Musik
Aus Zensur Archiv
Rock- und Popmusik
Zensierte Auftritte und Konzerte
Beatles und Israel, 1965
1965 wurde ein Auftritt der Beatles in Israel abgesagt, weil die damalige Regierung befürchtete, die Band könnte "die Jugend moralisch verderben." (WN 21.7.2008)
Musical: „Haare“, München 1968
Nach dem bayrischen „Landesstraf- und Verordnungsgesetz“ zählten 1968 „Revuen zu jenen „öffentlichen Vergnügungen“ die einer behördlichen Erlaubnis bedurften. „Theateraufführungen“ hingegen, „bei denen ein höheres Interesse der Kunst vorliegt“, waren solcher Aufsicht nicht unterworfen. Das Musical „Haare“ als „Revue“ auszumachen, gelang den Ordungsbeamten mit Hilfe des „Großen Brockhaus“ („Bühnendarbietung von lose aneinander gereihten Szenen mit Gesang, Tanz und Artistik“). Damit war auch die gesetzliche Grundlage gefunden, um der Aufführung mit Zwangsgeld oder Schließung zu drohen, falls bestimmte Auflagen nicht erfüllt würden. Denn im dem Musical „wälzen (sich) drei Personen am Bühnenboden“, so das „Geschlechtsverkehr- oder Unzuchtshandlungen“ andeutet seien. Dies, so die Verfügung, sei zu „unterlassen“. „Haare“-Produzent Werner Schmid verbarg deshalb die Szene unter einer Decke, auf der zensiert stand. Ferner war zu unterlassen: die „Entblößung von Geschlechtsmerkmalen“ (die Hippies verbargen die nackten „Haare ihrer Schambehaarung hinter schmalen Tüchern). Zugelassen wurde allerdings ausdrücklich die „Entblößung des Oberkörpers“. Außerdem verfügte Münchens Gewerbeaufsicht, dass der Gymnasiast David Heinmann, 15, das Preislied auf die Sodomie nicht mehr singen darf, bevor er 18 Jahre alt ist. Später wurde das Musical als „Theater“ eingestuft und alle Beanstandungen waren damit überfällig. (Spiegel 45 1968)
Jimi Hendrix: USA Konzerte, 1968
Hendrix tourte 1968 mit den Monkees durch die USA. Wegen angeblich obszöner Auftritte („Zunge leckt Gitarre"?) bewirkten einflussreiche amerikanische Frauenverbände, dass die Tournee nach nur 5 Konzerten abgebrochen wurde. (Archiv)
Oh! Calcutta!“, 1969
Das Musical wurde erstmals 1969 im Eden-Theater New York von Kenneth Tynan aufgeführt. Tynan hatte zunächst Künstler wie Godard, Vidal, Polanski oder Lennon gebeten, sich etwas „Erotisches“ von der Seele zu schreiben (Thema: „Die Suche nach dem Glück durch Sex“. Den Show-Titel, ein Wortspiel um einen Körperteil (eine Paronomasie auf „O quel cul t'as“, was übersetzt soviel heißt wie „Was für einen Hintern du hast“), entnahm er einem Bildnis des greisen Surrealisten Clovis Trouille, auf dem ein tätowiertes Damengesäß Brokat umrahmt zu sehen ist. Von den bekannteren Beiträgen blieben nur die von Beckett und Lennon übrig, die Tynan zusammen mit seinen Ergüssen in Teilen zusammen mixt. Wer was verfasst hat, bleibt unklar. Zur Vorführung erscheint auch die Sittenpolizei, die zunächst nichts zu beanstanden hat. Doch durch einen aufgebrachten Einzelgänger wurde das Stück juristisch belang. Das Ganze geriet zum Skandal. (Spiegel 26 1969 und 35 1980)1971 wurde das Musical dann im Hamburger Operettenhaus aufgeführt. Vor dem Haus formierten sich insbesondere Jungmänner der „Aktion Widerstand“, um gegen den Verlust jeglicher Scham zu protestieren. (Spiegel 12 1971)
Jesus Christ Superstar, 1971
Christen und Juden versammelten sich gemeinsam zur Uraufführung von „Jesus Christ Superstar“ am Broadway Theatre, um gegen die Aufführung zu protestieren. Während die Juden die Aufführung für antisemitisch hielten, fühlten die Christen sich durch die Darstellung von Jesus beleidigt. (Archiv)
John Lennon, US-Tour und das FBI, 1972
Eine geplante US-Tour von John Lennon sagte der Ex-Beatle 1972 auf Anraten seiner Anwälte ab. Lennon galt in der Nixon-Ära als "Sicherheitsrisiko" und war ins Visier des FBI geraten.. Klassifiziert war der Fall unter "Sicherheitsangelegenheiten/Revolutionäre Aktivitäten". FBI-Chef Hoover fürchtete, dass Lennon "an der Sprengung des Republikanischen Wahlparteitages" mitwirken könne. Bereits 1971 hatten FNI-Agenten einen Lennon-Auftritt in Michigan verfolgt und u.a. dessen Lied über einen örtlichen Aktivisten ("John Sinclair") mitgeschrieben. Der Text, "vertraulich" klassifiziert, wurde als Kopie landesweit verteilt, was allerdings völlig überflüssig war, denn der befand sich für jedermann einsehbar längst auf einem Plattencover von Lennon. Zu Lennon selbst wurde dann vermerkt: "Verdächtiger plant weiterhin Aktivitäten gegen Parteikongreß und wird binnen kurzem Serie von Rockkonzerten beginnen, um dafür Finanzpolster zu schaffen". Hoover gab daraufhin Anweisung, Lennon "auf diskrete Art zu lokalisieren", was sich als schwierig erwies, da Lennons Wohnsitz mit dem St. Regis Hotel in der N.Y. Bank Street angegeben wurde. Das blieb für die nicht gerade ortskundigen FBI-Leute unauffindbar, da sich das St. Regis nicht in der Bank Street, sondern in der Fifth Avenue befindet.
Udo Lindenberg: Bodo Ballermann, ARD 1976
Im Abendprogramm der ARD wurde 1976 wurde u.a. der Text von "Bodo Ballermann" (der nicht nur den Fußball "bumst") geändert. Auch einige Rundfunksender speziell im süddeutschen Raum weigerte sich den Song zu spielen. (Moderator: "Liebe Leute, hier würde es ihnen nur die Schamesröte ins Gesicht treiben, wenn wir das weiterspielten. Hier werden eure Töchter verdorben und deshalb streichen wir das." In die Kritik geriet auch der Song "Jeremias". er wurde zwar vom NDR für die "Nordschau" aufgenommen, aber (zunächst) nicht gesendet, da "die Zeit dafür noch nicht reif sei", so ließ man Lindenberg wissen. (Pop 9 1976)
Sex Pistols: "God save the Queen", TV: "Today"..., 1977
Mutig war die Londoner Fernsehstation ITV, die für ihre Show „Today“ eine interessante Band suchte und - nachdem „Queen“ aus Termingründen absagen mussten - die frisch formierten Sex Pistols live vorstellten. Showmaster Bill Grundy gelang es zunächst nicht, etwas Substantielles aus Glen Matlock herauszubringen und so versuchte er die ebenfalls anwesende Sioxsie in "dirty old man-Manier" ins Gespräch zu ziehen. Steve Jones, im berühmten Titten-T-Shirt, und Matlock beschimpften ihn daraufhin mit fuck-Wörtern, woraufhin Grundy die Live-Sendung mit hochrotem Kopfes abbrach und anschließend erst einmal vom Dienst suspendiert wurde. Die Nation aber geriet über die Pistols in Rage, die Presse überschlug sich mit scharfen Vorwürfen und die Konzertagenturen bekamen Angst. Bereits bestehende Auftrittsverbote in den größeren Londoner Clubs wie dem Marquee oder dem Nashville wurden erweitert. Die lang ersehnte „Anarchy"-Tournee schrumpfte unter dem Eindruck des Talkshow-Skandals von 19 Gigs auf die 3 Stationen Leeds, Manchester und Plymoth zusammen. In Derby sollte die Band sogar ein Testkonzert für die Honoratioren der Stadt geben, worauf sich die Pistols nicht einließen. Zudem kündige die Plattenfirma EMI den Vertrag mit der Gruppe. „Anarchy“ hatte gerade die Top 30 erreicht. Die Restauflage der Single wurde eingestampft. Anteilseigner, protestierende EMI-Musiker und streikende Arbeiterinnen, die sich weigerten die Platte zu verpacken, hatten EMI unter Druck gesetzt. Die US-Chefetagen von CBS und WEA waren zunächst interessiert, die Pistols zu übernehmen, aber britische Bedenkenträger setzten sich durch. So kamen sie bei A & M, ansonsten eher auf „Middle-of-the-Road"-Pop abonniert, unter. Im A & M Büro kam es gleich beim ersten Besuch der Pistols zu handfesten Auseinandersetzungen, weil die Pistols Wein auf dem teuren Teppich kippten und die attraktive Sekretärin mit obszönen Angeboten überschütteten. Musiker wie Rick Wakeman oder Peter Frampton forderten angesichts der vielen Eskapaden der Pistols den Rauswurf der Band und drohten andernfalls mit der eigenen Kündigung. Bei der Prüfung der Werbeanzeige für die frischgepresste Single „God save the Queen“ (Ihre Majestät mit dem Songtitel vor Augen und eine Sicherheitsnadel durch die Nase gesteckt) wurde es dem A&M Chef Derek Green zuviel. Die bereits gepressten 25.000 Singles von „God save the Queen“ („Good save the queen, a facist ragime, / It made you a maron, a potential H-bomb / Good save the queen / She ain't no human being / There is no future in England's dream …“) wurden eingestampft und die Gruppe nach einer Woche gefeuert. Im Mai unterschrieben die Sex Pistols bei Virgin. Dort erschien „God save the Queen“ doch noch. Die Platte erreichte den Gipfel der Charts, obwohl über 30% der Läden sich weigerten, die Platte wegen angeblicher Majestätsbeleidigung zu vertreiben. Zugleich belegten die meisten Rundfunk- und Fernsehstationen die Sex Pistols mit einem Bann. Ihre silberne Schallplatte feiern die Sex Pistols auf einer von McLaren organisierten Bootsfahrt auf der Themse. Das Schiff wurde von der Wasserschutzpolizei gestürmt. Acht Boote der Wasserschutzpolizei eskortieren das Pistols-Schiff an den Charing-Cross-Pier und Fans inkl. McLaren wurden in Polizeigewahrsam genommen. Inspiriert von dieser Polizeiaktion nahmen sich auch einige britische Staatsbürger das Recht heraus, die Pistols für ihre anti-monarchistische Propaganda zu strafen: Johnny Rotten wurde Opfer zweier Rasiermesseranschläge, und der Drummer Paul Cook wurde von sechs mit Eisenstangen bewaffneten Leuten überfallen. Danach veröffentlichen die Pistols „Pretty Vacant". Die Platte blieb von Boykott-Maßnahmen verschont. Aber Johnny Rotten ließ es sich nicht nehmen, statt „vacant“ immer „va-cunt“ zu singen. Ein führender Kopf der GLC-Organisation, ohne deren Genehmigung keine Pop-Konzerte in und um London stattfinden können, erklärte daraufhin öffentlich, dass Punk-Rock und insbesondere die Sex-Pistols mit allen Mitteln an Auftritten gehindert werden müssten. Selbst Gruppen, in denen Pistolsmitglieder als Gäste auftreten wollten, wurden mit dem Bannstrahl abgestraft. Iggy Pop durfte mit seiner neuen Band in einigen Londoner Clubs nicht auftreten, weil er Glen Matlock in seinem Gefolge hatte. (Auch Jean Jaques Burnell musste einen Gig absagen, nachdem das Management vom Dury Lane Theatre gemerkt hatte, dass er ein Strangler ist.) Und selbst Jahre nach den ersten Skandalen waren die Restpistols immer noch so gefürchtet, dass geplante Konzerte in Griechenland von der dortigen Regierung 1996 verboten wurden. Die Pistols sagten zu den Auftrittsverboten später: „We've been banned cause we're telling the truth. The councils, they ban my concerts and they take my money". Sid: „Rules are made to be broken." Am 15. Oktober 1977 erschien dann die Single „Holydays in the Sun", erstmals komponiert von Jones/Rotten/Cook/Vicious und es gab wieder Ärger. Das Cover verletzte - so der Vorwurf - das Copyright irgendeiner Reisegesellschaft, aus deren Prospekten die verwendeten Bilder stammten. Das im Text vorkommende Wort „Belsen“ wurde darüber hinaus mit dem ebenfalls vorkommenden „holyday camp“ assoziiert, was Wasser auf die Mühlen, der Faschismus-Verdächtiger goss. Nur wenige Monate später beschwerte sich die American Express Company über das Cover der Sex-Pistols Single „The Great Rock'N‘ Roll Swindle“ sah. Dort prangte auf schwarzem Untergrund das Abbild einer Kreditkarte des American Express. Sie strebte ein Verfahren wegen Verletzung des Urheberrechts und des Warenzeichenschutzes an und erreichte damit, dass alle Singlehüllen eingezogen wurden. (Archiv)
Drahdiwaberl in der Wiener Stadthalle, 1981
Die von Stefan Weber gründete Band (Falco war Bassist) traktierte 1981 bei einem Konzert einen Politiker mit Suppenhühnern traktiert, worauf die Band von der Wiener Stadthalle mit ewigem Hausverbot belegt wurde. (Welt 17.2.2007)
Plasmatics, London, 1981
In London hatten sittenstrenge Stadträte moralische Bedenken bzgl. des Konzerts. Zu oft hatte die Amerikanerin Wendy O. Williams auf offener Rockbühne schon ihre blanken Brüste gezeigt. Wendy war früher Sex-Schauspielerin. Vorgeschoben wurde ein Verbot aus Sicherheitsgründen. (Spiegel 8 1981)
Ein Vergleich: Bereits 1967 gab es in den USA die erste Topless-Band der Welt.
Grace Jones und "Wetten das...", 1985
Zu keiner Einigung kam es mit der Sängerin in Kleidungsfragen: Sie wurde aus der beliebten Sendung des ZDF wieder ausgeladen, weil sie sich vermummen wollte. (Spiegel 52 1985)
John Moran: Oper „The Manson Family“, New York 1990
Das Projekt über den verurteilten Mörder, bei dem die Beatles als die vier Engel der Apokalypse auftreten und Manson als Vollstrecker des Jüngsten Gerichts wurde scharf kritisiert. (Spiegel 38 1992)
Sinhead O'Connor: Konzert in New Jersey, 1990 und New York 1992
Die irische Rock-Bardin verletzte 1990 die patriotischen Gefühle der Amerikaner, indem sie das in den Vereinigten Staaten vor Großveranstaltungen übliche Singen der Nationalhymne verweigerte. Sie wollte damit „gegen die zunehmende Zensur von Musik und Kunst in diesem Lande“ protestieren. Seither weigern sich US-Radiostationen, Platten der Protestantin zu spielen. Frank Sinatra drohte unter viel Beifall damit: „Zu gerne wäre ich dabei gewesen, dann hätt‘ ich ihr in den Arsch treten können.“ Auch mit Bob Dylan geriet die streitbare Irin aneinander. 1992 beim „Dylan-Tribute“ im New Yorker Madison Square Garden zerriss sie auf der Bühne ein Bildnis von Jesus. O'Connor dazu: „Nach dem Auftritt sah Dylan mich hinter der Bühne und lief auf mich zu. Ich glaube nicht, dass er wusste, wer ich bin. Er wirkte verwirrt und fragte mich etwas wie: „Was hast du getan?“ Ihre Antwort darauf: „Attacke? …. So würde ich es nicht bezeichnen. Meine Aktion sollte den Anlass bieten, wieder öffentlich über Gott und Kirche zu sprechen. Dadurch könnte sich die Kirche von Schuld und falscher Moral selbst heilen." (Spiegel 36 1990 und Archiv)
Kleiderordnung für Cher, 1991
Cher, bekannt für freizügige Outfits, moderierte eine zweistündige Video-Sendung für die amerikanischen Golftruppen. Wegen der saudischen Zensur verhüllte sie sich von Kopf bis Fuß. Selbst die Knie ihrer modisch zerlöcherten Jeans hatte sie mit einem Operation-Desert-Storm-T-Shirt bedeckt. (Spiegel 7 1991 und 14 1992)
American Music Awads: Pieptöne gegen das Fluchen, L.A. 2003
Überschattet wurde die Übertragung der Show im Shrine Auditorium in LA von ständigen Eingriffgen der Zensoren, die ganze Kanonaden obszöner Ausdrücke des Altrockers Ozzy Osbourne mit Pieptönen überblendeten. (WN 15.1.2003)
Marilyn Manson: Konzerte 2000-2003
Die Gerüchte und Horrormeldungen im Umfeld von Marylin Manson, der sich seinen Namen bewusst aus einer Ikone des amerikanischen (Alp-)Traums, nämlich Marilyn Monroe, und dem Anstifter zum Mord von Sharon Tate, Charles Manson, zusammengebastelt hat, füllen Bücher. Mal soll er bei seinen Konzerten Jungfrauenopfer für den Leibhaftigen gefordert haben, mal Entenküken gemeuchelt oder kiloweise Kokain ans Publikum verteilt haben, um anschließend einen Fan zu vergewaltigen. Den inszenierten Skandal immer im Blickfeld geriet Manson in den Verdacht, mit Satan zu paktieren, schlimmer noch, selbst einer zu sein. Nachdem der ultrarechte TV-Talker Pat Robertson in seinen auf religiös gebastelten Sendungen Marylin mehrfach attackierte („Manson ist der Teufel, der eure Kinder vergewaltigen und ermorden will“) mussten etliche Termine der US-Tour abgesagt oder verlegt werden. In Oklahoma verhinderten aufgebrachte Mütter das Konzert und der Gig in Salt Lake City wurde wegen heftiger Proteste ins nahegelegene Park City verlegt. Daraufhin widmete Marylin Manson seinen Song „Get your gun“ den „Scheiß Mormonen". Für das Nicht-Auftreten wurden schließlich sogar Prämien an Manson gezahlt. In South Carolina erhielt er 40.000 Dollar in bar dafür, dass er die Stadt ohne einen Auftritt wieder verließ. Dabei, so belegen glaubhafte Zeugen, sei seine schlimmste Sünde bis 1997 gewesen, dass er sich bei einem Konzert den Hintern mit einer US-Flagge abgewischt hatte. Dazu bekannte er sich ebenso wie zu seinen meist jugendlichen Alpträumen: „Ich fotografierte nackte Frauen und schnitt dann ihre Geschlechtsorgane heraus. Ich hatte ganz brutale Träume, in denen ich das gleiche mit richtigen Menschen anstellte. Das hat mir furchtbar Angst gemacht.“ 2003 wurde Manson juristisch belangt. Während eines Konzertes im Jahr 2000 hatte Manson den Kopf eines Sicherheitsbeamten gegen seinen Schritt gedrückt und dabei die Hüften bewegt. Der so traktierte Mann hatte daraufhin Zivilklage beim US-Gericht St. Paul (Minnesota) eingereicht. Die Klage wegen „vermeintlich sexueller Andeutungen während eines Konzertes“ wurde abgewiesen. Das Gericht war der Meinung von Manson gefolgt, dass seine Aktion ein Teil der Bühnenshow gewesen sei. Manson kommentierte die Entscheidung, die ihm 75.000 Dollar Schadensersatzzahlung ersparte mit den Worten: „Der Weg zur Wahrheit wird durch frivole Klagen verdunkelt, aber er wird erhellt durch die Objektivität von Geschworenen, die den Unterschied zwischen Unterhaltung und Angriff erkennen." (Archiv und WN 10.9.2003
Böhse Onkelz in Münster, 2003/2004
Ein angekündigtes Konzert der Onkelz für 2004 wurde zum Politikum. Die Chefin der Münsterlandhalle Paschke veranlasste ein Überprüfung der Veranstaltung und drei Ratsherren fuhren eigens nach Bremen zu einem Onkelz-Konzert, um sich vom Grad der drohenden Gefahr zu überzeugen. Danach konnte das Konzert stattfinden. (MZ 28.5.2003)
Eminems Po: zensiert, 2004
Weil MTV den Fernsehzuschauern Eminems Po nicht zumuten wollte,wurde die entsprechende Szene von dem Auftritt des Musikers bei den 2004 Movie Awards geschnitten. (Vip News 8.6.2004)
Zwei ähnliche Fälle hatte es in der Vergangenheit bereits gegeben. 1972 musste das Plakat des französischen Popsänger Michel Polnareff überklebt werden. 1987 wurde vor Gericht über Gottfried Helnweins Plakat zum Musical "Andi" vor Gericht gestritten, weil die Mutter des tatsächlichen Andreas, dessen Lebensgeschichte die Vorlage für das Musical war, das Andenken ihres Sohnes durch ein Werbeplakat "beschmutzt" sah. (Spiegel 12 1987). Auch in diesem Fall wurde ein Überkleben in Erwägung gezogen.
Britney Spears, China 2004
Ihr geplanter erster Ausflug ins „Reich der Mitte“ 2004 führte bereits im Vorfeld zu erheblicher Unruhe. Das chinesische Kulturministerium sorgte sich um die korrekte Kleiderordnung des Popstars und wollte wissen, was Britney auf der Bühne zu tragen gedenke. Ein „Ooops - I did it again“ sollte mit der vom Veranstalter geforderten Garantie, dass die Sängerin nicht zuviel nackte Haut zeige, auf jeden Fall verhindert werden.(Archiv)
Janet Jackson: Nippelgate-Skandal, 2004
Der Auftritt von Janet Jackson und Justin Timberlake geriet zum Desaster: Erst riß der Sänger Jackson die Kleider so vom Leib, dass ihr Busen zum Vorschein kam: dann hagelte es Proteste von vor allem besorgter Eltern, die mit ihren Kindern vom Fernseher gesessen hatten und den "Angriff auf die Moral" verurteilten. Janet Jackson umschrieb ihren legendären Auftritt beim Superbowl 2004 mit einer "wardrobe-malfunction" ("Fehlfunktion ihrer Garderobe"). Später zeigte sich Jackson noch mal mit nackter Brust, die wurde weggepixelt. (Spiegel 17 2004) (Spiegel 9 2004)
"Fuck for forest"-Konzert, Kristiansand 2005
Die beiden norgwegisch-schwedischen Umweltaktivisten Tommy Hol Ellingsen und Petra Leona Johansson starteten 2005 einen unkonventionellen Versuch, den Regenwald zu retten. Vor über 3000 Zuschauern vögelten sie auf einer Open-air-Bühne im norwegischen Kristiansand für Spendengelder. Das Geld des "Fuck for forest"-Unternehmens aber wollte die hierfür vorgesehene Umweltorganisation World Wildlife Fund (WWF) nicht annehmen. Damit nicht genug. Schließlich mussten sich die beiden auch noch vor Gericht wegen "Erregung öffentlichen Ärgernisses" verantworten. Enttäuscht zog das Paar nach Berlin um und betreibt nun eine eigene "Fuck for forest"-Internetseite, auf der man gegen eine monatliche Schutzgebühr u.a. dem nackten Treiben der beiden zusehen kann. (Spiegel, 2 2005)
Peter Kraus: Konzert in Castrop-Rauxel: Tanzverbot, 2005
Möglicherweise in Erinnerung an die wilden Auftritte in den fünfziger Jahren wurde die Halle bestuhlt und ein striktes Tanzverbot erlassen, über das zahlreiche Sicherheitskräfte wachten. (MZ 4.3.2005)
„Jesus Christ Superstar“-Verbot, KZ Majdanek, 2006
Auf Druck jüdischer Organisationen wurde die geplante Aufführung der Rockoper im ehemaligen Konzentrationslager abgesagt. (Sdt 21.4.2006)
Madonna Confessions-Tour, Rom, Moskau, Düsseldorf 2006
Im Rahmen ihrer „Confessionstour“ trat Madonna auch in Rom direkt in der Nähe des Vatikans auf. Der empörte sich sofort über die Kreuzigungsszene, und Kardinal Ersilio Tonini forderte sogar die Exkommunikation, weil das Konzert „blasphemisch“ sei: „Sich in der Stadt der Päpste und der Märtyrer kreuzigen zu lassen, ist ein Akt der offenen Feindseligkeit.“ Ein weiterer Sprecher des Vatikans äußerte sich wie folgt: „Dieses Mal hat sie nun wirklich eine Grenze überschritten.“ Madonna hingegen lud den Papst zu dem Konzert ein: „Dem Papst würde die Show gefallen, und er würde Madonna applaudieren, vermeldete eine Sprecherin Madonnas. Doch auch in Moskau auf dem Roten Platz durfte sie die Show nicht zeigen, sondern möglichst weit entfernt von den orthodoxen Heiligtümern im Zentrum. Dennoch gab es Proteste: Madonna sei vom Teufel "besessen", skandierten religiöse Demonstranten: U.a. wurde ein Bild der Musikerin gepfählt. Denn die damals 48-jährige stehe unter dem Einfluss von Satan persönlich, meinte ein Anführer der Gegner, Leonid Simonowitsch-Nikschich. „Wir rufen eine neue heilige Inquisition aus gegen die, die gegen Gott kämpfen“, sagte der Vorsitzende eines russisch-orthodoxen Glaubensbundes. Die Begründung der Organisatoren für die Verlegung hinsichtlich Zeit und Ort für das Madonna-Konzert lautete: Sicherheitsbedenken. (Netzzeitung 7.9.2006) In Düsseldorf stellte eine Bürger Strafanzeige gegen Madonna wegen Blasphemie, weil die US-Sängerin sich während ihres Auftritts in der NRW-Landeshauptstadt u.a. ans Kreuz hängen ließ und zeitweise eine Dornenkrone trug. Sekundiert wurde die Anzeige durch die Landesbischöfin Margot Käßmann (Hannover), die die besagten Stellen der Bühnenshow scharf kritisierte. Die Staatsanwaltschaft jedoch stellte fest, dass die Tour äußerst provokativ sei, aber nicht strafbar. Madonnas Auftritt sei durch die Kunstfreiheit gedeckt und man werde nicht wegen Beschimpfung eines religiösen Bekenntnisses ermitteln.(MZ 21.8.2006, Netzzeitung 22.8.2006, Focus online 4.8.2006))
Lordi: Song Contest Athen, 2006
Die finnische Gruppe, die gern mit wüster Verkleidung und Masken auftraten erregten die Gemüter vieler Finnen: schließlich repräsentierte die Band das eigne Land. Viele Finnen schrieben sogar an ihre Präsidentin, mit der Bitte, sie müsse dem Treiben der Monster-Rocker Einhalt gebieten. (Std. 28.4.2006)
Sizzla, Reggae und Homosexuelle, 2005/2007
2005 wurden von 14 geplanten Auftritten des jamaikanischen Reggae-Stars Sizzla 13 wegen homophober Songtexte abgesagt. Als Sizzla drei Jahre später in Stuttgart und Dortmund auftreten wollte, wendete sich der Lesben- und Schwulenverband an die jeweilige Staatsanwaltschaft, um die Konzerte zu verhindern. Die Stadt Essen sagte in diesem Zusammenhang auch ein Konzert des Dance-Hall-Stars Bounty Killer ab. Beide Musiker formulieren in ihren Liedern den Hass auf Homosexuelle und rufen direkt zur Gewalt auf („Erschießt die Schwulen“). Zwar hatte Sizzla eine Unterlassungsklage des englischen Schwulenverband Outrage unterzeichnet, die beinhaltet, dass der Musiker auf der Bühne keine homophoben Texte mehr singen dürfe. Doch im Juli 2007 betonte Sizzla auf einer Pressekonferenz seine Meinung neuerlich: „Ein Mann muss sich entscheiden, ob er ein Stück Dreck sein will oder ein richtiger Mann.“ (WN 27.2.2008 vermutlich)
Rolling Stones beim Superbowl, USA 2006
Der Auftritt der Rolling Stones in der Halbzeitpause des Superbowls wurde 2006 zensiert. Einige Texte mit sexuellen Anspielungen erschienen den sittenstrengen Medienmachern in den USA zu gewagt. Da man bereits im Vorfeld die Befürchtung hatte, es könne mit den Stones nicht gut gehen, strahlte der TV-Sender ABC die Halbzeit-Show aus dem Ford-Field-Stadion mit fünf Sekunden Verzögerung aus. Während der Übertragung wurden dann tatsächlich einige Worte aus zwei der drei Songs ausgeblendet. Im Stones Klassiker „Start me up“ heiß es u.a. „You can make a dead man come“ und in „Rough Justice“ kommt das Wort Cock vor. Beides wurde gestrichen. (Max online 7.2.2006)
Rolling Stones in China, Shanghai 2006
Bei einem Konzert in Shanghai durfte folgende Songs nicht gespielt werden: Brown Sugar, Honky Tonk Woman, Beast of Burdon und Let´s spend the night together, da die sexuellen Anspielungen zu eindeutig waren. (WN 8.4.2006)
Protest gegen Beyoncé Konzert, Kuala Lumpur 2007
Ursprünglich war für November 2007 ein Konzert von Beyoncé in Malaysias Hauptstadt Kuala Lumpur geplant. Doch aufgrund von angekündigten Protesten muslimischer Eiferer, die ein zu freizügiges Auftreten der für ihre bauchfreien Oberteile und Miniröcke bekannten Pop-Diva befürchteten, wurde das Konzert abgesagt. Offizielle Begründung: Terminschwierigkeiten. (Die Welt, 2.10.2007
Elsrocjk Heavy Metall Festival : Fluchverbot, NL Rijssen 2007
Weil Vertreter christlicher Parteien Blasphemisches befürchteten herrschte auf einem niederländischen Heavy Metal Festival striktes Fluchverbot. Die Veranstalter hatten nur unter dieser Bedingung die Genehmigung für ihr Konzert bekommen. "Es dar nicht geflucht werden", erklärte der Bürgermeister der Ortschaft Rijssen, Bort Koelewijn, in seinem Genehmigungsschreiben und „das keine blasphemischen Wörter gebraucht werden und dass die Ehre von Gottes Namen nicht beschmutzt wird.“ „Sollte es zu Blasphemie kommen, werde ich den Bezirksanwalt auffordern, dies strafrechtlich zu verfolgen,“ schrieb der Bürgermeister weiter. Das Elsrocjk Festival hatte 2006 unter Christen Empörung ausgelöst, als es 2006 zum ersten mal in Rijssen stattfand. Die Ortschaft, 120 Kilometer von Amsterdam, liegt im so genannnten niederländischen Bibelgürtel. (Netzzeitung 20.3.2007)
Gwen Stefani in Malaysia, 2007
Die ehemalige Frontfrau von „No Doubt“ wurde aufgefordert ihre Konzerte in Malaysia abzusagen, da moslemische Gruppen ihr neustes Video als „obszön“ eingestuft hatten. (31.7.2007 online)
Verka Serduchka Konzert verboten, Russland 2007
Russische Konzertveranstalter sagten 2007 ein Konzert des ukrainischen Stars ab. Der schrille, als Frau verkleidete Sänger hatte beim „Eurovison Song Contest 2007“ mit seinem Beitrag „Lasha Tumbai“ den zweiten Platz belegt. Grund für Auftrittsverbot: Die Russen behaupteten, der Musiker sänge statt „Lasha Tumbai“ immer „Russia, goodbye“, was den russischen Nationalstolz verletze. Dutzende Mitglieder der Kreml treuen Jugend „Junges Russland“ demonstrierten damals gegen den georgischen Beitrag.(MZ 5.7.2007 und MZ 11.32009)
Pete Doherty´s Babyshambels im Gefängnis Pentonville in London, England 2007
Das geplante Konzert vor Häftlingen wurde untersagt, weil Doherty mit seinen Drogeneskapaden ein schlechtes Vorbild sei, hieß es als Begründung bei der Strafvollzugsbehörde. (Netz)
Auftrittsverbot der Stones aufgehoben, Blackpool 2008
Nach 44 Jahren entschloss sich der Rat der englischen Stadt Blackpool das Auftrittsverbot gegen die Stones vom 24.7.1964 aufzuheben. Das Verbot war damals ausgesprochen worden, nachdem während eines Auftritts der Stones Fans den Konzertsaal komplett zertrümmert hatten und über 50 Verletzte gezählt worden waren.
“Beatles“-Konzert wieder erlaubt, 2008
43 Jahre nach einem Auftrittsverbot durfte Ex-Beatle Paul McCartney erstmals am 25.9.2008 wieder ein Konzert in Israel gegen. Die israelischen Behörden hatten 1965 den Beatles ein Konzertverbot ausgesprochen, weil sie befürchteten, die Beatles könnten die Moral untergraben. (MZ 28.8.2008)
Konzert von Avril Lavigne abgesagt, Malaysia Kuala Lumpur 2008
Begründung: die Show passe nicht zur malaysischen Kultur und könne die unmittelbar bevorstehenden Feiern zum Unabhängigkeitstag überschatten, sagte ein Regierungssprecher. In dem mehrheitlich muslimischen Land dürfen Künstler auf der Bühne keine nackte Haut zeigen, nicht hüpfen, schreien oder Menschen umarmen. Schließlich hieß es in einer andern Meldung, dass Konzert könne doch stattfinden. (WN 21. und 26.8.2008)
Madonna-Konzert, Sankt Petersburg, 2009
Vor dem Konzert wurde der Sängerin in einem offenen Brief auf der Internetseite des KP-Verbandes ein Forderungskatalog präsentiert: So wurde verlangt, dass sie keine „Revolutionslieder“ singen, keine frivole Kleidung tragen und nicht mit dem Po wackeln dürfe. (ZDF heute 28.7.2009)
Grand Prix Finale, Moskau 2009
Zwei Auftritte sorgten beim Finale in Moskau für Aufregung und Zensurforderungen: Swetlana Loboda (Ukraine), trat mit auf geschminkten Platzwunden im Gesicht und am Körper auf, um damit gegen häusliche Gewalt zu protestieren. Und Georgiens Beitrag der Band Stefane & 3G „We don´t wanna put in“ zog den Beitrag sofort zurück, nachdem der Veranstalter Textänderungen beantragt hatte. Grund: eine im Refrain versteckte, durch das Wortspiel „put in Putin“ herbeigeführte Kritik am russischen Regierungschef Wladimir Putin. (WN 16.5.2009) Auch die Europäische Rundfunkunion (EBU) in Genf als Veranstalterin des ESC hatte Georgien aufgefordert, den Text von „We don´t wanna put in“ zu ändern oder ein anderes Lied zu wählen. Die Band Stefane & 3G selbst räumte, dass sich das Lied gegen Putin richtet. Zur Begründung der EBU hieß es: Titel und Text seien nicht mit den Statuten des Wettbewerbs vereinbar, da in den Texten und während der Auftritte keine politischen Botschaften vermittelt werden dürfen. (WN 20.2.2009)
AC/DC Konzert in Wels, Österreich 2009
Gegen ein für den 22.5.2010 geplantes Konzert der australischen Hardrockband auf dem Welser Flugplatz machten Umweltschützer wie der Naturschutzbund Oberösterreich mobil, weil auf dem Areal viele seltene Vogelarten zu finden seien und ein "Desaster für die Brutkolonien" befürchtet wurde. (Kurier Nachrichten 22.12.2009)
"Rammstein"-Konzert, Weißrußland 2010
Da die Band "Homosexualität, Masochismus und andere Widerwertigkeiten" propagiere, befürchtete der Gesellschaftsrat für Sittlichkeit eine Zersetzung der Moral und einen Angriff auf die Landesehre. Die Forderung: Das Konzert solle verboten werden. (Sdt. 23.2.2010)
Kontextverschiebungen
Immer wieder kommt es vor, dass ein veränderter Kontext Rückwirkungen auf die Medien und die mediale Wahrnehmung hat. Scheinbar unverfängliche Musiktitel, Cover, Bandnamen oder Filme und Videos erhalten durch eine neue Nachrichtenlage urplötzlich eine ungeahnte Brisanz. Selbstverständlich handelt es sich hier um Reaktionen auf Kontextverschiebungen und nicht um eine klassische Zensur.
John Lydon/Johnny Rotten: „Open up“, 1993
Die Platten stieg sofort auf Platz 13 der britischen Charts. Doch BBC und MTV boykottierten. Die Textzeile „Burn, Hollywood, burn“ schien den den Verantwortlichen nach dem verheerenden Feuersturm 1993 in Kalifornien zu makaber. In den Discos wurd der Song weitergespielt. (Stern 50/1993)
Juli und „Die perfekte Welle“, 2004
Als Reaktion auf die entsetzliche Flutkatastrophe in Südostasien 2004 wurde das Programm von verschiedenen deutschen Radiosendern wie NDR, Radio Hamburg oder Hessischer Rundfunk umgestellt. Insbesondere Titel, die textlich in Verbindung mit dem Unglück gebracht werden konnten, wurden nicht mehr gespielt. Betroffen davon war auch der Top 10 Hit der Giessener Band Juli „Die perfekte Welle“ (Textauszug: „Das ist die perfekte Welle, das ist der perfekte Tag“). Auch Musiksender wie MTV und Viva setzten Video und Song auf den Index. Die Plattenfirma Universal merkte zum weiteren Vorgehen an: „Die Single ist zur Streichung vorgesehen und wird nicht mehr nachproduziert. Im Handel sind aber noch rund 10000 Exemplare verfügbar. Das Auslaufen hat nichts mit der Flutkatastrophe zu tun.“. Aber auch andere Titel wie „Wellenreiter“ von Sportfreunde Stiller, „Tag am Meer“ von Fanta4 oder die „Die Flut“ von Witt/Heppner wurden nach Angaben einer Sprecherin von Rundfunk Berlin Brandenburg auf unbestimmte Zeit aus dem Programm verbannt. Weitere Probleme hatten Songs und Gruppen auch im Ausland wie „Perfect Wave“ von Barlow, „Wann kommt die Flut“ von Rammstein und Peter Gabriels „Lord, here comes the flood“, „After the flood“ von Dess9 sowie die kalifornische Punk-Band „Tsunami Bomb“. Die gesamte Diskussion blieb weder auf den Musiksektor beschränkt noch war sie kurzlebig. Noch 2005 entschloss sich der Sender „ProSieben“, die Ausstrahlung des Action-Thrillers „Tsunami“ (Arbeitstitel) auf das zweite Halbjahr zu verschieben. Geschäftsführer Dejan Jocic zur Begründung: „Wie Anfang Januar gesagt, sind wir uns unserer Verantwortung bewusst und gehen entsprechend mit diesem Thema um. (FAZ 24.1.05, Focus 3 2005, Max und online_info 29.12.2004, MZ 1.2.2005).
Rockmusik und Politik
Rock ´n´ Roll als Werkzeug der Nato, DDR 1959
Walter Ulbricht, damals erster Sekretär des Zentralkomitees der SED, wetterte in einer Rede vom 24.4.1959 gegen die „kapitalistische Dekadenz“ und stellte den Rock ´n´ Roll als Werkzeug der Nato-Politk dar. Die Jugend würde bewusst „systematisch verdummt und verroht“, um sie als Werkzeug der Kriegspolitik einzusetzen. Als Gegenmodell wurde der „Lipsi“. („Das Ehepaar Seifert, Inhaber einer Leipziger Tanzschule, präsentierte den Lispischritt. Die neue Kreation erlaubte das Tanzen nach schnellen Bewegungen, vermied jedoch das starke Auseinandertanzen und verpönte Gehüpfe nach westlicher Musik.“) (WN 24.6.2006)
Johnny Horton: „The Battle of New Orleans“, 1959
In den Staaten war „The Battle of New Orleans“ von Johnny Horton 1959 wochenlang die Nummer 1 in den Charts. In England fiel der Song beim Publikum durch. Der Grund dafür lag im verletzten Nationalstolz der Briten. In der besungenen Schlacht von New Orleans hatten die Truppen des amerikanischen Generals Andrew Jackson die Engländer vernichtend geschlagen. An diese Niederlage wollten die Engländer nur ungern erinnert werden. Das Lied wurde im britischen Rundfunk regelrecht boykottiert. (Bravo 37 1959)
MC 5: „Kick out the Jams“, USA 1969
Schallplattenhändler weigerten sich, die MC 5 Platte zu verkaufen. Daraufhin schalteten die Musiker Anzeigen in der „Underground Press“: „Wenn sie euch die Platten nicht verkaufen, tretet ihnen die Türen ein“. Sie unterzeichneten Inserat mit dem Namen der Plattenfirma Elektra und wurden deshalb gefeuert. (Spiegel 39 1969)
Wings: "Give Ireland back to the Irish, England 1972
Der Song wurde von den britischen Rundfunksendern wie BBC boykottiert. Paul McCartney, Chef der Wings, trat zur Gegenoffensive an und protestierte mit Anzeigen gegen die Funkstille in der Presse. (Spiegel 10 1972)
"The men behind the wire", 1972
Der Anti-Briten-Song "Die Männer hinterm Stacheldraht" wurde in Nordirland nicht gespielt.Die Platte wurde dennoch ein Erfolg. Finanziert worden war sie von dem Andersonstown Civil Resistance Committee (benannt nach dem Belfaster Katholikenviertel). Der Erlös kam den Familien inhaftierter IRA-Mitglieder zu gute. Die nächste Platte mit Häftlingsgesängen aus dem Gefängnis Long Kesh trug den Titel "Zerschlagt die Internierung". (Spiegel 23 1972)
Renaud Sechan: "Miss Maggie", 1986
Der Song über die damalige britische Premierministerin wurde in Frankreich ein Hit, führte aber in England zu Protesten. Auszüge aus dem Text: "Denn keine Frau auf dem Planeten wird jemals blöder sein als ihr Bruder, weder stolzer noch unanständiger, abgesehen vielleicht von Frau Thatcher; Der starke Arm dieser Idioten, keine Frau so vulgär, immer wieder Gewalt anzuwenden, abgesehen vielleicht von Frau Thatcher; Keine Frau ist so schäbig, einen Revolver zu putzen und sich unverwundbar zu fühlen, abgesehen vielleicht von Frau Thatcher." (Spiegel 3 1986)
Kate Bush: The Sensual World, 1989
Bush entschuldigte sich vorsorglich: Auf der o.g. LP besingt sie im Titel "Heads we´re Dancing" eine 1939 mit Hitler durch tanzte Nacht. Erst durch ein Zeitungsfoto erfährt die Nachtschwärmerin von der Identität des andern. (Spiegel 46 1989)
Hans Söllner: "Heil", 1990
Der kiffende bayrische Liedermacher hatte nicht nur wegen seines Drogenkonsums des öfteren Ärger im Freistaat. Seine Songs wurden fast regelmäßig zensiert (z. B. „Heil“) und kaum im Radio gespielt. (Spiegel 31 1990)
Auch die Konzerte führten zu Beleidigungsklagen, so der Song über eine Polizistin, der Söllner sehr direkt seine Meinung über sie zukommen ließ. Es folgte eine Verurteilung wegen Beleidigung über 40000 Euro, beim zweiten Singen wurden daraus 80000 Euro. Insgesamt, so Söllner habe er allein 300000 Euro bis 2010 allein für die Beleidigungen zahlen müssen, dabei waren die Gerichts- und Anwaltskosten noch gar nicht enthalten. (Sdt.19.3.2010)
Katja O Kay: "Helmut, 1993
Das Stück kam auf die Verbots- und Boykottliste sämtlicher bundesdeutscher Rundfunkstationen, weil das freimütige Bekenntnis die erotischen Phantasien der Sängerin zum damaligen Bundeskanzler „Helmut“ Kohl zum Ausdruck brachte. (Achiv)
Text: Meine Freundin Susie, ich erzähl Dir was Ich kann nachts nicht schlafen, ich bin dauernd naß Meine Freudin Susie, sprich mit keinem drüber Ich werde ihn bald treffen Und dann zieh ich ihn über mich rüber
Refrain: Ohohoh, Helmut Ich komme, ich komme, ich komme - Zu Dir
Neulich im Bundestag Da hast Du mich so angeguckt Und dann hat's bei mir so richtig losgejuckt Ich konnte nicht anders, ich mußte an mir reiben und später Dir einen Brief schreiben: Jetzt sitz ich hier völlig nackt Und denke an unsern ersten Blickkontakt. (Refrain: Ohohoh, Helmut ...) Nächstes Wochenende fahre Zu Dir nach Bonn Und da koalieren wir, da kenn'ich kein Pardon Oh Helmut Kohl, mein Sexidol Auf dass ich Dir bald einen runterhol Und Hannelore schicken wir ins Sauerland Und da macht's sie'sich mit der Treuhand (Refrain: Ohohoh, Helmut ...) Du kommt's raus aus dem Präsidium Und da siehste mich und dann fliegst um Und wenn Du mich zum ersten Mal küsst Soagst Du: Geil, dass Du gekommen bist Und der Schweiß der Lust Steht Dir auf der Stirne Und ich spür in Deiner Hose Deine heiße Birne (Refrain: Ohohoh, Helmut ...)
Vicki Vomit: "Liebe mit Claudia", 1997
Claudia Nolte, ehemalige Bundesfamilienministerin, sah durch Vicki Vomit ihre Intimsphäre verletzt. Deshalb ließ sie den Song „Liebe mit Claudia“ des Erfurter Rocksängers Vicki Vomit per einstweilige Verfügung verbieten. Der Thüringer Musiker hatte in dem Stück seiner jüngsten CD „Bumm/Bumm“ beschrieben, wie ihn die christdemokratische Politikerin nach einem Prominentenball mit nach Hause nimmt und verführt. „Ich machte Liebe mit Claudia Nolte, wir machten Liebe, nur weil sie es wollte". Hernach drohten dem Punkrocker, seiner Vertriebsfirma und der Zeitschrift „Musikexpress", die eine CD mit dem beanstandeten Lied beilegte, je eine halbe Million Mark Strafe bei Zuwiderhandlung. (Spiegel 28 1997)
Spottlied auf die ehemalige Kanzlergattin Doris Schröder-Köpf in der NDR-TV-Sendung "extra 3", 2002
In der Satire-Sendung war im Beisein von Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust ein Spottlied über Doris Schröder-Köpf angestimmt worden. Aus dem Text: "Doris Schröder-Köpf, du Kanzlergattin. Zartgliedrig Geschöpf willst auch am Rad drehn, und dein kleiner Mund tut schlimmer Worte kund. Rote Lippen dein, die böse reden. Muss das wirklich sein? Und verdirbt den Teint, den rosig-edlen" ... "Du nimmst einfach teil, die Leute mögen dich nicht. Nennen dich Fallbeil, aber das findest du ungeil. Doris-Schröder-Köpf, oh , und blond Geschöpf. Glaubst du denn, der Gerd liebt dich nicht, wenn du hältst die Klappe dicht?" Aus Reihen der SPD ließ man verlautbaren, dass der Song "stillos" und der Text "frauenverachtend" sei. (Sdt. 4.12.2002)
Green Day: „American Idiot“, 2005
In den den USA wurde die Platte mit einem Bann belegt. Auf ihm erzählt die Band die Geschichte eines Jungen, der zum Verlierer geboren zu sein scheint: kaputte Familie, Stress in der Schule und keine Chance einen Beruf zu finden. Er bricht aus und findet schließlich durch Revolte und diverse Abstürze zu sich. Die auch für den Verkauf von Tonträgern wichtige Supermaktkette Wal-Mart nahm die CD nicht ins Sortiment auf. Kommentar der Band: „Das zeigt, dass Rock ´n´ Roll immer noch richtig gefährlich ist. Wal-Mart verkauft zwar Schusswaffen, aber nicht unsere CD.“ (Spiegel 5 2005)
Dixie Chicks: „Taking the long way“, 2006
Als die Texanerin Natalie Maines, Leadsängerin der Dixie Chicks, bei einem Konzert in London verkündete, dass es eine Schande sei, dass Präsident George W. Bush aus ihrem Bundesstaat komme, skandierte die Presse Skandal. Die Countryband landete fortan auf dem Index von Radio- und Fernsehsendern, die die Songs und Videos der drei Frauen boykottierten. Fanartikel wurden öffentlich verbrannt und Todesdrohungen ausgestoßen. Sogar zu Morddrohungen kam es. Dennoch: das Album „Taking the long way“ war eine Abrechnung mit Bush und erfolgreich. (Netz und Spiegel 27 2006)
Cat Stevens und der Islam: Echopreis 2007
Cat Stevens wurde für sein Lebenswerk mit dem Sonderpreis beim deutschen Musikpreis „Echo“ ausgezeichnet. In der Begründung wurde er auch als „Botschafter zwischen den Kulturen“ bezeichnet. Dies löste einen Sturm der Entrüstung aus. Cat Stevens, der sich in Yusuf Islam umbenannt hatte, galt seit Ende der achtziger Jahre nicht mehr unbedingt als Liebling der Musikindustrie. Viele Radiostationen verbannten seine Platten aus dem Programm. Denn 1989 hatte er mit bedenklichen Äußerungen den Verdacht erregt, die Fatwa gegen Salman Rushdie zu unterstützen. In einem Interview formulierte er, dass er „versuchen (würde) Ajatollah Chomeini anzurufen, und ihm (zu) sagen), wo der Mann sich aufhält“, falls der Schriftsteller Rushdie bei ihm auftauchen würde. Zwar betonte Stevens immer wieder, er sei von den Medien falsch verstanden worden, doch noch 1996 antwortete er in einem Interview mit der „Berliner Zeitung“ auf die Frage, was er von der Todesstrafe für religiöse Ansichten halte: „Wenn jemand Blasphemie betreibt, dann muss er auch entsprechend bestraft werden. Schon bei Jesus stand auf Gotteslästerung Steinigung.“ Auch das Verhältnis des Islam zu Frauen im Allgemeinen und seines im Besonderen rechtfertigte. So weigert er sich beharrlich, Frauen die Hand zu geben. Kommentar Stevens, dass sei „ein Detail, über das sich viel zu sehr aufgeregt“ würde. (Spiegel 13 2007)
Pete Doherty: Deutschlandlied, 2009
Offenkundig angetrunken schmetterte Doherty bei einem live im Radio gesendeten Auftritt auf dem Festival des BR-Jugendsenders "on3" "Deutschland, Deutschland über alles". Der bayrische Rundfunk brach zunächst weder das Konzert ab noch die Übertragung auf dem Sender "Bayern2". Erst nach weiteren fünf Liedern wurde der Sänger von der Bühne gebeten. Zum Hintergrund: Die Hymne war von den Nazis (1. Strophe: "Deutschland, Deutschland über alle4s, über alles in der Welt") missbraucht worden. Der damalige Bundespräsident Heuss erklärte 1952 das Deutschlandlied wieder zur Hymne, allerdings nur mit der 3. Strophe des Textes "Einigkeit und Recht und Freiheit". (heute online 30.11.2009)
Rockmusik und Gewalt
Harry Horror: "Gern hab´ ich die Frau´n gesägt", 1975
Zum Diskothekenhit entwickelte sich eine Platte, die die Plattenfirma RCA aus "Geschmacksgründen" eigentlich nicht herausbringen wollte, Harry Horrors Moritat auf den Massenmörder Honka. Im Text heißt es: "Bum, bum, bum, mit dem Hammer auf den Kopf. Eins, zwei, drei, mit dem Beil den Rest zerkloppt. Dann ruck, zuck noch die Knochen durchgesägt und das zerteilte Fräulein in den Pappkarton gelegt." (Spiegel 43 1075)
2 Live Crew: "As nasty as they wanna be", 1989
Die Platte wurde in mehreren US-Bundesstaaten verboten.
Carcass: „Obscene - Symphonies of sickness“ 1989
Mehrere tausend Kopien der Platte wurden von der Polizei beschlagnahmt.
W.A.S.P.: "Headless Children" and „Fuck like a beast“, 1989
Die Senatoren-Gattinnen von P.M.R.C (Parents Music Resource Center) protestierten gegen die Platten der Gruppe. Blackie Lawless, Sänger der Hevy Metal Grupp W.A.S.P. verklagte im Gegenzug die Organisation auf 50.000 Dollar Entschädigung, nachdem in einem vom P.M.R.C. herausgegebenen Buch für besorgte Eltern das W.A.S.P. Cover „Fuck like a beast“ (das pietätvoll als „F**K“ kaschiert werden musste) abgedruckt worden war. Aber auch auf andere Weise profitierten W.A.S.P. und andere Gruppen vom der PMRC-Arbeit. (Andreas Thiesmayer: „Da werden sich einige Gruppen extra einen Sticker auf ihr Album kleben, damit sie es besser verkaufen!“). Black Lawless bestätigte dazu: „Fucks ... immerhin haben wird mit dem Beginn der Diskussion gleich 50.000 Alben mehr verkauft.“ In Deutschland wurde das Cover 1986 indiziert und darf - wie alle „ab 18"-Medien - auch nicht über eBay gehandelt werden. Die Gruppe W.A.S.P. schmückte ihre Cover auch weiterhin mit Massenmördern. (Archiv)
V.A.: "Schlachtrufe BRD 1 und 2", 1990/92
Die Sampler-Reihe mit vorwiegend Punk-Stücken erlangte Berühmtheit, als in einem "Monitor"-Fernsehbericht Eltern aufgefordert wurden, die CD-Sammlung ihrer Kinder nach der „Schlachtrufe BRD Vol. I“ zu durchsuchen, da die Texte dieser CD gewaltverherrlichend seien. Der zweite Teil der Reihe erschien dann tatsächlich in zwei verschiedenen Versionen. Auf der ersten Version befindet sich das Lied „Kein Gerede“ der Gruppe WIZO. Nachdem dieses Lied wegen Aufforderung zum Terrorismus indiziert wurde, wurde es durch das Lied „Seid betroffen“ der Band Public Toys ersetzt.(u.a. wikipedia)
2Pac „2Pacalypse“, 1991
Bereits die erste Platte vom Rapper Tupac sollte verboten werden. Der ehemalige amerikanische Vizepräsident Dan Quayle forderte ein Verbot, weil auf der Platte der Mord an einem Polizisten verherrlicht wird. (Stern-Archiv)
Ice–T: "Cop Killer", 1992
Bis hin zum Vizepräsidenten Dan Quayle wetterten in den USA die Gegner gegen die Plattenfirma "Time-Warner", weil sie es zugelassen hatte, dass ein Gangsta Rapper ungestraft zum Polizisten-Mord aufrufen durfte. Das gesamte Label für Gangsta Rap "Death Row Records“ geriet in die Kritik.
Klein: "Ein Herz für Kinder", 1997
Auf Antrag eines in der Szene hinreichend bekannten Michael Brenner ermittelte die Heidelberger Staatsanwaltschaft gegen die Rockband wegen des Tatbestandes der Gewaltverherrlichung. Im Text des o.g. Songs heißt es nämlich: "Als Hansi Lieses Ärmchen greift, bricht er es entzwei. Mit seinem Eisenschippchen haut er ihren Kopf zu Brei." (Rolling Stone Oktober 1997)
Rammstein: "Mein Teil", 2004
Mit dem Titel "Mein Teil" spielte Rammstein auf den Penis von Bernd Jürgen B. aus Berlin an, den der sog. "Kannibale von Rotenburg", Armin Mewes, verspeist hatte. Textauszug: "Weiche Teile und auch harte, stehen auf der Speisekarte". Der Song wurde von einigen Radiosendern boykottiert. (Spiegel 31 2004)
Bushido: MTV und Viva Sperre, 2007
Nachdem der Rapper Fler auf dem MTV Gelände überfallen worden war, nahmen die beiden Musiksender Bushido aus ihrem Programm: die offizielle Begründung für den Schritt war, es sei zu „Unstimmigkeiten gekommen. Unter vorgehaltener Hand aber wurde gemunkelt, das Bushido etwas mit dem Überfall zu tun gehabt haben könne. (WN 1.12.2007)
Debauchery: Sänger und Gitarrist Thomas Gurrath und das Lehramt, 2010
Gurrath durfte 2010 wegen seiner musikalischen Nebentätigkeit bei Debauchery in Baden-Württemberg nicht länger als Ethiklehrer unterrichten. Er hatte am 1.1.2010 sein Referendariat am Stuttgarter Hegelgymnasium begonnen. Doch sein Seminarleiter stieß im Zuge von Internetrecherchen auf Plattencover der Band und wurde daraufhin zum Gespräch zu der Schulleiterin beordert. Die bezeichnete ihn als "psychisch krank", ordnete eine "Attestpflicht" für ihn an und informierte das Kollegium und die Fachleiter, damit die "wissen, mit wem sie es zu tun haben". Auch als Gurrath - vor die Alternative gestellt, Lehrer oder Musiker zu sein - sich für das Lehrerdasein entscheided, war die Geschichte nicht beendet. Gurrath sollte erst den "Nachweis erbringen, dass er sich von seiner bisherigen Musikrichtung (...) über einen Zeitraum von drei Jahren distanziert hat." Gurraht erwog eine Klage. (Netzt. Mai 2010)
Rockmusik und Faschismus
Sex Pistols feat. Ronnie Biggs: A Punk Prayer, 1978
Der ehemalige Posträuber Ronald Biggs hatte mit den Pistols die Single „Ein Punk-Gebet von Ronnie Biggs“ in Rio aufgenommen. Wegen des makabren Textes „God save Martin Bormann“ geriet das Werk als Nazi-Platte in Verruf. In England wurde es aber auch nicht gespielt, weil ein gesuchter Verbrecher darauf zu hören war. (Spiegel 28 1978)
Konfusion um Nazi-Symbole: Kiss, 1980
Der Chemie-Ingenieur Ulrich Pakleppa wurde 1980 beim Sparziergang von einer Streife angehalten: die beschlagnahmten seinen Pullover und eine schwarz-rot-weiße Anstecknadel mit der Aufschrift „Antifaschistische Aktion stoppt Strauß“. Denn die letzten beiden Buchstaben waren zu SS-Runen stilisiert. Pakleppa wurde mit einem Strafbefehl über 300 DM bedacht, weil er „Kennzeichen ehemaliger nationalsozialistischer Organisationen öffentlich verwendet" habe. Das aber machte die Gruppe "Kiss" auch, ohne allerorten dafür strafrechtlich belangt zu werden. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft verfolgte diverse Anzeigen gegen das "Kiss"-Emblem erst gar nicht, weil "es nicht ganz mit den SS-Runen übereinstimme.“ Anstoß hingegen nahmen damals nur die Staatsanwaltschaften in Bremen und Stade. Sie drohten den Schallplattengeschäften mit der Beschlagnahme aller Alben des Schockquartetts, wenn diese nicht aus dem Sortiment genommen würden. Ermittlungsverfahren gegen die Plattenvertreiber wurden wegen „Geringfügigkeit“ eingestellt. Weitere Fälle die unterschiedlich behandelt wurden, waren z.B. die Verurteilung einer Frau durch das Bayrische Oberste Landesgericht, weil sie einem Wirtshaus im Vollrausch das Horst-Wessel-Lied gesungen hatte. Im Würtembergischen wurde eine närrische Nazi-Nummer beanstandet. Mit Stahlhelmen und Uniformen aus dem Bundeswehrbestand, die Hakenkreuze auf den Armbinden mit Filzstift gemalt, rief die Truppe im Chor „Sieg Helau. Der Beifahrer hielt in der Rechten ein Luftgewehr, mit der Linken warf er Bonbons in die Menge. Am Kühler klebte ein Plakat „Noch nie war er so“ am Heck ein Spruchband mit der Fortsetzung „wertvoll wie heute“. Das Amtsgericht Münsingen befand, es wollt einen Wagen „in Form einer faschingsmäßigen Karikatur“ durchaus durchgehen lassen. Doch der Spruch könne „in einer Zeit relativ hoher Arbeitslosigkeit nur zu leicht als Ruf nach einem starken Mann, nach einem neuen Hitler verstanden werden“. (Spiegel 20 1980)
Ammer: "Deutsche Krieger", CD 1997
Auf der CD „Deutsche Krieger“ von Andreas Ammer und FM Einheit werden in elektronischen Text-Klangcollagen aus Originalaufnahmen, Sprachversatzstücken und Geräuschen Kaiser Wilhelm II, Adolf Hitler und Ulrike Meinhof im Kontext der deutschen Geschichte vorgestellt. In der Sequenz über Hitler ist z. B. das „Stille Nacht“ von Weihnachten 1941 neben der damaligen Kriegsberichtserstattung, Auszügen aus Hitlerreden und Techno-Gedröhn zu hören. Während der Bayrische Rundfunk die Teile über Wilhelm II. und Adolf Hitler produzierte und sendete, wurde der Part über Ulrike Meinhof abgelehnt. In Holland hingegen hatte man keine Probleme mit der RAF-Anführerin, wohl aber mit dem Cover der CD, das nicht gedruckt werden sollte. Auf ihm ist Adolf Hitler abgebildet.
Boom mit rechtsradikaler Musik, Deutschland 1997
Verse wie „Afrika für Affen, Europa für Weiße. Steckt die Affen in ein Klo , spült sie weg wie Scheiße.“ (CD „Republik der Strolche von Landser) wurden massenhaft in Deutschland von Rock Nord vertrieben. Versammelt hatten sich dort Gruppen wie "Noie Werte", "Sturmwehr", "Kraftschlag", "Foierstoss" („Mit uns marschiert die alte neue Zeit“), "Freikorps" („Wir wollen keine Demokratie“) oder "Arisches Blut" („So ein Durcheinander darf nicht sein“). Die Band "Sturmwehr" droht auf "Donnergott" „Wir sind deutsche Nationalisten und kennen keine Gnade“. Auf dem Plattencover von "Sturmwehr" sieht man u.a „NS 88“, das Chiffre der Neonazi-Szene für Hitler. "Landser" verkündete: „Wir wecken die Kräfte, die in Euch wohnen, wir schüren den Haß und die Emotionen oder „Die BRD ist ein Irrenhaus und in Bonn, da sitzt die Zentrale, wann bricht der Volksaufstand aus, Deutsche, hört Ihr die Signale?“. Als Ikone verehren "Landser" und viele Aktivisten der rechten Rockszene den 1993 verstorbenen Sänger der britischen "Screwdriver", Ian Stuart Donaldson, der professionell Hard Rock mit ungehemmten Rassismus mischt. Der Brite, dessen Songs vor der Wende auch in der DDR kursierten, faszinierte vor allem seine deutschen Fans mit Hymnen auf Hitlers Stellvertreter Rudolf Heß und den Rußlandfeldzug der deutschen Wehrmacht. Auch ausländische rechte Band rechts wie "Fortress" aus Australien oder "Bound for Glory" aus den USA auch die Prager Gruppe "Vlajka" und die polnischen Nazis "Konkwista 88" machen deutlich, dass die Szene international ist. Dabei sind Platten und Konzerte wie „Der Sturm bricht los“ von "Asgard" oder „Glatzenparty“ von "Endstufe" ebenso geheim wie profitabel. Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften hat von 1991 bis 1997 mehr als 130 Cds, Kassetten und Schallplatten rechter Bands auf den Index gesetzt. Staatsanwälte leiteten in den frühen neunziger Jahren über 230 Ermittlungsverfahren gegen rechte Rocker ein. Allerdings agieren viele wie "Radikahl" („Hißt die rote Fahne mit dem Hakenkreuz“) oder "Kraftschlag" ("Schnaps und Bier“) eher anonym. Die Identität der "Zillertaler Türkenjäger" z.B. war lange weitgehend unbekannt Auf ihrer gleichnamigen CD wird der VIVA-Moderator Mola Adebisi zusammen mit dem "Tote Hosen"-Sänger Campino mit einem Strick um den Hals gezeigt. Auf der Scheibe erklingen Melodien wie „Kreuzberger Nächte sind lang“ mit rassistischen Texten und Aufrufen zum Mord („Ich streck´ ihn nieder mit einem einz´gen Schuß das war´s mit ihm, oh, ist das ein Genuß") Ein Mitglied der Rockband "Saccara" aus Meppen soll bei der Produktion mitgewirkt haben. "Saccara", 1986 als Heavy Metal Band gegründet, driftete 1993 mit ihrer indizierten CD "Der letzte Mann" („Es ist Rassenkrieg total“) ins rechte Milleu. Mit Produktionen wie „Saccara – Dein Freund und Helfer“ und „Chaossender“ versuchten sie sich als braune Blödelbarden. Über den Versand „Furor Teutonicus“ vertrieb die Band neben einem hakenkreuzähnlichen Symbol ein T-Shirt mit „Front Heil“. Der in der rechten Szene eher ungewöhnliche Gruß erklingt auch auf der CD der "Zillertaler Türkenjäger". (Spiegel 30 1997)
Teenie-Pop mit Nazi-Untertönen: Prussian Blue - Lamb und Lynx Gaede, USA 2005
Die beiden Schwestern aus dem kalifornischen Bakerfield versuchten sich immer wieder in rassistischer Volksmusik. Als Duo Prussian Blue (Preußisch Blau, der Farbstoff der Blausäure, deren Gift in Zyklon B stecke) besingen sie in unschuldig anmutenden Liedern die Rassenlehre. In ihrer Freizeit spielen die beiden Teenies nach eigener Aussage am liebsten Computerspiele in denen es darum geht, möglichst viele Schwarze umzubringen. (Focus 45 2005)
“Landser“ im Internet, 2008
Obwohl die Gruppe „Landser“ seit März 2005 verboten ist und die Mitglieder rechtskräftig verurteilt und die Cds indiziert sind, fanden sich auf youtube immer wieder Songs von der Nazi-Band. Der Zentralrat der Juden erwägte deshalb eine Strafanzeige gegen das Videoportal. (WN 30.8.2008)
Diskriminierung
Ornella Vanoni: "Non sai fare l´amore" ("Liebe machen kannst du nicht"), 1975
Die Chansons-Sängerin verspottet in diesem Lied den "Typ Latin Lover" ("Vielleicht liegt dir der Krieg eher, sicher kannst du im Fußball mehr, doch in der Liebe taugst du nicht."). Der Song wurde vom Staatsrundfunk und -fernsehen RAI boykottiert. Zudem erhielt die Sängerin anonyme Drohbriefe und Anrufe von beleidigten Männern. (Spiegel 52 1975)
Randy Newman: „Short People“,1977
Mit einen spöttischen Lied über die Kleinwüchsigen löste Newman 1977 eine massive Protestwelle aus. (Spiegel 30 1979)
G-Hot und der Aufruf zum Mord an Homos, 2007
Das Straßenrap-Label Aggro Berlin sah sich mit dem scharfen Vorwürfen gegen Rapper G-Hot konfrontiert, nachdem dieser in einem Song zum Mord an Homosexuellen aufgerufen hatte. Chef Specter sagte dazu: „Ein solcher Text gegen Schwule überschreitet eine Grenze.“ Und „HipHop reflektiert alle für uns relevanten Probleme der Straße: Drogen, Gewalt, Ärger mit Frauen oder Sehnsucht nach Anerkennung. Der Straßen-HipHop, wie Aggro Berlin ihn verbreitet, ist das einzige Sprachrohr einer sozialen Realität, die große Teile der Gesellschaft nicht wahrhaben wollen.“ (Spiegel 30 2007)
Rassismus
Eminem lässt die Veröffentlichung eines eigenen Songs verbieten, 2004
Der Rapper verhinderte per Gericht die Veröffentlichung eines rassistischen Songs von ihm durch das Magazin "The Source", Der Song stammte au einer Zeit als Eminem noch nicht bekannt war. (Netzzeitung Music 5.1.2004]]
B-Tight: "Der Neger", 2007
Dem Rapper B-Tight mit seiner Platte "Neger“ wurde Rassismus vorgeworfen. Der Sprecher von Aggro-Berlin Specter dazu: "Die Vorwürfe gegen B-Tight sind niederträchtig. B-Tight ist ja selbst halb schwarz, deswegen ist es für ihn ein sehr persönliches Thema und sein gutes Recht, darüber zu rappen. Der „Neger“ gehört zu seiner Geschichte. Er analysiert in seinen Songs seine schwarze Seite in einer weißen Gesellschaft.“ (Spiegel 30 2007)
Rockmusik und Religion
"Jesus Christ Superstar", 1972
Die Verfilmung der Rockoper mit einem weißen Jesus und einem schwarzen Helden Judas führte zu unterschiedlichsten Vorwürfen. Während BBC London dem Film vorwarf "Gotteslästerung" zu betreiben (ein Verbot wurde in Erwägung gezogen), befanden jüdische Organisationen in New York, der Film sei insbesondere aufgrund der Songtexte "antisemitisch". (Spiegel 45 1972)
Erich Brauer: "Alles was Flügel hat", 1974
Der Wiener Maler hat sich auf seiner Schallplatte u.a. auch der christlichen "Seligkeits-Versprecher" vorgenommen. Dies wurde ihm als Blasphemie ausgelegt. (Spiegel 10 1974)
"Die 3 Tornados" über Maria, 1980/1984
Bereit 1984 hatten die Berliner Kabarettisten über die "Mutter Gottes" geblödelt und Josef sagen lassen. "Das muß ja ein schöner heiliger Geist sein, der meine Verlobte hinter meinem Rücken von hinten bumst." Sie wurden zunächst wegen Verunglimpfung religiöser Gemeinschaften zu einer Geldstrafe verurteilt, dann aber freigesprochen. Als der Text 1984 in einer Schülerzeitung im Rheinischen abgedruckt wurde, drohten Geschäftsleute mit Anzeigenentzug und Lehrer setzten Schüler unter Druck. In Königswinter mussten Schüler unterschreiben, dass sie vor "jedem Christenmenschen" Reue zeigten. (Spiegel 5 1984)
Die Groben Popen: "Die Erste", 1997
Die evangelische Kirche in Bayern zeigte sich verärgert über das Debütalbum des Nürnberger Pfarrer und Rocksängers Ernst Cran und seiner Band. Nicht so sehr die Texte oder der Punkrock wurden beanstandet, sondern das wilde Hopsen auf dem Cover und dem Video in Verbindung mit der Talartracht. Es wurde der Band "von oben" empfohlen, das Video vom Markt zu nehmen und ein dienstrechtliches Verfahren stand im Raum.
Mediaeval Baebes: "Salva Nos", 1997/98
Die britischen Gruppe mit Girlie Attitude bestand aus zwölf leichtbeschürzten Mädchen, die zwar in weltlicher Manier geistliches Liedgut aus dem Mittelalter zum Lobe des Herrn sang, aber nicht zum Wohlgefallen der Kirchenoberen. Eine geplante Tour durch britische Gotteshäuser wurde auf gestrichen, weil weder die leichte Kleidung, noch die zahlreichen Tattoos und insbesondere die Herkunft der jungen Damen wohlgefällig genug war: Immerhin gab ein Mädchen als gelernten Beruf Hexe an und die andern hatten ihr Geld bis dato u.a.mit Nackttanzen, Feuerschlucken oder in der in der mäßig erfolgreichen Punkband „Miranda Sex Garden“ verdient. „Die Kirche scheint ein Problem damit zu haben, dass wir Gottesmusik mit einem sexy Image verkaufen", mutmaßte Gruppenmitglied Rachel Van Asch. Das rechtzeitig zu Weihnachten 1998 erschienene Debütalbum „Salva Nos“ verkaufte sich vielleicht gerade deshalb innerhalb kürzester Zeit allein in England über 100.000 mal. (Stern 6 1998)
Der Verfall: "Vater unser", 1999
Die 1999 bei Warner erschienene CD „Vater unser“ weist die Stücke „Radiopredigt“ und „Clubpredigt“ sowohl in „zensierter“ und „unzensierter“ Version auf. Dabei handelte es sich zunächst aber um einen Werbegag, der lediglich die Aufmerksamkeit erhöhen sollte. Einige Sender boykottierten dann aber die Platte tatsächlich, denn "im Vorspann wird eine Tötungsszene beschrieben, und anschließend spricht der Täter ein Vater-unser." (MZ 14.10.1999]
Cat Stevens alias Yusuf Islam über "Die satanischen Verse", 2004
Die britische Presse zitierte Stevens mit den Worten "Cat says: Kill Rushdie". angeblich hatte er auf die frage, was er über Rushdies Buch "Die Satanischen Verse" denke, gesagt, dass nach islamischen Recht eine solche Blasphemie die Todesstrafe nach sich ziehe. Später gab er an, er habe dies nur referiert und außerdem sei das Zitat auch noch aus dem Zusammenhang gerissen worden.Viele Radiostationen spielten aufgrund seiner Aussage seine Platten nicht mehr. Bei Protestaktionen wurden seine Platten öffentlich zerstört. (Spiegel 22 2004)
John Lennon: „Imagine“, England 2006
Eine kirchliche Schule im süd-englischen Exeter verbot 2006 den Schülern die Aufführung von Lennons Song „Imagine“ zum Schuljahresabschluss. Begründung: das Lied sei „unchristlich“ und damit für die Schule ungeeignet. (WN 20.7.2006)
Rockmusik und Sport
Die Toten Hosen: "Bayern", 1999/2000
Die Single über den FC Bayern München löste hele Empörung aus. Der damalige Bayern-Manager Uli Hoeneß forderte eine Zensur, denn: "Das ist der Dreck, an dem unsere Gesellschaft irgendwann ersticken wird." (Spiegel 51 1999)
Schallplatten: Erotik, Pornographie und Sexismus
Elvis ohne Hüfte, 1955
Den Kirchen galt er als "Satansjünger" und Frank Sinatra verunglimpfte seine Fans als "Abschaum". Elvis galt in den fünfziger Jahren als Provokation und wurde auf Covern und in Fernsehsendungen ohne Hüfte präsentiert. Dazu passte, dass manch´ein amerikanischer Politiker seine Musik und den Rock ´n´Roll generell für "ein Krebsgeschwür am Busen Amerikas" hielt. Ein amerikanischer Studentenverband führte den Sänger auf einer Liste über die größten Bedrohungen der Welt auf Platz 3. Vor Elvis rangierten nur noch das Westrüsten (1) und die Asiatische Grippe" (2) (Sdt. 10.11.2009]
Kingsmen: "Louie, Louie", 1963
Das absurde Drama um die Kingsmen begann im April 1963 in einem einfachen Studio in Portland (Oregon). Die Kingsmen, eine lokale Schülerband, hatte dort eine Stunde für 50 Dollar gemietet, um das von Richard Berry komponierte Stück „Louie, Louie“ aufzunehmen. In dem Song geht es um einen Jamaikaner in den USA, der seinem Freund Louie von einem Mädchen erzählt, das er zurückgelassen hat. Er träumt davon, wieder nach Hause zu fahren, um sie zu treffen. Leider hatten die Kingsmen bei der Aufnahme ein Handikap: Das starre Mikrofon in dem winzigen Studio hing so hoch, dass der Sänger Jack Ely es nur auf Zehenspitzen erreichen konnte. Zu allem Überfluß trug er auch noch eine Zahnspange, so dass der Text genuschelt auf die Platte kam. Von diesem Ergebnis sichtlich beeindruckt stellte der legendäre Bostoner Diskjockey Arnie Ginsburg das Stück in seiner Radiosendung als „Schlechteste Schallplatte der Woche“ vor und machte es dadurch umgehend zum absoluten Hit. Das anständige Amerika reagierte geschockt. Ein erster Hinweis auf die sexuelle Anzüglichkeit des Stückes kam von einer Frau aus Indianapolis, die beim örtlichen FBI behauptete, auf der Platte seien pornographische Verse zu hören - wenn man sie mit 33,1/3 anstelle von 45 Umdrehungen in der Minute abspielen würde. Das Corpus Delicti hatte sie sogleich mitgebracht.Diese windige Unterstellung wurde bis zum Gouverneur in Indiana hochgereicht, der ebenfalls rote Ohren beim Hören des Songs bekommen haben soll. Die Platte wurde zur Begutachtung nach Washington geschickt. Dort nahmen Techniker des FBI sie auseinander: vorwärts und rückwärts, schnell und langsam wurde das verdächtige Teil mit dem Ergebnis durchgecheckt: „Unverständlich, bei jeder Geschwindigkeit, Wortlaut nicht feststellbar.“ Gleichwohl verhängte der Gouverneur ein Spielverbot der Platte, die mittlerweile die Nummer zwei der US-Charts erreicht hatte.Nun kamen von überall zweckdienliche Hinweise zur Gefährlichkeit des Stückes: Beim FBI in Detroit wurde der Song angeschwärzt, weil er angeblich mit den Worten beginnen würde „Grab her way down low“ („Grabsch sie weiter unten“) und aus Tampa (Florida) meldete ein FBI-Agent, Schüler würden singen. „Get her way down low“ („Fass ihr zwischen die Beine“). Erst Jahre später, am 10. Oktober 1966, schloss das FBI die Akte aufgrund der dürftigen Beweislage. Eines allerdings hatten die Sittenwächter überhört: „Wenn man genau hinhört", verriet Sänger Jack Ely, nachdem sich die Turbulenzen gelegt hatten, „dann haut der Schlagzeuger am Anfang die Trommelstöcke zusammen und sagt 'Oh fuck'.“
Who: Pictures of Lily, 1967
Der Song handelt von den Onaniephantasien eines Pubertierenden. Das reichte vielen Rundfunkstationen, um auf ein Abspielen der Platte zu verzichten.
Kim Fowley:„Outrageous“ u.a.: Verbotene Wörter, 1968
Der US-Produzent und Musiker brachte die erste Rock-LP heraus, auf der unzensierte Worte wie „fuck“ oder shit“ auftauchten. Ein Jahr veröffentlichte "Jefferson Airplane" „Volunteers: zum ersten Mal zogen damit Worte wie fuck, shit motherfucker in den Hitlisten ein. Bis dahin wurden in den USA solche Worte oft von eingeblendeten Pfeiftönen überlagert. Etwa 1967 bei dem Nummer Eins Hit „A boy named Sue" von Johnny Cash. Als der nämlich von einem „son of a bitch“ (Hurensohn sang) piepste es. Zuweilen half auch ein strikter Boykott: englische Sender weigerten sich Max Romeos „Wet Dream“ (Feuchter Traum) zu spielen und verhalfen dem Stück zu wachsender Beliebtheit, ohne jemals im Radio gespielt worden zu sein.
Jane Birkin/Serge Gainsbourg: Je t´aime moi non plus, 1969
„Mein bester Werbeagent ist der Vatikan“, sagte Komponist Serge Gainsbourg. Das päpstliche Sprachrohr Osservatore Romano hatte "Je t´aime" als „beschämende Obszönität“ bezeichnet. Folge: innerhalb kürzester Zeit wurden 1,2 Millionen Platten verkauft. Es hagelte Verbote in Italien, Spanien, Portugal, Brasilien, England und Schweden nach sich. Viele Rundfunkstationen boykottierten zudem die Platte. Sie war zunächst bei Philips erschienen, doch unter dem Druck der öffentlichen Meinung zog der Konzern sich zurück. In die Bresche sprang die französische Firma AZ, die die Scheibe international über "Golden 12" verkaufte. Die Platte war 1967 bereits mit Brigite Bardot aufgenommen worden, doch als bereits 5000 gepresst waren, verweigerte Ehemann Gunter Sachse seine Zustimmung und die Platte erschien nicht. Eine andere Schallplatte selben Inhalts mit Hammond-Orgel-Begleitung, die kurz darauf in Frankreich erschienen war, hatte keinen Erfolg. Auch eine andere Nummer erreichte keinen Hitparadenstatus: das Pariser Photomodell Rita stöhnte 4 Minutne und 29 Sekunden, doch Erotica, so hieß das musikalische Dauergestöhn – hatte weder Erfolg, noch verursachte es einen Skandal.
Christine Schuberth liest Josefine Mutzenbacher, Wien 1971
Ein Doppelalbum mit originalen "Mutzenbacher"-Texten gelesen von der Schauspielerin Christine Schuberth, die auch noch nackt auf dem Cover posierte, wurde mit dem Vorwurf der Pornographie bedacht und angezeigt. (Spiegel 1971)
Paul Anka: "Having my Baby, USA 1974
Die Platte war eine der bestverkauften Singles des Jahres 1974. Doch amerikanische Frauenverbände warfen dem Sänger des Comeback-Hits "männlichen Chauvinismus" vor. Als Beweis wurde die Zeile "Du wirst mein Baby kriegen" (anstatt: "unser Baby") zitiert. Auch eine von Monika Lundi und Horst Janson gesungene deutsche Fasung wurden von den meisten Sendern abgelehnt. Die Zeile "Wenn wir es nicht wollten, würde es Wege geben..." wurde als Werbung für die Abtreibung gewertet. (Archiv)
Loretta Lynn: "The pill", 1975
Der Hit mit Testzeilen wie: „Du hast dein Schäfchen das letzte Mal ausgetrickst, jetzt hab´ ich die Pille“, flog im eher konservativen Mittelwesten aus dem dem Programm der Country-Sender. (Spiegel 12 1981)
Donna Summer: „Love to Love you Baby“, 1975
Das 16 Minuten und 50 Sekunden währende Kopulationsspektakel sprengte 1975 alle bis dahin gekannten Grenzen und galt im Rundfunk aus Zeit- und Geräuschgründen für unspielbar. (Archiv)
Labelle: "Voulez-vous coucher avec moi ce soir?" ("Wollen Sie heute abend mit mir schlafen?"), USA 1975
Der Song führte in den USA zu Hörerprotesten und Funkverboten. (Spiegel 17 1975)
Konstantin Amadeus Wecker: "Sadopoetische Gesänge", 1975
„Ich habe meinen linken Arm in Packpapier gepackt, und hab` ihn nach Paris geschickt. Am 3. Mai zur Nacht hab´ ich ihn abgehakt, denn ich bin so verliebt. Es klebt noch frisches Blut dran, doch das stört mich nicht; das trocknet schnell und riecht auch ganz superb, Nanette freut sich sicher, denn ich glaube nicht, dass oft ein linker Arm versendet wird." Mit solchen und ähnlichen Textzeilen provozierte der Münchner Wecker. Seine Traumdeutung makaberer Lüste und damals geächteter oder verbotener Sexualwonnnen wie Homoerotik, Sodomie mit zwei „Hundemädchen“ oder der Voyeurismus alter Männer, die beim Liebesspiel kleiner Kinder im Busch, Hand an sich legen, durften im öffentlichen rechtlichen nicht gespielt werden. Ebenso ging es Songs, die die schwüle Erotik von Leichenschauhäusern und den zärtlichen Mord feierten: Die bleiche Tote, die er unterm Leinentuch entwendet, wird „nachts im Bett ein warmes Tier“). (Spiegel 14 1975)
Sex Pistols: Never mind the bollocks, 1977
Der Titel wurde als "obszön empfunden und die Polizei wollte es verbieten lassen. Für die Übersetzung bieten sich zwei Möglichkeiten an: 1) Vergiss den Scheiß oder 2) Vergiss die Bollocks (womit die Gruppe gemeint ist)
Madonna: Nacktfotos, 1979
Bevor Madonna zur Pop-Diva aufgestiegen war, hat sie sich - sicherlich auch von Geldnöten getrieben - nackt ablichten lassen. Die Fotos tauchten auf dem Höhepunkt ihres Ruhms auf und führten zu lebhaften Diskussionen.
Westernhagen: Sekt oder Selters, 1980
Westernhagen war mit einigen seiner Songs von "Sekt oder Selters" vom Sendeboykott einiger Radiostationen betroffen. Texte wie: beigebracht hat es ihm eine, „die hatte `nen Gang, den du dich nie traust“ und „rote Haare auch unten“ oder „Bezieh das Bett frisch, damit er´s nicht merkt, und meinen Geruch, den duschst du dir auch ab“ wurden beanstandet. (Spiegel 17 1980)
Witchfinder General: Death Penalty“, 1982
Die Platte „Death Penalty“ wurde aufgrund des Covers verboten. Später erschien eine CD, die das gleiche Cover zeigt. Diese CD blieb - jenseits aller Logik - unbeanstandet.
Prince: „Dirty Mind“-Texte, 1984
Viele Texte auf der „Dirty Mind“ von Prince gelten als obszön. So schwelgt er etwa in den Freuden von Inzest und lesbischer Liebe oder propagiert den oralen Sex. In Deutschland wurde deshalb z.B. aus dem „Motherfucker“ ein unverfängliches „uhuh". Andere Platten, insbesondere Auskopplungen seiner dritten LP „Dirty Mind", wurden komplett mit Rundfunkverboten versehen. Prince darf für sich sogar in Anspruch nehmen mit der Textzeile aus „Purple Rain“ „I saw you masturbating with a magazine“ sowie seinem Album „1999", Tipper Gore dazu veranlasst zu haben, die PMRC zu gründen, der die Menschheit bekanntlich die „Parental-Advice"-Sticker verdankt. (Spiegel 39 1984 und Archiv)
Video und Text: Frankie goes to Hollywood: Two Tribes und Relax, 1983/1984
Im Video kratzen sich Reagan- und Tschernenko-Doubles die Gesichter im Ring blutig und zerren sich unter Gejohle der Menge an den Hoden. Die ARD fand das Video für die Hitparade „Formel Eins“ geschmacklos. Bereits 1983 hatte es mit "Relax" Ärger gegeben: der BBC Discjockey Mike Read weigerte sich am 11.1.1984, das Lied, das damals Platz 1 innehatte hatte, weiterhin im Morgenprogramm zu spielen. Der Text sei „offenkundig obszön“ (Spiegel 36 1984)
Falco: Jeanny, 1985
Musik und Video über den inszenierten Lustmord wurden zensiert.
Christmas Song: Pogues „A Fairytale of New York“, England 1987
BBC Radio One zensierte den Song, als er im Jahr 2007 wieder in den Charts auftauchte. Davor war er 20 Jahre lang problemlos gespielt worden. Im Text wird die Geschichte von zwei Liebenden erzählt, die am Weihnachtsabend Beleidigungen austauschen. Eine Zeile lautet: „You scumbag, you maggot, you cheap lousy faggot, Happy Christmas your arse, I pray God it´s our last.” “Faggot“ heißt soviel wie Schwuchtel. Das Wort wurde ebenso durch einen Piep ersetzt wie auch das Wort „Slut“, „Arse“ allerdings blieb erhalten. (Times online 19.12.2007)
It was christmas eve babe In the drunk tank An old man said to me, wont see another one And then he sang a song The rare old mountain dew I turned my face away And dreamed about you
Got on a lucky one Came in eighteen to one Ive got a feeling This years for me and you So happy christmas I love you baby I can see a better time When all our dreams come true
Theyve got cars big as bars Theyve got rivers of gold But the wind goes right through you Its no place for the old When you first took my hand On a cold christmas eve You promised me Broadway was waiting for me
You were handsome You were pretty Queen of new york city When the band finished playing They howled out for more Sinatra was swinging, All the drunks they were singing We kissed on a corner Then danced through the night
The boys of the nypd choir Were singing galway bay And the bells were ringing out For christmas day
Youre a bum Youre a punk Youre an old slut on junk Lying there almost dead on a drip in that bed You scumbag, you maggot You cheap lousy faggot Happy christmas your arse I pray God its our last
Die Ärzte: "Geschwisterliebe", "Claudia" /"Ab 18", 1987
Laut „Rolling Stone“ hielten die Berliner Fun-Punker den Rekord an Indizierungen durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (mittlerweile haben die „Böhsen Onkelz“ wohl noch mehr Index-Platzierungen). Gleich sieben standen zeitweise auf dem Index und durften nur „Ab 18“ unter dem Ladentisch verkauft werden. Ihr Song „Geschwisterliebe“ (Textauszug: „Noch sitzen wir hier und spielen Schach, aber gleich lege ich dich flach - das befriedigt meine Triebe ... Geschwisterliebe“) wurde von der Bundesprüfstelle auf Antrag einer besorgten Mutter aus Witten deshalb indiziert, weil der Text „auf Kinder und Jugendliche sozial-ethisch desorientierend wirken“ könne. Sogar das Magazin „Wiener“ (Nr. 3, 1987) wurde allein aufgrund der Tatsache indiziert, dass in ihm besagter Text vollständig abgedruckt worden war. Der öffentliche Bannstrahl mit entsprechenden Aufführungsverboten traf ferner bundesweit den Song „Claudia“ (Textauszug: „Claudia hat jetzt ein Pferd, mit dem sie ziemlich oft verkehrt“) sowie nur für Bayern den Song „Helmut K.“ (Textauszug: „Hannelores Tag ist grau, denn Helmut K. schlägt seine Frau“ oder „Neulich ließ die Hannelore mal was auf dem Teller, zur Strafe lud sie Helmut ein in seinen Folterkeller“). Diese Stücke würden, so befand u.a. das bayrische Innenministerium, „selbstzweckhaft Gewalt bzw. krankhaftes Sexualverhalten“ in drastischen Worten darstellen. Erklärtes Ziel der Texte sei es, „durch möglichst abweichendes bzw. brutales Verhalten Aufmerksamkeit zu erregen und Beachtung zu finden.“ Vor dem Amtsgericht in Kleve fanden sich schließlich Farin Urlaub (d.i. Jan Vetter), „Bela B.“ Felsenheimer und „The Incredible Hagen“ 1989 wieder, weil sie - sozusagen als Wiederholungstäter - und in einer Art Umgehung des Aufführungsverbotes auf einem Konzert die Instrumentalfassung von „Geschwisterliebe“ gespielt und das Publikum indirekt zum Mitsingen des bekannten Textes über den Inzest aufgefordert hatten. Und da keine Alterskontrolle am Eingang stattgefunden hatte, sei - so die Logik der Staatsanwaltschaft - der Tatbestand der Verbreitung von jugendgefährdenden Stücken erfüllt. Neben den Texten war es eine Zeichnung von John Willie, die die „Ärzte“ in Bedrängnis brachte. Die kaum sichtbare Graphik mit dem Motiv der gefesselten Gwendoline auf dem Cover der 1987 herausgekommen Platte „Ab 18“ sorgte mit dafür, dass die Platte sofort auf dem Index landete.
Rolling Stones: "Steels Wheels", 1989
Die Stones wollten die Platte angeblich ursprünglich "Fucking Girls" nennen. Dies lehnte die Plattenfirma ab. (Spiegel 36 1989)
Achim Reichel: „Amazonen“, 1994
Verschiedene Radiosender hatten sich geweigert den Song zu spielen, weil er “frauenfeindlich" sei. Reichel nahm eine „zensierte Version“ auf: ohne Amazonen, die ihre Mieder öffnen oder mit der Peitsche „nach jedem Männerarsch“ knallen. (Stern 1 1994)
Tracy Lords: "1000 Fires", 1995
Die Debüt-Platte von Tracy Lords lieferte Stoff für Diskussionen, stammte sie doch von einer Ex-Porno-Darstellerin ("Beverly Hills Copulator", "New Wave Hooker"), die bereits mit 15 ihren ersten Porno-Dreh hatte und später insbesondere durch ihren Hang zu Koks und Speed Schlagzeilen machte.
Anti Nowhere League: „So what", 1999/2000
Die Platte wurde wegen sexueller Anstössigkeit nicht gepspielt. Aus dem Text „I´ve fucked a goat, I´ve had my cock right down its throat.“
Skandalsongs: Bushido, Sido und Frauenarzt, um 2000
Nachfolgende Songs wurden von Jugendschützern kritisiert und von Rundfunkstationen aufgrund der Texte nicht gespielt: Der „Arschficksong“ (Sido) beschreibt die Vergewaltigung eines Mädchens („Katrin hat geschrien vor Schmerz. Mir hat´s gefallen… Ihr Arsch hat geblutet. Und ich bin gekommen.“) In “Gang-Bang“ von Bushido heißt es: „Ein Schwanz in den Arsch, ein Schwanz in den Mund, ein Schwanz in die Fotze, jetzt wird richtig gebumst“ und in den Gang-Bang-Songs "Hey Nutte ist das Fleisch“ von Frauenarzt: „Wir ficken dich, bis dir die Beine brechen.“ (Netz)
Anna David: „Fuck Dig“, Dänemark, 2006
Der Song wurde in Dänemark ein Nummer 1 Hit. Die simple Botschaft: blöder Ex-Freund, scher dich gefälligst zum Teufel, sollte auch auf Deutsch verbreitet werden, doch ein Presswerk weigerte sich zunächst, die CD mit dem provokanten Titel „Fick Dich“ herzustellen. (Stern 43 2006)
Republikaner (Tennessee) vs. „Sexy Back" von Justin Timberlake, 2006
Protest gab es Lieder wegen des Textes über gefesselte Liebessklaven: „Dirty babe … you see these shackles? Baby I´m your slave. Sexy I´ll let you whip me if I misbehave!“ ("Sexy Back"). Auch der Song “Rock Your Body” aus dem Album “FutureSex/LoveSounds” wurde beanstandet. Folge: Eine Resolution zur Würdigung des Künstlers wurde verweigert. (Netzzeitung 22.3.2006)
Rammstein: Liebe ist für alle da, 2009
Wieder einmal löste "Rammstein" die Reflexe der Provokation aus: "Natürlich bedienen Rammstein eine Menge sexistischer Klischees", hieß es in einer Plattenkritik der Süddeutschen Zeitung vom 21.10.2009. Schon vorher war der Ruf nach einer Zensur von Video, CD und Cover laut geworden. (online). Dann wurde das Album von der Bundesprüfstelle indiziert, da die Band Sado-Maso-Praktiken verherrliche und zum ungeschützten Geschlechtsverkehr animiere.Insbesondere das Cover und der Song "Ich tu dir weh" standen in der Kritik. (Sdt 7./8.11.2009) In "Pussy" heißt es: "Zu groß, zu klein/ Der Schlagbaum sollte oben sein/ Schönes Fräulein, Lust auf mehr/ Blitzkrieg mit dem Fleischgewehr/ Schnaps im Kopf, Du holde Braut / Steck´ Bratwurst in Dein Sauerkraut" und in "Ich tu Dir weh" "Bisse, Tritte, harte Schläge / Nageln, Zangen, Stumpfe Säge / Wünsch´ Dir was, ich sag´ nicht nein / Und führ´ Dir Nagetiere ein."
Schallplatten: Drogen
John Denver: Rocky Mountain High, 1973
Amerikanische Rundfunkstationen weigerten sich den Song zu spielen: Man vermutete, ausgerechnet bei John Denver!, einen Dorgensong.
Peter Tosh: „Legalize it“, 1976
Der frühere Mitstreiter von Reggae-Legende Bob Marley landete gleich mit seiner ersten Solo-Platte „Legalize it“ 1976 auf dem deutschen Index. Auch die entsprechende Musikkassette sowie die Singleauskopplung „Get up, stand up / Legalize it“ wurden auf Initiative des Bonner Bundesamtes in die Liste der jugendgefährdenden Schriften aufgenommen. Das bedeutet, dass das 'Legalize Paket‘ zwar weiterhin im Handel ist, jedoch nicht mehr an Jugendliche unter 18 Jahren verkauft werden und auch nicht ausgestellt werden darf. Wegen der Platte wurde Tosh bei einer Deutschlandtournee zusätzlich abgestraft. In München erhielt er 1983 Auftrittsverbot. (Archiv und Spiegel 39 1987)
Linval Thompson: "I love Marijuana" (Trojan), 1978
Die Platte landete in Deutschland wegen Drogenverherrlichung auf dem Index.
Ringo Starr und der Alkohol, 1989
Der Ex-Beatle verhinderte 1989 per Gerichtsbeschluss die Auslieferung seines neuesten Platten-Albums. Der als harter Trinker bekannte Musiker war mit seinen Leistungen als Drummer unzufrieden. Der Plattenproduzent habe, so Ringo kleinlaut, während der Studioaufnahmen Tequila ausgeschenkt – mit hörbaren Folgen. (Spiegel 32 1989)
Georg Danzer: „War das etwa Haschisch?", 2002/2007
Einige Sender belegten den Song wegen der Drogenthematik mit einem Sendeverbot. (WN 23.6.2007)
Haftstrafe für Drogenballaden, Mexiko 2010
Drogenbosse als Helden in Liedern und Filmen - das soll in Mexiko künftig strafbar sein. Die Regierung hat dagegen jetzt ein Gesetz vorgelegt. Die Gesellschaft betrachte Drogenballaden als nett und harmlos, "aber sie sind genau das Gegenteil", sagte der Abgeordnete Oscar Martin Arce. In diesen Balladen, den sogenannten narcocorridos, werden oftmals der Drogenhandel und die Gewalt besungen und glorifiziert. Der Vorstoß seiner Partei richte sich auch gegen billige Filme, in denen Drogebosse verherrlicht werden, sagte der PAN-Abgeordnete. Solche Dinge dürften nicht als Normalität hingenommen werden. Es gehe darum, Anstiftung zur Gewalt zu stoppen. Der Gesetzentwurf sieht für die Aufführung oder Produktion solcher Lieder und Filme Haftstrafen bis zu drei Jahren vor. (zdf online 22.1.2010)
Schallplatten: Mord, Selbstmord, Gewalt
Killer: Same, 1981
Bei dem Cover soll es sich angeblich um ein Polizeifoto handeln, das einen wirkliches Mordopfer darstellt. Das ursprüngliche Cover wurde mehrfach verändert. (Musik Express 12 1981)
Anthrax: Fistful of Metal" (Music for Nations), 1983/84
Die Platte landete in Deutschland auf dem Index.
DJ Bobo: „Vampires are Alive“, 2007
Der Musiker sollte die Schweiz beim Eurovision Contest vertreten, doch fanden organisierte Christen seinen Song jugendgefährdend. Das Stück sei, so die Schweizerische Evangelische Allianz (SEA), "verantwortungslos". Man forderte einen Rückzug des Beitrages oder zumindest eine Änderung des Textes. Denn der vermittle nicht nur eine düstere Botschaft über die Schweiz, sondern sei auch eine Gefahr für suizidgefährdete Jugendliche. Anstoß nahm man vor allem an den Zeilen: “Verkauf deine Seele, vom Himmel zur Hölle, genieße die Fahrt. Du bist hier, um mit deinem Leben zu kapitulieren.“ Bereits 2003 hatte die Schweizer Staatsanwaltschaft gegen den selbst ernannten Antichristen Marilyn Manson ermittelt. (Netzzeitung 8.3.2007)
Schallplattencover: Erotik, Pornographie und Sexismus
Jimi Hendrix: "Electric Ladyland", 1968
"Electric Ladyland", das dritte Album von Hendrix, wurde wegen der unbekleideten Damen auf dem Cover in den USA aus dem Verkehr gezogen. Dort erhielt es ein anderes Cover, während es in England mit dem ursprünglichen Foto erscheinen durfte. Rund dreißig Jahre später setzten sich die „Toten Hosen“ für ihre „Reich&Sexy"-Einspielung in ähnliche Pose, ohne dass es in Deutschland zu Beschwerden gekommen wäre. (Archiv)
John Lennon/Yoko Ono: Two Virgins, 1969
Das Cover der beiden nackten Stars wurde von Beginn an kritisiert. Auch in einigen Werbeanzeigen wurden John und Yoko schamnhaft verhüllt. für die Platte akzept Als um 2000 eine CD von "Two Virgins" erschien, verlangte Yoko Ono, dass Lennon und sie nicht mehr nackt zu sehen waren. (Archiv)
Scorpions: „Virgin Killer“, 1976/2008
Wegen des angeblich pornographischen Covers legten britische Internet-Provider die Online-Enzyklopädie Wikipedia lahm. Die Hülle von 1976 zeigt ein nacktes, junges Mädchen und hatte bereits damals für Proteste und eine Veränderung des Covers geführt. In Deutschland war der Artikel in Wikipedia nach wie vor verfügbar. Im Frühjahr 2008 hatte das Cover in einem Wikipedia Artikel sogar die US-Bundespolizei FBI auf den Plan gerufen, die wegen Kinderpornographie ermittelte. Die Wikipedia-Foundation bezeichnete die Sperrung als Zensur. (ZDF online 8.12.2008)
Lucifer´s friend: "Sneak me in", 1980
Nach Protesten amerikanischer Frauenverbände wurde das ursprüngliche Cover für den US-Markt entschärft. Auch der deutsche "Musikexpress" (Nr. 9 1980) verurteilte das Cover als "sexistisch".
Sammy Hagar: "Standing Hampton", 1982
Das Cover, urteilte der "Musikexpress" (3/1982), "reiht sich nahtlos ein in jenen frauenverachtenden Hüllenschmutz, mit dem uns auch schon die Scorpions, Westernhagen Whitesnake u.v.a. vollgeekelt haben."
Savage Grace: Master of Disguise, 1985
Die Platte wurde aufgrund des Covers 1985 von der Bundesprüfstelle indiziert. (Archiv)
David Bowie: "Tin Machine 2", 1991
Die nackten Statuen auf dem Cover gerieten alsbald in die Kritik: Das Cover wurde entsprechend zurückgezogen und durch ein unverfängliches ersetzt. (Spiegel 33 1991)
NOFX: "Eating Lamb", 1996
Im Juni 1996 in einem Plattenladen in Münster die NOFX-Platte von der Polizei beschlagnahmt und der Händler wegen Verbreitung jugendgefährdender Schriften ("Dealer von Tierpornos") verklagt. (Ultimo 1996)
Hole: "Dicknail" (Single), 2003 (?)
Das Cover hat Courtney Love, die Witwe von Kurt Cobain, entworfen. Sie wollte es unbedingt mit einem Foto ausstatten, das sie selbst nackt als Kind in einer Badewanne zeigt. Drucker lehnten den Auftrag aus Protest ab. (Page 08 / 2003)
Schallplattencover: Gewalt
Guns and Roses: "Appetite for Destruction", 1987
Zensierte und unzensierte Fassung "Guns and Roses" wurden gezwungen ein Cover zu verändern: ursprünglich war auf dem Cover ein Roboter zu sehen, der eine Frau vergewaltigt.
Cannibal Corpse: "ToTM",1992
Cannibal Corpse: "The wretched spawn" u.a., um 2005
Bei ebay wurden Teile der Abbildung des Covers abgedeckt. Auch erschienen von einzelnen Cd´s in Deutschland und international unterschiedliche Fassungen
Schallplattencover: Moral
Moby Grape: Same, USA 1967
In den USA wurde der "Stinkefinger" vor dem Waschbrett wegretuschiert. In Verbindung mit der US-Flagge sah man in der Geste eine Verunglimpfung der Vereinigten Staaten.
Keks, DDR 1982
Auf einem Werbeplakat zeigte sich die Ost-Berliner New Wave Band „Keks“ in punkigen Kleidern. Als die vier Musiker ihr selbst entworfenes Poster farbig drucken lassen wollten, kamen sie mit den Behörden in Konflikt. Sie SED sorgte sich, dass die wüste westliche Punkmode in der DDR allzu viel Nachahmer finden könnte und untersagten die Veröffentlichung. Die Musikanten wollten sich jedoch nicht fügen: Für ihr neues Plakat, schlüpften sie zwar in brave Bürgerkleider, ließen aber die Punk-Klamotten zusammen gefegt zu einem Müllhaufen, neben Schaufel und Handbesen zu ihren Füßen, ablichten. Auch der Entwurf fand nicht die Gnade der Sittenwächter, die Symbole westlicher Dekadenz mussten getilgt werden. (Spiegel 28 1982)
Die Toten Hosen: "Unter falscher Flagge, 1984
Bei der Erstauflage ihrer LP „Unter falscher Flagge“ zeigt das Motiv auf der Flagge das Logo der Plattenfirma EMI, den sog. „EMI-Hund“ vor einem Grammophon. Der wurde später zensiert und musste dem typischen Hosenadler weichen. Ein weiterer Zensurfall ereignete sich im November 1996. Jan Timke, Politiker der „Statt-Partei", erstattete Strafanzeige wegen Beleidigung gegen die Düsseldorfer Punkband. Insbesondere die Textpassage ihres Songs „Bonnie and Clyde“ auf ihrer CD „Opium fürs Volk“ (Textauszug: „Wir rauben ein paar Banken aus oder einen Geldtransport, wir schießen 2,3,4,5 Bullen um“) rief aufgeregten Widerspruch hervor. Die Anzeige wurde von der Staatsanwaltschaft später zurückgewiesen. Auch mit ihrer Single „Sascha“ sorgten die Fun-Punks für Ärger, da ihre ironischen Anmerkungen zum Nationalstolz Widerspruch hervorriefen.
Marilyn Manson: Holy Wood, 2000
Das ursprünglich Cover wurde zensiert. Vermutlich aufgrund der religiösen Darstellung.
Rockmusik und Fernsehen
Beat-Club: "Trägt Uschi zu kurz?", 1965
Am 25.9.1965 wurde der erste "Beat-Club" im deutschen Fernsehen ausgestrahlt. Der Ansager entschuldigte sich vorab bei den Eltern: "Sie aber, meine Damen und Herren, die Sie Beatmusik nicht mögen, bitten wir um Ihr Verständnis: Es ist eine Live-Sendung mit jungen Leuten, für junge Leute." Proteste gab es dennoch und später wurde die Frage diskutiert, ob die Moderatorin Uschi Nerke zu kurze Röcke trage. (MZ 23.9.1905) Beat-club Ansage und Uschi Nerke im Minirock: http://www.youtube.com/watch?v=VMzoVYcJHyQ
Verbot für Zappas „Bobby Brown“, siebziger Jahre
TV-Moderatorin Désirée Nosbusch räumte später ein, dass sie Zappa bei RTL nicht spielen durfte, weil der Song „Bobby Brown“ auf dem Index stand.(Sdt. 6.7.2006)
Nina Hagen im "Club 2": Selbstbefriedigung, Österreich 1979
Für erhebliche Aufregung sorgte eine Live-Sendung von sorgte des "Club 2" (Titel „Was ist los mit der Jugendkultur?“), in der Nina Hagen vormachte, wie Frauen sich selbst befriedigen. Es folgten wochenlange Diskussionen mit der Forderung, die Sendung abzusetzen. (Archiv und wikipedia)
Nipple-Skandal und Folgen, USA 2005
Amerikanische Rundfunk- und Fernsehsender drohen seit 2005 bei Ausstrahlung „unanständiger“ Sendungen höhere Geldstrafen als bisher (bis zu 500 000 Dollar). Anlasse für die Verschärfung war der sog. „Nipple“-Skandal. Bereits beim „Superbowl“ 2005 wurde das Spiel mit fünf Sekunden Verzögerung ausgestrahlt um „unanständige „ Zwischenfälle zu vermeiden. (FAZ 18.2.05)
Rockmusik und Rundfunk
„Nachtversorgung": Hardrockverbot, 1978
Das gemeinsame Radio-Nachtprogramm bekam in der Bundesrepublik am 1. Juli 1978 neueu Richtlinien, die die „Kleine Kommission Nachtversorgung“ erarbeitet hatte. So durfte z.B. zwischen 22.30 und 2 Uhr morgens weder Hard Rock noch moderner Jazz oder Salonmusik gespielt werden. Witze galten als unpassend wie auch aktuelle Informationen. Nach 2 Uhr waren laut Vorschrift der ARD-Nachtwächter Oldies und Evergreens gestattet, keinesfalls aber „vorgefertigte unterhaltende Wortbeiträge“. Nach 4.30 mußte es „rhythmische leichte Musik" sein. (Spiegel 21 1978)
Rockmusik, Filme und Videos
Rolling Stones: "Cocksucker Blues", 1975
Weniger Porno- und Drogenszenen führten zu einem Aufführungsverbot durch die Stones, als vielmehr die gesamte Tristesse vom Rockzirkus. (Spiegel 28 1975)
Prince: "Kiss", 1986
Als 1986 das Video „Kiss“ in der Clip-Sendung „Formel-eins“ gezeigt wurde, legten besorgte Eltern die Telefonleitungen der Redaktion lahm, die im Gegenzug eine umfassende Prüfung weiterer Ausstrahlungen versprach. Prince hatte sich in dem Video mit einem Transvestiten rumgeräkelt und zuguterletzt den Musiktitel bildhaft gemacht. In den USA blieb das Video bei MTV unbeanstandet. Nach der Ausstrahlung wurde der Song auf Platz 1 der Billboard-Charts katapultiert. (Archiv)
Madonna „Open your heart“, 1987
Das "Material Girl" zeigte sich in dem Video in gewagten Posen und trat in einer Peepshow auf. Einen Sturm der Entrüstung aber löste vor allem ein Kuss auf den Mund ihres Video-Partners Felix Howard aus, den der war bei den Dreharbeiten erst 13 Jahre alt. "Bravo" fragte daraufhin: "Madonna: Treibt sie es zu toll?"(Bravo 1987)
Madonna: „What it feels like for a girl“, 2001
Der Musiksender MTV lehnte eine erste Fassung ab, weil sie „zu gewalttätig sei". Die Verantwortlichen befürchteten, das Video könne Jugendliche zur Nachahmung anregen. Madonna Sprecherin Liz Rosenberg wies diese Überlegung zurück. Sie könne sich nicht vorstellen, dass jemand sich nach dem Anschauen ins Auto setze und bewusst einen schweren Unfall herbeiführe. In dem Video mimt die Sängerin ein missbrauchtes, von der Welt enttäuschtes Mädchen, das bei einem Unfall ums Leben kommt.
Slipknot: "Left behind", 2002
In dem Video verkauft ein Junge die Körperteile seiner getöteten Eltern. Als kurz darauf das Massaker von Erfurt geschah (17 Schüler wurden ermordet), geriet Slipknot in die Kritik, auch weil der Amokläufer ein Fan der Gruppe gewesen sein soll. (Archiv) http://www.youtube.com/watch?v=1sQY1Qu2Fw4 (left behind video)
Christina Aguilera: "Dirrty", 2002
Das Video war vielen US-Fernsehsendern zu freizügig: sie weigerten sich den Clip zu zeigen. (WN 23.10.2002) http://www.youtube.com/watch?v=r8EB4TZs72M
Zensierte und diskutierte Clips 2003/4
Nachfolgend werden einige Clips präsentiert, die in jüngster Vergangenheit entweder selbst oder deren Interpreten im Zusammenhang von Zensur diskutiert worden sind. Die Auswahl folgte keinem bestimmten Schema, sondern möchte Beispiele von vergleichsweise bekannten Interpreten vorstellen, die in der Öffentlichkeit aktuell kontrovers diskutiert werden. Im Einzelnen handelt es sich um folgende Clips zu sehen:
1. Eminem: Guilty Conscience 2. Eminem: Just Don´t Give A Fuck 3. Korn: Alone I Break 4. Korn: Got The Life 5. Marilyn Manson: Sweet Dreams 6. Marilyn Manson: Tainted Love 7. Prodegiy: Smack My Bitch 8. Rammstein: Du Riechst So Gut 9. Rammstein: Stripped 10. Slipknot: Duality 11. Slipknot: Left Behind 12. Snoop Dogg: From The Church To Da Palace
Britney Spears: "Everytime", 2004
In dem Video ertrinkt die Sängerin in einer Wanne. Nach eigener Aussage handelt es sich dabei nicht um die Darstellung eines Selbstmordes, sondern um den Versuch, die Reinkarnation darzustellen. Experten kritisierten dennoch die Verherrlichung des Todes und forderten eine Zensur. (Archiv)
http://www.myvideo.de/watch/657346/Britney_Spears_Everytime
Floria Sigismondis: "Megalomaniac", 2004
In dem Video wurden in kritischen Bildern u.a. Diktatoren gezeigt, die u.a. die Redefreiheit beeinträchtigt hatten. Das Video wurde von MTV zurückgezogen. (Page 6 2004)
Rammstein: "Mein Teil", 2004
In dem Video lässt sich der Sänger Till Lindemann von einem Engel oral befriedigen, beißt ihn später tot und schleift ihn weg. In den Medien wurde kritisiert, dass das Video bereits vormittags im Fernsehen laufe und als Vorbild für Kinder und Jugendliche dienen könnte.(Archiv)
http://www.youtube.com/watch?v=B193-mJ61Ik "Mein Teil"
Beyonce: "Video Phone": "schrecklich" Camilla (Prinzessin von Cornwall), 2009
Das Video zur Single von Beyonce verurteile die Prinzessin im Kontext von sexuellen Mißbrauch und Vergewaltigung scharf und forderte eine Zensur. Das Video zeigt u.a. leicht bekleidet Beyonce mit Waffen. (Netz 30.11.2009)
Lady GaGa: Video-Promo fürs Telefon, 2010
Das freizügige Promo-Video mit viel nackter Haut, lesbischen Küssen und Massenmördern hinter Gefängnismauern geriet mit Blick auf ein jugendliches Publikum schnell in die Kritik. Lady Gaga musste eine bereinigte Fassung herstellen, die auch tagsüber gezeigt werden konnte. (dailymail online 13.3.2010)
Rockmusik: Jugend- und Musikzeitschriften
"Bravo" vom 10.2.1972 indiziert
Besagte "Bravo" wurde als "jugendgefährdend" indiziert. Ein Ministerialdirektor vom Bayrischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung hatte einen Antrag gegen die Nummern 6 und 7 1972 gestellt. Er führte u.a. aus. „Das entwicklungsbedingte Bedürfnis(der "Bravo"-Leser), sich mit Vorbildern zu identifizieren, wird durch einen penetranten Starkult geradezu ausbeuterisch dazu benutzt, direkt oder indirekt Bedürfnisse in den Jugendlichen zu wecken, die sie zu kritiklosen Konsumenten machen oder in eine Traumwelt führen, die für ihr eigenes Leben niemals erreichbar sein könnte. Die Darstellung angeblicher Vorlieben oder Gewohnheiten der systematisch „aufgebauten“ Stars muss auch bei ihren Fans ähnliche Bedürfnisse wecken oder schon sehr früh zu Frustrationen und Mutlosigkeit führen, die eine Auseinandersetzung mit der eigenen Welt unmöglich machen. Diese eigene Welt wird überhaupt nicht erwähnt, bedeutet sie doch entweder Schule oder Lehrstelle – beides Institutionen, die Pflichten mit sich bringen und nicht singend oder Musik hörend durchlaufen werden können.“ Auch gegen eine Aufklärungsserie wurde argumentiert, da sie „gewisse Vorgänge in Ferienlagern, in denen sexuelle Intimitäten unter den Jugendlichen geduldet werden, wenn nicht sogar gefördert“ benennen. Ebenfalls geriet eine „Schilderung der gegenseitigen Onanie“ mit "Aufforderungscharakter“ in die Kritik, ein Krimi „Küsse deinen Mörder nicht“, eine Starbiografie, deren Held zu Ruhm und Reichtum kam, obwohl er von der Schule fliegt, klaut und betrügt. Der Antrag schloss mit den Worten: „Die Zeitschriften sind in hohem Maße geeignet, die noch nicht gefestigten sozial-ethischen Begriffe der Kinder und Jugendlichen zu verwirren und die phasengerechte Entwicklung zur sittlich voll verantwortlichen Persönlichkeit zu gefährden“. Es wurde ein Gutachter bestellt und die Bundesprüfstelle beschloss auf ihrer 202 Sitzung am 6.10.1972 die "Bravo" in die Liste der jugendgefährdenden Schriften aufzunehmen. Die Bundesprüfstelle erklärte dazu: „Mit der Frage Starkult und Verleitung zur unreflektierten Konsumverherrlichung hatten wir uns hier bisher noch nicht befasst.“ Aber eine „Umkehrung der Werte“ enthalte auch eine Bankraubgeschichte, in der ein Mädchen erschossen wird, die Räuber aber „nur die Frage bewegt: wie konsumieren wir unser Geld.“ Bei der „ausgesprochenen Anreizung zur Masturbation“ in Aufklärungsserie schließlich fehle „jede Hinleitung, mit Triebaufschüben und Frustrationen fertig zu werden“. (Spiegel 44 1972 und Zit. nach ´ran´ Buch 1 "Mit Politik und Porno, 3 Aufl. Köln 1979)
Jugendmagazin "Popcorn" indiziert, 2005
Die Januarausgabe 2005 landete auf dem Index der Bundesprüfstelle, weil eine Geschichte über sado-maso-Praktiken von Sido in der Zeitschrift thematisiert worden waren. Das Kreisjugendamt in Paderborn hatte einen Antrag gestellt. Hermann Hutsch, Leiter des Kreisjugendamtes, empfahl ferner in einem Schreiben an die Schulen des Kreises, einen kritischen Blick in Schultaschen zu werfen. (FAZ 24.3.2005)
Kinderlieder
Peter Bichsel: „Warum ist die Banane krumm?“, 1971/73
Die Lehrerin Annegret Oellrich hatte die Kinderplatte Viertklässlern in dem Dorf Fredenbeck vorgespielt. Eltern organisierten daraufhin einen Schulstreik und zeigten die Plattenspielerin wegen Unzucht und Beleidigung an. Auf der bei Wagenbach erschienene Platte waren Beispiele wie: Peter Rühmkorfs „Abzählverse/Kindersprüche“: „Licht aus, Licht aus, Mutter zieht sich nackend aus, Vater holt den Dicken raus, einmal rein, einmal raus, fertig ist der kleine Klaus“ oder Floh de Cologne „Das Scheißschlamassellied“: „“Schluß jetzt!“ riefen da die Kinder. Und ihrem Vater sagten sie, dass er jetzt endlich mal mit seinen Kollegen den Boss wegjagen soll“. (Spiegel 6 1973)
Volkslied: „Dumme Liese, hole Wasser“ - "frauenfeindlich", 2008
Das Volkslied, welches vornehmlich in Schulen und Kindergärten zum Lambertusfest auf dem Lande gesungen wird, geriet 2008 überrashend in die Kritik. Es soll aus dem Hessischen stammen und wurde in verschiedene Mundarten übersetzt. 1968 hatte das Medium Terzez das Liedchen aufgenommen und damit einen veritablen Hit gelandet. Auch Reinhard Mey hat es bereits gecovert. Das Lied schildert das Zwiegespräch zwischen dem Bauern Heinrich und einer eher tumben Magd. Eine Mutter aus Münster bat 2008 den Schulleiter bei der Lambertusfeier das Absingen von "Dumme Liese" zu verzichten. Begründung: Das Lied sei "frauenfeindlich". (MZ 18.9.2008)
Schlager
„Wo ist denn der süße Popo“ (A-Seite - Rückseite "BH-Polka") indiziert, vermutlich fünfziger J.
Die Platte wurde mit dem Erlass Nr. 1920 indiziert. Die Bundesppüfstelle war vor allem durch den Titeltext schockiert. (Archiv)
„Josef Schimansky“ (Golden 12) indiziert, vermutlich fünfziger J.
Zur Begründung: „Die Texte sind unverkennbar sexualbezogen und zum Teil ordinär, so dass sie für Jugendliche sittlich gefährdend sind. (z.B. „Cholera, Cholera, Frau ist scharf wie Paprika und sie kann nicht sein ohne Mann. Wie gemein Frau ist nicht für mich allein, jeder nimmt sich kleines Stück, das ist doch kein Glück“). (Privatarchiv)
„Im Bett“ indiziert, vermutlich fünfziger J.
Im Text heißt es: „Wo werden Jungfrauen ganz plötzlich zur Braut- im Bett, Wo sind sie am liebsten, wenn sie erst mal getraut - im Bett, Wo ist noch die alte Methode modern, Wo ist für Verliebte der Storch nicht mehr fern, bald ist die Familie komple-e-e-ett.“ (Privatarchiv)
„Pflaumenpolka“ indiziert, vermutlich fünfziger J.
Um die Single wurde ganze eineinhalb Jahre prozessiert. Doch das Verbot blieb, aber Firma verkaufte aufgrund der Reklame der Prüfstelle 250 000 Exemplare. Die Prüfstelle hatte das Verbot wie folgt begründet: „Der Text ist von eindeutiger Sexualbezüglichkeit. Die Platte ist geeignet, Jugendliche in erziehungswidriger Weise anzuregen und sie dadurch sittlich zu gefährden.“ Textauszug: „Ja wo ist se denn, ja wo steckt se denn, Oh verflixt noch mal, welche Qual, zeig se mal, Ei, da ist sie ja, wie wunderbar, wie wunderbar, So was war nie da, so ein Pflaumenjahr La,la,la.“ (Privatarchiv)
Helen Vita: Gesamtkunstwerk
Helen Vitas Platten wurden regelmäßiß vom Staatsanwalt verboten.
Gisela: "Novak", fünfziger Jahre
Das Lied über einen Zuhälter wurde vom Staatsanwalt beschlagnahmt. Manche Cover hatten eine Lochung und ein passendes Schloss dazu, damit man die Platte für Jugendliche unzugänglich verschliessen konnte.
Laya Raki: „Oh Jonny, bitte nicht hier parken“, 1962
Der Song der singenden Tänzerin und Filmschauspielerin wurde von der Bundesprüfstelle verboten.
Limpert - Frankfurter Sportverlag: „Fit für die Liebe“ - „Die Schallplatte für Sie und Ihn.“, vermutlich sechziger Jahre
Die Platte wurde nur unter der Ladentheke gehandelt. Grund: Sie präsentierte 16 Sexübungen mit Musik.
Peter Lauch: „Zeig mir mal dein Muttermal" (Golden 12), 1967
Die Platte von Peter Lauch wurde als für "Jugendliche nicht geeignet" eingestuft.
Udo Jürgens: "Griechischer Wein", 1975
Das Lied wurde zur Untermalung einer Gartenparty der Deutschen Botschaft in Ankara gespielt und sorgte dafür, dass die deutsch-türkischen Beziehungen getrübt wurden. Die Türkei war aufgrund des Streits über Zypern gerade auf Griechenland nicht gut zu sprechen und die anwesenden türkischen Kabinettsmitglieder fühlten sich durch Abspielen auf der Party brüskiert: Ihre Mienen versteinerten sich. (Spiegel 27 1975)
Joachim Deutschland: "Die Stoibers", 2003
Joachim Deutschland wurde mit seinem Song von der Qualifikation für den Grand Prix vom NDR wegen eines "in keiner Weise akzeptablen Titels" vom Wettbewerb ausgeschlossen. In dem Song beleidigt er, so weiter in der Begründung, die Ehefrau und die Töchter des damaligen bayrischen Ministerpräsidenten mit sexuellen Anzüglichkeiten. (MZ 16.1.2003)
Heino: „Wir tanzen Polka, denn wir lieben Germany“ - Raab Kommentar, 2006
Stefan Raab wurde vom Volksbarden wegen einer seiner Ansicht nach beleidigenden Äußerung vor Gericht gestellt werden. Der Komiker hatte in der Sendung TV-Total einen Ausschnitt aus dem „Herbstfest der Volksmusik“ (ARD) gezeigt, in dem Heino „Wir tanzen Polka, denn wir lieben Germany“ sang. Die Einlage kommentierte Raab mit: „Nach diesem Auftritt begibt sich Heino aber wirklich in den wohlverdienten Ruhestand mit Eva Braun, Entschuldigung, mit Hannelore“. Heinos Anwalt wertete dies so: „Das war eine ganz klare Beleidigung.“ (WN 22.9.06)
Nationalhymnen
Gloria Trevi, Carlos Ponce und Olga Tanon: „Nuestro Himno“, 2006
"Unsere Hymne" war die erste spanisch-sprachige Version von "Star-Spangled Banner", die Präsident Bush gar nicht gefiel: er forderte ein Verbot. (WN 2.5.2006)
Weltmusik
Otello Profazio: "Canto di Malavita" /"i canti della mafia" - Verbotene Musik aus Kalabrien, 1998
In den Liedern geht es um "Blut und Ehre" oder die Texte handeln von Blutrache oder dem traurigen Schicksal eines Banditen. Jahrelang war diese Musik nicht nur illegal, sondern tabu, denn spätestens seit den Mordserien der achtziger und neunziger Jahre erschien die "Ode an die Gewalt" geschmacklos. Zwischen 1989 und 1991 tötete die kalabrische Mafia allein in der Provinz Reggio 363 Menschen. 1998 erlebte die Musik ein comeback, gleichwohl sie immer noch verboten war. Denn Artikel 21 der italienischen Verfassung verbietet alles, was gegen die guten Sitten verstößt und dies sind auch die "Malavita"-Texte, wenn sie Mord, Entführungen und Erpressungen gutheißen. Wer bestimmte Texte sang, konnte zu einer Gefängnisstrafe verurteilt werden, weil, so die Argumentation, er seine Zuhörer zu Gewalttaten aufforderte. Melodien und Texte sind vielfach nicht aufgeschrieben, sondern mündlich über die Generationen überliefert. Einer der Ersten, der Canto di Malavita zum comeback verhalf, war der in Reggio di Calabria wohnende Sänger Otello Profazio. (Spiegel 14 1998)
Klassische und sog. E-Musik
Hindemith: „Sancta Susanna“, 1987
Der Vatikan reagierte auf die "Heilige Susanna" empört und ein katholischer Frauenverband stellte Strafantrag gegen den Bürgermeister Roms und gegen den Intendanten der römischen Oper: Der Einakter (Text von August Stramm) handelt von einer Nonne, die sich in mystisch-erotische Phantasien steigert, ihre Kleider ablegt und eine Christus-Statue liebkost. „Blasphemie, ausgerechnet mitten im christlichen Rom“ ereiferte sich ein Vatikansprecher. Das Theater entschied: minderjährigen wurde der Zutritt zur „Heiligen Susanna“ künftig verwehrt. (Spiegel 12/13 1987)
Karl-Heinz Stockhausen: Kunst und Terror - Konzertabsage, 2002
Der Elektroniker vermengte 2001 Kunst und Terror so eng miteinander, dass Medien und Politik tobten. In einem Pressegespräch hatte der Musiker in Hamburg die Terror-Angriffe vom 11. September als „das größte Kunstwerk“ bezeichnet. Auf Bitten der Kulturbehörde und des Hauptsponsors, der „Zeit“-Stiftung, sagte die Musikfest GmbH, daraufhin im Januar zwei geplante Konzerte mit Stockhausen ab. (MZ 19.1.2002)







