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Aus Zensur Archiv

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Inhaltsverzeichnis

Indizierte und beschlagnahmte Zeitungen und Magazine

Beschlagnahme von Pardon-Erstausgabe, 1962

Am 29.8.1962 erschien erste Ausgabe der Satirezeitschrift „Pardon“. Sofort erwirkte der katholische Volkswartbund die Beschlagnahme eines Teils der Auflage wegen des Verdachts der „Verbreitung unzüchtiger Schriften“. (Spiegel 38 1990)

Beschlagnahmte Pardon

“Spiegel“-Verbot: Titel zur „Kuba-Krise“, Nr. 44 1964

Einmal in der „Spiegel“-Geschichte wurde ein komplettes Heft auf Betreiben der Bundesrepublik vorzensiert: Am 27.Oktober 1962 beschlagnahmte die Polizei Manuskripte des „Spiegels“ zur „Kubakrise“, der vier Tage später erschienen sollte (Spiegel 2 2007)

Beschlagnahmter "Spiegel"-Titel 1962

Indizierter Stern 7 1968 wegen der Serie "Der nackte Affe"

Der "Stern" Nr. 7/1968 wurde auf Antrag des Bundesfamilienminsteriums wegen Jugendgefährdung indiziert. Als offizieller Grund wurde der Abdruck der Serie "Der nackte Affe" angegeben. In der Begründung wurde darauf verwiesen, dass von der Serie ein „verrohender Einfluß“ ausgehe und sie sich darin „gefällt", so das Familienministerium "ausgehend von der Darwinschen Abstammungslehre, das menschliche Sexualverhalten mit der Paarungstätigkeit der Affen zu vergleichen“. Allerdings begann der Abdruck der Serie bereits mit "Stern" Nr. 6 1968, ohne Beanstandung. So darf darüber spekuliert werden, ob es noch einen weiteren inoffiziellen Indizierungsgrund gab: Denn in "Stern" 7/1968 wurde auch eine Folge von vier Bildern veröffentlicht, die zeigt, wie ein gefangener Vietcong abgeführt und vom Chef der südvietnamesischen Polizei erschossen wird. (Spiegel 10 1968)

Indizierter Stern 7 1968

Schülermagazin „Underground“ in Beichtstühlen, 1969

Das Schülermagazin testete Beichtstühle und Priester. Dazu waren Jugendliche mit der Geschichte „Ich habe eine Freundin, mit der habe ich seit zwei Monaten Verkehr. Ich komme nicht mehr los von der Sache“ beichten gegangen. Die Beichtväter fragten daraufhin alle zunächst nach der Heiratsabsicht und dann nach der Häufigkeit. Schließlich wurde die Fleischeslust verurteilt und Triebverzicht wie folgt angemahnt - Pater Gründwald (München): „Wenn Sie sich mit dem Mädel nicht zu oft und nicht allein treffen und nicht an Orten, wo es zu einfach wäre, dann kommen Sie nicht in Versuchung“ oder Pater Taubenberger (München): „Schluss, damit! Schluss. Schluss. Schluss.“ Fazit der Schülerzeitung: Priester sind „verklemmte Apostel“. Bundespräsident Lübke empörte sich darauf. Das „steht in ihrer Gemeinheit einzigartig da.“ Der Presserat wurde ebenso eingeschaltet, wie das Bundesfamilienministerium und Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften, die dem Antrag des Ministeriums folgte und „Underground“ indizierte. Die Indizierung wurde allerdings vom Kölner Verwaltungsgericht wieder aufgehoben. Ganz neu war die Beichtstory nicht. Die Satirezeitschrift „Pardon“ hatte im März 1967 den Reporter Wallraff mit der Geschichte, ob er als „katholischer Unternehmer mit Gewissensbissen“ Napalm für die US-Streitkräfte in Vietnam liefern dürfe, in katholische Beichtstühle geschickt. Die meisten Priester äußerten keine Bedenken, wenn es „gegen die Roten“ angewendet würde. (Spiegel 19 1969)

Beanstandete Nummer von "Underground"

Hamburger ASTA.Zeitung ZAS: Bericht über Polizeistrategie, 1969

Die Zeitung wurde u.a. beschlagnahmt, weil in einem Bericht über die Polizeistrategie 24 Polizeispitzel in Zivil abgebildet wurden. Dies wertere die Staatsanwaltschaft in Verbindung mit dem Text "Die Polizei hat drei Weichmacher: Einschüchtern, Schlagen, Festnehmen" als Aufforderung zu strafbaren Handlungen wie Körperverletzung, Nötigung zum Landfriedensbruch und Staatsverleumdung. (konkret 15 1969)

Beschlagnahmte ZAS und der beanstandete Artikel

St. Pauli Nachrichten, 1969/70

- Nr 11 1969 wurde u.a. aufgrund einer Anzeige „Blaustrumpf 22 J. ... möchte auf seriöse Art Unsch. verl.“ wegen Jugendgefährdung indiziert. - Nr. 12 1969 (beantragt)wegen der Anzeige „seid nett aufeinander“. In der Begründung des Familienministeriums wurde auf die „teilsweise ohne die üblichen Tarnumschreibungen der Vermittlung von Partnern für geschlechtliche Handlungen“ verwiesen. - Nr. 2 1970 (beantragt) wegen Überschriften wie „französisch – billiger?“ oder „Ich halt´ nicht viel von Vöglen“. Laut Familienministerium habe das Blatt damit „die geschlechtliche Betätigung ausschließlich als Mittel der Genußerziehung“ dargestellt wereden und banrage dritte Indizieurng. Bild von beanstandeter St. Puli im Spiegel s.o. - gleich dreimal in acht Tahren ordnete der Düsseldorfer Richter Hans Kempe die Beschlagnahme von 72000 Exemplaren verschiedener Ausgaben der St. Pauli Nachrichten an. Grund: Die Schriften „sind unzüchtig“, sie „gefährden Kinder und Jugendliche offensichtlich sittlich schwer“. (Spiegel 4 1970 und Spiegel 29 1970)

Beanstandete Zeitung "St. Pauli Nachrichten"

Indizierungen: Sexblätter um 1970

Verschiedene Sex-Blätter waren zu dieser Zeit von Indizierungen bedroht. Zum Hintergrund: Wurde ein Blatt von der Godesberger Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften“ dreimal indiziert, so durfte es je nach Entscheid 3 bis 12 Monate lang nicht mehr ausgehängt und damit quasi nur noch unter dem Ladentisch verkauft werden. Die wirtschaftlichen Folgen waren z.T. fatal: „Sylt intim“ gab trotz einer Auflage von fast 500000 schon nach der zweiten Indizierung auf. Auch der bereits dreimal indizierte „St. Pauli Anzeiger“ kürzte sofort seine Auflage von 750000 auf 250000 und brachte vorsorglich den „St. Pauli Express“ mit 650000 heraus. Der wiederum unterschied sich fast nur durch den Namen vom Anzeiger. Um weiteren Unbill zu entgehen, setzten die Herausgeber der „St- Pauli“-Zeitschriften auf eine Ausnahmeregelung. Laut Gesetz galt die Index-Klausel „nicht … für Tageszeitungen und politische Zeitschriften“. Flugs gründete man deshalb eine eigene „Deutsche Sex-Partei“ und erklärte die „St. Pauli Zeitung“ zum Zentralorgan dieser. Paragraph 1 Satz 2 der Satzung: „Das Emblem der Partei ist eine goldene Träne in einem roten gleichseitigen, senkrecht auf der Spitze stehenden Dreieck…“ Punkt 6 „Eine Ehe kann aus verschiednen oder gleichgeschlechtlichen, zwei oder mehreren Partnern bestehen.“ (Spiegel 32 1970)

“Playboy“-Interview mit Henri Nannen nicht gedruckt, 1981

Henri Nannen Interview wurde aus dem Playboy 5 1981 gekippt. Auf dem Titel war ein Interview mit Nannen bereits angekündigt, aber gerade mal 50 Ansichtsexemplare verließen vorab die Druckerei. Über den 11-Seiten Beitrag war der „Playboy“-Verleger Heinz Bauer so in Rage geraten, dass er das „offene Gespräch mit dem Mann, der drei Jahre Schlagzeilen schrieb und Schlagzeilen machte“ aus dem Blatt werfen und alle noch verfügbaren Exemplare einstampfen ließ. Abgedruckt wurde schließlich ein Gespräch mit Frederico Fellini, gleichwohl der Titel immer noch Nannen ankündigte. Die Gründe für die Absetzung waren möglicherweise persönlich. (Spiegel 18 1981)

Playboy: 220 000 Exemplare eingestampft

"Titanic": "Die Nazi-Methoden der Grünen", Nr. 1 1985

Eine Karikatur mit Helmut Kohl bot Anlass zur Beschlagnahme des Blattes. Auf dem Titel ist Kohl flankiert von zwei "Szene"-Typen zu sehen. Um den Hals baumelt ein Plakat mit dem Spruch "Ich bin die dümmste Nuß im Reiche, weil ich Grün mit Braun vergleiche." Damit war auf eine antisemitische NS-Kampagne aus den dreißiger Jahren angespielt. (Spiegel 3 1985]

Beschlagnahmte "Titanic" Januar 1985

Frauenzeitschrift „Vogue“ wegen Fotostrecke „Märchenspiel“ indiziert, 1999

Die Dezemberausgabe landete 1999 auf dem Index, weil in dem Luxus-Blatt eine sechsseitige Fotostrecke zum Thema „Märchenspiel“ des dänischen Fotografen Torkil Gudnason zu sehne war. Der hatte seine beiden Töchter Anna (7) und Eva (5) größtenteils nackt und stark geschminkt abgebildet. „Die Abbildungen sind geeignet, Kinder und Jugendliche sittlich zu gefährden“, urteilten die Jugendschützer, die über einen Antrag des Bundesfamilienministeriums zu entscheiden hatten. Bestätigt wurde „die Gefahr, dass Kinder und Jugendliche der Bildsprache folgend sich selbst als geschlechtliche Anschauungsobjekte erkennen, ihre Rolle akzeptieren und möglicherweise Opfer sexueller Übergriffe werden“. (Focus 50 1999)

Ausriss aus der indizierten Vogue

Zensur und Moral

"Spiegel"-Titel: "Sex", 1966

Der Titel löste u.a. durch seine Abbildung eine Welle der Empörung aus, die sich auch in sehr kritischen Leserbriefen ausdrückte. (Spiegel 21 1966)

Kritisierter "Spiegel"-Titel

"Der nackte Affe" - "Stern" Nr. 6 1968 - ausgetauschtes Titelblatt

Nachdem der "Stern" vom Londoner „Sunday Mirror“ Text- und Bildrechte zum Abdruck der Serie "Der nackte Affe" gekauft hatte, verzichtete die Redaktion kurzfristig auf die Veröffentlichung des „Mirror"-Bildes, weil „ihr die Modelle nicht deutsch genug aussahen“ und weil „die Modelle so lange Haare und Sommersprossen hatten“ (O-Ton "Stern"). Für das neue Titelbild posierten in Hamburg stattdessen zwei eilig aus Paris eingeflogene Modelle und die Tochter eines "Stern"-Redakteurs. Die drei vom „Sunday Mirror“ fotofrafierten, ausgestopften Schimpasen allerdings, ließ der "Stern" zur neuerlichen Aufnahme per Flugzeug nach Hamburg bringen. (Spiegel 6 1968)

Ursprüngliches Bild zur Serie "Der nackte Affe"
Tatsächliches Titelblatt "Stern" 6 1968


"Pardon" Nr. 2 1971: Titelblatt (klein) - ja / Plakat (groß) - nein

Der Geschäftsführer der Hamburger Außenwerbung, Carl Meyer-Klaeden, verweigerte den Aushang der Plakate mit dem "Pardon"-Titel, "weil es einen Unterschied macht, ob ich nackte Frauen in einer Illustrierten zeige oder ob sich sie in wesentlich größerem Format an die Säulen im öffentlichen Verkehr bringe." Die Deutsche Städtereklame hatte zuvor das Werbeplakat genehmigt.

Plakat (nein) - Cover (ja)


"Mutter fand ihr Kind (14) wieder, als Pornomodell" - Münchner Abendzeitung, 1971

Zu der Überschrift wurde ein retuschiertes Aktbild präsentiert. Durch ein versehen kam die unbearbeitete Fassung dann noch noch in die Spätausgabe. (Spiegel 46 1971]]

retuschierte und unretuschierte Fassung

"Spiegel"-Titel über Homosexuelle untern Ladentisch, 1973

Aufgrund des "Spiegel"-Titels über Homosexuelle „Befreit – aber geächtet“ (Nr. 11/1973) wurde dieser mitunter nur unterm Ladentisch verkauft. (Spiegel 13 1973)

"Spiegel"-Titel über Homosexuelle

Das Magazin "Profil" mit Rubbelaufkleber,1991

Eine Art von Selbstzensur guakelte das österreichische Nachrichtenmagazin Profil 1991 den Käufern vor. Auf dem Titel war kopulierendes Paar zu sehen, dessen Genitalbereich mit einem Rubbel-Aufkleber abgedeckt war. Fußnote: „Das Rubbeln ist für Jugendliche unter 18 nicht gestattet". Die Zeitschrift fand reißenden Absatz und enttäuschte die Voyeure: Unter dem Rubbel-Balken war nichts Nacktes zu sehen, sondern nur der Satz: „25% aller Österreicher sind Voyeure.“ (Spiegel 35 1991)

Magazin "Profil" mit Rubbelbild

Pin-up im Bundeswehrmagazin „W 12 – das Magazin für junge Soldaten“, 1991

Erstmals wurde 1991 in dem Magazin ein Pin-up-girl mit blanken Busen veröffentlicht. Nach dem Protest einer bayrischen Frauenbeauftragten wurde die Redaktion angewiesen, keine „blanken Busen“ mehr zu zeigen. Das nächste Poster zeigte eine verhüllte Balletteuse. (Spiegel 21 1991)

Bundeswehr Pin-ups vorher - nachher

"Stern"-Titel über die Fotos von Jock Sturges von jugendlichen Nackten, 1996

"Skandal oder Kunst?" lautete der Titel des Stern 25 1996zu den Fotos von Jock Sturges, der nackte Jugendliche ablichtet. Die Reaktionen u.a. in zahlreichen Leserbriefen fielen eindeutig aus: "Sexueller Mißbrauch beginnt bei Fotos wie denen von Hamilton und Sturges" oder "Toller Tip für sonnenheiße Pädophile. so können sie unter dem Deckmäntelchen der Kunst an Frankreichs Küsten ihr schäbiges Ding machen." (Stern 27 1996)

Umstrittener "Stern"-Titel

Politische Zensur

Springer-Presse lehnt "Spiegel"-Anzeigen ab, 1972

Ohne Angabe von Gründen wurden im Wahlkampf Anzeigen des "Spiegel" abgelehnt, bei denen u.a. auch die Titelblätter der jeweils aktuellen Ausgabe zu sehen waren. (Spiegel 47 1972)

Abgelehnte Anzeige (Ausschnitt(


Spezialausgabe der Wochenzeitung „Das Parlament“ über den „Irischen Konflikt“ zurückgezogen, 1973

Die bereits druckreife Spezialausgabe vom Bundespresseamt und der Bundeszentrale wurde nicht wie vorgesehen im August 1973 veröffentlicht, weil man fürchtete, sie könne als „Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Landes“ (Irland/Großbritanien) angesehen werden. (Spiegel 44 1973)

Anaracho Zeitschrift „Radikal – Zeitung für Freiheit und Abenteuer“, 1983

Das Berliner Szene Blatt geriet 1983 in das Visier der Staatsanwaltschaft, weil es u.a. Bekennerschreiben, Strategiepapiere und Mitteilungen der "Roten Zellen" veröffentlicht hatte und sich damit dem Vorwurf ausgesetzt sah, für eine „terroristische Vereinigung geworben“ zu haben. (Spiegel 33 1983)

Deutsche Ausgabe von "L´Espresso": Hitler-Karikaturen, 1987

Die deutsche Ausgabe wurde um einen achtseitigen Artikel zum Historikerstreit gekürzt, insbesondere weil der Artikel auch zahlreiche historische Karikaturen mit Hitler u.a. von Grosz (mit insgesamt fünf Hakenkreuzen) enthielt. Der Importeur befürchtete einen Verstoß gegen das Gesetz bzgl. der "Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen". (Spiegel 3 1987)

Karikatur von Grosz aus "L´Espresso"

"Bayernkurier" gegen Anzeigenwerbung für Berlin als Hauptstadt,1990

Das CSU-Organ "Bayernkurier" verweigerte als einzige von 30 Zeitungen den Abdruck von Anzeigen, in denen sich Prominente für „Berlin, Die Hauptstadt“ aussprachen. Eigens für den "Bayernkurier" ließ der Berliner Senat ein Anzeigenmotiv mit den Worten des Streibl-Vorgängers Franz-Josef Strauß fertigen, wonach Berlin „für und .. die Hauptstadt Deutschlands nach der politischen Wirklichkeit von morgen wieder sein wird.“ (Spiegel 37 1990)

Beanstandete Werbung für Berlin

Sadams Hinrichtung, Irak 2007

Die Hinrichtung von Sadam Hussein wurde gefilmt und anschließend ins Netz gestellt. In den Medien wurde sowohl die Frage aufgeworfen, ob dieses Video veröffentlicht werden durfte als auch ob das „Ende des Tyrannen“ in einzelnen Bildern mit dem Strick um den Hals wirklich in der Berichterstattung über den Tod gezeigt werden sollte. (Stern 4 2007)

“The New Yorker“: Obama als Muslim, 2008

Das Titelblatt „The New Yorker“, auf dem der damalige Präsidentschaftskandidat Obama zeichnerisch als Muslim karikiert wurde, sorgte für helle Empörung. „Die meisten Leser werden es als geschmacklos und beleidigend sehen, dem stimmen wir zu“, sagte ein Sprecher Obamas. Der „New Yorker“ konterte mit dem Verweis auf die Funktion von Satire: Man wolle „den Vorurteilen, dem Hass und dem Absurden den Spiegel vorhalten“, wobei „Satire … manchmal anstößig und beleidigend“ sein kann.(Sdt. 16.6.2008)

"The New Yorker“: Obama als Muslim, 2008

"Financial Times" stoppt Anzeige von Amnesty International, 2010

Eine Anzeige von Amnesty wurde gestoppt, weil er auf die negativen Folgen der Ölförderung des Konzerns Shell im Niger-Delta (Nigeria) für die Umwelt hinwies. (Sdt. 22./23./24.5.2010)

Persönlichkeitsrechte

"Ölscheichs gegen Europa" - "Spiegel"-Titel 46 1973

Ein Interview mit dem saudischen Öl-Minister Jamani wäre beinahe am Einspruch von Jamanis Sekretär gescheitert. Für das Titelblatt hatte man den Kopfschmuck des Königs von Saudi-Arabien Feisal verwendet, ohne dessen Gesicht zu zeigen. (Spiegel 14 1975)

Titelblatt und Vorlage

Sophia Loren und die nackte Doppelgängerin in "lui", 1977

Die Schauspielerin erwog gerichtliche Schritte gegen die Zeitung, die eine nackte Doppelgängerin auf dem Titelblatt und auf zehn Innenseiten unter der Überschrift „Sophia und ihr Double“ posieren ließ. Anders als ihr Vorbild zeigt Abbild Naduika auf den Photos in nachempfundenen Szenen aus vier Loren-Filmen nahezu alles. (Spiegel Archiv vermutlich 1977)

Doppelgängerin von Loren
Doppelgängerin von Loren

R.O.M.E.:Claudia Schiffer Nackt, 1992

Die Zeitschrift R.O.M.E. zeigte in der Öffentlichkeit bisher weitgehend Ungesehenes: die blanke Brust von Claudia Schiffer. Der Fotograf David Hurley hatte das Model beim Umkleiden hinter der Bühne erwischt. Nach der Veröffentlichung stieg die Auflage des Underground Magazins wie verrückt. Schiffer zeigte sich „entsetzt“, fühlte sich in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt und drohte mit einer einstweiligen Verfügung (Spiegel 22 1992)

Fotos aus R.O.M.E.
Fotos aus R.O.M.E.

Claudia Schiffer nackt, 1993

Als im Urlaub heimlich aufgenommene Fotos der fast nackten Claudia Schiffer veröffentlicht wurden, drohte diese mit einer Millionenklage. (Stern 35 1993)

Claudia Schiffer von Paparazzi fotografiert

Madonna nackt, 1995

Heimlich aufgenommene Fotos von Madonna kamen an die Presse. Die Sängern sah ihre Persönlichkeitsrechte eingeschränkt und drohte mit Klage. (Stern 35 1993)

Madonna nackt

"Deneuve - The Lesbian Magazin" ("für die schicke Lesbe"/Eigenwerbung) 1995

Die Schauspielerin Catherine Deneuve ging mittels Schadensersatzklage und einer Klage auf Verbot des Vertriebs in Frankreich gegen das amerikanische Blatt vor, weil sie fand, dass Schindluder mit ihrem Namen getrieben werde. (Stern 17 1995)

Die Schauspielerin Sibel Kekilli und die „Bild-Zeitung, 2004/05

Als im Februar 2004 auf der Berlinale der Film „Gegen die Wand“, in dem Kekilli die Hauptrolle spielt, den „Bambi“-Preis gewann, enthüllte „Bild“, dass die Schauspielerin früher in Pornofilmen mitgearbeitet hatte. Diverse Nacktfotos reicherten die Story an. Daraufhin protestierte der Presserat, und Kekilli erwirkte gegen „Bild“ vor dem Kammergericht Berlin eine einstweilige Verfügung mit Strafandrohung bei neuerlichem Abdruck von Fotos aus Pornofilmen (250 000 Euro oder Ordnungshaft bis zu 6 Monaten). Das Gericht sah in einem im veröffentlichten Foto von „Bild“ (2. November) eine Verletzung der Persönlichkeitsrechte. Kekilli ist darauf beim Geschlechtsakt zu sehen. Das Foto wurde mit einem Zitat der Jury des „Bambi“-Preises versehen: „Eindringliche Darstellung“. Auch hier urteilte das Gericht eindeutig, Kekilli sei in „höhnischer Weise herabgesetzt“ worden. Sie selbst bezeichnete den Vorgang bei der „Bambi“-Gala als „Medienvergewaltigung“. (Spiegel 9 2004/Sdt. 29 und 30.1.2005)

Sibel Kekilli: Szene aus einem Porno

Halbnackte Bundeskanzlerin Merkel in „The Sun“, 2006

Von Paparazzis aufgenommene Urlaubsfotos, auf der die Bundeskanzlerin halbnackt zu sehen ist, wurden von „The Sun“ unter der Überschrift „I´m big in the Bumdestag“ (der englische Bum steht umgangssprachlich für Hintern) sorgten in der Bundesrepublik für Verstimmungen und Protest. (Spiegel 17 2006)

Merkel in "The Sun" (Ausriss)

Die tote Lady Di, 2007

Der Abdruck von Fotos der sterbenden Prinzessin Diana in italienischen und spanischen Zeitungen löste in Großbritanien eine Welle der Empörung aus. Auch ihre Söhne William und Harry kritisierten die Veröffentlichung. Bis dato hatte es eine international geltende stille Vereinbarung in der Medienbranche gegeben, keine Bilder vom Todeskampf der Prinzessin abzudrucken. (MZ 15.7.2007)

Satire

"Kalle"-spot: "Bild" gegen "taz", 2005/2009

Im Sommer 2005 hatte die "taz" Werbespots geschaltet, die auch in Programmkinos zu sehen waren. Darin erscheint u.a. ein mit Jogginghose und Unterhemd bekleideter Mann vor einem als Trinkhalle bezeichneten Kiosk und es kommt zu folgendem Dialog mit dem Verkäufer: M: "Kalle, gib mal Zeitung." V: "Is aus." M: "Wie aus?" V: Schiebt eine taz rüber. M: Mach mich nicht fertig, Du!" Dann bekommt Kalle seine Zeitung und beide lachen. In dem zweiten Spot will der Mann von Kalle eine "taz", erhält eine "Bild" und beide lachen. Beides Spots enden mit "taz ist nicht für jeden. Das ist OK so." Der Springer-Verlag fand das gar nicht komisch, ging vor Gericht und verlor schließlich nach mehreren Instanzen vorm Bundesgerichtshof. (Sdt. 2./3./4.10.2009)

Sexismus

"Spiegel Nr. 37 1975: "Kino der Lüste"

"Widerlich" oder "unerträgliche Zumutung" waren nur einige Urteile, mit denen das Titelblatt (Szene aus "Geschichte der O") des "Spiegels" vom September 1975 in Leserbriefen bedacht wurde. (Spiegel 40 1975)

"Spiegel"-Titel: "Widerlich"

"Extrablatt"-Titel: "sexistisch", Wien 1978/79

Der Chefredakteur des österreichischen linksliberalen Monatsmagazins "Extrablatt" hatte auf dem Dezembertitel 1978 eine Frau halbnackt mit Christbaumketten drapiert abgebildet. Damit wollte man auf die Doppelvermarktung von Frauen und Weihnachten aufmerksam machen. Das "Wiener Frauenzentrum" fand diese Idee nicht so witzig. 23 Frauen suchten den Chefredakteur Irnberger zu Hause auf, zogen den sich heftig wehrenden aus und machten reichlich Fotos vom nackten Journalisten. Eins davon war für das Titelblatt der nächsten Ausgabe der Frauenzeitschrift "Auf" vorgesehen. (Spiegel 1 1979)

"Extrablatt"-Titel
Nackter Irnberger
Nackter Irnberger

Andere Länder

England

Fiona Richmond: „Men only“: Report über die Liebeskraft europäischer Männer, England 1975

Für das Sex-Magazin „Men only“ hatte Fiona Richmond, strippende Pfarrerstochter aus Cornwall, einen Selbstversuch unternommen: sie hatte die Liebeskraft verschiedener europäischer Männer getestet („Der deutsche Mann ist sehr aufregend und leidenschaftlich“). Das Ergebnis, in einer Art Potenzreport vorgestellt, fiel so leidenschaftlich aus, dass die Ausgabe von „Men only“ beschlagnahmt wurde. Vor einem Geschworenengericht wurde schließlich die Angelegenheit mit dem inkriminierten Heft als Beweisstück verhandelt. Nach drei Stunden Beratung kamen die Geschworenen zu dem Urteil, dass das Heft eingestampft werden müsse. (Spiegel 3 1975)
Richmond als Lady Godiva zu Pferd

"The Sun": Das Mädchen von Seite 3, 1986

In der auflagenstarken Boulevardzeitung räkelten sich seit 1930 auf der Seite 3 Pin-ups, die allenfalls mit einem Slip bekleidet waren. Dagegen ging 1986 die Abgeordnete Clare Short mit einem Gesetzentwurf vor, der vorsah, den Abdruck von Fotos unter Strafe zu stellen, wenn diese Modelle "ganz oder teilweise nackt in sexuell aufreizenden Posen" posieren. Short begründete ihr Vorgehen mit dem Zusammenhang von Sex-Bildern und der steigenden Zahl von Sexualdelikten. Ihr Gesetzentwurf wurde zurückgewiesen. Daraufhin machten sich die Feministinnen in London zum Kampf bereit. Motto: "Wir wollen unseren Seite-3-Pimmel". (Spiegel16 1986)

Mädchen von Seite 3: "Es besteht ein Zusammenhang von Sex-Bildern und der steigenden Anzahl von Sexualverbrechen."

Rommel: "elegant auch dann, wenn alles zusammenbricht", 1999

Im britischen Herrenmagazin "GQ"wurde Rommel ausgerechnet in der Woche als stilbildend und -sicher ("elegant auch dann, wenn alles zusammenbricht") vorgestellt, in dem der erste große Kriegsverbrecherprozess seit dem Zweiten Weltkrieg in Großbritanien stattfand. Daraufhin wurde der Chefredakteur James Brown wegen "philosophischer Differenzen" entlassen. (Spiegel 9 1999)

Rommel in "GQ"

Golfzeitschrift GCNI mit neuem Image: Models in Bikins, England 2006

Mit Models in Bikini-Tops auf die Frontseite wollte die Golfzeitschrift ihr biederes Image aufpolieren. Doch Anzeigenkunden sprangen ab und verschiedene Golfclubs wollten das Magazin nicht mehr verkaufen. Die Redaktion kehrte zur harmlosen Aufmachung zurück. (Spiegel 39 2006)

GCNI--Titel

Frankreich

Verbot des „Spiegel“, Frankreich 1951 - 1960

In Frankreich eckte der Spiegel im französischen Saarland ständig an. Von März bis April 1951 war das Heft total verboten, weil, so lautete der Vorwurf, das Magazin „Umsturz“ oder „Anschluss“ betrieben habe. Zwei weitere jeweils dreimonatige Verbote wurden 1952 bis 1954 verhängt. Auch das Mutterland schlug gern zu. 1957, 1959 und 1960 durften einige Ausgaben wegen „Frankreich“-kritischen Inhaltes nicht erscheinen. (Spiegel 2 2007)

L´Express" - Zwei Titelbilder, 1972

Um den vorangegangenen Schwierigkeiten mit vor allem arabischen und afrikanischen Ländern zu entgehen, brachte das französische Nachrichtenmagazin 1972 zwei Titel-Bilder zum Thema "Liebe im 20." heraus: für Frankreich mit nackter Brust - fürs Ausland entschärft. (Spiegel 13 1972)

Zensierte und unzensierte Fassung

"Lui": Hitler mit Pin-ups, 1973

Im Herrenmagazin "Lui" wurde 1973 der „größte Feldherr aller Zeiten“ bloßgestellt. Dafür ließen Mannequins einer französischen Modellagentur die Hüllen fallen und Dressmen zogen Wehrmachtsuniformen an. Als Führer posierte der deutsch-schweizer Billy Frick auch mit Hakenkreuz. Die Aufnahmen führten zu lebhaften Debatten. (Spiegel 36 1973)

Bilder aus dem Herrenmagazin "Lui"
Bilder aus dem Herrenmagazin "Lui"
Bilder aus dem Herrenmagazin "Lui"

Indonesien

“Spiegel“-Zensur: Frauen im Bikini, 1976

Der „Spiegel“-Titel wurde zensiert, weil dort Frauen zuviel Haut gezeigt hatten. (Spiegel 53 1976)

Unzensierte und zensierte Fassung

Spanien

Verbot des „Spiegel“, Spanien 1952 – 1955

In „Franco“-Spanien wurden 1952 und 1955 drei Ausgaben des Nachrichtenmagazins verboten, weil sie Franco, seine Regierung oder den Papst kritisierten. Die vermeintliche Schmähung des katholischen Kirchenoberhaupts (Nr. 34 1955) stammte ausgerechnet aus dem Mund des evangelischen Kirchenvaters Hanns Lilje und lautete: „Der Heilige Vater war schlecht beraten.“

In Spanien verbotene "Spiegel"-Titel"
In Spanien verbotene "Spiegel"-Titel"

Zensierte "Spiegel"-Ausgabe: zuviel Nacktes, 1976

Ein "Spiegel"-Titelblatt wurde 1976 in Spanien mit Balken überzogen, weil darauf zuviel Nacktes zu sehen war. (Spiegel 43 1976)

Zensierte "Spiegel"-Ausgabe von 1976

USA

Sex-Magazine: „Hustler“ und „Chic“, USA 1977

Der Verleger Larry Flynt dieser Sexmagazine wurde mit einem Strafmaß von 7 bis 25 Jahre und 11000 Geldstrafe Dollar bedacht. Er war schuldig befunden worden u.a. wegen der „Verbreitung obszönen Schrifttums.“ Seine Magazine seien angefüllt mit „kruden, eher gynäkologisch photographierten Nuditäten“ (Newsweek). Heimlich aufgenommene Fotos z.B. von Jackie O. oder Rubriken wie „Arschloch des Monats“, Berichte über Tittenfick oder Gruppenbums waren nicht angetan, die Richter milde zu stimmen. Zudem hatte Verlegerin Sue Richards in der Hochglanzbroschüre „High Society“ zu Weihnachten selbst die Beine breit gemacht. (Spiegel 9 1977)

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