Fernsehen

Aus Zensur Archiv

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Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF)

Im April 1994 nahm die von RTL, RTL 2, Kabelfernsehen, Sat 1, Pro 7, Vox, Premiere, ntv und Kabelkanal gegründete FSF ihre Arbeit auf, um härteren Gesetzen zuvor zu kommen. Erster Fall: die Begutachtung der Krimiserie "Miami Vice". Pro Jahr werden ca. 750 Filme überprüft. An ca. der Hälfte wird Anstoß genommen. Schnitte wurden u.a. verlangt bei "Terminator" oder "California Cops", eine spätere Ausstrahlung bei "Aliens des Grauens" oder Karate Tiger 5" (erst ab 24 Uhr) und etliche Filme wie die Sexstreifen "Centerfold", "Verborgene Leidenschaft", die Todlichen Träume oder "Die Rückkehr der Untoten" ganz verboten. Nicht verboten wurden "Die intimen Momente der Madame Claude", gleichwohl Koitus und Onanie vorkamen, der sich aber "vor allem durch die Verbreitung intensiver Langeweile auszeichnet." (Stern 17 1995)

Szene aus dem abgelehnten Film "Centerfold"
Szene aus dem abgelehnten Film "Prisoners"
Szene aus dem abgelehnten Film "Der Panther 2"

Kindersendungen

"Sesamstraße", 1969/2007

In den USA erschien 2007 eine Kompilation-DVD zur „Sesamstraße“. Dabei wurden die ersten Folgen in den USA mit einem Warnhinweis wegen „Kinderschädlichkeit“ versehen: „Diese Episoden sind für Erwachsene bestimmt und passen eventuell nicht zu den Bedürfnissen von Vorschülern“. Vieles von dem, was da am 10. November 1969 erstmals über die Schirme verbreitet worden war, ließ rund vierzig Jahre später die DVD-Produzenten erschauern: zwei Puppen, die unter prekären Bedingungen in einer Kellerwohnung hausten, ein grünes Monster mit schlimmster Depression, eine blaues Ungeheuer auf der Überholspur zur Zuckerkrankheit oder Oskar, der in einer Mülltonne lebt und dauernd schlecht gelaunt zynische Sprüche von sich gibt. Die Produzentin Carol-Lynn Parente meinte dazu: „So eine Figur können wir heute nicht mehr einführen“. Auch Rauchen und maßloses Essen wurden von der DVD verbannt. In den aktuellen Folgen der Sesamstraße sind die Probleme längst gelöst. Schon 2005 verordneten die Produzenten dem Krümelmonster eine strenge Diät. (Welt 23.11.2007. Auch in der Erfolgsgeschichte der Kindersendung gibt es zahlreiche Beispiele, dass Ernie, Bert und Co nicht nur Sympathie entgegen schlug: So protestierte der Bayrische Rundfunk gleich zu Beginn der Ausstrahlungen, da die Lebensumstände in den USA und in Deutschland nicht miteinander zu vergleichen seien. Denn einige Szenen der frühen Sesamstraße spielten, so die protestierenden Bayern, unerträglicherweise in New Yorker Slums. Deutsche Lehrerverbände befürchteten eine Bildungskatastrophe und amerikanische Lehrer verwiesen auf die zu schnellen Schnittfolgen, die bestens dazu geeignet seien, Epilepsie auszulösen. In der Heimatstadt des Sesamstraßen-Erfinders Henson warnte man davor, dass das Fernsehpublikum noch nicht reif dafür sei, schwarze und weiße Menschen neben Handpuppen auftreten zu lassen. (Sdt. 10.9.2009)

"Schweinchen Dick", 70er

Anfang der siebziger Jahre wurde die Zeichentrickserie insbesondere auf Betreiben des CDU-Politikers Heiner Geißler aus dem Programm genommen. Ihm erschien die Serie zu brutal. (Prisma Archiv)

"Die Sendung mit der Maus" und der Klassenkampf,1973

Deutschlands Unternehmer fühlten sich in den frühen siebziger Jahren von Funk und Fernsehen verleumdet. In einer medienkritischen „Trend-Analyse“ wurde sogar die Sendung mit der TV Maus angeprangert, weil in ihr der Klassenkampf propagiert würde und Unternehmer nur als Bösewichte erschienen. (Spiegel 8 1973)

“Digimon“- und "Pokemon"-Verbot, Türkei 2001

Eltern forderten bei der Medienaufsicht ein „Digimon“-Verbot, weil sie ein negatives Nachahmungsverhalten ihrer Kinder befürchteten. So sollen Kinder sollen bereits versucht haben, sich wie die kleinen Monster aus dem Fenster oder von Balkonen zu stürzen. Bereits davor hatten türkische Behörden die Ausstrahlung von „Pokemon“-Filmen gestoppt, nachdem sich zwei Kindern aus dem Fenster gestürzt hatten und verletzt worden waren. Auch in Deutschland wurden die Filme gezeigt. (MZ 3.5.2001)

"Basil Brush", England 2008

"Basil Brush", eine Art Fuchs und Liebling vieler Kinder, wurde zum Fall für die Polizei. Angelastet wurde der Kunstfigur eine rassistische Gesinnung, weil er in einen Sketch über Zigeuner (BBC Kinderprogramm März 2008) nach dem Besuch bei einem Zigeuner-Wahrsager, bemerkte, dass seine Werkzeugtasche gestohlen worden sei. Die Aufregung nach der Sendung war unter den Zigeunern riesig. (Netz 17.3.2008)

Spongebob: „schwul“?, 2009

Konservative christliche Kreise lehnen die Zeichentrickfigur als Vorbild ab. Grund: sie halten ihn für schwul, wegen seiner Vorliebe für bunte Farben und seiner fast ausschließlich männlichen Freunde. (WN 30.4.2009)

"Unser Charly" - Einstellung gefordert, 2010

Tierschützer forderten 2010 die Einstellung der Serie "Unser Charly" in der ein Schimpanse die Hauptrolle spielt. zur Begründung gb u.a. der Präsident des Tierschutzbundes, Wolfgang Apel, an: "wer Kindern vorgaukelt, Schimpansen seien zur Belustigung des Menschen da, handelt grob fahrlässig. zudem wurde auf eine Studie der FU Berlin verwiesen, die Kindern nach dem Ansehen der Serie nach ihrem Affenbild fragten: sie hielten mehrheitlich Schimpansen für liebe Haustiere, die gerne Menschenkleidung tragen und gern mit Menschen zusammenleben. Die Serie läuft seit 15 Jahren. (MZ 10.6.2010)

Jugendsendungen

Jugendsendungen: „Beat-Club“, „baff“, „p“, sechziger Jahre

Das deutsche Fernsehen wendete sich in den sechziger Jahren zunehmend der Jugend mit Sendungen wie „Beat Club“, „baff“ oder „p“ zu. Das aber führte zu Protesten vieler erwachsener Zuschauer gegen diese „ungepflegten Heuler, Schreier und hopsenden Brüller“ gegen „Kommunistenagenten“, „Gossendreck“ und Nuditätensendungen“. Eine Mutter rief für die „gesamte deutsche Jugend, die noch nicht vom Gift der Zersetzung zerfressen ist“ auf gegen die Stuttgarter Sendung „p“ vorzugehen. Über das Kölner „baff“-Jugendmagazin hieß es: „Die Sendung wäre nach Mitternacht noch bedenklich, um diese Kinderstunde aber ist sie teuflisch schmutzig.“ (Spiegel 11 1970)

Jugendmagazin „B.O.X.“, 1973

Das Südfunk kürzte 1973 eine Sendung des Jugendmagazins um sieben Minuten gekürzt: Der geplante Auftritt des Aufklärungs-Autors Günter Amendt entfiel, weil seine Ratschläge zur Selbstbefriedigung von Stuttgarter TV Direktor Horst Jaedicke als „Aufruf zur Onanie“ abgelehnt wurden. „Wenn Selbstbefriedigung zur Verblödung führen würde, wären alle Schulen Irrenhäuser, die Lehrer die Oberirren“, hatte Amendt auf Anfragen von Jugendlichen geantwortet. Jaedicke hingegen war der Meinung, dass „zuviel Selbstbefriedigung“ ebenso schädlich sei „wie zuviel Autofahren". (Spiegel 28 1973)

Kultur

Leichensektion: Gunther von Hagens, Marl 2002

Gemeinsam sprachen sich das Grimme-Institut (Marl) und die Evangelische Kirche gegen eine TV-Übertragung einer Leichensektion Gunther von Hagens aus. Vorher hatten britische Sender diese ausgestrahlt. (dpa 18.12.2002/vermutlich)

Sport

Fußballer Ewald Lienen mit Anti-Atom-Pullover, WDR 1985

„Herr Lienen, was wollen Sie denn am Sonntag anziehen?“, war die Frage, die dem Fußballer Lienen telefonisch gestellt wurde, nachdem er vom WDR als "Torschütze des Monats" zur Sportschau eingeladen worden war. Der zuständige Redakteur erklärte zum Hintergrund der Frage, dass dem WDR sein Lieblingspullover mit dem Abrüstungssymbol und der Aufschrift „Sportler gegen Atomraketen – Sportler für den Frieden“, den er bei den letzten Sendungen getragen habe, missfalle. Lienen verzichtete schließlich auf den Pullover und durfte dafür einen Button mit dem Friedenszeichen tragen und in der Sendung auf seine Aktivitäten für die Friedensbewegung eingehen. (Spiegel 47 1985)

Ewald Lienen mit mißliebigem Pullover

„Martial Arts X-treme“ (MAX), 2006

Seit dem 7.10.2006 sendete das DSF die Aufzeichnungen der in Berlin ausgetragenen Kämpfe, die am Samstag ab 21.15 gezeigt werden. Etliche Zuschauer beschwerten. Grund: Gewaltverherrlichung. Daraufhin überprüften die Verantwortlichen die Sendung. Eine Absetzung stand zunächst nicht steht zur Debatte, wohl aber eine Verlegung auf nach 22.00 Uhr. DSF zu dem Vorgang: „Wir hatten MAX inhaltlich geprüft und nichts zu beanstanden.“ Pressesprecher Sebastian Baron ferner: „Vielleicht wirkt es abschreckend, dass auch auf dem Boden weitergekämpft wird.“ (MZ 22.11.2006)

Szene aus „Martial Arts X-treme“ (MAX)

Fernseh- und Spielfilme

“Mörder von Lebach“, 1969/1972/1996

Am 20. Januar 1969 drangen bewaffnete Männer in die Standortmunitionsniederlage des Fallschirmjägerbataillons 261 ein, töteten vier der fünf diensthabenden Wachsoldaten und verletzten den fünften schwer. Der Kriminalfall wurde 1972 in einem vom ZDF produzierten Dokumentarspiel nachgestellt. Auf Ersuchen der Täter erhielt der Film durch das Bundesverfassungsgericht im sogenannten Lebach-Urteil ein Sendeverbot. Die Produktion wurde bis zum heutigen Tage nicht ausgestrahlt. Eine 1996 von Sat.1 produzierte Dokumentation wurde nach längerem juristischen Tauziehen am 13. Januar 2005 zum ersten Mal ausgestrahlt. (wikipedia und Sdt. 4./5.3.2006)


Alleingänge der Sender beim ARD-Gemeinschaftsprogramm, 1981

Fünfmal hatte sich der Sender Bayrisches Fernsehen bis 1981 schon aus dem Gemeinschaftsprogramm ausgeblendet. Erstmals 1961 bei Kortners „Lysistrata“, letztmals beim Homo-Drama „Die Konsequenz" 1977. 1981 zog dann der WDR einen von ihm mit produzierten Spielfilm aus dem ARD-Programm: "Reinheit des Herzens" vomr Berliner Regiesseur Robert van Ackeren. Der Film w für den 8. November 1981 vorgesehen, doch dann kam der Rückzieher. Hübner, WDR-Programmdirektor, rechtfertigte seine Entscheidung mit Verweis auf eine „Empfehlung der Programm-Konferenz“ über „Gewaltdarstellung im Fernsehen" und zitierte: „Das Programm ist darauf angelegt, jede Verharmlosung und Verherrlichung von Gewalt auszuschließen. Exzessive Darstellungen von Gewalt sind unzulässig. Gleichzeitig soll einer Verrohung der Sprache entgegengewirkt werden.“ Sonderbarerweise schient dies nicht fürs dritte Programm des WDR zu gelten, denn aus dieser Schiene wurde der Sendetermin auf den Januar 1982 geschoben. (Spiegel 43 1981)

Antisemitismus

Mel Gibson: Serie über den Holocaust, USA 2006

Der US- Fernsehsender ABC zog kurzfristig eine mit Mel Gibson vereinbarte Serie über den Holocaust zurück. Der betrunkene Gibson hatte nach einer Verkehrsüberprüfung Polizisten beleidigt und geäußert: „Die Juden sind verantwortlich für alle Kriege dieser Welt.“ Nach seiner Entlassung aus der Ausnüchterungszelle entschuldigte sich Gibson zwar, aber selbst die jüdische Liga gegen Diskriminierung ADL stellte fest: „Seine Tirade zeigt sein wahres Gesicht und beweist, dass seine Beteuerungen während der Debatte über seinen Film „Die Passion Christi“ nur Heuchelei waren.“ Kritiker hatten Gibson vorgeworfen, mit seinem Epos das uralte Vorurteil von den Juden als „Christusmörder“ wiederzubeleben. (MZ 2.8.2006)


Gewalt, Brutalität und Schock

„heute-journal“: Explosionsunglück am Costa-Brava-Strand, 1978

Entsetzt und verstört protestierten Hunderte von Zuschauern beim ZDF gegen einen Bericht, der vom spanischen Fernsehen überspielt worden war, und der etliche Grausamkeiten von einem Unglück enthielt. Tagesthemen Chef Dieter Gütt argumentierte: „Wir können an schlimmen Bildern nicht vorbei gehen.“ Aufnahmen von einem Guerillagemetzel hielt er für sendefähig, nur „Ekelerregendes“ wie das Bild von einer Frau, die mit der Axt ermordet wurde, wollte er nicht senden. Den spanischen Katastrophenreport mochte Gütt nicht ungekürzt in die Tagesthemen bringen: „Szenen mit verbrannten Leichen haben wir rausgeschnippelt“. Eine entschärfte Fassung wurde dann auch im ZDF wiederholt. (Spiegel 29 1978)

"Das Schwert des Shogun" (ZDF) und "Töte, Amigo" (RTL-plus), 1986

Schon während der Sendung von "Shogun" kam es zu Protestanrufen beim ZDF. Zuschauer beschwerten sich über das "eklige" Schauerstück und zwei Jugendämter beantragen die Indizierung bei der Bundesprüfstelle, die allerdings abgelehnt wurde. Indiziert hingegen wurde der Western "Töte, Amigo", der auf RTL-plus gezeigt wurde. (Spiegel 6 1986)

Filmplakat von "Das Schwert des Shogun"
Filmplakat von "Töte, Amigo"

"Hitcher, der Highway-Killer" und "Night Hunter", RTL, 1989

Die beiden Filme standen auf dem Index der Bundesprüfstelle, wurden aber (in gekürzter Fassung) dennoch bei RTL im Nachtprogramm gezeigt, was zu eine heftigen Auseinandersetzung zwischen der Prüfstelle und dem Sender führte. (Spiegel 51 1989)

Szene aus "Hitcher, der Highway-Killer"
Szene aus "Night Hunter"

Philip Gröning: "Terroristen", 1992

In dem Film wird ein fiktiver Anschlag auf einen Regierungschef thematisiert. Helmut Kohl wollte eine Ausstrahlung verhindern. Der SFW zeigte den Film dennoch. Kohl: "Ein unerträglicher Vorgang, der uns auch menschlich stark belastet." (Spiegel 50 1992)

"Ultimate Fighting, 2010

Im März 2010 entschied der Fernsehausschuss der Bayrischen Landeszentrale für Neue Medien, dass die drei Fromate "The Ultimate Figther", "UFC Unleased" und "UFC Fight Night", die bis dato samstags von 23 Uhr an gesendet wurden, nicht mehr gezeigt werden dürfen. Zur Begründung: "Die darin stattfindenden Tabubrüche, wie das Einschlagen auf einen am Boden liegenden Gegner, widersprechen dem Leitbild eines öffentlich-rechtlich getragenen Rundfunks." (Sdt.20./21.3.2010)

Drogen

Rauchverbotsforderung in Film und Fernsehen, 2006

Im Vergleich internationaler Produktion wird in Deutschland dopppelt so oft zum Glimmstengel gegriffen wie anderswo, kritisierte 2006 die Drogenbeauftragte der Bundesregierung. Laut einer Studie wurde in drei Viertel der Kinofilme von 1994 bis 2004, die erstmals gezeigt wurden, geraucht. In 45% aller deutschen Fernsehproduktionen und in 77 Prozent der Spielfilme tauchten Zigaretten auf. Das wurde vehement kritisiert. (MZ 30.11.06)

Serie:„Mord mit Aussicht“: Rauchverbot, 2008

In der ARD Serie durfte Hauptdarstellerin Caroline Peters anfangs noch qualmen, ab der vierten Folge war Schluss damit. Grund: Die Programmdirektoren hatten die fertigen Folgen vorab gesehen und Alarm geschlagen. WDR-Redakteurin Lucia Keuter: „Das Rauchen wegzulassen, war meine redaktionelle Entscheidung.“ Ein Mitarbeiter: "Die ARD fürchtete heftige Zuschauerreaktionen, da die Serie erst nach dem Inkrafttreten des Rauchverbots gesendet wird.“ Peters hingegen sieht sich durch das TV-Rauchverbot in ihrer künstlerischen Freiheit beraubt. (Bild 2.12.2007)

Noch-Rauchende Peters in "Mord mit Aussicht"


Political correctness

Fernsehfilm: "Tote Fahnen sieht man besser", 1971

Der Film setzt sich kritisch mit den bundesdeutschen Arbeitgebern auseinander. Unter ihrem Protest sah sich Radio-Bremen bezwungen, den Film nur in einer zensierten Fassung zu zeigen. (Spiegel 51 1971)

Polit-Magazin „Panorama“ zeigt eine Abtreibung, 1974

Zunächst nur im Einzugsbereich der Regionalprogramme von NDR und Radio Bremen wurde im Polit-Magazin „Panorama“ eine illegale Abtreibung gezeigt. Daraufhin brachen vor allem von kirchlicher Seite Proteststürme los, noch bevor die geplante bundesweite Ausstrahlung erfolgte. Als „Gipfel der Geschmacklosigkeit“ und „unerhörte Brüskierung des sittlichen Empfindens von Millionen Mitbürgern“ bewertete die CDU-/CSU-Bundestagsfraktion den Beitrag. Es folgte die Androhung einer Strafanzeige durch den Münchner Kardinal Döpfner, der in dem Beitrag eine „Aufforderung zum Rechtsbruch“ erkannte. Die Frage nach der Absetzung des verantwortlichen Journalisten Peter Merseburger wurde öffentlich diskutiert.(Spiegel 12 1974)

"Gebrauchsanweisung für einen Reichsverweser" (Fernsehspiel) von Oswald Döpke, ZDF 1975

Die Politparabel über einen möglichen Staatsstreich von rechts wurde, nachdem es bereits "entschärft" worden war, vom ZDF selbst in der zensierten Fassung endgültig abgesetzt, weil Parallelen zu Franz-Josef Strauß gefürchtet wurden (Begründung: "politische Bezüge auf die gegenwärtige Situation in der Bundesrepublik Deutschland könnten beim Zuschauer zu gravierenden Mißverständnissen führen.").

"Zählt nicht uns, sondern Eure Tage" (Spruch Hafenstraße Hamburg), ZDF 1987

In den ZDF Nachrichten wurde mehrfach über die Hausbesetzer in der Hamburger Hafenstraße berichtet (u.a. 17.11.1987). Stets erschien im Hintergrund ein Bild, auf dem der aktuell auf die Häuserfront gemalte Spruch gegen die sog. Volkszählung "Zählt nicht uns, sondern Eure Tage" fehlte. Während das ZDF von einem Fehler ("altes Bild") sprach und erst am 23.11.1987 das Bild mit dem Spruch zeigte, vermuteten viele eine bewußte Zensur. (Spiegel 49 1987)

Bild mit dem Spruch/23.11.1987
Bild ohne den Spruch/17.11.1987


Satire-Bundesadler: abgesetzt, 1990

Die Zeichentrickfigur, die seit 1983 die "Aktuelle Stunde" (WDR 3) mit ironisch-spöttisch Kommentaren begleitete, wurde Ende Januar 1990 abgesetzt. Bereits 1989 war es zu einem Eklat gekommen, als der Adler DDR-Flüchtlingen neben Freiheitsdrang auch die "Sehnsucht nach Feinkost" unterstellte, woraufhin unterschiedliche Gruppen intervenierten. (Spiegel 7 1990)

Star Trek: "Patterns of Force", 1996

Die Episode war die einzige, die nie im deutschen Fernsehen gezeigt wurde. Der Grund: Sock und Kirk traten in Uniformen auf, die denen der Nazis sehr ähnlich waren. Dies wollte man dem deutschen Publikum nicht zumuten. Die Episode erschien dann 1996 als Kassette unter dem Titel "Schablonen der Gewalt"]]

"Schablonen der Gewalt" im nicht-realisierten Cover

“Wut“, 2006

Die ARD-Intendanten beschlossen 2006 mehrheitlich das realitätsnahe Drama nicht um 20.15 Uhr sondern erst um 22.00 Uhr zu zeigen. Der damalige Intendant des WDR, Fritz Pleitgen, dazu: „Ich bin über die Entscheidung mehr als bekümmert, ich bin zornig.“ Die Hauptfigur in „Wut“ ist Felix, der aus einer typischen Mittelstandsfamilie stammender Jugendlicher. Er hat Ärger mit dem türkischen Mitschüler Can, dessen Bande ihn seiner neuen Turnschuhe beraubt und ständig drangsaliert. Sein Vater Simon ist Literaturprofessor, seine Mutter Christa Immobilienmaklerin, sie versuchen zu vermitteln. Der Film unter der Regie des deutsch –türkischen Regisseurs Züli Aladag löst z.T. auch die Grenzen zwischen gut und böse auf. Der ARD-Vorsitzende Thomas Gruber begründete die Verlegung unter Verweis auf den Jugendmedienvertrag und die Kriterien zum Jugendschutz: „Das und nur das ist der Grund, weshalb die vom WDR eingebrachte Produktion „Wut“ nicht vor 22 Uhr im Ersten gezeigt werden kann.“ Spekuliert wurde allerdings auch im Sinne einer political correctness darüber, ob der Film „ausländerfeindlich“ sei. (WN 27./29.9.2006)

"Gnadenlos gerecht – Sozialfahnder ermitteln“, 2008

Schon vor dem eigentlichen Beginn rief die Serie (SAT 1)über „Hartz-IV-Betrüger“ heftige Proteste hervor. Der Arbeitslosenverband Deutschland in Berlin sprach von einer „öffentlichen Hetzjagd auf "Hartz-IV-Empfänger“. Sat 1 konterte, die Sendung berichte „in ausgewogener Form über die gesellschaftliche Realität“: ein Kamerateam begleitete zwei Sozialamtsmitarbeiter vom Kreis Offenbach auf der Suche nach Leistungsempfängern, die diese möglicherweise zu unrecht erhielten. (WN 20.8.2208)

Tatort: "Schatten der Angst", 8.2.2008

Der vorgesehene Tatort um einen Mord im deutsch-türkischen Milieu von Ludwigshafen wurde im Februar 2006 verschoben und soll erst . am 6.4.2008 ausgestrahlt werden, aus „Rücksicht auf eine große Trauergemeinde, deren Gefühle wir nicht verletzen wollen“, sagte SWR-Intendant Boudgoust.

"Basil Brush", England 2008

"Basil Brush", eine Art Fuchs und Liebling vieler Kinder, wurde zum Fall für die Polizei. Angelastet wurde der Kunstfigur eine rassistische Gesinnung, weil er in einen Sketch über Zigeuner (BBC Kinderprogramm März 2008) nach dem Besuch bei einem Zigeuner-Wahrsager, bemerkte, dass seine Werkzeugtasche gestohlen worden sei. Die Aufregung nach der Sendung war unter den Zigeunern riesig. (Netz 17.3.2008)

"Tatort"-Folgen: „Wem Ehre gebührt“, 23.12.2007 und „Der Kormorankrieg", 9.1.2008

Zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen wurde eine "Tatort"-Folge zur Zielscheibe eifernder Proteste. Zunächst sah die alevitische Glaubensgemeinschaft ihre Religion durch den "Charlotte-Lindholm"-Fall „Wem Ehre gebührt“ vom 23. Dezember 2007 verunglimpft. Das alles durch einen fiktiven Plot, dem – ungewöhnlich genug – sogar der Hinweis vorangestellt war, es sei nicht beabsichtigt, die Aleviten zu diskriminieren. Vielleicht war dieser in vorauseilendem Bangen erfolgte Fingerzeig, der religiöse Toleranz signalisieren sollte, genau die falsche Strategie, weil er die Zuschauer indirekt dazu aufforderte, den Krimi um eine alevitische Familie und ihre Ehrenkodizes als realitätsnah zu rezipieren. Dann war ein weiter Höhepunkt des Betroffenheitslamentos im Namen partikularer Zuschauerinteressen zu verzeichnen, die vermeintliche Diskreditierung eines ganzen Berufsstandes. Der Landesfischereiverband Baden hatte die Konstanzer Tatort-Folge „Der Kormorankrieg" mit Eva Mattes angefeindet, weil die Fabel um Bodensee-Fischer, die aus Angst um ihre Fangquote Kormorannester abfackeln, ein ehrenwertes Metier diffamiere. „Inhalt und Handlung waren an den Haaren herbeigezogen“, barmte Ingo Kramer, Geschäftsführer des Verbandes. Die Fischer würden „als brutale Trottel“ dargestellt, monierte der Neufernsehkritiker. Ironischerweise sind beide Folgen ins Gerede gekommen, obwohl sie sich prophylaktisch abgesichert hatten, um gar nicht erst als politisch inkorrekt angesehen zu werden. Die Mordmotive hatten nichts mit dem zu tun, was die Kritiker monierten. So wird in dem Bodensee-Casus, dem Opfer, einem Umweltschützer, nicht etwa sein Engagement für die gefiederten Fischräuber zum Verhängnis, sondern die Eifersucht des Mannes seiner Geliebten. Und in dem Hannoveraner Kirmi mit Maria Furtwängler als Ermittlerin ist der Mord an einer jungen Alevitin nicht religiös begründet, sondern dient dem Kaschieren eines Inzests. Das überhaupt auf den fiktionalen Charakter eines Spielfilms hingewiesen werden muss, stimmt nachdenklich und wirft die Frage auf, wie das Medienkonsumverhalten im 21. Jahrhundert so anachronistisch, unreflektiert und wirkunsmächtig werden kann, dass, wie Ende Dezember in Köln geschehen, 15ooo Mitglieder der alevitischen Gemeinde gegen einen Film auf die Straße gehen, dem man allenfalls zum Vorwurf machen kann, dass er dramaturgisch misslungen ist. (Welt 9.1.2008)

Aleviten demonstrieren in Berlin gegen den "Tatort"


Fußball-WM 2010: Katrin Müller-Hohenstein und der "Reichsparteitag", TV 2010

In der Halbzeit des Spiels Deutschland gegen Australien hatte die Journalistin formuliert, es sei nach dem Tor des lange glücklosen Stürmers Klose für ihn wohl wie ein "innerer Reichsparteitag" gewesen. Im Internet kam es daraufhin zu heftigen Proteststürmen. ZDF und Journalistin entschuldigten sich. (MZ 15.6.2010)

Religion

Rosa von Praunheim: "Axel von Auersperg", 1974

Das ZDF beschnitt den Film um die erste halbe Stunde, weil der Filmer darin "den religiösen Glauben verächtlich" gemacht habe. U.a wurde der Bischof von der Schauspielerin Evelyn Künneke gespielt.

Evelyn Künneke als Bischof

Wolfgang Kirchner "Die heilige Hure", RTL 1998

In dem Film wird die Erneuerung der katholischen Kirche durch Sadomasochismus empfohlen. Zugrunde liegt dem Film das Buch "Credo an Gott und sein Fleisch" von Heide-Marie Emmermann. RTL strahlte den Film, der bereits Buß- und Bettag 1997 gezeigt werden sollte, erst ein Jahr nach hinreichender Prüfung später aus, da der Sender aufgrund der drastischen erotischen Darstellungen im kirchlichen Umfeld Proteste erwartete. (Spiegel 7 1998)

Szene aus "Die heilige Hure"

Interview mit Kurt Westergaard zu den sog. Mohammed-Karikaturen, ZDF 2010

Das ZDF sagte im Mai 2010 ein bereits festgezurrtes Interview mit einem der Zeichner der sog. Mohammed-Karikaturen ab. Westgaard sprach von Selbstzensur. Nach öffentlicher Kritik ruderte das ZDF zurück und kündigte öffentlich Überlegungen an, das Interview zu wiederholen. (Sdt. 8./9.5.2010)

Spiel-Shows und Reality

"Heute Abend mit Peter Frankenfeld", 1959

In der Sendung gab es eine sog. Herzensrunde. Dort trafen sich Menschen, die sich länger nicht gesehen hatten und sich dann vor laufender Kamera gerührt in die Arme fielen. Das sei ein "geschmackloser Seelenstriptease" befanden die Verantwortlichen. Die Sendung wurde deshalb abgesetzt. (Prisma Archiv)

"Reality-TV", 1994

Gezeigt wurden sog. "Augenzeugen-Videos": Unfallopfer, Menschen die ihren Selbstmord auf Band festhielten oder Rettungsaktionen von Nothelfern in drastischen Bildern. Aufgrund von Zuschauerprotesten wurden die Sendung eingestellt. (Zeit 12.8.1994)

"Bärbel, für Geld würde ich alles tun", RTL 2000

In der Live-Sendung wollte ein Frührentner eine Sex-Nacht mit seiner Frau für 1 Million Mark anbieten. Aufgrund von Warnungen der Niedersächsischen Landesmedienanstalt für privaten Rundfunk (NLM) und einer Bußgeldandrohung von 500 000 Mark wurde die Sendung zunächst verschoben (unseres Wissens nach wurde sie auch später nicht ausgestrahlt). Stattdessen wurde eine Sendung unter dem Titel "Mit Dir schlafen? - Da vergeht mir die Lust". (MZ 26.1.2000)

"Big Brother": Schönheitsoperationen im TV, 2004

Die Kommission für Jugendmedienschutz der Landesmedienanstalten im Wiesbaden beschloß, Filme und Berichte über Schönheitsoperationen fortan erst ab 23.00 Uhr zu senden. Ein Privatsender reagierte und veranlasste einen Stopp der Ops aus der "Big Brother WG" zeigen. Der Plan, einen Kandidaten kostenlos operieren zu lassen, hatte für einen Sturm der Entrüstung gesorgt. (MZ 21.7.2004)

„I want a famous face“, 2004/5

Junge Menschen ließen sich in dieser Show in den USA von plastischen Chirugen operieren, um Prominenten wie Brad Pitt oder Jennifer Lopez ähnlich zu sehen. MTV wollte die Reihe übernehmen und umgehend meldete sich der Jugenschutz. Es folgten heftige Diskussion und die von den Bundesländern eingesetzte Kommisssion für Jugendmedienschutz KJM fasste einen Grundsatzbeschluss, der besagt, dass generell Sendungen, die Schönheitsoperationen zu Unterhaltungszwecken zeigen, nur nach 23 Uhr laufen dürfen – ansonsten drohe ein Zwangsgeld. (MZ 19.8.2004)Im April 2005 erschien dann der erste Kontrollbericht der Kommission für Jugendmedienschutz. U.a. war die MTV-Sendung wegen Sendezeit und Inhalt kritisiert worden. Ein bayrisches Verwaltungsgericht musste sich schließlich mit der Sendung auseinandersetzen.(WN 7.4.2005)

"Big Brother": Bestrafungszimmer, 2006

Die Medienaufsicht hat zwei Jahre nach der Ausstrahlung eine Tageszusammenfassung aus dem "Big-Brother-Haus" beanstandet. Die Sendung war am Nachmittag des 3.12.2004 von früheren "MTV 2"-Sender ausgestrahlt worden und hätte aus Jugendschutzgründen erst nach 22 Uhr gesendet werden dürfen, teilte die Hamburger Anstalt für Neue Medien (HAM) mit. In der Show musste die Bewohnerin Franziska nach HAM-Angaben zehn Stunden lang in einen leeren „Bestrafungszimmer“ unter Bedingungen verbringen, die „an eine Art Isolationshaft erinnerten“. Unter anderem wurde die Kandidatin (damals 25 Jahre alt) ständig mit dem selben Musikstücke „Mana Mana“ beschallt. Der Grund für die Strafe sei gewesen, das Franziska wiederholt versucht habe, Botschaften an ihren Freund aus dem Container zu schmuggeln. Nach Bewertung der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) war die Sendung geeignet, Zuschauer unter 16 Jahren „sozial-ethisch zu desorientieren.“ (WN 22.12.2006)

"Germany´s Next Topmodel" mit Heidi Klum, 2006

Politiker und Experten für Essstörungen forderten 2006 die Absetzung der Show, in der sich junge Mädchen in einer Art Model-Casting für den vermeintlichen Traumjob Model präsentieren konnten. Es wurde befürchtet, dass die Bewerberinnen sich "verbiegen" würden und dem "übertriebenen Schlankheitswahn" verfallen könnten. (Max-Online 2.2.2006)

Bohlen-Ausschnitte DSDS: Tagung in Tutzingen, 2007

Auf der Tagung wurden u.a. Zusammenschnitte der hemmungslosesten Urteile aus der Sendung „Deutschland sucht den Superstar“ gezeigt. U.a.: „Bei mir kommen solche Geräusche aus anderen Öffnungen“, sagte Bohlen zu einer Kandidatin, eine andere demütigte er für ihr Übergewicht. (Sdt. 20.12.2007)

Dieter Bohlen: Sprüche und DSDS, 2007/2008/2010

Der Ex-Modern Talking Sänger bekam Ärger mit der Behindertenbeauftragten in NRW, Angelika Gemkow. Bohlen habe Behinderungsbegriffe als Schimpfwörter benutzt. So habe er das Vorsingen eines Kandidaten vor laufender Kamera als „epileptisches Singen“ abgetan. Auch Jugendschützer kritisierten Bohlens Sprüche in der RTL-Show DSDS als "beleidigend". Nach einer Anhörung teilte die Kommission für Jugendmedienschutz KJM der Landesmedienanstalten mit, dass die für den Sender zuständige Niedersächsische Landesmedienanstalt jedoch lediglich eine Beanstandung gegen die Ausstrahlung am Nachmittag ausspreche, da die Sendung zu dieser Zeit gegen die Jugendschutzbestimmungen verstoße. Zugleich stellte die Kommission fest: Die Art und Weise wie Dieter Bohlen die Auftritte der Kandidaten kommentiere, sei „unterstes Sprachniveau“. Es wurde sogar ein Prüfverfahren gegen die RTL-Casting-Show eingeleitet. Die Sendungen seien gekennzeichnet von "Beleidigungen und Bloßstellungen“. Eine der von Bohlen kritisierten Kandidatin erwog Schadensersatzklage. Auch wurde ein Verfahren wegen möglicher „sozial-ethischer Desorientierung von Kindern und Jugendlichen“ eingeleitet. Kritisiert wurden auch die redaktionellen Verstärkungen der Sprüche, etwa, indem einer Kandidatin bei der Angabe ihres Alters eine lange Nase auf dem Bildschirm wächst oder stampfende Musik signalisiert, dass die Frau den Raum betritt. Sprüche wie „Wenn du deine Stimmbänder in Säure schmeißt, dann haben wir ein Problem gelöst“ oder "Kann man das noch irgendwie verhindern, dass du Musiklehrer wirst?“ (Dieter Bohlen zu eine Kandidaten der Musik auf Lehramt studiert) brachten die Jugendschützer in Rage. (WN 24.1.2007, MZ 9.3.2007 und WN 1.2.2007)RTL reagierte auf die Kritik an der Sendung gelassen und gab 2008 bekannt, dass der Sender nicht das Konzept verändern wolle. Insbesondere die Nachmittagssendungen waren seit der ersten Folge der Staffel 2008 nach Einwänden von Jugendschützern sehr umstritten. Wiederholungen allerdings würden bei Bedarf mit einem Piep-Ton überblendet, gab RTL-Sprecher Christian Körner bekannt. Jugendschützer hatten die Sendung wegen menschenverachtender Häme kritisiert und wollten gegen RTL ein Bußgeld in Höhe von 100 000 verhängen. Der Grund: „weil aufgrund der Inszenierung durch RTL eine Entwicklungsbeeinträchtigung von Kindern unter zwölf Jahren vorliegt“, teilte die Kommission für Jugendmedienschutz mit. Das Lächerlichmachen durch Einblendungen von Untertiteln und Animationen durch die Redaktion sowie „beleidigende Äußerungen und antisoziales Verhalten werden genau wie in der letzten Staffel als Normalität dargestellt“, sagte KJM Vorsitzender Wolf-Dieter Ring. (WN 21.2.2008 und MZ 11.2.2008) Im Januar 2010 beanstandeten Medienwächter wieder eine Szene, in der Dieter Bohlen sich über einen Kandidaten lustig macht, der mit durchnässter Hose zum Vorsingen kam. Bohlen erklärte ihm detailliert, wie man sich auf der Toilette zu verhalten haben, damit so ein Malheur nicht passiert. (WN 22.1.2010)

Realityshow: “Herr der Fliegen“, 2008

Channel 4 plante 2008 eine Realityshow mit 20 Kindern zwischen 8 und 11, die analog zu Goldings „Lord of the Flies“ ohne Gesetze kämpfen und leben. Das rief den Jugendschutz in England auf den Plan. (Netz 22.8.2008)

Doku-Soap: „Erwachsen auf Probe“, 2009

Der Verein „Verantwortung für die Familie“ stellte Strafanzeige gegen RTL wegen der geplanten Sendung. In der Serie vertrauen Eltern ihre Babys Teenager-Paaren mit Kinderwunsch an. Es gehe um den Verdacht der Körperverletzung und Misshandlung Schutzbefohlener, so der Verein, da RTL die Entstehung einer „Bindungsstörung bei Kindern billigend in Kauf“ nähme. Die Anzeige richte sich auch gegen Eltern, die ihre Kinder zur Verfügung stellen. Hernach prüfte die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) die umstrittene RTL-Serie „Erwachsen auf Probe“ hinsichtlich der Verletzung der Menschenwürde verletze. (WN 29.5.2009)

"50 pro Semester", 2009

Die geplante Sendung von Pro Sieben sorgte bereits im Vorfeld für heftige Kritik von Politikern und Medienwissenchaftlern. Geplant war, dass fünf Studenten mit der Wette gegeneinander antreten, wer in einem Semester 50 männliche oder weibliche Sexpartner findet. Das Ganze war allerdings kein Reality-Format, sondern eine Schein-Dokumentation (Scripted Reality). Bayerns Familienministerin Christine Haderthauer dazu: "Es ist eine verheerende Botschaft an alle Zuschauer, wenn Frauen und Männer in einer Art moderner ´Kopfgeldjagd´zu Sexobjekten degradiert werden." Sie kündigte rechtliche Schritte an. Der Sender regierte und setzte die Sendung erst einmal ab. (WN 11.12.2009)

"Zimmer-frei"-Folge mit Ex-"Titanic"-Chef Martin Sonneborn, 2009

Die Sendung wurde kurzfristig abgesagt. Sonneborn hatte in der Sendung Werbung für seine "Partei" gemacht, J.B. Kerner u.a. als "überbezahlt" bezeichnet und die Zuschauer aufgerufen, seinem Beispiel zu folgen und keine Gebühren mehr an die GEZ zu zahlen. Offiziell wurde die Absetzung aber damit begründet, dass Sonneborn nicht "lustig" gewesen sei. (MZ 9.10.2009)

Sonneborn in "Zimmer-frei"

"Big Brother": Bewohner verbannt, 2010

Ein 28-jähriger Bewohner hatte einem anderen, der in den vergangenen Monaten zwei Tanten und eine Großmutter verloren hatte, vorgeworfen, aus den Schicksalsschlägen Kapital zu schlagen: "Du ziehst hier eine der größten Shows ab. Die größte Show überhaupt. Deine Schicksalsschläge verkaufst du im fernsehen, um Mitleid von den Zuschauern zu kriegen." Diese Sätze wurden als "zutiefst beleidigend, verletzend und pietätlos" gewertet und mit dem Rauswurf durch die Verantwortlichen geahndet. (MZ 23.10.2010)

"Betrüg mich, wenn du kannst", Frankreich 2010

In der Sendung des französischen Senders M6 geht es darum, die Kandidaten zu animieren, ihre Partner zu betrügen. Ein junger Mann, der an der Sendung teilgenommen hatte, gab seinem Partner die Schuld an seinem Freitod. M6 bestritt zwar einen Zusammenhang zwischen Sendung und Suizid, dennoch wurde die Sendung abgesetzt. (Sdt. 9.7.2010)

Satire

Bayern und Dieter Hildebrandts „Scheibenwischer, 1982/1986

Ärger gab es 1982 mit der Satiresendung, als Hildebrandt un Kollegen über das Prestigeobjekt "Rhein-Main-Donau-Kanal" lästerten. Die bayrische Regierung setzte den Punkt auf die Tagesordnung der Kabinettssitzung und neben zahlreichen Protestnoten setzte es von Stoiber noch eine Drohung mit dem Staatsanwalt. Bayern klingte sich 1986 wegen der der Satire-Sendung „Scheibenwischer“ aus dem Gemeinschaftsprogramm aus. Eigentlich handelt es sich bei der „Scheibenwischer“ um eine Live-Sendung, doch das eingereichte Manuskript reichte aus, um die Sendung als „makaber und degoutant“ bzw. „nicht gemeinschaftsverträglich“ einzustufen. Kritik entzündete sich vor allem an dem gesprochenen Text von Hildebrandt: „Ich wollte etwas Positives über mein Land sagen, da fragten sie mich, wer mich denn eigentlich bezahle. Da sagte ich, es habe immerhin Mängel. Aber es sei doch immerhin kein großes KZ, wie manche behaupten.“ Von den Verantwortlichen in Bayern wurde der Text so ausgelegt, als vergleiche Hildebrandt die BRD mit einem KZ. (Spiegel 4 1982 und 22 1986)

„Rudis Tagesschau“: Helmut Kohl und die Huren, 1986

Für Helmut Kohl war „das Maß des Zumutbaren“ überschritten. Der niederländische Showmaster Rudi Carrell hatte in seiner Nachrichten-Gagparade „Rudis Tagesschau“ in einem Sketch zwei Schauspielerinnen als Prostituierte frohgemut in die Kamera winken lassen. Die Damen des horizontalen Gewerbes begrüßten dabei ihre vermeintlichen Freier mit Rufen wie „Hallo Helmut“ oder Hallo Heiner“. Im Film rückten dann Politiker ins Bild, die in Autos an Frauen vorbeifahren und zurückwinken. Die Nachricht machte, gleichwohl eine Falschmeldung, die Runde: die Aufnahemn seien vor dem Bundeskanzleramt gedreht worden, woraufhin der Bundeskanzler einen Protestbrief an Willibald Hilf, den Vorsitzenden der ARD, losließ: „Sehr geehrter Herr Intendant, beigefügt übersende ich Ihnen einen Zeitungsbericht über eine geplante Sendung von Rudi Carrell. Ich habe in der Zwischenzeit Informationen eingeholt und dabei erfahren, dass offenbar dieser Bericht zutreffend ist. Ich weiß nicht, ob Herr Carrel, um in seiner Sprache zu bleiben `bekloppt` ist oder nicht. Ich weiß nur, dass die zuständigen Programmacher und der zuständige ARD-Sender offensichtlich jeden Sinn für Geschmack, Takt und für das Maß des Zumutbaren verloren haben. Ich bin ganz sicher, dass Herr Carrel sich wohl hüten würde, vor dem Amtssitz meines Kollegen, Ministerpräsident Ruud Lubbers, oder vor dem Amtssitz der niederländischen Königin eine derartige Aufnahme zu filmen. Wenn die Intendanten der ARD glauben, mit solchen Darbietungen dem Publikumsgeschmack entsprechen zu müssen, wäre es ja auch denkbar, dass der Sitz des Intendanten des Südwestfunks in Baden-Baden oder des WDR in Köln oder der Sitz des Intendanten von Radio Bremen für derartige `satirische Späße` ausgesucht wird. Ich darf Sie, sehr geehrter Herr Intendant, sehr dringend bitte, mir so bald wie möglich eine Stellungnahme zu diesem Vorhaben zu übermitteln, da ich die Absicht habe, auf dem Bundesparteitag der CDU in der zu erwartenden Diskussion zu diesem Beispiel an Geschmack- und Taktlosigkeit Stellung zu beziehen. Hochachtungsvoll Helmut Kohl. Geantwortet wurde: "Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, … Herr Intendant Nowottny teilte mir mit, dass diese Informationen nicht zutreffend sind. Es soll zwar in der im nächsten Jahr wieder beginnenden „Rudis Tagesshow` eine Szene geben, in der zwei Damen des ältesten Gewerbes der Welt vorüberfahrenden Politikern zuzwinkern und zuwinken. Diese Situation findet jedoch nicht vor dem Bundeskanzleramt, sondern vor einem neutralen und nicht identifizierbaren Hintergrund statt… ." (Spiegel 49 1986)

"Rudis Tagesshow": Ajatollah Chomeini, Slips und Büstenhalter, 1987

Für die Satiresendung hatte Rudi Carrel einen 14 Sekunden-Spot zusammengeschnipselt, der zeigt, wie der ewig mürrisch dreinblickende Chomeini von weiblichen Fans zur Aufmunterung mit Slips und Büstenhalter zugeworfen wird. Nach der Ausstrahlung der Sendung setzte unter den Muslimen eine Protestwelle ein, weil Carrell damit "das geistliche Oberhaupt aller Muslime" (so der Botschafter Irans Salari) beleidigt habe. Selbst die deutsch-iranischen Beziehungen standen auf dem Prüfstand. (Spiegel 9 1987)

Stills aus "Rudis Tagesshow": Ajatollah Chomeini, Slips und Büstenhalter

Grenzen der Satire - Harald Schmidt, ARD 2007

In die Kritik geriet 2007 Harald Schmidts Sat.1-Show aus dem Jahre 1995. Damals hatte er die vermeintliche Gemeinsamkeit von WDR-Moderatorin Bettina Böttinger, einer Flasche Eierlikör, einer Kloschüssel und der Zeitschrift "Emma" mit den Worten "Die würde kein Mann freiwillig anfassen" herausgestrichen. WDR-Intendantin Monika Piel distanzierte sich von dieser Form der Satire: "Dies entspricht nicht unseren Programmstandarts, und ich dulde es nicht, wenn Menschen in ihrer Persönlichkeit verletzt werde." (MZ 10.9.2007)

Horst Seehofer und sein Seitensprung, 2008

Eine flapsige Anmoderation von ZDF-Nachrichtensprecher Normen Odenthal zu einem Beitrag über den neuen bayrischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer, brachte Odenthal eine Rüge von seinem Arbeitgeber ein. In der Sendung „heute nacht“ sagte er: „Horst Seehofer hat in Berlin alles hingeworfen und ist seit heute Ministerpräsident von Bayern. Berlin war für ihn also nur ein Seitensprung – in jeder Beziehung.“ Dies konnte als eine Anspielung auf seine außereheliche Berliner Affäre verstanden werden. (WN 30.10.2008)

"Neues aus der Anstalt" -Komiker Urban Priol zum Tod von Lech Kaczynski, ZDF 2010

In der Satiresendung hatte Priol zum Unfalltod des polnischen Staatspräsidenten gesagt: "Ist da eine Heuchelei im Gange: Wie beliebt er war, der in ganz Europa als Nervensäge belächelte Lech Kaczynski. Mit dem wollte doch keine Sau was zu tun haben." Daraufhin hagelte es Proteste aus Polen. (Spiegel 17 2010)

Sex

"Am grünen Strand der Spree", sechziger Jahre

Die fünf Folgen wurden nur in einer geschnittenen Version gezeigt, u.a. fiel der Schere eine Szene zum Opfer, in der Helen Vita andeutungsweise nackt unter der Dusche zu sehen war. (Archiv)

Dokumentation: „Obszönität als Gesellschaftskritik?“, 1970

Am 20.10.1970 hatten zehn Millionen Bundesbürger kurz vor Mitternacht die Gelegenheit, koitierende Paare, homosexuelle Küsse oder Gruppensex zu sehen. Dann kam die Protestwälle: Bundeskanzler Brandt hatte „kein Verständnis für den Bericht“ und ausgerechnet der bayrische Sex-Filmer Alois Brummer („Dr. Fummel und seine Gespielinnen“) zeigte den ARD Programmdirektor Lothar Hartmann wegen „der Vielzahl derber, geschlechtsbezogener Ausdrücke“ bei der Münchner Staatsanwaltschaft an. Für die Deutschland-Stiftung erhob das geschäftsführende Vorstandsmitglied Kurt Ziesel gleich gegen alle ARD-Intendanten Klage, weil „der Bayrische Rundfunk nicht mehr den Charakter einer Anstalt des öffentlichen Rechts, sondern durch diese Sendung den Charakter eines öffentlichen Bordells angenommen“ habe. “ Das Bundesland Bayern ließ zudem verlautbaren, dass es demnächst das Gemeinschaftsprogramm öfter überprüfen werde, um sich ggfs. aus diesem verabschieden. Das hatte Bayern schon 1961 beim TV-Lustspiel „Lysistra“ getan Der „Pressedienst der Heimatvertriebenen“ sprach von „fortschreitender Zersetzung der öffentlichen Moral“. (Spiegel 47 1970)

Szenen aus "Obszönität"

Godard: „One plus one“ (Unzucht mit Tieren), 1970

Allzu drastische Anspielungen auf Sex wurden von der ARD immer mal wieder zensiert. So wurde aus dem Godard-Film „One plus one“ die Textpassage: „Es ist, als wollte man versuchen, eine Kobra zu ficken“, elektronisch unkenntlich gemacht. Als Begründung hieß es, man wolle keine Unzucht mit Tieren zitieren. (Spiegel 26 1970)

„Sex-Rebellion der Neuen Linken“, 1972

Der ARD-Beitrag über die „Sex-Rebellion der Neuen Linken“ erregte 1972 den "Bayernkurier": „Millionen Fernsehzuschauer wurden in ihren Heimen ahnungslos von diesem Schmutz überfallen.“

„Warhol, Künstler und Filmemacher“ von David Bailey, 1973

1973 gelang es erstmals einem Privatmann, Ross McWhirter, durch eine einstweilige Verfügung einen TV-Beitrag am Sendetag aus dem Programm zu werfen. Weil Film neben Transvestiten und Ausschnitten aus den Warhol-Produktionen "Bike Baby" und "Trash" auch die dralle Warhol-Walküre Brigid Polk nackt, sich ihre Brüste mit Farbe bekleckert und damit eine Leinwand traktiert, wurde die Dokumentation über Warhol abgesetzt. Vom „schlimmsten TV-Schocker aller Zeiten“ („News of the World“) kündeten britische Zeitungen, die den Film vorbesichtigt hatten. In Unkenntnis des Films wandte sich der Zeitungsleser McWhirter an die Justiz, die ebenfalls ohne Augenschein, vier Stunden vor der Sendung die Verfügung erließ. Die Richter waren der Ansicht, dass die gesetzlich zur Wahrung von „guten Geschmack und Anstand“ verpflichteten Aufsichtsratsgremien der Fernsehanstalt, versagt habe. (Spiegel 4 1973)

Szene aus der Warhol-Dokumentation

Panorama über den Film "Snuff", 1976

Das Magazin "Panorama" wollte 1976 eine Dokumentation über die Hintergründe und Auswüchse der Porno-Industrie zeigen. Dazu sollten auch Ausschnitte aus dem Film "Snuff" von Rimmel gezeigt werden. Von der Münchner "Abendzeitung" wurde der Beitrag wie folgt angekündigt: "Heute im Fernsehen: so werden Frauen in Sex-Filmen gequält". Doch die vernichtende Selbstdarstellung der Porno-Industrie konnte wieder einmal nicht gezeigt werden, da die Produzenten des Films mit Klage drohten. (Spiegel 36 1976)

Nina Hagen in „Club2“: öffentliche Selbstbefriedigung, 1979

Im österreichischen Fernsehen zeigte Gast Nina Hagen den Zuschauern, wie man sich als Frau selbst befriedigt (21 Sekunden). Die Vorführung führte zum einem Proteststurm. Die Verantwortlichen reagierten mit Sofortmaßnahmen. Zunächst wurde eine Alkoholverbot im Studio ausgesprochen.(Archiv und Spiegel 20 1982)

Szene aus der "Club 2"-Vorführung von Nina Hagen

Fassbinder: „Berlin Alexanderplatz" (Alfred Döblin), 1980

Das Urteil einiger Zuschauer war vernichtend: Eine "Orgie von dummen Redensarten, "Schmuddel-.Sex“, eine „Orgie von Gewalt, Perversion und Blasphemie“. Fassbinder bekam Morddrohungen aus Hamburg und Köln und lebte zeitweise in München unter Polizeischutz. (Spiegel 45 1980)

ARD-Magazin "Arena" - Thema „Die neuen Nackten“, 1982

Gerade als ein Performance-Künstler sich unbekleidet auf ein Podest stellte, entblößte die Zuschauerin Helga Goetze ihren Busen und verkündet: „Es handelt sich sowieso nur ums Ficken“. Goetze hatte sich heimlich mit einer Perücke in die Live-Sendung des SFB, denn in Berlin war sie wegen ihrer exhibitionistischen Auftritte stadtbekannt. Während ein Großteil des Publikums johlte, fand eine eine hochgeschlossene evangelische CDU-Pfarrersfrau von der Talkrunde den Auftritt „scham- und würdelos“. Woraufhin der wütender Filmemacher Rosa von Praunheim die Frau aus Itzehoe mit der Frage „Wie oft sie in der Woche gebumst“ werde, attackierte. Die Zuschauer am Bildschirm, rund vier Millionen, überschütteten den Sender mit tausenden von Briefen und Anrufen: die Mehrheit „empört, verletzt, sprachlos“. Einige hatte die öffentlich-rechtliche Libertinage so aufgewühlt, „daß wir die ganze Nacht nicht schlafen konnten“. (Spiegel 37 1982)

Helga Goetze nackt in der "Arena"-Sendung

"Die Schwarzwaldklinik" (Folge: "Gewalt im Spiel"), ZDF 1986

In der Folge wurde am Samstagabend zur besten Sendezeit ein Schwarzwaldmädchen vergewaltigt. Die rächte sich nach dem Motto "Schwanz ab" in Form von Selbstjustiz. Daraufhin brach ein Sturm der Entrüstung lose. Die übliche Wiederholung der Sendung am Montag wurde gestoppt. (Spiegel7 1986) Die Folge landete schließlich auf dem Index der Bundesprüfstelle, was wiederum zu einem Verfahren vor dem Verwaltungsgericht führte. (Spiegel 51 1989)

Szenen aus "Gewalt im Spiel"

Erika Berger: „Eine Chance für die Liebe“, 1987/1992

Im Jahr 1987 begann die Sendereihe auf RTL, in der sich Erika Berger als Erotik-Expertin u.a. über Seitensprünge und Orgasmusschwierigkeiten ausließ. 1989 musste Berger einigen erregten bayrischen Medienwächtern ihre Programminhalte erklären und noch mal drei Jahre später wurde gegen Berger und RTL wegen „Aufforderung zum Exhibitionismus“ in der Nachfolgesendung „Der flotte Dreier“. Zur Anklage kam es nicht (WN 13.8.2009)

RTL II-Werbung "Expedition Robinson", (um 2000, keine genaue Angabe möglich)

Eine Vorlage für das Werbeplakat wurde deutlich entschärft. (Archiv)

Plakat
Vorlage

Schnitt im "Tatort": Sex-Szene, 2005

Der Bundesverband Regie BVR hat gegen die kurzfristige Entfernung einer Sex-Szene aus einem Tatort protestiert. Der Saarländische Rundfunk, so der Vorwurf hätte dem Druck der "Bild"-Zeitung nachgegeben, die mehrere Szenen-Fotos aus dem Film unter Empörung abgedruckt hatte: z.B. wie ein Vater im Pool Sex mit seiner Adoptivtocher hat. Der österreichische ORF strahlte den "Tatort" hingegen in Originallänge aus. (WN 17.11.2005)

„Sex and the City“, 2006

Der Sender Pro Sieben musste auf Druck der "Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen" Eingriffe in die TV-Serie „Sex and the City“ vornehmen, die im Vorabendprogramm lief. So wurde das Verb „blasen“ (in der Folge „Glaubensfragen) entfernt, „nackte Hintern“ raus geschnitten (der von der Hauptfigur Carrie in der Folge „Taten oder Worte“). Auch Politiker wie Bayerns damalige Familienministerin Christa Stewens sahen darin eine „sexuelle Zumutung für Kinder." Schließlich wurden die beiden Episoden „Models und Menschen“ und „Der beste Freund der Frau“ ganz aus dem Programm genommen. (Sdt. 22.7.2006)

Lena Meyer-Landrut nackt: RTL-Dokusoap „Helfen Sie mir!“, Ausstrahlung: 10. August 2009

Kurz vor ihrem Grand Prix Auftritt tauchten in der Presse Fotos auf, die die singende Schülerin barbusig in einem Pool zeigten. Bilder stammen aus der RTL-Dokusoap „Helfen Sie mir!“. Meyer-Landrut bekannte sich zu den Aufnahmen, aber Deutschland diskutierte darüber, ob eine Abiturientin sich vor der Kamera ausziehen darf und anschließend auch noch Deutschland bei einem internationalen Musikwettbewerb vertreten darf. (MZ 6.5.2010)

Meyer-Landrut in der RTL-Dokusoap „Helfen Sie mir!“

Werbefernsehen

„Frau im Spiegel": „Alles über Ingrid van Bergens Schuld und Sühne", 1980

Die Schauspielerin Ingrid van Bergen war für schuldig bedunden worden, dass sie 1977 ihren Geliebten Klaus Knaths erschossen hat. Sie wurde wegen Totschlags zu 7 Jahren Haft verurteilt. Während eines Hafturlaubs gab sie ein Interview mit der Zeitschrift "Frau im Spiegel", dass das Blatt als Werbespot einsetzen wollte. Motto: "lesen Sie exklusiv in ... „“. Gesendet wurde der Spot aber nicht, weil die Werbefernseh-Gesellschaften der Landesrundfunkanstalten die Ausstrahlung ablehnten, da es gegen die „sittliche Überzeugung eines Teils der Bevölerung“ verstoße. (Spiegel 37 1980)

Herrenpflege mit "Care" und einem nackten Mann, 1980

Bayerns Werbefernsehchef Wittmann lehnte eine Spot für "Care" ab, weil dabei mit einem nackten Mann geworben wurde, der seine Blöße jeweils nur haarscharf mit einem Aktenkoffer oder einen Theaterprogramm bedeckt hielt. Im Werbefernsehen von NDR und WDR war der Nackte nur „von fern und von hinten“ zu sehen. (Spiegel 37 1980)

Mainzelmännchen-Verbot, ZDF 1991

Die Werbewirtschaft forderte vom ZDF auf die Mainzelmännchen-Sequenzen zwischen den Werbespots auszusetzen, da - so die Behauptung - durch die Männchen "die Erinnerung an die unmittelbar angrenzenden Werbespots gestört" werde. (Spiegel 20 1991)

Andere Länder

China

Antonioni. "Blow up", 1966/1974

Von der Regierung in China wurde der Film als Provokation empfunden. Als er im deutschen Fernsehen ausgestrahlt werden sollte, versuchte es die Führung zu verhindern, da man meinte, in dem Film würden die Chinesen lächerlich gemacht. (Spiegel 10 1974)

Filmplakat von "Blow up"


England

„The Farm“, England um 2005

In der Show wurde gezeigt, wie ein Eber vor laufender Kamera von Rebecca Loos befriedigt wird. Zehn Minuten verfolgten die Kameras, wie die Brünette das Genital rieb. Gage 60 000 Euro. In der englischen „Transen-Show" hatten sechs Männer eine attraktive Frau umgarnt, die sich am Ende als Transsexuelle entpuppte. Die Männer drohten vor der Ausstrahlung mit einer Klage und erhielten hohe Abfindungen.

„Distraction“ um 2005

In der Quissendung mußten Kandidaten unter Ablenkung Fragen beantworten, während sie beispielsweise Stromstöße erleiden und ihre Finger in Mausefallen steckten. Die Show aus England lief auch in den USA, Kanada, Israel und Italien.

TV-Oper: „Jerry Springer: The Opera“, UK 2008

Als obszön, blasphemisch und beleidigend wurde die Sendung in England eingestuft. Besorgte Christen protestieren vor dem Sendegebäude der BBC und fordern, sie nicht auszustrahlen. BBC zeigte das kirchen-kritische Musiktheater dennoch. (Sdt. 15./16.1.2008)

Selbsttötung vor laufender Kamera, England 2008

Eine britische TV-Dokumentation berichtete über Craig Ewert und dessen Selbsttötung durch einen Medikamentencocktail. Ewert, sterbenskrank, wollte seiner Familie die Qualen ersparen. Zur besten Sendezeit wurde gezeigt, wie er vor laufender Kamera den tödlichen Cocktail nimmt, dann schaltete der Gelähmte sein Beatmungsgerät ab. Es entbrannte ein heftiger Streit über Ethik des Tötens und der Darstellung. (WN 12.12.2008)

Italien

Satire-Show mit Maurizio Crozza, Italien 2006

Der Vatikan machte gegen eine Satire über Papst Benedikt mobil: Der Komiker Crozza war im italienischen Fernsehen in einer Benedikt–Verkleidung zu sehen und dachte über die Exkommunikation Madonnas nach, während Schweizer Gardisten zu Klängen der Pop- Ikone tanzten. Der Privatsekretär des Kirchfürsten Georg Gänswein meinte dazu: „Derartige Dinge haben kein intellektuelles Niveau und beleidigen die Kirchenleute.“ (MZ 16.11.2006)

Niederlande

Single-Show mit Sperma-Spender, um 2007

Wegen mangelnder Quote wurde in den Niederlanden eine Show abgesetzt, in der sich eine Single-Frau einen Spermaspender aus einer Gruppe von Männer aussuchen durfte.


Koran-Film von Geert Wilders, 2008

Der niederländische Ministerpräsident Jan Peter Balkenende schaltete sich in die Diskussion um den „Koran-Film“ des rechtspopulistischen Parlamentarier Wilders ein: „Es gibt Sorge, hier und im Ausland, dass der Film beleidigend sein könnte, … (so dass er die) öffentliche Ordnung, Sicherheit und Wirtschaft gefährde“, sagte Balkenende. Seine Regierung bereite sich deshalb auf mögliche Reaktionen im In- und Ausland vor. Wilders wollte in seinem zehn Minuten dauernden Film zeigen, wie der Koran von islamistischen Radikalen dazu benutzt wird, zu Gewalt und Intoleranz anzustiften. Es fand sich bis Januar 2008 kein Fernsehsender, der den noch nicht fertig gestellten Film zeigen wollte. (Welt 21.1.2008)

USA

Jerry Springer Show, 1998

In der Sendung ging es um Sex und Krawall: Geschichten wie "Honey, ich bin eine Hure" oder "Ich schlafe mit meiner Schwester" wurden in einer Art Selbstbezichtigung einem Millionenpublikum vorgeführt, wobei etwaige Kontrahenten aufeinander losgelassen wurden. Da das meist gebrauchte Wort "fuck" Sendeverbot hatte, bestand der Ton zuweilen nur aus "beep, beep". Auch bloße Brüste wurden elektronisch unkenntlich gemacht. Deshalb wurde eine "unzensierte Version ("Zu heiß fürs Fernsehen") auf Video angeboten. (Stern 20 1998)

Unzensierte Szene aus der "Springer"-Show

„Be my baby“, USA 2004

Im Mai 2004 startete der US-Sender ABC die Show, in der ein 16-jähriges schwangeres Mädchen schwanger ihr zukünftiges Kind zur Adoption freigibt.

"South Park" - Prophet als Bär, 2010

Nach einem Gastauftritt von Mohammed in einem Bärenkostüm wurden Trey Parker und Matt Stone, die beiden Erfinder der Zeichentrickserie, von der radikalen US-Muslimgruppe "Revolution Muslim" bedroht. Der Internetprotest der Gruppe wurde begleitet von einem Foto des niederländischen Filmemachers Theo van Gogh, der 2004 wegen seines islamkritischen Films ermordet worden war. Zitat im Netz: "Wir müssen Matt und Trey warnen, das das was sie machen, dumm ist und sie wahrscheinlich so enden werden wie Theo van Gogh". (heute online 22.4.2010)

Szenen aus der 200. Folge Southpark

Proteste gegen Zeichentrickserie "JC", 2010

Geplant war eine Serie mit Jesus, der als Durchschnittstyp in der heutigen Zeit lebt. Nachdem die Proteste gegen die Darstellung von Mohammed als Bär in "South Park" erfolgreich waren, forderten Christen in den USA bzgl. Jesus "Gleichberechtigung" und einen Stopp der Serie. Jesus war allerdings in "South Park" schon mehrmals aufgetreten. (Sdt. 5./6.6.2010)

F-Wörter und Nipple Gates, 2010

Janet Jackson umschrieb ihren legendären Auftritt beim Superbowl 2004 (sie zeigte für Sekundenbruchteile eine nackte Brust) mit einer "wardrobe-malfunction" ("Fehlfunktion ihrer Garderobe") und Bono, der Sänger von U2 bezeichnete den Gewinn des Golden Globe 2003 als "fucking brilliant" was u.a. zu einer Verschärfung der TV-Richtlinien führte. Der Kongress erhöhte die Geldstrafen auf 325000 Dollar. Als Folge feierten das "bleep" für F-Ausdrücke und "schwarze Balken" für Nacktes Triumphe. Zuweilen brachte die neue Verordnung aber auch Kuriositäten hervor. Ein Sender musste zahlen, weil in einer Serie gezeigte Kuhfladen mit dem Wort "Scheiße" bedacht wurden. (Sdt. 15.7.2010)

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