Erotik und Pornographie
Aus Zensur Archiv
Hans W. Ulrich: "Die Rasselbande contra Bösenberg" und der "unschamhafte" Wiederbelebungsversuch, 1955
In dem Buch rettete ein Junge ein Mädchen, das zu ertrinken drohte. Die beschriebenen und richtig durchgeführten Wiederbelebungsmaßnahmen gerieten in das Visier von Jugendschützern. Das Buch wurde vor allem aus konfessionellen Büchereien wegen der "unschamhaften Szenen" entfernt. Im Zuge der Affäre um "Die Rasselbande" wurde auch die sog. "Geheimbundserie" von Gerhard W. Wolf aus vielen Büchereien zurückgezogen. Ihr wurde zuviel "Eigenständigkeit" in den erzählten Abenteuern der Jugendlichen gegenüber den Normen, Verboten und Mahnungen der Erzieher unterstellt. (Trödler Archiv)
"Spiegel Nr. 37 1975: "Kino der Lüste"
"Widerlich" oder "unerträgliche Zumutung" waren nur einige Urteile, mit denen das Titelblatt (Szene aus "Geschichte der O") des "Spiegels" vom September 1975 in Leserbriefen bedacht wurde. (Spiegel 40 1975)
Oshima: "Im Reich der Sinne", 1976
Der Film wurde aufgrund des sog. Pornographieparagraphen 184, Abs. 3, wonach "pornographische Schriften, die Gewalttätigkeiten ... zum Gegenstand haben", in Herstellung und Verbreitung strafbar sind, nach der ersten Vorstellung beim internationalen Filmfestival "Berlinale" beschlagnahmt. (Spiegel 29 1976)
Krach um „Simplicissimus“, 1981
“Zur Sicherung des Ansehens des Namens ´Simplicissimus´“ so verkündete der Chef des Langen-Müller Verlages, Herbert Fleissner, 1994 müsse er „den Titelbenutzungs-Vertrag fristlos kündigen“. Die zehnte Nummer des wöchentlich herausgegebenen wiederbelebten Satireblattes hatte mit einem Bild, auf dem Prinz Charles und Lady Diana besteigt, geschockt. Fleissner dazu: „Für Pornographie ist der Name „Simplicissimus“ zu schade.“ (Spiegel 26 1981)
Ernst Kahl: „Bestiarium Perversum“, 1985
Der eher linke Hamburger Bundbuch-Verlag wollte das Buch, eine Kuriositätensammlung „ungewöhnlicher Freundschaften“ zwischen Tier und Mensch – Mensch und Tier, nicht drucken, da es zu "sexistisch" und "pornographisch". Daraufhin erschien es bei Galgenberg. (Spiegel 30 1985)
"The Sun": Das Mädchen von Seite 3, 1986
In der auflagenstarken Boulevardzeitung räkelten sich seit 1930 auf der Seite 3 Pin-ups, die allenfalls mit einem Slip bekleidet waren. Dagegen ging 1986 die Abgeordnete Clare Short mit einem Gesetzentwurf vor, der vorsah, den Abdruck von Fotos unter Strafe zu stellen, wenn diese Modelle "ganz oder teilweise nackt in sexuell aufreizenden Posen" posieren. Short begründete ihr Vorgehen mit dem Zusammenhang von Sex-Bildern und der steigenden Zahl von Sexualdelikten. Ihr Gesetzentwurf wurde zurückgewiesen. Daraufhin machten sich die Feministinnen in London zum Kampf bereit. Motto: "Wir wollen unseren Seite-3-Pimmel". (Spiegel16 1986)
Jean-Marc Reiser: "Phantasien" und "Unter Frauen", 1988
Bernd Weber vom Jugendamt in Kassel entdeckte in einem Zeitschriften- und Buchladen neben Asterix auch "Machwerke härteren Kalibers" des französischen Cartoonisten Reiser. "Primitivste Sexualsprache", "schlimme Form der Frauendiskriminierung" und "Sodomie" wurden darin von im ausgemacht und entsprechend gegen die Filialleiterin Anklage wegen der "Verbreitung pornographischer Schriften" erhoben. Bundesweit schaltete sich die Staatsanwaltschaft ein, um mit geballter Staatsmacht gegen die Werke von Reiser vorzugehen. Dessen Werk sprang aber ausgerechnet Alice Schwarzer zur Weite, weil in seinen Werken "die Geschlechter-Verhältnisse offen(ge)legt" werden." (Spiegel 26 1988)
"Stop-Aids"-Plakat: "Wir schützen uns, weil wir uns lieben", Schweiz 1994
Der Chef des Bundesamtes für Gesundheitswesen, Thomas Zeltner, wurde wegen eines Plakates für die Aids-Vorbeugung angezeigt: der Vorwurf - Verbreitung von Pornographie. In zahlreichen Landesteilen der Schweiz wurde die Plakate zudem beschmiert, abgerissen oder übersprayt. (Spiegel 38 1994)
Honecker und die Pornos, 1995
So sehr die DDR es mit der Zensur ernst nahm, vor allem wenn die Sachen aus dem Westen kamen, für die Politik galt das nur bedingt: Honecker ließ sich 4864 Videos für 1,3 Millionen West-Mark für private Zwecke in der Bundesrepublik besorgen. Viele Der Videos stammten aus dem Genre Softporno. U.a. befanden sich in seinem Besitz Werke wie "Black Emanuelle" (laut "Lexikon des erotischen Films" die Geschichte einer dunkelhäutigen Fotografin, die von einem weißen Ehepaar und anschließend von einem kompletten Hockey-Team vernascht wird.) oder "Die schwarze Nymphomanin". (Spiegel 33 1995)
Porno-Report, USA 1996
Elf Damen und Herren erhielten 1996 den Auftrag, "Wesen und Ausmaß der Pornographie in den USA" sowie deren "Einfluß auf die Gesellschaft" zu untersuchen. Heraus kam ein 2000 Seiten dicker Untersuchungsbericht, in dem u.a. Fragen diskutiert wurden, welche Bedeutung die Intimität von einem Mann mit einem Huhn hat oder ob man "Sex mit einer Leiche haben darf, mit der man verheiratet ist?". Als Empfehlung gegen die fortschreitende "Sexualisierung der Gesellschaft" und der damit verbundenen verheerenden Folgen wurde u.a. empfohlen, bei Peepshow zukünftig die Kabinentüren auf zu lassen und Bürgerwehren zum Einsatz gegen Pornohändler einzusetzen. (Spiegel 29 1986)
"Stern"-Titel über die Fotos von Jock Sturges von jugendlichen Nackten, 1996
"Skandal oder Kunst?" lautete der Titel des Stern 25 1996zu den Fotos von Jock Sturges, der nackte Jugendliche ablichtet. Die Reaktionen u.a. in zahlreichen Leserbriefen fielen eindeutig aus: "Sexueller Mißbrauch beginnt bei Fotos wie denen von Hamilton und Sturges" oder "Toller Tip für sonnenheiße Pädophile. so können sie unter dem Deckmäntelchen der Kunst an Frankreichs Küsten ihr schäbiges Ding machen." (Stern 27 1996)
Lady Di, 1998
Im Internet gibt es jede Menge von Nacktfotos von Stars,die manipuliert worden sind, wie z.B. die Aufnahmen von Lady Di. Der Fake-Dedektiv Gillian Anderson spürt diesen Fällen auf http://www.lairofluxlucre.com/detective{index.html nach.
Billy Corben: "Raw Deal - A Question of Content", 2005
Der Dokumentarfilm zeigt, wie schwer es u.a. sein kann, freiwilligen und erzwungenen Sex voneinander zu unterscheiden. Die Szenen in "Raw Deal" sind nicht gestellt, Corbens Film nutzt originales Amateurmaterial, gedreht 1999 im Wohnheim der Studentenverbindung Delta Chi. Die Studenten hatten Stripperinnen angeheuert, darunter die 27-jährige Lisa Gier King. 150 Dollar sollte sie für den Auftritt erhalten, plus Trinkgeld. Lisa strippte. Am nächsten Morgen gab sie an, vergewaltigt worden zu sein. Obwohl ein Video über den gesamten Ablauf vorliegt, lässt sich nicht eindeutig sagen, wo die Grenze zwischen Freiwilligem und Erzwungenen genaue verläuft. Deutsche Sender lehnten die Hard-Core-Szenen des Films ab, im britischen und im niederländischen Fernsehen hingegen wurde der Film ungekürzt gezeigt. (Spiegel 37 2005)
Béla Faragó: "Wollust", Erlangen 2010
Der Nürnberger Künstler malte in sieben drastischen Bildern die Todsünden. Auf dem Bild "Wollust" zeigte er eine nackte Frau mit gespreizten Beinen, daneben zwei Männern mit erigiertem Penis. Das brachte dem Künstler den Vorwurf der Pornographie ein. Proteste führten dazu, dass das Bild an Sonntagen verhüllt werden sollte. (WN 13.3.2010)
Facebook und die Brustwarzen einer Puppe, 2010
Das Social Network überbalkte die Brustwarzen der Puppe "Ophelia", die die Schmuck-Designerin Victoria Buckley ins Netz gestellt hatte. Bereits früher hatte Facebook die Bilder einer stillenden Mutter entfernt. Nach Protesten der User (Fangruppe "Rettet Ophelia" lenkte Facebook ein und zeigte die Bilder wieder. (Kurier.at 12.7.2010)


