Internet, Computerspiele und Videos
Aus Zensur Archiv
Internetportale/Apps
Der Streisand-Effekt, 2003
Als Streisand-Effekt wird bezeichnet, wenn durch den Versuch, eine Information zu unterdrücken, genau das Gegenteil erreicht wird, nämlich die Information besonders bekannt gemacht wird. Seinen Namen verdankt der Effekt Barbara Streisand, die den Fotografen Kenneth Adelman und die Website Pictopia.com 2003 auf 50 Millionen US-Dollar verklagte, weil eine Luftaufnahme ihres Hauses zwischen 12.000 anderen Fotos von der Küste Kaliforniens zu finden war. Damit stellte sie aber erst die Verbindung zwischen sich und dem abgebildeten Gebäude her, in dessen Folge sich das Foto im Schneeballsystem im Internet ausbreitete. Adelman behauptete, er habe das Anwesen am Strand fotografiert, um Küstenerosionen für das California Coastal Records Project zu dokumentieren. Der Journalist Paul Rogers bemerkte später, dass das Bild von Streisands Haus im Internet sehr beliebt war. (wikipdia)
Weltjugendtag: Internetzensur, 2005
Im Pressezentrum des Weltjugendtages, dort wo täglich hunderte von Journalisten saßen, war der Internetzugang beschränkt. So war u.a. die Seite der ökumenischen Arbeitsgruppe „Homosexuelle und Kirche“ www.huk.de gesperrt. Ferner das Portal www.kondome.de oder die Seite von „Neon“, dem Jugendmagazin des „Stern“. (stern de. 17.8.2005)
Atze Schröder vs. Weser-Kurier, 2006
Der deutsche Comedian, der die Figur Atze Schröder spielt, ließ die Veröffentlichung seines bürgerlichen Namens im Weser-Kurier vom 20. Dezember 2006 per Urteil durch das Landgericht Berlin untersagen. Zuvor hatte der Klarname nur wenige interessiert, nach Bekanntwerden der Klage gingen das Pseudonym und der bürgerliche Name durch zahlreiche Blogs. Bis 2007 war das Pseudonym Atze Schröder auch als Marke auf den bürgerlichen Namen des Comedians eingetragen. (wikipedia)
Internetportal: Selbstmord.com, geschlossen 2006
Hinweis im Internet vom 15.6.2006: Diese Forum ist seit 11/2006 geschlossen, und nicht wegen „buddha“ aus Wuppertal“. Der hatte unter dem Stichwort angeblich Medikamente über das Forum vertrieben, um Menschen angeblich beim Selbstmord zu helfen. Sechs von ihnen sollen dabei ums Leben gekommen sein. Das Forum wurde zum Verkauf angeboten. 2006 erhob die Staatsanwaltschaft Wuppertal Anklage gegen einen 23-jährigen Studenten, der via Internet lebensmüde Menschen landesweit mit tödlichen Pillenmischungen und den dazugehörenden Gebrauchsanweisungen versorgt haben soll. Der in Albanien geborene Deutsche soll Gebühren von bis zu 1500 Euro erhalten haben. Insgesamt 19mal hat der Kejdi S. jene legalen Dosen der Arzneimittel Luminal, Truxal und Diazepam verschickt, die seine Kunden töteten. Sieben überlebende Selbstmordkandidaten fielen ins Koma fielen und erlitten z.T. schwere gesundheitliche Schäden. Nach Schätzungen gibt es in Deutschland ca. 40 Foren zum Thema Selbstmord
www.whenwillamywinehousedie.com.: Tippen auf den Tod von Amy Winehouse, um 2006
Auf der besagten webside konnte man auf den Tod der Rocksängerin tippen: er am nächsten dran liegt, so die Ankündigung, würde einen I- Pod gewinnen. Außerdem wurde auf der Seite die Gelegenheit gegeben, vorab eine Würdigung des Lebenswerks der Sängerin zu verfassen. Auch die genaue Uhrzeit konnte angegeben werden. U.a. steht dort. „Wir alle werden eines Tages unserem Schöpfer gegenübertreten“, heißt es auf der Website, deren Urheber nicht ersichtlich wird. „Amy Winehouse kann es allerdings nicht abwarten. Sie kann gute Songs schreiben und sie kann singen, aber leider ist bei ihr der Selbstzerstörungsknopf eingerastet. Gerüchten zufolge halten Amy und Pete (gemeint ist Pete Doherty) die gesamte kolumbianische Wirtschaft am Laufen.“ (Netzzeitung ca. 2006)
Einführung von der Internetsuchmaschine für junge Leute „fragFinn“, 2007
Im Dezember 2007 stellte Bundeskanzlerin Merkel die neue Suchmaschine „fragFinn vor, die vor allem das Informationsbedürfnis von jungen Netz-Usern befriedigen soll. Die Suchmaschine für Minderjährige, die nur gefilterte Seiten erreichen sollen, war und ist z.T. aber unbrauchbar. Wer Terror eingab, bekam als erste Treffer Seiten der Botschaften auf den USA und Japan. Das Wort Marihuana kannte es nicht und bei Sex landete man auf einer Kaninchenhalterseite. Bereits 2005 hatten die deutschen Internet-Suchmaschinen-Dienste beschlossen jugendgefährdende Seiten aus ihren Trefferlisten zu streichen. Dazu wurde im Februar 2005 eine Art Freiwillige Selbstkontrolle in Berlin gegründet. Deren Mitglieder verpflichteten sich, die Adressen der rund 1000 Internetseiten nicht anzuzeigen, die auf dem Index der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien verzeichnet sind. (Spiegel 49 2007 und MZ 25.2.05)
Schweizer Bank Julius Bär vs. wikileaks, 2008
Im Februar 2008 versuchte die Schweizer Bank Julius Bär die Veröffentlichung interner, von ihr als Fälschung bezeichneter Dokumente auf der Whistleblower-Webseite WikiLeaks gerichtlich entfernen zu lassen. Das führte zunächst zu einer Dekonnektierung der Domain von WikiLeaks per gerichtlicher einstweiliger Verfügung. Jedoch wurden die Dokumente durch weltweite Spiegelungen und andere Webseiten weiter verbreitet. Die Veröffentlichung des Vorgangs in den Medien sorgte für internationale Aufmerksamkeit und die Unterstützung von WikiLeaks durch Bürgerrechtsorganisationen. Die Aufhebung der Verfügung im weiteren Verlauf wurde auch mit ihrer Erfolglosigkeit begründet. (wikipedia)
Rottenneighbor, 2008
Medienexperten werteten das Portal als „blanke Denunziation“. Eigentlich wollte die in den USA beheimatete Internetseite bei der Suche nach einer „guter Wohngegend“ helfen. Immer stärker wurde sie in der Praxis aber dazu benutzt, Menschen bloßzustellen – auch in Deutschland. Prof. Norbert Schneider, Direktor der nordrhein-westfälischen Landesanstalt für Medien kritisierte deshalb ebenfalls den „digitalen Pranger“, der auf google maps zurückgreift und miese Nachbarn mit „roten Häusern“ digital kennzeichnet. (WN 23.8.2008)
Internetseiten der Partei Die Linke, 2008
Die Partei „Die Linke“ hat ihre Internetseiten zensiert, nachdem der „Spiegel“ darüber berichtet hatte, wie ehemalige SED-Funktionäre, die zum Teil heute DKP-Mitglieder sind, auf der Webseite der Linken die DDR schön reden. Dann verschwand die „Geschichtskorrespondenz“ des „Marxistischen Arbeitskreises zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung“ (eines internen Parteizirkels) aus dem Netz. Vorher fanden sich dort etwa die Gedanken z.B. des früheren Stasi-Oberleutnants Wolfgang Schmidt, der befand, dass „für die Bekämpfung feindlicher, krimineller und subversiver Elemente“ sich das Ministerium für Staatssicherheit der DDR „nicht entschuldigen“ müsse. Auch die Würdigung von Ex-Staatschef Walter Ulbricht durch den ehemaligen ZK-Professor Eckhard Trümpler wurden „gesäubert“. Er hatte gemeint: „Alle wichtigen Ereignisse, und zwar nicht nur Defizite und Schwierigkeiten, sondern vor allem große Fortschritte und beeindruckende Errungenschaften im Leben der DDR, sind auf das Engste mit dem Wirken Ulbrichts verbunden.“ (FAZ 24.8.2008)
Linkspartei Politiker Heilmann vs wikipedia, 2008
Am 13. November 2008 erreichte der Linkspartei-Politiker Lutz Heilmann durch eine Einstweilige Verfügung, dass die automatische Weiterleitung von wikipedia.de auf die weiterhin erreichbare Internet-Adresse de.wikipedia.org aufgrund von dort zeitweise aufgestellten Tatsachenbehauptungen abgeschaltet werden musste. Heilmann begründete diesen Schritt damit, dass Wikimedia Deutschland ihm keine Gegendarstellung gegen diese Behauptungen ermöglicht habe. Erst durch diese Einstweilige Verfügung kam der Artikel mit den umstrittenen Informationen zu einer erhöhten Aufmerksamkeit. (wikipedia)
Deutsche Bahn vs. Netzpolitik.org, 2009
Am 3. Februar 2009 erreichte den Blogger Markus Beckedahl, Betreiber der Seite Netzpolitik.org, eine Abmahnung bezüglich der Veröffentlichung eines internen Memos zur Mitarbeiter-Rasterfahndung der Deutschen Bahn. Durch Bekanntwerden der Abmahnung erhielt das veröffentlichte Memo erhöhte Aufmerksamkeit und tauchte kurz darauf in P2P-Netzwerken und auf wikileaks.org auf. Auch klassische Medien berichteten seitdem über den Fall und verbreiteten das Memo weiter. (wikipedia)
The Berlin Twitter Wall, China 2009
Die Organisation "Kulturprojekte Berlin" hatte im Oktober 2009 zu einem Mitmach-Wettbewerb aufgerufen: "Teile der Welt deine Gedanken zum Fall der Berliner Mauer mit oder sag uns, welche Mauern noch fallen sollen, damit die Welt lebenswerter wird." Nachdem chinesischer User die massenhaft über die Zensur in China berichteten, wurde die Seite von der chinesischen Zensurbehörde für die eigenen Landsleute unerreichbar gemacht. (zdf heute online 9.11.2009
Zehn Bilder die der "Stern" nicht auf dem iPhone zeigen durfte, 2009
Auf einer speziell für das iPhone angepassten Version der stern.de-Homepage durften folgende Bilder 2009 nicht gezeigt werden. Denn im Apple-Regelwerk steht, dass vor allem Nacktes nicht gezeigt werden darf. Allerdings fallen hier europäische und amerikanische Ansichten über das, was anstößig sein könnte, so der "Stern", deutlich auseinander. (stern.de Jahresrückblick 2009)
Facebook verbietet digitale Selbstmorde, 2010
Eigentlich sollen Anwendungen wie "Suicide Machine" oder "Seppukoo" usern ermöglichen, ihre Spuren in z.B. sozialen Netzwerken auf einmal zu löschen. Facebook sperrte sich dagegen und verweigerte den Diensten für den "digitalen" Selbstmord den Zugang. (Netzwelt 5.1.2010)
Israelische Rabbiner wollen Gläubigen das Internet verbieten; Israel 2010
Das Verbot wurde mittels einer Plakataktion verbreitet. Es sieht als Strafe die Exkommunikation vor. Verschiedene Thora-Schulen wollen demnach den Kindern von strenggläubigen Internetnutzern außerdem die Aufnahme verweigern. Auch Radio und Fernsehen wurden als verboten eingestuft. (Sdt. 5.2.2010)
Wettbewerb zu Mohammed-Karikaturen: Pakistan sperrt facebook und youtube, 2010
Per Gericht wurde verfügt, dass das soziale Netzwerk bis zum 31.5.2010 blockiert werden sollte, weil dort ein Wettbewerb zu Mohammed-Karikaturen ausgelobt wurde. Darstellungen des Propheten sind im Islam verboten. (Sdt.20.5.2010) Aufgrund von "blasphemischen Verwerfungen" wurde dann auch noch youtube in Pakistan gesperrt.
Apps für das iPhone und das Wort "Pussy", 2010
Der Computerhersteller Apple führt eine rigide Zensur bei seinen Apps z.B. für das iPhone. Zunächst wurde die Zurschaustellung von Brustwarzen nicht mehr toleriert, dann folgten 2010 Bademoden, enge Eistänzer-Hosen und generell zuviel Haut. Ziel sei es angeblich gewesen, pornographische Inhalte zu verbannen. Auch suspekte Worte gerieten in das Visier der Apple-Zensoren. So wurde die App eines Programmierers entfernt, da deren Titel u.a. das Wort "Pussy" enthielt - es handelte sich um eine Diasho von Katzenbildern. (welt.de. 10.3.2010)
Facebook und die Brustwarzen einer Puppe, 2010
Das Social Network überbalkte die Brustwarzen der Puppe "Ophelia", die die Schmuck-Designerin Victoria Buckley ins Netz gestellt hatte. Bereits früher hatte Facebook die Bilder einer stillenden Mutter entfernt. Nach Protesten der User (Fangruppe "Rettet Ophelia" lenkte Facebook ein und zeigte die Bilder wieder. (Kurier.at 12.7.2010)
Verwendung vom FBI-Siegel in wikipedia verboten, USA 2010
Das FBI schrieb an die Wikimedia Foundation 2010: "Bitte entfernen Sie innerhalb von 14 Tagen das FBI-Siegel von allen Wikipedia-Seiten, oder wir leiten juristische Schritte ein." Das FBI berief sich dabei auf ein gesetzt zur Verwendung amtlicher Siegel, das u.a. für die unrechtmäßige Verwendung 6 Monate Haft vorsieht. (online Juli 2010)
Duisburg lässt Loveparade-Dokumente sperren, 2010
Die Stadt Duisburg hat einem Blog verboten, vertrauliche Loveparade-Dokumente im Internet zu veröffentlichen. Die Anlagen enthielten ungeschwärzte, personenbezogene Daten, so ein Stadtsprecher. Wegen Verletzung des Urheberrechts erwirkte die Stadt beim Landgericht Köln im August 2010 eine einstweilige Verfügung. Dem Duisburger Newsportal xtranews.de wird in der Verfügung verboten, die Verwaltungsunterlagen weiterhin im Netz zum Herunterladen bereitzustellen. Bei der Loveparade in Duisburg waren 21 Menschen umgekommen. (zdf online 18.8.2010)
Videos und Videoportale
Youtube
David O. Russel: Ausraster, 2007
Viele Aufnahmen, die bei Dreharbeiten entstanden, gelangen in die Giftschränke von Hollywood. So der Ausraster des durch die Kriegssatire „Three Kings“ bekannten Schauspielers. Russel flippt bei den Dreharbeiten von „I (don´t) heart Huckabees“, seinem letzten Film völlig aus. Er beschimpft die Schauspielerin Lily Tomlin als Nutte, fegt vor ihren Augen einen Stapel Papiere vom Tisch, tritt gegen die Dekoration und wirft eine Lampe um. (Spiegel 14 2007) http://www.youtube.com/watch?v=E4Qls1rAfYs
Youtube gesperrt, Türkei 2008
Wegen ein paar Clips, die sich über den Gründer der Türkei Atatürk lustig gemacht hatten, wurde youtube (Google-Dienst) 2008 in der Türkei gesperrt. 2010 ließ die Regierung in Ankara weitere Google-IP-Adressen sperren, so dass selbst Dienste wie Google Maps unerreichbar sind. (Sdt. 26./27.6.2010)
Österreichs Bundesheer: Werbespot für den Wehrdienst zurückgezogen, 2010
Mit einem albernen Macho-Video wollte das Bundesheer für den Wehrdienst werben. Nach Protesten, die das Video als "sexistisch" einstuften, wurde es zurückgezogen. http://www.youtube.com/watch?v=KJV6ziVZYDk (spiegel de. 29.10.2010)
Opernball-Clip: Claudia Reiterer, ORF 2010
Der Clip, in dem die Moderatorin Reiterer den Begriff "female underwrapping" in einem Interview auf dem Wiener Opernball in schlechtem Englisch vorbrachte, wurde auf Betreiben der ORF gelöscht. Andere Clips, die weniger peinlich waren, blieben verfügbar. (online kurier.at.kultur 2010) Der Opernball-Clip wurde aber später immer wieder von Usern hochgeladen. http://www.youtube.com/watch?v=AegntQR3pG4
Bernd Eichinger/Oliver Hirschbiegel: "Der Untergang" - Parodie, 2010
In verschiedenen Versionen hatten User den Hitler aus "Der Untergang" gezeigt, wie er mit schaum vor dem Mund sich über die Mängel des iPad entrüstet, oder wie der den Verkauf des Fußballers Ronaldo nicht fassen kann, oder der angesichts der prekären Parkplatznot in Tel Aviv tobt. Aber auch in der Neo-Nazi-Szene soll der Clip mit andern Kontexten gezeigt worden sein, etwas wenn Hitler sich darüber aufregt, dass die Judenvernichtung noch nicht weit genug vorangekommen sei. Die meisten Videos wurden wegen angeblicher Urheberrechtsverletzungen mit einem "nicht mehr verfügbar" aus dem youtube-Programm genommen. (Sdt. 21.4.2010) http://www.youtube.com/watch?v=scIj3WSOhho
Themen
Umweltschutz
Greenpeace gegen Nestle´, 2010
Greenpeace hatte dem Unternehmen vorgeworfen, es trage zu Abholzung der indonesischen Regenwälder bei, weil es für bestimmte Nahrungsmittel Palmöl verwende. Ein entsprechender Spot auf youtube wurde mit dem Verweis auf das Urheberrecht vom Konzern in England gestoppt. Darauf brach ein Sturm der Entrüstung in der Internetgemeinde ein. Der Konzern gab aufgrund des drohenden Imageverlustes nach. Nestlé wechselte den Lieferanten. (Sdt. 19.8.2010) http://www.youtube.com/watch?v=IzF3UGOlVDc Video: Nestlé, kein Palmöl aus Urwaldzerstörung!
Gewaltvideos
Man-Eater" und "Hexen geschändet und zu Tode gequält, 1982
Auf den Index kamen 1982 u.a. diese beiden Videos wegen Gewaltverherrlichung. (Spiegel 34 1982)
Zusammenhang zwischen Horror-Videos und jugendlichen Gewalttaten, 1984
In den frühen achtziger Jahren drängten immer mehr Videotheken auf den Markt, die insbesondere auch Horror- und Gewaltvideos im Angebot hatten. Es setzte eine öffentliche Debatte ein, in der vor allem der Zusammenhang zwischen dem Konsum solcher Videos und einem (tatsächlich oder vermeintlich) Anstieg der "jugendlichen Verrohung" diskutiert wurde. Beinahe reflexartig wurde bei jeder spektakulären Gewalttat von Jugendlichen ein verbot solcher Videos und Filme gefordert. Die Debatte wurde nicht zuletzt durch die Boulevardpresse angeheizt. (Spiegel 11 1984)
Erotik- und Porno-Videos
Ariel, Luna Maya und Cut Tari, Indonesien 2010
Seit 2008 ist in Indonesien ein strenges Gesetzt gegen Pornographie in Kraft. 2010 tauchte ein Video auf, dass sich rasend schnell über das Netz verbreitete, auf dem die drei Protagonisten beim Sex miteinander zu sehen sind. Ihnen wurde deshalb ein Prozess wegen Herstellung von Pornographie angekündigt, was mit bis zu 12 Jahren Haft bestraft werden kann. (Sdt. 23.6.2010)
Computer- und Videospiele
„Scramble“, „Battle Zone“ und „Astro-Fighter“,1981/82
1981 verlangten die Jugendämter Gelsenkirchen, Bonn und Wuppertal, die Video-Spiele „Scramble“, „Battle Zone“ und „Astro-Fighter“ auf den Index der Bundesprüfstelle zu setzen. Ein Jahr später folgte das Jugendamt in Duisburg mit der Begründung, dass Automaten mit diesen Spielen nicht in Einklang mit der Verfassung des Landes NRW stünden, die ja vorsehe, Kinder und Jugendliche zu Frieden und gegen Gewalt zu erziehen. (Spiegel 11 1982)
"Carmageddon", USA 1998
Das "Killerspiel", bei dem der Spieler als Autofahrer möglichst viele Passanten überfahren muss, wurde u.a. bei der Supermarktkette "WalMart" verkauft. Ein Boykottaufruf führte dazu, dass "WalMart" das Spiel aus den Regalen verbannte. (Stern 27 1998)
Sog. Killerspiele, 2005
Im Koalitionsvertrag vereinbarte die Bundesregierung, dass sie „Killerspiele“ verbieten wolle. Seit der Novellierung des Jugendschutzes 2003 ist eine Alterskennzeichnung der in Deutschland erscheinenden Computerspiel Pflicht. Dafür zuständig ist die „Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle“ (USK). In ihr wirken Lehrer, Journalisten und „Menschen aus der Forschung“ mit, die mit Kindern und Jugendlichen verbunden sind. Dr. Klaus-Peter Gerstenberger, Leiter der USK,: „Wir gehen grundsätzlich davon aus, dass Computerspiele entwicklungsfördernd sein können. Das Spiel bietet die Möglichkeit, Strategien des Lernens zu erlernen. Wir lernen das Lernen dadurch, dass wir uns einem Problem zuwenden. Computerspiele sind in erster Linie Problemkonstruktionen.“ Lediglich drei Prozent aller bei der USK eingereichten Spiele erhalten keine Jugendfreigabe. Hingegen plante die große Koalition ein weit reichendes Computerspielverbot. Unter dem Motto „Aufwachsen ohne Gewalt“ planten die Union und die SPD u.a. Verbote von sog. Killerspielen, in den Gewalt eingeübt und Töten simuliert wird, wie z.B. Counterstrike, Unreal Tournament und Quake. (Sdt. 23.12.05. und WN 25.11.2005)
„Condemned – Criminal Origins“, 2005
Das sog. Killerspiel erhält keine Freigabe von den deutschen Jugendschützern. (Online 2005)
„Grand Theft Auto“ und „San Andreas“ 2005
Das Spiel „Grand Theft“ der US Firma Rockstar Games wurde seit 2001 über 21 Millionen mal verkauft. 2005 kam die neueste Version unter dem Titel „San Andreas“ heraus. Der Ghetto-Schocker, bei dem man durch Rauben und Morden zum Gang-Boss aufsteigen kann, wurde aber schnell entschärft. In der Urversion ergänzen z.B. Sex-Szenen das Ganze. Statt aber die Pixel-Pornos aus dem Spiel zu löschen, wurde der Code nur deaktiviert, quasi übermalt. Sog. Modder, Spiele-Fans mit Hacker-know-how, haben deshalb ein kleines Zusatzprogramm sog. mods im Internet veröffentlicht, mit dessen Hilfe man die versteckten Szenen reaktivieren kann. Daraufhin wurde die Alterfreigabe für das Spiel von M gleich Matrue auf Adult-Only hochgesetzt. Wichtige Handelspartner wie Wal-Mart oder Target haben bereits angekündigt, das Spiel aus dem Sortiment zu nehmen. (Sdt. 22.2.05)
Computerspiel Doom: Tagung in Tutzingen, 2007
Eine Referentin betonte den Namen des Computerspiels „Doom“ konsequent wie den Kölner „Dom“. Fazit der Süddeutschen Zeitung: Manchmal möchte man die Jugendlichen vor ihren Schützern schützen. Ist Schach gefährlich? (Sdt. 20.12.2007)
Penner Game", 2009
Penner Game gibt es u.a. in Versionen für Hamburg, London, Berlin, Warschau und Paris: Dort werden Pfandflaschen gesammelt, Mülleimer durchstöbert oder man schließt sich zu Banden zusammen. Auf der Web-Seite von pennergame.de wird empfohlen, das Spiel "aufgrund der satirischen und zum Teil politisch unkorrekten Umsetzung der Thematik" erst "ab einem Mindestalter von 14 Jahren zu spielen". Viele Pädagogen erklärten das Spiel sogar als "menschenverachtend". In Frankreich wurde sogar über ein Verbot nachgedacht. (Sdt. 7.9.2009)
Modern Warefare 2, 2009
In einer Spielsequenz sollen Menschen am Flughafen mit einer Maschinenpistole niedergemetzelt. In der deutschen Version darf der Spieler nicht selbst schießen. (Kulturspiegel 12 2009)
Aktionsbündnis Winnenden: Verbot von sog. Killerspielen, 2009
Nach dem Amoklauf von Winnenden gründete sich 2009 ein Aktionsbündnis gegen Killerspiele. Ähnlich den Comicverbrennungen in den fünfziger Jahren wurden u.a. wie in Stuttgart Aktionen gestartet, bei denen sog. Killerspieler eingesammelt und in Müllcontainern entsorgt wurden. (Sdt. 19.10.2009)
Plants vs. Zombies: Zombie-Tanz nach Michael Jackson, 2010
Die Firma PopCap zog den nach Michael Jackson inspirierten Tanz eine Zombies aus dem PC-Spiel "Plants vvs. Zombies" mit Rücksicht auf die Familie zurück und ersetzte den Jackson-Zombie durch einen Star von Saturday Night Fever. (web 1.8.2010)
Medal of Honor, 2010
In dem Spiel können die Teilnehmer auch in die Rolle von Taliban schlüpfen. Der britische Verteidigungsminister empfand das als "schockierend" und forderte dazu auf, dass Spiel aus Solidarität mit den Soldaten nicht zu verkaufen. Eine Sprecherin des Herstellers Electronic Arts sagte dazu: Das Spiel "reflektiert lediglich die Tatsache, dass jeder Konflikt zwei Seiten hat." (WN 23.10.2010)
"Moschee-BaBa", Österreich 2010
Die FPÖ in der Steiermark gab auf ihrer homepage Minarette und Mullahs in einem Spiel quasi zum Abschss frei. Die Staatsanwaltschaft ermittelte wegen Volksverhetzung. (Sdt. 3.9.2010)
Retuschierte und manipulierte Fotos
Lady Di, 1998
Im Internet gibt es jede Menge von Nacktfotos von Stars,die manipuliert worden sind, wie z.B. die Aufnahmen von Lady Di. Der Fake-Dedektiv Gillian Anderson spürt diesen Fällen auf http://www.lairofluxlucre.com/detective{index.html nach.




