Political Correctness

Aus Zensur Archiv

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Deutschland und das Ausland

Nordirlandkonflikt, 1973

Für Februar war eine Spezialausgabe der Wochenzeitung „Das Parlament“ geplant. Der Herausgeber für die Zeitung war die Bundeszentrale für politische Bildung“. Die bereits druckreife Ausgabe wurde dann aus Angst, die Veröffentlichung könne als „Einmischung in die Inneren Angelegenheit des Landes“ angesehen werden, so der Chef der Bundeszentrale, Hans Stercken. In Nordirland wurde dieser Fall in dem Magazin „Fortnight“ bekannt gemacht und von „deutscher Zensur“ gesprochen. (Spiegel 44 1973)

"Fortnight"-Titel

Gewalt und Schock

Schockwerbung für Gurtmuffel: "In letzter Sekunde", NRW 2004

Ein Faltblatt für Gurtmuffel des NRW-Innenministeriums mit dem Titel „Die letzte Sekunde“, das im Rahmen der Kampagne „NRW mit Gurt“, aufgelegt wurde, sorgte für Aufregung. Ein Ministeriumssprecher befand, dass es „nur etwas für sehr hart gesottene Gemüter (sei), andere könnten geschockt reagieren.“ Es schildert in drastischen Sätzen, wie Fahrer ohne Gurt den Moments des Aufpralls gegen einen Baum bei 80 km/h erleben würden: „1,0 Sekunden: Die Bremsen haben blockiert. Sie sind starr vor Schreck. Es gibt kein Ausweichen mehr! Ihre Hände, in Todesangst starr verkrallt, biegen das Lenkrad fast vertikal, die Gelenke und Unterarme brechen wie Strohhalme. Sie haben nicht einmal mehr Zeit zu schreien. Blut schießt Ihnen aus dem Mund; durch den Schock bleibt Ihr Herz stehen.“ Und „0,0 Sekunden: Sie leben nicht mehr!“ Polizeibehörden u.a. in Dortmund und Warendorf lehnten das Faltblatt wegen der drastischen Formulierungen ab. (MZ 19.10.2004)

Sexismus

Rudolf Werner (CDU) posiert beim Bundestagswahlkampf auf einem Werbeplakat mit nackten Kindern, 1972

Das Plakat löste bei der damaligen CDU Empörung aus. Die Abbildung wurde selbst von Parteifreunden als "unsittlich und parteischädigend" verurteilt. Umgekehrt zeigte sich Kandidat Werner wiederum darüber empört: "Das haben die zu mir allen Ernstes gesagt." Und auch der "Spiegel" zeigte sich völlig unberührt von der Darstellung in einem Wahlkampf verwundert darüber, dass Werner mit einem schlechten Listenplatz abgestraft wurde, während ein ehemaliger SS-Veteran vor ihm auf der Liste der Bundestagskandidaten der CDU rangierte. (Spiegel 43 1972)

CDU Bundestagskandidat Werner posiert mit nackten Kindern beim Wahlkampf 1972

Tanzauftritt im Weißen Haus, vermutlich um 1976

Ann-Margret entschärfte ihre freizügige Tanzdarbietung anläßlich eines Gala-Dinners für das persische Kaiserpaar im Weißen Haus. Neun Jahre vorher war sie noch als Striptease-Tänzerin aufgetreten und hatte Bilder davon durch die Regierung an die US-Soldaten in Vietnam verteilen lassen, um "die Kampfmoral der GIs zu heben". Die Soldaten wählten sie im Gegenzug dankbar zur "Miss Pin-up". (Archiv)

Tanzauftritt im Weißen Haus

CDU-Parteitag: Nackttänzerinnen, Kiel 1979

Während des Parteitages traten Tänzerinnen des Pariser Balletts "Olivier Briac" "oben ohne " auf. CDU-Damen verließen daraufhin unter Protest den Saal und es hagelte Protestbriefe, aber es gab auch Zustimmung für den Auftritt, der mit ausdrücklicher Zustimmung des CDU-Generalsekretärs Geißler stattgefunden hatte. (Spiegel 14 1979)

Barbusiges zum CDU-Parteitag

Lady Di, 1998

Im Internet gibt es jede Menge von Nacktfotos von Stars,die manipuliert worden sind, wie z.B. die Aufnahmen von Lady Di. Der Fake-Dedektiv Gillian Anderson spürt diesen Fällen auf http://www.lairofluxlucre.com/detective{index.html nach.

Foto von Lady Di manipuliert

Kriege und Antidemokratie

Comicgestalten mit Gasmasken, Bremen 1990

Wolfgang Pietsch, Sprecher der Bremer Straßenbahn AG, zog sich die Wut des Einzelhandels zu. Er hatte in einer Zeitungsanzeige von Marie Marcks gezeichnete Comic Gestalten veröffentlichen lassen, die sich mit Gasmasken durch die abgasverseuchte Innenstadt bewegen. Damit wollte er für den öffentlichen Nahverkehr werben. Die „Arbeitsgemeinschaft Bremer-Werbung“ protestierte: In einer Zeit „der höchsten Gefährdung der Menschen im Staate Israel“, ließ man verlautbaren, wo „in Furcht vor Giftgasangriffen der Iraker Gasmasken als letzte lebensrettende Maßnahme ausgegeben werden“, gebiete es das Fingerspitzengefühl eines verantwortungsbewussten Menschen „gegenüber diesem Volk derartige Assoziationen zu vermeiden.“ (Spiegel 43 1990)

"Gasmasken"-Werbung

Überprüfung von Straßennamen in Münster, 2008

Die westfälische Metropole überprüfte 2008 alle Straßen der Innenstadt hinsichtlich ihrer politischen Korrektheit. Zur Debatte standen u.a.: Die „Admiral-von-Spee-Straße“, weil von Spee im Ersten Weltkrieg zur See gegen die Briten gekämpft hatte. 1914 wurde das Schiff von ihm und seinen beiden Söhnen versenkt. Alle kamen ums Leben. Die „Otto-Weddingen-Straße“, weil der als U-Boot-Kommandant ebenfalls im Ersten Weltkrieg gekämpft und nicht nur Kriegsschiffe, sondern auch Handelsschiffe beschossen habe. Die „Manfred-von Richthofen-Straße“. Er hatte als Jagdflieger gekämpft und starb 1918, als er über Frankreich abstürzte. Kritisch betrachtet wurden auch die „Tannenbergstraße“, die „Langemarckstraße“ und der „Hindenburgplatz“, die im Kontext von Schlachten, Kriegern und nicht unbedingt demokratischen Politiker zu sehen sind. (MZ 17.1.2008)

Faschismus

Gisela Heuser (Philippe Mervyn): "Mein Vater Adolf Hitler", 1966

Das Frankfurter Mannequin Gisela Heuser ließ den Verkauf einer unter ihrem Namen erschienenen Geschichte ihres Lebens (Titel: "Mein Vater Adolf Hitler") verbieten. Darin wird behauptet, Heuser (Tochter von Speerwurf-Olympiasiegerin von 1936 Tilly Fleischer und Dr. Fritz Heuser) sei aus einer Liaison zwischen Hitler und der Sportlerin Fleischer hervorgegangen. Das unter ihrem Namen geschriebene Buch stammt von Ex-Freund Philippe Mervyn, der behauptete, dafür eine Vollmacht des Mannequins zu besitzen. (Spiegel 30 1966)

Gisela Heuser: "Adolf Hitler mon père"

Franco, Hitler, Kiesinger: „Ein Mann hat seine festen Freunde, 1969

Wegen „Verunglimpfung von Verfassungsorganen“ erstattete Bundeskanzler Kiesinger 1969 Anzeige gegen die „Stuttgarter Projektgruppe Presse und Information in der APO“. Die hatten in ihrer monatliche Plakatzeitung vom Juli eine Fotomontage mit Kiesinger, Franco und Hitler erstellt, um auf die NS-Vergangenheit des Kanzlers und seine Bewunderung für den Diktator zu verweisen (nach einem Spanien-Besuch hatte Kiesinger gesagt: „Bei Franco hat mich die präzise Analyse und die Klarheit seiner Gedanken beeindruckt“). Unbehindert hatte die Gruppe bereits im Januar 1969 400 Exemplare eines Hitler-Kiesinger-Bildes zum Preis von 50 Pfennig verkauft. Dann wurde das Plakat beschlagnahmt und wegen „des dringenden Verdachts … auf ein Vergehen der Beleidigung“ ermittelt. Der Abdruck der Montage mit einer satirischen Werbung für Spanien-Reisen im April-Heft von (Pardon) und dem Zusatz „Ein Mann hat seine festen Freunde“ führte auch zu Ermittlungen gegen die Zeitschrift. (Spiegel 35 1969)

Kiesinger und "seine Freunde"
Kiesinger und "seine Freunde"

Hitlers Geburtstag in der New York Times, USA 1969

Überraschend ohne Proteste erschien ein Bild zu Hitlers Geburtstag in der New York Times. (Spiegel 26 1969)

Hitlers Geburtstag in der NY Times


Börsenblatt: Hitler-Kopf wegretuschiert, 1970

Da in den „Bestimmungen über die Verwaltung des Börsenblattes für den deutschen Buchhandel, Frankfurter Ausgabe“ festgelegt ist, dass im Börsenblatt „in keinem Falle … nationalsozialistische Embleme, Hakenkreuze, SS-Runen.. und Abbildungen führender nationalsozialistischer Persönlichkeiten in den Ankündigungen gebracht werden“ dürfen, wurde ein Inserat des Bergisch-Gladbacher Gustav Lübbe Verlages nur mit wegretuschiertem Hitler-Gesicht gedruckt. (Spiegel 9 1970)

Rainer Hachfeld: Strauß mit Hakenkreuz, 1970

Hachfeld hatte den CSU-Politiker so gezeichnet, dass seine Gliedmaßen wie ein Hakenkreuz wirkten. Der Anwalt des Politikers sah darin die Straftatbestände der „Verbreitung verfassungswidriger und daher verbotener Kennzeichen“ und des „politischen Rufmords“, der „in seiner Ungeheuerlichkeit seinesgleichen sucht“, erfüllt. Es folgte eine einstweilige Verfügung und eine Hausdurchsuchung. Hachfeld zeichnete weiter: Strauß von einer Ratte gebissen und als Tarantel. Auch da wurden einstweilige Verfügungen erlassen. (Spiegel 44 1970)

Verbotene Strauß-Karikatur
Verbotene Strauß-Karikatur

"Deutschland heute" - NPD-Plakat, 1970

Ein Münchner Druckerei hatte 1970 von der NPD den Auftrag rund 150000 Plakate und 500000 Handzettel mit dem Motiv "Deutschland heute" zu drucken, dass sich nach Ansicht der Auftraggeber gegen "Kriminalität, Rauschgift und kommunistische Infiltration" wendete. Der Arbeiter der Druckerei sahen darin eine "direkte Mordhetze" und weigerten sich zunächst, es zu drucken. Auf Druck der Geschäftsleitung wurde das Plakat dann doch gedruckt. (Spiegel 45 1970)

"Deutschland heute"-Plakat der NPD

Neofaschist Almirante als Hitler: Klebekolonnenboykott, Italien 1972

Italiens Sozialisten stellten den Führer der Neofaschistischen-Partei "Movimento Sociale Italiano" Almirante als Art Hitler dar. Das Plakat war anlässlich der Parlamentswahlen 1972 als Warnung gedacht: "Würdet Ihr Eure Zukunft diesem Mann anvertrauen?". Doch Klebekolonnen weigerten sich (vermutlich aus Angst vor neo-faschistischen Schlägertruppen, die Plakate aufzuhängen. (Spiegel 18 1972)

Almirante als Hitler

Schachspiel mit Hitler, England 1975

Das Schachspiel mit Hitler als König und Eva Braun als Dame wurde von einem Londoner Taxifahrer kreiert. Proteste sind nicht bekannt. (Spiegel 50 1975)

"Hitler"-Schach

Franz Josef Strauß als Hitler (Plakat), 1975

1974 sorgte Strauß mit der sog. Sonthofen-Strategie für eine Polarisierung der Gesellschaft. Er vertrat die Ansicht, die CSU sollte in der Opposition für die damals massiven wirtschaftlichen Probleme (Arbeitslosigkeit, Rezession) keinerlei Lösungen anbieten, um nach dem erwarteten katastrophalen Scheitern der Regierungspolitik die eigenen Wahlchancen zu verbessern. Auch als Antwort darauf, wurde ein Plakat kreiert, das Strauß in den Kontext von Hitler stellt und selbst wiederum in die Kritik geriet.

Anit-Strauß-Plakat

Hitler als Superstar des Jahres 1977

In zahlreichen ausländischen Zeitungen erlebte Hitler 1977 einen regelrechten Bilderboom, der fast einer Verehrung gleichkam. Eine öffentliche Entrüstung blieb weitgehend aus. (Spiegel 36 1977).

Hitler in ausländischen Zeitungen
Hitler in ausländischen Zeitungen

"Schüler-Blatt": Portrait Hanns Martin Schleyer als Nazi und SS-Mann, Köln 1978/80

Im Dezember 1978 hatte die Schülerzeitung eine Zeichnung vom ermordeten Hanns Martin Schleyer mit dem Originalzitat "Ich bin alter Nationalsozialist und SS-Führer ..." veröffentlicht. Später legten die Redakteure nach und bestätigten die Aussage. Daraufhin schaltete sich das Düsseldorfer Kultusministerium ein und eine Untersuchungskommission wurde eingesetzt. Man berief sich dabei auf die "Richtlinien für Schülerzeitungen und andere Druckerzeugnisse", die die freie Meinungsäußerung im Kontext des staatlichen Erziehungsauftrages sahen und eine Zensur ermöglichten. (konkret 10 1980)

„Hakenkreuze“ auf „Mephisto“-Plakat, 1981

Die Münchner Staatsanwaltschaft verfolgte 1991 selbst „Hakenkreuze“, die auf eine aufklärerisch-kritische Auseinandersetzung mit dem Faschismus hinwiesen. So wurde ein zunächst ein Verfahren gegen Münchner „Abendzeitung“ eingeleitet, dann eingestellt, weil dort eine Kritik über den Film „Lili Marleen“ mit einem Filmfoto illustriert war, das im Hintergrund die Nazi-Rune zeigt. Dann wurde gegen Plakate zu den Filmen „Mephisto“ und „Nach Mitternacht“ eingeschritten: dass eine zeigt zwei winzige Hakenkreuze als Pupillen in den Augen der Hauptfigur, auf dem anderen ist das Nazizeichen als kleines Tüpfelchen in der Titelschrift zu entdecken. In beiden Fällen gaben die Filmleute klein bei: „Mephisto wurde eine Augenklappe verpasst. (Spiegel 41 81)

„Mephisto“-Plakat

Indisches Bier "German Pilsner", 1991

Nicht beanstandet wurde (soweit bekannt) ein indisches Bier, dass den Namen "German Pilsner" mit einem Hakenkreuz auf dem Etikett illustrierte. (Spiegel 24 1991)

Etikett des indischen Bieres "German Pilsner"

Jürgen Klinsmann "Stuka"-T-Shirt, 1995

Ein T-Shirt mit dem Schriftzug "Achtung Jürgen" und einem Sturzkampfbomber der Wehrmacht (darunter waren in Bauchhöhe Bombem mit den Jahreszahlen der bisherigen Cup-Siegen der Totenham Hotspurs, bei denen Klinsmann spielte) führte zu einer kritischen Diskussion. (u.a. Netz und Spiegel 19 1995)

"Achtung Jürgen"

Sonderbriefmarke des Neo-Nazis Michael Kühnen, 1997/98

Neonazis verbreiteten mit Billigung der Post eine "Gedenkbriefmarke" für den im April 1991 verstorbenen Neonazi-Führer Michael Kühnen. Die Marke wurde von dem früheren Kühnen-Stellvertreter Thomas Brehl in einer Auflage von mehreren tausend Exemplaren verbreitet. Schalterbeamte hatten sich zwar mehrfach geweigert, Briefe zu befördern, die mit dem Kühnen-Konterfei verziert waren. Auf Anfrage Brehls erklärte jedoch die Zentrale Kundenbetreuung der Generaldirektion der Deutschen Post AG, die Kühnen-Marke sei als Briefschmuck prinzipiell zulässig. Eine Bestimmung, wonach politische oder religiöse Parolen auf der Anschriftseite von Briefen verboten seien, gelte seit 1991 nicht mehr. In einem Merkblatt klärte die Post Brehl zusätzlich auf, dass die Neonazis ihre Sondermarke oben links auf dem Kuvert anbringen müssten, um Verwechslungen mit der regulären Briefmarke zu vermeiden. Das Schreiben endet mit der freundlichen Bemerkung: "Wir hoffen, dass wir Ihnen mit unseren Informationen behilflich sein konnten." (Spiegel 2 1998)

Briefmarke für den Neo-Nazi Michael Kühnen

Kriegsflaggen, 1998

1998 wurde öffentlich die Problematik der sog. Kriegsflaggen diskutiert. Sowohl das Tragen als auch das Zeigen verfassungsfeindlicher Symbole ist in der Bundesrepublik laut Paragraph 86a des Strafgesetzbuches verboten. Dazu gehört u.a. die Kriegsflagge des deutschen Reichs (1933 – 1945) mit dem Hakenkreuz. Neonazis verwenden deshalb die sehr ähnliche Reichskriegsflagge des Norddeutschen Bundes. Die sieben Bundesländer Berlin, Brandenburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, das Saarland und Sachsen-Anhalt beschlossen deshalb, auch die Verwendung der Kriegsflagge als Verstoß gegen die öffentliche Ordnung zu ahnden. In der Bundeswehr wurde diese Flagge im Sinne der Traditionspflege zunächst weiter in Ehren gehalten. (Spiegel 1 1998)

Flaggentypen

Karneval mit Hitler, Rio 2000

Im Karneval von Rio de Janeiro sollte 2000 auf einem Holocaust Wagen gefeiert werden. Aufeinander gestapelte Pappmache-Leichen zu Sambarhythmen mit als Hitler verkleideten Tänzern sah der Zug vor. Eine Richterin setzte dem Treiben ein Ende. Auf Antrag der jüdischen Gemeinde der brasilianischen Metropole verbot sie das Gefährt. Der Sprecher der Liga der Sambaschulen prangerte das Urteil als Zensur an. Es sei unverständlich, dass im Kino oder im Theater der Holocaust thematisiert werden dürfte, aber nicht im Karneval. Bereits 1989 hatte ein Richter auf Antrag der katholischen Kirche einen Wagen des Karnevalskönigs Trinta verboten, auf dem Jesus als Bettler dargestellt war. Aus Protest ließ Trinta den Wagen mit einer schwarzen Plane verdeckt durch das Sambodrom fahren. (Stern de Febr. 2000)

Verbotener Karnevalswagen

Prinz Harry mit Hakenkreuzbinde auf Party, England 2005

Der jüngste Sohn von Prinz Charles erschien auf einer Party mit einer roten Hakenkreuzbinde und musste sich nach der Veröffentlichung von entsprechenden Fotos in „The Sun“ entschuldigen. (FAZ 14.1.2005)

Prinz Harry als Nazi

Nazi-Comedy: „Bei Emmy Göring zum Tee“, Hamburg 2005

Unter dem Titel wurde 2005 an der Hamburger Kleinkunstbühne „Politbüro“ ein Stück aufgeführt, dass für Kritik sorgte. Aus dem Inhalt: Emmy Göring feiert zusammen mit ihrem privaten russischen Kriegsgefangenen den 111. Geburtstag feiert, Hitler gratuliert per Telefon aus Argentinien dazu, woraufhin Beckmann und Kerner die „erste Frau des Reiches“ zur Talkshow einladen. Nach der Kritik sagte die Theaterchefin das Stück ab, die Autoren hingegen erwirkten im Gegenzug eine einstweilige Verfügung erließen. (FAZ 17.2.2005)

Karneval in Rio: Samba-Schule mit Nazi-Emblemen, 2005

Die Tänzer der Sambaschule Beija-Flor wollten in dem Wettstreit um den originellsten Auftritt als römische Centurionen auftreten, die begleitet von Sambatrommeln den rechten Arm - wie beim Hitler-Gruß - erheben. Der Plan wurde in einer Karnevalszeitung vorgestellt, wobei der "angeblich geplante Nazi-Aufmarsch" in den Kontext mit Nazi-Uniformen und Symbolen gebracht wurde. Die jüdische Gemeinde protestierte heftig. Nach einem Besuch der Samba-Schule und in Anbetracht der tatsächlichen Darbietung wurde aber festgestellt, dass der Darbietung keine Provokation innewohne. (Sdt. 8.2.2005)

Fünf-Mark-Stück mit Hindenburg und Hakenkreuz, 2006

Ein Sammler hatte 2006 beim Auktionshaus ebay ein Fünf-Mark-Stück des Deutschen Reiches mit dem Kopf von Reichspräsident Hindenburg auf der Vorderseite und einem Hakenkreuz auf der Rückseite angeboten. Daraufhin erhob die Staatsanwaltschaft wegen Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen Anklage. Erst kürzlich hatte das Münchner Oberlandesgericht einen Modellflugbauer verurteilt, der auf einer Flugschau eine Maschine mit einem Hakenkreuz gestartet hatte. Grundsätzlich, so Staatsanwalt Müller, solle der Handel mit Münzen des Dritten Reiches nicht eingeschränkt werden, doch eindeutige NS-Symbole müssten abgedeckt werden. Der Rentner, der die Münze angeboten hatte, fand das absurd, denn dann dürften z.B. von Briefmarken mit NS-Zeichen künftig „nur noch die gezackten Ränder eingescannt. Der Rentner wurde vor Gericht zunächst freigesprochen, doch der Staatsanwalt kündigte Berufung an. (Sdt. 8.2.2006)

Anti-Nazi-Symbol, 2006

Nach der damaligen Grünen-Chefin Claudia Roth stellte auch das SPD-Vorstandsmitglied Niels Annen Selbstanzeige wegen des Tragens eines Anti-Nazi-Symbols. Er habe sich selbst bezichtigt, ein durchgestrichenes Hakenkreuz getragen zu haben. Die Staatsanwaltschaft in Stuttgart bestätigte die Anzeige. Gegen Roth wurde bereits ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. (Dpa 30.6.2006)

Bundesgerichtshof erlaubt das Tragen von Anti-Nazi-Symbolen, 2007

Das Stuttgarter Landgericht hatte im September 2006 einen schwäbischen Versandhändler verurteilt, weil er Anti-Nazi-Symbole vertrieben hatte. Die Karlsruher Richter urteilten in der Revision, dass durchgestrichene Hakenkreuze und andere verfremdete Nazi-Symbole öffentlich gezeigt werden dürften, wenn sie unmissverständlich gegen den Nationalsozialismus gerichtet seien. Vorher hatte ihn das Landgericht Stuttgart wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen eine Geldstrafe von 3600 Euro verhängt, obwohl seine Ablehnung der Nazi-Ideologie außer Frage stand. Begründung: man wollte einen Gewöhnungseffekt vermeiden. (Welt 16.3.2007)

Freigesporchener Jürgen Kamm: Der Versandhändler hatte Anstecker, Aufkleber etc. mt Anti-Nazi-Symbolen verkauft

Harald Schmidt: Das „Nazometer“, November 2007

Eine scharfe Verurteilung gab es zunächst u.a. durch den Zentralrat der Juden und mehrere Rundfunkräte für „Schmidt und Pocher“. Danach kritisierte auch TV- und Film-Produzent, Artur Brauner („Hitlerjunge Salomon), das Verhalten der ARD-Moderatoren. Via Bild ließ er übermitteln: „Wenn ich einen Zug, einen Güterzug, vorbeifahren sehe, assoziiere ich diesen mit den Güterzügen, die Millionen in den Tod brachten. Wenn ich einen Wald betrete, erlebe ich die Vision von Hunderttausenden, die in den Wäldern mit ihren Händen ihr eigenes Grab schaufeln mussten. Und sobald ich in der letzten Zeit im Nachtprogramm trampelnde Horden von SA- und SS-Leuten erlebe, sehe ich meine Familienmitglieder vor mir, wie sie hilflos sterben. So gesehen ist es verständlich, dass ich die `Nazometer-Show` als profan und diffamierend einstufte.“ Schmidt und Pocher hatten in ihrer Satiresendung ein Gerät vorgestellt, das angeblich auf bestimmte politisch nicht korrekte Begriffe ausschlägt. (Bild 16.11.2007)

Hitlers Lieblingsgericht im belgischen Fernsehen, 2008

Als „Hitlers Lieblingsgericht“ wollte der belgische Fernsehkoch Meus den Zuschauern zur besten Sendezeit „Forelle in Buttersauce“ auftischen. Heftige Proteste von der jüdischen Gemeinde und Opferverbänden führten dazu, dass der öffentlich-rechtliche Sender VRT das Kochprogramm absetzte. Jeder habe das Recht, sich über Hitler und sein Lieblingsgericht „seine eigene Meinung“ zu bilden, kommentierte Meus. (MZ 29.10.2008)

DJ Tomekk mit Hitlergruß, 2008

Wegen Zeigen des sog. Hitlergrußes schmiss der Privatsender RTL DJ Tomekk aus der Sendung „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“. Auf einem Video, das die Onlineausgabe der Bildzeitung dokumentierte, ist der damals 31jährige zu sehen, wie er mit erhobenem rechten Arm auf der Stelle marschiert und „Deutschland, Deutschland über alles“ singt. Zum Schluss sagt Tomekk: „So viele Ausländer hier im Haus“. Die Szene soll laut Bild kurz vor der Abreise der zehn Prominenten in den Dschungel in einem australischen Hotel entstanden sein. Tomekk zeigte sich „sehr betroffen von dem Video“ und er habe „einerlei rechtes Gedankengut oder nazistische Ideen“ in sich. „Mein dummes Witz-Gelaber tut mir unendlich leid“ . RTL Pressesprecher Christian Körner dazu „Diese Art Humor ist nicht akzeptabel im Umfeld der Produktion einer Fernsehsendung.“ (MZ 24.1.2008)

Volker Kühn: Hörbuch-CD „Hitler und die Künstler“, 2008

Ob Johannes Heesters 1941 im KZ Dachau als Sänger aufgetreten ist oder nicht, ist nach wie vor heftig umstritten. Volker Kühn, dokumentiert auch durch die o.g. CD, ist der Ansicht, dass Heesters in Dachau vor der KZ Wachmannschaft aufgetreten war. Dagegen zog Heesters vor Gericht gezogen. Der Besuch Heesters mit einem Theaterensemble ist in einem Fotoalbum des damaligen KZ-Kommandanten durch der Widmung „Den lieben Künstlern, die uns am 21.5.1941 durch einen frohen und heiteren Nachmittag im K.L. Dachau erfreuten“, belegt. Ein Zeuge allerdings, der den Auftritt bestätigte, ist tot. Heesters selbst bestreitet nicht den Besuch, wohl aber einen Auftritt. (WN 28.11.2008)

"Das Führer-Quartett", 2008

Das in Berlin herausgegebene Kartenspiel mit 32 Diktatoren (u.a. Hitler und Stalin) war nach Ansicht der Spielefirma rein "ironisch" zu verstehen. Die Proteste ließen nicht lange auf sich warten. (mail online 17.7.2008)

"Das Führer-Quartett"
Karten aus dem "Führer-Quartett"

Autokennzeichen: HH, 2008

Der ehemalige Bundesverfassungsrichter Prof. Dr. Wolfgang Hoffmann-Riem und der Präsident des NRW-Oberverwaltungsgerichts in Münster, Dr. Michael Bertrams, diskutierten darüber, ob die Autos mit Hamburger Kennzeichen auf Nazi-Kundgebungen nur dann zulässig seien, wenn das Kürzel "HH" (es könnte ja auch für "Heil Hitler" stehen) überklebt sind. (WN 25.9.2008)

Kardinal Meisner: Genetiker mit Nazis verglichen, Köln 2009

In seiner Allerheiligen-Predigt formulierte Meisner: "Ähnlich wie einst die Nationalsozialisten im einzelnen Menschen primär nur den Träger des Erbgutes seiner Rasse sahen, definiert auch der Vorreiter der neuen Gottlosen, der Engländer Richard Davis, den Menschen als `Verpackung der allein wichtigen Gene`, deren Erhaltung der vorrangige Zweck unseres Daseins sei." Darauf hagelte es Kritik, insbesondere von der Wissenschaft. Der Vorstandssprecher der Giordano Bruno-Stiftung, Michael Schmidt-Salomon, bezeichnete die Predigt als "Propaganda der übleren Sorte". (MZ 3.11.2009)

Neue Internetadressen wie SS.de, 2009

Die im Oktober 2009 eingeführten Kurzadressen führten dazu, dass such einige Kürzel vergeben wurden, die mit dem Nationalsozialismus in Verbindung gebracht werden: ss.de, kz.de oder hj.de. Die neuen Besitzer sprachen von Zufall, ohne ideologischen Hintergrund. 2008 hatte der brandenburgische Verfassungsschutz allerdings vor der Kombination bestimmter Nummern oder Zahlen gewarnt. Bei den KFZ-Kennzeichen vergaben in der Vergangenheit viele Zulassungsbehörden keine solchen Kombinationen. (Sdt. 3.11.2009)

Nockherberg: Michael Lerchenberg und der KZ-Vergleich, 2010

Die Bußpredigt von "Bruder Barnabas" alias Michael Lerchenberg beim traditionellen Treffen im Nockebergsaal wurde scharf verurteilt. Lerchenberg hatte u.a. die FDP und die von Guido Westerwelle angezettelte Diskussion um Hartz IV mit den den Worten angegriffen: "Alle Hartz-IV-Empfänger sammelt er (Westerwelle) in den leeren, verblühten Landschaften zwischen Usedom und dem Riesengebirge, drumrum ein großer Stacheldraht - hamma scho moi g´habt. Dann gibt´s a Wassersuppn und einen Kanten Brot. Statt Heizkostenzuschuss gibt´s von Sarrazins Winterhilfswerk zwei Pullover, und überm Eingang, bewacht von jungliberalen Ichlingen im Gelbhemd, steht in eisernen Lettern: ´Leistung muss sich wieder lohnen´." Charlotte Knoblauch vom Zentralrat der Juden verurteilte die anspielungsreiche Provokation: "Scherze, die das Leid der Opfer in den Konzentrationslagern verharmlosen oder gar der Lächerlichkeit preisgeben, sind eine Schande für die ansonsten gelungene Veranstaltung." Guido Westerwelle kündigte an, zukünftig auf Einladungen nach Nockherberg verzichten zu wollen. Lerchenberg beugte sich dem Druck der Öffentlichkeit und trat als Redner für die Veranstaltung zurück. Der Text war vorab - trotz Bedenken - von den Veranstaltern genehmigt worden, allerdings hatte Lerchenberg ihn während des Vortrages nochmals verschärft: aus "Zaun" hat er "Stacheldraht" gemacht und das "hamma scho moi g´habt" hinzugefügt. (Sdt. 5.3.2010)

Lerchenberg als "Bruder Barnabas" 2010

Rassismus

Tarzan und seine "farbigen Partner", 1970

Bis 1970 kamen die afrikanischen Eingeborenen bei Tarzan meist als eine Art "Dschungel-Deppen" vor, die sich unter den Schutz des weißen Muskelmannes begaben oder sie waren mordlustige Menschenfresser. 1967 übernahm Russ Manning die Verantwortung für die Tarzan-Geschichten und verpasste den Stories ein neues Image im Sinne von political correctness: die Eingeborenen wurden zu "Partnern". (Spiegel 44 1970)

Ray Rudman: "Der Neger - ein Tier", Südafrika um 1975

Der selbsterklärte "Experte für Judentum und Kommunismus" warb per Inserat für seine Überzeugung, dass "Neger, Affen und Juden ... nicht Ebenbilder unseres Gottes" sind. Eine Zensur befürchtete er mit Verweis auf seine gehobene politische Stellung in Südafrika nicht. (Archiv)

Rassistisches Plakat mit dem Vergleich von "Negern und Affen"

Änderung der Gebärdensprache: Lider zu Schlitzaugen, 1994

In den neunziger Jahren wurden die traditionellen Ausdrucksformen der Tauben nach rassistischen Zeichen untersucht. Das Wort "Jude" wurde in der Sprache der britischen Gehörlosen mit dem gekrümmten Zeigefinger dargestellt, offenbar als Andeutung einer Hakennase. Das Zeichen für "Chinese" indem die Lider zu Schlitzaugen verzerrt werden. Diese Zeichen wollten die Redakteure 1994 aus dem Gehörlosenprogramm der BBC verbannen. Noch nicht in der Diskussion waren andre Zeichen, die ähnlich problematisch gedeutet werden könnten: Iren werden mit einem Fingerschnipsen über der Schulter dargestellt, so als wolle man Schmutz entfernen. Und "Deutsche" mit einem gestreckten Zeigefinger auf der Stirnmitte, der eine Pickelhaube der deutschen Soldaten unter Kaisers Zeiten symbolisiert.(Spiegel 36 1994)

Beispiele aus der Gebärdensprache

Tourismus-Werbung für Mecklenburg-Vorpommern: "Hier ist MV. Blond. Blauäugig. Blöd", 1997

Die Werbekampagne, der Idee Idee zugrunde lag, Vorurteile mit Vorurteilen zu bekämpfen, führte zu einem PR-Gau. Es hagelte Proteste. Selbst die Grünen stuften sie als "nationalistisch" und "primitiv" ein und fühlten sich an "schlüpfrige" Kontaktanzeigen erinnert. Aber auch die ewig-Gestrigen zogen zu Feld und beschwerten sich mit Fragen wie: "Wohnen bei Euch nur Neger?" oder "ob das Geld" für die Anzeige "etwa aus Senegal oder Belgisch-Kongo" komme? (Spiegel 34 1997)

Umstrittene Tourismus-Anzeige

Zeitschrift „Ego“: „Das Ausländerheim für zu Hause. Modell Solingen 2000 light“,

Als Bastelbogen wurde in zeitlicher Nähe nach dem Brandanschlag in Solingen in der Zeitschrift Ego „Ein Ausländerheim“ (Modell Solingen) abgedruckt. Was nach Rassenhass oder Zynismus klingt, ist ein Werk des Aktionskünstlers Peter C. Siegl und war gedacht als „Geschenk für reaktionäre Nachbarn, faschistische Krämer und Neonazis.“ Sie sollten sich die Finger damit verbrennen. Doch in Solingen war die Empörung groß. Oberbürgermeister Gerd Kaimer sprach von einer „Geschmacklosigkeit“. (Stern 2000)

Modell Solingen

Schweizer Plakate für die „Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus“ selbst rassistisch, Schweiz, 2004

Hanspeter Schweizer wollte gegen allgegenwärtigen Rassismus angehen und wurde selbst als Rassist verdächtigt. Er hatte Plakate für die „Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus“ entworfen, die ganz im Stil der fünfziger Jahre gehalten waren. Daraufhin verklagte ihn die „Schwarzenorganisation“ „Carrefour de réflection et d´action conte le racime anti-noir“ wegen Rassismus. (Spiegel 10 2004)

Schweizer Antirassismus-Plakate

Beyonce´ als Weiße, 2005

Vermutlich wurde in verschiedenen Zeitschriften die dunkle Haut von der Sängerin „weiß“ retuschiert. (vip news 19.10.2005)

Fast "weiße" Beyonce´,2005

"Bimbo"-Marke, Mexiko 2005

Die Karikatur über Schwarze löste in den USA eine Welle der Empörung aus und sorgte für diplomatische Verwicklungen. (Sdt. 25.7.2005)

Eine der beanstandeten Briefmarken aus Mexiko

Bundeswehr: Schießübungen mit „Motherfucker“, Rendsburg 2006

Zuweilen ist die Ausbildung bei der Bundeswehr zweifelhaft. Einem Grundwehrdienstleistenden wurde 2006 in Rendsburg von seinem Vorgesetzten befohlen, bei Feuern mit dem Maschinengewehr an Afroamerikaner zu denken und „Motherfucker“ zu rufen. (stern de 2007)

Aus „Uncle Ben“ wird “Mr. Chairman”, 2007

„Uncle Ben“ ist der Namenspatron der gleichnamigen amerikanischen Reismarke. 1946 tauchte er als „netter alter Neger“ erstmals mit einer Fliege wie von Dienstbote oder Gepäckträgern auf. Um das Image zu verbessern sollte er ab 2007 als „Mr. Chairman“ angesprochen werden. (Welt 13.4.2007)

“Nappy-headed hos“, USA 2007

Starmoderator Don Imus wurde 2007 wegen rassistischer Bemerkungen über schwarze Sportlerinnen fristlos entlassen. In seine Morgenshow „Imus in the Morning“, die zur besten Rush-Hour in 61 US-Sendern seit 1979 mit 3,5 Millionen Hören pro Woche lief, hatte er am 4.4. schwarze Basketballspielerinnen „nappy-headed hos“ genannt. Ho ist unter Rappern die gebräuchliche Kurzform für „whore“, also Hure. „Nappy“ ist in diesem Zusammenhang ein abwertender Begriff für das gekräuselte Haar vieler Schwarzer, der als so beleidigend gilt, dass er aus dem amerikanischen Sprachgebrauch fast verschwunden ist. Nach einem öffentlichen Aufschrei der Empörung entschuldige Imus sich zwar, seine Bemerkung sei „unangemessen“ gewesen. Aber prominente Bürgerrechtler wie Jesse Jackson verlangten den Rücktritt. Namhafte Sponsoren wie American Express oder General Motors kündigten zudem ihre Werbeverträge mit den Rundfunkanstalten. (online 14.7.2007)

Duane „Dog“ Chapman und das Wort „Nigger“ im Fernsehen, USA 2007

Der amerikanische Fernsehstar mit der Reality-TV-Show „Dog The Bounty Hunter“ wurde inklusive Sendung abgesetzt: Er hatte seinem Sohn erklärt, warum er dessen farbige Freundin nicht gut findet: „Es ist mir egal, ob sie eine Mexikanerin ist, eine Nutte oder was auch immer. Es ist nicht, weil sie schwarz ist. Es ist, weil wir manchmal das Wort `Nigger` gebrauchen. Ich werde nie im Leben das Risiko eingehen, alles zu verlieren, wofür ich 30 Jahre gearbeitet habe, weil irgendein Scheißnigger gehört hat, wie wir `Nigger` sagen und das dann dem … verrät… Wir meinen gar nicht `du dreckiger, seelenloser Abschaum-Nigger`, diese Scheiße ist gar nicht gemeint. Aber Amerika würde glauben, dass wird das meinen.“ Der Sohn verkaufte das Tonband mit der entsprechenden Aufzeichnung. Chapman entschuldigte sich später. (Welt 12.11.2007)


LeBron James und Gisele Bündchen auf dem Cover von Vogue, USA 2008

Der amerikanischer Basketballstar und Supermodel tauschen auf dem Cover der US-Vogue auf. Dann hagelte es Kritik: die Aufnahme von Starfotografin Annie Leibovitz sei "rassistisch", weil die Kombination von kleiner, blonder, süßer weißer Frau und starkem, wilden schwarzem Mann an "King-Kong“ erinnere, zumal James „wie ein Affe“ dargestellt sei. Der Sportler war der erste Schwarze, der in der 116-jährigen Geschichte des Modemagazin auf dem Titel abgebildet worden war. (Spiegel 15 2008)

Vogue-Cover-Vorwurf: "rassistisch²

Obama als Joker - ein Mandrillaffe als Obama 2009

An Autobahnunterführungen in LA tauchte ein Bild von einem als Joker geschminkten Obama auf. Der steht in den Batman-Geschichten für den nihilistischen Bösen, der aus reiner Freude an der Zerstörung die Welt ins Chaos stürzt. Unter dem Obama-Bild konnte man das Wort „Socialism“ lesen. In den Medien wurde die Frage diskutiert, ob das Poster rassistisch sei. Bereits früher hatte es schon kritisierte Karikaturen über den neuen Präsidenten der USA gegeben wie etwa eine Zeichnung aus der „New York Post“, die Obama als erschossenen Schimpansen zeigt. Auch in Deutschland gab es diesbzgl. Probleme. Nach Kritik eines Antirassismus-Verbandes hat der Dresdner Zoo das Mandrill-Äffchen „Obama“ umbenannt. Er war im Vorjahr nach Barack Obama benannt worden war. Damit habe man eine Wertschätzung ausdrücken wollen, ließ der Zoo verlautbaren. Die „Initiative Schwarze Menschen in Deutschland“ hingeben kritisierte die Namensgebung als „rassistisch“. (WN 11.7.2009 und Sdt. 7.8.2009)

Obama als Joker


Golliwogs, Sarotti-Mohren und der Rassismus, England, Deutschland 2009

Generationen von Kindern sind in England mit einem Golliwog aufgewachsen: Sie haben mit ihm als Stoffpuppe gespielt oder seine Abenteuer in den „Noddy“-Büchern von Enid Blyton gelesen. Am Frühstückstisch wurden Golliwogs auf dem Marmeladenglas der Firma Robertson´s serviert. Doch ähnlich wie einst der deutsche Sarotti-Mohr passte dann der Golliwog nicht mehr in die Zeit. Beide erschienen als anachronistische Überbleibsel einer Epoche, in der Schwarze per se als böswillig oder einfältig abgestempelt wurden. Beim Sarotti-Mohren wurde der Teint aufgehellt und er verwandelte sich zu einem Magier. In England verschwand der Golliwog ganz vom Etikett und nur noch die verwendeten Früchte wurden gezeigt. Das Thema wurde dann 2009 wieder hoch gekocht. Die Tochter der ehemaligen Premierministerin Carol Thatcher sagte in einer Show des BBC, als die Rede auf den französischen Tennisspieler Jo-Wilfried Tsonga kam (den Sohn einer weißen französischen Mutter und eines schwarzen kongolesischen Vaters): „Ach, das sei doch dieser „Golliwog-Frosch“. Dieser Satz erschien wie ein beleidigender Doppelschlag gegen Schwarze und Franzosen. Letztere firmieren in den Augen gewisser Briten als Frogs, wegen ihrer angeblichen Vorliebe für gebratene Froschschenkel. Eine Anwesende nahm Anstoß an dem „rassistischen Ausdruck und stellte Thatcher zu Rede. „Na gut“ räumte sie ein „er ist nur ein halber Golliwog“. Daraufhin verließ die Komikerin empört den Raum und Thatcher musste sich später entschuldigen, verlor aber dennoch ihren Job bei BBC. Kommentar Thatcher: „Jetzt stecke ich in der Klemme, so wie Prinz Harry.“ Der hatte unlängst eine Debatte ausgelöst, als er einen pakistanischen Armeekameraden als „unseren kleinen Paki-Freund“ bezeichnet hatte. Nachdem Vorfall mit Thatcher wurden auf einmal überall Golliwogs entdeckt: Prinz Charles Ehefrau Camilla besaß einen Golliwog-Schlüsselanhänger und aus Königin Elisabeths Landsitz Sandringham wurde vermeldet, dass der dortige Souvenirshop Stoffpuppen des kleinen Gollie verkaufe. In tausenden von britischen Kinderzimmern stand er ohnehin. Zur Geschichte des Golliwog sei angemerkt, dass er von Florence Kate Upton 1895 in dem Kinderbuch „Die Abenteuer zweier holländischer Puppen und eines Golliwog“ zum Leben erweckt wurde. In den folgenden 14 Jahren veröffentlichte sie gemeinsam mit ihrer Mutter zwölf weitere Bände mit Golliwogs. 1908 nahm die deutsche Firma Steiff die Produktion von Golliwogs auf. Die Wurzeln scheinen tatsächlich rassistisch. Denn Pate stand der Minstrelsänger – eine Art der Volksbelustigung im Amerika des 19. Jahrhunderts: Weiße mit geschwärzten Gesichtern machten sich über vermeintlich dumme Schwarze lustig. Der erste Tonfilm „The Jazz Singer“ erinnert an diese Tradition. „Der Minstrel“ war eine verzerrte Karikatur des Schwarzen, schrieb der US-Soziologe David Pilgrim dazu. (Sdt. 32 9.2.2009)

Golliwog


Google: Michelle Obama als Affe, 2009

Ein Foto von Amerikas First Lady wurde von Rassisten so verunstaltet, dass sie in einer Montage als Affe erschien. Das Foto wurde ins Netz gestellt und erschien bei der Bildersuche unter google-Bilder. Die Suchmaschine Google wollte die Bild-Montage trotz einer Protestwelle nicht aus dem Netz nehmen. (Netz 18.12.2009)

Microsoft empfand Farbigen als Werbeträger ungeeignet, Polen 2009

Ursprünglich war für die Werbung für Microsoft in Polen ein Farbiger vorgesehen, der an einem Konferenztisch sitzt. Den hielt man dann aber doch für ungeeignet und ersetzt ihn kurzerhand durch einen Weißen. (chip de 26.8.2009)

Unzensierte (Farbiger in der Bildmitte) und zensierte Fassung der Microsoft-Werbung

Debatte um das N-Wort, USA 2010

Im Wahlkampf hatte der Führer der Demokraten im US-Senat, Harry Reid, einem Reporter zugeraunt, dass Obama das Zeug zum Präsidenten habe, weil er "hellhäutig" sei und "keinen Neger-Dialekt" verwende, "es sei denn, er will es". Es folgte eine Entschuldigung von Reid 2010, doch Amerika reagiert noch immer hochempfindlich auf das N-Wort. Zur Geschichte: Noch der Bürgerrechtler Martin Luther King hatte es 1963 in seiner großen Rede über "seinen großen Traum" völlig unbefangen verwendet - er sprach von Weißen und von Negern. Doch danach verschwand es immer mehr. Zunächst sprach man von "Schwarzen" wie die Black Power Bewegung, etwas ab den achtziger Jahren setzte sich der Ausdruck "African American" durch. Die Debatte 2010 wurde auch wieder entfacht, weil in angekündigten Volkszählung unter frage Nr. 9, zunächst nach der Rasse und dann nach den Kategorien "Schwarz, afrikanisch-amerikanisch oder Neger" gefragt wird. Dies führte in den gesamten USA zu Protesten. (Sdt. 11.1.2010)

Gerad Depardieu im Film als Alexandre Dumas, Frankreich 2010

Um den "mixed-race"-Autor Dumas angemessen darzustellen, wurde Depardieu die Haut nachgedunkelt. Zudem wurde ihm eine lockige, dunkle Perücke verpasst. Dagegen protestierte der Vorstand der "Council of Black Associations of France". (dailymail netz 20.2.2010)

"Nachgedunkelter" Depardieu

Claudia Schiffer als Farbige, 2008/2010

Als Claudia Schiffer als Farbige mit Afro-Frisur 2010 auf einem Magazin abgebildet wurde (das Foto war 2008 im Rahmen einer ganzen Reihe geschossen worden), wurde die Aufnahme als beleidigend und rassistisch gewertet. (online 4.6.2010)

Claudia Schiffer als Farbige

Kinder

CDU-Wahlkampf mit nackten Kindern, 1972

Im Wahlkampf 1972 ließ sich ein CDU-Kandidat vorab nach London fliegen, um für den Entwurf eines Wahlplakats mit nackten Kindern zu posieren. Die CDU bewertete bewertete die Aktion für den Bundestagswahlkampf 1972 als „parteischädigend“. Der „Spiegel“ fand das nicht so schlimm, druckte das Bild ab und kritisierte hingegen, dass ein früherer SS-Offizier auf der CDU-Kandidatenliste aufgestellt werden sollte. (Spiegel 43 1972) Wir üben an dieser Stelle Selbstzensur und veröffentlichen das Foto, das sich im Archiv befindet, nicht.


Rauchen

Malraux und die fehlende Zigarette

Der französische Schriftsteller und Politiker Andre´ Malraux wurde von der französischen Post posthum zensiert. Auf einer ihm zu Ehren herausgegeben Briefmarke wurde die auf dem Originalfoto sichtbare Zigarette im Mundwinkel des Kettenrauchers wegretuschiert. Die Post nahm damit Rücksicht auf die in Frankreich geltende Gesetzgebung, die öffentliche Werbung für Tabak untersagt.

Zigaretten und Männlichkeit, Italien 1972

Franca Gonella, italienisches Gelegenheitsmodell hatte sich für das römische Magazin "Playmen" freizügig ablichten - leider mit einer geöffneten Zigarettenschachtel. Die Leiterin des Zentrums für Gesundheitserziehung zeigte daraufhin das Freizeitblatt an, weil in Italien seit 1962 Werbung für Tabakwaren verboten ist. Flankiert wurde die Anzeige durch den sozialistischen Abgeordneten Claudio Signorile: er richtete „wegen dieser indirekten Propaganda für das Rauchen“ eine parlamentarische Anfrage an das Justizministerium. Denn, so die Argumentation, Bilder dieser Art oder auch TV-Filme, in denen die Helden Zigaretten ziehen, stellten „die Assoziation Rauchen – Männlichkeit“ her. (Spiegel 45 1972)

Pin-up mit geöffneter Zigarettenschachtel

HB-Männchen Bruno: "Wer wird denn gleich in die Luft gehen" - Werbeverbot, 1972

1972 verbannte das Fernsehen aufgrund der schädlichen Wirkung von Rauchen die Reklame für Tabakwaren jeglicher Art. Damit endete auch die Periode der Zeichentrickfilme mit dem HB-Männchen. Im Kino dagegen durfte zunächst noch weiter geworben werden. Auch die Sprüche von Bruno wie "Wer wird denn gleich in die Luft gehen? Greife lieber zu HB, dann geht alles wie von selbst" oder "frohen Herzens genießen" wurden zurückgenommen.(Troedler 183 1995)

Episode aus der HB-Werbung

Churchill mit Zigarre und ohne Maschinenpistole, 1974

Die britische Post brachte 1974 eine Marke zum hundertsten Geburtstag von Winston Churchill heraus, die ihn zwar mit seiner obligatorischen Zigarre zeigt, aber nicht mehr der Maschinenpistole, die er auf der Vorlage (Foto) in den Armen hält. (Archiv Spiegel)

Briefmarke und Vorlage

Smoxploitation - Filme mit rauchenden Frauen für Fetischisten, USA 1996

Wegen der rigorosen Anti-Raucher-Politik in den USA wurde ein neues Geschäftsmodell entwickelt: Videos, die rauchende Frauen zeigen, und die - in den Augen der Fetischisten ein Tabubruch - angeblich sexuellen Lustgewinn verschaffen. Besonders beliebt sind Filme mit dem "french inhale" (der Rauch wird durch den Mund ausgeatmet und mit der Nase wieder eingesogen). (Spiegel 11 1996)

Smoxploitation

Jackson Pollock als Nichtraucher, USA 1999

Zu Ehren von Pollock wurde 1999 in den USA eine Briefmarke herausgegeben, die den Maler bei der Arbeit zeigt, allerdings ohne Zigarette, die der bekennende Kettenraucher auf der Fotovorlage im Mundwinkel hatte. (Spiegel 7 1999)

Briefmarke: Pollock ohne Zigarette
Vorlage: Pollock mit Zigarette

Diskussion über das Rauchen, 2006

2006 wurde über Empfehlungen diskutiert, Filme im TV möglichst rauchfrei zu halten. Ein ZDF-Sprecher meinte: „Wilsberg kommt viel sympathischer rüber, wenn er nicht raucht.“ Deshal werden auch kaum noch Krimis wie "Colombo", "Der Kommissar" oder "Maigret" gezeigt: in denen wird ständig gepafft. (WN 13.7.2006)

Drastische Anti-Raucher-Kampagne, England 2007

Caroline Flint, Staatsministerin im britischen Gesundheitsministerium startete 2007 eine sieben Millionen Pfund teure Anti-Raucher-Kampagne. Dazu gehörten Plakate und TV-Werbespots, die z.T. sehr drastisch waren. So war zu sehen, wie eine junge Frau, deren Lippe von einem Haken durchbohrt ist, gegen ihren Willen von ihrem kleinen Kind weg gezerrt wird, weil die nächste Zigarette dran ist. Diese Bilder wurden erst zu später Stunde ausgestrahlt, um die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder damit konfrontiert werden, geringer zu halten. (Spiegel 4 2007)

Motive der Anti-Raucher-Kampagne

Comicfiguren ohne Zigaretten, 2007

Spätestens ab 2007 hatten die Disney-Figuren ausgequalmt. Die Walt Disney Company kündigte damals an, Darstellungen Zigaretten rauchender Figuren, würden künftig in Disney-Filmen, die auf ein jüngeres Publikum zielten, „nicht vorhanden“ sein. Ironie der Geschichte: Der Gründer des Imperiums war selbst Kettenraucher und starb an Krebs. Disney hatte bereits in der Vergangenheit oft hinter dem Zeitgeist hergezogen. So 1946 als in „Onkel Remus“ die Schwarzen weiterhin unterwürfig, des Englischen kaum mächtig und faul, gezeigt wurden. 20 Jahre später auf der Höhe der Bürgerrechtsbewegung, wurde im „Dschungelbuch“ dem Wolfsjungen Mogli bedeutet, er könne nicht mit dem Bären Baloo zusammen sein, weil unterschiedliche Arten separat voneinander leben müssten. Sämtliche Beschäftigte in dem Disneyschen Idealberuf Prinzessin waren weißer Hautfarbe, bis 1992 in „Aladin“ mit Prinzessin Jasmin“ eine arabische, drei Jahre später mit „Pocahontas“ eine indianische Hauptfigur eingeführt wurden. (Welt 27.7.2007)

Rauchverbot auf der Theaterbühne, England 2010

Ein Rauchverbot für Schauspieler während der Aufführung wurde im Januar 2010 in England gefordert. Argumentiert wurde u.a. damit, dass auch die Zuschauer der Theateraufführung zum Passivrauchen gezwungen würden. (TheatreBlog net8.1.2010)

Zukünftig soll auf Englands Bühnen so etwas nicht mehr möglich sein

"Initiative Rauchfreie Filme" vs. "Avatar", 2010

Die amerikanische "Initiative für rauchfreie Filme" protestierte im Januar in ganzseitigen Anzeigen dagegen, dass Sigourney Weaver in dem Film zur Zigarette greift. Deshalb dürfe der Film auch nicht für 13-jährige zugelassen werden, sondern müsse ein R-Rating (für Erwachsene) erhalten. (Sdt. 13.1.2010) Zusätzlich wurde von der Initiative eine Internet-Plattform eingerichtet, die auch andere bedenklich Filme anzeigt wie "Sherlock Holmes" und "The Blind Site" von Warner Brothers, "Nine" von der Weinstein Company" oder The Fantastic Mr. Fox" von Fox. "Avatar" erhielt in der Bewertung die "Schwarze Lunge". (welt de. 4.1.2010)

Beanstandete Szene mit Raucherin

Tim und Struppi: Kapitän Hadocks Pfeife, Türkei 2010

Ein Privatsender wurde 2010 von den Medienwächtern zu 24000 Euro Strafe verurteilt, weil der Comicheld Kapitän Hadock (Tim und Struppi) Pfeife rauchend dargestellt worden war. (WN 18.2.2010)

Winston Churchill: Mit und ohne Zigarre, London 2010

Die "Britain At War"-Ausstellung in South-East London zeigte u.a. Originalfotos aus dem Zweiten Weltkrieg. Beim Foto von Winston Churchill aber wurde retuschiert. Im Gegensatz zum Original begrüßte ein nicht-rauchender Premierminister auf einem großen Foto die Besucher am Eingang. (online 15.6.2010)

Churchill ohne Zigarre/retuschiert)
Churchill mit Zigarre/Original)
Churchill-Werbung ohne Zigarre am Museumseingang)

Religion

"Rudis Tagesshow": Ajatollah Chomeini, Slips und Büstenhalter, 1987

Für die Satiresendung hatte Rudi Carrel einen 14 Sekunden-Spot zusammengeschnipselt, der zeigt, wie der ewig mürrisch dreinblickende Chomeini von weiblichen Fans zur Aufmunterung mit Slips und Büstenhalter zugeworfen wird. Nach der Ausstrahlung der Sendung setzte unter den Muslimen eine Protestwelle ein, weil Carrell damit "das geistliche Oberhaupt aller Muslime" (so der Botschafter Irans Salari) beleidigt habe. Selbst die deutsch-iranischen Beziehungen standen auf dem Prüfstand. (Spiegel 9 1987)

Stills aus "Rudis Tagesshow": Ajatollah Chomeini, Slips und Büstenhalter

Art Spiegelman: Pinkelnder Weihnachtsmann, USA 1993

Spiegelman überwarf sich 1993 mit der Redaktion des Magazins „The New Yorker“. Er hatte für die Weihnachtsausgabe einen pinkelnden Weihnachtsmann im Schnee gezeichnet. Ein begleitender und ebenfalls pinkelnder Hund mit edlem Halsband und feiner Schutzdecke war der Szene dazu gesellt. Darüber prangte der Spruch: „Vergeßt die Obdachlosen nicht.“ Der Entwurf wurde abgelehnt. (Spiegel 48 1993)

Beanstandeter Titel von Spiegelman

Koran auf Toilettenpapier, Lüdinghausen 2006

Ein Mann aus Lüdinghausen landete vor Gericht, weil er Toilettenpapier mit dem Wort „Koran, der heilige Koran“ gedruckt hatte. Er wollte das Papier verkaufen, um mit dem Erlös den Bau eines Mahnmals für die Opfer des islamischen Terrors zu finanzieren. Zudem hatte er den Koran als „Kochbuch für islamistische Terroristen“ bezeichnet. Vor dem Schöffengericht wurde er zu einem Jahr Haft auf Bewährung, wegen Beschimpfung von Bekenntnissen und der Störung des öffentlichen Friedens verurteilt. Der Angeklagte erhielt zudem Morddrohungen und stand unter Polizeischutz. (WN 26.7.2005 und 24.2.2006)

Beweismittel:Stempel und Toilettenpapier

Fußball mit Mohammed, Würzburg 2006

Die Sparkasse in Würzburg wollte als Werbegeschenk einen Fußball an Jugendliche verteilen, auf dem die Flaggen der WM-Teilnehmer zu sehen waren. Dabei war auch die Flagge Saudi-Arabien und die ziert bekanntlich ein Schriftzug mit dem Glaubensbekenntnis der Muslime: „Es gibt keinen Gott außer Gott, und Mohammed ist sein Prophet“ steht dort in arabischer Schrift, doch das wussten die Verantwortliche nicht. „Für einen Moslem ist es schon anstößig, wenn der Name Allahs auf Papier geschrieben auf dem Boden landet“ merkte daraufhin Sadique Al-Mousllie, der Vorsitzende der Islamischen Gesellschaft Würzburg, an. Wenn das Wort Allah also auf deinem Ball mit Füßen getreten werde, könne das religiöse Gefühle verletzen. Die Aktion wurde, soweit bekannt, gestoppt. (Süddeutsche 6/7.5.2006)

Frankfurter Buchmesse: Mohammed Ähnlichkeitswettbewerb, 2008

Ein „Mohammed Ähnlichkeitswettbewerb, der von der Satire-Zeitschrift „Titanic“ als Lesung „ohne Turbane oder falsche Bärte“ geplant worden war, wurde von der Stadt Frankfurt wegen Sicherheitsbedenken kurzfristig abgesagt. (MZ 17.10.2008)

"Ja zum Minarett-Verbot", Schweiz 2009

Ebenso umstritten wie der gesamte, letztlich erfolgreiche Volksentscheid zum Minarett-Verbot in der Schweiz war auch das dazugehörende Werbeplakat. (Spiegel 43 2009) Nachdem feststand, dass Schweizer Moscheen keine Gebetstürme mehr haben dürfen, setzte eine Tessiner Kirche eine Zeichen der Toleranz und stattete die eigene Weihnachtsgrippe mit Minaretten aus. (blick.ch.news 23.12.2009)

Plakat zum Schweizer Volksentscheid "Minarettverbot"
Krippe mit Minaretten

Linke und Linksradikalismus

Lehrlingsplakat: „Stoppt den Lehrlings-Dracula“, Essen 1970

Im Juli 1970 sahen Essener Bürger auf 500 Plakaten ein Bild, auf dem einige ihren ehemaligen Ratsherrn Marquardt erkannten, hier abgebildet als kahlköpfige giftgrüne Schreckgestalt mit steilen Zähnen vor rotem Hintergrund. Mit diesem blutsaugenden Monstrum warben Essenr Lehrlinge für eine “Ausbeutungsfete“, um Geld für vorherhige Prozesse zu erhalten. Aufgrund des Plakates wiederum wurde der Grafiker Walter Kurowski wegen „Verletzung eines allgemeinen Perspönlichkeitsrechtes“ auf 5000 Mark Schadensersatz verklagt. Außerdem erhielt er eine Anzeige wegen Beleidigung. (Spiegel 47 1970)

“Buback“-Nachruf im „Mescalero, Göttingen/Gießen 1977

In der studentischen Zeitung „Mescalero“ (Uni Göttingen) wurde 1977 nach der Ermordung von Generalbundesanwalt Buback durch die RAF ein Nachruf veröffentlicht, der einerseits eine „klammheimliche Freude“ äußerte, zum andern aber die „Aktion“ als strategisch „falsch“ verwarf. Daraufhin wurden die Redaktionsräume des „Mescalero“ durchsucht und Strafantrag gestellt. In einem Leserbrief der Giessener Studenten hieß es dazu: „Die Studentenschacht der Justus-Liebig-Universität Gießen hat den Göttinger „Mescalero“-Artikel ebenfalls vollständig veröffentlicht, allerdings versehen mit einer scharfen Kritik daran: aber nicht weil wir den Artikel als Diskussionsgrundlage für geeignet hielten, sondern um der mit Verzerrungen und Verleumdungen geführten Kampagne gegen die Studentenschaft entgegenzutreten. (Spiegel 37 1977)

Auszug „Buback“-Nachruf

Plasterstrand: Holger Börner und Hanns Martin Schleyer Titelblatt, 1981

Die Frankfurter Spontizeitung hatte den Sozialdemokraten Holger Börner 1981 wegen seiner Starbahnpläne gemeinsam mit dem ermoderten Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer auf den Titel gebracht („Holger, der Kampf geht weiter“) und erhielt eine Strafanzeige. (Spiegel 50 1983)

Beanstandete Zeitung
Zensierte Ausgabe
Börner nun mit Kußmund

Berliner Sponti Blatt „Radikal“ mit Anarcho-Stern als I-Punkt,1984

Die Zeitung mit einer Auflage von ca. 5000 Stück, wurde wegen des inhaltlichen und formalen Bekenntnisses zur Anarcho-Szene gleich stapelweise von der Justiz beschlagnahmt. Oft waren nämlich auch Strategiepapiere und Bekennerbriefe der Revolutionären Zellen und anderer Militanten abgedruckt worden. (Spiegel 10 1984)

“Wie ich einmal bei der RAF war“, Münster 1994

1994 erschien in der Münsteraner Studentenzeitung „Links vorm Schloß“ (ein offizielles Pressorgane des ASTA) eine Satire, die angeblich die Morde an den RAF-Opfern verniedlichte und auf das Niveau von Schülerstreichen gegen Mitschüler nivellierte. So war u.a. zu lesen: „Der dicke Hans-Martin zum Beispiel war ohnehin eine ziemliche Strebersau in Kreisen der RAF (das Kürzel steht für „Radfahren, Abenteuer, Fernsehen) nicht besonders beliebt“. Das „Uni-Pamphlet“ über RAF-Morde an Schleyer, Herhausen, Rohwedder wurde schließlich juristisch belangt.

Protest gegen Stefan Raab: Max Buskohl als Hanns-Martin Schleyer, 2007

In seiner Show „TV total“ hatte Raab den DSDS ausgeschiedenen Kandidaten Max Buskohl auf das Entführungsfoto der RAF (real: Hanns-Martin Schleyer) präsentiert: Auf dem Hintergrund eines Sterns war ein Maschinengewehr abgebildet, auf dem nicht RAF, sondern RTL stand. Daneben war der Kopf des früheren Superstar-Kandidaten Buskohl mit der Überschrift: „Seit 196 Tagen Gefangener von RTL“. Sowohl RTL verwahrte sich dagegen, als auch der Sohn des ermordeten Hanns-Martin Schleyer, Jörg Schleyer: „Auf Kosten der RAF-Opfer wird hier ein schlimmes Verbrechen ins Lächerliche gezogen und verharmlost.“ (MZ 30.4.2007)

RAF-Logo auf StudieVZ, Borken 2008

Der Vorsitzende der Jusos im Unterbezirk Borken, Florian Meyermann, hatte auf der Seite von StudieVZ das Logo der RAF statt eines Porträtfotos verwendet. Obwohl es nach einigen Tagen wieder entfernt wurde forderte die Junge Union aufgrund des „ungeheuren Skandals“ seinen Rücktritt. Meyermann bestritt jeglichen politischen Hintergrund und Verwies auf die die Fanszene von Eintracht Frankfurt, die angeblich auch das Symbol verwendet. (WN 21.10.2008)

RAF-Logo auf StudieVZ

Israel und die Palästinenser

Provozierende Israel-Fahne, Duisburg 2009

Während einer Demonstration in Duisburg gegen die israelische Militäraktion im Gaza-Streifen waren zwei Israel-Fahnen auf einem Balkon und einem Fenster zu sehen. Beamte der Polizei drangen daraufhin gewaltsam in zwei Wohnungen ein und nahmen die Fahnen ab. Die Polizei begründete die Aktion damit, dass man die aufgeheizte Stimmung unter den 10 000 Demonstranten beruhigen wollte. Die Polizeiaktion stieß in Düsseldorf bei allen Fraktionen auf Kritik. SPD und Grüne sprachen von einem „schwarzen Tag für den Rechtsstaat. Die Fahnen waren, wie sich später herausstellte, von Links-Autonomen in provokanter Absicht gehisst worden. Da hatten die Politiker aber bereits ihre Entrüstung geäußert. (WN 16.1.2009)

Polizei beim Entfernen der Fahne

Politiker privat

Indizierung: “Praline“: Jochen Steffen als Psychofreak, 1970

Jochen Steffen, damaliger Chef der SPD Schleswig-Holstein, diente der Sex-Postille „Praline“ als Psychobuhmann. Das Busenblatt hatte den linken Sozialdemokraten in der Artikelfolge „Menschenkenntnis leicht gemacht“ u..a. so charakterisiert: „Dieses Gesicht fasst praktisch seine ganzen politischen Absichten zusammen. Er ist mir dem unzufrieden, was bei uns in der Politik und in der Wirtschaft geschieht… Dem Psychologen fällt ferner auf: Der Ausdruck seiner Augen lässt auf Fanatismus schließen. So sieht kaum jemand aus, mit dem man in Ruhe diskutieren kann.“ Daneben wurde ein Steffen-Foto mit Psycho-Skizze gezeigt. NRW-Arbeitsminister Figgen stellte darauf hin einen Antrag auf Indizierung, der wie folgt begründet war: Diese Artikel ist jugendgefährdender als die „Sexual-Marzipanbilder“ der übrigen Seiten“. Steffen zum Artikel: „Im Mantel der Wissenschaftlichkeit marschieren hier Dummheit und Volksverhetzung im Gleichschritt – aber das kennen wir ja. (Spiegel 17 1970)

Steffen in "Praline"

Kartenspiel mit Valéry Giscard d´Estaing, Frankreich 1976

Der damalige französische Staatspräsident ließ ein Kartenspiel verbieten, das ihn u.a. als Kardinal Richelieu und als Vercingetorix karikierte. Ein Gericht Gericht bestätigte das Verbot. (Spiegel 43 1976)

Valéry Giscard d´Estaing als Kardinal Richelieu und als Vercingetorix

London Weekly Advertiser-Werbung, England 1973

Das Werbeplakat mit dem Slogan: "Wenn Ihr Heim nicht mehr Ihren Bedürfnissen entspricht, versuchen Sie es mit dem London Weekly Advertiser" wurde von den Londoner Verkehrsbetrieben abgelehnt, weil die Werbedame zu große Ähnlichkeit mit der Königin aufweise: Dies empfand man als "geschmacklos". (Spiegel 10 1973)

Umstrittene London Weekly Advertiser-Werbung

Dieter Süverkrüp-Poster: Seppl mit Gesäß als Gesicht, 1980

Georg Holzbauer, CSU Chef im Nürnberger Stadtrat, sah F.-J. Strauß durch ein Poster verunglimpft, das zwei Wochen lang vor dem Lehrerzimmer der Städtischen Fachoberschule hing. Das Plakat von Dieter Süverkrüp zeigt einen Seppl-Look-Bayern, dessen Gesichtspartie ein Hinterteil darstellt. Im Verbund mit dem dazugehörigen Gedicht (Titel "Bayrisches Heimatlied") glaubte Holzbauer bereits im ersten Vers einen Hinweis auf seinen Parteivorsitzenden: „Wenn er des Abends durchs Gebirge wandelt Und segnet Alm und Au mit güt´ger Hand, dann jubeln alle Kühe rings nur ihm zu, dem stärksten Mann vom starken Bayernland." Das Poster wurde entfernt. (Spiegel 8 1980)

Süverkrüp Satire

Walter Wallmann (CDU) mit offenem Hosenlatz, Frankfurt 1982

Der damalige Oberbürgermeister von Frankfurt verlor 1982 in erster Instanz einen Prozess, den er gegen Sponti-Blatt "Pflasterstrand" wegen Beleidigung angestrengt hatte. Das Magazin hatte ihn auf einem Titelphoto mit offenem Hosenlatz gezeigt, aus dem als Penis gedacht, der Fernmeldeturm ragte, an den Wallmann Hand anlegte. Das Amtsgericht befand die Montage zwar als „geschmacklos“, aber nicht als beleidigend. (Spiegel 37 1982)

Wallmann auf "Pflasterstrand"-Titel

Jean-Maire Le Pen: Nackte Tatsachen, 1987

Der ehemalige Führer der rechtsextremistischen "Front National" in Frankreich musste sich erst mit der Tatsache abfinden, dass seine mit ihm in Scheidung lebende Ehefrau sich anspielungsreich als Dienstmädchen nackt im "Playboy" ablichten ließ. Zuvor hatte ihr Ex ihre Unterhaltsforderungen mit dem Verweis auf ihre Möglichkeiten Geld durch putzen zu verdienen gekontert. Dann wurde sein Hinterteil neben dem seiner Frau im Satireblatt "Le Canard enchaine´" veröffentlicht. Überschrift: "Das höllische Paar Po an Po". Vergeblich forderte er eine Beschlagnahme. Dafür drohte Le Pen selbst Ärger, hatte ihn doch ein Amateurfotograf beim Wechseln der Badehose erwischt, was an den Stränden Neukaledoniens zu einer Anzeige wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses führen kann. (Spiegel 26 1987)

Ehefrau von Le Pen im "Playboy"
Satire: "Das höllische Paar Po an Po"

Gottfried Helnwein: "Macbeth" Heidelberg 1988

Helnweins Plakat für eine "Macbeth"-Aufführung in Heidelberg, die den toten Uwe Barschel in der Badewanne zeigt, sorgte für helle Empörung. (Spiegel 7 1988)

Helnweins "Macbeth"

Katja O Kay: "Helmut, 1993

Das Stück kam auf die Verbots- und Boykottliste sämtlicher bundesdeutscher Rundfunkstationen, weil das freimütige Bekenntnis die erotischen Phantasien der Sängerin zum damaligen Bundeskanzler „Helmut“ Kohl zum Ausdruck brachte. (Achiv)

Text: Meine Freundin Susie, ich erzähl Dir was Ich kann nachts nicht schlafen, ich bin dauernd naß Meine Freudin Susie, sprich mit keinem drüber Ich werde ihn bald treffen Und dann zieh ich ihn über mich rüber

Refrain: Ohohoh, Helmut Ich komme, ich komme, ich komme - Zu Dir

Neulich im Bundestag Da hast Du mich so angeguckt Und dann hat's bei mir so richtig losgejuckt Ich konnte nicht anders, ich mußte an mir reiben und später Dir einen Brief schreiben: Jetzt sitz ich hier völlig nackt Und denke an unsern ersten Blickkontakt. (Refrain: Ohohoh, Helmut ...) Nächstes Wochenende fahre Zu Dir nach Bonn Und da koalieren wir, da kenn'ich kein Pardon Oh Helmut Kohl, mein Sexidol Auf dass ich Dir bald einen runterhol Und Hannelore schicken wir ins Sauerland Und da macht's sie'sich mit der Treuhand (Refrain: Ohohoh, Helmut ...) Du kommt's raus aus dem Präsidium Und da siehste mich und dann fliegst um Und wenn Du mich zum ersten Mal küsst Soagst Du: Geil, dass Du gekommen bist Und der Schweiß der Lust Steht Dir auf der Stirne Und ich spür in Deiner Hose Deine heiße Birne (Refrain: Ohohoh, Helmut ...)

Artikel der "Bild"-Zeitung zum Lied "Helmut"

Franz Vranitzky nackt auf dem Titel von "Profil", Österreich 1996

Der ehemalige Bundeskanzler wurde auf dem Titelblatt von "profil" in einer Fotomontage nackt abgebildet. Der Sozialdemokrat verurteilte den "Rotzartikel" und kündigte rechtliche Schritte an. (WN 12.3.1996)

Umstrittenes Titelblatt

Vicki Vomit: "Liebe mit Claudia", 1997

Claudia Nolte, ehemalige Bundesfamilienministerin, sah durch Vicki Vomit ihre Intimsphäre verletzt. Deshalb ließ sie den Song „Liebe mit Claudia“ des Erfurter Rocksängers Vicki Vomit per einstweilige Verfügung verbieten. Der Thüringer Musiker hatte in dem Stück seiner jüngsten CD „Bumm/Bumm“ beschrieben, wie ihn die christdemokratische Politikerin nach einem Prominentenball mit nach Hause nimmt und verführt. „Ich machte Liebe mit Claudia Nolte, wir machten Liebe, nur weil sie es wollte". Hernach drohten dem Punkrocker, seiner Vertriebsfirma und der Zeitschrift „Musikexpress", die eine CD mit dem beanstandeten Lied beilegte, je eine halbe Million Mark Strafe bei Zuwiderhandlung. (Spiegel 28 1997)

Spottlied auf die ehemalige Kanzlergattin Doris Schröder-Köpf in der NDR-TV-Sendung "extra 3", 2002

In der Satire-Sendung war im Beisein von Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust ein Spottlied über Doris Schröder-Köpf angestimmt worden. Aus dem Text: "Doris Schröder-Köpf, du Kanzlergattin. Zartgliedrig Geschöpf willst auch am Rad drehn, und dein kleiner Mund tut schlimmer Worte kund. Rote Lippen dein, die böse reden. Muss das wirklich sein? Und verdirbt den Teint, den rosig-edlen" ... "Du nimmst einfach teil, die Leute mögen dich nicht. Nennen dich Fallbeil, aber das findest du ungeil. Doris-Schröder-Köpf, oh , und blond Geschöpf. Glaubst du denn, der Gerd liebt dich nicht, wenn du hältst die Klappe dicht?" Aus Reihen der SPD ließ man verlautbaren, dass der Song "stillos" und der Text "frauenverachtend" sei. (Sdt. 4.12.2002)

Joachim Deutschland: "Die Stoibers", 2003

Joachim Deutschland wurde mit seinem Song von der Qualifikation für den Grand Prix vom NDR wegen eines "in keiner Weise akzeptablen Titels" vom Wettbewerb ausgeschlossen. In dem Song beleidigt er, so weiter in der Begründung, die Ehefrau und die Töchter des damaligen bayrischen Ministerpräsidenten mit sexuellen Anzüglichkeiten. (MZ 16.1.2003)

Satirezeitschrift „El Jueves“: Kronprinzenpaar beim Sex, 2008

Auf dem Titelblatt war der spanische Kronprinz Prinz Felipe mit seiner Ehefrau Letizia beim Sex abgebildet worden. Anlass für die eindeutige Darstellung war die Ankündigung der spanischen Regierung, angesichts der Vergreisung der Gesellschaft, Familien für jedes Neugeboren mit 2.500 Euro zu belohnen. Kommentiert wurden Regierungsankündigung und Darstellung mit den Worten: “Es zeigt sich, dass Wahlen kommen“. Den Prinzen ließ man per Sprechblase verkünden: „Ist die das klar? Wenn du schwanger wirst…. So nahe bin ich in meinem Leben noch nie ans Arbeiten heran gekommen.“ Die Zeitung kritisierte vor allem, dass das Königshaus komplett aus der Staatskasse finanziert wird. Die Ermittlungsrichter sahen die Kritik aber anders: Die Karikatur „verletzt die Ehre und Würde der abgebildeten Menschen“ und ließen die Zeitung beschlagnahmen. Aufgrund dieser Zensur der Printausgabe versuchten so viele Menschen, die Karikatur auf der Webseite von „El Jueves“ zu sehen, dass diese unter dem Ansturm zusammenbrach. Dann wurde sie auf Anweisung der Behörde auch vom Netz genommen. (Netzzeitung 2008) Die verbotene Zeitung selbst wurde zum Sammlerobjekt. Bis zu 2500 Euro wurden für ein Heft geboten. (WN 24.7.07)

Satirezeitschrift „El Jueves“: Titel mit dem Prinzenpaar

Karnevalswagen mit Kanzlerin Merkel „oben ohne“, Köln 2009

Die Kanzlerin durfte auf dem Rosenmontagszug 2009 nicht „oben ohne“ dargestellt werden. Die Gestalterin eines Prunkwagens hatte dies ursprünglich so geplant und zog nach Diskussionen die Variante im Bikini vor. Der Zugleiter Christoph Kuckelkorn kommentierte dazu im „Kölner Stadtanzeiger: „Wir wollen eine derartige Effekthascherei nicht.“ (ZDF online 18.2.2009)

Umstrittener Karnevalswagen

Obama Töchter als Spielzeug, USA 2009

Ein Spielwarenhändler brachte 2009 „Marvelous Malia“ und „Sweet Sasha“ als Puppen auf den Markt. Die Namen Malia und Sasha signalisierten ebenso wie die Gestaltung, dass es sich bei dem Spielzeug um eine kindgerechte Nachbildung der Präsidententöchter von Obama handelte. Nach Protesten wurden die Puppen in Marvelous Mariah und Sweet Sydney umbenannt. Und der bisherige Erlös der Vermarktung wohltätigen Organisationen versprochen. (Sdt. 6.2.2009)

Obama-Töchter als Puppen

Erika Lust: "Frau Orosz wirbt für das Welterbe", 2010

Auf dem Bild ist eine Frau zu sehen, die bis auf Strümpfe mit Strapsen, Schuhen, einer goldenen Amtskette und einem Tuch, das nichts verhüllt, nackt ist. Im Hintergrund sind Brückenbögen zu sehen, die sich auf die Diskussion um die sog. Waldschlösschenbrücke bezieht. Über deren Bau wurde über Jahre heftig gestritten mit dem Ergebnis, dass die Stadt Dresden an den Bauplänen festhielt und das Welterbekomitee Dresden daraufhin den Welterbetitel aberkannte. Der Titel des Bildes legt einen Zusammenhang zwischen den Ereignissen, der Darstellung und der gleichnamigen Oberbürgermeisterin Orosz nahe. Die fühlte sich auch prompt verunglimpft und zog vor Gericht und gewann den ersten Prozess, in dem über Kunstfreiheit und Persönlichkeitsrechte gestritten wurde. Die Künstlerin ging in Berufung und malte weiter: "Frau Orosz wirbt für das Weltkulturerbe II" (es zeigt eine Person in Burka vor der Brücke) und "Das Rosa Wunder" (es gleicht dem Skandalbild, aber die dargestellte Frau trägt nun ein rosafarbenes Höschen). (Spiegel 15 2010)

Erika Lust: "Frau Orosz wirbt für das Welterbe" (zensierte Fassung)
Erika Lust: "Frau Orosz wirbt für das Welterbe II"
Erika Lust: "Das Rosa Wunder"

Sprache

Unwort des Jahres „kollektiver Freizeitpark“ zurückgezogen, 1993

Die Gesellschaft für deutsche Sprache zog nach Protesten aus dem Kanzleramt ein zweites Unwort für das Jahr 1993 zurück, nämlich Kohls „kollektiven Freizeitpark“. Damit verwarf man die Entscheidung der eigenen Jury. (Spiegel 1993)

Atomkraft

“Unerträglicher“ Anti-Atomkraftknopf, Hamburg 1977

Der Button am Revers eines Lehrers war 1977 für Christdemokraten und Sozialdemokraten in Hamburg „unerträglich“. Auch in andern Fällen stieß das Bekenntnis gegen die Atomkraft bei der Obrigkeit auf Widerstand. Ein Zivildienstleistender an einer Hamburger Sonderschule für Gehörlose wurde vom Schulleiter gebeten, dass „Atomkraft! Nein Danke“ „freiwillig“ abzulegen. Als der Lehrer dem nicht nach kam, wurde ihm die Versetzung angedroht, worauf er eine Plakette mit der Aufschrift „Plaketten-Verbot? Nein Danke“ anlegte. Daraufhin wurden Ermittlungen für ein Disziplinarverfahren angestellt. (Spiegel 48 1977)

Kritisierte Plakete

Aufklärung

Spot der Anti-Aids-Kampagne: Aids-Kranke und Massenmörder, 2009

Bundesdeutsche Aids Verbände fordern einen sofortigen Stopp einer gut gemeinten Spot einer Anti-Aids-Kampagne: In einem Apartment wird ein Mann und eine Frau beim leidenschaftlichen Sex im Dämmerlicht gezeigt. Als der Mann sein Gesicht zeigt, erkennt der Zuschauer Adolf Hitler“ und es folgt der Spruch: „Aids ist ein Massenmörder“. Die Kampagne vom „Verein Regenbogen“ aus Saarbrücken hatte diesen Spot zusammen mit einer Hamburger Werbeagentur entwickelt. Auch im Ausland löste er einen Sturm der Entrüstung aus, weil damit die Opfer der Nazis verhöhnt und HIV-Positive mit Massenmördern verglichen würden. (MZ 9.9.2009)

Verschiedenes

"Bayernkurier" gegen Anzeigenwerbung für Berlin als Hauptstadt,1990

Das CSU-Organ "Bayernkurier" verweigerte als einzige von 30 Zeitungen den Abdruck von Anzeigen, in denen sich Prominente für „Berlin, Die Hauptstadt“ aussprachen. Eigens für den "Bayernkurier" ließ der Berliner Senat ein Anzeigenmotiv mit den Worten des Streibl-Vorgängers Franz-Josef Strauß fertigen, wonach Berlin „für und .. die Hauptstadt Deutschlands nach der politischen Wirklichkeit von morgen wieder sein wird.“ (Spiegel 37 1990)

Bananen-Republik-Deutschland, 1992

Der Aufkleber war nach Ansicht der Staatsanwaltschaft in Münster dazu geeignet, den "Tatbestand der böswilligen Verächtlichmachung" zu erfüllen, verunglimpfe er doch den Staat und seine Symbole. Ein Student, der den Aufkleber an seinem Wagen angeklebt hatte, wurde aber freigesprochen. (MZ 5.5.1992)

Aufkleber Bananen-Republik-Deutschland

Andere Länder

Brasilien

Karneval in Rio: Holocaustwagen, um 2000

Der sog. Holocaustwagen durfte beim Karneval in Rio nicht mitfahren. (Archiv/Netz)

Verbotener Karnevalswagen

England

Radiospot: Deutscher als tyrannischer Chef, 2010

Eine britische Jobbörse wollte mit einem Spot werben, in dem ein Deutscher als tyrannischer Chef dargestellt wurde, doch der britische Werberat legte sein Veto ein: der Spot lege nahe, dass deutsche "sich unverschämt oder aggressiv gegenüber anderen verhalten." (welt online 20.1.2010)

Hongkong

Tageszeitung "Apple Daily": Hitler-Bild und deutsche Fußball-Nationalmannschaft, Hongkong 1998

In der Zeitung war ein Hitler-Gemälde in Verbindung mit der deutschen Nationalmannschaft dargestellt, der man den Gewinn der Weltmeisterschaft in Frankreich prophezeite. Denn, so die Zeitung, das deutsche Team verkörpere die Qualitäten einer "Rasse, die sich nie geschlagen gibt und grimmig kämpft." Der Artikel erschien ausgerechnet am Vorabend von Jom Haschoah, dem Tag der Erinnerung an die sechs Millionen Juden, die von den Deutschen ermordet wurden. Nach Protesten entschuldigte sich die Zeitung und erklärte das Bild als "Teil einer künstlerischen Gestaltung." (Spiegel 18 1998)

Rußland

Obama - Ahmadinedschad: "Wer stellt die größere nukleare Bedrohung dar?", 2010

Im Rahmen einer internationalen Werbekampagne wurde diese Frage vom russischen Staatssender "Russia Today" gestellt. Dabei wurden auf Plakaten die Gesichter der beiden Präsidenten übereinander geblendet. In England wurden die Plakate öffentlich gezeigt, Flughäfen in den US-Städten New York, Baltimore und Washington weigerten sich die provokante Darstellung zu verbreiten. Pikanterweise war sie auch noch von der amerikanischen PR-Agentur McCann Erickson ausgedacht worden. (Spiegel 2 2010)

Obama - Ahmadinedschad: "Wer stellt die größere nukleare Bedrohung dar?"
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