Religion
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Kreuze
Nackte Frau am Kreuz, Kurt Fahrner, Basel 1959/1980
Bereits im Frühjahr 1959 präsentierte der Maler Kurt Fahrner in Basel das Bild einer nackten, gekreuzigten Frau. Die Aktion führte über heftige Debatten im Parlament bis hin zu Hausdurchsuchungen und Verhaftungen. Das Gemälde landete gemäß dem Urteil der Schweizer Bundesrichter schließlich in der Asservaten-Kammer der Basler Staatsanwaltschaft: „Die Form des Kreuzes und die Inschrift am Kopf des Stammes erinnern den Christen unfehlbar an den Kreuzestod von Christus. Anstelle des Leibes Christi hängt jedoch eine nackte Frauengestalt am Kreuz, die mit gespreizten Beinen die deutlich sichtbare Scham offen zur Schau stellt, als ob sie zum Geschlechtsakt bereit wäre. Eine solche ans Unzüchtige grenzende Darstellung, mit dem Erlösungstod Christi in Parallele gesetzt …, verletzt in gemeinster Weise die religiöse Überzeugung anderer.“ Fahrner selbst wurde zu 100 Franken Buße und drei Tagen Haft auf Bewährung verurteilt. Als er 1978 starb, wurde eine große Retrospektive vorbereitet, wobei auch das schon fast vergessene Bild wieder in den Blickpunkt geriet und eine Herausgabe gefordert wurde. Selbst der Erste Staatsanwalt Basels, Hans Hungerbühler, schloss sich dieser Forderung an und dokumentierte in einer Stellungnahme, wie sehr sich Überzeugungen und Wertvorstellungen verschieben können: „Ich habe das Gemälde kürzlich besichtigt. Dabei ist mir – offen gestanden – erst richtig bewusst geworden, in welch grundlegender Weise sich die Anschauungen in den letzten 20 Jahren geändert haben. Ich glaube jedenfalls nicht, dass das Gemälde heute noch sittliche oder religiöse Gefühle verletzen könnte.“ (Spiegel 31 1980)
"Pardon"-Titel: Osterhase am Kreuz, 1970
In der Osterausgabe der Satire-Zeitschrift "Pardon" (9/1970) war anstelle von Christus ein gekreuzigter Osterhase zu sehen. Es erfolgte Anzeige. (Sdt. 8/9.8.2009)
L´Espresso, Italien 1975
Auf dem Titel wurde eine nackte Frau am Kreuz gezeigt, um innerhalb der Abtreibungsdebatte in Italien für die Abtreibungsbefürworter Stellung zu beziehen. Das Bild wurde scharf verurteilt. (Spiegel 6 1975)
Edwina Sandys: "Christ", New York 1976
Die Churchill-Enkelin hatte eine Christus-Figur mit weiblichen Formen aus Bronze hergestellt, um "das Leid der Frauen künstlerisch aus(zu)drücken" (Sandys). Das französische Nachrichtenmagazin "L`Express" kritisierte das Kunstwerk scharf und befürchtete, Churchill werde "sich im Grabe herumdrehen". (Spiegel 3 1976)
"Titanic"-Satire: „Ich war eine Dose“, 1987
"Titanic" zeigte auf einer Doppelseite mit dem Vermerk „keine Anzeige“ einen an Kreuz geschlagenen Jesus und dazu den von der Blechindustrie entlehnten Werbespruch für Weißblechrecycling. Es hagelte Kritik und brachte eine Unterlassungsklage. (Spiegel 8 1987)
Verbot von Kreuzen in bayrischen Klassenzimmern, 1995
1995 verbietet das Verfassungsgericht die Kreuze in bayrischen Klassenzimmern. Hintergrund der Auseinandersetzung war die bayrische Schulordnung, die festlegt, dass in jedem Klassenzimmer ein Kreuz hängen muss. Das Verfassungsgericht befand, dass dieser Passus gegen das Grundgesetz verstößt. Damit löste es eine Welle der Empörung aus, die insbesondere von vielen CSU-Politikern mit Widerstandsparolen gegen das Urteil begleitet wurde. (Spiegel 33 1995)
Martin Kippenberger, Frosch, 2008
Nachdem es bereits vorher von kirchlicher Seite Proteste gegeben hat, verurteilte anschließend auch Papst Benedikt XVI. eine Arbeit von Martin Kippenberger. Die Installation zeigt einen ans Kreuz genagelten Frosch. In der einen Hand hält der Frosch einen Bierhumpen; in der anderen ein Ei. Dem Betrachter wird die Zunge gezeigt. Nach Kippenbergers Deutung zielt es auf eine heuchlerische Gesellschaft, die nur nach außen untadelig erscheint. Das Oberhaupt der katholischen Kirche hingegen kritisierte vor allem den Umgang mit einem „Symbol der Liebe“, das viele Gläubige in ihren religiösen Gefühlen verletze. (MZ 29.8.2008)
Ruppe Kosseleck, „Cola-Kreuz“, Münster/Dubai, 2007/08)
Für verschiedene Länder der Erde hatte der Münsteraner Künstler Ruppe Kosseleck aus alten Cola-Dosen des jeweiligen Landes ein Kreuz geformt. In Dubai wurde die Arbeit als anstößig empfunden und aus der Ausstellung entfernt. Vermutlich wurde sie zunächst von einem Besucher von der Wand gerissen und anschließend von Reinigungskräften diskret dem öffentlichen Blick entzogen. Kosseleck kommentierte die Aktion mit den Worten: „eigentlich freut es mich. Man sieht, dass sich die Leute nicht alles gefallen lassen. Und dass eine Potenz in der Arbeit steckt, die zur Zensur führen kann. Das ist nicht schlecht.“ (MZ 29.8.2008)
Europäischer Gerichtshof zum "Kreuz", November 2009
In einem Urteil stellte der Gerichtshof 2009 fest, dass ein Kreuz in Klassenzimmern nicht zu suchen habe. Insbesondere Italien weigerte sich, dieser Einschätzung zu folgen. (online)
Christus-Darstellungen
Andres Serrano, „Piss Christ“, 1987/89
1989 gewann das Foto „Piss Christ“, das Christus am Kreuz hängend in einem Gefäß zeigt, dessen Flüssigkeit aus dem Urin des Künstlers besteht, den Southeastern Center for Contemporary Art´s Preis in den USA. Nach heftigen Prosteten beschäftige sich sogar der Senat der USA mit dem Fall. (online)
Cosimo Cavallaro, „My Sweet Lord“, New York 2007
Ein aus Schokolade bestehender Christus mußte aus einer Ausstellung zurückgezogen werden, nachdem sich massiver Protest gegen die Arbeit gerichtet hatte. (online)
Papst, Priester und Nonnen
Rosa von Praunheim: "Axel von Auersperg, 1974
Das ZDF beschnitt den Film um die erste halbe Stunde, weil der Filmer darin "den religiösen Glauben verächtlich" gemacht habe. U.a wurde der Bischof von der Schauspielerin Evelyn Künneke gespielt.
Titanic-Satire zum Papstbesuch und Nachdruck in der Asta-Zeitung „Trabbel“, Osnabrück 1980/81
Mit polizeilichem Großeinsatz gingen Staatsanwälte gegen den Abdruck einer Papst-Satire vor. Die Fahnder hatten dafür eigens beim Amtsgerichts Osnabrück einen Durchsuchungsbefehl erwirkt. Die gesamte Aktion galt der Verbreitung einer Persiflage, die zunächst in der Satirezeitung „Titanic“ zum Papstbesuch veröffentlicht worden war. In der Ausgabe wurde der Papst u.a. mit einem Schaf und der Sprechblase „Ich komme“ dargestellt. Als dann aber „Trabbel“, die Zeitung des Asta der Universität Osnabrück den Artikel nachdruckte, war der Spaß vorbei. Professor Eduard Oestel, damals Wissenschaftsminister im Kabinett von Ernst Albrecht, erstatte Anzeige gegen den Asta wegen „Beleidigung von Organen und Vertretern ausländischer Staaten und Beschimpfung von Religionsgemeinschaften.“. Mit Betroffenheit quittierte Universitätspräsident Manfred Horstmann den Nachdruck und untersagte sofort den weiteren vertrieb der Zeitung. Die zuständige Staatsanwaltschaft ließ nicht nur Wohnungen der Asta-Referenten durchsuchen, sondern auch die der Eltern. Denn „der Bereich der Satire“, sei mit dem Nachdruck „bei weitem überschritten“. (Spiegel 4 1981)
"Playboy"-Reklame mit Priester, 1987
Nach Protesten und einer Rüge des Werberats wurden die Reklameposter für den "Playboy" vorzeitig zurückgezogen. Sogar ein Gerichtsverfahren wurde von kirchlicher Seite aus angedroht. Auch der Werbefilm für "Langnese"-Eis mit den Nonnen und ihren hochgewirbelten Trachten wurde angeprangert. (Spiegel 18 1987)
Cartoonist António: Papst mit Kondom auf Nase, Portugal, 1993
Eine Karikatur von Johannes Paul I. führte in Portugal zu einem Proteststurm. In der Wochenzeitung „Express“ war dem Verhütungs– und Abtreibungsgegner ein Kondom auf der offenbar erkälteten Nase gezeichnet worden. Daraufhin unterschrieben mehr als 20000 Portugiesen eine an das Parlament gerichtete Petition, die zu einer heftigen parlamentarischen Debatte führte. (Spiegel 13 1993)
Haderer: Papst und Empfängnisverhütung, 1994
Für helle Empörung sorgte 1994 eine Karikatur des "Stern" (36 1994) zum Thema Kirche und Empfängnisverhütung, die den Papst als geschlechtsloses Wesen zeigt. U.a. in Leserbriefen wurde die Zeichnung als "gemein und niederträchtig" verworfen. (Stern 38 1994)
Karnevalskostüme: Nonne und Priester,1996
Entschieden protestierte die Rottenburger Ordinariatsrätin Therese Wieland gegen das neuerliche Angebot des Versandhauses Neckermann, Priester und- Nonnenkostüme für die Karnevalssaison 1996 anzubieten. Frau Wieland fand die Verkleidungen „ungeheuerlich“. Das Versandhaus reagierte gelassen: es sehe in den Kostümen keine Diskriminierung oder Herabsetzung der Religion. (WN)
Pater Pios Bild auf einer Modenschau,1999
Der italienische Designer Alexsandro Palombo provozierte den Vatikan, indem er auf dem Bauch eines nur spärlich bekleideten Models das Porträt des Kapuzinermönchs Pater Pio malen ließ. Eine blutige Tränenspur im Gesicht erinnerte an die Wundmale des Mönches, der vom Vatikan selig gesprochen werden sollte. Ein Model posierte damit als eine Art lebendes Kunstwerk auf Palombos Modenschau 1999/2000. (Spiegel 7 1999)
Karneval: Papst Benedikt XVI. und Holocaust-Leugner Williamson, 2009
Kardinal Meisner kritisierte 2009 den Karneval, bei dem auf einem Wagen Papst Benedikt VXI. dem Holocaust-Leugner Williamson lächelnd die Hand reicht, mit den Worten: „Wenn aus Humor Häme wird, aus Verulkung, Verletzung und aus Überzeichnung Verfälschung, dann verliert der Karneval.“ Williamson war als Teufel mit der Aufschrift „Antisemitismus“ dargestellt worden. (WN 26.2.09)
Gotteslästerung und Herabwürdigung der Religion
Oskar Panizza: Das Liebeskonzil, 1894/1969
Oskar Panizzas (1853 – 1921) Himmelstragödie „Das Liebeskonzil“ wurde 1969 in einem Pariser Theater uraufgeführt und konnte ab diesem Jahr auch auf deutschen Bühnen gespielt werden. Die rechtlichen Voraussetzungen dafür schuf Justizminister Jahn, der 1969 den Straftatbestand der „Gotteslästerung“ abschaffte. Im Zuge seiner Justizreform trat an die Stelle der „Gotteslästerung“ die „Religionsbeschimpfung“ in Verbindung mit der „Störung des öffentlichen Friedens“. Panizza war wegen seines Theaterstückes am 30.4.1895 von einem Münchner Schwurgericht wegen des „Vergehens wider die Religion“ zu einem Jahr Einzelhaft verurteilt worden, die er im Amberger Gefängnis in der Oberpfalz an dem 8.8.1895 absitzen musste. Sein „Liebeskonzil“ bewertete die damalige Presse als „Unflat“ aus „Kot“ (Bayrische Landeszeitung Würzburg, 17. 1.1895). (Sdt. 8/9.8.2009)
Witchfinder General: Death Penalty“, 1982
Die Platte „Death Penalty“ wurde aufgrund des Covers verboten. Später erschien eine CD, die das gleiche Cover zeigt. Diese CD blieb - jenseits aller Logik - unbeanstandet.
“Schwank zum Lutherjahr, 1983
In der alternativen Christen-Zeitung Gegen den Strom“ wurde ein „Schwank zum Lutherjahr“ abgedruckt, der das Sexualleben des Reformators in humoristisch-deftiger Form zum Gegenstand hat. Nach Auffassung der Leitung der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche trage er „deutlich den Charakter einer Religionsbeschimpfung“ und verhöhne „zentrale Punkte des christlichen Glaubens“. Daraufhin wurden gegen acht der zehn Herausgeber des Blattes, allesamt evangelische Pastoren, disziplinarische Maßnahmen wie Amtszuchtverfahren und vorläufige Suspendierung vom Dienst ergriffen. (Spiegel 52 1983)
"Die 3 Tornados" über Maria, 1980/1984
Bereit 1984 hatten die Berliner Kabarettisten über die "Mutter Gottes" geblödelt und Josef sagen lassen. "Das muß ja ein schöner heiliger Geist sein, der meine Verlobte hinter meinem Rücken von hinten bumst." Sie wurden zunächst wegen Verunglimpfung religiöser Gemeinschaften zu einer Geldstrafe verurteilt, dann aber freigesprochen. Als der Text 1984 in einer Schülerzeitung im Rheinischen abgedruckt wurde, drohten Geschäftsleute mit Anzeigenentzug und Lehrer setzten Schüler unter Druck. In Königswinter mussten Schüler unterschreiben, dass sie vor "jedem Christenmenschen" Reue zeigten. (Spiegel 5 1984)
Herbert Achternbusch: „Gespenst“ und Jean-Luc Godard: „Maria“, Bayern 1986
1986 ergreift Bayern eine Gesetzesinitiative, um den Straftatbestand der Religionsbeschimpfung wieder zu verschärfen. Seit der Reichsgründung 1871 galt lange im deutschen Strafgesetzbuch der sog, Gotteslästerparagraph, durch den schon der Klerus-Kritiker Ludwig Thoma in seiner Satire im Simplicissimus“ 1905 zu Fall gekommen war, nachdem er die „Sittlichkeitsprediger“ aufs Korn genommen hatte. Dieser Paragraph überdauerte den Wilhelmismus ebenso wie die Weimarer Republik, die Nazi-Zeit und die ersten zwanzig Jahre der Bundesrepublik nahezu unbeschadet. Erst 1969 wurde der Paragraph 166 des Strafgesetzbuches durch den damaligen SPD-Justizminister Jahn so gründlich überarbeitet, dass kaum noch eine Gefahr von ihm ausging. Anstößig galt fortan nur noch, wenn der „Inhalt des religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnisses anderer“ beschimpft wurde oder strafbar eine religiöse Verunglimpfung wenn sie „geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören“. Bayern beabsichtigte, das bloße Anstoßnehmen einzelner Personen wieder zur Richtschnur für die Strafverfolgung zu machen. Ausgelöst wurde dieser Vorstoß vor allem durch zwei religionskritische Filme: Herbert Achternbuschs „Gespenst“ und Jean-Luc Godards „Maria“, die zu einer Reihe von Strafanzeigen führten, ohne Erfolg zu haben. (Spiegel 38/1986)
Gesetz "Religionsbeschimpfung", Bayern 1986, 2006
Aufgrund einer bayrischen Gesetzesinitiative im Bundesrat sollte 1986 der Straftatbestand der Religionsbeschimpfung verschärft werden. Der Paragraph der Gotteslästerung stammt aus dem deutschen Strafgesetzbuch, das seit der Reichsgründung 1871 gilt. Nahezu unverändert wurde es im Kaiserreich, in der Weimarer Republik, während der Zeit von Hitler-Deutschland 1933 – 1945 bis in die ersten Jahre der Bundesrepublik übernommen. Erst 1969 wurde der Paragraph 166 auf Betreiben vom damaligen SPD-Justizminister Gustav Heinemann weitgehend von der Deliktsqualität Gott entstaubt. 1968 fand noch einmal ein Prozess gegen einen Marbuger Studenten statt, bei dem Gott als „gasförmiges Wirbeltier“ und „verschlafener Nachtwächter“ gegenständlich war. Seit 1969 ist nur noch anstößig, wenn der „Inhalt des religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnisses anderer“ beschimpft wird. Und strafbar fortan war ohnehin nur, wenn die öffentliche Verunglimpfung „geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören“. Die bayrische Initiative zielte darauf, dass bloße Anstoßnehmen von einzelnen Personen zur Strafverfolgung zum Anlass zu machen. (Spiegel 38 1986) 2006 wurde noch einmal Bayern aktiv, um per Gesetz eine strengere Bestrafung von Gotteslästerung zu erreichen. Schon 1986, 1995 und 1998 hatte Bayern versucht, Blasphemie unter härtere Strafen zu stellen. Alle drei Initiativen scheiterten. Anlass des von Ministerpräsident Stoiber vorgetragenen Vorstosses war die MTV-Serie Popetown. In ihr war u.a. Jesus lachend vom Fernseher gezeigt worden, dann posierte der Schauspieler Mathieu Carrière an einem Kreuz, um für mehr Rechte von Vätern zu protestieren. (Spiegel 26 2006)
Der Verfall: "Vater unser", 1999
Die 1999 bei Warner erschienene CD „Vater unser“ weist die Stücke „Radiopredigt“ und „Clubpredigt“ sowohl in „zensierter“ und „unzensierter“ Version auf. Dabei handelte es sich zunächst aber um einen Werbegag, der lediglich die Aufmerksamkeit erhöhen sollte. Einige Sender boykottierten dann aber die Platte tatsächlich, denn "im Vorspann wird eine Tötungsszene beschrieben, und anschließend spricht der Täter ein Vater-unser." (MZ 14.10.1999]
“Herzliche Grüße aus Jerusalem“, Wien 1993
Kurt Krenn, Bischof von St. Pölten, wurde wider Willen Gegenstand einer Strafanzeige. Die österreichische Zeitschrift „Wiener“ hatte eine als Postkarte aufgemachte Zeichnung des Graphikers Helmut Vogel abgedruckt. Auf ihr sieht man, wie Krenn unter der Überschrift „Herzliche Grüße aus Jerusalem“ seinen massigen Schädel durch eine Stellwand steckt, auf der ein Kruzifix gemalt ist. Das Amt für Rechtsangelegenheiten der Erzdiözese Wien erstattete daraufhin Anzeige bei der Staatsanwaltschaft wegen „Herabwürdigung religiöser Lehren“. (Spiegel 9 1993)
jazz à viennne: Gotteslästerung, Frankreich 2002
Das Plakat für das Jazz-Festival in Vienne hatte der französische Zeichner Bruno Théry entworfen. Auf dem Plakat ist ein kleines weißes Teufelchen zu sehen, dass an der Brust einer dunkelhäutigen Frau saugt. Rechte Tugendwächter kamen darüber zu dem Urteil, dass das Plakat "blasphemisch" sei, die Mutterschaft in den Schmutz ziehe und "christliche Überzeugungen" verletze. Daraufhin beschloss das Parlament, dem Festival die Subventionen zu entziehen, sollte das "abscheuliche und diabolische" Plakat nicht zurückgezogen werden. Das lehnte die Festivalleitung ab und verzichtete damit auf 65000 Euro. (Spiegel 49 2002)
Krippe: Victoria und David Beckham als Maria und Josef, 2004
Die umstrittene Weihnachtskrippe mit David Beckham als Josef und Gattin Victoria als Jungfrau Maria wurde in Madam Tussauds Wachsfigurenkabinett von erbosten Besuchern beschädigt und daraufhin vollständig abgebaut. Bereits vorher hatte der Vatikan hatte sie als „Ausdruck schlechten Geschmacks“ bezeichnet. (MZ 14.12.2004)
Mohammed-Karikaturen: Hintergründe, 2005
Im Juni 2005 traf der dänische Kinderbuchautor Bluitgen auf einer Party Journalisten der dänischen Nachrichtenagentur Ritzau und erzählte, dass er an einem Kinderbuch über den Propheten Mohammed arbeite. Allerdings sei er kein Zeichner. Drei angefragte Zeichner hätten aus Angst vor gewalttätigen Islamisten bereits abgesagt. Drei Monate später, am Freitag, den 16.9.2005, verschickte die Agentur eine Story: „Dänische Künstler haben Angst vor Kritik am Islam“. Das Ganze wurde in den Kontext mit dem Mord am niederländischen Filmemacher Theo van Gogh gestellt und einem gewalttätigen Überfall auf einen Dozenten, der vor seinen Studenten laut aus dem Koran vorgelesen hatte. Es folgte eine heftige Debatte bei der Zeitung "Morgenavisen Jyllands-Posten", die in der Idee mündete: Wie wäre es, wenn sämtliche Mitglieder des Karikaturistenverbandes gebeten würden, Mohammed zu zeichnen. Tatsächlich wurden 40 angeschrieben, zwölf nahmen teil. Die Zeichnungen wurden am 30. September 2005 im Kulturteil von Jyllands-Posten gedruckt. Jenseits der Medienwelt begann eine Diskussion im muslimischen Milieu Dänemarks. Die Wenigsten hatten die Zeitung gesehen und mehrere führende Muslime glaubten nicht, dass es der Mühe wert sei, zu protestieren. Einige Imane meinten dagegen, die Verletzung sei so schwerwiegend, dass man ein Exempel statuieren müsse. Die Eifrigsten hatten Verbindung zur Moschee in Arhus, die von der fundametalistischen Organisation "Gleichheit und Brüderlichkeit" betrieben wird und die wegen Kontakten zu Extremisten in die Schlagzeilen geraten war. In der Moschee waren fünf Imane, darunter Raed Hlayhel. Sie entwarfen einen Schlachtplan. "Jyllands-Posten" war ihnen länger suspekt, da die Zeitung kritisch über ihre Aktivitäten berichtet hatte. Es gelang ihnen, 10 islamische Organisationen zu einer Sitzung in Kopenhagen zu versammeln. Die Teilnehmer einigten sich auf eine Strategie in zehn Punkten: Die Imane und ihre Anhänger sollten die dänische Regierung verklagen, die Botschafter der muslimischen Länder in Dänemark sollten eingeschaltet werden, ebenso sollten die Medien im Nahen Osten kontaktiert werden. Gedacht war auch bereits an einen Boykott dänischer Waren. Derweil trafen bei "Jylland" Morddrohungen ein. Zunächst aber wurde das Thema in der Presse nicht hochgespielt. Am 14. Oktober am Freitagsgebet versammelten sich dann ca. 3000 Teilnehmer auf dem Rathausplatz in Kopenhagen, und in der Folge schrieb die ägyptische Botschafterin Mona Omar Attia an den dänischen Ministerpräsidenten Fogh Rasmussen, in dem sich sich über die „Schmutzkampagne" beklagte. Sie ersuchte ein Dringlichkeitstreffen. Rasmussen legte in seiner Antwort die Prinzipien der Meinungsfreiheit und der Blasphemiegesetze in Dänemark dar. Er nahm jedoch nicht zur Bitte um ein Treffen Stellung, da er die Forderung gegen die Presse einzuschreiten, nicht für eine Diskussionsgrundlage hielt. Das hatte vor allem in Ägypten eine große Verbitterung zu Folge, wobei politische Hintergründe den Sachverhalt verschärften. Dort herrschte zu der Zeit Wahlkampf und man nahm dem dänischen Ministerpräsidenten übel, dass er sich bei seiner Reise nach Ägypten auch mit der Opposition getroffen hatte. Ägyptens Außenminister Ahmed Aboul Gheit, sorgte dann dafür, dass sowohl die Vereinten Nationen, die Arabische Liga und die islamische Weltorganisation OIC sich einschalteten. Eine geistliche Delegation versorgte Politiker in Ägypten, Syrien, Libanon flankierend mit einer Mappe, die die Kränkung dokumentieren sollte. Darunter waren nicht nur die Karikaturen, sondern auch angeblich anonym zugesandte Bilder mit dem Propheten als Kinderschänder, als Teufel mit Schweineohren und beim Sex mit einem Hund. Die meisten Medien in den arabischen Ländern unterschieden nicht nach der Herkunft der Bilder, sondern stellten z.B. die falsche Behauptung auf, dänische Medien hätten Mohammed als Schwein dargestellt. In Wirklichkeit handelte es sich bei der sog. "Schweine-Karikatur" um ein Foto vom alljährlichen Schweine-Grunz-Festival, das von südfranzösischen Bauern veranstaltet wird, die weder mit dem Islam noch einer Islamkritik etwas zu tun hatten. Weitere Fehlinformationen waren z.B., dass es 120 Zeichnungen gewesen seien und die dänische Regierung dahinter stecke. Maßgeblich am Schüren dieses Feuer war der ägyptische Außenminister Gheit. Er sorgte dafür, dass die umstrittene Mappe im Dezember 2005 beim Gipfeltreffen der OIC in Mekka verteilt wurde. Dort wurden die Zeichnungen indirekt in einer Resolution verurteilt. Wachsender Druck entstand. Zunächst waren 57 Prozent der Dänen dafür, die Zeichnungen zu veröffentlichen. Doch das änderte sich schnell. Auch unter den Links-Intellektuellen schwand die Unterstützung der Zeitung, als man merkte, dass die Sache für innenpolitische Angriffe auf den bürgerlichen Ministerpräsidenten Rasmussen ausgeschlachtet werden konnte. Dann wurde am 10.1.2006 in Mekka das Opferfest gefeiert. Imam Abdul Rahmans Predigt hörten ca. 2 Millionen Menschen direkt, weitere 100 Millione sahen sie live im Fernsehen. Ohne Dänemark oder die Zeitung zu nennen, fordert er die Muslime auf, sich der „Kampagne gegen den Propheten" zu widersetzen. Auch das saudische Königshaus schaltet sich in die Kritik ein, und enging so selbst der ständigen Kritik durch die Fundamentalisten wegen Korruption und dekadenter Lebensweise, weil man sich nun als wahrer Verteidiger des Propheten profilieren konnte. Zudem: Tage vorher waren 362 Pilger ums Leben gekommen, mangelnde Sicherheitsvorkehrungen wurden dafür verantwortlich gemacht. Auch davon konnte man nun ablenken. Am 21.1.2006 rief der einflussreiche Prediger Yusuf al-Qaradawi in Katar zum Kampf auf. Er drohte mit dem Boykott dänischer Waren, falls die Regierung nicht gegen die Kränkung des Propheten vorgehe. Als sich die Außenminister am 30.1. in Brüssel trafen, war die Unterstützung für Dänemark schwach. Einige gingen sogar auf Abstand. Auch die USA wendete sich ab: drei verschiedene Sprecher des amerikanischen Außenministeriums verwendeten Wörter wie „inakzeptabel“, verletzend oder „anstößig“. Dänemark stand ziemlich allein da. Eine wesentliche Ursache dafür benannte der Großmufti von Jerusalem Ekrima Sabri: „Dänemark ist ein leichtes Opfer. Ein kleines Land, das keinerlei entscheidende Bedeutung für die arabischen Länder hat. Deshalb macht sich niemand etwas daraus, dass die Proteste weitergehen.“ Und al-Qaradwi legte noch einmal nach: „Lasst uns Freitag, den 3 Februar, zu einem Tag mit weltumspannenden muslimischen Protesten gegen die anstößige Kampagne gegen Allah und seinen Propheten Mohammed machen“. Al–Qaradawis Nachrichtendienst Islamonline nannte den 3. Februar sogar den „Tag des Zorns“. Scheich Badr Bin Nader al-Mashari, Imam aus Riad, ergänzte: „Brüder, dies ist ein Krieg gegen den Islam. Greift zu euren Schwertern – wo sind eure Waffen? Eure Feinde haben auf dem Propheten herum getrampelt. Erhebt euch!“ In Indonesien griffen Demonstranten daraufhin die dänische Botschaft an. Dann wurde auch noch das Gerücht verbreitet, dänische Extremisten wollten den Koran verbrennen. In Damaskus wurden die Botschaften von Dänemark und Norwegen angegriffen. Am 5.2. folgten Brandanschläge auf Dänemarks Botschaft in Beirut, ebenso einer auf die in Teheran. Proteste gab es weltweit. Erst im Laufe von März und April hören die Demonstrationen weitgehend auf. Zwölf Zeichnern lebten lange unter Polizeischutz und waren gezwungen, eine Anonymität aufrecht zu erhalten. Im Februar 2008 nahm dann die dänische Polizei drei Verdächtige fest, die einen Anschlag auf einen der Zeichner der Mohammed-Karikaturen geplant hatten: Zwei Tunesier und ein Däne marokkanischer Abstammung wurden in Arhus festgenommen. Der Karikaturist Kurt Westergaard war Ziel des Anschlags. Der 73-jährige stand seit Monaten unter Polizeischutz. Die beiden Tunesier wurden als "Gefahr für die nationale Sicherheit" aus Dänemark ausgewiesen. Die Karikaturen wurden in zahlreichen Zeitungen in Dänemark erneut abgedruckt. Westergaard hatte den Propheten als finsteren, voll bärtigen Mann mit einer Bombe samt brennender Zündschnur im Turban porträtiert. (div. Zeitungen 14.2.2008 und Spiegel 6 2006). Nach einem Mordanschlag auf den Zeichner Kurt Westergaard am 1.1.2010 entbrannte die Debatte neu. Norwegische Medien druckten u.a. die Karikatur, die den Propheten mit einer Bombe als Kopfbedeckung zeigt, wieder ab. In Dänemark hingegen lehnten die drei großen Blätter Jyllands Posten, Politiken und Berlingske Tidende eine neuerliche Veröffentlichung ab, da "die Sicherheitssituation" sich nach dem Anschlag verändert habe. (Sdt. 9./10.2010)
Mohammed-Karikaturen: "Worüber lachen Muslime - wenn sie dürfen?", "Stern" 7 2006
Keine syrische oder ägyptische Zeitung wagt es, den eigenen Herrscher zu karikieren. In Algerien hat der Karikaturist Ali Dilem für die Tageszeitung "Liberte´" mit schwarzem Humor Militär und Islamisten jahrelang kritisiert. Bereits 2006 waren 24 Verfahren gegen ihn anhängig, so dass der Zeichner sich nach Frankreich absetzen musste. Zum Streit um die sog. Mohammed-Karikaturen sagte er: "Jetzt erlebt Europa, was wir seit Jahren zu spüren bekommen! Es geht den Demonstranten doch nicht um den Glauben! Es geht um die Macht, und die Regierungen schüren die Wut, um die öffentliche Meinung hinter sich zu bringen!" Mohammed allerdings hätte er auch nicht gezeichnet. Auch andere islamische Zeichner hatten in ihren Heimatländern Probleme mit der Zensur.
Nachfolgend sind auch einige Beispiele als Vergleich gezeigt, was in manchen islamischen Ländern unbeanstandet veröffentlicht wurde. (Stern 7 2006)
"Titanic" Titel zu dem Mißbrauchskandal in katholischen Kirche, April 2010
Auf dem Titel der Satirezeitschrift wurde von hinten ein Priester gezeigt, der vor dem gekreuzigten Jesus steht und sich mit seinem Gesicht dem Genitalbereich des Gekreuzigten nähert. Daraufhin gingen mindestens 18 Strafanzeigen wegen "Volksverhetzung" und "Beschimpfung von Bekenntnissen" ein. Ein Strafverfahren wurde von der Frankfurter Staatsanwaltschaft mit dem Verweis auf die "Satire" und deren Mittel der "Verzerrung" und Übertreibung" abgelehnt. (Sdt. 24./25.4.2010)
Lars Vilks: "Mohammed als Hund", 2007/2010
Der schwedische Künstler hatte 2007 für die Ausstellung "Der Hund in der Kunst" einige Zeichnungen angefertigt, auf denen u.a. Mohammed als Hund auf einem Kreisverkehr zu sehen war. Er wollte damit auf Tabus hinweisen, die auch in der schwedischen Szene noch gelten. Die Galerie lehnte eine Ausstellung ab. Eine Zeitung druckte die Arbeit ab. Danach erhielt er Morddrohungen und steht seitdem unter Polizeischutz. (Sdt. 15./16.5.2010)
Schule
Materialsammlung: „Jesus – Sohn Gottes?“
1972 löste eine Materialsammlung für den Religionsunterricht des achten bis zehnten Schuljahres mit dem Titel „Jesus – Sohn Gottes?“ heftige Kritik aus. In dieser Sammlung stand u.a. der Satz: „Wie sehr auch Jesus – ebenso wie W. Brandt – der Mehrdeutigkeit unterlag, beweisen die verschiedenen Namen und Bezeichnungen aus dem Neuen Testament.“ Zum Schluss des Buches finden sich ferner sechs Christusbilder unterschiedlicher Künstler mit der Bekenntnis der Kölner Theologin Dorothee Sölle: „Ich glaube an Jesus Christus, der aufersteht in unser Leben, dass wir frei werden von Vorurteilen und Anmaßung, von Angst und Haß, und seine Revolution weitertreiben, auf sein Reich hin.“ Auf der nächsten Seite folgt ohne weiteren Kommentar ein großformatiges Bild von Willy Brandt. Daraufhin verlangte u.a. die Hessische CDU, das „blasphemische“ Buch aus dem katholischen Benzinger Verlag und dem evangelischen Schroedel Verlag einzustampfen, um „Kinder und Kirche“ vor der Einbindung Brandts in die Reihe der Gottessöhne zu schützen. (Spiegel 46 1972)
Biertrinkender Jesus in Grundschulbuch, Indien 2010
Die Abbildung löste bei indischen Christen Empörung aus. Der Erzbischof Jala: "Wir sind zutiefst geschockt und empört." Und auch die Regierung verurteilte den "gotteslästerlichen Akt". (Sdt. Sdt. 23.2.2010)
Kirche und Sexualität
Kurt Keller: "Heiliger Christophorus" (nackt), Dietenhofen 2010
Eine Skulptur des unbekleideten H. Christophorus in Dietenhofen sorgte 2010 für erhebliche Aufregung. Der Pfarrer der Gemeinde war wegen Missbrauchsvorwürfen suspendiert worden, woraufhin empörte Bürger den Nackten vor der Kirche als "Verhöhnung der Opfer" empfanden.(Sdt. 18.5.2010)
Kirche und Politik
Lillo Spadini: Bischof als Diktator-Karikatur), Italien 1974
Dem Vatikan-Korrespondenten des römischen Abendblattes „Paese Sera“, Lillo Spadini, wurde die Akkreditierung für den Vatikan-Presseraum entzogen. Grund dafür waren einige Karikaturen, die Spadini gezeichnet und die die Kirche als „äußerst unkorrekt“ eingestuft hatte. Zum Thema „Armut in der Kirche“ hatte er einen schnorrenden Kardinal auf der Straße gestrichelt und zum Thema Diktatur in Chile, einen chilenischen Bischof mit Pinochet-Brille und Totenkopf auf der Brust. (Spiegel 45 1974)
Genre
Film und Fernsehen
Hans J. Geppert Dokumentation: "Religion aus dem Untergrund", NDR 1973
Kurzfristig wurde die Dokumentation 1973 beim NDR abgesetzt. Konservative Katholikengruppen hatten protestiert. Sie empfanden den Film, in dem u.a. auch eine "Schwarze Messe" aus Hamburg gezeigt wurde, als "persönliche Kränkung von Millionen gläubiger Menschen". (Spiegel 8 1973)
Franz Novotny: „Staatsoperette“, Österreich 1977
Dem österreichischen Filmer Franz Novotny brachte seine Parodie „Staatsoperette“ 1500 Anzeigen wegen Gotteslästerung ein. Kommentar des Erzbischofs von Salzburg zu dem Film: „Gott schütze uns vor den Mächten des Zerfalls“.
Jean-Luc Godard „Maria und Joseph“, 1984
Die Vorführung wurde in verschiedenen Kinos durch Bombendrohungen begleitet. Die biblische Geschichte von „Maria und Joseph“ (Je vous salue, Marie) wird in dem Film in die Gegenwart verlegt. Dies führte ebenso zu Protesten wie die Darstellung der nackten Maria.(wikipedia und Sdt. 13./14.5.2006)
Martin Scorsese „Die letzte Versuchung Christi“1988
Der Film basiert auf dem Roman „Die letzte Versuchung“ (Originaltitel: Ho teleutaios peirasmos, 1951). Die Geschichte von einem Jesus, der mit einer Frau zusammenlebt und Kinder zeugt wurde als blasphemisch verurteilt. Es kam zu gewalttätigen Protesten. In einem französischen Kino wurde sogar ein Brandanschlag verübt und in Chile wurde der Film ganz verboten. (wikipedia und Sdt. 13./14.5.2006)
Popetown, 2006
Der Protest gegen die geplante MTV-Serie „Popetown“ zeigte schnell Wirkung. Nachdem das Erzbistum München mit einer Klage gedroht hat, signalisierte der Sender alsbald Gesprächsbereitschaft.“ Kardinal Lehmann, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz erläuterte: „Viele Christen waren schon über die Werbung für die Serie empört. Hier liegt ein besonders gravierender Fall vor, und dies in dem Augenblick, in dem die Christen die lebendige Erinnerung an den gewaltsamen Tod von Jesus begehen und in aller Welt das Kreuz verehren. Auch die Werbung zu den Filmen wurde kritisiert: Der Deutsche Werberat bezeichnete sie als „Entgleisung“ und „eklatante Verletzung religiöser Empfindungen“ getadelt. Sie wurde vom Sender zurückgezogen. In der Serie geht es um einen „durchgeknallten Papst“. (WN 22.4.2006 und Spiegel 16 2006)
Literatur
Der Index Librorum Prohibitorum
Der Index Librorum Prohibitorum (Verzeichnis der verbotenen Bücher, kurz Index Romanus) wurde im 16. Jahrhundert eingeführt (vermutlich 1557/59) und listete die Schriften, deren Lektüre oder Besitz für einen Katholiken verboten waren. Er galt bis 1966/68, wurde dann nicht weiter verfolgt, weil die Flut der zu verbietenden Bücher immens anwuchs und damit das ganze Unternehmen „Zensur“ rein schon aus quantitativen Gründen gescheitert war. Auf dem Index standen Werke z.B. von Kant, Ranke, Descartes, Sartre, Heine oder Balzac. Darwin allerdings kam nicht auf den Index. Dafür sollte eigentlich das Manifest der Sklavenbefreiung „Onkel Toms Hütte“ verboten werden. (WN 1.12.2005)
Vatikan Merian-Heft, 1976
Auf das bei Hoffmann und Campe erscheinende Merian-Heft über den Vatikan, versuchte die römische Kurie Einfluss zu nehmen. Eine päpstliche Medien-Kommission verlangte nach der Prüfung des Manuskriptes laut Autor „unerwartet viele kleinkarierte Änderungen“. Sogar die Deutsche Botschaft beim Heiligen Stuhl drängte den Verlag, entsprechenden Änderungswünschen nachzukommen.
Sakrileg, 2006
Sowohl gegen die das Buch von Dan Brown als auch gegen seine Verfilmung gab es Widerstand in Form von generellen Boykottaufrufen oder Änderungswünschen (siehe u.a. im web thedavincidialogue.com, wo sich Christen über den Film austauschen können). In England wurde der Soundtrack zu dem Film entschärft, so dass auch zwölfjährige den Film sehen können. In den USA gab es Boykottaufrufe, da u.a. der Erzbischof Angelo Buch und Film als „unchristlich“ und „blasphemisch“ eingestuft hatte. Opus Dei verlangte einen Warnhinweis im Vorspann, dass es sich bei dem Film um reine Fiktion handele. Und auf Färöer-Inseln wurde der Film erst gar nicht gezeigt, weil sich auch die evangelische Bevölkerung in ihren religiösen Gefühlen verletzt fühlte. Es sind insbesondere zwei Aspekte die beanstandet wurden: zum einen die Geschichte mit Jesus´ Gattin und zum andern die nicht gerade schmeichelhafte Darstellung von Opus Dei, deren Mitglied der Mörder Silas im Buch ist. Die Geschichte von der Liaison zwischen Jesus und Maria Magdalena war bereits bei dem Film „Die letzte Versuchung Christi“ Hauptangriffspunkt (Sie ist allerdings nicht neu und wurde u.a. in dem Musical „Jesus Christ Superstar“ oder in Laurence Gardners „Hüterin des Grals“, ein dem Sakrileg-Buch ähnliches Werk, thematisiert. (Sdt. 13./14.5.2006)




