Mode
Aus Zensur Archiv
Kleidung
Playboy-„Bunny“-Kostüme, 1964/1976
1976 wurden die Playboy-„Häschen“ neu eingekleidet und zwar züchtiger: anstelle von weit reichenden Beinausschnitten und großzügigen Dekolletés präsentierten sich die Werbeikonen jetzt im hochgeschossenen Jockeyanzug. Begründung: Die vorherigen Ausstattungen seien einfach nur „plump sexy“ gewesen, allenfalls dazu geeignet, „die Phantasie älterer Herren anzuheizen“. (Spiegel 5 1976)
Protest gegen Rocklänge, Israel 1966
Den in der israelischen Armee dienenden Frauen war die Rocklänge der neuen Uniformen nicht genehm: sie forderten eine am internationalen Standard ausgerichtete "Kniefreiheit". Als der Protest nichts nutzte, kündigten sie an, die Röcke eigenhändig zu kürzen. Antwort der Armeeführung: Derartige Uniform-Veränderungen würden kriegsrechtlich bestraft. (Spiegel 9 1966)
T-Shirt: Adolf Hitler - European Tour 1939 – 45, Spanien 1984
Die in Spanien vertriebenen T-Shirts mit dem Hitler-Konterfei vorne und der Liste der einzelnen Überfälle auf die europäischen Nachbarn auf der Rückseite, wurden stark kritisiert. (Spiegel 26 1984)
"Divine Right“ T-Shirt: Queen als fixende Punkerin, England 1987
Die britische Gruppe „Divine Right“ empörte Königin Elizabeth 2., weil sie die Queen als fixende Punkerin auf einem T-Shirt zeigten. Ein Sprecher des Königshauses sagte: „Offen gestanden, die königliche Familie findet das sehr ärgerlich.“ Die Gruppe verteidigte sich, sie sei nicht anti-royalistisch, aber sie wolle zeigen, dass „niemand davor gefeit ist, drogenabhängig zu werden.“ (Spiegel 14 1987)
Jürgen Klinsmann "Stuka"-T-Shirt, 1995
Ein T-Shirt mit dem Schriftzug "Achtung Jürgen" und einem Sturzkampfbomber der Wehrmacht (darunter waren in Bauchhöhe Bombem mit den Jahreszahlen der bisherigen Cup-Siegen der Totenham Hotspurs, bei denen Klinsmann spielte) führte zu einer kritischen Diskussion. (u.a. Netz und Spiegel 19 1995)
Make-up-Verbot für Stewards, 2001
Die Fluggesellschaft Cathay Pacific verbot 2001 ihren Stewards, sich bei der Arbeit zu schminken. „Den männlichen Crew-Mitgliedern ist es untersagt, Grundierung, Eye-Liner oder Make-up zu tragen“, hieß es in einer Anweisung. (WN 1.6.2001)
Lehrerkleidung: Verbot für Schlabberpullis, ausgewaschene Jeans, Ökoschlappen, 2003
Renate Hendricks, die Vorsitzende des Bundeselternrates: "Lehrer sind für Schüler keine Vorbilder, wenn sie im Unterricht Schlabberpullis ausgewaschene Jeans oder Ökoschlappen tragen. Einige Lehrer kleiden sich so schlecht, dass sie dafür in manch einer Firma entlassen würden." Sekundiert wurde der Vorstoß für eine Kleiderordnung z.B. vom Leiter der Martin-Buber-Gesamtschule in Groß-Gerau: "Wer von den Schülern angemessene Kleidung erwarte, müsse mit gutem Vorbild vorangehen, sagte der Schulleiter Hans-Peter Kirsten-Schmidt. Und: "Ich würde einen Lehrer sofort auf seine Shorts ansprechen." (WN 23.6.2003)
Schülerkleidung: Verbot für bauchfreies T-Shirt und Minirock, Sehnde (niedersachsen) 2003
Die Direktorin der Gesamtschule Sehnde bei Hannover, Helga Akkermann, hat sich 2003 in einem Schreiben an Schüler und Eltern für eine "angemessene Kleidung" ausgesprochen. Bauchfreies T-Shirt oder Minirock im Unterricht galten fortan als verpönt. Schülerinnen und Schüler konnten bei verstoß dann zum Umziehen nach Hause geschickt werden. 2001 war bereits an einer Dortmunder Gesamtschule (Geschwister-Scholl-Gymnasium) eine Kleiderordnung erlassen worden, die sich auf Springerstiefel und Bomberjacken bezog, da sie Ausdruck einer politischen Gesinnung seien. (MZ 18.6.2003)
Anti-Bush-Hemd, New York 2004/2006
Ein T-Shirt mit einem offenkundig bedröhnten Präsident Bush, drei Linien Koks und einem Martini, führte einen Schüler direkt vor Gericht. Das T-Shirt mit dem Spruch, „Chicken-Hawk-in-Chief“ (Hühnerhabicht) was jene US-Politiker, die für den Militärdienst eintreten, sich aber selbst vor jeder Gefahr gedrückt haben, umschreibt, verwies auf die Vergangenheit von Bush: Der hatte während des Vietnamdienstes weit ab der Front in Texas gedient. Angeblich soll er damals Drogen genommen haben. Der Schüler Guiles hatte es 2003 gekauft. Dann fand 2004 ein Klassenausflug statt: eine Mutter eines Mitschüler beschwerte sich beim stellvertretenden Direktor, der vorschlug das T-Shirt umzudrehen und das Kokain zu überkleben oder aber das T-Shirt ganz auszuziehen. Der Schüler weigerte sich, wurde dann suspendiert und erhielt vor Gericht schließlich recht. (Spiegel 40 2006)
Kleidermarke "Thor Steinar" gegen "Storch Heinar" ,2010
Die Kleidermarke, die unter Rechtsextremen besonders beliebt ist, hatte 2010 gegen das satirische T-Shirt "Storch Heinar" wegen Verletzung und Verunglimpfung der Markenrechte geklagt. (FAZ 23.6.2010)
Frauen in Orange-Kleidern mit Werbebotschaften: verhaftet, Fußballweltmeisterschaft Südafrika 2010
Die beiden jungen Damen trugen die Werbebotschaft ihres Auftraggebers, einer holländischen Brauerei, ins Soccer City Stadium, indem sie Orange-Kleider trugen, die mit einer winzigen Werbebotschaft versehen waren. Sie wurden, da die Fifa ein Werbeverbot erlassen hatte in einer Art vorauseilender Gehorsam von den örtlichen Behörden verhafte. Die niederländische Botschaft protestierte. (FAZ 4.10.2010)
Haare
Bundeswehr-Erlass über Haar- und Barttracht, 1972
Aus "hygienischen" Gründen ließ der damalige Verteidigungsminister Helmut Schmidt den liberalen Haarerlass aus dem Jahr 1971 ein Jahr später verschärfen: für Bundeswehrsoldaten galt fortan - "nicht über den Kragen, nicht über den Augen, nicht über den Ohren", (Spiegel 22 1972)
Haarerlass für Männer, Singapur 1972
Die Regierung in Singapur ließ 1972 tausende von Plakaten in Amtsstuben aufhängen, um genau zu dokumentieren, wenn das Haar zu lang und somit ungesetzlich ist: sofern es über die Stirn fällt, die Augenbrauen berührt, die Ohren bedeckt und/oder über einen normalen Hemdkragen fällt. Die Aktion war notwendig geworden, weil z.B. viele Staatsdiener wie Lehrer über mangelnde Anhaltspunkte für eine Beurteilung geklagt hatten. In dem Haarerlass wurde gewarnt: "Männlichen Wesen mit langen Haaren wird es jetzt endlich gezeigt." (Spiegel 30 1972)
Haartracht nur in „sozialistischer Manier“, 2005/2007
Die kommunistische Regierung in Nordkorea sagte 2005 langhaarigen Männern den Kampf an. Sie wurden aufgefordert, ihr Haar zukünftig nur noch in „sozialistischer Manier“ zu tragen. Ansonsten seien sie „blinde Anhänger der Bourgeoisie“ und „unhygienische, antisozialistische Dummköpfe“. Machtinhaber Kim Jong Il setzte selbst mit einem neuen Kurzhaarschnitt ein Zeichen. Unterstützt wurde die Aktion von einem Fernsehsender, der Langhaarsünder mit Namen nennt und öffentlich bloßstellt. (WN 2.2.2005) 2007 wurden die Regeln noch einmal verschärft. Nur fünf Frisuren waren fortan erlaubt, nicht kürzer als einen, nicht länger als fünf Zentimeter. Längere Strähnen allerdings durften über kahle Stellen gekämmt werden: Ausnahme von der Regelung: Diktator Kim Jong Il durfte seine Sturmfrisur hochgekämmt behalten. Für Frauen wurden Kleidungsregeln eingeführt. Sie mussten in der Öffentlichkeit Röcke und Strümpfe tragen und die arme bedecken, Hosen sowie nackte Zehen galten fortan als Tabu. (Spiegel 27 2007)
Rassismus
Claudia Schiffer als Farbige, 2008/2010
Als Claudia Schiffer als Farbige mit Afro-Frisur 2010 auf einem Magazin abgebildet wurde (das Foto war 2008 im Rahmen einer ganzen Reihe geschossen worden), wurde die Aufnahme als beleidigend und rassistisch gewertet. (online 4.6.2010)
Andere Länder
England
Verbot von Blue Jeans, Birmingham 1959
Ein siebzehnjähriger wurde in Birmingham aus dem Kino verwiesen, weil er Blue Jeans trug. (Bravo 10 1959)
Frankreich
Verbot für Prinzessinnen-Kleid im Disney-Park Paris, 2010
Mutter und Tochter hatten sich für den Besuch im Disney-Park eigens märchenhafte Prinzessinnen-Kleider angezogen und wurden deshalb aus dem Park verwiesen mit der Auflage, sich umzuziehen, denn ansonsten, so die Begründung, könnten die beiden mit tatsächlichen Disney-Figuren verwechselt werden. (Netz 20.4.2010)
Iran
Schlipse verboten, 2000
Schlipse galten 2000 den Hütern der islamischen Revolution als Symbol der westlichen Kultur und wurden auf der Urlaubsinsel Kisch verboten. (MZ 8.8.2000)
Israel
Gesetz gegen bearbeitete Werbefotos, 2010
Israel plante 2010 mit Hilfe des sog. "Photoshop-Gesetzes" Werbeplakate zu kennzeichnen, auf denen die Model-Körper digital bearbeitet wurden, um gegen das "verfälschte Bild der Idealfrau" der Modeindustrie anzugehen. Die hatte z.B. aus einer "aufgeschwemmten" und sichtlich gealterten Britney Spears eine schlanke "Lolita" gemacht. (welt.de 18.6.2010)
Türkei
Bademoden in der Kritik, Türkei 2007
2007 tobte in Istanbul ein heftiger Streit zwischen der Stadtverwaltung und den Herstellern von Bademoden darüber, wie freizügig Werbeplakate für Bademoden sein dürfen. Bikinis z.B. galten als verboten. (Spiegel online 19.5.2007)
USA
"Topless"-Badeanzug, 1964
Erfunden wurde er von Rudi Gernreich, der Badeanzug, der den Busen frei ließ. Hausfrauenverbände demonstrierten, der Vatikan schimpfte und Moskau sah darin wieder mal ein Zeichen westlicher Dekadenz. (Spiegel 18 1985)
Verbot von Baggy-Jeans, Michigan 2008
David Dicks, Polizeichef in Flint (bei Detroit, Michigan) entdeckte als erster das Vergehen: Das Tragen von tief sitzenden Jeans, eine Modeerscheinung, die viele zwar als Geschmacksverirrung einstufen, aber nicht als „unmoralischer Ausdruck der Persönlichkeit“ (Dicks). Die sog. Baggy-Jeans seien „unanständig“ und dazu angetan, öffentliches Ärgernis hervorzurufen. Das aber wird im Staat Michigan mit bis zu einem Jahr Gefängnis oder 500 Dollar Geldstrafe geahndet. Der Polizeichef lieferte auch gleich noch genaue Instruktionen zum Umgang mit den Gesetzesbrechern nach: Derjenige, dessen Hose zwar soweit unten hängt, dass die Boxershorts zu sehe sind, aber kein Hintern, bekommt nur eine Verwarnung ausgesprochen. Ist der Allerwerteste sichtbar, gilt der Tatbestand als Erregung öffentlichen Ärgernisses als erfüllt. Dies war kein Einzelfall: Zwei weitere Städte des konservativen Südens, Alexandria und Shreveport (beide Louisana) verboten ebenfalls das Tragen der bei Teenagern so beliebten Baggy-Pants (weit unterhalb der Hüfte sitzende Hosen) aus moralischen Gründen. „Wir haben das Verbot einstimmig verabschieded nachdem sich so viele Bürger beschwert haben, dass sie junge Männer nicht mit derart tief sitzenden Hosen sehen wollen, die die Unterwäsche und in manchen Fällen auch das Hinterteil sehen lassen, begründete z.B. Stadtrat Louis Marshall aus Alexandria das Verbot. Dem Verbot wollte man mit einer Geldstrafe bis zu 25 Dollar Nachdruck verleihen. Im Wiederholungsfall sollte sie höher ausfallen. In England hingegen entschied ein Richter in Bedford lehnte ein Richter das von einem Staatsanwalt geforderte Verbot von Baggyhosen als Verstoß gegen die Menschenrechte ebenso ab, wie das geforderte Verbot zum Tragen von Kapuzenpullis. (Spiegel: 32 2008 und Welt 31.8.2008/Sdt.6.5.2010)


