Werbung
Aus Zensur Archiv
Deutschland
Erotik und Pornographie
Herrenmagazin „Lui“-Werbung: „aggressiv und vulgär, Frankreich 1991
Vom Pariser Rathaus wurde eine Werbekampagne für „Lui“ untersagt. Wegen des angeblich „aggressiven und vulgären Charakters“ mussten an 330 an Pariser Kiosken die bereits angebrachten Plakate wieder abhängt werden. Das Titelblatt zeigte die mit einer Weltkarte bemalten Brüste einer jungen Frau. (Spiegel 6 1991)
"Vogue"-Fotostrecke: Kate Moss und der Kinderpornographie-Vorwurf, 1993
Alexandra Shulman, Herausgeberin von "Vogue", sah sich 1993 mit schweren Vorwürfen konfrontiert. Im Juni Heft 1993 der britischen Ausgabe was das Top-Model Kate Moss (19) auf mehreren Seiten mal kindlich, mal in einen durchsichtigen Slip, mal im dünnen Hemd oder t T-Shirt und Strumpfhose auf einem Bett posierend, zu sehen. Das Model wirkte verletzlich pubertär. Fotografiert wurde in einem sparsam möblierten Mädchenzimmer. Kinderpsychologen wie auch Modezeitschriften erkannten auf Kinderpornographie: „Kinderschänder können mit diesen Bildern ihre Wünsche verstärken“, sagte ein Psychologe. „Mit diesen Bildern wird der pädophile Markt bedient“, urteilte Marcelle Smith, Herausgeberin von "Cosmopolitan".(Spiegel 22 1993)
Telefonwerbung mit Dolly Buster, 1997
Teile der Werbung wurden weggepixelt, einzelne Worte durch Pieptöne überblendet und der Busen verkleinert. Der Originalwerbesport wurde dann auf http://www.mkl-online.de unzensiert gezeigt. (Stern 42 1997)
Zigarettenwerbung: "Test it", Polen 1999
Ins Visier polnischer Sittenwächter geriet ein großformatiges Werbeplakat, auf dem eine barbusige Revuetänzerin mit einem rauchenden jungen Mann und dem Spruch. „Test it“ für Zigaretten warb. Die Abbildung überschreite „die Grenze zur Pornographie“ schäumte die national-katholische Rechte im Stadtrat von Warschau. Der Klerus prangerte die Verletzung der öffentlichen Moral an. Unterstützung fanden die Sittenstrengen bei vielen Polen: laut einer Umfrage entblößen sich 93 Prozent der Polen sogar zu Hause nie vor anderen. Warschauer Bürger schlossen sich schließlich in „Kampfkomitees“ gegen unzüchtige Werbung zusammen. Sie über pinselten etliche der Plakate. Die für die frivole Zigarettenwerbung verantwortliche Agentur reagierte ihrerseits und überklebte den anstößigen Busen mit weißen Papierstreifen und der Aufschrift „Zensur“. Den Kreuzrittern wider die Nacktheit war das allerdings nicht genug. Sie verlangten die Entfernung der Plakate. (Spiegel 20 1999)
Mobilfunk Vodafon-Werbung im Kino, Münster 2005
Eine erotische Werbung von Vodafon wurde in Münster zum Stein des Anstoßes, zunächst in Münster und dann bundesweit: „Da tauchte ein Film auf mit zwei Leuten beim Geschlechtsverkehr“, so eine Mutter, die im Kinderfilm „Charlie und die Schokoladenfabrik“ mit ihrem 7-jährigen Sohn saß. Vodafon dazu: Die FSK hat den Trailer geprüft und ohne Altersbeschränkung freigegeben. Dennoch wurde die Szene nach Protesten nicht mehr gezeigt. (MZ 8.10.2005)
Werbung Schuhmarke „Kangaroos“ vor „Der kleine Eisbär 2“, 2005
Ein Paar wälzt sich nackt auf einem Badesteg. Als es mit dem Sex nicht klappt, zaubert sie einen Vibrator hervor - Die FSK hatte dem Werbespot der Schuhmarke „Kangaroos“ die Freigabe ohne Altersbeschränkung erteilt. Zur Begründung. Die Szene sei „von zärtlichem Zutrauen und Fröhlichkeit“ geprägt. Das sahen die Eltern anders un protestierten. Der Spot wurde zurückgezogen. „Der Spot ist für Kinder nicht geeignet, wir entschuldigen uns“, sagte ein „Kangaroos“-Sprecher. (Focus 47 2005)
Lebende Schaufenster Puppe, Halle 2006
Eine lebende Schaufensterpuppe im roten Dessous und mit rosafarbenen Sonnenhut sorgte in Halle/Saale für Aufregung. Die Gleichstellungsbeauftragte von Sachsen-Anhalt reagiertet pikiert: „Eine Frau in Dessous in einem Schaufenster zu präsentieren, ist zutiefst anstößig und abwertend", sagte Isolde Hofmann in Magdeburg. „Es gibt geschmackliche und auch in der Würde der Frauen liegende Grenzen für Werbung, die hier überschritten werden." Sie forderte die Stadt Halle auf, ordnungsrechtlich gegen die ungewöhnliche Werbung vorzugehen, denn die wecke auch Assoziationen an die Rotlichtviertel in Amsterdam. (online 24.5.2006)
"Habt Ihr kein Zuhause", Bams-Werbung 2007
In "Bams" wurde am 29.7.2007 in der Werbung ein Koitus auf einem Tisch dargestellt.Die Werbung blieb unbeanstandet.
Geschmacksfragen
Publikumsbeschimpfung als Negativ-Werbung, Düsseldorf 1970
Die Düsseldorfer Werbeagentur Team hatte im „Spiegel“ Nr. 9 1970 eine Anzeige platziert, die sich der Methode der Negativ-Werbung bediente: der Publikumsbeschimpfung. Eine dreiköpfige Familie posierte mit Schweineköpfen zwischen den Schultern als Symbol dafür, dass die Deutsche viel zu selten ihre Wäsche wechseln. Die dazu passende Textzeile dazu lautete: „Das ist der Deutschen Sauberkeit. Auch Du gehörst dazu“. Der Düsseldorfer Express machte daraus die Schlagzeile: „Sind die Deutschen wirklich Schweine?“ Das „Handelsblatt“ nannte die Annonce ein „Muster an Geschmacklosigkeit“, die „Schwäbische Zeitung“ nannte es die „geschmackloseste Reklame des Jahres“ und in Leserbriefen wurde die "säuischte Anzeige des Jahres“ in den Kontext „staatsanwaltsreifer Beleidigung“ gestellt.
London Weekly Advertiser-Werbung, England 1973
Das Werbeplakat mit dem Slogan: "Wenn Ihr Heim nicht mehr Ihren Bedürfnissen entspricht, versuchen Sie es mit dem London Weekly Advertiser" wurde von den Londoner Verkehrsbetrieben abgelehnt, weil die Werbedame zu große Ähnlichkeit mit der Königin aufweise: Dies empfand man als "geschmacklos". (Spiegel 10 1973)
Tennisspieler John McEnroe: zu schmächtig, USA 1980
Der damalige Weltranglistenerste warb mittels einer Fotomontage für den Schlägerhersteller Dunlop, weil er zu schmächtig erschien: der Kopf stammt vom ihm und der Oberkörper von einem unbekannten Athleten. Trotz dieses Tricks wurde zum Boykott aufgerufen, allerdings nicht wegen der Montage, sondern weil der Sportler laut der Zeitung "Litchfield County Times" ein "taktloser Heulpeter" sei, der mit seinem "unerträglichen Benehmen für junge Menschen ein klägliches Beispiel" sei. (Spiegel 30 1983)
"Jägermeister"-Satire in "Pardon": „Ich trinke Jägermeister, weil mein Dealer zur Zeit im Knast sitzt“, 1981
In der Januar Ausgabe von "Pardon" 1981 war eine Anzeige von "Jägermeister" nachempfunden: ein neunjähriges Mädchen mit einer Jägermeisterflasche war mit dem Spruch „Ich trinke Jägermeister, weil mein Dealer zur Zeit im Knast sitzt“ abgebildet. Der Chef von "Jägermeister", Mast, bestand auf einer Gegendarstellung. Die folgte prompt im nächsten Februarheft 1981: ein an der Brust saugendes Baby wurde mit dem Spruch "Ich trinke Jägermeister, weil meine Mami voll davon ist" gezeigt. Der Chefredakteur von "Pardon", Henning Venske, legte in einer Kolumne noch einmal nach und bezeichnete Mast als "dealer". (Spiegel 4 1981)
Paul ("Gazza") Gascoigne: "Gazza" schütze seine "anderen wertvollen Aktiva", 1991
Das berühmte Foto, auf dem Vinnie Jones seinem Hintermann Gascoigne ans Gemächte geht, sollte als Zeitungsanzeige für das britische Patentamt erscheinen (Werbezeile: "Gazza" schütze seine "anderen wertvollen Aktiva", indem er seinen Spitznamen als Warenzeichen habe eintragen lassen). Das Handelsministerium untersagte die Anzeige mit der Begründung: "Schlechter Geschmack". (Spiegel 9 1991)
Marky Mark: Calvin Klein Werbung, 1992
Der amerikanische Rapper zeigte sich bei Calvin Klein Werbung mit einer Geste, die Jackson und Madonna bei Live-Auftritten pflegten: dem Griff in den Schritt. Die für den US-Markt entworfene Werbung wurde aber nur bei einigen progressiven Zeitungen wie "Vanity Fair" gedruckt, andere weigerten sich. Einige brachten auch eine dezentere Darstellung, auf der Mark mit dem barbusigen Model Kate Moss posierte. (Spiegel 41 1992)
Fremdenverkehr Rheinland-Pfalz: "Rockerträume", 1993
Jürgen Kleiber-Wurm, deutscher Tourismuswerber, produzierte für den ansonsten eher bieder darstellenden Fremdenverkehrsverband Rheinland-Pfalz 1993 ein Prospekt, der bei den Verbandsmitgliedern für Empörung und Austrittsdrohungen sorgte. Auf der Titelseite der flotten Werbebroschüre knutschte ein Rocker-Pärchen vor einem Eifel-Maar auf der Harley-Davidson. (Spiegel 20 1993)
Otto Kern Kollektion: Kohl und Jelzin Motiv, 1993
Der deutsche Modedesigner maskierte zwei überdimensionale Papp-Politikerköpfe, Jelzin und Kohl, und ließ sie die Hände schütteln, um für seine Kollektion zu werben. Für Kerns Antikriegskampagne wurden die beiden zusätzlich mit dem Hippiespruch "Love and Peace" versehen. das Bundeskanzleramt reagierte verärgert und fand die Werbung "geschmacklos, eine Verhöhnung der Politik". (Spiegel 25 1993)
Werbung: Bilder einer Toten, Münster 2007
Bilder einer 26-jährigen Brasilianerin erschienen nach ihrem gewaltsamen Tod in dem Modekatalog einer Münsteraner Boutique. Trotz Protesten wegen Pietätslosigkeit entschloss sich die Boutique zunächst weiter mit den Fotos der Toten werben. Ihr Ehemann hatte das Modell erwürgt. (MZ 13.11.2007)
Werbespot vom Automatenhersteller Kaffee Partner, Wallenhorst, 2009
In dem Spot ist u.a. eine Sekretärin zu sehen, die mit ziemlich angewiderten Gesicht eine Filtertüte aus einer Kaffeemaschine zieht. Dagegen ging der Filterhersteller Melitta mit juristischen Mitteln vor. ( Sdt.12.12/12.2009)
Werbespot "Was wäre die Welt ohne Handwerk", 2010
Die Frage wird in dem Spot des Handwerkerverbandes beantwortet, indem ein Berlin gezeigt wird, das völlig aus den Fugen gerät: Gebäude, Autos, U-Bahnstationen etc. zerbröseln zu Staub: Die Zivilisation wird innerhalb von Sekunden in die Steinzeit katapultiert. Die Werbung war im Anschluss an die Fernsehnachrichten über die Erdbebenkatastrophe in Haiti gezeigt worden. Zahlreiche Zuschauer protestieren. Der Spot wurde zurückgezogen. (RP online 19.1.2010)
Werbespot "Paula"-Joghurt-Pudding, 2010
Der Werberat musste über den Spot befinden, weil ein Joghurt-Pudding darin mit der Kuh "Paula" angepriesen wurde. Ein Zuschauer hatte sich beschwert, weil es in seiner Verwandtschaft eine "Paula" gab. Der Werberat wies die Forderung nach einem Verbot zurück. (MZ 17.3.2010)
Political Correctness
Cognac Werbung: : „Die Französische Revolution“ , 1968/69
Die von der Agentur „Hamburger Markenwerbung International“ vorbereitete Werbekampagne für einen französischen Cognac für den Starttermin Mai 1968 wurde kurzfristig zurückgezogen. Grund: Am Kopf der Anzeige prangte die provozierende Schlagzeile: „Die Französische Revolution“. Just zu dieser Zeit erschüttere aber die Mai-Revolte der französischen Arbeiter und Studenten den gaullistischen Staat. Den ordnungsbewussten Deutschen, so fanden die Cognac-Funktionäre, sei eine Werbung mit Revolutionsparolen zu diesem Zeitung nicht zuzumuten. Die bereits bestellten Anzeigen wurden storniert, was die Franzosen 100 000 Mark kostete. Eine neue Anzeige wurde entwickelt. (Spiegel 23 1969)
„Spiegel“-Anzeigenkampagne in wissenschaftlichen Zeitungen, 1971
Die Anzeigenserie kombinierte den Guerillaführer Arafat mit dem Grundgesetz aller Staaten in Ost und West, sie zeigte ferner Vertreter der spanischen Gegenwart, den Zivilgardisten, den Priester, die Offiziere zusammen mit einem berühmten Schillerwort, sie zeigte ein charakteristisches Foto aus einem Nato-Manöver in der Bundesrepublik und einen Säugling, die Unschuld in vier Personen. Eine Fachzeitschrift lehnte mit Verweis auf mögliche Folgen für den eigenen Umsatz ab: „Sie werden ja durch die Vorarbeiten…. wissen, dass die (Zeitungxyz) hat ihre festen Beziehungen sehr weitgehend auch im Ausland, in West und Ost und in der DDR. Die von Ihnen vorgesehenen Anzeigen lassen sich damit leider nicht vereinbaren.“ (Spiegel 16 1971)
"Tom"-Aufkleber "Nazis ins Museum", 1995
Das Berliner Verwaltungsgericht entschied 1995, dass auf Berliner Taxen besagter "Tom"-Aufkleber nicht kleben darf, weil sonst "mit politischer Werbung gekennzeichnete Taxen benachteiligt oder bevorzugt werden" könnten. (taz 27.1.1995)
Hautcreme und Nazi-Werbung,2007
Das Simon-Wiesenthal-Zentrum protestierte 2007, weil eine Kosmetikfirma angeblich mit Nazis wirbt. Das Zentrum forderte den Hersteller auf, die Kampagne zu stoppen. Der beanstandete Werbespot zeigte u.a. eine uniformierte Frau, im Hintergrund schallen Heil-Hitler-Rufe. In der Fernsehwerbung war ferner eine mit Minirock und Trenchcoat bekleidete junge Frau zu sehen, die eine Soldatenmütze in der Hand hält, auf der angeblich ein Hakenkreuz zu sehen ist. Im Hintergrund sind die Rede eines Mannes und eine jubelnde Menge zu hören. In einer ersten Version des Spots hieß es: „Selbst Hitler hatte nicht den Osten und den Westen“. Dann wurde der Spruch in „Noch niemand hatte den Osten und den Westen“ geändert. Der Satz, so verteidigte die Firma sich, beziehe sich auf die Wirkung der Creme, die sowohl Feuchtigkeit spende als auch beruhige. Die Agentur erklärte weiter, der Spot zeige Hitler und einen NS-Soldaten, weil beide für „Revolution“ stünden und damit zur „revolutionären“ Wirkung des Produkts passten. Zudem hab man deutlich machen wollen, dass die Creme sowohl im Osten als auch im Westen Erfolg haben werde. (Netzzeitung 4.4. 2007)
Tchibo/Esso-Werbung: „Jedem den Seinen“, 2009
Die gemeinsame PR-Aktion, die die von den Nazis missbrauchte Redewendung „Jedem das Seine“ variierte wurde nach Protesten schnell gestoppt. Bei der Aktion war bundesweit an rund 700 Tankstellen mit dem Slogan „Jedem den Seinen“ für Kaffeesorten geworben worden. Die Wendung „Jedem das Seine (Suum cuique“) war vor mehr als 2000 Jahren vom Philosophen Cato geprägt worden, der damit zum Ausdruck bringen wollte, dass jeder Mensch das Leben so gestalten solle, wie er es möchte. Die Nazis missbrauchten den Spruch zynisch, indem sie ihn an den Eingang des Konzentrationslagers Buchenwald bei Weimar schrieben. Tchibo entschuldigte sich für die Aktion. (WN 15.1.2009)
Würstchen-Werbung: "Knackig wie Wiener, würzig wie Frankfurter", 2010
Der Spruch aus einem Werbesport für Würstchen stieß einem Fernsehzuschauer uangenehm auf, der sich an die NS-Zeit erinnert fühlte und in der Aufzählung der beiden Städte die Einverleibung Österreichs befürchtete. Der Werberat wies die Klage zurück, da es sich um Wurstsorten, nicht um Städte handle. (MZ 17.3.2010)
Rassismus
Tchibo-Kaffeewerbung: "Wer ist der Dicke neben dem Massai?", 1972
Zunächst wurde die Annonce unkritisch abgedruckt. Erst später wurde sie als "rassistisch" verurteilt. (Spiegel 49 1972)
“Höchst“-Werbung: „heute wird entschieden“, 1982
Zwei Varianten standen zur Debatte: Bei der einen waren drei Kinder aus drei verschiedenen Erdteilen um einen Teller gruppiert, auf der andern wurde ein Negerkind weggelassen. Im Labortest hatte sich gezeigt, dass die Sympathiewerbung für den Chemie-Konzern wesentlich besser ankommt, wenn auf dem Gruppenbild der Vertreter Afrikas, ein krausköpfiges Negerkind, weg retuschiert ist. (Spiegel 32 1982)
Zigarettenwerbung: Peter Stuywesant "Come together", 1990
"Eindeutig rassistisch" fanden amerikanische Schwarze ein Benetton-Bild auf dem ein weißes Kind an der Brust einer schwarzen Frau saugt. 1990 deklinierte der Hamburger Reemtsma-Konzern das Motiv durch und zeigte für seine Zigaretten-Werbung weiße und schwarze Personen als Liebespaar. Man selbst feierte die "Provokation" als "Tabubruch. (Spiegel 34 1990)
Shampoon: "Schwarzkopf-Asylant" (Poster), 1993
In einem Prospekt des Arndt-Buchdienstes wurde das nachfolgend gezeigte Poster mit dem Untertitel "Schwarzkopf-Asylant" angeboten. Ob es kritisiert oder gar zurückgezogen wurde, ist nicht bekannt. (Spiegel 47 1993)
Tourismus-Werbung für Mecklenburg-Vorpommern: "Hier ist MV. Blond. Blauäugig. Blöd", 1997
Die Werbekampagne, der Idee Idee zugrunde lag, Vorurteile mit Vorurteilen zu bekämpfen, führte zu einem PR-Gau. Es hagelte Proteste. Selbst die Grünen stuften sie als "nationalistisch" und "primitiv" ein und fühlten sich an "schlüpfrige" Kontaktanzeigen erinnert. Aber auch die ewig-Gestrigen zogen zu Feld und beschwerten sich mit Fragen wie: "Wohnen bei Euch nur Neger?" oder "ob das Geld" für die Anzeige "etwa aus Senegal oder Belgisch-Kongo" komme? (Spiegel 34 1997)
L´Oreal: Schwarze Models aufgehellt, 2008
Kritik gab es 2008 an Werbefotos, auf denen schwarze weibliche Models so ausgeleuchtet oder retuschiert waren, dass die Hautfarbe heller erschien, wie etwa bei Produktion von L´Oreal. Bei Beyonce´ oder Diana Ross wurde zudem auch noch das Haar geglättet. (Mail online 14.8.2008)
Religion
Afri-Cola-Werbung: Nonnen im Rausch, 1968
Die All-Orgasmus-Formel „Sexy-mini-super-flower-pop-op-cola“ mit den berauschten Nonnen brachte dem Getränkehersteller 1968 eine Rüge der Kichre ein. Die Weltformel sechziger Jahre stammte von Charles Wilp. (Sdt. 4.1.2005)"Playboy"-Reklame mit Priester, 1987
Nach Protesten und einer Rüge des Werberats wurden die Reklameposter für den "Playboy" vorzeitig zurückgezogen. Sogar ein Gerichtsverfahren wurde von kirchlicher Seite aus angedroht. Auch der Werbefilm für "Langnese"-Eis mit den Nonnen und ihren hochgewirbelten Trachten wurde angeprangert. (Spiegel 18 1987)
Jeans-Werbung: Das letzte Abendmahl - nackt, 1993/2005
Die Jeans-Werbung mit einem Jesus und barbusigen Schönheiten als Jünger wurde nach Kritik der Kirche zurückgezogen. Gleiches galt für Fotos, bei denen die Jünger durch mehr oder minder nackten Frauen ersetzt wurden. Das Poster wurde 2005 von der Stadt Mailand nach Rücksprache mit dem Institut der freiwilligen Selbstzensur der Werbebranche (IAP) verboten "weil es die Grundlagen des christlichen Glaubens berührt". (Sdt. 12./13.2.2005)
Schockwerbung
“Münchner Kindl“ – „Verunglimpfung des Münchner Stadtsymbols“, 1971
Der heimische Siebdrucker Werner Templin hatte eine Greisin als „Münchner Kindl“ ausstaffieren lassen und mit Olympiaringen und welkem Rettichkraut versehen. Die Deutsche Städte-Reklame hatte zunächst 500 Exemplare geordert, um sie in der City zu verkleben. Dann kam die Intervention aus dem Rathaus und das Plakat wurde zurückgezogen. (Spiegel 4 1971)
Werbung: Margaret Thatcher, Neil Kinnock und David Owen als Gehängte, England 1990
Yellowhammer erntete für den Entwurf drastischer Plakate, die die drei Politiker Margaret Thatcher, Neil Kinnock und David Owen als Gehängte zeigt, heftige Kritik. Das Bild der Gehängten war durch die Frage begleitet: „Wäre eine Hängepartie im Parlament nicht besser für Großbritanien?“ (Spiegel 34 1990)
Toscani-Werbung Benetton, 1991
Ein Kind in der Werbung, noch an der Nabelschnur hängend, blutbedeckt und verschmiert, löste weltweite Empörung aus: In Italien legte die Selbstkontrolle der Werbeindustrie Protest ein, ein Stadtrat in Palermo ließ das Plakat abreißen, weil er sich um das Seelenheil seiner Mitbürger sorgte, in England, Frankreich und Österreich wurde das Reklame-Baby aufgrund von Einsprüchen wieder abgehängt und der Marketing-Chef von Benetton quittierte empört den Dienst. Seinen ersten Skandal löste Toscani 1974 aus, als er seine Verlobte von hinten in äußerst kurz abgeschnittenen Jeans Marke „Jesus“, die ihr formschönes Hinterteil nur dreiviertel bedeckte, fotografierte. Das Jesus-Wort „Wer mich liebt, soll mir nachfolgen“ flimmerte in Weiß über die sichtbaren Wölbungen. Der Vatikan und Feministinnen empörten sich gemeinsam. Dann erarbeitete Oliviero Toscani, der seit 1984 Werbung für Benetton betreibt, vergleichsweise harmlose Entwürfe. Doch schließlich wurden seine Plakate und Anzeigen wieder provokanter. 1989 gab es erste Proteste in den USA, als auf einem Foto ein schwarzer Busen, an dem ein weißes Baby saugt, zeigte. Das brachte ihm den Vorwurf ein, „rassistische“ Werbung zu betreiben. Auf dem Höhepunkt des Golfkrieges 1991 störte sein Foto eines endlos großen Soldatenfriedhofes unter dem Motto der „United Colors of Benetton“ das sittliche Empfinden der Werberäte. Auf weiteren skandalträchtigen Bildern waren bunte Kondome, die durch das Bild schweben, und ein Priester, den eine junge Nonne küsst, zu sehen. Die Veröffentlichung der Fotos eines Aids-Kranken für Werbezwecke hatte einen besonderen Hintergrund:David Kirby starb an Aids, die Krankheit hatte sein Fleisch verzehrt und seine Muskeln schrumpften, die Hat war rot und wund und fleckig und aus seinen Augen war der Glanz verschwunden. Sein Vater stützte Arm, die Mutter und Schwester dabei: Das Bild erschien im Life Magazin und wurde auf einer Ausstellung in Amsterdam prämiert. Zum Entsetzen aller Kunstfreunde bekam Oliviero Toscani, der Fotograf und Werbe-Designer der Firma Benetton den toten Kirby zu Gesicht und kaufte die Rechte, klebte das grüne Firmenlogo an den rechten Rand und warb mit Strickwaren dafür, zusammen mit den Fotos von Natur- und Verkehrskatastrophen, einem verblutenden Opfer von Mafia-Killern und einem afrikanischen Bürgerkriegssoldaten, der in seinen Fäusten einen menschlichen Knochen hält. Es hagelte Proteste: In der britischen Welle erschienen zwei leere Seiten, die Chefredakteurin befürchtete das Bild des Aids-Toten könnte ihr ganzes Blatt mit Unmoral infizieren. Der Deutsche Werberat, das Selbstkontroll-Organ der Reklame-Wirtschaft empörte sich mit aller ihm zur Verfügung stehenden Autorität und das deutsche Feuilleton von "Tempo" bis zur "Frankfurter Allgemeinen" hielt die Anzeigen für "moralisch verwerflich" und die Ästhetik für fragwürdig. Aids Aktivisten fühlten sich in ihrer Krankheit bösartig verhöhnt Später wurden auch andere Bilder zurückgewiesen. So weigerte sich die amerikanische Zeitschrift "National Review", die Benetton-Anzeige in der ein nackter menschlicher Körperteil mit dem Stempelaufdruck H.I.V. gezeigt wurde, zu veröffentlichen: „Anzeigen mit Nackten“ so begründete Capano die Ablehnung „druckt die National Review nie." (Spiegel 39 1993 und Zeitmagazin 11 1992) Vom Werberat verboten wurde ebenfalls eine Werbung 1990, die als sexistisch galt. Zur Diego Della Palmas Parfum Werbung wurde eine Theaterszene im Zuschauerraum gezeigt: zwischen lauter Zuschauern im Smoking umringen fünf wohl gebaute nackte Männer eine Frau im kleinen Schwarzen. Diese erwidert den Kuss des einen von ihnen deutlich. Der Werberat sah darin eine surreale Orgie. Auch die H.I.V.-Motive mit nacktem Hintern wurden diskutiert und mitunter nicht veröffentlicht. So weigerte sich die amerikanische Zeitung "National Review" die Annonce zu veröffentlichen. Herausgeber Capano begründete dies damit, dass seine Zeitungen "Anzeigen mit Nackten" niemals drucke.(Spiegel 42 1991 und 39 1993)
Vogue: Nachgestellte Fotos aus Abu Ghraib, 2006
Steven Meisel, Modefotograf aus New York, stellte mit Fotos die Folterszenen aus Abu Ghraib nach und sorgte damit für einen Skandal und Zensurforderungen. Die Aufnahmen wurden in der italienischen „Vogue“ in einer 30-seitigen Bildfolge „Ausnahmezustand“ veröffentlicht. Gezeigt wurden Kleider von Modermachern wie Yves Saint Laurent oder Louis Vuitton. Eines der Bilder zeigte ein am Boden kniendes Fotomodell mit Minikleid und Wachhund. Im „Guardian“ wurden die Bilder als Beleg für den „derzeitigen moralischen Ausnahmezustand“ gewertet, in dem Folterphantasien „in Mode“ kommen. (Spiegel 39 2006)
Sexismus und Frauenfeindlichkeit
"Be a Voyeur", 1969
Werbeplakate für den Roman "Der Voyuer", auf denen das Akt-Modell Sarah Smith weitgehend unbekleidet zu sehen war, brachten 1969 den Verkehr am Times Square in New York zum erliegen. Ursprünglich sollte das Plakat dort vier Monate hängen, die Polizei musste es aber bereits nach 10 Minuten entfernen. (Spiegel 8 1969)
Städtewerbung: "Ihr Mädchen von Hannover", 1971
Feil geboten wurden auf einer Städtewerbung für Hannover die Mädchen der Stadt, die interessierten Besuchern "das Vergnügen an dieser Stadt weitervermitteln wollen". Entsprechende Anfragen von Männern folgten nach der Veröffentlichung umgehend. Das Plakat geriet in die Kritik und wurde zurückgezogen. (Spiegel 15 1971)
"Deutsche Bahn" Kalender: "Ich verkaufe auch Fahrkarten", 1973
Das Werbeplakat wurde nach einem Einspruch des Deutschen Frauenrats zurückgezogen. Denn "Wir fanden, dass der Busen zu hübsch, das Gesicht zu dämlich und die Haltung zu eindeutig war."
Städtewerbung: "Berlin wir freuen uns auf Dich!", 1979
Diskutiert mit Blick auf eine mögliche "sexistische" Darstellung wurde 1979 ein Werbeplakat für die Stadt Berlin, auf der u.a. eine Frau ihren nackten Hintern dem Betrachter entgegenreckt. Kritik gab es aber auch von den Alternativen, die sich durch das Plakat nicht repräsentiert sahen. Die brachten ihr eigenes Plakat heraus: allerdings auch mit nacktem Hintern. (Spiegel 11 1979)
Frauenfeindliche Werbung 1980: „Welche würden Sie lieber anfassen?"
- „Welche würden Sie lieber anfassen?“ fragte ein Chemiefabrikant, der in einer Anzeige, auf dem straffe und weniger straffe Frauenbrüste abgebildet waren. Geworben wurde für ein Beschichtungsverfahren für Photopapier. - "Da ist was dran“. Auch der „Wienerwald“ ließ um 1980 für seine Hähnchen-Werbung Brüste sprechen – großflächig und stramm im Dirndl-Dekolte´. - Ich hab´ zwar den Numerus Clausus nicht geschafft, dafür aber die Nummer mit Claus“ ließ Brennerei-Besitzer Günter Mast seine potenziellen Jägermeister-Trinker wissen. Die Bielefelder Pädagogik-Professorin Christiane Schmerl, kam ob solcher und ähnlicher Anzeigen nach sechsmonatigem Studium zu dem Ergebnis: Frauen würden zunehmend als „Sexprodukt, hilflos, verwöhnt, maßlos und modisch überdreht diskriminiert.“ (Spiegel 22 1980)
Werbung ohne Sex: Familienministerin Huber, 1980
Erst wollte sie Sex in der Werbung verbieten, dann wieder nicht: Familienministerin Antje Huber verlangte in der "Bild" ein neues Gesetz „damit Frauen mit ihren körperlichen Merkmalen nicht länger in der Werbung missbraucht werden.“ (Spiegel 22 und 53 1980)
Monatsblatt: „Gut Speisen und Reisen“ - „Frauen sind wie Kaviar: nutzlos und wunderbar“, 1981
1981 erschien in dem bunten Monatsblatt der Wienerwald Holding des Münchner Hähnchenbraters Friedrich Jahn auf der Kuriositätenseite die Weisheit des Monats: „Frauen sind wie Kaviar: nutzlos und wunderbar.“ Der Urheber war unbekannt. Dennoch stellte eine Anwältin Strafanzeige gegen den Verleger, den Chefredakteur vom Dienst und den Konzernchef Jahn, weil sie sich als Frau durch die Behauptung „nutzlos“ und damit in ihrer Ehre gekränkt fühle und ihr „ethischer und sozialer Wert mißachtet werde.“ Die Anwältin führte ferner eine ganzseitige Zeitungsanzeige der Deutschen Bundespost ins Feld, in der ein dralles Mädchen im Badeanzug in einer Telefonzelle steht („Machen Sie mal Ihre Kollegen heiß“) und das Plakat eines Strumpfhosenherstellers, das bundesweit auf großen Werbeflächen zu sehen war: Eine Hübsche im Freizeit-Look, die Beine freigestellt, die Blicke einer Soldatengruppe auf sich ziehend. Gegen die Anzeige der Bundespost hatten auch Mitstreiterinnen einer FDP-Frauenvereinigung protestiert, weil sie sich als „Scharf- und Heißmacherinnen abgestempelt“ fühlten. Ein Arwa-Plakat für Strumpfhosenwerbung wurde von der Frauengruppe der Uni Stuttgart als „grobe Frauenfeindlichkeit und Verherrlichung von Gewalt gegen Frauen“ verurteilt. Vom Gericht aber wurden die Vorwürfe nicht bestätigt. (Spiegel 34 1981)
Zigarettenwerbung für West: Domina, 1991
Der Werberat empörte sich über eine Plakatwerbung für Zigarette „West“ mit einer Domina, die er als „frauendiskriminierend“ empfand. „Die Abbildung einer derartigen Prostituierten“ verstieße gegen die guten Sitten, empörte sich der Werberat. (Spiegel 31 1991)
Fahrradwerbung: "Frauengerechtes Fahren",1992
Stefan Ostendorf, Mitglied des Berliner Fahrradladenkollektivs "Velophil" hatte in der "taz" um weibliche Kunden werben wollen und dazu ein freizügiges Prospekt herausgegeben. Auf den Doppelseiten machte sich jeweils ein männlicher Unterleib mit flottem Nonsens für „frauengerechtes Fahrradfahren“ stark: z.B. „Meine Frau behauptet, ihre Gehaltserhöhung hängt von der Rocklänge ab. Ich dagegen finde, das ist doch alles nur eine Frage des Absatzes“. Die "taz" befürchtete Abokündigungen. ("Wir haben schließlich eine zum Teil stark moralistische Leserschaft.“ Das Kollektiv vom Fahrradladen war empört, schließlich bestand es aus 4 Männern und 2 Frauen. (Spiegel 23 1992)
„Laßt Euch nicht verarschen“: frauenfeindlich, 2004
2004 haben sich 929 Bürger beim Deutschen Werberat über Werbespots im Fernsehen oder Radio über Anzeigenkampagnen, Zeitschriften oder das Internet beschwert. Allein 115 Beschwerden bezogen sich auf die Kampagne eines Elektronikkonzerns mit dem Motto: „Laßt Euch nicht verarschen“. Häufigster Vorwurf war, dass die Werbung frauendiskriminierend sei. (FAZ 16.3.2005)
Ikea Werbung: nackter Po und Sofa, 2004
Camilla Isene, norwegische Fotografin und gelegentliches Aktmodell, brachte das Möbelhaus Ikea in den Ruf, "frauenfeindlich" zu sein. Für eine Sofa-Kampagne hatte die junge Werbeexpertin ihren Po entblößt und der strahlte in allen größeren norwegischen Städten von überdimensionalen Werbeplakaten. Norwegische Frauenverbände protestierten: Die Rückenansicht einer unbekleideten Frau, zudem fotografiert durch ein geöffnetes Autofenster, wecke beim Betrachter „Assoziationen mit der Prostitution“. Die Werbung präsentiere die Frau als „käufliches Sexualobjekt“. Ikea wehrte sich mit dem Hinweis, die Firma sei „nicht der Auffassung, dass ein normaler Po anstößig ist – es handelt sich einfach um den nahe liegensten Körperteil, wenn man an Sofa denkt.“ (Spiegel 47 2004)
Jerry Hall: Angeleinte Herren, London, 2005
Das Werbeplakat für die Reality-TV- Show der Ex von Mick Jagger, des texanischen Modells Jerry Hall, missfiel den Verantwortlichen der Londoner U-Bahn. Die angeleinten Herren erinnerten vom Motiv her nicht nur an eine Szene aus „Die 120 Tage von Sodom“, sondern erschienen laut Kritikern auch „als sexuelle Objekte“. Die Plakate wurden entfernt. (Focus 2005)
Außenwerbung „Novum“-Erotik-Markt, Münster 2005
Die Werbung wurde als „pornographisch“ eingestuft. Nach einem Außentermin erklärte sich der Novum-Geschäftsführer Lothar Schwier bereit, seine Außenwerbung zu entschärfen. Vor allem Pendler hatten die Werbung als „Degradierung der Frau zum bloßen Sex-Symbol“ und forderten mehr Rücksichtnahme auf Kinder. (MZ 24.5.2005)
Joseph Corre: Werbung für Unterwäsche, 2005
2005 machte der Unternehmer Joseph Corre mit einer Agentur Provocateur Werbung für Unterwäsche und musste hernach vor Gericht. Denn die Plakate seiner Dessousfirma zeigten Mädchen in raffinierter Pose und hatten außer schwarzen halterlosen Strümpfen nichts an. „Die Zensur kam damit nicht klar. Ich fragte die Zuständigen, ob sie etwas gegen Busen, Po, die Stellung der Beine hätten. Nein! Es war der Gesichtsausdruck der Mädchen, der als unpassend empfunden wurde“, sagte Corre. (Spiegel 36 2006)
Kampagne für das Magazin „Deutsch“ von Jung von Matt/Meckar: Frau mit Hund, 2007
Für viel Empörung löste die Werbung für das Magazin „Deutsch“ 2007 aus. Vorwurf: Frauenfeindlichkeit. (online 2007)
Amnesty versus Dolce & Gabbana: Sexismus, 2007
Amnesty International verurteilte die Werbekampagne des Nobellabels 2007. Zu sehen war , ein halb nackter Mann, der sich über eine sich wehrende Frau zu Boden drückt. Weitere nur spärlich bekleidete Männer beobachten die Szene regungslos. Neben Amnesty verurteilte ein spanischer Frauenverband die Werbung als „sexistisch“ und auch in Italien lief /man/frau Sturm gegen die „aggressive“ Werbung. In Spanien wurde die Kampagne gestoppt. Bereits im Januar 2007 musste Dolce eine „unverantwortliche“ Kampagne, bei der Messer und Verletzungen eine wichtige Rolle spielten, in England nach Protesten absagen. Umstritten waren ferner drei die Kampagnen von Benetton, die u.a. 2000 Häftlinge in amerikanischen Todeszellen oder ein mit menschliches Herz zeigten. (Welt 5.3.2007)
Werbung für die Armani-Kinderkollektion (Armani Junior), 2007
Zwei niedliche achtjährige Mädchen lächeln verträumt in die Kamera und halten sich umschlungen. Beide Kinder haben asiatische Gesichtszüge. Ein Mädchen trägt ein Bikini-Oberteil für Erwachsene, das sich auf dem mageren Körper wölbt und die Lippen sind rot geschminkt. „Das Foto ist am Limit dessen angelangt, was in der Werbung erlaubt ist“, so urteilte Arturo Canalda, der Kinderschutzbeauftragte der Region Madrid. Für ihn ist die Werbung eine klare Verherrlichung von Kinderprostitution, eine „Einladung zum Sextourismus“. Er forderte die Armani-Verantwortlichen in Mailand auf, das Plakat zurückzuziehen. (Welt 12.3.2007)
Paris Hilton wirbt für Bier, Brasilien 2010
Mit dem Werbespot, bei dem Hilton sich lasziv eine Dose Bier über den Körper reibt, zog sich die Hotelerbin den Unmut des brasilianischen Familienministeriums zu: das sei "erniedrigend für alle Blondinen". (stern de 28.2.2010)
Mester Kunstbaue "Füchse stehen drauf...", 2010
Eine Anzeige aus der Zeitschrift "Wild und Hund" wurde als unangebracht zurückgewiesen, weil sie ein "demütigendes Frauenbild" zeigt: zu sehen war eine nackte Frau über einem Fuchsbau und dem Spruch: "Jäger stehen drauf, Füchse sowieso." (MZ 17.3.2010)
Karstadt-Werbung: "Größe zählt", 2010
Die Werbung wurde vom Werberat als "sexistisch" gerügt. (MZ 17.3.2010)
Sexismus und Frauenfeindlichkeit - unbeanstandet
Werte- und Moralvorstellungen wandeln sich. Nachfolgend werden Werbungen vorgestellt, die heute vermutlich als sexistisch eingestuft würden, die aber zu ihrer Zeit - soweit bekannt - nicht zensiert, kritisiert oder beanstandet worden sind.
"Tarraco", 1970
"Colt"-Werbung 1972
"Wicu-Rohr"-Werbung 1, 1972
"Wicu-Rohr"-Werbung 2, 1972
"Yashica"-Werbung, 1972
"Grohe-Armaturen"-Werbung, 1972
"Grohe"-Werbung 2, 1972
"Heinrich Dry Gin"-Werbung, 1972
"Goldschmuck"-Werbung, 1973
"Boco"-Werbung, 1974
"Volvo"-Werbung, 1974
"Australien", 1974
Filter "Rillos", 1975
Amaretto "Florio", 1979
Kaldewei Badewannen, 1985
Toshiba: "Die Zensur macht Ihnen unser neuer Kopierer ohne Probleme rückgängig", 1987
Tiere
Afri-Cola-Werbung mit Affen, 1987
Der Getränkemulti Pepsi ließ 1987 einen Werbefilm von Afri verbieten, in dem zwei Affen ironisch einen Geschmackstest mit Cola machen. Hintergrund: Pepsi hatte vorher mit einem Film geworben, bei dem reale Menschen angeblich ernsthaft Cola testen.
VW-Werbung: „Singing Dog“, England 2008
Das Commercial von VW wurde vom britischen Fernsehen zurückgezogen nachdem Hunderte von Zuschauern gegen den "Tiermißbrauch" protestiert hatten. Gezeigt worden waren u.a. Hunde die zittern. (Netzzeitung 6.4.2008)
Andere Länder
England
Radiospot: Deutscher als tyrannischer Chef, 2010
Eine britische Jobbörse wollte mit einem Spot werben, in dem ein Deutscher als tyrannischer Chef dargestellt wurde, doch der britische Werberat legte sein Veto ein: der Spot lege nahe, dass deutsche "sich unverschämt oder aggressiv gegenüber anderen verhalten." (welt online 20.1.2010)
"Clean and Clear": Anti-Akne-Salbe, England 2010
Zurückgezogen wurde eine Werbekampagne, bei der die angebliche Wirkung der Anti-Akne-Salbe durch übertünchendes make-up "herbeigemogelt" wurde. (daily mail 6.1.2010)
Krankenschwester auf den Werbeflächen von Busen, 2010
Die Berufsvereinigung der Krankenschwestern sah sich durch eine Werbekampagne auf den Fahrzeugen einer englischen Buslinie als "sexy" verunglimpft und forderte den Stopp der Kampagne. (Daily Mail Online 16.2.2010)
Israel
Gesetz gegen bearbeitete Werbefotos, 2010
Israel plante 2010 mit Hilfe des sog. "Photoshop-Gesetzes" Werbeplakate zu kennzeichnen, auf denen die Model-Körper digital bearbeitet wurden, um gegen das "verfälschte Bild der Idealfrau" der Modeindustrie anzugehen. Die hatte z.B. aus einer "aufgeschwemmten" und sichtlich gealterten Britney Spears eine schlanke "Lolita" gemacht. (welt.de 18.6.2010)
Österreich
Sölden: „Sex-Krieg“, Österreich 1991
Der Bürgermeister der Gemeinde Sölden hatte das Vorwort geschrieben für eine Werbebroschüre geschrieben, indem halbnackte Mädchen um die Gunst der Urlauber buhlten. Daraufhin riefen Frauen dazu auf „das Sölder Skigebiet zu boykottieren“. Der „Kurier“ sprach vom „Sex-Krieg“. (Spiegel 16 1991)
Polen
Microsoft empfand Farbigen als Werbeträger ungeeignet, 2009
Ursprünglich war für die Werbung für Microsoft in Polen ein Farbiger vorgesehen, der an einem Konferenztisch sitzt. Den hielt man dann aber doch für ungeeignet und ersetzt ihn kurzerhand durch einen Weißen. (chip de 26.8.2009)
USA
“Obszöne“ Werbung
Calvin Klein: "Obsession"-Werbung, 1987=
Die Anzeigenkampagne sorgte in den USA für helle Empörung. (Spiegel 51 1987)
Beyonce Knowles im Bikini, Las Vegas 2007
Auf riesigen Werbeplakaten zeigte Beyonce im Bikini zu viel Haut und verstörte damit die Anwohner in Las Vegas. Mittels einer Petition forderten sie, die „obszöne“ Schönheit wieder entfernen zu lassen. (Netz 13.11.2007)
Kurioses
Bier-Werbung „Sol“, USA/UK 1993
Der amerikanische Modefotograf Herb Ritts hatte für die Biermarke „Sol“ Werbeaufnahmen gemacht, deren Motive (Frau mit zwei Muskelmännern durch die Brandung laufend oder in inniger Umarmung verkeilt) der britischen Aufsicht zur Einhaltung von Standards in der Werbung (Advertising Standards Authority/ASA) nur bedingt gefielen. Sie untersagte die Benutzung des ersten Meeres-Motivs, hatte aber keine Einwände gegen das Trio im lasziven Clinch. Die Werber der Bierfirma zeigten sich über diese Entscheidung verblüfft: „Wir hatten geglaubt, dass vielleicht das zweite Motiv nicht durchgehen würde.“ Die ASA klärte auf: Das erste Bild „verbindet mit dem Genuss von Alkohol das Herumtoben im Wasser und legt nahe, dass das ungefährlich sei“. (Spiegel 41 1993)
Kondomwerbung mit Lady Di, Norwegen, 1995
Im „Dagbladet“ Norwegens mahnte ein Kondomhersteller neben dem Konterfei der Prinzessin: „Es ist einem Menschen nur schwer anzusehen, ob er Sex mit zufälligen Partnern hatte.“ Der Buckinghampalast tobte. (Stern 49 1995)
“Red Bull“ Werbung zur Weihnachtsgeschichte, 2007
Ein Priester aus der sizilianischen Stadt Agrigent machte 2007 gegen den „Red-Bull“-Hersteller mobil. Stein des Anstoßes war ein Werbespot, der laut Don Marco Damanti die Weihnachtsgeschichte veralbert. In dem Werbe-Filmchen tritt neben den Heiligen Drei Königen ein weiterer König mit einer Dose des Drinks auf. Auf die Engelchen zeigend sagt Josef zu Maria: „Was meinst Du, wie die es schaffen, zu fliegen?“. Das Unternehmen wirbt mit dem Spruch „Red Bull verleiht Flügel“. Inzwischen hat sich Konzern entschuldigt und das Ende der Kampagne angekündigt. (WN 1.12.07)





