Comics
Aus Zensur Archiv
Erotik und Pornographie
"The bawdy seaside postcards", USA fünfziger Jahre
In den fünfziger und sechziger Jahren wurde in den USA eine ganze Reihe von Comic-Postkarten des Zeichners Donald McGill verboten, weil sie für die damalige Zeit zu "unzüchtig" waren. 2010 wurden 21 dieser Motive in einer Ausstellung öffentlich gemacht. (online 6.8.2010)
"Fick in Gotham-City", 1970
Das Porno-Pop-Buch wurde auf Antrag der Berliner Staatsanwaltschaft beschlagnahmt. In der richterlichen Begründung hieß es, dass die Beiträge zum Teil "unzüchtig" und "schwer jugendgefährdend" seien. "Gemeint sind damit einige Gedichte über Italowestern sowie Comic-Strips, die zum Teil aus deutschsprachigen `Batman`-Heften wörtlich übernommen wurden." Gemäß dieser Logik hätte auch den "Batman"-Heften eine Verbannung unter den Ladentisch folgen müssen. (Pardon 16 1970)
Robert Crumb/Ralph Bakshi: "Fritz, the cat", Film zum Comic 1972
Ursprünglich als Comic von Robert Crumb herausgegeben, entstand 1972 ein Film unter der Regie von Ralph Bakshi, an dem über 50 Zeichner mitgewirkt hatte - das allerdings nicht ohne Schwierigkeiten: Ein Zeichner kündigte, weil er keine Polizisten als Schweine darstellen wollte, eine Zeichnerin verweigerte die Mitarbeit, weil sie keine nackten Busen zeichnen wollte. (Spiegel 16 1972)
Razzia, Frankfurt a.M.1983/Bundesrepublik 1996
Zunächst beschlagnahmten Kripobeamte in einem Frankfurter Comic-Laden Barbarella-Hefte und eine Mickymaus als Porno-Figur, dann folgten nur einige Wochen später 54 Sex- und Schmuddelbücher, u.a. Marquis de Sades „Justine“ und „Emmanuelle“ als Comic. 1996 kam es dann zu einer bundesweiten Beschlagnahmeaktion, in der 480 Buchhandlungen durchsucht wurden. Beschlagnahmt wurden u.a. Ralf König Comics "Silvestertuntenball" und "Bullenklöten", Walter Moers "Kleines Arschloch" und "Sex und Gewalt", die Bildbände "1000 Nudes" und "Erotica Universalis" oder Erich Rauschenbachs "Lauter erogene Zonen". Der Börsenverein sprach von "Zensur und Willkür".(Spiegel 7 1983 / FR 1.4.1996)
Jean-Marc Reiser: "Phantasien" und "Unter Frauen", 1988
Bernd Weber vom Jugendamt in Kassel entdeckte in einem Zeitschriften- und Buchladen neben Asterix auch "Machwerke härteren Kalibers" des französischen Cartoonisten Reiser. "Primitivste Sexualsprache", "schlimme Form der Frauendiskriminierung" und "Sodomie" wurden darin von im ausgemacht und entsprechend gegen die Filialleiterin Anklage wegen der "Verbreitung pornographischer Schriften" erhoben. Bundesweit schaltete sich die Staatsanwaltschaft ein, um mit geballter Staatsmacht gegen die Werke von Reiser vorzugehen. Dessen Werk sprang aber ausgerechnet Alice Schwarzer zur Weite, weil in seinen Werken "die Geschlechter-Verhältnisse offen(ge)legt" werden." (Spiegel 26 1988)
Walter Moers: "Das kleine Arschloch"-Telefonkarte, 1993
Die Produktion einer geplanten Telefonkarte mit dem Motiv des Kleinen Arschlochs wurde von der Postreklame abgelehnt, da "sexuelle Bezugnahme auf Telefonkarten nicht erlaubt" sei. Unbeanstandet blieb allerdings eine Karte der "St. Pauli Nachrichten". Auch gegen Karten von Beate Uhse oder Teresa Orlowski hatte die Post nichts einzuwenden. (Archiv)
Im selben Jahr hatte sich eine Lehrerin aus Biberach über Moers' "Es ist ein Arschloch, Maria!" beschwert, weil es "gegen die Menschlichkeit" geschrieben sei. (Archiv). Ein Jahr später beantragte das bayerische Landesjugendamt bei der Bundesprüfstelle in Bonn die Indizierung des Moers-Buchs "Schöner leben mit dem kleinen Arschloch"; der Antrag wurde am 5.1.1995 abgelehnt.
Alan Moore, Lost Boys, Lost Girls, 2006
„Lost Boys“, verlorene Jungs, nannte der schottische Schriftsteller James Matthew Barrie (1860 – 1937) die auf der sagenhaften Insel Neverland lebenden Kindern um ihrem Anführer Peter Pan. Die Geschichte dieser vom Piraten Captain Hook bedrohten „Lost Boys“ wurde unter dem Titel „Peter Pan“ bekanntlich ein Klassiker. In der Rezeptionsgeschichte wurde immer wieder vermutet, dass das Werk auch verschlüsselte sexuelle Initiationsriten, wenn nicht gar pädophile Phantasien enthalten würde. Ausgerechnet Michael Jackson, der des Kindesmissbrauchs verdächtigt war, hatte seinen Zufluchtsort „Neverland“ genannt. 2006 veröffentlichte der Brite Alan Moore eine als Comic gezeichnete Anthologie zu „Lost Boys, Lost Girls“ als die dunkle, verdrängte Geschichte der Kinderbuch-Weiblichkeit: Das Mädchen Wendy, das bei Peter Pan die a-sexuelle Rolle der Mutter übernimmt, wird bei Moore zusammen mit Alice aus dem Wunderland und Dorothy aus „Der Zauberer von OZ“ in einem Schweizer Hotel kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs untergebracht, wo die mittlerweile erwachsenen Frauen noch einem die Abenteuer der Kindheit in unzensierter Form als sexuelle Schlüsselerlebnisse durchleben. Moore wurde deshalb mit dem Vorwurf der Kinderpornographie konfrontiert. (Sdt. 5.7.2006)
Gewalt
"Schweinchen Dick", 70er
Anfang der siebziger Jahre wurde die Zeichentrickserie insbesondere auf Betreiben des CDU-Politikers Heiner Geißler aus dem Programm genommen. Ihm erschien die Serie zu brutal. (Prisma Archiv)
"Hammer"-Komiks", 1971
Die beiden Hefte von der Frankfurter-Hammerpresse wurden aufgrund ihrer Brutalität von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften beschlagnahmt. (Pardon 6 1971)
Donald Duck zu gewalttätig, Deutschland 1951/2009
Vielfach wurden in den Micky Maus Heften der Bundesrepublik die amerikanischen Vorlagen entschärft. Die Gründe dafür sind vielfältig. Zuweilen erschienen die Bilder und/oder Texte zu gewalttätig oder politisch nicht korrekt. Nachfolgend sich einige Beispiel in vorher-nachher-Versionen dokumentiert.
Donald Duck zu gewalttätig, USA 1984/2009
Die „National Coalition on Television Violence“ eine Art amerikanische Aktion „Sauberer Bildschirm“, beklagte 1984, dass die Trickfilme mit Donald „gewalttätig und ein schlechtes Vorbild für Amerikas Jugend“ seien. Insgesamt wurden 18,3 Gewaltakte pro Stunde bei Trickfilmen im Fernsehen gezählt. Die von einem Psychiater gegründete Organisation hielt insgesamt nur 27 Prozent der Cartoons „für Kinder geeignet“. Noch schlimmer als Disney-Gestalten seien allerdings Hase Bugs Bunny und der Turbo-Läufer Road Runner. (Spiegel 20 1984) 2009 fand dann die umgekehrte Debatte statt: Micky erschien zu lieb und sollte wieder böser werden, so wie es die Erfinder der Figur ursprünglich auch geplant hatten. In "Steamboat Willie" von 1928 war Micky eher ein Rabauke gewesen. Aus Matrose auf einem Schiff knutscht er mit Minnie, schleudert ein Katze am Schwanz, bekämpft den Kapitän und verwendet eine Gans als Dudelsack. Besorgte Eltern forderten in zahlreichen Briefen die Vorbildfunktion Mickys ein, der in der Folgezeit brav und damit langweilig wurde. (Sdt. 6.11.2009)
Drogen
Asterix Parodie, 1989
Albert Uderzo wollte 1989 eine Parodie auf seinen Asterix verbieten lassen. Denn „Alcolix“ des Münchner Verlegers Hans Gamber sei ein „vulgäres, geschmackloses Machwerk“. Gezeigt werden in der Tat saufende Antihelden. Uderzo scheiterte vor Gericht. (Spiegel 43 1989)
Zigaretten
HB-Männchen Bruno: "Wer wird denn gleich in die Luft gehen" - Werbeverbot, 1972
1972 verbannte das Fernsehen aufgrund der schädlichen Wirkung von Rauchen die Reklame für Tabakwaren jeglicher Art. Damit endete auch die Periode der Zeichentrickfilme mit dem HB-Männchen. Im Kino dagegen durfte zunächst noch weiter geworben werden. Auch die Sprüche von Bruno wie "Wer wird denn gleich in die Luft gehen? Greife lieber zu HB, dann geht alles wie von selbst" oder "frohen Herzens genießen" wurden zurückgenommen.(Troedler 183 1995)
Tom und Jerry: Rauchverbot, England 2006
Die englische Regulierungsbehörde der britischen Unterhaltungsindustrie rückte 2006 den beiden Kunstfiguren zu Leibe. Sie wollte Kinder vor dem schlechten Einfluss schützen und verbot den beiden das Rauchen: alle Szenen, in denen die beiden qualmen, wurden in England aus den Filmen geschnitten. Dass die beiden Comic-Figuren mit Schwertern und Äxten aufeinander losgehen und den andern in Säure auflösen, wurde nicht beanstandet. (web 24.8.2006)
Tim und Struppi: Kapitän Hadocks Pfeife, Türkei 2010
Ein Privatsender wurde 2010 von den Medienwächtern zu 24000 Euro Strafe verurteilt, weil der Comicheld Kapitän Hadock (Tim und Struppi) Pfeife rauchend dargestellt worden war. (WN 18.2.2010)
Political Correctness
Antisemitismus
Asterix: Übersetzung Kauka, sechziger Jahre
In den "Lupo modern"-Heften wurden auch Episoden aus Asterix abgedruckt. Diese vielen durch eine nationale bis antisemitische Übersetzung auf. Der Anführer einer Gegenpartei erhielt in dem Band "Die goldene Sichel" den Namen "Schieberus" und wurde mit seinem jiddisierenden Tonfall zu einer antisemitischen Karikatur.
Art Spiegelman: "Maus", 1995
In dem kritisch-künstlerischen Holocaust-Comic sind alle Juden Mäuse und die Deutschen Katzen. Obwohl der Comic eindeutig eine Kritik am Faschismus darstellt, wurde im Juli 1995 das Plakat zum Comic, das für den Comic-Salon Erlangen im Jahr 1990 hergestellt wurde, unter dem Vorwurf der Nazi-Propaganda beschlagnahmt. Neben dem Spiegelman-Plakat wurde auch noch die Comic-Biographie "Schrei nach Leben" (Paul Gillon) beschlagnahmt, die von der Landeszentrale für politische Bildung an Schulen eingesetzt wurde und für den Gustav-Heinemann-Friedenspreis nominiert war. (wikipedia)
"South Park" - Prophet als Bär, 2010
Nach einem Gastauftritt von Mohammed in einem Bärenkostüm wurden Trey Parker und Matt Stone, die beiden Erfinder der Zeichentrickserie, von der radikalen US-Muslimgruppe "Revolution Muslim" bedroht. Der Internetprotest der Gruppe wurde begleitet von einem Foto des niederländischen Filmemachers Theo van Gogh, der 2004 wegen seines islamkritischen Films ermordet worden war. Zitat im Netz: "Wir müssen Matt und Trey warnen, das das was sie machen, dumm ist und sie wahrscheinlich so enden werden wie Theo van Gogh". (heute online 22.4.2010)
Rassismus
Tarzan und seine "farbigen Partner", 1970
Bis 1970 kamen die afrikanischen Eingeborenen bei Tarzan meist als eine Art "Dschungel-Deppen" vor, die sich unter den Schutz des weißen Muskelmannes begaben oder sie waren mordlustige Menschenfresser. 1967 übernahm Russ Manning die Verantwortung für die Tarzan-Geschichten und verpasste den Stories ein neues Image im Sinne von political correctness: die Eingeborenen wurden zu "Partnern". (Spiegel 44 1970)
Tim im Kongo – Rassismusvorwurf, 2007
Der kongolesische Student Bienvenu Mbutu Mondondo hatte vor einem Gericht in Belgien Klage gegen den Tim-und-Struppi-Band „Tim im Kongo“ eingereicht. Der angehende Politikwissenschaftler fand das Heft rassistisch. Die Klage richtete sich gegen unbekannt und gegen den Verlag Moulins-Art. Das Buch soll nicht mehr verkauft werden. Kritisiert wurde insbesondere, dass Tims Hund Struppi die Afrikaner „wie notorische Faulenzer“ behandelt. Die Geschichte erschien 1930/31 zuerst in der Kinderbeilage der katholisch-konservativen Zeitung „Le XXième Siècle“. Sie war nach „Tim im Lande der Sowjets“ das zweite Abenteuer von Tim. Der Kongo war damals eine belgische Kolonie. Der Schöpfer von „Tim und Struppi“, Hergé, hat sich später von seinen frühen Arbeiten distanziert und sie als Art „Jugendsünden“ abgetan. In den vierziger Jahren arbeitete er die Geschichten in Richtung bereits im Sinne einer political correctness. Zudem entfernte er die ursprüngliche Episode, in der ein Nashorn explodiert. Nach 1964 legte der Verlag den Comic nicht mehr auf. Als eine Zeitschrift ausgerechnet in Zaire die Geschichte druckte, folgten von 1971 an neue Auflagen. Auch in u.a. England, Deutschland und den USA gab es Kritik an der Geschichte. Die US- Buchhandelskette Borders z,B. wird die Abenteuergeschichte „Tim im Kongo“ künftig nicht mehr in seinen Kinderabteilungen verkaufen. Die britische „Comission for Racial Equality“ hatte gefordert, den Band aufgrund rassistischer Inhalte aus dem Verkauf zu nehmen. Die erwachsenen Kunden könnten jedoch selbst entscheiden, so Borders, was sie lesen. Der Verleger verkaufte da das Heft bereits mit der Warnung, es enthalte „zeittypische paternalistische Stereotypen.“ (Sdt. 18.7.07 und Spiegel 30 2007 und Welt 9.8.07) Bild
Andere Länder
Rußland
Wjatscheslaw Syssojew: Karikaturen, 1983/84
Der Zeichner wurde 1983 in Moskaus verhaftet. Vorwurf: Verbreitung pornographischer Zeichnungen. Allerdings setzen sich viele seiner Zeichnungen auch kritisch mit der Sowjetunion und dem Militär auseinander. (Spiegel 40 1984)
Frankreich
"Kommt, wie ihr seid" - McDonald´s-Werbung mit Asterix, 2010
Dass Asterix und Obelix in Frankreich nicht für Wildschwein und Bier, sondern Big Mac und Pommes Werbung machten, erhitzte zahlreiche Gemüter. Die Werbekampagne wirkte wie ein Angriff auf die Ess-Kultur der Franzosen. Entsprechend heftig vielen die Reaktionen insbesondere in vielen Internetforen aus. Sogar zum Boykott wurde aufgerufen.







