gar keine Kunstaspekte“, hielt es für „grob fahrlässig“, solche Präsentation im Vorfeld einer Landtagswahlen im September, bei dem der Einzug der NPD befürchtet wird, abzuhalten. (WN 10.7.06)

Christoph Schlingensief: "Animatogaph", Leipzig 2006

Im Leipziger Bildermuseum wurde eine Warnung angebracht, weil Besucher Kritik hinsichtlich des Jugendschutzes geäußert hatten: Die Arbeit Schlingensief zeigt u.a. Hitler und Stalin, wie sie sich selbst befriedigen. (MZ 30.8.2006)

"Verbotene Kunst": Andrej Jerofejew, 2007

Ein Moskauer Gericht verurteilte die Ausstellungsmacher wegen antireligiöser Hetze zu Geldstrafen. Das Bild der küssenden Polizisten gehörte zu den provozierenden Werken, die Andrej Jerofejew gesammelt und in der Ausstellung im Moskauer Sacharow-Museum 2007 gezeigt hatte. (Welt online 12.7.2010)

„Vade retro“ - Ausstellung zum Verhältnis von Kunst und Homosexualität -, Mailand 2007

Die Ausstellung war bereits aufgebaut, wurde dann aber endgültig abgesagt. Bereits zuvor hatte es Ärger um die angeblich blasphemische Papst-Skulptur „Miss Kitty“ von Paolo Schmidlin gegeben, so dass die Eröffnung verschoben werden musste. „Miss Kitty“ wurde neben zwei andern Skulpturen aus der Ausstellung entfernt. Dann, nach einem neuen Lokaltermin mit der Bürgermeisterin Letizia Moratti, wurde ein weites Dutzend Kunstwerke wegen angeblicher Pornographie oder Nähe zur Pädophilie beanstandet und die gesamte Schau abgesagt. (SZ 16.7.2007)

„Erotik im Werk großer Meister“, Frankreich und Vereinige Arabische Emirate, 2007

Beide Länder schlossen 2007 einen Vertrag über die Ausstattung und Weiterentwicklung eines „Universalmuseum“ auf der Freizeit-Insel Saadiyat Island vor der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate. Ausdrücklich wurde dabei eine Ausstellung über die „Erotik im Werk großer Meister“ im „Lourve Abu Dabi“ ausgeschlossen. (Welt 8.3.2007)

Ausstellung der dänischen Gruppe „Surrend“ in Berlin, 2008

Eine Ausstellung der Gruppe mit satirisch-politischen Karikaturen und Plakaten im Kunstverein Tiergarten wurde aus Sicherheitsgründen 2008 geschlossen worden. „Aufgebrachte Muslime“ hatten die Ausstellung gestört und verlangt, mehrere der ausgestellten Poster zu entfernen, u.a. eins mit dem Bildmotiv der würfelförmigen Kaaba in Mekka, das mit der Zeile „dummer Stein“ kommentiert und im Kontext mit einem Mann mit typisch jüdischer Hutbekleidung gezeigt wurde, das wiederum mit „dummer Hut“ kommentiert war. (MZ 29.2.2008)

"Pop-Life, London 2009

Nur einen Tag nach der Eröffnung rückte die Sittenpolizei zur Londoner Show an und legten der Tate modern nahe, einen Ausstellungsraum zu schließen. In dem war die Richard Princes Installation " "Spiritual America" zu sehen: ein Werk mit der nackten zehnjährigen Brooke Shields. Das Werk wurde durch "Spiritual America 4" ersetzt, das die Schauspielerin in der selben Pose zeigte, nur eben als Erwachsene. ( Süd. 27.10.2009) In der Ausstellung wurden ferner Stücke aus der Serie "Made in Heaven" von Jeff Koons gezeigt (Koons und seine damalige Ehefrau Ilona Staller sind darauf beim Sex zu sehen), sowie ein 60-minütiger Film von Andrea Fraser ("Untiteld"), in dem die Künstlerin Sex mit einem Sammler hat. (FAZ 2.3.4./10.2009)

"Toys" (Svend Ahnstrom), Roskilde 2010

Mit seinen Ölgemälden, die Hiter, Bin Laden oder Saddam Hussein als Legomännchen oder schwule Lego-Paare beim Analverkehr zeigen, provozierte der Künstler die Öffentlichkeit. Trotz Beschwerden weigerten sich die Verantwortlichen mit Hinweis auf die Meinungsfreiheit, die Ausstellung zu schließen. (Spiegel 35 2010)

Jugendverbot für Larry-Clark-Ausstellung, Paris 2010

Das Pariser Museum für Moderne Kunst hat sich für eine Ausstellung des US-Fotografen und Filmemachers Larry Clark zu einer ungewöhnlichen Maßnahme entschlossen. Die Stadtverwaltung fürchtete Proteste und erließ zusammen mit dem Museum eine Jugendverbot für die Ausstellung, berichtete die Zeitung "Liberation" am Montag. Clark zeigt auf seinen Fotografien unter anderem Jugendliche, die masturbieren oder sich Drogen spritzen. Eine Ausstellung seiner Werke in Bordeaux im Jahr 2000 hatte zu langen Gerichtsprozessen geführt. Auch seine Filme ("Kids", "Bully", "Wassup Rockers") haben wegen Sex- und Gewaltszenen oft Aufsehen erregt. Die Retrospektive "kiss the past hello" vom 8. Oktober bis zum 2. Januar umfasst etwa 200 Bilder, viele von ihnen noch unveröffentlicht. (Sdt. 9./10.10.2010)

Aufnahme aus der Ausstellung


Plakat von Bitnik, London 2010

Das Zürcher Künstlerkollektiv !Mediengruppe Bitnik hatte 2010 gerade seine Ausstellung «Too Big To Fail / Too Small To Succeed» in der Space Gallery eröffnet, als ein Angestellter der Plakatagentur Primesight das Plakat zur Ausstellung entfernt. Das Plakat zeigt einen älteren Herrn, der vor einer UBS-Filiale in Zürich ein Schild mit dem Schriftzug «lies» (lügt) hochhält. Das Bild ist Teil der Bitnik-Ausstellung. Es wurde bereits nach 36 Stunden auf Druck der UBS aus dem öffentlichen Raum entfernt worden. Die UBS bestätigte, dass sie mit der Plakatagentur Primesight, welche die Werbefläche vermietet, Kontakt aufnahm und dass aufgrund dieses Gesprächs das Plakat der !Mediengruppe Bitnik abgehängt wurde. Über den Inhalt des Gesprächs schweigt sich die Schweizer Grossbank aus. Doch laut Informationen der WOZ drohte die UBS mit rechtlichen Schritten gegen die Plakatgesellschaft, die Space Gallery und die !Mediengruppe Bitnik: Weil das UBS-Logo auf der Fotografie angeblich unrechtmässig verwendet werde und die Aussage des Bildes verleumderisch und ehrenrührig sei. Die Rechtsabteilung der UBS in London stellte Primesight am 2. September ein Ultimatum, das Plakat bis spätestens um 21.30 Uhr von der Werbetafel zu entfernen. Die Grossbank bedankte sich vorgängig, zumal es auch im Interesse der Werbeagentur liege, dass das Bild (medial) nicht weiterverbreitet werde.(WAZ 30.9.2010)

Ahlam Shibli Ausstellung "Tod" über palästinensische Selbstmordattentäter in „Jeu de Paume“, Paris 2013

Die Künstlerin zeigte in der palästinensische Selbstmordattentäter, die als „Freiheitskämpfer“ bezeichnet werden. Der Präsident des „Rates der jüdischen Vereinigungen“ (CRIF), Roger Cukierman, sandte einen Beschwerdebrief an das französische Kulturministerium. Es sei „beklagenswert und inakzeptabel, dass durch solch eine Darstellung Terrorismus aus dem Herzen von Paris gerechtfertigt“ werde.


Pädophilie-Debatte: Museum Folkwang sagt Balthus-Ausstellung ab, Essen 2014

Die 2004 Polaroids waren nicht zur Veröffentlichung bestimmt. Sie alle zeigen achtjähriges Mädchen teils bekleidet, teils halbnackt, oft dazu mit gespreizten Beinen. Aufgenommen hatte die Bilder der polnisch-deutsch-französische Maler Balthasar Kossowski de Rola, genannt Balthus (1908 - 2001), im Alter von über 80 Jahren. Im April 2014 wollte das Essener Museum Folkwang den Bildern eine ganze Ausstellung widmen - die dann im Februar abgesagt wurde Die Ankündigung der Balthus-Ausstellung hatte bereits im Vorfeld eine Debatte über Pädophilie in der Kunst ausgelöst. Auf den Gemälden Balthus' hätten die für ihn typischen frühreifen Mädchen noch surreal entrückt gewirkt, heißt es in einem Artikel der "Zeit" vom Dezember 2013, "hier aber, auf den Polaroids, wird die Lüsternheit unmittelbar. Sie erscheinen als Dokumente einer pädophilen Gier."..."In Zeiten des Internets bedarf kein Kinderschänder der Kunst, um sich stimuliert zu fühlen", wird in dem "Zeit"-Artikel angemerkt. "Nein, man darf die Balthus-Fotos zeigen. Doch ob man sie unbedingt zeigen muss, bleibt fraglich." (spiegel online 4.2.2014

Balthus' Mädchenporträt "Les Beaux Jours", 1944/1946


Der Goldfisch auf der Kunstmesse, Berlin 2014

Auf der Kunstmesse Art Berlin Contemporary entdeckte eine Frau einen Goldfisch in einem mit Wasser gefüllten Halbedelstein - das Ganze war ein Kunstwerk von João Modé. Sie schrie laut „Skandal!“ und verständigte die Polizei, die tatsächlich erschien, aber nicht eingriff. (FAZ 2.10.2014)


Bürger beschwerten sich über Brüste im Rathaus, Oberhausen 2014

Weil die Bürgerbeschwerden über Maria Mancinis Darstellungen mit zu viel nackter Haut und barbusigen Frauen nicht abrissen, entschied das Gebäudemanagement des Rathauses Oberhausen im November 2014, drei Bilder der Ausstellung abzuhängen. "Wir hatten rund 30 Beschwerden von Bürgern in kurzer Zeit", sagte dazu Alexander Höfer, Sprecher der Oberhausener Gebäudemanagement-Firma OGM. Auf Bitten der Stadttochter habe die Künstlerin schließlich die drei Bilder abgehängt, andere Bilder ohne nackte Frauen konnten bleiben. "Ausstellungen im öffentlichen Raum wie hier, dürfen nicht zu Verärgerung führen. Die Bürger sollen sich ja wohlfühlen in der Umgebung", begründete Höfer die Entscheidung. "Das ist ja nicht wie in einer Galerie oder im Museum, wo der Besucher weiß, dass er sich gleich mit Kunst auseinandersetzen wird." Quer durch alle Bevölkerungsschichten hätten Bürger auf dem Weg zur Einwohnermeldestelle an den erotischen Darstellungen Anstoß genommen. Die drei fraglichen Bilder, die jetzt wieder in Mancinis Atelier stehen, zeigen unbekleidete Oberkörper und entblößte Brüste von Frauen. In ihrer Pose erinnern die Frauen eher an Venus- oder Eva-Darstellungen der Renaissance als an pornografische Schmuddelbilder. Entsprechend überrascht zeigte sich die Künstlerin: "Die Nacktheit gehört einfach zur Kunst. Ich konnte nicht fassen, dass es heutzutage noch solche Grenzen gibt", sagt sie. Sexualität und nackte Haut sei in vielen auch nicht künstlerischen Darstellungen dauerpräsent." (WN 27.11.2014)

Sabine Reyer: "Integration" und „Sheltered Positions Part 2“, Finanzbehörde Hamburg 2014/15

Zwei Werke der Künstlerin aus Kirchwerder wurden vom Veranstalter, der Finanzbehörde Hamburg, schon im Vorfeld der geplanten Präsentation "Herzliche Grüße" (Eröffnung 5.2.2015) "aussortiert". Begründung: "Ihre beiden Arbeiten „Integration“ und „Sheltered Positions Part 2“ besitzen einen starken politischen/religiösen Inhalt. Sie sind geeignet, bei Betrachtern – insbesondere Angehörigen muslimischen Glaubens – Irritationen bis hin zu möglicherweise verletzten Gefühlen zu erzeugen. Solche Situationen können für die Finanzbehörde Hamburg durchaus zu Konflikten mit der Öffentlichkeit führen, da diese von der Annahme ausgehen kann, die Finanzbehörde als Hausherrin mache sich die religiösen/politischen Aussagen Ihrer Arbeiten zu eigen. Eine solche Entwicklung gilt es zu vermeiden, zumal es sich bei dem Dienstgebäude der Finanzbehörde um ein öffentliches Gebäude handelt, in dem politische Neutralität gegenüber seinen Besuchern zu wahren ist. Das Kunstkuratorium kann die Präsentation der beiden vorgenannten Arbeiten daher nicht zulassen." (Bergedorfer Zeitung 24.1.2015)

Staatsanwaltschaft beschlagnahmt Darknet-Ausstellung der Mediengruppe Bitnik, St. Gallen 2015

Die schweizer Medienkünstler hatten für ihre Ausstellung mit dem “Random Darknet Shopper” einen Bot gebaut, der im Darknet automatisiert nach einem Zufallsprinzip dort angebotene Sachen kauft und sich das schicken lassen, um diese öffentlich auszustellen. Geliefert wurden u.a. MDMA-Pillen, gefälschte Jeans und der Scan eines ungarischen Passes. Am Tag nach der Beendigung der Ausstellung in Sankt Gallen wurde sie von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt. Die !Mediengruppe Bitnik protestierte dagegen und sieht sich in ihrer Kunstfreiheit verletzt. (netzpolitik.org 16.1.2015)


"Die Bestie und der Souverain", Museum für zeitgenössische Kunst in Barcelona (MACBA) 2015

Laut Kuratoren hat der Direktor des Museums für zeitgenössische Kunst in Barcelona (MACBA), Bartomeu Mari, die Ausstellung “The Beast and the Sovereign” am Tag der Eröffnung (18. März 2015) abgesagt. Die “unauflösbaren Unstimmigkeiten” zwischen dem kuratorischen Team und dem Direktor des MACBA beziehen sich auf Ines Doujak’s Skulptur “Not Dressed for Conquering” aus ihrem langfristigen Kunst- und Forschungsprojekt “Webschiffe / Kriegspfade”. Der Direktor des MACBA hält dieses Werk, das auch als eine Karikatur des ehemaligen spanischen Königs, Juan Carlos I, gelesen werden kann, als „unangemessen“ für eine Präsentation im MACBA. (per offener email von der Kuratoren)

Aktionskunst

„Anti-Nazi-Spray“ gegen "Nazi-Schwein", 1968

Beamte des 14. politischen Kommissariats der Kölner Kripo besuchten die Galerie „art intermedia“ in Köln um dem Besitzer Helmut Rywelski zu erklärten, dass er das schwarz-rot-gelbe Nazischweinchen des Düsseldorfers Pop-Künstlers H.P. Alvermann nicht mehr in Schaufenster stellen dürfe, weil „möglicherweise eine Verunglimpfung der Bundesfarben“ vorliege. Rywelski holte deshalb das vom Berliner Bernhard Höke entworfene „Anti-Nazi-Spray“ und desinfizierte das Schwein. (Spiegel 5 1968)

„Anti-Nazi-Spray“ gegen "Nazi-Schwein"

Otto Muehl: Materialaktion, Braunschweig 1970

Viel Blut, viel nackte Haut und viel Scheiße - 1970 führte der Wiener Aktionist Otto Muehl in Braunschweig ein Happening auf, worauf 18801 Bürger Unterschriften gegen die „obszöne Sauerei“ des Herrn Muehl protestierten. Auch in der Kunstkritik des „Spiegels“ bekam die Aktion „ihr Fett ab.“ (Spiegel 5 und 7 1970)

Manfred Spies: „Polizei-Terror“, Düsseldorf 1977

Der Künstler aus Düsseldorf wollte mit seiner Plakat-Aktion an einer Werbefläche in der Düsseldorfer Innenstadt „Terror“-Versionen der Polizei anprangern und ward bald von Polizei umstell. Spies hatte die „Selbstverwirklichungswand“ zwar selbst gemietet, fand aber keine Unterstützung bei den Passanten. Eine wütende Menschenmenge hatte seine Plakatwand völlig zerfetzt. Danach plante Spies mit einem Spielzeuggewehr sein nächstes Werk zu bewachen. Motto des geplanten „Anschlags“: „Wann sind wir soweit, die Meinungsfreiheit mit Scharfschützen“ zu verteidigen?“ (Spiegel 45 1977)

Manfred Spies: „Polizei-Terror“, Düsseldorf 1977


Bettina Flitner: „Mein Feind“, Köln/Berlin 1992

Die Kölner Fotografin fragte in der Fußgängerzone von Köln und Berlin Frauen nach deren Feinden und was sie mit diesen Feinden tun würden. Dazu gab es Plastikwaffen zur Auswahl. Anschließend fotografierte Flitner die Menschen mit den Waffen. Überlebensgroß wurden die Fotos mit der Aussage zum "Mein Feind" in der Kölner Schildergasse ausgestellt. Insbesondere zwei Fotos riefen Protest hervor: Eine Frau mit einem Schwert und dem Spruch "Mein Feind? Der Papst! Den würde ich zum Wohle der Menschheit umbringen" und eine andere Frau mit einer Maschinenpistole und dem Spruch "Mein Feind sind alle Politiker. Die scheißen uns doch nur an. Jetzt wieder mit der Steuer. Einen hasse ich besonders: den kleinen Dicken mit den kurzen Beinen und der Brille. Den könnte ich glatt totschießen." Die Provokation gelang: Empörte Bürger sahen in der Ausstellung einen "Aufruf zur Gewalt", das Ordnungsamt verbot die Ausstellung, bis der Kölner Kulturdezernent geklärt habe, "ob diese Fotos Kunst sind" und die Staatsanwaltschaft prüfte, "ob die Künstlerin sich wegen Volksverhetzung und Beleidigung strafbar gemacht hat." Schließlich eingite man sich darauf, die beiden besonders anstößigen Bilder hinter einer Kirchenmauer verschwinden zu lassen. (Stern 1992)

Jenny Holzer: „Da wo Frauen sterben, bin ich hellwach.“, Beilage Sdt. 1993

Die US-Künstlerin wollte 1993 auf die Gräuel des Balkankrieges aufmerksam machen und mischte Blut (zunächst war auch an Sperma gedacht worden) mit Farbe für den Druck des Magazins der Süddeutschen Zeitung. Aufkleber: „Da wo Frauen sterben, bin ich hellwach. Gegen diese Aktion wurde heftig protestiert. (Vgl. u.a. Spiegel 46 1993)

Edward Barton: "Stolen", 1993

Der britische Avantgarde-Künstler aus Manchester musste 1993 mit seinem Kunstwerk bei der örtlichen Polizei erscheinen. In einem Metallkäfig hatte er Bier- und Hundefutterdosen, Waschpulver- und Windelpakete sowie Spielzeug eingeschlossen und die so entstandene Skulptur akkurat betitelt: "Stolen" ("Gestohlen"). Tatsächlich hatte Barton die Waren von heimischen Dieben aus örtlichen Supermärkten für seinen künstlerischen Zweck zusammenklauen lassen. Obwohl der Künstler den Sinn seines Werks nicht deuten wollte und die Polizei die Sore an die Eigentümer zurückgab, kam Barton straffrei davon. Lediglich der Polizeichef von Manchester wollte sich nicht beruhigen: "Diebe zu kriminellen Taten zu überreden, um eine Kunstausstellung bestücken zu können", so Steve Murphy, "ist das allerletzte. Nur Verrückte nennen so was Kunst." (Spiegel 2 1993)

Marlene McCarty: "Die Hose runterlassen! Amt für Straßen- und Brückenbau", 1993

Für ein Kunstprojekt ersetzte die Amerikanerin auf einer innerstädtischen Grünfläche fünf dort angebrachte Schilder durch täuschend echte Imitationen. Statt "Zelten verboten" hieß es nun: "Die Hose runterlassen! Amt für Straßen- und Brückenbau". Mitarbeiter der genannten Behörde fühlten sich diffamiert und entfernten die McCarty-Schilder samt einiger danebenstehender Kartoffelsäcke des Berliner Künstlers Fritz Rahmann. Vergeblich klagten die Organisatoren des Gesamtkunstwerkes auf dessen Wiederherstellung. Zwar dürften, so urteilte das Bremer Verwaltungsgericht, die despektierlichen Schilder wieder angebracht werden, aber "aus Kostengründen" bestehe "für die Benutzung der Amtspfähle kein Anlaß". Auch sei die Freiheit der Kunst keineswegs beschnitten worden, "da sich die Reichweite der Kunst von vornherein nicht auf die Inanspruchnahme fremden Eigentums erstreckt". Einen Rüffel musste die Bremer Kultursenatorin Helga Trüpel einstecken: Sie hatte die Kunstaktion mit 80 000 Mark finanziert. "Ich kann nicht verstehen", schrieb ihr die Bausenatorin Eva-Maria Lemke-Schulte erbost, "daß Sie immer über Geldmangel klagen und solch ein Projekt fördern." (Der Spiegel 46 1993)

Schlingensief: "Mein Filz, mein Fett, mein Hase", 1997

1997 wurde Schlingensief bei seiner Kunstaktion Mein Filz, mein Fett, mein Hase auf der documenta X in Kassel von der Polizei festgenommen, da er ein Schild mit der Aufschrift „Tötet Helmut Kohl“ verwendete. Er rief auch „künstlerisch“ dazu auf, den FDP-Politiker Jürgen Möllemann zu töten. (wikipedia)

Oliver Karl Boeg: Gefälschte "Tagesschau", Karlaruhe 2004/2005

Die "Tagesschau" vom 22.9.2004 veränderte der Künstler Boeg für mehrere Karlsruher Kneipen: die Zuschauer wurden Zeuge eines (gefakten) Live-Terroranschlags - ein Mann stürmte in das Nachrichtenstudio und zwang die Sprecherin mit vorgehaltener Waffe, Botschaften über "das Böse" in der Welt zu verlesen. Die Aufregung war groß und landete schließlich vor Gericht. Die Kunstaktion wurde dort zunächst vom Amtsgericht als "Störung des öffentlichen Friedens eingestuft und der Künstler zu dreißig Tagessätzen verurteilt. (Der Spiegel 26 2005)


Gregor Schneider: Cube Venice, 2005/7

Der Künstler wurde offiziell eingeladen, zur Biennale 2005 auf dem Markusplatz in Venedig den CUBE VENICE 2005 zu realisieren. Kurz vor der Eröffnung wurde diese Skulptur auf dem Markusplatz aufgrund der „politischen Natur“, nach einer Entscheidung in Rom, verboten. CUBE VENICE 2005 sollte eine in Form, Funktion und Aussehen eigenständige Skulptur werden, von der Kaaba in Mekka inspiriert. Das in den Medien kontrovers diskutierte Kunstwerk wurde in der Folge auch auf dem Vorplatz des Hamburger Bahnhofs und einem Museum für zeitgenössische Kunst in Berlin kurz vor der Realisierung verboten. Letztlich realisierte Schneider sein Werk CUBE HAMBURG 2007 zwischen Alt- und Neubau der Hamburger Kunsthalle. (wikipedia)

Santiago Sierra: „245 Kubikmeter“, Stommeln, 2006

2006 musste Santago Sierra seine Arbeit in der ehemaligen Synagoge in Stommeln bei Köln nach heftigen Protesten vorzeitig abbrechen. Für die Arbeit „245 Kubikmeter“ hatte er im März Autoabgase in den Ausstellungsraum geleitet, in den dann die Besucher mit Gasmasken gehen konnten. U.a. protestierte der Zentralrat der Juden gegen die „niveaulose Aktion“. Das Einleiten von Auspuffgasen in den ehemaligen jüdischen Betraum sei „eine Beleidigung der Opfer", sagte der Generalsekretär des Zentralrates Stepphan J. Kramer. (u.a. Sdt. 4.7.2006)

Silke Wagner: Aktion gegen Abschiebung, um 2006 (vermutlich)

In Frankfurt erregte die Künstlerin Silke Wagner Aufsehen, weil sie einen Kleinbus in den Farben einer großen deutschen Fluggesellschaft streichen ließ. Sie wollte damit die Beteiligung des Unternehmens bei der Abschiebung von Flüchtlingen deutlich machen. Die Fluggesellschaft ließ die Benutzung des Buses gerichtlich untersagen. (MZ 23.11.2006)

“120 Bären“, Berlin 2006

Der Berlins Kultursenator Flierl wollte 2006 eine Kunstaktion mit 120 lebensgroßen, bunt bemalten Bären (Stellvertreter für die 120 UN-Mitgliedsstaaten) stoppen. Zunächst sollten die sog. Buddybären im Kreis um das unterirdische Mahnmal zur Bücherverbrennung aufgestellt werden, um im Rahmen der weltweiten Wanderausstellung für Völkerverständigung zu werben. Der Senator sah darin allerdings nur einen „kitschigen Massenaufmarsch“ von einem „ästhetisch und moralisch“ verschlissen Bärenmotiv. Die Jüdische Gemeinde aber stellte sich hinter das Projekt, weil es so das Mahnmal in den Mittelpunkt gerückt werde. (Sdt. 21.4.2006)

120 Bären“, Berlin 2006

Andre´ Pascal Stücher und Jan Andreas Enste, „Grüne Tür“, Münster 2006

Die beiden Künstler wollten frei nach der Literatur von H.G. Wells eine „Grüne Tür“ auf einem Bürgersteig in der Innenstadt installieren. Doch das Münsteraner Ordnungsamt beharrte auf der „Aufrechterhaltung eines störungsfreien Gemeingebrauchs“ und stellte dem auf die Freiheit der Kunst pochenden Künstlerduo „jau pas“ diverse Auflagen. So musste u.a. die Kunst mit Baken und Leuchten abgesichert werden. Die Idee der Arbeit: Man kann durch die Tür gegen einen Obolus von 10 cent ins Nichts gehen. Ein Mann stand davor, sprach “Das macht doch keinen Sinn“ zahlte die Münze, schritt durch und sagte abschließend: „So sinnlos wie mein Leben“ (WN 2006)

Grüne Tür

Versteckte Beleidigung des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadineschad durch "Surrend", 2006

In der englischsprachigen Zeitung Teheran Times erschien eine Anzeige mit dem Bild des Politikers, das mit einer beleidigenden, vor dem ersten Blick aber versteckten Botschaft versehen ist: Unter dem Bild stehen Propagandasprüche wie "Unterstützt seinen Kampf gegen Bush" oder "Iran hat das Recht, Atomenergie zu produzieren". Von oben nach unten gelesen ergeben die Anfangsbuchstaben der Sätze allerdings das Wort "Schwein". Die Aktion wurde von den Dänen als Akt der Solidarität und Wiedergutmachung für die Mohammed-Karikaturen verkauft.Dänen für den Weltfrieden, so lautete die Botschaft der Künstlergruppe. "Surrend" erklärte, sie habe mit ihrer Darstellung die junge Generation in der Islamischen Republik erreichen wollen. Die Anzeige richte sich nicht gegen das Volk, sondern gegen Ahmadineschad, der eine extreme Ideologie vertrete, sagte Jan Egesborg, ein Mitbegründer der Gruppe. (Stern.de 21.12.2006)

Grüne Tür

Falk Richwien: Kaninchen töten – Kunst?, Berlin 2006/9

Der Berliner Konzeptkünstler Falk Richwien köpfte zwei Kaninchen in einer Berliner Hinterhofgalerie vor ca. 40 Zuschauern. Daraufhin erstattete der Deutsche Tierschutzbund Strafanzeige. Das Gericht entschied für den Tierschutz und verurteilte den Künstler zu einer Geldstrafe. Die Aktion führte zu Tierschutzpetitionen und wird im Netz in zahlreichen Foren meist scharf verurteilt. (Sdt. 22.2.06, Spiegel online 2009 u.a.)

Dänische Künstlergruppe "Surrend" nennen Junta-Chef von Birma Mörder, 2007

Die Gruppe platzierte an der Zensur vorbei 2007 eine Zeitungsanzeige in der "Myanmar Times", die eine verschlüsselte Botschaft enthielt.. Auf den ersten Blick sieht die Anzeige in der englischen Ausgabe des birmanischen Wochenblattes wie eine Werbung für skandinavische Touristen aus. In der Schlusszeile steht aber ein Wort, dass rückwärts gelesen "Killer than Shwe" lautet. General Than Shwe war das Oberhaupt der Militärdiktatur. Die Anfangsbuchstaben eines vermeintlichen dänischen Gedichts in der Anzeige hingegen bilden das Wort "Freedom". (Welt 25.7.2007)

Gregor Schneider will Sterbenden ausstellen, Krefeld 2008

Die Idee führte zu scharfen Protesten und stieß auch bei NRW-Kulturstaatssekretär Grosse-Brockhoff auf Ablehnung. „Aber darf ich deswegen einen realen Sterbeakt öffentlich ausstellen? Muss Kunst nicht, nachdem alle Tabus gebrochen sind, sogar dazu beitragen, Tabus wieder zu errichten?“ Ein Sprecher von „Haus Lange“ (Krefeld), in dem die Aktion stattfinden sollte, erteilte dem Projekt seine Absage: „In unseren Museen wird es eine solche pietätlose Aktion unter gar keinen Umständen geben.“ (WN 22.4.2008)


   tätigen ROHR-DOKwww.rohr-doktor.de

Wim Delvoye, Art Farm China, laufendes Projekt seit 2004 Vor dem Schlachter gerettet: Auf die tätowierten Schweine wartet ein langes Leben Art Farm, Wim Delvoye, Kunst, Schwein, tatöwierte Schweine, Tattoo, Tier

Bis zu 140 000 Euro sind Wim Delvoyes tierische Kunstwerke wert Art Farm, Wim Delvoye, Kunst, Schwein, tatöwierte Schweine, Tattoo, Tier

Wim Delvoye, Art Farm China, laufendes Projekt seit 2004 Der Künstler hegt und pflegt seine Schweine. Ab einem Gewicht von 30 Kilogramm lassen sich die Tiere besonders gut tatöwieren. Art Farm, Wim Delvoye, Kunst, Schwein, tatöwierte Schweine, Tattoo, Tier

Wim Delvoye, Art Farm China, laufendes Projekt seit 2004 2004 gründete der Design-Porn-Künstler seine „Art Farm“ Art Farm, Wim Delvoye, Kunst, Schwein, tatöwierte Schweine, Tattoo, Tier

Wim Delvoye, Art Farm China, laufendes Projekt seit 2004 Ist das Kunst? Für den Meister der Provokation spielt diese Frage keine Rolle.

Wim Delvoye, Art Farm China, laufendes Projekt seit 2004 Von der Märchenfigur bis zu Jesus-Christus-Motiven: Delvoyes Kreativität sind keine Grenzen gesetzt

Wim Delvoye, Art Farm China, laufendes Projekt seit 2004 Superheld der Kontroverse: Wim Delvoye

Wim Delvoye, Art Farm China, laufendes Projekt seit 2004 Eine Betäubungsspritze soll die Vierbeiner vor Schmerzen bewahren

Wim Delvoye, Art Farm China, laufendes Projekt seit 2004 Immer zugegen: zwei Tierärzte

Wim Delvoye: Art Farm China, 2004/2008

Der belgische Künstler Wim Delvoye tätowierte bis 2008 lebendige Schweine. Seine „cochons tatouées“ lösten eine Debatte über den artgerechten Umgang mit Tieren und die ethischen Grenzen der zeitgenössischen Kunst aus. Delvoye provozierte Proteste zahlreicher Tierschützer, auch Brigitte Bardot übte Kritik. In Deutschland wäre die Aktion nicht erlaubt worden. (Fokus online 26.8.2010)

Auktionsangebot bei ebay: Angela Merkel


Zentrum für Politische Schönheit – Angela Merkel bei ebay zum Verkauf angeboten, 2009

Um ein Zeichen gegen die allgemeine Politikverdrossenheit zu setzen hatten Berliner Künstler vom Zentrum für Politische Schönheit Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier im August 2009 im Internet-Auktionshaus ebay (philippinische Plattform) zum Verkauf angeboten. Beide Politiker wurden in den Angeboten als „visionslos, antriebslos und uninspirierend“ beschrieben, der Artikelzustand als „gebraucht“ definiert („ höchst bietend an Selbstabholer“). Der Erlös der Auktion sollte an das „Seerosen für Afrika“-Projekt gehen. Dieses sieht vor 1000 schwimmende, fest verankerte Plattformen auf dem Mittelmeer zu installieren, um Bootsflüchtlinge zu retten. Nach Angaben der Initiatoren aber wurde die Auktion vom Kanzleramt gestoppt. Zunächst hatte es laut Aussage des beteiligen Künstlers Philipp Ruch einen „relativ unfreundlichen“ Anruf aus dem Bundeskanzleramt gegeben, der in der Forderung gipfelte, die Auktionen zu stoppen. Ruch hatte nach eigenen Angaben dem Anrufer angeboten, die Kanzlerin „für 5,6 Millionen Euro freizukaufen“, woraufhin der Mitarbeiter auflegte. Bis zum Abschalten lag das Gebot für die Kanzlerin bei 3030 philippinischen Pesos (ca. 44,50 Euro). Mehr als 10.000 Besucher hatten die Auktionsseite mit Kanzlerin aufgerufen. Schon vor dieser Aktion war das Zentrum für Politische Schönheit durch einige Kunstaktionen, die stets auf Politik und Gesellschaft zielten, in die Schlagzeilen geraten. Etwa am 8. Mai , als ein junger Mann auf einem Pferd bis zur Tür des Bundestages ritt und dort zehn Thesen zur Schönheit an die Tür nagelte. Als die immer rußverschmiert auftretenden Künstler im selben Monat zur Bundespräsidentenwahl vor dem Bundestag ein Gedicht vortragen wollten, hielt die Polizei die Aktion für eine Demonstration und stellte gegen alle Beteiligten Strafanzeige. Bild Die bislang größte Aktion war eine Gedenkveranstaltung zum Massaker in Srebrenica (1995), bei der die Künstler im Juli 2009 am Brandenburger Szenen der entscheidenden Sitzung des UN-Krisenstabes nachspielten. (ZDF-heute-online 12.8.2009)

Auktionsangebot bei ebay: Angela Merkel

Guillermo Habacuc Vargas, Folter eines Hundes, Costa Rica 2007/2009

Der Künstler ließ einen Hund verhungern und machte ein Video darüber. Heftige Proteste und Vorwürfe begleiteten die Aktion. (online)

Anna Odell: "Kunstfack", Stockholm 2009

In ihrer Abschlussarbeit war die Künstlerin nur leicht bekleidet und scheinbar verwirrt im Januar 2008 auf eine Brücke gegangen, um - so der Anschein - sich ins kalte Wasser zu stürzen. Besorgte Passanten riefen die Polizei, die Odell in die Psychatrie brachten. Dort angekommen schlug sie so lange um sich, bis sie fixiert wurde. Am nächsten Morgen klärte sie das Personal über die Aktion auf. Odell wurde wegen falschen Alarms, Widerstand gegen die Staatsgewalt und "unredlichen Verhaltens" angeklagt. (Sdt. 27.8.2009)

Künstlerin Anna Odell

Christoph Büchel: "Element 6" - "Swinger"-Kunst, Österreich 2010

In der Wiener Secession richtete der Schweizer Künstler einen Swingerclub ein. Daraufhin wurde u.a. gefordert, der Secession als Kunstverein alle Subventionen zu streichen.

Christoph Büchel: "Element 6"


Tinkebell: Künstlerin quält 100 Hamster, Amsterdam 2011

Als sie ihren todkranken Kater zu einer Fellhandtasche verarbeite, bekam die holländische Konzeptkünstlerin Tinkebell hasserfüllte Mails aus aller Welt. 2011 wurde sie vor Gericht gestellt, weil sie bei einer Installation fast 100 Hamster vier Stunden lang in Laufrädern strampeln ließ. Höchstens 30 Minuten wären zumutbar gewesen, fand die Staatsanwaltschaft und verlangte vor dem Bezirksgericht in Amsterdam eine Geldstrafe von 950 Euro. Gegen die Hamster-Aktion der Künstlerin in einer Amsterdamer Galerie war im Jahr 2008 nach Anzeigen von Tierschützern die Polizei eingeschritten. die 31-Jährige hatte damit einen oft gedankenlose Umgang mit Haustieren anprangern wollen. "Gegen einen Hamster im Tretrad sagt niemand etwas, gegen 100 plötzlich doch", sagte sie. Den bislang größten Wirbel löste Tinkebell 2004 mit der Präsentation ihres Katers Pinkeltje als Handtasche aus. Damit wolle sie hinterfragen, wieso die Gesellschaft die Verarbeitung von Millionen von Nutztieren zu Konsumgütern hinnimmt, erklärte sie. Sie wolle "doppelte Moral" entlarven. Einige empörte Katzenfreunde drohten ihr damals im Internet mit Mord. (FAZ 9.1.2011)

Penis-Alarm: Schüler ätzen riesige Phallus-Symbole in Rasen, Fairfield College in Hamilton, Neuseeland 2009/2011

Mit einer ordentlichen Portion Herbizid ätzten Schüler in Neuseeland sechs Riesen-Penisse in den Schulrasen. Der Direktor war empört, doch nun bringt es seine Lehranstalt gerade wegen der Schweinerei zu Berühmtheit. Denn die Phalli sind ein echter Hingucker bei Google Earth. Bereits im Mai 2009 sollen Schüler der neuseeländischen Lehranstalt an einem Wochenende ihre wilden Kunstwerke fabriziert haben. Mit einem Unkrautvernichtungsmittel ätzten die bis heute nicht identifizierten Täter insgesamt sechs Phallus-Symbole in den Boden der Schulhöfe. Als der Direktor tags darauf in die Schule kam, war das Gras an den betroffenen Stellen bereits so verbrannt, dass nichts mehr zu machen war. International berühmt wurden die Gras-Phalli allerdings erst 2011: Der aus Hamilton stammende David McQuoid war im Internet auf der Suche nach einem Haus und schaute sich bei Google Earth Satellitenbilder an, als er plötzlich auf die eigentümlichen Malereien stieß: "Zuerst dachte ich, das ist ein großes Kunstwerk", sagte er der "Waikato Times". Dem Direktor der Schule, Gerhard van Dyk, sind die Zeichnungen schon seit zwei Jahren bekannt - von deren künstlerischem Anstrich war er aber bereits damals weniger überzeugt. Der Schulleiter wollte Google Earth bitten, die Bilder zu entfernen. Doch der Satellitendienst teilte der "Waikato Times" mit, dass dies bei direkt von Satelliten übertragenen Bildern nicht funktioniere. In Internetforen rief die Aktion geteilte Reaktionen hervor. Während einige Nutzer die Einstellung der heutigen Jugend beklagten, zeigten sich andere schwer begeistert von dem Coup. Ein Leser von "gawker.com" schlug gar vor, eine nationale "Penis-Woche" auszurufen. (Spiegel online und Sdt. 9.6.2011)

Künstlergruppe "Onkel Saft" nackt auf der Brücke, Norwegen 2012

Die Künstlergruppe hatte auf youtube ein Video gestellt, auf dem zu sehen ist, wie acht junge, unbekleidete Männer sich vor dem Eingangsportal der Tondheimer Hochschule zu harten Beats bewegen. Die Leitung der Universität war empört und sprach von "niederem Humor und schlechter Kunst". (Spiegel 16 2012)

Performance: "Der Tod als Metamorphose" oder Welpen töten, Berlin 2012

In einer Eilentscheidung untersagte das Berliner Verwaltungsgericht eine "Performance" auf einer Spandauer Bühne, bei der zwei kleine Hunde getötet werden. Die Antragstellerin hatte die Aktion damit begründet, dass sie gegen Tierquälerei protestieren wolle. Denn in Alaska und Spanien würden nach ihren Angaben ausgediente Schlitten- und Jagdhunde auf gleiche Weise umgebracht. (Sdt. 28./29.4.2012)


Bert Jansen lässt eine tote Katze fliegen, Amsterdam 2012

Die Katze Orville, benannt nach dem Luftfahrt-Pionier Orville Wright, war von einem Auto überfahren worden, woraufhin der Künstler diese ausstopfen ließ und für eine Ausstellung in einen Helikopter verwandelte. „Orvillecopter“ heißt das Werk. Es wurde auf dem Kunstrai Kunst Festival in Amsterdam gezeigt. Per Fernsteuerung kann der Künstler seine Kreation in der Luft balancieren. Jansens Aktion löste eine breite Debatte im Internet ausgelöst. Tierschützer fordern mehr Respekt und warnen vor Nachahmern. (bild de 4.6.2012)


Busen-Malerin im Fernsehen, Thailand 2012

Der Auftritt der Malerin Duangjai Jansaunoi bei der Talentschau 'Thailand's Got Talent' rief die Kulturministerin von Thailand auf den Plan. Sie bestellte die Produzenten der Talentschau ins Ministerium ein, weil frau die Verrohung der Sitten befürchtete. Die Künstlerin hatte mit Hilfe von Farbe auf dem blanken Busen Bilder gemalt und sich mit dieser Kunst im Fernsehen präsentiert. (Sdt.20.6.2012)


Klage gegen das Kunstprojekt "25000-Euro", 2012

Das "Zentrum für politische Schönheit" musste eine Aktion, die Mitglieder der Familie hinter der Waffenschmiede Krauss Maffei-Wegmann in der Öffentlichkeit exponierte, einstellen. Gegen die Aktion "25000-Euro" war Klage eingereicht worden. Bei der Aktion waren mittels eines "Steckbriefes" die Familie hinter der Waffenschmiede Krauss Maffei-Wegmann öffentlich gemacht worden. Sie war sofort nach dem Start kontrovers diskutiert worden, wobei vor allem die Frage nach einer möglichen Denunziation aufgeworfen wurde. (heise online 30.6.2012)

Foto von der Aktion
screenshot von der website 25000-euro.de mit geschwärzten Bildern


Meese: Hitler-Gruß, 2013

Das Amtsgericht Kassel hat den 43-jährigen Künstler 2015 von dem Vorwurf freigesprochen, ein Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen verwendet zu haben. Meese hatte im SPIEGEL-Gespräch zum Thema "Größenwahn in der Kunst" in Kassel eine "Diktatur der Kunst" gefordert und den Arm zweimal zu dem verbotenen Gruß gehoben. "Es ist klar, dass der Angeklagte sich nicht mit nationalsozialistischen Symbolen oder Hitler identifiziert, sondern das Ganze eher verspottet", sagte die vorsitzende Richterin. Es sei bei seiner Performance um eine Kunstdiskussion gegangen, urteilte sie weiter. Zudem sei die Atmosphäre auch im Zusammenhang mit der damals bevorstehenden Weltkunstausstellung Documenta "aufgeladen mit Kunst" gewesen. Mit dieser Begründung folgte die Richterin dem Plädoyer der Verteidigung. Die hatte argumentiert, der Hitlergruß, wie Meese ihn verwendet hatte, sei Teil einer Inszenierung gewesen und keine persönliche Äußerung des Künstlers. Die Staatsanwaltschaft hatte Meese vorgeworfen, "den Hitlergruß wieder salonfähig zu machen", und eine Geldstrafe von 12.000 Euro gefordert. Allerdings droht Meese in Mannheim weiterer juristischer Ärger. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen möglicher Volksverhetzung. Der Künstler hatte bei einer Theateraufführung im Juni mehrmals den Hitlergruß gezeigt und eine Alien-Puppe mit einem Hakenkreuz beschmiert. (Spiegel online 16.8.2013)


Bram van Brutus (Brutus) - Aktionen und Street-Art, u.a. 2013

Brutus war in den neunziger Jahren unter anderem Namen Europa weit aktiv unterwegs und einer der meist gesuchtesten Graffiti Streetart Künstler Dortmunds. Er arbeitet meist unerkannt und bemüht sich seine Identität geheim zu halten. In den letzten Monaten sorgte er für mehre Kunstskandale in Frankreich,Griechenland Deutschland und den Niederlanden . Unter anderem veröffentlichte er eine Lebens große gekreuzigte Gummipuppe im Mcdonald Design mit Hakenkreuzbinde eine alte VHS Kassette mit der Aufschrift Papst Sextape und mehre Euro Banknoten mit Zeichnungen,Zitaten zum Thema Kapitalismus – Menschenrechte.Schickte auf seine provokante Art Kopien gestohlener Avantgarde Künstler wie Picasso,Henri Matisse,Claude Monet zurück ins Museum. (Quelle C. Cramer)

Skandal-Papst-Plastik

Streit über Fettecken-Schnaps, Düsseldorf 2014

Die Künstler Markus Löffler, Andree Korpys und Dieter Schmal hatten im Museum Kunstpalast in der ausstellung "Kunst und Alchemie" aus den über 30 Jahre alten Fettresten einer Beuys-Arbeit erst 80-prozentigen Alkohol gebrannt und diesen dann zu 50-prozentigem Schnaps verdünnt. Besucher der Aktion durften den Schnaps probieren. Die Wirte von Joseph Beuys, Eva Beuys, verurteilte die Aktion dreier Künstler in Düsseldorf als «unglaubliche Unverschämtheit». «Das Urheberpersönlichkeitsrecht meines Mannes wurde in gemeiner Weise verletzt», sagte Beuys der «Bild». Vor Gericht ziehen wolle sie aber nicht. «Das sind dumme, unfein empfindende Menschen.» «Das ist nicht irgendein Blödsinn, den wir uns ausgedacht haben», sagte Korpys dazu. «Das ist auch kein Spaß gegenüber Joseph Beuys.» Vielmehr ordne sich die Aktion in das Werk der Künstler ein, die schon aus einer Schokoladenbüste von Dieter Roth und aus blauen Farbpigmenten von Yves Klein Schnaps hergestellt haben. Außerdem sei Beuys ein «Verfechter der Freiheit der Kunst» gewesen. «Von daher müsste sie (Eva Beuys) es locker nehmen.» (WN 24.7.2014)

China zensiert Kröte, weil sie Ex-Präsident Jiang Zemin ähnelt, Peking 2014

Weil sie dem früheren Präsidenten Jiang Zemin ähnelt, wurde eine aufblasbare Kröte 2014 Opfer der chinesischen Internetzensur. Das 22 Meter hohe Kunstobjekt war im Juli im Yuyuantan-Park aufgestellt worden. Kurz danach waren dann alle Berichte über die Kröte, Chinas traditionellen Glücksbringer, im Onlineauftritt der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua und dem Internetportal Seibo verschwunden. Nur auf zweitrangigen Nachrichtenseiten waren sie noch zugänglich. Jiang Zemin war KP-Chef, Staatschef und Vorsitzender der Zentralen Militärkommission. Seine leichten Hängebacken hatten ihm schon früher bei einigen Internetnutzern den Spitznamen "Kröte" eingebracht. (WN 24.7.2014)


Snowden-Büste in Park geschmuggelt, USA 2015

Mitten in der Nacht stellten unbekannte Künstler im April 2015 eine Büste des Whistleblowers Snowden im Forte-Greene-Park in Brooklyn auf. Doch die Behörden entferten die 1,20 Meter hohe und 45 Kilogramm schwere Büste aufs Revolutionary War Memorial - ein Denkmal für getötete Kriegsgefangene des Amerikanischen Unabhängigkeitskriegs - nach wenigen Stunden. Schon bei Tagesanbruch war die Aktion vorbei. Laut Polizei ordnete die Stadtverwaltung die Entfernung der Büste an. Und am Abend lag die Skulptur als Gegenstand von Ermittlungen im 88. Polizeirevier. In einer Erklärung äußerten sich die Aktivisten zu den Beweggründen für ihre Aktion: Sie hätten das Denkmal für die US-Kriegsgefangenen "aktualisiert", um auf jene aufmerksam zu machen, die im Kampf gegen moderne Tyrannen ihre Sicherheit geopfert hätten. "Es wäre eine Schande für die hier Geehrten, nicht jene zu würdigen, die die Ideale schützen, für die sie kämpften - so wie es Edward Snowden tat, indem er die Gesetzesverstöße durch das NSA-Überwachungsprogramm ans Licht brachte." (heute de 7.4.2015)

Streit um „Heroin-Performance“, Frankfurt 2015

Es soll ein plakatives Zeichen gegen die Aufwertung des Bahnhofsviertels und für den Verbleib von Drogenabhängigen an der Taunusstraße werden: Eine Person soll sich am Wochenende wie ein Heroinsüchtiger eine Substanz in den Arm spritzen – vor Publikum. Das Künstlerkollektiv „Frankfurter Hauptschule“ spricht von einer „Heroin-Performance“, mit der es sich gegen die Initiative „Tab – Taunusstraße, Arts and Bites“ wendet. Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) wollte die Aktion, die von Freitag bis Sonntag jeweils abends in einer Galerie in der Kaiserpassage stattfinden soll, verbieten lassen. (Die Welt 13.11.2015)

Künstler Max Uwe Jensen klebt seinen Penis an Luthers Thesen-Tür, Wittenberg 2016

Fast nackt, nur in Socken und mit einem orangefarbenen Schal bekleidet, hat der dänische Performance-Künstler Max Uwe Jensen2016 vor der Thesentür der Schlosskirche in Wittenberg für Aufsehen gesorgt. „Ich habe meinen Penis mit Klebeband an die Tür geklebt“, beschreibt der 46-Jährige die Aktion. Dazu deklamierte er in gebrochenem Deutsch das berühmte Luther-Zitat „Ich stehe hier, ich kann nicht anders, Gott helfe mir“. Die Polizei wirft dem Künstler "Exhibitionistische Handlungen und Hausfriedensbruch" vor. Jensen ist bereits mehrfach mit seinen Aktionen aufgefallen. Im dänischen Aarhus soll er im Januar 2005 in eine Wasserinstallation von Olafur Eliasson uriniert haben. Im Dezember 2014 machte Jensen Schlagzeilen, als er ein Porträt der Nackt-Prominenten Kim Kardashian mit seinem Penis in Acryl malte. Erst kürzlich soll es nach Informationen des norddänischen Nachrichtenportals NordJyske.dk zu einem Gerangel mit Mitarbeitern eines Museums in Aalborg gekommen sein, als diese ihn daran hindern wollten, auf einen Spiegel zu urinieren. Jensen spricht von Notwehr, der dänische Fernsehsender TV2 hatte den Angriff sogar gefilmt. (7.11.2016)

Foto

Helmut Newton: Nordfleisch, regensburg 1982

Die Ausstellung "Nordfleisch" zeigte Nacktphotos des Fotograften Newton Newton zunächst in Köln und München. Die "Ostdeutsche Galerie" aber verweigerte eine Schau. Das Museum, von Bund, Ländern und der Stadt gegründet, soll laut Satzung ostdeutsches Kulturgut wahren. Die Sudetendeutsche Landsmannschaft argumentierte, Newtons kühle Akte verletzten die Würde der Frau. Der Protest ging bis zum Bundespräsidenten, das Museum gab nach. Gegen den Diskriminierungsvorwurf half auch nicht einmal der Hinweis auf die Entstehungsgeschichte des Titels. Die "Nordfleisch"-Idee war Lagerfeld im Blick auf den Namenszug einer Hamburger Kühlfirma eingefallen (Spiegel 29 1982)


Robert Mapplethorpe: Jim and Tom, Ohio 1990

1990 wurde der Museumsdirektor vom Contemporary Arts Center Cincinnati (Ohio)erstmals ein Museumsdirektor wegen Verbreitung von Pornographie vor Gericht gestellt. Grund für die Anklage war eine Ausstellung mit Arbeiten des 1989 verstorbenen Robert Mappelthorpe, unter denen auch Fotos aus der schwulen Sado-Maso-Szene zu sehen waren. Die Arbeiten wurden während der Ausstellung beschlagnahmt. Vor Gericht allerdings wurde der Direktor freigesprochen. (Spiegel 42 1990)

Sol LeWitt-Motive: Guckloch, Washington 1964/1991

Elizabeth Broun, die Direktorin des National Museum of American Art (Washington), wollte aus der Ausstellung über zeitgenössische Fotografie u.a. ein „entwürdigendes“ Werk von Sol LeWitt entfernen. Der hatte verteilt über zehn Guckkästen einen Frauenakt gezeigt, der sich auf Bildausschnitte bis auf eine Verengung zum Nabel entwickelte. (Spiegel 33 1991)

Sol Lewitt "akt", 1964

Jürgen Baldiga in "Links vorm Schloß", 1994

Gegen den AStA-Öffentlichkeitsreferenten Thomas Behm wurden 1994 Ermittlungen wegen des "Verdachts der Verbreitung pornographischer Schriften" eingeleitet. Stein des Anstosses: das Foto eines Mannes, der seinen Penis selbstquälerisch in die Länge zieht. Das Foto stammt vom Künstler Jürgen Baldiga und war in der Januar-Ausgabe des AStA-Magazines "Links vorm Schloß" abgedruckt worden. (Ultimo 6 1994)

Nobuyoshi Araki: Fotos, Japan 1995

Der japanische Fotograf wurde vor allem in seinem Heimatland (dort galt bis in die 80er/90er Jahre hinein das Zeigen von Schamhaar als Gesetzesverstoß) immer wieder mit dem Vorwurf der Pornographie konfrontiert, weil zu seinen bevorzugten Motiven nackte, gefesselte Frauen gehören.

John Sturges: Fotos, USA 1998

Tugendwächter in Tennessee brachten ein Verfahren gegen die US-Buchhandelskette Barnes & Noble in Gang, weil diese "obszönes Material" in Reichweite von Kindern ausgestellt habe. Auch in Alabama mußte das Unternehmen sich mit den Ermittlungsbehörden auseinandersetzen. Sie warfen Barnes & Noble Verbreitung von Kinderpornographie in 32 Fällen vor. Die beanstandeten Bücher stammen von den Fotografen Jock Sturges, David Hamilton und Sally Mann, die seit Jahren nackte Kinder am Strand, auf einem Bärenfell oder duschend fotografieren. Die Verfahren wurden allerdings nicht von Staatsanwälten oder Sheriffs in Gang gebracht, sondern von christlichen Bürgergruppen. Das ist der bisher größte Erfolg des erzkonservativen Radiomoderators und Anti-Abtreibungsaktivisten Randall Terry, der eine Kampagne gegen die drei berühmten Künstler führte - Sturges-Fotos sind beispielsweise im New Yorker Metropolitan Museum ausgestellt. (Spiegel 12 1998)

Sturges Foto

Elisabeth Ohlson: Ecce Homo, Schweden 1998

Die umstrittene Ausstellung der schwedischen Fotografin wurde in der Domkirche von Uppsala gezeigt. Dabei waren 12 Fotos zu sehen, auf denen Jesus u.a. in Gesellschaft von schwulen Jüngern gezeigt wurde. Die Fotos waren berühmten Gemälden nachgestellt. Die Ausstellung löste heftige Proteste aus.(Spiegel 44 1998)

Larry Fink: „Forbidden Pictures“, Mannheim 2005

Eine Serie von „Forbidden Pictures“ mit Puffbildern von George W. Bush, Donald Rumsfeld u.a. prominenten Politikern (nachgestellt mit Doppelgängern) wollte der US-Fotograf Larry Fink als satirischen Kommentar verstanden wissen. Die auf den Internationalen Fototagen in Mannheim/Ludwigshafen gezeigten Arbeiten aber wurden heftig debattiert und mit Blick auf die Ausstellungsfähigkeit kritisiert. (Spiegel 24 2005)

Larry Fink: „Forbidden Pictures“, Mannheim 2005

Rip Hopkins, Frühstück im Grünen, 2006

Cyrille Geslin, Aufseher im Musée d`Orsay, und der britische Fotograf Rip Hopkins sorgten mit der Veröffentlichung einer eigenwilligen Deutung von Manets „Frühstück im Grünen“ für helle Aufregung auf der Fotomesse „Paris Photo“. Das ausgestellte Foto mit dem nackten Museumsangestellten war Ende 2006 im Auftrag des Museums anlässlich des 20-jährigen Bestehens entstanden. Nach dem Konzept des Fotografen durften sich die Mitarbeiter selbst in Szene setzen und auf den Auslöser drücken. Der junge Geslin bot sich an, als männliches Pendant zu Manets nackter Frau zu posieren. Der Museumsdirektor war entsetzt und so sollte die Arbeit eigentlich nie an die Öffentlichkeit gelangen, weil es angeblich „der Würde des Museum schadet.“ (Spiegel 48 2008)

Rip Hopkins, Frühstück im Grünen, 2006

Jill Greenberg: Fotoserie „End Times (Weinende Kinder)“, L.A. 2006

Die Künstlerin Jill Greenberg provozierte mit einer Fotos von Kindern im Alter von 2-3 Jahren, die zuvor für das Shooting zum Weinen gebracht worden waren (etwas indem ihnen kurz einen Lutscher gegeben und dann sofort wieder weggenommen worden. Die zunächst in L.A. gezeigte Show führte zu heftigen Protesten und wüsten Beschimpfungen etwa in Form von Hitler-Vergleichen. Der US Blogger Andrew Peterson meinte: „Jill Greenberg ist eine kranke Frau, die eingesperrt und wegen Kindesmissbrauch bestraft gehört“. (Spiegel 31 2006 und Sdt. 28.7.06)

Greenberg: End Times, 2006

„euroPART. Aktuelle Kunst aus Europa“, 2005

Die Aktion des Veranstalters „25peaces“ wurde in Österreich heftig diskutiert. SPÖ, FPÖ, Feministinnen und die Boulevardpresse entrüsteten sich über großformatige Plakate, die im öffentlichen Raum anlässlich des turnusmäßigen EU-Vorsitzes Österreichs gezeigt wurden. U.a. wurden die Queen, George W. Bush und Jacques Chirac in eindeutigen Posen präsentiert und in Anlehnung an Courbet eine Frau mit weit gespreizten Beinen und nur mit einem knappen, 15 EU-Sterne tragenden Slip bekleidet, gezeigt. Der österreichische Staatssekretär für Kunst verurteilte die Plakate der Europa-Kampagne als „sexistisch“ und „die Menschenwürde verletzend“. (Welt 30.12.2005)

Plakat aus der Serie:„euroPART. Aktuelle Kunst aus Europa“

Jürgen Teller: Fotos für "032c", 2011

Die Fotos schockierten den Zeitschriftenhandel so sehr, dass sie als "pornographisch" eingestuft wurden. Folge: Der Handel durfte das Heft nur in separaten Räumen anbieten. (FAZ 12.6.2011)

Spencer Tunick: Nacktes Meer, 2011

Für seine Fotosession am Toten Meer hatte der amerikanische Künstler 1000 Nackte eingeladen. Die konnten nur unter strengster Geheimhaltung an den Ort der Aufnahme kommen, da ultrarechte Eiferer in Israel zu Protesten angesichts der vermeintlichen Provokation aufgerufen hatten.


Facebook-Profil aufgrund von Aktbild gesperrt, 2013

Das Pariser Museums Jeu de Paume hatte 2013 aufgrund einer aktuellen Ausstellung in Werk der französischen Fotografin Laure Albin Guillot (1879 bis 1962) auf seiner Facebook-Seite hochgeladen. Daraufhin wurde es 24 Stunden gesperrt. Der Grund: Nacktbilder sind auf Facebook nicht erlaubt und die historische Schönheit entblößte sich obenrum. Das auf zeitgenössische Foto- und Videokunst spezialisierte Museum prangerte daraufhin eine „Zensur“ von Seiten des US-Internetriesen an. „Nicht zwischen einem Kunstwerk und einem Bild mit pornographischem Charakter zu unterscheiden, ist eine nicht nur zweifelhafte, sondern vor allem gefährliche Vermischung.“ (FAZ 8.3.2013)

Graphik, Graffiti, Plakat und Collage

Lysistrata Plakat von Beardsley beschlagnahmt, Düsseldorf 1968

1968 wurde das Plakat, das in einem Schaufenster eines Düsseldorfer Tierhändlers ausgestellt war, von der Polizei konfisziert. Grund: Unzucht. (konkret 1968 Archiv)


Franz von Bayros: "Das galante Werk", 1969

1969 wurden die beiden bibliophilen Bildbände des Wiener Jugendstilmalers von einem Mainzer Amtsgericht für "unzüchtig" befunden. (konkret 9 1969)

Eberhard Eggers: Grafiken, 1970

In Dortmund wurden 3000 Plakate des Grafikers Eggers mit einem Silbersteifen überklebt, weil die Stadt die Darstellung mit einer Dame, die sich in kauernder Stellung gegen ein "penisähnliches Gebilde" lehnt so nicht aufhängen wollte (konkret 14 1970)

Rainer Hachfeld: F.J. Strauss-Karikaturen und "Wir rufen die Jugend der Welt", 1971

In der Zeitschrift politisch-orientierten "konkret" hatte der Zeichner u.a. mehrfach wiederholt Karikaturen veröffentlicht, die den damaligen Bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß als kopulierendes Schwein darstellten. Wegen Beleidigung wurde er daraufhin zu einer Geldstrafe verurteilt. Um die Prozesskosten zu decken wurde eine "Sammlungsbewegung zur Rettung der politischen Karikatur" ins Leben gerufen. Sie brachte u.a. ein zweifarbiges Hachfeld-Poster "Wir rufen die Jugend der Welt" passend zur Olympiade in München 1972 heraus. Das BVerfG wies seine Verfassungsbeschwerde 1987 zurück und urteilte, Hachfelds Karikatur verletze die Würde des Menschen und sei nicht durch die Kunstfreiheit gedeckt. (wikipedia/Spiegel 12 1971)

Hachfeld-Poster: "Wir rufen die Jugend der Welt"

Klaus Staeck: "Gerhard Löwenthal - Abschalten wenn dieses Bild erscheint", 1971

Die Aufkleber mit dem "Law and Order"-Fernsehjournalisten wurden auf Wunsch von Löwenthal dem ZDF-Justitiariat vorgelegt.

Staeck-Aufkleber

Klaus Staeck: "Die Reichen müssen noch reicher werden - Deshalb CDU", (1973)

Die Verbreitung des Plakats wurde 1973 durch eine einstweilige Verfügung untersagt. Danach gestaltete Staeck das Plakat um in "Die Reichen müssen noch reicher werden - Wählt christdemokratisch". (Spiegel 43 1973)

Alfred Hrdlicka: Goldener (Penis)Winkel, 1973

In Deutschland wurde das Biedermeier-Erotikon „Wiener Blut“ (Rogner & Bernhard) anstandslos vertrieben. Im Nachbarland Österreich brachte der Verkauf einem Wiener Buchhändler drei Monate Kerker zur mit Bewährung ein. Der Bildhauer Hrdlicka protestierte mit vielen anderen Künstlern gegen das Urteil und veralberte die penible Anti-Porno-Justiz der Alpenrepublik mir einer Serie von Farbradierungen, der er den Titel „Wiener Blut“ gab. Die delikaten Blätter zeigen etwa mit einem „Goldenen (Penis)Winkel“ das Problem. Wann wird der Akt zur Pornographie. In Berlin, wo die Mappe bei Propyläen erscheinen sollte, hielt der Zoll die Sendung mit den Radierungen erst einmal fest. Danach ermittelte die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Verlag. (Spiegel 53 1973)

Alfred Hrdlicka: Goldener (Penis)Winkel, 1973

Madonna mit Raffinerie,1973

Passend zur Ölkrise gestaltete der Kölner Graphiker Andreas Schulz-Lemke sein Weihnachtsposter „Madonna mit Raffinerie“, das „die Allmacht von Kirche und Erdöl“ symbolisieren soll. Auf Rat seines Anwalts“ verzichtete der Graphiker aber darauf, dem Werk den vorgesehenen Text beizufügen: „Heilige Mutter Esso, bitte für eine warme Weihnacht!“ (Spiegel 52 1973)

"Madonna mit Raffinerie", 1973

Dirk Streitenfeld: "Aufrüstung ist sittenwidrig", 1984

Das Anti-Kriegs-Poster zeigt eine olivgrüne Unterhose, aus der eine stahlblaue Rakete ragt. Die Deutsche Städtereklame lehnte es ab, die großformatige Graphik auf den Werbeflächen in den Städten auszuhängen, da sie "gegen die guten Sitten" verstoße. (Spiegel 5 1984)

Philipp Jenninger vs. Klaus Staeck, Bonn 1986

Bundestagspräsident Philipp Jenninger protestierte 1986 gegen eine Ausstellung, die in der Hessischen Landesvertretung in Bonn anläßlich des zehnten Jahrestages des "Bonner Bildersturms" mit Plakaten von Klaus Staeck stattfand. Damals hatten CDU/CSU-Bundestagsabgeordnete, darunter auch Jenninger, die Staeck-Ausstellung gestürmt und einige der Plakate ("Mit der CDU zurück in die 50er Jahre") von den Wänden der Parlamentarischen Gesellschaft (Bonn( gerissen. Jenninger schrieb zur neuen Ausstellung einen Brief an den hessischen Ministerpräsidenten Holger Börner: Er verwahre sich dagegen, "daß in dieser Weise der Präsident des Deutschen Bundestages in übler Art in einer Veranstaltung der hessischen Landesregierung diffamiert wird". Börners Antwort:"Nach meiner Erinnerung nimmt Klaus Staeck Bezug auf eine zehn Jahre zurückliegende Handlungsweise des Bundestagsabgeordneten Dr. Jenninger. Es sei mir die Bemerkung gestattet, daß niemand aus seiner persönlichen Geschichte aussteigen kann, ohne daß ich damit jede einzelne Formulierung von Klaus Staeck bewerten möchte."(Spiegel 12 1986)

Plakat zur Ausstellung mit Jenninger-Motiv

Mathias Prechtl: Ludwig II., 1986

Ein Plakat mit Ludwig II. zu Prechtls Ausstellung "Denkmalerei des Malers Mathias Prechtl" in Passau wurde aufgrund der Intervention des Oberbürgermeisters a.D. Emil Brichta abgehängt werden. (Spiegel 16 1986)

Deutsche Ausgabe von "L´Espresso": Hitler-Karikaturen, 1987

Die deutsche Ausgabe wurde um einen achtseitigen Artikel zum Historikerstreit gekürzt, insbesondere weil der Artikel auch zahlreiche historische Karikaturen mit Hitler u.a. von Grosz (mit insgesamt fünf Hakenkreuzen) enthielt. Der Importeur befürchtete einen Verstoß gegen das Gesetz bzgl. der "Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen". (Spiegel 3 1987)

Karikatur von Grosz aus "L´Espresso"


Art Spiegelman: Der politisch unkorrekte Kuß, 1993

Der Künstler Art Spiegelman verärgerte mit einer Graphik sowohl die Mitglieder der jüdischen wie auch der schwarzen Gemeinde in New York. Er hatte für die Ausgabe des "New Yoker" auf der Titelseite einen orthodoxen Juden gemalt, der eine schwarze Frau küsst. Spiegelman wollte damit für eine „Versöhnung“ der beiden seit langem bis hin zu Gewalttätigkeiten verfeindeten Gruppen werben. Doch chassidistischen Juden ist es streng untersagt eine Nicht-Orthodoxe zu umarmen oder eine Frau öffentlich zu küssen. (Spiegel 7 1993)

Art Spiegelman Titel des New Yorker


Michael Dickinson: Collage Erdogan-Bush-Tiershow, Istanbul 2005

Der britische Künstler Michael Dickinson hatte für die sog. Friedensausstellung in Istanbul auf einer Collage den türkischen Ministerpräsidenten als Hund dargestellt, der auf einer Tier-Show von US-Präsident George W. Bush mit einer Schleife ausgezeichnet wird. Die Arbeit musste entfernt werden. Den Organisator der Ausstellung drohte eine Strafanzeige wegen „Beleidigung der Würde des Ministerpräsidenten“. Kein Einzelfall: Nach Angaben des türkischen Verlegerverbandes verklagte Premier Erdogan allein 2004 59 Künstler und andere Personen, die ihn kritisiert hatten. (Spiegel o. Nr. 2005)

Michael Dickinson "Tiershow"

Erika Lust: "Frau Orosz wirbt für das Welterbe", Dresden 2009

Auf dem Werk war die Dresdener Oberbürgermeisterin nackt (mit Amtskette) vor der fertigen Waldschlößchenbrücke abgebildet. Dagegen klagte die Politikerin und bekam vor Gericht recht. Die Künstlerin Erika Lust kündigte Berufung an. (MZ 4.12.2009)

"Frau Orosz wirbt für das Welterbe"

Philipp Scharbert: "Und jetzt meine Kleinen ... für Frankreich, Graffiti Münster 2010

Die Neugestaltung einer Garage mit einem Graffiti durch den Künstler Philipp Scharbert fand nicht das Wohlgefallen des Pfarrers Stephan M. Stölzel. Als Vorlage hatte Scharbert Comiczeichnungen von Roy Lichtenstein aus den Jahren 1963/64 gewählt auf denen u.a. ein Bomber, eine Rakete und auch eine Frau, die mit einer Pistole schießt, zu sehen waren. Der Pfarrer reklamierte, dass er von vornherein gesagt habe, dass er "Waffen auf keinen Fall dulde". Deshalb müßten die Graffitis wieder verschwinden. (MZ 12.11.2010)

Mario Lars: "Ey... du", Kassel 2012

Gedacht war das Werk als Ausstellungsplakat für die Caricatura-Ausstellung am Kulturbahnhof-Kassel. Doch die evangelische und katholische Kirche sowie die Freikirchen und die orthodoxe Kirche sahen die religiösen Gefühle von Christen verletzt und forderten, die Werbung abzuhängen. Ein Rentner erstattete sogar Anzeige wegen Blasphemie. (stern.de 23.8.2012)

Deutsche Bahn zeigt "Homosexualität_en"-Plakat, Münster 2016

2015 hing das Plakat schon einmal in allen Bezirken und Straßen von Berlin. Auch in der S-Bahn, die zur Deutschen Bahn gehört. 2016 war ein identisches Plakat der Deutschen Bahn zunächst zu "sexistisch". Es geht um ein Poster anlässlich der Eröffnung der Ausstellung „Homosexualität_en“ im LWL - Museum für Kunst und Kultur in Münster am 12. Mai 2016. Auf dem Plakat ist das "Körpermodifikationsprojekt 'Advertisment: Hommage to Benglis'" des_der kanadischen Künstler_in Heather Cassils zu sehen, auf dem er_sie mit nacktem Oberkörper, Jockstrap, Brustwarzen-Piercing und rot bemalten Lippen abgebildet ist. Das Bild soll Geschlechternormen infrage stellen. Die Bahn hat daraufhin die Firma Ströer angewiesen, die entsprechenden Plakate nicht in ihren Bahnhöfen aufzuhängen. Schließlich einigte man sich nach Protesten doch. (WN 11.5.2016)

Malerei

Masaccio: "Vertreibung aus dem Paradies", 1426/27

Bei dem Bild wurden die Geschlechtsteile von Adam und Eva mit einem Feigenblatt übermalt. Später wurde es restauriert und in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt. (u.a. wikipedia "Feigenblatt)

zensiert und unzensiert

Nackte Frau am Kreuz, Kurt Fahrner, Basel 1959/1980

Bereits im Frühjahr 1959 präsentierte der Maler Kurt Fahrner in Basel das Bild einer nackten, gekreuzigten Frau. Die Aktion führte über heftige Debatten im Parlament bis hin zu Hausdurchsuchungen und Verhaftungen. Das Gemälde landete gemäß dem Urteil der Schweizer Bundesrichter schließlich in der Asservaten-Kammer der Basler Staatsanwaltschaft: „Die Form des Kreuzes und die Inschrift am Kopf des Stammes erinnern den Christen unfehlbar an den Kreuzestod von Christus. Anstelle des Leibes Christi hängt jedoch eine nackte Frauengestalt am Kreuz, die mit gespreizten Beinen die deutlich sichtbare Scham offen zur Schau stellt, als ob sie zum Geschlechtsakt bereit wäre. Eine solche ans Unzüchtige grenzende Darstellung, mit dem Erlösungstod Christi in Parallele gesetzt …, verletzt in gemeinster Weise die religiöse Überzeugung anderer.“ Fahrner selbst wurde zu 100 Franken Buße und drei Tagen Haft auf Bewährung verurteilt. Als er 1978 starb, wurde eine große Retrospektive vorbereitet, wobei auch das schon fast vergessene Bild wieder in den Blickpunkt geriet und eine Herausgabe gefordert wurde. Selbst der Erste Staatsanwalt Basels, Hans Hungerbühler, schloss sich dieser Forderung an und dokumentierte in einer Stellungnahme, wie sehr sich Überzeugungen und Wertvorstellungen verschieben können: „Ich habe das Gemälde kürzlich besichtigt. Dabei ist mir – offen gestanden – erst richtig bewusst geworden, in welch grundlegender Weise sich die Anschauungen in den letzten 20 Jahren geändert haben. Ich glaube jedenfalls nicht, dass das Gemälde heute noch sittliche oder religiöse Gefühle verletzen könnte.“ (Spiegel 31 1980)

Roland Peterski: Englands Queen Elizabeth II. nackt auf dem Diwan, 1970

Das Öl-Gemälde (Format: 100 X 85 Zentimeter), für das der Künstler seine "Bekannte" Siu-Tan, 17, als Modell hatte posieren lassen, obwohl "man ja die Anatomie aus der bekleideten Erscheinung der Königin ablesen kann", sollte 1970 bei einer Kunstausstellung in der österreichischen Hauptstadt gezeigt werden. Der von Pleterski gemeinsam mit Wiener Werbeagenten ausgeheckte Plan, den englischen Botschafter Peter Wilkinson zur Bild-Betrachtung einzuladen, schlug allerdings fehl: Bei der Briten-Botschaft hatte man vorher vom königlichen Akt erfahren und so ein Sprecher -- lediglich "unser Außenministerium auf das Bild aufmerksam gemacht", ansonsten jedoch nichts unternommen, was dem Künstler zu Publicity verhelfen konnte. Pleterski über sein Werk (Preis: 11 200 Mark): "Ich male nur Menschen, die mir sympathisch sind. Dieser Akt ist also ein Akt der Sympathie." (Spiegel 47 1970)


Evelyn Kuwertz, Brigitte Mauch, Toja Wernery: „Situation der Frau in der Familie“, Berlin 1970/76

1970 entstand die Bildwand der drei Malerinnen. Als das Werk 1973 öffentlich ausgestellt werden sollte, legte der Berliner Schulsenator sein Veto mit der Begründung ein, dass die Arbeit „sittenwidrig“ sei. Vor allem die Darstellung einer putzenden Frau, der sich ein Mann von hinten nähert, wurde beanstandet. 1976 konnte die verbotene „Frauenwand“ dann doch in der Berliner Galerie 70 ausgestellt werden. (Spiegel 50 1976)

Evelyn Kuwertz, Brigitte Mauch, Toja Wernery: „Situation der Frau in der Familie“, Berlin 1970/76

Curd Jürgens: Unvorteilhafte Malerei, 1974

Die baden-württembergische Stadt Gaggenau hatte Künstlern den Auftrag gegeben, drei stadteigene Häuser durch Wandmalereien zu verschönern. Eines der Objekte wurde mit einem Meer bemalt, in dem u.a. Charlie Chaplin, Alfred Hitchcock, Marilyn Monroe und auch Curd Jürgens schwimmen. Dagegen protestierte der „Normanische Kleiderschrank“, da sein Abbild „in höchstem Maße unvorteilhaft“ sei und forderte unter Androhung juristischer Schritte die „schnellste Entfernung“. (Spiegel 44 1974)

Wandmalerei Curd Jürgens

Karl Heinz Meyer: "Frau Direktor S.", Düsseldorf 1974

In dem Bild erkannten Besucher der Galerie Vieler die Ehefrau von Gustav Schickedanz, dem "Quelle"-Besitzer. Per einstweiliger Verfügung versuchte Schickdanz dem Kunsthändler Vieler zu untersagen zu behaupten, das das Gemälde seine Frau zeige. Unbeanstandet blieb eine Graphit-Zeichnung eines dickbäuchigen Nackten mit Zigarre, Titel "Direktor S.", (Spiegel 12 1974)

"Frau Direktor S."

Wandbild: „Wasserfest – Loblied auf das Leben“, China 1981

Nach scharfen Protesten der Parteiführung in Jünnan (China) gegen die „Beleidigung der Würde unserer Frauen“ wurde das Wandbild „Wasserfest – Loblied auf das Leben“ zunächst verhüllt und dann durch ein Spanplatte völlig abgedeckt. Auf dem Bild sind Mädchen der Dai-Minderheit beim traditionellen Wasserfest – auch nackt – abgebildet. Das Fresko war ein Jahr vorher am Pekinger Flughafen erstmals der Öffentlichkeit übereignet worden. Es galt als Sensation, da es erstmals im kommunistischen China nackte Menschen öffentlich zeigte. (Spiegel 17 1981)

Fresko "Wasserfest" öffentlich
"Wasserfest" mit Vorhang
"Wasserfest" hinter Spanplatte,rechte Wand

Hellmuth Eichner: "Die Saubermänner" (1985)

Der Bonner Maler Hellmuth Eichner hatte zwecks Werbung für seinen Kunstband in der Buchhandlung Röhrscheid (Bonn) ein Bild mit dem Titel „Die Saubermänner“ ausgestellt. Nachdem verschiedene Anrufer das Werk als „Schweinerei“ und „Pornographie“ bezeichnet hatten, wurde es von Eichner durch das Bild „Kuh in den Rheinauen“ ersetzt. (Spiegel 50 1985) (Spiegel 50/85)

Hellmuth Eichner, "Die Saubermänner", vermutlich 1985

Wagritsch Bachschanjan: "Kreuzigung", 1985

U.a. wegen dieses Bildes wurde in Moskaus ein Prozess gegen Künstler und Ausstellungsmacher wegen der "Verletzung religiöser Gefühle" geführt. (Archiv)

Matthias Koeppel: "Schule der Neuen Prächtigkeit", 1987

Der Schöpfer der neuen Wandgemälde im Sitzungssaal des Berliner Senats verunsicherte seine Auftraggeber. Im Vordergrund eines 10 mal 2,85 Meter großen Panoramas von der Mauer hatte der Kunstmaler die Senatsrunde um Bürgermeister Eberhard Diepgen "als ganz normale Bürger ohne Heiligenschein". Der Senat fand sein 150000-Mark-Werk als "geschmacklos". Der Maler damals dazu: "Die haben sich vorher vielleicht mit mir nicht so befaßt." Er lehnte die Diepgen-Bitte, die Senatorengesichter zu übermalen, ab, berücksichtigte jedoch "Korrekturwünsche": Der Gesundheitssenator solle nun größer werden, der Innensenator, weil er auf die Folterkeller des früheren Gestapo-Hauptquartiers blickt, nicht mehr grinsen. Außerdem nahm Koeppel weitere Polit-Promis ins Bild, neben einem Igel als Symbol der Alternativen Liste den Parlamentspräsidenten sowie führende Sozialdemokraten. (Photo r.). Damit reichte es dem Maler aber. Kommentar: "Ich kann doch nicht den ganzen Berliner Sumpf abbilden." (Spiegel 16 1987)

Koeppel beim anfertigen des Wandgemäldes
Hinzugefügte Sozialdemokraten
Panoramabild

Michelangelo: „Jüngstes Gericht“, Italien 1989

Die schwebenden Schleier, die 1565 auf Geheiß der Kurie über das unverhüllte Geschlecht der Verdammten wie der Erlösten gemalt worden waren, sollten bei der Restaurierung des Riesenfreskos in der Sixtinischen Kapelle 1989 nicht wieder entfernt werden. (Spiegel 41 1989)

Robert Combas: „La Liancée de Belmondo", Paris 1990

Schauspieler Jean-Paul Belmondo wehrte sich gegen die Verwendung seines Kopfes als Kunstgegenstand vor Gericht. Ein Pariser Auktionshaus hatte ein Gemälde von Combas angeboten, in das zwei Fotos Belmondos eingefügt waren. Der Kläger kritisierte u.a., dass er von „unsympathischen Personen“ und einer „monsterartigen Frau mit rechteckigem Kopf“ umgeben sei. Das Gericht folgte seiner Argumentation. Spiegel 34 1990)

Robert Combas: „La Liancée de Belmondo"

Josef Löflath: Auftragsgemälde Landgericht Kempten, 1991

Nachdem Löflaths Auftragsgemälde (eine historisch verbürgte Hexen-Hinrichtung) für die Eingangshalle des Landgerichts Kempten beanstandet und getilgt worden war, nahm die örtliche Jury unter maßgeblichem Einfluß des damaligen Landgerichtspräsidenten Erwin Brunner 1991 auch am zweiten Versuch mit einer Barbusigem Anstoß: Die Darstellung der brustfreien päpstlichen Mätresse, rittlings auf einem Schwein sitzend, sei eine "Beleidigung fürs Auge" (Jury) und müsse durch Schicklicheres ersetzt werden. Löflath slebst gab sich hilflos: "Alle Darstellungen sind geschichtlich belegt." Aber da, wo die Barbusige zu sehen war, "da bleibt erst mal ein Loch im Gemälde." (Der Spiegel 32 1991)

Löflath mit dem beanstandeten Gemälde

Mel Ramos: Claudia Schiffer nackt, 1996/2000

Das Top-Model hatte 1996 gerichtlich durchgesetzt, dass die unverhüllten Schiffer-Porträts des Pop-Art-Malers nicht ausgestellt werden dürfen, 2000 erschien eine Abbildung im Focus zensiert. (Focus 29 2000)

Christopher Savido: "Porträt George W. Bush", 2004

Der US-Künstler stieß 2004 mit einem Porträt von Ex-US-Präsident George W. Bush auf wenig Gegenliebe. Die Manager der gerade eröffneten Chelsea Market in New York nahmen Anstoß an der Arbeit. Von Ferne betrachtet, zeigt das Bildnis hohe Ähnlichkeit mit Bush, aber der Blick aus der Nähe enthüllt, dass sich auf dem Bild Schimpansen in einer Art Sumpflandschaft tummeln. Das Werk wurde abgehängt, nach der Drohung der Marktleute, sie würden sonst die Kunstausstellung schließen. Savido ist einigermaßen fassungslos. "Es ist ein Porträt-Schrägstrich-Landschaftsbild, da schienen Affen Sinn zu machen." Im Übrigen hätte er nie erwartet, dass "in New York Zensur stattfindet", er fühle sich "machtlos". (Spiegel 52 2004)

Künstlergruppe „Blaue Nasen“: „The Candle of our Life“, Dresden, Moskau 2007

Das Bild sollte eigentlich in der Ausstellung „Learning from Moscow“ in der Städtischen Galerie in Dresden gezeigt werden. Es stellt Jesus mit kleinem Bierbauch, Silberkettchen und einer Kerze in der Hand dar, die vom russischen Nationaldichter Alexander Puschkin angezündet wird. Die Flamme wiederum wird durch die Hand vom damaligen Präsidenten Wladimir Putin gegen möglichen Unbill geschützt. Die Parodie auf die neue russische Dreifaltigkeit Kreml, Kunst und Kirche aber wurde vom Moskauer Zoll zurückgehalten. (Spiegel 22 2007)

Künstlergruppe „Blaue Nasen“: „The Candle of our Life“, Dresden, Moskau 2007

„Venus“ von Cranach – zu nackt, London 2008

Eigentlich sollte ein Plakat der nackten „Venus“ (1532) von Lucas Cranach dem Älteren (1472 bis 1553) in der Londoner U-Bahn für eine Ausstellung des großen Renaissance-Künstlers in der Royal Academy werben, aber den Verantwortlichen der Londoner Verkehrsbetriebe war es zu „anstößig“. Man befürchtete, die römische Göttin, einzig bekleidet von einem durchsichtigen Schleier, könne zur „Verstörung“ der Fahrgäste führen. Die „Venus“ befindet sich hinsichtlich ihrer Ablehnung in guter Gesellschaft: davor war ein Werbeplakat für einen Vibrator Marke „Zügelloses Karnickel“ zurückgewiesen worden. Nach heftigen Protesten entschuldigten sich die Londoner Verkehrsbetriebe und nahmen das Verbot zurück. (Spiegel 8 2008 und Bild 13.2.2008 online)

Jasper Joffes: „Himmler“-Porträt, 2008

Charles Saatchi, Kunstsammler jüdischer Herkunft, sah sich heftiger Beschwerden von jüdischer Seite ausgesetzt, nachdem er Jasper Joffes in Bonbonfarben gehaltenes Porträt von Heinrich Himmler gekauft hatte. Auf dem Porträt ist der für die Planung und Durchführung der Vernichtung der europäischen Juden verantwortliche Nazi in einer grünen Phantasieuniform zu sehen (Spiegel 8 2008)

Jasper Joffes: „Himmler“-Porträt, 2008

Béla Faragó: "Wollust", Erlangen 2010

Der Nürnberger Künstler malte in sieben drastischen Bildern die Todsünden. Auf dem Bild "Wollust" zeigte er eine nackte Frau mit gespreizten Beinen, daneben zwei Männern mit erigiertem Penis. Das brachte dem Künstler den Vorwurf der Pornographie ein. Proteste führten dazu, dass das Bild an Sonntagen verhüllt werden sollte. (WN 13.3.2010)

Béla Faragó: "Wollust"

Erika Lust: "Frau Orosz wirbt für das Welterbe", 2010

Auf dem Bild ist eine Frau zu sehen, die bis auf Strümpfe mit Strapsen, Schuhen, einer goldenen Amtskette und einem Tuch, das nichts verhüllt, nackt ist. Im Hintergrund sind Brückenbögen zu sehen, die sich auf die Diskussion um die sog. Waldschlösschenbrücke bezieht. Über deren Bau wurde über Jahre heftig gestritten mit dem Ergebnis, dass die Stadt Dresden an den Bauplänen festhielt und das Welterbekomitee Dresden daraufhin den Welterbetitel aberkannte. Der Titel des Bildes legt einen Zusammenhang zwischen den Ereignissen, der Darstellung und der gleichnamigen Oberbürgermeisterin Orosz nahe. Die fühlte sich auch prompt verunglimpft und zog vor Gericht und gewann den ersten Prozess, in dem über Kunstfreiheit und Persönlichkeitsrechte gestritten wurde. Die Künstlerin ging in Berufung und malte weiter: "Frau Orosz wirbt für das Weltkulturerbe II" (es zeigt eine Person in Burka vor der Brücke) und "Das Rosa Wunder" (es gleicht dem Skandalbild, aber die dargestellte Frau trägt nun ein rosafarbenes Höschen). (Spiegel 15 2010)

Erika Lust: "Frau Orosz wirbt für das Welterbe" (zensierte Fassung)
Erika Lust: "Frau Orosz wirbt für das Welterbe II"
Erika Lust: "Das Rosa Wunder"

Wandgemälde "Dostojewskaja", Moskau 2010

Ursprünglich sollte das Wandgemälde die neue Moskauer Metrostation "schmücken". Es wurde aber als zu "brutal" abgelehnt. Auf dem Marmorgemälde ist ein Mann zu sehen, der eine Frau mit einer Axt erschlägt. Das Bildmotiv ist Dostojewskis Roman "Schuld und Sühne entlehnt. Eine Psychologe warnte davor, dass die Station zu einer Pilgerstätte für Selbstmörder werden könne. Die Eröffnung der Station wurde verschoben. (Sdt. 15./16.2010)

Micky Maus als Heiliger und Jesus als Werbefigur, Moskau 2010

wegen einer Ausstellung mit solchen Werken sollten die beiden Moskauer Kunstexperten, Andrej Jerofejew und Juri Samodurow, drei Jahre ins Straflager. der Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautete: Aufwiegelung zu religiösem Hass. (MZ 23.6.2010)

Surrend: Margrethe II. und der Gruppensex, Dänemark 2010

Margrethe II.wurde 2010 Opfer einer pornografischen Kunstattacke. Das Kopenhagener Aktionskünstlerduo Surrend malte Dänemarks oberste Familie beim Gruppensex. Für eine Ausstellung in einem Århuser Museum, dessen Schirmherrin die Königin ist, wurde das majestätsbeleidigende Gemälde nicht angenommen. Jan Egesborg von Surrend klagte, das sei "Zensur": "Die Meinungsfreiheit in meinem Land gilt nur, wenn man sich über Muslime lustig machen will." Er fand eine andere Ausstellungsstätte - die deutsche Galerie Caricatura in Kassel erklärte sich bereit, das umstrittene Werk ausstellen. (Spiegel 42 2010)

Nadia Plesner: Dafurnica, Dänemark 2011

Die dänische Künstlerin hatte in Anlehnung an Picassos "Guernica (1937) im Januar 2011 ein monumentales Bild gemalt, um auf den Völkermord in Dafur aufmerksam zu machen. Auf dem Bild war u.a. eine Vuitton-Tasche zu sehen. Der Modekonzern behauptete, dadurch sei das Urheberrecht verletzt (hinzugefügt: dem Konzern entstehe dadurch wirtschaftlicher Schaden) und setzte gerichtlich eine Verfügung durch,das LV-Zeichen in welcher Form auch immer zu verwenden. Bei Zuwiderhandlung wurden 5000 Euro je Tag zu Gunsten von LV durchgesetzt. Vor Gericht bekam die Künstlerin jedoch recht. Ansonsten wäre die Künstlerin ruiniert gewesen: mittlerweile waren fast eine halbe Million Euro an Zahlungen aufgelaufen. (u.a. Welt online)

Facebook verbannt weibliches Genital von Websites:Als Gustave Courbet „L’Origine du Monde“ (1866, Der Ursprung der Welt), April 2011

Benutzer, die das Bild ins Netz gestellt hatten, mussten feststellen, dass die Zensoren des sozialen Netwerks ihre Seiten unzugänglich gemacht hatten. Nicht erst bei Courbet haben Facebooks „Untersuchungsmannschaften“ zugeschlagen. Die New Yorker „Academy of Art“ musste immer wieder erleben, dass Aktbilder aus ihrer Sammlung, darunter von Richard T. Scott, John Wellington, Judy Fox, and Steven Assael, von ihrer Facebook-Seite entfernt wurden. Auf ihrem Blog fragte die Akademie, ob Facebook sich anmaßen wolle, „die Kunst zu kontrollieren“. Als die „New York Times“ die Geschichte aufgriff, entschuldigte sich ein Sprecher des Netzwerks. „Wir prüfen täglich Tausende Seiten, und natürlich machen wir ab und zu Fehler.“ Die Bilder seien so „lebensecht“, dass sie Facebooks Kontrolleure „getäuscht“ hätten. Allerdings: Die Facebook-Regeln, die alle User mit dem Eröffnen eines Accounts akzeptieren, verbieten ausdrücklich das Posten von Inhalten, die zum Hass aufrufen oder Menschen bedrohen, sowie „Pornografie und Nacktheit“. Wouters und der ebenfalls wegen Courbet von Facebook zensierte dänische Künstler Frode Steincke riefen deshalb dazu auf, dem Facebook-Gründer Mark Zuckerberg „Courbet zu zeigen“, indem möglichst viele User das Bild hochladen. (weltonline 15.4.2011)

Gustave Courbet „L’Origine du Monde“

Brett Murray: "The Spear" - Portrait Präsident Jacob Zuma, Südafrika 2012

Das Bild wurde als "obszön" eingestuft, weil auf ihm die Genitalien von Präsident Jacob Zuma zu sehen sind. Nach einem Streit zwischen der Regierung in Südafrika und der ausstellenden Goodman Gallery in Johannesburg, entschied die Galerie das Bild nicht mehr auszustellen. Die Regierungspartei „African National Congress“ (ANC) zog daraufhin eine Klage gegen die Galerie zurück. Unterlegt war die Diskussion nicht nur mit der Frage nach der Kunstfreiheit, sondern auch mit der Frage nach Rassismus. Denn Murray ist ein weißer Künstler aus Kapstadt, Zuma ist schwarz. (Sdt. 25.5.2012)


„Portrait of Ms Ruby May, Standing“ der Künstlerin Leena McCall, London 2014

Die Mall Galleries, die das Werk im Rahmen einer Ausstellung der Society of Women Artists zeigten, haben es nach Protesten von Besuchern abgehängt. Begründung: Kinder könnten vom Anblick der lasziven Dame verstört werden. Die Entscheidung der Galerie hat in Großbritannien eine heftige Debatte um Pornografie und Zensur ausgelöst. (Der Spiegel Nr. 30 2014)

Das Wort "Neger" im Kopenhagener Museum für Kunst gestrichen, 2016

Unter 200.000 Kunstwerken seines Hauses fand direktor Peter Nørgaard Larsen 13 Mal das Wort "Neger" und einmal "Hottentotten". Das war dem Leiter des Staatlichen Museums für Kunst in Kopenhagen zu viel. Er ließ das Wort in den Beschreibungen der Kunstwerke durch "Afrikaner" ersetzen. Auch bei einigen Titeln von Kunstwerken wurde das Wort gestrichen, etwa bei dem Gemälde "Negerkopf" des niederländischen Hofmalers Karel van Mander III. Das Bild heißt jetzt "Kopf eines Afrikaners". Die Sprecherin betonte aber, man habe keine Originaltitel geändert, die von den Künstlern selbst stammten. Umbenannt worden seien nur solche, die Kunsthistoriker in der Vergangenheit namenlosen Kunstwerken gegeben hatten. Der Umgang mit rassistischem Vokabular in bildender Kunst, Literatur und Filmen aus der Vergangenheit sorgt immer wieder für Kontroversen. Zuletzt entzündete sich 2014 ein Streit daran, dass ein schwedischer Fernsehsender aus den Verfilmungen des Kinderbuchklassikers "Pippi Langstrumpf" von Astrid Lindgren das Wort "Negerkönig" und eine weitere diskriminierende Szene entfernte. Schon 2013 hatte der Friedrich Oettinger Verlag bekannt gegeben, Wörter wie "Neger" und "Zigeuner" aus seinen Übersetzungen von "Pippi Langstrumpf" zu streichen. Auch um Ottfried Preußlers "Die kleine Hexe" und Michael Endes "Jim Knopf" gab es 2013 Diskussionen wegen rassistischer Begriffe. (spiegel online 7.6.2016)

"Kopf eines Afrikaners" oder "Negerkopf"?

Objekte und Installationen

H.P. Alvermann, 1970

(konkret 16/70) Alvermann hatte rosige Sparschweinchen aus Plastik in den Bundesfarben angemalt und mit einem Hakenkreuz versehen. Diese Arbeiten wurden von der Düsseldorfer und Kölner Polizei zu Hunderten beschlagnahmt.


Günter Godor "Erzwungener Ausstieg", 1985

Das künstlerisch verfremdete Schrottauto wurde zunächst als Mahnmal "auch aus künstlerischer Sicht" gelobt, dass den "Gedanken zum Umweltschutz" verbreiten würde, gelobt. Als der Künstler es dann auf einem Grünstreifen in München platzierte, griff die Feuerwehr auf Veranlassung von Kreisverwaltungsreferent Peter Gauweiler ein und entfernte den "Schrott-PKW" auf Kosten des Künstlers.

Georg Herold: „Mekka“, Essen 2003

Im Folkwang-Museum Essen wurde zunächst die Arbeit „Mekka“ von Georg Herold gezeigt - ein schwarzer Kasten bespannt mit einer Unterhose. Muslime empfanden das als Verunglimpfung der Kaaba. Daraufhin wurde das Werk in „Mokka“ umbenannt und entschärft. (Sdt. 11.3.2006)

Tomi Ungerer: Öffentliches WC, Plochingen 2007

Ein WC in Form einer Kuppel von riesigen, nachts angestrahlten Pobacken wurde entgegen der Planung im schwäbischen Städten Plochingen nicht gebaut. Das Vorhaben von Ungerer stieß zunächst bei der muslimischen Gemeinde des Städtchens auf Widerstand, weil das WC an eine Moschee erinnere. Einen zweiten Einwand gab es wegen des geplanten Standortes mit in der Gemeinde direkt gegenüber der Kirche. Der Bürgermeister hatte zunächst um einen neuen Entwurf ohne die anrüchige Kuppel gebeten („vielleicht mit Wolken und einer Sonne darüber“). Ungerer aber wollte nicht mehr, da ein „zentrale Element“ seines Entwurfes nicht realisiert werden sollte. (Welt 7.2.2007)

Tomi Ungerer: Öffentliches WC, Plochingen 2007

Babak Saed: "Gehorche keinem", Münster 2009

In riesigen roten Lettern hatte der im Iran geborene Künstler den Schriftzug anbringen lassen. es sollte ein Geschenk der Staatskanzlei an die Uni sein und den Studierenden Mut zur Gedankenfreiheit machen Doch alsbald regte sich Protest: Angestellte der UB wurden mit dem Anarchismus-Vorwurf bedacht, Theologen witterten Gotteslästerung und ein Dozent Hübner vom Institut für Sportwissenschaft sah in einem offenen Brief Freiheit und Demokratie bedroht. (MZ 27.10.2009)

"Gehorche keinem" UB Münster

Ärger mit Stones-Toiletten in Lüchow, 2012

Für die Rolling Stones hat der ehemalige Banker Ulrich Schröder in Lüchow ein eigenes Museum errichtet, das aufgrund seiner Toiletten für reichlich Wirbel sorgte: Die seien nämlich angeblich frauenfeindlich. Die Diskussion begann mit einem Bericht über das Museum in einer lokalen Zeitung begann. Was folgte war eine Welle von Leserbriefen, in denen von „unverhohlener Diskriminierung“ und „frauenverachtender Entgleisung“ die Rede war. Weil die Stadt auch noch 100 000 Euro für die Verwirklichung von Schröders Museum zugeschossen hatte, wurde auch noch Steuerverschwendung vermutet. Ausgelöst haben den Wirbel zwei Pissoirs in der Herrentoilette des Museums. Die „Kisses“-Urinale der niederländischen Künstlerin Meike van Schijndel sind eng an das Logo der Rocker angelehnt – geformt wie weit aufgerissene Münder, die Öffnungen eingerahmt von knallroten Lippen. Nur die Zunge fehlt. Vor Jahren gab es wegen dieser Becken bereits wütende Proteste von Feministinnen in New York und Wien. „Es ist ein Aufschrei durch die Bevölkerung gegangen – allein bei mir hat sich etwa ein Dutzend Frauen beschwert“, sagte die Gleichstellungsbeauftragte Marianne Jönsson-Olm von der Samtgemeinde Lüchow. Die Urinale halte sie für nicht zumutbar, betonte sie. „Das ist Kunst“, verteidigte Schröder seine Becken. Und frauenfeindlich seien sie auch nicht: „Beim Originalmund der Stones mit der berühmten Zunge ist auch gar nicht klar, ob das ein Männermund oder ein Frauenmund sein soll“, so Schröder. Und während in New York die Urinale nach Protesten von Frauenrechtlerinnen entfernt wurden, sollen sie in dem Stillen Örtchen im ruhigen Lüchow noch immer zu finden sein: „Das bleibt alles so, wie es ist“, erklärt Schröder: „Da wird nix abgebaut, die bleiben dran!“ (u.a. Focus online 29.1.2012)


Ken wird zu Jesus, 2014

Die beiden argentinischen Künstler Marianela Perelli und Pool Paolini bastelten aus den Spielzeug-Klassikern Ken und Barbie religiöse Figuren: Ken wurd zu Jesus am Kreuz, Barbie zur Heiligen Magdalena. Neben christlichen Figuren gestalteten die Argentinier auch Barbie-Modelle mit Vorbildern aus dem Buddhismus und dem Hinduismus. Provozieren wollen Perelli und Paolini Gläubige allerdings nicht, gleichwohl die Forderung nach einer Zensur bald erhaoben wurde. (Yahoo finc. 28.9.2014)

Zürich Transit Maritim, 2015

Ein gewaltiger Hafenkran aus Rostock nach Zürich exportiert und dort als Kunstobjekt aufgestellt, löste unter der Bevölkerung Proteststürme aus. Der "Industriemüll" solle doch in Deutschland bleiben, war die Meinung vieler Züricher, die eigens dafür eine Volksinitiative ins Leben riefen. Beovr diese aber endgültig zur Abstimmung kam, wurde der Kran abgebaut. (FAZ 8.1.2015)


Flatz: „Der Adolf war’s!“ -Hakenkreuz auf Motorhaube, 2017

Auf der Motorhaube eines alten VW Käfer prangt, überm Schwarz-Rot- Gold, ein Hakenkreuz. „Der Adolf war’s!“, nennt der österreichische Aktionist Wolfgang Flatz sein Reiz-Objekt, mit dem er auf die NS-Geschichte des Konzerns anspielt. Die Arbeit wurde zunächst in der Ausstellung „Deutschland unter der Haube“ im Wolfsburger Gewerkschaftshaus ausgestellt und dann nach Protesten entfernt. Für viele IG-Metaller ist die Installation eine Herabwürdigung der Wertarbeit Abertausender Volkswagen-Werker. Der Künstler hingegen sieht die Ablehnung als Zensur – wider die Freiheit der Kunst. Die Arbeit wurde daraufhin in das von der VW-Stiftung getragene Kunstmuseum ausgestellt. (FR 30.3.2017)

Skulptur

Symbol der Arbeit – Symbol der Sparsamkeit, Santander (Spanien) 1969

Ursprünglich sollten zwei von der Stadtsparkasse in Santander für 30 000 Mark in Auftrag gegebene Bronzestandbilder als Symbol der Arbeit (männliche Statue) und der Sparsamkeit (weibliche Statue) nicht aufgestellt werden. Die Stadtväter hatten Einspruch erhoben, weil die Statuen unbekleidet waren und, so die offizielle Begründung, die Einwohner von Santander noch nicht reif genug wären, um Kunst von Pornographie zu unterscheiden. Erst nachdem der Bischof von Santander die Figuren als „ehrenwerte Symbole menschlicher Werte“ bezeichnet hatte, konnten sie enthüllt werden. (Spiegel 19 1969)

Symbol der Arbeit – Symbol der Sparsamkeit, Santander (Spanien) 1969


Edwina Sandys: "Christ", New York 1976

Die Churchill-Enkelin hatte eine Christus-Figur mit weiblichen Formen aus Bronze hergestellt, um "das Leid der Frauen künstlerisch aus(zu)drücken" (Sandys). Das französische Nachrichtenmagazin "L`Express" kritisierte das Kunstwerk scharf und befürchtete, Churchill werde "sich im Grabe herumdrehen". (Spiegel 3 1976)

"Christa"

Bernd S.: "Kunst im Knast" - Skulptur zur Justiz, 1987

Im Rahmen des Projektes hatte der Strafgefangene seine Vorstellung von der Justiz in Beton gießen lassen: ein Robenträger, auf einem Auge blind, der verächtlich auf zwei Gestrauchelte blickt. Die Aufstellung der Skulptur wurde untersagt, weil ein solches Richterbild für die Justiz nicht tragbar sei. (Spiegel 3 1987)

Zensierte Richter-Skulptur

Ferstl: Madonna mit Kind, Weilheim1991

Zum Glaubensstreit um eine bronzene Madonna kam es 1991 in Weilheim (Oberbayern). Der Bildhauer Ferstl war damit beauftragt worden, eine Madonna für eine Brücke zu fertigen. Die Enthüllung der Skulptur kurz vor Weihnachten geriet zum Desaster, weil die dargestellte Maria bereits „enthüllt“ war und Maria leicht bekleidet und leger auf ihrem Sockel hockend zeigte. Eine Ärztin vom Freundeskreis Maria Goretti an, der u.a. über die „Reinheit und Keuschheit“ der bayrischen Jugend, sah durch die Plastik die „Königin des Himmels und der Erde auf die Stufe unserer Zeit herabgezogen“. Beistand erhielten die Gegner vom damaligen Ministerpräsidenten Streibl, der sich gegen „eine solche Beschmutzung der Ehre“ der Gottesmutter verwahrte. In der heftigen Diskussion wurde der Abbau der Madonna gefordert. (Spiegel 7 1991)

Ferstl, Madonna mit Kind, 1991

Ernst Fuchs (?): Esther, o.J., aufgestellt 1991

Zur Gründung des „Kunsthauses Dr. Hans Hartl“ in Freising mit Arbeiten des Wiener Phantasten Ernst Fuchs, wurde als Prunkstück eine acht Zentner schwere Nackt-Skulptur der biblischen Esther vor dem Ausstellungshaus aufgebaut. Die Freisinger waren empört und forderten die Skandalfigur zu verhüllen. (Spiegel 9 1991)

Ernst Fuchs (?): Esther, o.J., aufgestellt 1991

Patrig Le Goarnig: Hl. Anna, Frankreich 1992

Die Brester "Laienvereinigung der Freunde der Heiligen Anna" hatte den Bildhauer Le Goarnig beauftragt, die Schutzpatronin der Bretonen zu gestalten. Doch die Auftraggeber waren über die "allzu weiblichen Formen" entsetzt und verlangten, die aus Granit gehauene Figur "zu korrigieren". Der Bildhauer lehnte ab. Danach wurde ein Theologe beauftragt, die Statue zu begutachten: Er sollte die Rundungen fachmännisch " mit den Augen eines Theologen" beurteilen ( (Spiegel 35 1992)

Marc Quinn: „Selbstporträt“, Arnheim 1993

In der niederländischen Stadt Arnheim stellte der britische Bildhauer Marc Quinn sein „Selbstporträt“ aus: ein aus Polyester bestehender nackter Mann mit erigiertem Penis. Daraufhin forderte der örtliche Rat der Reformierten Kirche ultimativ die Entfernung der lebensgroßen Figur. Die Politik weigerte sich diesem Ansinnen nachzukommen. (Spiegel 33 1993)

Marc Quinn: „Selbstporträt“, Arnheim 1993

John Skinner: Nackter Mann, Abbotsbury England 1994

Die hölzerne Skulptur mit ausgeprägtem Gemächte hatte der Künstler in seinem Garten ausgestellt. Die Bewohner des Dorfes fühlten sich durch das Werk beleidigt und verfügten eine Anordnung, dass das Werk entfernt werde. Nachts verhüllten Kunstgegner das Werk mit Windeln. (Spiegel 17 1994)

John Skinner mit seiner umstrittenen Skulptur

Frau Holle, Nordhessen 2004

Einen Sturm der Entrüstung löste die Skulptur "Frau Holle" in Nordhessen aus. Die am Hohen Meißner – dem höchstem Berg der Region - aufgestellte Skulptur der Märchengestalt war vielen zu "figurbetont" geraten. Den Worten folgten Taten: die drei Meter hoch und 1,3 Tonne schwere Holzskulptur wurde tätlich angegriffen und beschädigt. (WN 8.9.2004)

Reparatur von "Frau Holle"

„The Greek Slave“, Vermont (USA), 2005

James Douglas, republikanischer Gouverneur des US-Staates Vermont, befreite 2005 seinen Schreibtisch von zuviel nackter Symbolik befreien. Auf dem stand nämlich eine Lampe, deren Fuß der Skulptur „The Greek Slave“ (1843) nachgebildet war. Diese gilt zwar als Symbol für die spätere Abschaffung der Sklaverei, aber die pure Nacktheit wollte er Schülerbesuchergruppen nun dennoch nicht zumuten. (Spiegel 1 2005)

"The Greek Slave" 1843 (Nachbildung,Lampe)

Gregor Schneider: „Cube Venice 2005“, Venedig 2005

Schneiders von der Kaaba in Mekka inspirierte Skulptur mit dem Titel „Cube Venice 2005“ durfte auf der Biennale 2005 in Venedig nicht auf dem Markusplatz gezeigt werden. Denn der ca.15 Meter hohe schwarze Würfel konnte nach Ansicht der Aufsichtsbehörden dazu führen, dass Moslems sich provoziert würden. (MZ 16.5.2005)

Schneider, Cube Venice 2005 (Montage)


Günter Schumann: „Die Arschficker“, Schwerin, 2005

Gegen den Bildhauer Günter Schumann ermittelte die Schweriner Staatsanwaltschaft 2005 wegen Beleidigung, weil er eine Skulptur angefertigt und in der Öffentlichkeit gezeigt hatte, die laut Meinung der Staatsanwaltschaft „nach äußeren Erscheinungsbild zwei Polizisten beim Analverkehr“ zeigte. Der Künstler widersprach dieser Deutung nicht, schließlich hatte er die Figuren mit grünweißen Dienstmützen versehen und eindeutig als „Die Arschficker“ klassifiziert. Zugleich berief er sich auf die Freiheit der Kunst. Die war in einem Kontext gezeigt worden, der ursprünglich nur bedingt etwas mit dem Werk des Bildhauers zu tun hatte. Ein Nachbarschaftsstreit machte seine Anwesenheit vor Gericht notwendig. Der Bildhauer kam per Auto mit Anhänger zur Verhandlung, darauf fest gezurrt die umstrittene Skulptur und parkte damit direkt vor dem Haupteingang des Amtsgerichts Schwerin. „Das passte gerade gut, weil ich noch einen weiteren Termin in der Stadt hatte und die Wirkung der Figur in der Öffentlichkeit testen wollte. Mit der Verhandlung hatte das eigentlich nichts zu tun,“ erklärte der Bildhauer. Allerdings war im Innern des Wagens, deutlich sichtbar auch noch die Terminrolle ausgelegt, auf der vier Polizisten als Zeugen namentlich genannt waren. Die Plastik wurde deshalb wegen Verdachts der Beleidigung von Kollegen beschlagnahmt. Die Beschwerde bekam zunächst Recht.Unbeanstandet blieb unseres Wissens hingegen eine Karikatur von Ernst Dahl, die (vermutlich in den neunziger Jahren) in der Satir-Zeitschrift "Titanic" veröffentlicht wurde, und die bzgl. Motiv und Darstellung sicherlich vergleichbar ist. Schon früher hatte der Bildhauer sich mit der Staatsgewalt angelegt. So hatte er Ärger wegen einer Skulptur bekommen, die den Tod des RAF-Mitglieds Wolfgang Grams auf dem nahe gelegenen Bahnhof von Bad Kleinen als Hinrichtung durch einen Beamten der GSG 9 zeigt und damit der amtlichen Version vom Selbstmord widersprach. Auch die Figurengruppe „Stralsund – Eine Verbringung“ zeigt die Polizisten nicht gerade als Freund und Helfer, sondern bezieht sich auf den Fall, bei dem Beamte im Winter 2003 einen betrunkenen Obdachlosen aus der Stadt schafften und im Freien aussetzten. Der Mann erfror. (Spiegel 33 2005).

Schumann, Arschfickerskulptur,2005
Ein Vergleich: Ernst Dahl, Karikatur aus der Zeitschrift "Titanic"

Monumentalplastiken von Arno Breker, Joseph Thorak und Joseph Wackerle, Berlin 2006

Die streitbare Journalistin Lea Rosh wartete zur Fußball-WM 2006 in Deutschland mit dem Vorschlag auf, die Monumentalplastiken im Olympiastadion von Künstlern, die unter den Nazis hoch angesehen waren, zu verhüllen. So ungewöhnlich der Vorschlag auch klang, neu war er nicht. Bereits 1990, als Deutschland sich um die Olympischen Spiele bewarb, forderte der damalige Olympiabeauftragte, Hilmar Hoffmann, ebenfalls die Verhüllung der Statuen. (privat, ohne Quelle)

David Cerny, „Shark“, Middelkerke (B) 2006

Zum Bilderstreit kam es im Vorfeld der für den 1.4.2006 geplanten Kunstausstellung im belgischen Middelkerke (Beaufort-Kunstfestival). Der tschechische Kunst-Provokateur David Cerny wollte gefesselten Saddam Hussein als Skulptur wie einen Hai, der im Wasser schwimmt, ausstellen (Titel „Shark“). Der Bürgermeister der Gemeinde verweigerte die Zustimmung dazu, der er unter Verweis auf den sog. Karikaturenstreit keine Moslems schockieren wolle. (Heise de. 7.2.2006)

Hans-Peter Feldmann: „David“, Köln 2006

Einige Wochen vor der Eröffnung der Ausstellung „Das achte Feld“ (19.8 2006) wurde vor dem Museum Ludwig die Skulptur „David“ (frei nach Michelangelo) des Künstlers Hans-Peter Feldmann aufgebaut. Der Renaissance-David wurde hier aber nicht als Heros dargestellt, sondern als blond gelockter, rosafarbener Dandy. Ursprünglich sollte die Werbung für die geplante Schau zur Frage nach sexueller Identität noch drastischer ausfallen. Aber ein Plakatmotiv des Fotografen Wolfgang Tillmans, dessen Aufnahme einen Mann zeigt, der einen Rock trägt und eindeutig nichts darunter anhat, erschien dem Kulturdezernenten der Stadt zu freizügig. Das Museum druckte eine bravere Variante und warb zusätzlich mit „David“. (Spiegel 33 2006)

"David" in Köln 2006
Abgelehntes Plakatmotiv von Wolfgang Tillmans Köln 2006

Fleur Stoecklin: Skulptur „Aggression“, Düsseldorf 2006

Nach mehreren Drohungen wurde die islamkritische Skulptur „Aggression“ von der Jahreswerkschau der Düsseldorfer Kunstakademie entfernt. Die Schweizer Kunststudentin Fleur Stoecklin hatte selbst um die Entfernung des Werkes gebeten. Die Skulptur zeigt eine Moschee, deren Minarette die Form von Raketen haben. (WN 14.2.2006)


Daniel Edwards: Prinz Harry als Leiche, 2007

Als Kritik am Irak-Krieg wollte der US-Künstler Daniel Edwards seine Skulptur verstanden wissen, die den englischen Prinzen Harry in Armeeuniform als Leiche dargestellt. Die Arbeit löste heftige Kontroversen aus. Ein Ausstellungsverbot in England wurde in Erwägung gezogen. Die Mutter eines im Irak getöteten Soldaten wurde mit den Worten zitiert: „Das ist krankhaft.“ (u.a. Welt 6.10.2007)

Edwards "Prinz Harry als Leiche"

Ottmar Hörl: Gartenzwerg mit Hitlergruß, 2009

Verhandelt wurde vor Gericht, ob die von Ottmar Hörl im Kunstverein Aschaffenburg ausgestellten Skulpturen, die Gartenzwerge beim sog. Hitlergruß zeigt, strafrechtlich relevant seien und verboten gehören. Nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Nürnberg kam das Gericht zu der Ansicht, dass zwar prinzipiell das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen – dazu zählt auch der sog. Hitlergruß – strafbar sei, dies jedoch nicht verfolgt werde, wenn die Darstellung in offenkundiger und eindeutiger Wiese die Bekämpfung der NS-Ideologie zum Ausdruck bringe. So konnten die Hitler-Gartenzwerge des Nürnberger Kunstprofessors weiter gezeigt werden. (WN 23.7.2009)

Hörl, Gartenzwerg mit Hitlergruß, 2009


Peter Lenk: "Friede sei mit dir", Berlin 2009

Das Kunstwerk von Peter Lenk zeigt einem Mann mit erigiertem Penis. Es ist gut sichtbar an der Hauswand des "taz"-Gebäudes in Berlin angebracht und damit auch gut einsehbar vom nicht weit entfernt liegendem "Springer/Bild"-Haus. Viele Hinweise deuten daraufhin, dass es sich bei dem Mann um "Bild"-Chef Diekmann handelt. Der bestreitet dies ebenso wie der Künstler, gleichwohl eine Ähnlichkeit unverkennbar ist. Aber nicht der "Bild"-Chef wehrte sich gegen die Arbeit, sondern, verkehrte Welt, die "taz"-Chefin Pohl, die darin eine "klägliche Provokation" sah und ihr Urteil mit der Forderung nach Entfernung des Ganzen verband. (Spiegel 49 2009)

Peter Lenk: "Friede sei mit dir"

Sarah Pratt: Michael-Jackson-Butterskulptur, Washington 2009

Der Pop-Superstar aus Butter sollte ursprünglich zusammen mit der traditionellen Butter-Kuh des Jahres bei der Landwirtschafts-Ausstellung von Iowa gezeigt werden, was aber zu Protesten führte: Nach Bekanntgabe der Pläne am 30. Juni - fünf Tage nach Jacksons Tod - "haben wir jede Menge Reaktionen bekommen, zumeist negative", sagte Ausstellungschef Gary Slater. Auf der Website der Ausstellung hieß es: "Butter-Bildhauerin Sarah Pratt (...) möchte Michael Jacksons beträchtlichen Beitrag zur Musik- und Tanzszene mit einer Butter-Skulptur der Pop-Ikone würdigen". Nach den Protesten änderten die Ausstellungs-Organisatoren den Ursprungsplan ab: Demnach sollte es zwar weiter eine Jackson-Butterstatue geben, allerdings im Kreise von Butterskulpturen, die in irgendeiner Weise mit dem 40. Jahrestag der Mondlandung von Neil Armstrong zu tun haben. Jackson solltee in diesem Rahmen gewürdigt werden, weil er der "erste Pop-Star war, der den choreographierten Moonwalk (etwa: Mondspaziergang) perfektioniert und bekannt gemacht hat". (AFP)

"Colonna Mediterranea", Malta 2010

Dass die Keramikskulptur Assoziationen an einen Penis auslösen könnte, führte angesichts des bevorstehenden Papst-Besuches auf Malta zu Forderungen nach einer Entfernung. Lokalpolitiker bezeichneten sie als "peinlich" und "obszön" und schließlich sollte dies doch nicht der erste Eindruck sein, den der Papst von Malte erhalte. Die Skulptur steht in der Nähe des Flughafens. (Kurier 13.4.2010)

"Colonna Mediterranea", Malta 2010

Peter Lenk: "Imperia", Konstanz Bahnhof 2010

Die satirische Skulptur musste nach Protesten aus dem Konstanzer Bahnhof (Touristen Information) wieder entfernt werden. Sie zeigt u.a. eine nackte Papstfigur und einen Kaiser, wobei der Künstler sich nie eindeutig dazu geäußert hat, ob es die vermuteten Personen Kaiser Sigismund und Papst Martin V. sind. Bereits zur Aufstellung im April 2010 hatte es heftigen Widerstand gegeben, zumal eine Zeitung irrtümlich über einen "nackten Papst Benedikt XVI." geschrieben hatte. (kurier 14.5.2010)

"Imperia"


Kurt Keller: "Heiliger Christophorus" (nackt), Dietenhofen 2010

Eine Skulptur des unbekleideten H. Christophorus in Dietenhofen sorgte 2010 für erhebliche Aufregung. Der Pfarrer der Gemeinde war wegen Missbrauchsvorwürfen suspendiert worden, woraufhin empörte Bürger den Nackten vor der Kirche als "Verhöhnung der Opfer" empfanden.(Sdt. 18.5.2010)

"Heiliger Christophorus" (nackt)

Bikinipflicht für Galionsfigur im Aquarium, Uk 2010

Der britische Aquarist Simon Dunn: "Vor allem die Jungs konnten sich vom Anblick unserer Galionsfigur schwer losreißen. Extra langsam schoben sie sich an ihr vorbei und schauten ihr ausgiebig auf die Brüste." So beschloss man, der Figur einen Bikini überzustreifen. (Spiegel 34 2010)

Neugotischer Wasserspeier an katholischer Kirche in Lyon: "Allahu Akbar", 2010

Fast 40 Jahre lang hat der aus Algerien eingewanderte Steinmetz Ahmed Benzizine dabei mitgeholfen, die Kathedrale in Lyon zu renovieren. Als Zeichen der Wertschätzung, die ihm seine Kollegen entgegenbringen, und der Toleranz wurde das Antlitz des muslimischen Arbeiters jetzt als Wasserspeier an der Kirche verewigt. Unter der Fratze verkündet eine französische Inschrift "Dieu est grand" und auf Arabisch: "Allahu Akbar", "Gott ist groß". Ein unhaltbarer Zustand, schimpft eine rechte Splittergruppe und hat eine Kampagne gegen Wasserspeier samt arabischer Inschrift gestartet. (Times Online 14.9.2010)

Umstrittener Wasserspeier und der Steinmetz Ahmed Benzizine

Silke Rehberg: Kardinal Hengsbach Skulptur, Essen 2011

Kaum war die Hengsbach-Skulptur der Ahlener Künstlerin Silke Rehberg auf dem Domplatz in Essen enthüllt, gab es heftige Reaktionen bis hin zur Forderung, die Skulptur zu beseitigen. Die Künstlerin selbst wurde beschimpft. Die Kritik reiche von „verblödeter Gesichtsausdruck“ bis „Karnevalsfigur“.


Zidanes „Kopfstoß“ soll weg, 2012

Zidanes berüchtigter Kopfstoß gegen den Italiener Materazzi aus dem WM-Finale 2006 steht als Riesen-Skulptur in Paris. Im Oktober 2012 kritisierten dann die Präsidenten von rund 30 französischen regionalen Amateurverbänden das Kunstwerk, das seit Ende September in Paris auf der Piazza Beaubourg, dem Vorplatz des Centre Pompidou zu sehen ist. Es vermittle eine Botschaft, die „wider der Sportethik“ sei, hieß es am Montag in einem offenen Brief an Zidane. Der frühere Profi wird von den Sport-Funktionären aufgefordert, die Entfernung der Skulptur zu beantragen. Vor der Plastik lassen sich täglich unzählige Touristen und Einheimische begeistert fotografieren. (FAZ 23.10.2012)


Hase in Mandelas Ohr sorgt für Ärger, Pretoria 2014

Ein kleiner Hase im Ohr der Mammutstatue von Nelson Mandela sorgte in Südafrika für Ärger.Von einem Zeitungsartikel über den Frevel aufgeschreckt, forderte die südafrikanischen Regierung die sofortige Entfernung des kleinen Tiers. "Wir wollen, dass die Integrität der Skulptur schnellstmöglich wiederhergestellt wird", sagte der Sprecher des Kulturministeriums, Mogomotsi Mogodiri. Der kleine Hase war ohne Erlaubnis der Behörden von den beiden Bildhauern André Prinsloo und Ruhan Janse van Vuuren als ihr Markenzeichen im Ohr der neun Meter hohen Mandela-Statue verborgen worden. Die beiden Künstler protestierten damit auch gegen die Entscheidung der Behörden, ihren Namen nicht in die über eine halbe Million Euro teure Skulptur einzugravieren. Schließlich entschuldigten sich Prinsloo und Van Vuuren für ihren "schlechten Scherz". (FAZ 24.1.2014)

Anish Kapoor: "Vagina" in Versailles, 2015

Mit seiner "Vagina der Königin" im Garten von Versailles sorgter Anish Kapoor schon vor der Eröffnung der Ausstellung für Ärger. Der Protest reichte bis zu Boykott-Aufrufen der Ausstellung. Kritiker warfen dem indisch-britischen Künstler vor, den Ort zu entstellen und riefen dazu auf, die Skulptur abzureißen. Der Künstler betonte, dass er täte, "was Künstler machen müssen": er wolle mit seinem Kunstwerk einen Dialog mit der Geschichte anbieten.

Rom verhüllt nackte Statuen, 2016

Nach eigenen Aussagen aus Respekt vor der iranischen Kultur und dem Glauben des Präsidenten Hassan Ruhani haben die Behörden in Roms Kapitolinischen Museen 2016 mehrere nackte Statuen verhüllt. Die fraglichen Kunstgegenstände, die nach Einschätzung der zuständigen Stellen offenbar geeignet waren, das Schamgefühl durch anzügliche Szenen oder freizügige Darstellungen zu verletzten, wurden hinter aufwändig produzierten Schutzbauten versteckt. Das vorauseilende Schamgefühl löste in der italienischen Öffentlichkeit eine hitzige Debatte aus. Kritiker warfen der Regierung in Rom unter anderem vor, in Anbetracht der wirtschaftlichen Chancen im Iran zu wenig Rückgrat gezeigt und das kulturelle Selbstbewusstsein Italiens vernachlässigt zu haben. Ruhanis Besuch in Rom wurde zudem von Protesten exil-iranischer Gruppen begleitet. Zusätzlich angeheizt wurde die Debatte durch ein weiteres Detail des Staatsbesuchs. Aus Rücksicht auf den muslimischen Glauben Ruhanis sei beim Abendessen auch kein Wein serviert worden, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa. (Welt 28.1.2016)

Videokunst

USA: Kunst-Streit in Washington: Jesus muss weg,2010

Der rechte Agitator William Donohue war auf ein Video aufmerksam geworden, das in der Ausstellung "Hide/Seek" in der Washingtoner National Portrait Gallery gezeigt wurde. In dem Werk von David Wojnarowicz ist elf Sekunden lang eine Jesusfigur am Kruzifix zu sehen, über die Ameisen krabbeln. Für Donohue, dessen Organisation sich "Catholic League" nennt, war das Grund genug, die Entfernung des Werks zu verlangen. Die Smithsonian Institution, die staatliche Kulturbehörde, die auch die Portrait Gallery verwaltet, ließ das Video verschwinden. Martin Sullivan, der Direktor des Museums, erklärte die Zensur mit der angeblich "starken Reaktion der Öffentlichkeit". (Sdt.15.12.2010)

Demonstranten unterstützen den Künstler Wojnarowicz vor der National Portrait Gallery


Nacktes Spiel in der Gaskammer, Berlin 2011/12

Der Martin-Gropius-Bau mit seiner Ausstellung „Tür an Tür" über ein Jahrtausend deutsch-polnische Beziehungen in der bildenden Kunst gereit 2011/12 in die Kritik. sind jetzt zum Opfer dieses Mechanismus geworden. Die Ausstellung zeigte in ihrem Teil zur Kunst nach 1945 mehrere Arbeiten, die sich auch mit dem Thema Judenvernichtung auseinandersetzen. Insbesondere eine Arbeit aus dem Ausstellungsteil über zeitgenössische Kunst, ein Video von Artur Zmijewski, sorgte dabei für Ärger. Der kurze Film mit dem Titel „Berek“ („Hasch mich“) zeigt nackte Erwachsene, die in einem kahlen, fensterlosen Raum fangen spielen. Der Film entstand schon vor elf Jahren und wurde bereits verschiedentlich in deutschen und internationalen Museen gezeigt; es gehört zum Bestand des Museums für zeitgenössische Kunst in Warschau. Laut der Erklärung des Künstlers soll es sich bei dem Raum um die Gaskammer eines ehemaligen Konzentrationslagers handeln – um welches, verrät er nicht. Einige Zeit nach der Eröffnung der Ausstellung Ende September wurde diese Videoinstallation entfernt, wie erst sp#ter bekannt wurde. Danach tobte eine öffentlich Debatte. Der „Abendschau“ des Rundfunks Berlin-Brandenburg sagte ein Verantwortlicher, der Martin-Gropius-Bau habe die Abhängung von Zmijewskis Arbeit damit begründet, weil „ein prominenter Vertreter der jüdischen Gemeinde über das Kunstwerk empört war. Deswegen wurde es entfernt.“ (Sdt. 12.1.2012)

Internetkunst

lovely-faces.com-Projekt von facebook gestoppt, 2011

Zwei Netzkünstler sammelten die öffentlichen Daten von 250.000 Facebook-Profilen und stellten sie auf einer Flirtseite neu ins Netz. Darunter waren rund 9.000 Deutsche, deren Fotos und persönliche Daten auf dem Flirtportal zu finden waren. Doch das Portal wurde auf Verlangen von Facebook wegen Verdachts auf Datendiebstahl abgeschaltet. Tatsächlich hatten sich die angeblich flirtwilligen Personen nicht freiwillig bei "Lovely Faces" angemeldet. Der gesamte Datenbestand des Dating-Portals stammte aus dem Datenschatz von Facebook. Die beiden Netzkünstler Paolo Cirio und Alessandro Ludovico hatten für ihr Kunstprojekt öffentlich zugängliche Profildaten mit Hilfe einer Software bei Facebook "abgeschöpft" und für ihr Projekt verwendet. Sie wollten damit zeigen, wie gefährlich es sein kann, im Internet persönliche Daten von sich preiszugeben. Das dürfte ihnen auch gelungen sein. Denn im Netz sprach sich das ungewöhnliche Projekt wie ein Lauffeuer herum. So etwa bei Twitter. Tausende Tweets wurden hier innerhalb kürzester Zeit gepostet. Die meisten enthielten den Link auf die angebliche Dating-Seite. "Und oftmals wurden Twitter-Nutzer dringend darum gebeten zu überprüfen, ob sie selbst oder ihre Verwandten auf der Webseite gelistet würden", berichten die Netzkünstler. Innerhalb weniger Tage verzeichnete das Kunstprojekt fast eine Million Seitenzugriffe aus 195 Ländern. Die Reaktionen der Betroffenen, die sich unvermittelt bei "Lovely Faces" wiederfanden, waren höchst unterschiedlich. Viele Facebook-Nutzer beschwerten sich bei den Künstlern. Einige drohten ihnen gar. Aber nur 56 Personen verlangten, aus dem Datenbestand des vorgeblichen Dating-Portals wieder gelöscht zu werden. "Das haben wir anstandslos getan", erklären Cirio und Ludovico. Aber es gab auch das andere Extrem. Immerhin vierzehn Personen baten darum, in die Datenbank der vermeintlich Flirtwilligen aufgenommen zu werden - vermutlich weil sie durch Zufall auf das täuschend echt aufgemachte Portal stießen und es nicht als "Fälschung" oder Kunstprojekt erkannten. Eine weitere Reaktion, die die beiden Künstler nicht erwartet hatten: Vier kommerzielle Flirtseiten boten ihnen eine Zusammenarbeit an. (heute de. 16.2.2011)

Persönliche Werkzeuge